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Das Integrative Sandspiel ist eine Methode für Psychotherapie und Beratung, die aus dem Jung‘schen Sandspiel, unter Einbeziehung verschiedenster anderer Methoden und Techniken (insbesondere der Katathym-Imaginativen Psychotherapie, kurz KIP), weiterentwickelt wurde. Es eignet sich für alle Tätigkeitsfelder, hat jedoch besondere Stärken in der Arbeit mit Menschen, die nicht reden können oder wollen, sowie in der therapeutischen Arbeit mit Kindern. Das Buch bietet in seinem Aufbau einen Bezugsrahmen für die Theorie der psychodynamisch orientierten Therapie. Ein Schwerpunkt liegt auf der Arbeit mit Symbolik. Der technische Teil beschreibt in zwei Schritten, wie man mit dem Sandkasten und dem Material arbeitet und wie die dazu notwendige Ausrüstung beschaffen ist. Des Weiteren wird die Nutzung der Sandbilder in den verschiedenen Anwendungsbereichen detailliert beschrieben und die Möglichkeit einer diagnostischen Nutzung erläutert. Die Methode ist so strukturiert, dass es für viele Berufsgruppen möglich ist, das Integrative Sandspiel in ihre Arbeit einzubauen.
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Seitenzahl: 199
Veröffentlichungsjahr: 2022
Walter LindnerIntegratives SandspielEine (fast) sprachfreie Methode in Psychotherapie und Beratung
Der Autor
Dr. Walter Lindner ist Klinischer und Gesundheitspsychologe, Psychotherapeut für Katathym Imaginative Psychotherapie, Supervisor in freier Praxis und war als Konziliar in mehreren Institutionen (Behindertenarbeit, Kinder- und Jugendberatung) und als Leiter der OÖ. Aidshilfe tätig. Als Standesvertreter der Psychotherapeut:innen ist er zudem Mitentwickler von Versorgungsmodellen in Österreich.
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Der Autor ist Urheber und Rechteinhaber aller in diesem Buch dargestellten Abbildungen.
1. Auflage 2022
Copyright © 2022 Facultas Verlags- und Buchhandels AG
facultas Universitätsverlag, Stolberggasse 26, 1050 Wien, Österreich
Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und der Verbreitung sowie der Übersetzung, sind vorbehalten.
Umschlagbild: © BrendanHunter – iStock
Druck und Bindung: Facultas Verlags- und Buchhandels AG
Printed in Austria
ISBN 978-3-7089-2181-5 (Print)
ISBN 978-3-99111-522-9 (E-Pub)
Vorwort
Stellen Sie sich vor, es ist Psychotherapie und niemand redet mit Ihnen. In dieser Situation befand ich mich, als ich als Konsiliarpsychologe in einer Tageswerkstätte für Menschen mit Beeinträchtigung anfing mitzuarbeiten. Zum einen waren es Menschen, die gehörlos geboren waren, zum anderen Menschen, die auf Grund ihrer psychischen Problematik nicht redeten. Damit war es mir nicht möglich, mit dem von mir erlernten Werkzeug zu arbeiten. Ich hatte zwar viele Methoden gelernt und kennengelernt, alle brauchten jedoch die Sprache, um wirksam werden zu können. So war ich herausgefordert, etwas Neues zu finden, damit ich auch mit diesen Menschen arbeiten konnte. Bei meiner Suche stieß ich auf das Sandspiel der Frau Kalff (1979), einer Jung’schen Methode, die mir von einer Schweizer Kollegin nahegebracht wurde. Da die KIP, die meine umfangreichste Ausbildung darstellte, in ihren Anfängen stark von der Jung’schen Theorie geprägt war, war es mir auch leicht möglich, mich in diese Methode einzuarbeiten. Die spezielle Situation der nicht redenden Menschen verlangte jedoch schnell eine Adaptierung der Methode. Dies gelang mir zum einen durch meine breite Ausbildung und zum anderen durch eine gewisse Experimentierfreudigkeit rasch. Meine Frau, ebenfalls Psychotherapeutin, unterstützte mich dabei. Das Arbeiten mit diesem Werkzeug war für mich sehr belebend in meiner psychotherapeutischen Tätigkeit.
