Investieren wie ein Förster - Stephan Philipp - E-Book

Investieren wie ein Förster E-Book

Stephan Philipp

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Beschreibung

Die Börse und der Wald sind zwei ganz verschiedene Welten? Ja, ganz bestimmt. Die beiden Welten haben nichts mit einander gemeinsam? Weit gefehlt! Tatsächlich kann man von der erfolgreichen Bewirtschaftung des Waldes viel für den Aufbau und die Pflege eines privaten Portfolios lernen. Einen einmal gepflanzten Baum sollt man sinnvollerweise viele Jahrzehnte lang stehen lassen. Ebenso sollte man lieber solide Aktien in sein Portfolio pflanzen und diese in Ruhe wachsen lassen, anstatt auf riskante Produkte zu setzen und diese womöglich nach kurzer Zeit wieder zu verkaufen. Auch Diversität ist sowohl beim Waldbau als auch beim Investieren entscheidend: Genauso wie Monokulturen anfällig sind gegenüber Schädlingen, können Klumpenrisiken bei Schwankungen an den Börsen Fraßschäden an Ihrem Portfolio hinterlassen. Investieren wie ein Förster liest sich wie ein Waldspaziergang, auf dem Ihnen Stephan Philipp die zahlreichen Parallelen zwischen dem Wald und der Börse erklärt. Neben den vielen Ideen, was wir grundsätzlich von der Forstwirtschaft für die Geldanlage lernen können, gibt er auch ganz konkrete Tipps, wie Sie in den Wald investieren können, ohne selbst Wald zu besitzen. Somit ist dieses Buch perfekt für alle, die gerne anfangen möchten zu investieren und sich bislang nicht getraut haben – aber auch für alle, die einen ganz neuen Blick auf das Thema Geldanlage erhalten möchten. Und ganz nebenbei ist es ein flammendes Plädoyer für echte Nachhaltigkeit – gegenüber der Natur und dem eignen Geld!

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
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Seitenzahl: 154

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Stephan Philipp

INVESTIEREN WIE EIN FÖRSTER

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.de abrufbar.

Für Fragen und Anregungen:

1. Auflage 2022

© 2022 by FinanzBuch Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH

Türkenstraße 89

80799 München

Tel.: 089 651285-0

Fax: 089 652096

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Die im Buch veröffentlichten Ratschläge wurden von Verfasser und Verlag sorgfältig erarbeitet und geprüft. Eine Garantie kann dennoch nicht übernommen werden. Ebenso ist die Haftung des Verfassers beziehungsweise des Verlages und seiner Beauftragten für Personen-, Sachund Vermögensschäden ausgeschlossen.

Ausschließlich zum Zweck der besseren Lesbarkeit wurde auf eine genderspezifische Schreibweise sowie eine Mehrfachbezeichnung verzichtet. Alle personenbezogenen Bezeichnungen sind somit geschlechtsneutral zu verstehen.

Lektorat: Judith Engst

Korrektorat: Silke Panten

Umschlaggestaltung: Karina Braun

Foto auf dem Cover: © privat

Abbildungen auf dem Umschlag: Shutterstock/nanmulti

Abbildungen im Innenteil: Shutterstock/Qualit Design, Shutterstock/Vector Tradition, Shutterstock/dobrograph

Satz: Daniel Förster

eBook: ePUBoo.com

ISBN Print 978-3-95972-530-9

ISBN E-Book (PDF) 978-3-98609-014-2

ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-98609-015-9

Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter

www.finanzbuchverlag.de

Beachten Sie auch unsere weiteren Verlage unter www.m-vg.de.

INHALT

TEIL 1 Ein paar Gedanken vorweg

Einleitung

Kapitel 1 Der Wald

Das verkannte Multitalent

Kapitel 2 Die Börse

Eine verkannte und faszinierende Welt

TEIL 2 Was man vom Wald für die Börse lernen kann

Kapitel 3 Ökonomie und Ökologie sind kein Widerspruch

Warum es auch der Natur nützt, wenn man mit ihr Geld verdient

Kapitel 4 Langfristiges Handeln

Weshalb man nicht in Quartalen, sondern in Jahrzehnten denken sollte

Kapitel 5 Regelmäßiges und bedachtes Handeln

Warum man im Wald häufig und schwach eingreifen und an der Börse jeden Monat Geld zurücklegen sollte

