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Fakten statt Vorurteile - eine notwendige Aufklärung
Noa Tishby provoziert: Anhand von Schlaglichtern aus der Geschichte Israels und sehr persönlichen Erfahrungen, beschreibt sie Weg und Werden ihres Heimatlandes beginnend in biblischer Zeit, über die Weltkriege des 20. Jahrhunderts, die Gründung des heutigen Staates bis hin zu den Konflikten, die das Land aktuell in Atem halten.
Mit scharfem Verstand, frechem Sprachwitz und der Lust am Streit begegnet sie populären Missverständnissen mit einer Fülle von Fakten. Allen, die nicht nur eine Meinung, sondern auch Kenntnisse über das kleine Land am Mittelmeer haben möchten, bietet dieses Buch eine zugleich unterhaltsame und zur Debatte anregende Einführung.
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Seitenzahl: 496
Veröffentlichungsjahr: 2022
Fakten statt Fake-News
Noa Tishby ist aufgebracht: Immer wieder sieht sich die Israelin mit Fehlinformationen, Vorurteilen und Lügen über ihre Heimat konfrontiert. Dem will sie etwas entgegensetzen.
Engagiert und provokant klärt Noa Tishby in diesem Buch über Israel auf. Anhand von Schlaglichtern aus der Geschichte Israels und sehr persönlichen Erfahrungen beschreibt sie den Weg ihres Heimatlandes von der biblischen Zeit über die Weltkriege des 20. Jahrhunderts, die Staatsgründung Israels bis hin zu den heutigen Konflikten.
Klug, direkt und mit frechem Sprachwitz setzt sie populären Missverständnissen Fakten entgegen und zeigt, was das Starke und Besondere an diesem kleinen Land am Mittelmeer ist.
Eine temperamentvolle Liebeserklärung an den wohl umstrittensten Staat der Welt
Noa Tishby
wurde 1975 in Tel Aviv geboren, wo sie auch aufgewachsen ist. Ihre Familie hat Wurzeln im osteuropäischen Judentum. Nach dem Wehrdienst in Israel absolvierte sie ein Studium an der Tel Aviv National Museum of Arts. Sie spielte eine Hauptrolle in der in Israel sehr erfolgreichen Prime-Time-Serie Ramat Aviv Gimmel und übernahm Rollen in diversen TV-Shows und Theaterproduktionen bevor sie nach Los Angeles zog. Hier arbeitet sie vor allem als Produzentin. Die Jerusalem Post rechnet Noa Tishby zu den 50 weltweit einflussreichsten Juden. Der israelische Außenminister ernannte Tishby 2022 zur ersten Sondergesandten im Kampf gegen den Antisemitismus.
NOA TISHBY
ISRAEL
DER FAKTENCHECK
ÜBER DAS AM MEISTEN MISSVERSTANDENE LAND DER WELT
Aus dem Amerikanischen übersetzt von Thomas Görden
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Titel der Originalausgabe:
Israel: A Simple Guide to the Most Misunderstood Country on Earth
© 2021 Noa Tishby / Alle Rechte vorbehalten
Die Originalausgabe ist erschienen im Verlag Free Press, einem Imprint
von Simon & Schuster, Inc., New York.
Copyright © 2022 Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh,
in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH,
Neumarkter Str. 28, 81673 München
Umsetzung eBook: Greiner & Reichel, Köln
Covergestaltung: © Free Press
ISBN 978-3-641-29198-3V004
www.gtvh.de
Für Ari
Karten
1. Teil
TRÄUMEN
Kapitel 1
Meine Geschichte in Kurzform
Kapitel 2
Eine kurze Geschichte des Landes Israel
Kapitel 3
Eine kurze Geschichte des Nahen Ostens im vorigen Jahrhundert
Kapitel 4
Eine kurze Geschichte des Zionismus
Kapitel 5
Dem Traum folgen
2. Teil
VERWIRKLICHEN
Kapitel 6
Geburt eines Staates
Kapitel 7
Tauziehen zwischen Krieg und Frieden
Kapitel 8
Die Siedlungen
Kapitel 9
Araber
3. Teil
SEIN
Kapitel 10
BDS
Kapitel 11
Möge der Schmelztiegel uns nicht alle schmelzen
Kapitel 12
Start-up-Nation
Kapitel 13
Frage an die Welt: Was soll diese Besessenheit?
Nachwort
Anhang
Glossar
Danksagung
Anmerkungen
Register
TRÄUMEN
MEINE GESCHICHTE IN KURZFORM
Und warum Sie mir dabei voll und ganz vertrauen können
Wem viel gegeben ist, von dem wird viel … Sie wissen schon
Zu erkennen, dass sich dein Leben für immer verändert hat, dauert nur eine Sekunde. Als ich dort stand – eine damals neunzehnjährige Soldatin der israelischen Armee, mit dem Rücken zur Wand, nervös und verschwitzt – war für mich dieser Moment gekommen. Mir wurde klar, dass mein Leben nie wieder dasselbe sein würde.