Nach einigen Jahren fragte der Leiter einer großen Oberösterreichischen Fortbildungseinrichtung, ob ich die Methode nicht in einem Seminar vorstellen wolle. Hier gab es große Nachfrage und vor allem den Wunsch mehrerer Teilnehmerinnen, das Ganze doch ausführlicher zu machen. So wurde aus einem eintägigen Seminar eine Weiterbildung mit 10 Tagen.
Diese Seminare verlangten natürlich nach Unterlagen. Deshalb begann ich, die Methode zu beschreiben und immer mehr theoretisch zu unterlegen. Außerdem ergab sich durch die Auseinandersetzung mit den Teilnehmern eine fortlaufende Entwicklung der Methode. Schließlich kam wiederum von diesen Teilnehmerinnen der Wunsch, ich möge das ganz Wissen doch in Buchform bringen. Dies ist der Versuch, das, was ich sehr schätze, jetzt so zu formulieren, dass es für andere nachvollziehbar und nutzbar wird.
Leonding, April 2022
Walter Lindner
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
1Ursprünge der Methode
2Theoretisches Umfeld des Integrativen Sandspiels
3Die Grundausstattung
3.1Der Sandkasten
3.2Der Sand
3.3Das Material zur Gestaltung
3.4Das Wasser
4Grundtechnik (Phase 1)
4.1Das Einführen des Sandkastens
4.2Das Auffordern zum Gestalten
4.3Das Gestalten
4.4Das Anerkennen der Gestaltung
4.5Das Beschreiben
4.6Die Frage nach der Identifikation
4.7Die Frage nach den Gefühlen oder Empfindungen
4.8Das Fotografieren des Sandbildes
5Arbeiten mit Bilderserien
6Unterschiede zum Jung’schen Sandspiel
7Wirkmechanismen
7.1Die therapeutische Beziehung
7.2Das Material
7.3Die Symbolarbeit
8Die Symbolarbeit
8.1Das Symbol bei Freud
8.2Das Symbol bei Jung
8.3Symbol und Interaktion
9Verschiedene Techniken der Symbolarbeit
9.1Arbeiten am Symbol
9.2Interpretation
10Diagnostische Aspekte des Integrativen Sandspiels und Interventionen
10.1Ausgangsüberlegungen
10.2Entwicklungspsychologisches Grundgerüst
11Diagnostik anhand der Sandbilder
11.1Die Abbildung des Beginns des Dialoges in den Sandbildern
11.2Die Abbildung der späten Oralität in den Sandbildern
11.3Die Abbildung der Analität in den Sandbildern
11.4Die Abbildung der prägenitalen Phase in den Sandbildern
12Zusätzliche Techniken des Integrativen Sandspiels (Phase 2)
12.1Vorgaben zum Sandbild
12.2Interventionen im Sandkasten
12.3Arbeit mit mehreren Personen gleichzeitig
12.4Paararbeit im Sandkasten
13Spezielle Aspekte der Traumaarbeit
13.1Innere-Kind-Arbeit
13.2Sicherer Ort
13.3Die Tresorübung
14Anwendungsbereiche des Integrativen Sandspiels
14.1Einzeltherapie
14.2Paar- und Familientherapie
14.3Einzelsupervision und Coaching
14.4Teamsupervision
14.5Kinderpsychotherapie
15Bezüge zu anderen psychotherapeutischen Methoden
15.1Klientenzentrierte Psychotherapie
15.2Verhaltenstherapie
15.3Katathym Imaginative Psychotherapie (KIP)
15.4Integrative Gestalttherapie
16Spezielle Aspekte der Arbeit mit Menschen ohne bzw. mit sehr wenig Sprachvermögen
17Über das Integrative Sandspiel hinausgehende Möglichkeiten, mit dem Material zu arbeiten
18Fallbeispiele
18.1Beispiel 1
18.2Beispiel 2
19Zusammenfassung und Ausblick
Literatur
1Ursprünge der Methode
Das therapeutische Sandspiel hat eine lange Geschichte. Mitchell und Friedman (1997) beschreiben in ihrem Buch „Konzepte und Anwendungen des Sandspiels“ verschiedene Methoden und Techniken, die sich in den ersten Jahrzehnten des zwanzigsten Jahrhunderts zu entwickeln begannen. Unter den Beschriebenen sind zwei wesentliche Anregungen für Dora M. Kalff: Die „World Technique“ von Margaret Lowenfeld (1979) und der „World Test“ von Charlotte B. Bühler (1952).