Kapitel 6 Interesse am Eigentum

Wälder sollte man nicht sich selbst überlassen und Geld nicht auf dem Konto parken

Kapitel 7 Vielfalt ist Stärke

Investments diversifizieren wie im Plenterwald

Kapitel 8 Über die Grenzen blicken

Von »Fremdländern« in deutschen Wäldern und exotischen Aktien im Portfolio

Kapitel 9 Nicht von der Substanz leben

Was Nachhaltigkeit und der Zinseszinseffekt miteinander zu tun haben

Kapitel 10 Die Welt geht nicht unter, auch wenn es manchmal so scheint

Von Waldsterben und Crashpropheten

Kapitel 11 Sparsamkeit an der richtigen Stelle

Im Wald wie bei der Geldanlage kommt es auf Kosteneffizienz an

Kapitel 12 Altersgemäß handeln

Ein junger Wald ist anders zu behandeln als ein alter, das gilt auch für die Lebensphasen des Sparers

Kapitel 13 Schauen Sie auf die großen Trends

Langfristiges Denken ist das A und O im Wald und zahlt sich auch an der Börse aus

Kapitel 14 Von Rehen und Finanzbeamten

Im Wald wie an der Börse gehört uns der Ertrag nicht allein

Kapitel 15 Genderfragen

Es braucht mehr Frauen, im Wald wie auch in der Finanzwelt

TEIL 3 Konkrete Tipps

Kapitel 16 Der Wald als Investment

Wie man mit dem Wald Geld verdienen kann

Kapitel 17 Wie investiert ein Förster?

Schlusswort

Über den Autor

TEIL 1

EIN PAAR GEDANKEN VORWEG

EINLEITUNG

Es ist Dezember 2020, während ich diese Zeilen zu Papier bringe. Große Teile Europas sind durch einen neuerlichen »Lockdown« in Stillstand versetzt, und ich finde endlich Zeit, dieses lange aufgeschobene Projekt zu realisieren. Als jemand, der sich seit der Kindheit privat und beruflich mit Wald und Natur beschäftigt und seit seinen Studienzeiten intensiv mit den Kapitalmärkten, erfüllt es mich zunehmend mit Sorge, was für große Wissenslücken über beide Themen in weiten Teilen der Gesellschaft vorhanden sind. Diese Wissenslücken sind schädlich, denn daraus resultieren Verhaltensweisen, die nicht nur unsere Lebensqualität verringern, sondern auch die Zukunft unserer Kinder gefährden.

Beide Themen scheinen unendlich weit auseinanderzuliegen, und doch finden sich zahlreiche Parallelen und so viele Dinge, die man vom Wald für die Börse lernen kann. Beide Bereiche haben auch gemeinsam, dass man all die falschen Vorurteile über sie widerlegen und den Menschen mit praktischen Beispielen ein realistischeres Bild nahebringen kann. Da heutzutage sehr polarisiert debattiert wird und die Wahrheit oft in der Mitte liegt, ist mir wichtig, zu betonen: Ich möchte nicht streiten, sondern mit anschaulichen und nachvollziehbaren Beispielen zum eigenen Denken anregen. Auf meinen Waldführungen gelingt mir dies in der Regel. Ich hoffe, es glückt mir auch hier nur mit der Kraft des geschriebenen Wortes.

Bevor Sie sich der Lektüre widmen, möchte ich mich Ihnen vorstellen. Ich bin in einem kleinen Dorf in Oberbayern zwischen der Landeshauptstadt München und dem bayerischen Alpenraum aufgewachsen. Meine Familie hatte einen Hektar eigenen Wald und vier Hektar Grünland, das mit Schafen beweidet wurde. Diese Flächen boten direkt um unser Anwesen gelegen den schönsten Kinderspielplatz, den man sich nur wünschen kann. Durch die Trennung meiner Eltern und die Aufenthalte bei meinem Vater am Wochenende in München wurde mir der Kontrast zwischen beiden Welten – Stadt- und Landleben – sehr deutlich. Niemals wollte ich einen »Nine-to-five-Job« haben, bei dem ich den ganzen Tag in einem geschlossenen Gebäude zubringen müsste.