Anfangs war es ein ziemlich entspannter Abend gewesen. Wir feierten den zwölften Geburtstag meiner jüngeren Schwester. Mein Vater, mein Stiefbruder und ich gingen mit ihr und ihren Freunden zum Schlittschuhlaufen und dann ins Einkaufszentrum zu McDonald’s. Ich war nicht in Alarmbereitschaft. Ein Einkaufszentrum ist ja schließlich kein besonders bedrohlicher oder problematischer Ort. Es war nur der Geburtstag meiner Schwester – und doch würde sich mein Leben verändern.
Aber lassen Sie uns einen Schritt zurücktreten, ehe ich weitererzähle. Mein Name ist Noa Tishby, und ich bin in Israel geboren. Ich wuchs in einem Vorort von Tel Aviv auf, in einer politisch aktiven Mittelschichtfamilie, die bereits seit der Gründung des Staates Israel dort lebt. Meine Großmutter gehörte zu den Gründerinnen des ersten Kibbuz (einer Agrargenossenschaft; dazu später mehr), mein Urgroßvater baute das Ministerium für Industrie und Handel auf, und mein Großvater war Israels erster Botschafter in Westafrika und gehörte der israelischen Delegation bei den Vereinten Nationen an.
Das hat natürlich eine gewisse furchtlose Neugierde in meiner DNA hinterlassen. In meiner Kindheit und Jugend begleitete ich meine Eltern zu verschiedenen Protesten und Demonstrationen, und wir hatten mehrmals im Monat Minister und Botschafter zum Abendessen zu Gast. Die Politik war allgegenwärtig, und deshalb kam es etwas überraschend, dass ich mich entschied, in die Unterhaltungsbranche zu gehen.
Schon als Kind verspürte ich den Drang zu schauspielern. Also wirklich, schon als kleines Kind. Damals sah ich immer wieder Kinder im Fernsehen und wusste einfach, dass ich genau das machen wollte. Niemand aus meiner Familie war in der Branche tätig, und meine Mutter – mit der Mentalität einer Ninja-Kämpferin, die sie sich bis heute bewahrt hat – wusste nichts darüber und interessierte sich nicht dafür (das ist bis heute so). Unterstützend und doch verblüfft sagte sie, was jede normale Mutter sagen würde: »Wenn du erwachsen bist, kannst du tun und lassen, was du willst.« Also wartete ich, bis ich erwachsen war, also bis ich das stattliche Alter von zwölf Jahren erreicht hatte, und fing an, Orte in Tel Aviv aufzusuchen, wo sich, wie ich gehört hatte, Casting-Direktoren herumtrieben, um neue Talente zu finden. Ich fand meinen ersten Agenten – eine totalen Pfeife –, der mich mit dem Linienbus zu den Castings schickte, die er mir verschafft hatte. Meine Eltern fragte ich nicht um Erlaubnis. Ich tat es einfach.
Als ich ungefähr dreizehn Jahre alt war, ging es richtig los: Ich wurde landesweit für Werbespots und Fernsehauftritte gebucht, und damit ließ es sich nicht mehr vermeiden, dass meine Eltern meine außerschulischen Aktivitäten spitzkriegten. Ich meldete mich zu meinem ersten Schauspielkurs an, und es war Liebe auf den ersten Blick. Das war genau das, was ich wollte!
Ein Schauspielstipendium des Kunstmuseums von Tel Aviv folgte, und meine Zeit auf der High School verbrachte ich größtenteils damit, in Schulaufführungen und Musicals mitzuwirken. Nach dem Schulabschluss tat ich, was (fast) jeder in diesem Land tut: Ich diente bei den Israelischen Verteidigungsstreitkräften (IDF). Der Wehrdienst war und ist für die meisten Israelis obligatorisch, und da es den Soldaten der IDF damals nicht erlaubt war, außerhalb des Dienstes zu arbeiten, legte ich meine Schauspielkarriere auf Eis. Aber das bedeutete keineswegs, dass ich meinen Traum aufgab. Anstatt fleißig Liegestütze zu trainieren und mich bei meiner militärischen Ausbildung ins Zeug zu legen, bewarb ich mich für das Performance-Korps des Militärs – die Unterhaltungsabteilung. Es klingt zwar komisch, aber die Armee ist extrem wählerisch, was ihre Unterhaltungskünstler angeht. Ihr Auswahlverfahren ist eine Art schauspielkünstlerisches Krav Maga. Das ist kein Witz! Es dauerte mehrere zermürbende Monate, bis das Militär entschied, dass sie meine Gesangskünste gebrauchen konnten, anstatt mich zu einer Agentin im Nikita-Style zu machen oder mich dazu abzukommandieren, irgendeinem Kommandeur Kaffee zu servieren. Ich bekam den Job!