Margaret Lowenfeld arbeitete in London am „Women’s Hospital“ und später im „Royal Hospital for Sick Children“, an dem sie 1929 die ersten Sandkästen aufstellte. Das Material dazu war auf dem Boden verteilt und die Kinder konnten darin nach Belieben gestalten. Wesentliche Elemente, die sich daraus erhalten haben, sind der Sandkasten, die Möglichkeit, mit Wasser zu gestalten, und ein unstrukturiertes Material. Ein wesentlicher Unterschied in ihrer „World Technique“ war, dass die TherapeutInnen beliebig wechselten, wodurch der Sandkasten und das Material mehr Bedeutung hatten als die begleitenden Personen.
Charlotte Bühler begann 1935 mit Margaret Lowenfeld zusammenzuarbeiten. Sie wollte die Arbeit von Margaret Lowenfeld wissenschaftlich beweisen und entwickelte dazu den „World Test“. Dieser besteht aus 160 winzigen Miniaturen, die in einer Schachtel aufbewahrt wurden, die zehn Fächer für die Kategorien Menschen, Haustiere, wilde Tiere, Häuser, Fahrzeuge, Umzäunungen, Naturbestandteile, Konstruktionen, Kriegsgegenstände und andere Objekte enthielt. Dieses Material war konstant. Der wesentliche Unterschied zwischen „World Test“ und „World Technique“ liegt zum einen in der Zielsetzung (Bühler wollte eine klare Diagnose, Lowenfeld ging es um die Therapie) und zum Zweiten verwendete Bühler keinen Sand.
Dora M. Kalff war eine Schülerin von C. G. Jung und lernte 1954 in Zürich Margaret Lowenfeld kennen. Sie war von ihr so beeindruckt, dass sie nach London ging, um dort die „World Technique“ zu erlernen. Nach ihrer Rückkehr in die Schweiz entwickelte sie, ausgehend von dieser „World Technique“, das „Sandspiel“, in dem ihre Jung’sche Ausbildung eine wesentliche Rolle spielte. Das Kalff’sche Sandspiel verwendet einen Sandkasten mit blauen Innenwänden, der wasserfest gebaut ist. Nebenbei gibt es Regale mit einer Fülle von Materialien, die dem gestaltenden Menschen zur freien Verfügung stehen. Weiters haben die gestaltenden Personen Wasser zur Verfügung, das bei der Gestaltung verwendet werden kann. Bei Dora Kalff gab es mehrere Sandkästen, von denen einer trocken und der andere für das Gestalten mit Wasser war.
Bei der zweiten Grande Dame des Jung’schen Sandspiels, Ruth Ammann (1989), ist nur der Boden blau, die Wände sind holzfarben. Bei ihr steht das Blau für die Möglichkeit, Wasser darzustellen. Natürlich ist es auch bei Ruth Ammann möglich, Wasser zu verwenden.
Beide Frauen verwendeten die Methode schließlich für alle Altersgruppen, auch wenn die Kinderarbeit weiterhin einen Schwerpunkt bildete.