Ende der Neunzigerjahre, in der Zeit des Neuen Marktes und einer beispiellosen Technikeuphorie, wählte ich daher einen eher ungewöhnlichen Studiengang, der an der Technischen Universität München angeboten wurde: Ich schrieb mich für Forstwissenschaften ein – und habe dies bis heute nie bereut. Der Studiengang ist der letzte, der dem humboldtschen Ideal des Universalgebildeten recht nahekommt. Er vermittelt Kenntnisse aus allen Bereichen der Naturwissenschaften, der Soziologie, der Betriebswirtschaft bis hin zur Pädagogik und Geschichte. Durch das Studium wird man zum Generalisten und durch die Praxis zum Diplomaten. Denn nachdem ich beinahe zehn Jahre Projektleiter in der sogenannten Bergwaldoffensive der bayerischen Staatsregierung in den Landkreisen Miesbach und Bad Tölz war, hätte ich wahrscheinlich auch zur Lösung des Nahostkonfliktes beitragen können. Auf regionaler Ebene findet man in der bayerischen Provinz einen Mikrokosmos, in dem unterschiedlichste Interessen aufeinanderprallen, die sich am Wald entladen. Tourismusverantwortliche, Naturschutzvertreter, Jäger, Waldbauern, Almbauern, Politiker, Behörden und viele andere fechten um ihre Interessen, oft begleitet von Lokalmedien, die die Konflikte genüsslich in der Öffentlichkeit ausbreiten. In deren Zentrum steht immer der Wald.

Der Wald ist der letzte Rest scheinbar unberührter Natur in unserer modernen Welt. Im Alpenraum ist er das größte zusammenhängende Ökosystem Mitteleuropas mit vielen endemischen Arten, also Arten, die nirgendwo anders vorkommen. Was mich aber besonders an diesem Ökosystem fasziniert, ist, dass man auch einen Ertrag daraus erzielen kann. Der Wald trägt zum Lebensunterhalt des Menschen bei, und zwar heute genauso wie vor tausend Jahren. Die Forstwirtschaft wird hinsichtlich der Wertschöpfung stark unterschätzt, aber dazu später mehr.

So viel zu meiner Försterseele. Jetzt stelle ich Ihnen den Investor in mir vor. Mein Interesse an der Börse wurde durch meinen Vater schon in frühester Kindheit geweckt. Er hatte sich selbst bereits mit zwölf Jahren das erste Wirtschaftsbuch gekauft und sich dann autodidaktisch zu einem wahren Investmentprofi entwickelt. Dennoch lebte er in einer Einzimmerwohnung, besaß kein Auto und sein einziges weiteres Hobby waren ausgedehnte Bergtouren. Es war nicht die Aussicht auf hohen Wohlstand, sondern es waren andere Dinge, die ihn an der Börse faszinierten.

Ich bin froh, dass ich durch ihn früh diese Einblicke erhielt und mir eine faszinierende und lukrative Welt nicht verschlossen blieb. Denn auch ich wurde mit höchster Überzeugungskraft vor den Gefahren dieses »Werkzeugs des Teufels« gewarnt, und zwar durch Medien, Freunde und Verwandte, die noch nicht einmal verstehen, was eine Aktie ist. Ich widmete große Teile meiner Freizeit den Kapitalmärkten und erkannte im Laufe der Zeit viele Parallelen zu meinem forstlichen Berufsfeld und sogar zu den ökologischen Prozessen im Wald. Vieles lässt sich übertragen, daher gilt: So wie die Bionik versucht, Strukturen aus der Natur in der Technik zu nutzen, so kann auch der Investor und private Anleger vieles aus dem Waldbau auf die Börse übertragen.

Die Idee, dieses Buch zu schreiben, kam mir bei einer Exkursion zu einem Forstbetrieb, dessen adeliger Besitzer auch eine Bank betreibt. Der dortige Förster erzählte, dass er regelmäßig die Manager dieser Bank in den Wald führe und sich vieles von seiner täglichen Arbeit auf deren Tätigkeitsbereich übertragen lasse.