Ich weiß nicht, ob ich das Zeug zu einer coolen Geheimagentin gehabt hätte, aber ich wurde ein geschätztes Mitglied der IDF Circus Show (ehe Sie fragen: Elefanten gab es bei dieser Show keine). Jeden Tag fuhren wir von einem Militärstützpunkt zum anderen, wo wir dann abends Sketche aufführten und Pop-Hits coverten. Im Grunde war es eine nächtliche USO-Tour. Der Reiz des Neuen verflog ziemlich schnell, aber die Aussicht von den hinteren Plätzen im Bus war unbezahlbar. Von den Golanhöhen über Hebron bis zum Gazastreifen habe ich gesehen, wie die Menschen leben und wie das Militär arbeitet. Die Armee war in der Tat ein wahrer Schmelztiegel, und ich besuchte Orte und traf Menschen, denen ich sonst niemals begegnet wäre. Dort lernte ich auch die beinahe magische Methode des »Threading« kennen, das Wimpernzupfen mit einem Faden. Das hat, wie der Militärdienst selbst, mein Leben für immer verändert.
Als meine Dienstzeit sich allmählich dem Ende zuneigte, rief mich mein Agent an und stellte mir einige Rollenangebote in Aussicht. Das erste war unglaublich. Mir wurde die Rolle der Rizzo in einer neuen Bühnenproduktion von Grease angeboten, unter der Regie des größten Regisseurs des Landes und mit den größten Namen der damaligen Zeit in den Hauptrollen! Nur damit das klar ist: Ich war von Grease besessen. Besessen. Ich kannte das Stück auswendig, ich liebte die Rolle der Rizzo, und ich war außer mir vor Aufregung. Das zweite Angebot war das Vorsprechen für den Pilotfilm einer neuen Fernsehserie. Der Casting-Direktor suchte ein naives, unschuldiges sechzehnjähriges Mädchen, und ich mit meinen knapp über neunzehn Jahren schien da genau zu passen.
Ich ging zum Vorsprechen und wartete draußen mit all den anderen Teenagern. Sie gaben uns keine Texte, die wir im Voraus auswendig lernen sollten. Sie drückten uns einfach vor Ort ein Blatt Papier in die Hand, mit einem Text, den wir unvorbereitet vorlesen sollten, quasi als »Kaltstart«. Ich überflog den Text – und siehe da: Es war totaler Scheiß! Das klischeehafteste Telefonat zwischen einem Teenager und ihrer Mutter, das man sich vorstellen kann. Nichts für eine Göre wie mich, die in der Zirkustruppe der Armee auftrat. Als mein Name aufgerufen wurde, ging ich in den Raum, setzte mich hin und fragte den Regisseur, ob ich improvisieren dürfe. Er wirkte etwas überrumpelt, war aber einverstanden. Also warf ich den Text auf den Boden und improvisierte einen Anruf, indem ich ein fiktives Telefon an mein Ohr hielt und was sonst noch so dazugehörte. Als ich fertig war, schaute der Regisseur auf den Monitor und dann wieder zu mir rüber. »Können Sie bitte für uns lächeln?« Ich tat es. Er schaute wieder auf den Monitor, sah mich an und sagte: »Ich habe eine Rolle für Sie, aber nicht diese.« Ich bekam nicht die Rolle des unschuldigen Teenagers. Ich bekam die Rolle der Hauptschurkin – der Männerschwarm, die größte Zicke.
Als diese beiden Angebote auf dem Tisch lagen, ging ich zu meinem Kommandeur und bat ihn um eine Pause. Ich erzählte ihm von dem Musical und dem Pilotfilm und fragte, ob ich vielleicht schon meine Karriere beginnen könnte, während ich parallel als braves Soldatenmädchen den Rest meines Wehrdienstes absolvierte. Seine Antwort kam wie aus der Pistole geschossen: zu dem Musical ein klares Nein. Jeden Abend Grease auf der Bühne zu spielen würde mich davon abhalten, jeden Abend für die Soldaten aufzutreten. Aber diese kleine Fernsehsache? Na gut. Es war nur ein Pilotfilm. Er sagte mir, ich solle ihn drehen und danach sofort wieder zum Dienst erscheinen. Und das tat ich dann auch. Dieser Karriereschritt war einer der größten Wendepunkte in meinem Leben.