2Theoretisches Umfeld des Integrativen Sandspiels
Folgende Theorien, die über das Jung’sche Sandspiel hinausgehen, trugen zur Entwicklung des Integrativen Sandspiels bei:
•Die Katathym Imaginative Psychotherapie nach Hanscarl Leuner
•Die psychoanalytische Symboltheorie
•Die psychoanalytische Entwicklungspsychologie
•Das Kreative Gestalten nach Erich Franzke
•Die Containment-Theorie von Wilfred Bion
•Der Sceno-Test von Gerhild von Staabs
•Die Spieltherapie, vor allem die der ÖGWG
Meine Ausbildung zum KIP1-Therapeuten beinhaltete zwar einen Schwerpunkt im Jung’schen Denken, auf der anderen Seite verwendet die KIP aber auch andere psychoanalytische Theorien, die mein Arbeiten mit dem Sandkasten beeinflussten. Die KIP wurde in den Anfängen auch Symboldrama genannt, was zum Ausdruck bringt, dass die symbolhafte Darstellung ein wesentlicher Wirkmechanismus der Tagtraummethode ist. Außerdem hat die KIP eine Menge von Techniken entwickelt, welche später bei den Interventionen im Sandkasten ihren Niederschlag finden. Schlussendlich hat mich meine Erfahrung mit der KIP bewogen, im Gegensatz zum Jung’schen Sandspiel einen klar strukturierten Ablauf zu entwickeln.
Die psychoanalytischen Symboltheorien (Jung’sche Symbolik, Freud’sche Symbolik und neuere Symboltheorien) sind eine wesentliche Grundlage für das Verständnis der Sandbilder und für manche Techniken des Integrativen Sandspiels (siehe Kapitel 8 und 9).
Die psychoanalytische Entwicklungspsychologie ist ein weiterer Baustein im Verständnis des Integrativen Sandspiels und führt zu zusätzlichen Techniken der Methode. Einige davon werde ich ausführlicher beschreiben, da sich aus ihnen gut brauchbare Handlungsanweisungen für das Arbeiten im Sandkasten ergeben.
In den frühen Zeiten der KIP-Ausbildung (damals noch Katathymes Bilderleben) war Erich Franzke (ein österreichischer Mediziner und Psychodramatiker) immer wieder als Dozent tätig. Schwerpunkt seiner Lehrtätigkeit war das Arbeiten mit kreativen Gestaltungsmethoden (Zeichnen, Malen, Märchenspiel, Puppenspiel, Arbeiten mit Ton ...). Diese Techniken haben mein Bearbeiten der Sandbilder wesentlich geprägt, wie in Kapitel 9 ausführlich beschrieben wird. Die Containment-Theorie liefert einen Teil des Verständnisses, was bei dieser Methode heilsam wirkt (siehe Kapitel 7).
Der Sceno-Test hat einiges zur Verwendung des Sandkastens als Diagnostikum beigetragen. Im Sceno-Test verwendet man ein standardisiertes Material, das in einer Holzschachtel aufbewahrt wird, welche in einzelne Fächer unterteilt ist, um eine Übersicht über die verschiedenen Utensilien zu bieten. Dabei dient der Deckel als Gestaltungsfläche. Am Ende der Gestaltung teilt die Person selbstständig mit, dass sie fertig ist. Der Versuchsleiter enthält sich während des Gestaltungsprozesses jeglicher Stellungnahme und greift niemals in die Gestaltung ein. Die Spieltherapie erlernte ich als Psychologe am Institut für Familien- und Jugendberatung der Stadt Linz von Ilse Papula, einer Kollegin, der ich heute noch dankbar bin für das, was sie mir vermittelt hat. Sie war in Österreich eine Pionierin der Kindertherapie und gab ihr ganzes Wissen und Können mit Freude weiter.
1 KIP: Katathym Imaginative Psychotherapie nach Hanscarl Leuner
3Die Grundausstattung
Das Material für das Integrative Sandspiel hat vier Grundkomponenten: den Sandkasten, den Sand, das Material zur Gestaltung und das Wasser.
3.1Der Sandkasten
Der Sandkasten ist naturgemäß ein sehr wichtiger Bestandteil im Integrativen Sandspiel. Er ist es, in dem (zum größten Teil) die Gestaltungen, die Sandbilder, entstehen. Dora Kalff (1979, S. 21) und Ruth Ammann (1989, S. 36) beschreiben ihn mit den Maßen 57x72 cm und circa 7 cm tief. Es gibt wahrscheinlich tausende Sandkästen mit verschiedensten Maßen. Mir scheint es wesentlich, dass der Sandkasten ein Ausmaß hat, das mit einem Blick erfassbar ist. Daraus ergibt sich, dass es auch von der Körpergröße der gestaltenden Person abhängt, wie die größtmögliche Ausdehnung des Sandkastens sein kann. Das Maß von Ruth Ammann hängt sicherlich damit zusammen, dass sie viel mit Kindern arbeitet und somit das Blickfeld vorgegeben ist. Gleiches gilt für die Tiefe des Sandkastens. Ist er sehr tief, muss man ganz nahe stehen, um alles sehen zu können. Ist er sehr flach, bleibt wenig Raum für den Sand und es kommt häufiger dazu, dass während des Gestaltens Sand herausfällt. Ein zweiter Aspekt für die Ausmaße ist die Begrenzung der Phantasie, die ordnet und schützt.