Dieses Buch soll auf einer abstrakten Ebene zwei Welten zusammenbringen, die zunächst gegensätzlich erscheinen, und es soll Sie neugierig machen, sich mit beiden Welten intensiver zu beschäftigen. Dies ist aus mehreren Gründen sehr wichtig, denn der Wald hat große Probleme und ist für unser Wohlbefinden essenziell. Wenn sich falsche Bilder über den Wald in politisches Handeln übertragen, dann kann dies negative Auswirkungen haben. Das Gleiche gilt für die Börse. Die meisten Menschen haben von der Börse nicht nur ein falsches Bild, sondern auch kein Interesse an ihr; manchmal hegen sie sogar eine tief empfundene, jedoch unbegründete Abneigung. Auch dies ist gefährlich, denn es schwächt unseren Wohlstand und unsere Altersvorsorge und führt zu einem immer stärker werdenden Ungleichgewicht in der Vermögensverteilung. Aber auch der erfahrene Anleger wird mit Interesse lesen, dass es in einer völlig anderen Welt, nämlich der Forstwirtschaft, so viele Parallelen zur Aktienanlage gibt, wie er vermutlich nie gedacht hätte.

Zu den beiden Themen dieses Buches, dem Wald und der Börse, gibt es sehr viele Meinungen und leider sehr wenig Wissen. Meinungen kann man zu politischen Themen, Religion und anderem haben, und Meinungsvielfalt ist gut und wichtig – aber nur, wenn sie von Evidenz getragen wird. Das Schöne ist, dass man mit nur ein klein wenig Wissensvermittlung und anschaulichen Praxisbeispielen in beiden Bereichen, dem Wald und der Börse, Menschen zu einem Umdenken bewegen kann. Anschaulich wird dies bei waldpädagogischen Führungen. Bevor wir in den Wald gehen, frage ich die Kinder, ob es gut oder schlecht ist, wenn ein Baum gefällt wird. Nahezu immer sagen alle, es sei schlecht. Am Ende der Führung stelle ich die Frage erneut und meistens antworten sie wie erhofft: »In der Regel ist es gut.«

KAPITEL 1

DER WALD

DAS VERKANNTE MULTITALENT

Seit ein paar Jahren beobachte ich ein zunehmendes Interesse am Wald quer durch alle Altersgruppen. Wenn ich an einem deutschen Hauptbahnhof auf die Zeitschriftenständer schaue, so gibt es heutzutage gleich mehrere Zeitschriften, die sich mit Wald und Natur befassen, und auch unzählige Bücher hierzu säumen die Regale.

Neben einer weltweiten Ökobewegung, die auch durch die »Fridays for Future«-Proteste zum Ausdruck kommt, ist es das »Verdienst« Einzelner, etwa des Bestsellerautors Peter Wohlleben. Seine Art, zu erzählen und den Menschen den Wald nahezubringen, schätze ich sehr, auch wenn man manche Aussagen durchaus sehr kritisch betrachten kann; zumindest tut das die Wissenschaft.1 Peter Wohlleben bedient das Bedürfnis der Menschen nach etwas Mythischem, denn die Natur wurde kulturgeschichtlich von einem Ort, der bei den Germanen noch ein spiritueller Ort war, über einen Sehnsuchtsort der Romantik zu etwas, das in der aufgeklärten Moderne vorwiegend technisch und wissenschaftlich betrachtet wird. Auch durch die Zuwendung zur Esoterik kann man erkennen, dass die Menschen in der Natur nach »mehr« suchen. Doch leider hat dadurch eine Gegenbewegung eingesetzt, durch die die Menschen ein romantisch verklärtes Naturbild bekommen haben, das nur wenig mit der Realität zu tun hat. Sie verurteilen durch dieses falsche Verständnis die dringend notwendige Bewirtschaftung des Waldes.

Waldbauern, die ihr Eigentum über Jahrhunderte bewirtschaftet und gepflegt haben, müssen sich beim Hantieren mit der Motorsäge für das Fällen von erntereifen Bäumen rechtfertigen. Von Wanderern und Ausflüglern wird ihnen Profitgier und Umweltzerstörung vorgeworfen. Gleichzeitig genießen ebendiese Menschen später ganz selbstverständlich einen Almdudler und eine Portion Kaiserschmarren in der aus Fichtenholz erbauten und mit Holzmöbeln bestückten Almhütte. Woher dieses Holz wohl kommt? Auch in den Medien werden Stimmen laut, die dazu auffordern, die Wälder sich selbst zu überlassen, und es wird von einer »konservativen Forstlobby« gesprochen, die das nicht verstehen würde.2