Grease kam und ging, ohne bei irgendjemandem einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Doch dieser kleine Pilotfilm wurde zur sprichwörtlichen Übernachtsensation. Die Serie Ramat Aviv Gimmel – benannt nach einem besonders wohlhabenden Stadtteil Tel Avivs – orientierte sich an den amerikanischen Prime-Time-Seifenopern jener Zeit, Melrose Place und dergleichen. Die Serie spielte in einem Modeunternehmen, und ich verkörperte die neue, angesagte Designerin, die den Laden auf Vorderfrau bringen sollte. Natürlich hatte ich eine Affäre mit dem Firmenchef und wurde daraufhin in höchst unterhaltsame Zickenkriege mit seiner älteren und ebenso superschicken wie bösen Gattin verwickelt. Es war albern, überdreht, aber das israelische Publikum liebte es. Die Serie wurde ein Riesenhit.
In der abgeschirmten Welt meines Militärdienstes bekam ich davon nicht allzu viel mit. Meine Kameradinnen und Kameraden machten sich über mich lustig, weil ich in der Serie eine raffinierte Frau spielte, die ein paar Jahre älter und erfahrener war als ich. Aber ansonsten blieb alles wie immer. Bis zu diesem schicksalhaften Tag bei McDonald’s.
So begann meine Reise, damals in den Neunzigern, mit dem Rücken zur Wand. Mein Vater und mein Stiefbruder zerrten mich von einem Haufen Kinder weg, die den Namen meiner Figur (Daphne, falls es Sie interessiert) schrien und um Autogramme bettelten – in jenen einfachen Tagen, als es noch keine Selfies gab.
Ein amerikanischer Traum
Als ich zweiundzwanzig Jahre alt wurde, war ich bereits eine echte Veteranin der israelischen Unterhaltungsindustrie. Ich wurde für die Rolle der Anita in einer Produktion der West Side Story am Habima-Nationaltheater gebucht (eine enorme Verbesserung gegenüber Grease!). Und mit meinem Freund brachte ich ein R&B-Album heraus, das es auf Platz Eins der israelischen Charts schaffte (das erste ganz in englischer Sprache gesungene Album in Israel!). Gleichzeitig spielte ich in der erfolgreichsten Fernsehserie des Landes mit. Meine Tage begannen um 5 Uhr morgens am Set von Ramat Aviv Gimmel und endeten gegen 24 Uhr nach meinem Auftritt als Anita mit »A Boy Like That«. Ich schlief nicht viel, aber ich genoss jede Minute dieses Lebens. Man bot mir sogar an, im Sommer das israelische Äquivalent der Tonight Show zu moderieren, und ich überlegte, ob ich das Angebot annehmen sollte – bis ich in einem Restaurant in Tel Aviv eine nicht ganz so zufällige Begegnung hatte.
Es war ein schwüler Julitag, als ich eine Einladung für mich und einen weiteren Gast zu einer Dinnerparty des israelischen Megaproduzenten Arnon Milchan erhielt. Mir wurde ganz schwindelig bei der Vorstellung, wie Arnon mich sehen, mit mir sprechen und laut und deutlich sagen würde: »Aus dir mache ich die nächste Julia Roberts.« Tatsächlich hatte er Pretty Woman produziert, und das schien mir Beweis genug, dass dies mein lang ersehntes Ticket nach L. A. sein würde.
Eigentlich träumte ich schon seit meiner Kindheit von Amerika (und das hatte nicht nur mit Hollywood zu tun). Meine erste Fantasie zu diesem Land entstand in der zweiten Klasse, als mich eine Läuseplage heimsuchte. Es waren wirklich eine Menge Läuse. So viele, dass es manchmal so aussah, als würde sich mein Kopfkissen von ganz allein bewegen. Egal, was meine Eltern taten, wir wurden sie nicht los, und die einzige schlaue Idee, die meinem Vater einfiel, war, mir einen Kurzhaarschnitt zu verpassen. EINEN BUZZ CUT! Im Alter von acht Jahren war das ziemlich dramatisch, also, ja, man kann durchaus sagen, dass es mich völlig traumatisierte. Ich ging mit einem Kapuzenpulli zur Schule und träumte von dem Tag, an dem ich wieder meine Mähne mit dem Pferdeschwanz zur Schau stellen konnte. Es dauerte Monate, bis ich mich an meinen neuen genderfluiden Look gewöhnt hatte (lange bevor so etwas überhaupt ein Thema war), und in der Zwischenzeit plante ich meine große Flucht – ich würde mir die Haare wachsen lassen und auf eine neue Schule in Amerika gehen, wo die Kinder nichts von meiner verlausten Vergangenheit wussten und ich Englisch mit echtem amerikanischen Akzent sprechen würde.