Ein weiterer wesentlicher Punkt ist die Verarbeitung des Sandkastens. Da die Gestaltung auch mit Wasser sein kann und manche Menschen sehr viel Wasser brauchen, ist es wichtig, dass der Sandkasten wasserfest verarbeitet ist. Bewährt haben sich wasserfestes Sperrholz, ebensolcher Leim und Bootslack. Damit ist es sehr gut möglich, den Sandkasten so zu bauen, dass er allen möglichen Wassermassen standhält. Bei der Farbgestaltung gibt es einen Unterschied der Sandkästen von Dora Kalff und von Ruth Ammann: Bei Kalff ist der Sandkasten im Inneren vollkommen blau lackiert, bei Ammann nur der Boden. Die Grundidee dabei ist, damit die Möglichkeit zu bieten, Wasser oder Himmel darzustellen. Ich bevorzuge den Ammann’schen Sandkasten, da dieser zu Beginn der Gestaltung neutral ist. Man sieht Holz und Sand, welche farblich sehr ähnlich sind.
Ein nächster Bestandteil des Sandkastens ist sein Gestell. Dieses hat die Aufgabe, den Sandkasten zu tragen und ihn beweglich zu machen.
Dabei gibt es zwei Möglichkeiten:
•Das Gestell hat eine fixe Höhe. Dann ist es wichtig, diese Höhe so zu wählen, dass der Sandkasten auch für die kleinsten Personen, mit denen ich arbeite, gut einsehbar und benutzbar ist. Wenn jemand auch mit kleineren Kindern arbeitet, heißt das eine maximale Höhe des Gestells von 50 cm.
•Das Gestell ist höhenverstellbar und ich kann es daher an die jeweilige Person anpassen. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten, diese Höhenanpassung zu gewährleisten. Ich habe die Mechanik eines alten Couchtisches verwendet, der eine Kurbel hat. Solche Gestelle mit Hydraulik sind schwieriger zu bedienen. Eine andere Variante ist ein Gestell, bei dem die Beine mehrere Raster haben, die ich einstellen kann.
Eine zweite Dimension der Beweglichkeit ist die Beweglichkeit des Sandkastens im Raum. Dies geht einfach mit Möbelrollen, so dass der Sandkasten leicht beweglich ist. Das ermöglicht es zum einen, den Sandkasten in kleineren Räumen an den Rand zu stellen, wenn ich ihn gerade nicht benötige, und es ermöglicht, dem Sandkasten einen unterschiedlichen Platz zu geben, je nachdem, wie viele Personen an der Gestaltung beteiligt sind. Es ist für handwerklich Geübte ein Leichtes, einen solchen Sandkasten samt Gestell selbst zu bauen. Ich benötige dazu das Holz, das ich im Baumarkt maßgenau kaufen kann, das Gestell, Leim, einige Schrauben, etwas blaue Farbe und Bootslack. Die Kosten für den Sandkasten und eine Grundausstattung mit Material sind überschaubar.
Der dritte Teil des Sandkastens ist nun der Sand. Hier tauchen immer wieder viele Fragen zu Menge und Beschaffenheit des verwendeten Sandes auf.
Mir scheint eine Sandhöhe von circa 3 cm ausreichend. In einem Sandkasten der oben beschriebenen Maße heißt das ungefähr zwei Putzeimer voll Sand. Damit ist genügend Sand vorhanden, um gut gestalten zu können, und andererseits noch genügend Spielraum für anderes Material.