Dabei gibt es im Wald gar nicht so viel zu holen. Ohnehin besteht der überwiegende Teil der Waldbesitzer aus Kleinbauern, die eine tiefe emotionale Beziehung zu ihrem Eigentum haben. Sie sind mit dem Wald aufgewachsen und haben schon als Kinder mit den Großeltern Bäumchen gepflanzt, die sie jetzt pflegen. Oder es sind große Staatsbetriebe, die sogar gesetzlich verpflichtet sind, bei der Bewirtschaftung nicht nur auf die Ökonomie, sondern auch auf die anderen Funktionen des Waldes zu schauen (dazu später mehr). Zudem sinken die Holzpreise kontinuierlich, und die gefährliche Forstarbeit wird schlecht entlohnt. Die Forstwissenschaftler arbeiten an staatlichen Universitäten und erhalten, anders als im Pharmabereich, nur sehr wenige Mittel aus der freien Wirtschaft. Das Bild einer geschlossenen Lobby zu zeichnen, die rein ökonomische Interessen verfolgt, wäre falsch. Zum Wald gibt es so viel zu sagen, dass ich nicht weiß, womit ich anfangen soll. Daher beginnen wir zum Einstieg mit grundsätzlichen Daten.

Auf einer Demonstration gegen die Forstreform in Bayern im Jahr 2004 fragten Passanten in München, warum man denn hier eigentlich demonstrieren würde, wir hätten doch ohnehin keine Wälder mehr. Was vielen Menschen nicht bewusst ist: Die Waldfläche nimmt sogar seit Jahrzehnten zu und circa ein Drittel der Landesfläche Deutschlands und die Hälfte der Landesfläche Österreichs sind mit Wäldern bedeckt. Deutschland ist immer noch ein Waldland, auch wenn der größte Teil gerodet wurde. Ohne den Einfluss des Menschen wäre Deutschland nämlich nahezu vollständig von Wald bedeckt.

Weshalb sind Wälder aber von so hoher Bedeutung, und zwar nicht nur für die Bevölkerung im ländlichen Raum oder für Naturliebhaber, sondern für die gesamte Gesellschaft und die Wirtschaft? Um dies zu verstehen, müssen wir uns zuerst mit den Waldfunktionen beschäftigen, die gesetzlich definiert sind. Vor einigen Jahren habe ich eine Gruppe von Studenten aus aller Herren Länder betreuen dürfen. Sie wohnten zwei Wochen lang auf einer Hütte und pflanzten in schwer zugänglichen Schutzwaldlagen junge Bäumchen. Als die circa zwanzig Studenten eingetroffen waren, bauten wir für die Begrüßungsrunde ein provisorisches Lager für den Tag, und als alle beisammensaßen, bat ich sie, reihum in nur einem Satz zu beschreiben, was sie mit dem Wald verbinden. Sehr häufig kamen Aussagen wie »Lebensraum von Tieren«, »Sauerstoffproduzent« und »Platz, an dem man die Seele baumeln lassen kann«. Wenn ich Kindern auf Schulführungen die gleiche Frage stelle, werden auch regelmäßig die Tiere genannt, der »Platz zum Spielen«, aber auch das »Bauen von Hütten« und Ähnliches.

Mit diesen Aussagen sind bereits alle Waldfunktionen angesprochen. Allerdings erkennt man bei den Aussagen ganz deutlich einen Schwerpunkt, der sicher vor hundert Jahren ein anderer gewesen wäre: Die ökologische Funktion des Waldes wird mit Abstand am häufigsten genannt. Im österreichischen Forstgesetz von 1975 ist sie nicht explizit ausgewiesen, sondern zwischen den Zeilen zu lesen. Im Bundeswaldgesetz werden die Waldfunktionen im Artikel 1 genannt. Ebenso sind hier, wie auch im Waldgesetz in Bayern und in den anderen Bundesländern, die biologische Vielfalt und der Wald als Lebensraum verankert. Wälder sind die Heimat zahlreicher Tier-, Pflanzenund Pilzarten. Viele kommen nur in sehr spezifischen Waldstrukturen vor und würden verschwinden, wenn es den Wald nicht mehr gäbe oder wenn er stark verändert würde. Die Arten, die einem dabei als Erstes in den Sinn kommen, sind jedoch keineswegs immer jene, die unserer besonderen Fürsorge bedürfen. Reh, Hirsch, Gams und Wildschwein sind genauso wie der Fuchs keineswegs bedroht, sondern haben sich gut an die veränderte Landschaft angepasst. In München leben heute mehr Füchse als im Umland. Füchse sind klassische Kulturfolger; und die Bestände etwa von Rehen sind heute weit höher als im Mittelalter, was unter anderem wegen Fraßschäden am jungen Baumnachwuchs zu großen ökologischen Problemen führt.