Seitdem war über ein Jahrzehnt vergangen, aber nun wurde mein Traum endlich wahr, und ich war bereit – amerikanischer Akzent und das volle Programm. Als meine Begleitung wählte ich, selbstverständlich, meinen Vater. Als wir bei Arnon Milchans Dinnerparty eintrafen, platzierte ich uns zwei an unserem eigenen kleinen Tisch. Nach ein paar Minuten kam Arnon vorbei, um Hallo zu sagen, und ich sprach sofort Englisch mit ihm. Er verstand den Wink und nach einem kurzen Gespräch lud er uns zu einem Treffen am nächsten Tag ein.
Bei diesem Treffen sagte Arnon, dass er zwar keine Rollenangebot für mich hätte, aber bereit sei, mir zu helfen, und er riet mir, nach Los Angeles zu ziehen. Er sagte einen Satz, der mir jahrelang im Gedächtnis haften blieb: »Wenn du Wein herstellst, musst du in Frankreich leben. Wenn du Uhren herstellst, musst du in der Schweiz leben. Und wenn du im Showbusiness Erfolg haben willst, musst du in Los Angeles leben.«
Klingeling!
Ich hatte die Botschaft gehört. Laut und deutlich.
Vier Monate später stieg ich bei Ramat Aviv Gimmel aus, brach die Aufnahme meines zweiten Albums ab, gab die Moderation der Tonight Show auf, überließ die Rolle der Anita meiner Zweitbesetzung, verließ meine Wohnung und meinen Freund, mit dem ich seit drei Jahren liiert war, packte zwei Koffer und stieg in ein Flugzeug nach Los Angeles. Wie Sie sehen, war ich ein bisschen durchgeknallt.
Um das Offensichtliche klar auf den Punkt zu bringen: Ich wurde nicht zu Gal Gadot. Nicht einmal annähernd. Meine Karriere in den USA hatte einige erstaunliche Durchbrüche, zum Beispiel einen Vertrag über sechs Alben bei einem großen Musiklabel, und einige Fehlschläge epischen Ausmaßes, wie zum Beispiel die Pleite genau jenes Labels, als um die Jahrtausendwende die Musikindustrie zusammenbrach. Ich arbeitete fleißig, bekam hier und da ein paar Rollen und gewann eine Menge Fans in der Branche, aber viele Rollen bekam ich eben nicht und bei noch mehr Rollen war ich frustrierend nah dran und erhielt dann doch nicht den Zuschlag. Ich wurde ziemlich regelmäßig zu einer starken zweiten Wahl für Hauptrollen, was dazu führte, dass ich, nun ja, ziemlich regelmäßig leer ausging.
Ich war immer ein Mensch mit Unternehmergeist, schon als Kind. Als ich in der High School nicht in eine Teenager-Singgruppe aufgenommen wurde, gründete ich kurzerhand eine konkurrierende Gruppe. Wir brachten ein Rockmusical über das Leben von König David auf die Bühne, das zum Kultphänomen und zehn Jahre lang immer wieder aufgeführt wurde. Ich hatte einfach den Drang, kreativ zu sein und mich aktiv einzubringen, und deshalb war die Warterei auf Rollen in Los Angeles sehr frustrierend für mich. Es wurde allgemein erwartet, dass ich als junge Frau hübsch und lautlos herumsitzen sollte, bis ich an der Reihe war, oder eben nicht. Also schaute ich mich nach Projekten um, die ich selbst entwickeln und produzieren konnte. In einer israelischen Zeitung las ich von einer neuen israelischen Fernsehserie, die dort für Furore sorgte. Sie hieß Be Tipul und handeltevon einem Therapeuten, der eine halbe Stunde lang einfach mit anderen Schauspielern in einem Raum sitzt und eine Therapiesitzung durchführt. Es wird also hauptsächlich geredet. »Was für ein brillantes Konzept«, dachte ich. Ich hatte mein erstes Format gefunden.
Ein Format?, fragen Sie jetzt vielleicht. Lassen Sie mich das erklären. Im Fernsehjargon werden die Inhalte in zwei Hauptbereiche unterteilt, nämlich mit Drehbuch oder ohne Drehbuch. Zu den Sendungen mit Drehbuch gehören alle Dramen und Sitcoms, die Sie kennen; und zu den Sendungen ohne Drehbuch gehören Reality-Shows, Spielshows und so weiter. Das Format ohne Drehbuch lässt sich traditionell leichter an ein internationales Publikum »anpassen«, weshalb so ziemlich jedes Land der Welt seine eigene Version von American Idol (In Deutschland: Deutschland sucht den Superstar)hat. Bei Sendungen mit Drehbuch ist es etwas schwieriger. Drehbücher müssen übersetzt, umgeschrieben und an die jeweilige Kultur angepasst werden. Etwa ein Jahr zuvor hatte ich eine Rolle in einer Sitcom für NBC, die auf einer britischen Serie namens Coupling basierte. Ich erwähne das nicht, um anzugeben, sondern um zu zeigen, dass sich Drehbücher durchaus adaptieren lassen, auch wenn das zu dieser Zeit noch nicht oft gemacht wurde. Und ich war mir sicher, dass Be Tipul die erste Serie aus Israel sein konnte, bei der das gelang.