Dora Kalff hatte in ihrem Arbeitsraum zwei Sandkästen: einen trockenen und einen feuchten. Die gestaltende Person entscheidet sich zu Beginn, in welchem Sandkasten sie arbeiten wird. Im Falle der Entscheidung für den „trockenen“ heißt das dann, dass ich kein Wasser verwenden kann, beim „nassen“ muss ich kein Wasser verwenden, kann es aber.
Zwei Sandkästen brauchen natürlich entsprechend Platz und es gibt TherapeutInnen, die diesen Platz nicht haben, und solche, die den Platz nicht zur Verfügung stellen wollen. Arbeite ich nur mit einem Sandkasten, ist das Wasser ein Thema. Es wird dann, wenn ich die Methode häufig verwende, oft feuchten Sand geben, und es gibt für manche Gestaltende keine Wahl mehr, in trockenem Sand gestalten zu können. Ein weiteres Thema ist „viel Wasser“ im Sandkasten. Kinder verwenden immer wieder sehr viel Wasser und dann habe ich „Gatsch“ (Matsch) im Sandkasten. Eine Lösung dafür ist, eine zweite Menge Sand zur Verfügung zu haben, so dass ich bei zu nassem Sand diesen austauschen kann. Der nasse Sand kann dann getrocknet werden, was außerhalb des Sandkastens schneller geht. Das ist jedoch auch nur einmal hilfreich. Sollte der nächste gestaltende Mensch wieder viel Wasser verwenden, stehe ich vor dem gleichen Problem.
3.2Der Sand
Zur Art des richtigen Sandes gibt es eine Reihe von Aufsätzen. Mir scheint es wesentlich, dass der Sand eine gewisse Plastizität hat, damit es vor allem bei der Gestaltung mit Wasser möglich ist, stabile Formen zu gestalten. Das heißt, dass der Sand einen Anteil Ton in sich haben muss, der ihm diese Plastizität verleiht. Die meisten natürlichen Sande haben dies. Wenig geeignet sind reine Quarz- oder Kalksande, da diese sich mit dem Wasser nur schlecht verbinden und daher manche Gestaltung mit ihnen unmöglich ist. Außerdem stauben trockene Quarzsande wesentlich mehr als andere.
Es gibt auch Sande zu kaufen (Spielsand), die mit Knetmasse versetzt sind, was ihnen eine hohe Plastizität verleiht. Mir persönlich ist das nicht angenehm, da ich möglichst wenig Kunststoffe verwenden will. (Eine störende Komponente bei diesem Sand ist für manche die Tatsache, dass Wasser manchmal drauf stehen bleibt) Von der Funktionalität her sind sie jedoch gut geeignet. Die Gestaltenden haben unterschiedliche Vorlieben und es liegt an mir, zu entscheiden, was ich anbiete.
Schließlich spielt auch noch die Körnung des Sandes eine Rolle. Es soll auf jeden Fall ein Sand sein, der keine Steine beinhaltet. Ist er sehr fein, wird wieder das Thema Staub akut.
3.3Das Material zur Gestaltung
Zu Beginn der Arbeit mit dem Sandkasten ist die Beschaffung des Materials der zeitlich und finanziell aufwändigste Teil, mitunter aber auch der lustvollste. Ich glaube, dass das Material für mich ein subjektiv wichtiger Grund ist, warum ich so gerne mit der Methode arbeite.
Die Zusammenstellung des Materials verlangt eine gewisse Auswahl, ohne dass die Menge dabei eine wesentliche Rolle spielt. Meine erste Ausrüstung hatte auf einem normalen Arbeitstisch Platz, heute habe ich etwa das Vierfache davon. Dora Kalff hat in ihrem Arbeitsraum Regale, Hängekästen und Tische mit Körben, die alle voll mit Material sind.
Wichtig ist, von bestimmten Ebenen Material zu haben: archetypisches, menschliches, tierisches, pflanzliches und mineralisches.
•Mit dem archetypischen Material sind Figuren oder Gegenstände gemeint, die sehr unmittelbar archetypischen Charakter haben: Märchenfiguren, Federn, Helden, Urmütter und Urväter, Drachen, Schätze, Engel, Teufel, Götter, goldene Kugel ...