Gerade die kleinen Arten sind es, die selten sind. Häufig benötigen sie Totholz als Lebensraum. Alle Insekten und Pilzarten aufzuführen, würde ein eigenes Werk erfordern. Leider sind es auch keine »sexy Spezies«, mit denen sich Interesse generieren ließe. Dieser Begriff ist im Naturschutz gebräuchlich und beschreibt das Phänomen, dass sich Spendengelder und politisches Engagement vor allem mit Tieren generieren lassen, die besonders niedlich sind, so wie ein Pandabär oder ein Delfin, oder mit Tieren von besonderer Faszination wie der Wolf. Dass vor allem Letzterer weit weniger bedroht ist als zum Beispiel manch schleimige Schnecke oder gruselig wirkende Spinne, spielt keine Rolle. Dabei haben diese wenig beachteten Spezies eventuell eine weitaus höhere Bedeutung für das Ökosystem. Da haben wir schon eine erste Parallele zur Börse: Auch da geht es leider sehr oft um Emotionen und keineswegs immer nur um Rationalität und Fakten.

Je nachdem, ob man eine Gruppe von Erwachsenen oder Kindern führt, und je nachdem, ob diese eher aus einem ländlichen oder urbanen Milieu stammen, werden an zweiter Stelle Freizeitaktivitäten genannt. Dies ist sicher eine Erscheinung der Neuzeit. Zwar schwärmten schon Dichter der Romantik von der Natur, aber in feudalen Zeiten war der gemeine Untertan eher damit beschäftigt, auf den Feldern für das Auskommen des Adels zu schuften. Auch in der Industriegesellschaft und der Nachkriegszeit des Wiederaufbaus waren die Menschen froh, ihre Wochenenden, die ohnehin auf den Sonntag beschränkt waren, auf dem Sofa verbringen zu können. Mit zunehmender Technisierung und reduzierten Arbeitszeiten begann sich jedoch eine Freizeitindustrie zu entwickeln, die sich stark auf den Wald fokussierte. Neben den klassischen Bergtouren entstanden Fun- und Trendsportarten wie Geocaching, Mountainbiking, Nordic Walking und vieles mehr. Eine sehr neue Entwicklung ist das aus Japan importierte Konzept des »Shinrin Yoku« oder zu Deutsch »Waldbaden«. Derzeit entwickelt sich eine regelrechte Masseneuphorie um diese neue Art des Walderlebens, von der mancher Förster spottet, es sei doch bloßes Spazierengehen. Der ein oder andere begeisterte Städter sieht darin schon eine fast transzendentale Heilung der geschundenen Großstadtseele. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen, wobei wissenschaftliche Studien sehr wohl die positive Wirkung des Waldes auf die menschliche Gesundheit belegen. Und wenn es Menschen in die Natur bringt und dem engagierten Waldbesitzer neue Einkommensmöglichkeiten eröffnet, entsteht dadurch eine Win-win-Situation. Auch die »Erholungsfunktion« findet sich in unseren Forstgesetzen und ist damit die zweite Waldfunktion, die den meisten Menschen sehr bewusst ist.

Etwas schwieriger wird es dann schon mit den weiteren beiden »Aufgaben«, die unsere Wälder haben. An dritter Stelle wird in der Regel die Sauerstoffproduktion genannt. Man könnte diese Aufgabe unter die »Wohlfahrtsfunktion« subsummieren. Der Wald produziert nämlich nicht nur Sauerstoff. Tatsächlich ist dies sogar zu vernachlässigen, denn, so erinnere ich mich an Vorlesungen in der Geobotanik, die maritimen Algen wären schon ausreichend, damit wir nicht ersticken. Wälder reinigen aber die Luft von Schadstoffen und haben durch ihre Verdunstungsleistung und durch ihren Energieverbrauch bei der Photosynthese einen sehr großen Einfluss auf das Mikroklima. Sie kühlen das Land im Sommer durch Beschattung und Verdunstung und halten im Winter die Wärme zurück, ähnlich wie Wolken. Besonders im urbanen Bereich sind sie daher von höchster Bedeutung.