Ich arrangierte ein Meeting mit dem Erfinder der Serie und sagte ihm geradeheraus, dass ich sie an HBO verkaufen wollte. Er schien verblüfft. Zu diesem Zeitpunkt war das eine völlig verrückte Idee. Nicht nur, weil das noch nie jemand mit einer israelischen Fernsehserie gemacht hatte – nein, es hatte überhaupt noch niemand auch nur daran gedacht!
Ich verkaufte In Treatment schließlich tatsächlich an HBO. Ich habe die Serie mit Mark Wahlberg und Stephen Levinson koproduziert, und wir drehten drei Staffeln mit insgesamt 155 Folgen. Die Serie wurde für zwölf Emmy- und Golden-Globe- Preise nominiert, gewann einen Peabody Award, und 2020 wurde eine vierte Staffel produziert. Das ebnete für Israel den Weg, sich zu einem Kraftzentrum für TV-Formate zu entwickeln. Und für kurze Zeit wurde es das Land, das die meisten TV-Formate in die USA verkaufte, sogar noch vor Großbritannien.
Obwohl es für mich als Schauspielerin weiterhin eher schleppend lief und ich auf gute Rollenangebote warten musste, entwickelte ich mich zu einer ernst zu nehmenden Produzentin. Ehrlich gesagt, war ich selbst überrascht, dass sich das nicht gegenseitig ausschließt.
Bitteres aus der Türkei
Ich öffnete wichtige Kommunikationskanäle zwischen Israel und Amerika, aber viele Menschen schienen immer noch nicht recht zu wissen, wo oder gar was Israel eigentlich genau ist. Die Erkenntnis, dass Israel ein massives PR-Problem hat, stellte sich bei mir ein, als ich nach meinem Umzug in die USA Bekanntschaften schloss und mit Leuten redete. Mir wurde klar, dass das, was ich bislang für Allgemeinwissen gehalten hatte, dort für die meisten Leute völlig neu war. Dass ich über Christoph Kolumbus, die Unabhängigkeitserklärung und die Emanzipationsproklamation Bescheid wusste, bedeutete im Umkehrschluss keineswegs, dass irgendjemand Israels Geschichte, seinen Hintergrund und die Gefahren kannte, mit denen es täglich zu kämpfen hat. Es bedeutete auch nicht, dass irgendjemand wusste, wer Israelis sind. Ich war schockiert. Ich meine, Israel war für so viele Menschen auf der ganzen Welt ein heißes Thema. Wenn Menschen solch starke Meinungen über ein Land vertreten, sollten sie doch zumindest mit einigen grundlegenden Fakten vertraut sein, oder? Meine Güte, was hatte ich mich da geirrt!
Mir begegneten Fehlinformationen und Unkenntnis jeglicher Art, selbst bei sehr wohlmeinenden und gebildeten Menschen. Eines Tages, als ich mit meiner Crew von jungen Schauspielern, Autoren und Regisseuren unterwegs war, sprach mich eine erfolgreiche Nachwuchs-Filmemacherin an, die Sie alle kennen und die später viele Preise, darunter einen Oscar, gewann.
»Du kommst also aus Israel!«, näselte sie.
»Ja, stimmt«, antwortete ich.
»Also, ich habe mich gefragt, was wohl deine Eltern von dir halten.«
Ich schaute sie verwirrt an. »Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie stolz auf mich sind«, sagte ich. »Warum, gibt es etwas, das ich wissen sollte?«
Sie legte den Kopf schief und blinzelte mich an. »Ich habe mich nur gefragt, was sie davon halten, dass du, du weißt schon, modern und so bist, ohne diese Kopfbedeckung«, sagte sie und machte kreisende Handbewegungen um ihr Gesicht und ihren Kopf, offenbar die pantomimische Darstellung eines Hijabs.