•Menschliches Material meint zum einen menschliche Figuren (weiblich, männlich, Kinder …) und zum anderen Gegenstände aus der von Menschen geschaffenen Welt (Fahrzeuge, Werkzeuge, Möbel, Häuser …).
•Das Material der Tierwelt sollte Tiere von unterschiedlichen Entwicklungsphasen beinhalten: Säugetiere, Raubtiere, Wildtiere, Haustiere, Vögel, Wassertiere, Insekten, Reptilien.
•Das Material der Pflanzenwelt besteht aus Bäumen, Sträuchern, Obst, Gemüse, Blumen, Wiesenelementen …
•Das Material der mineralischen Welt umfasst Steine, Holz, Federn, Wolle, Glassteine, Muscheln, Bauklötze, Schnüre …
Bei allen Ebenen ist es wichtig, etwas davon zu haben, es geht nicht um die Menge. Habe ich genug Platz, so kann ich mich natürlich austoben. Ich kann zum Beispiel sowohl bei Menschen als auch bei Tieren Familien anbieten, ich kann bei manchen Materialien ein und dasselbe Element in verschiedenen Größen und/oder Farben anbieten, ich kann Pflanzen mit und ohne Früchte oder Blüten anbieten, ich kann bei den Menschen welche mit unterschiedlichen Hautfarben, Berufen oder Rollen hinstellen. In der Vielfalt werde ich nur durch meine räumlichen und finanziellen Grenzen beschränkt.
Die Darbietung des Materials geschieht idealerweise auf einem Regal mit fünf Ebenen, wobei der Boden die unterste Ebene bildet. Diese fünf Ebenen entsprechen den fünf Gruppen des Materials:
Am Boden stehen Kisten, Schachteln oder Körbe mit den Materialien der mineralischen Ebene (Steine, Holz, Federn, Wolle, Glassteine, Muscheln ...).
Darüber die Materialien der pflanzlichen Ebene (Bäume, Sträucher, Obst, Gemüse, Blumen ...).
Wiederum darüber die Tiere, auf der vierten Ebene das Material der menschlichen Ebene und ganz oben das archetypische Material.
Wenn man viel mit kleinen Kindern arbeitet, kann es sein, dass für diese die letzte Ebene nur mehr schlecht einzusehen ist. Da ist es sinnvoll, menschliches und archetypisches Material auf einer Ebene aufzustellen.
Habe ich nicht den Platz für ein derartiges Regal, ist es möglich, das Material geordnet nach den Ebenen in Kisten aufzubewahren und es auch in diesen anzubieten. Die manchmal geäußerte Sorge, ob denn das alles wirklich verwendbar sei, ist nicht nötig. Meine Erfahrung ist, dass die Menschen das, was sie brauchen, instinktiv finden. Andererseits steht oft etwas im Regal und der Gestaltende beschwert sich, dass es nicht da sei. Manchmal hat der Mensch die Figur schon verwendet, sie steht am selben Platz und er findet sie trotzdem nicht. Zum andern fischen die Gestaltenden oft mit traumwandlerischer Sicherheit aus Kisten das Gesuchte heraus.
Eine Frau, die bei mir die Ausbildung machte und die extrem wenig Platz in ihrem Arbeitsraum hatte, löste das Ganze dadurch, dass sie die Kisten in Schränken versperrte und auf dem Sandkasten einen Deckel hatte, so dass dieser zu anderen Zeiten als Ablage dienen konnte. Andere wiederum verwenden Büroschränke mit Rollladen, damit nicht andere Personen ungefragt das Material verwenden oder mitnehmen (wenn sich zum Beispiel mehrere Personen einen Raum teilen).
Der Erwerb des Materials kann auf unterschiedlichen Wegen geschehen:
•Ich durchforste meinen eigenen Besitz nach brauchbaren Dingen.
•Ich grabe nicht mehr genutzte Dinge der eigenen Kinder und jener von Freunden und Verwandten aus.
•Ich gehe auf Flohmärkte.
•Ich besuche Tauschbörsen.
•Ich nutze Internetadressen wie ebay.at, sandspielfiguren.de, willhaben.at …
•Ich kaufe in Geschäften ein.