Um das klarzustellen: Man kann sich aus ganz unterschiedlichen Gründen dazu entscheiden, ein Kopftuch zu tragen. Die Gründe reichen von Tradition über Bescheidenheit bis hin zu Selbstdarstellung. Trotzdem werden Hijabs hauptsächlich von muslimischen Frauen in Gegenwart von Männern außerhalb ihrer Familie getragen. Obwohl ich ausgefallene Kleidungsstücke genauso liebe wie jede andere Frau, beschränken sich meine Erfahrungen mit Kopfbedeckungen auf Sonnenschutz an heißen Tagen oder das Burning-Man-Festival (mehr dazu im dritten Kapitel).
In den folgenden Jahren wiederholten sich Geschichten wie diese in Hunderten von Variationen. Immer wieder ertappte ich mich dabei, dass ich die Geschichte Israels erzählte und den Leuten erklärte, dass wir nicht Afghanistan sind. Ich erklärte, wie das Land entstand, wie die Grenzen entstanden, und zeichnete bei Dinnerpartys Hunderte Landkarten der Region auf Hunderte Servietten. Ich musste erklären, wie verdammt modern Israel ist und was genau der Unterschied zwischen einem Kibbuz und einer Siedlung ist (ein großer Unterschied, nur damit wir uns verstehen).
Mir wurde klar, dass die Leute einige grundlegende Fakten nicht kannten, zum Beispiel dass Israel als einziges Land im Nahen Osten seit seiner Gründung im Jahr 1948 ununterbrochen eine Demokratie ist, nachdem die Vereinten Nationen den Juden nach den Schrecken des Holocaust einen eigenen Staat zugestanden hatten. Auch den Arabern wurde damals ein Staat zugestanden, aber sie entschieden sich dafür, dies abzulehnen, und begannen stattdessen einen Krieg. Ich habe gehört, dass manche Leute Israel einen kolonialistischen Staat nennen, was absurd ist, da es ein Flüchtlingsstaat ist, der auf entkolonialisiertem Gebiet entstanden ist, das zuvor unter britischer Herrschaft gestanden hatte. Ich habe immer wieder gehört, wie Leute Israel als Apartheidstaat bezeichnen, was ebenfalls absurd ist, wenn man weiß, dass die drittgrößte politische Partei in Israel eine arabische Partei ist. Mir wurde klar, dass einige Leute das gesamte Problem im Nahen Osten als israelisch- palästinensischen Konflikt betrachten – eine David-und-Goliath- Geschichte, in der ein Volk ohne Armee (die Palästinenser) es mit einer der technologisch fortschrittlichsten Armeen der Welt aufnehmen muss (Israel). Es ist immer einfach, den Underdog anzufeuern, aber diese Dynamik liegt hier ganz und gar nicht vor. Der Konflikt besteht nicht zwischen dem palästinensischen und dem israelischen Volk, sondern zwischen der gesamten arabischen Welt und Israel. Einundzwanzig arabische Länder mit etwa 423 Millionen Einwohnern und ein jüdischer Staat mit etwa 9 Millionen Einwohnern. Wer ist in dieser Konstellation der David und wer der Goliath? Mir wurde klar, dass die Menschen unverhältnismäßig stark von Israel fasziniert waren, dass fast jeder eine Meinung hatte, aber dass viele einfach nicht wussten, wovon sie redeten. Immer öfter geschah es, dass ich den Leuten dies und noch mehr erklärte, und ich wurde für mein persönliches Umfeld zu einer Quelle der Information und Aufklärung zu diesem Thema.
Was jedoch in den darauffolgenden Jahren geschah, qualifiziert mich dazu, dieses Buch zu schreiben. Schließlich will niemand ein historisches und ein teilweise politisches Buch über eines der umstrittensten Länder der Welt lesen, das von irgendeiner beliebigen Schauspielerin/Fernsehproduzentin verfasst wurde, egal wie reizend sie auch sein mag.
Eines Abends im Jahr 2010 spitzte sich alles zu. Es war gegen 23 Uhr. Ich saß an meinem Computer und surfte auf dieser neuen und aufregenden Plattform namens Twitter, als ich feststellte, dass Israel dort gerade zum Trend-Thema wurde. Und zwar in türkischer Sprache: »Israil.« Ich wusste genug über internationale Beziehungen, um zu verstehen, dass dies wahrscheinlich nichts Gutes bedeutete. Und genau so war es. Die Schlagzeilen waren aggressiv: »Israelisches Militär tötet neun türkische Friedensaktivisten, die versuchten, Hilfsgüter nach Gaza zu bringen.« Das Internet war voll von empörten Posts und geteilten Beiträgen. Bedenken Sie, dass wir uns im Jahr 2010 befanden: Die sozialen Medien nahmen gerade erst Gestalt an. Wir waren noch naiv und dachten, es handele sich um eine lustige, authentische und transparente Form der Verbindung und Kommunikation und nicht um ein virtuelles Monster, das unser Leben übernehmen und sich in unsere Gehirne einhacken würde (um meinen Landsmann, den Mega-Bestsellerautor Yuval Noah Harari, zu paraphrasieren). Aber trotzdem fühlte sich die Nachricht nicht richtig an. Ich hatte in der Armee gedient, und ich wusste einfach, dass wir so nicht vorgehen würden.