Eine Grundausstattung ist bei etwas Geschick immer erschwinglich. Außerdem bin ich immer wieder überrascht, an wie vielen Orten Sandkästen stehen.
Abbildung 1: Sandkasten mit Material
Abbildung 2: Detail aus dem archetypischen Material (oben)
3.4Das Wasser
Das Wasser steht in einem Krug neben dem Sandkasten, so dass es gut sichtbar, aber nicht hinderlich ist. Wie viel Wasser jemand zulässt, ist eine Frage der inneren und äußeren Möglichkeiten. Mit inneren Möglichkeiten meine ich die persönliche Bereitschaft der Therapeutin, etwas zuzulassen. Bei dem ersten Sandbild in meinem frisch erhaltenen Sandkasten verwendete ein Kind mehr als 10 Liter Wasser. Ich war herausgefordert, dies auszuhalten, obwohl ich in großer Sorge war, ob der Sandkasten dicht halten würde. Zum anderen heißt viel Wasser bei einem Sandkasten natürlich, dass er nicht gleich wieder für andere zur Verfügung steht, außer man hat Wechselsand. Hat man diesen nicht, kann man Wasser abschöpfen, es dauert aber dann doch einige Tage, bis der Sand wieder einigermaßen getrocknet ist.
Die äußeren Möglichkeiten beziehen sich darauf, wo die nächste Wasserquelle ist. Ist diese nicht im Raum, heißt mehr als ein Krug, dass der Gestaltende mit dem Krug nachholen geht. Für manchen ist dies als Begleiter störend.
Das heißt, ich muss mich grundsätzlich entscheiden, ob ich nur den einen Krug zur Verfügung stelle, ich mehrere Krüge hinstelle (Platzfrage) oder ob ich es freistelle, wie viel Wasser jemand verwendet. Gerade bei Kindern ist es oft schon wichtig, dass sie auch die Möglichkeit haben, zu „gatschen“ (matschen).
4Grundtechnik (Phase 1)
Im Folgenden werde ich die Grundzüge der Technik beschreiben. Sie besteht aus folgenden Schritten:
Phase 1
•Das Einführen des Sandkastens
•Das Auffordern zum Gestalten
•Das Gestalten
•Das Anerkennen des Gestalteten
•Das Beschreiben
•Die Frage nach Identifikation (nur bei Kindern)
•Die Frage nach Gefühlen und Empfindungen
•Das Fotografieren
4.1Das Einführen des Sandkastens
Das Einführen des Sandkastens geschieht bei mir in zwei Schritten:
Zunächst einmal im Verlauf des Erstgespräches, das ich mit jedem Menschen führe. In diesem gibt es einen Punkt, bei dem ich die Methoden vorstelle, mit denen ich häufig arbeite. So erwähne ich an dieser Stelle ein erstes Mal, dass eine solche Methode der Sandkasten ist, der oft hilfreich ist, auf einer dem Verstand nicht sofort zugänglichen Ebene zu arbeiten.
Der zweite Schritt geschieht dann, wenn ich jemandem zum ersten Mal vorschlage, ein Sandbild zu gestalten. Ich erkläre die Methode und frage, ob sich die betreffende Person vorstellen kann, so etwas zu tun. Ist der Mensch mit dem Vorschlag einverstanden, gehe ich zum Sandkasten und zeige zunächst, was es da alles gibt. Dabei schiebe ich zunächst etwas Sand zur Seite, damit das Blau des Bodens sichtbar wird. Ich sage dazu, dass dieses Blau über den ganzen Boden reicht. Dann decke ich die Stelle wieder zu und erkläre, dass der Sandkasten wasserfest gearbeitet ist und dass es daher auch möglich ist, mit Wasser zu gestalten, wenn jemand das will. Ich zeige, wo das Wasser steht. Dann zeige ich das Material in den Regalen und Kisten (am Boden) und lade ein, sich das Material genauer anzuschauen. Ich erkläre, dass dies alles für die Gestaltung zur Verfügung steht.
In einem weiteren Schritt erkläre ich, dass die Grundüberlegung die sei, dass die Person im Sandkasten das gestaltet, was ihr im Moment