Ich recherchierte, und – was mich nicht überraschte – die Tatsachen entsprachen keineswegs der Geschichte, die sich im Internet verbreitete. Die türkische Flottille bestand aus sechs Schiffen und fast siebenhundert Passagieren. Während einige von ihnen wahrscheinlich wohlmeinende Aktivisten waren, handelte es sich bei mindestens vierzig Menschen um Hardcore-Islamisten mit Verbindungen zum Terrorismus, die von der Türkei nach Gaza unterwegs waren, um die von Israel und Ägypten (ja, und Ägypten) verhängte Blockade des Gazastreifens zu durchbrechen. Die Blockade war das Ergebnis der terroristischen Aktivitäten der Hamas, zu denen auch der Beschuss Israels mit Raketen gehörte, und auch der generelle Wunsch, Israel von der Landkarte zu tilgen (wie es in der Hamas-Charta heißt; darauf komme ich noch zurück). Die Israelis versuchten zunächst, mit den Türken einen Deal auszuhandeln, indem sie vorschlugen, die Schiffe in einem israelischen Hafen ankern zu lassen, wo die Waren kontrolliert und auf dem Landweg in den Gazastreifen gebracht werden sollten, aber die Türken lehnten ab. Israel versuchte daraufhin, das Schiff zum Anhalten zu bewegen, und erst nachdem das ignoriert wurde, enterten Einsatzkräfte der israelischen Marine das Schiff. Als die Soldaten sich aus einem Hubschrauber abseilten, stießen sie auf »organisierten und gewaltsamen Widerstand«1, der u. a. aus Angriffen mit Eisenstangen bestand.
Als ein Demonstrant einem der Soldaten eine Waffe entriss, eröffneten die anderen Soldaten das Feuer. Zehn2 türkische Bürger wurden getötet, was ein bedauerlicher Verlust von Menschenleben ist; aber es ist dennoch wichtig festzuhalten, dass zumindest einige dieser Männer gekommen waren, um zu kämpfen, und dazu bekamen sie dann ja auch Gelegenheit.
Es dauerte ein paar Tage, bis Videos des Angriffs auftauchten, die Israels Version der Ereignisse bestätigten. Aber zu diesem Zeitpunkt hatten die öffentliche Meinung und das Internet bereits das Urteil gefällt: Israel hatte eines schönen Morgens aus heiterem Himmel neun Friedensaktivisten getötet, die sich auf dem Deck dieses »Traumschiffs« unschuldig gesonnt hatten.
In den nächsten Tagen klebte ich regelrecht am Computerbildschirm, lieferte mir Twitter-Kriege mit verschiedenen Trollen und erkannte: »Jerusalem, wir haben ein Problem.« Israel hatte in den klassischen Medien schon genug schlechte PR, aber im Internet, wo Lügen, Fehlinformationen und »Fakten« im Handumdrehen zur »Realität« werden, brach ein furchtbarer Tsunami los. IDF und die israelische Regierung agierten noch wie in der medialen Steinzeit, indem sie der Öffentlichkeit vermittelten: »Schaut, wir überprüfen die Fakten, bevor wir sie veröffentlichen; habt also bitte etwas Geduld, das kann ein paar Tage dauern.« Aber in dieser neuen Online-Welt ging es nicht mehr um Tage, sondern um Sekunden. Zum ersten Mal fürchtete ich um die Zukunft meines Landes. Israels PR-Probleme waren im Begriff, sich zu einer existenziellen Bedrohung zu entwickeln.
Es wurde zu meiner persönlichen Mission, mich online zu outen und zu versuchen, die Wahrheit herauszufinden. Während ich wie wild twitterte und mich selbst ganz verrückt machte, erreichten mich Textnachrichten von einigen Gleichgesinnten. Wir alle hatten denselben Gedanken: Jemand musste sich der sozialen Medien annehmen. Und da die israelische Regierung zu dieser Zeit nicht genug Aufmerksamkeit dafür aufbrachte, mussten wir das selbst in die Hand nehmen. Im Jahr 2011 gründete unsere unglaublich motivierte Gruppe ganz aus eigenem Antrieb Act for Israel, die erste Online-Lobby- und Schnellreaktionsorganisation, die sich der Verbreitung der Wahrheit und der Bekämpfung von Trollen widmete (Bots gab es damals noch nicht). Es war, als würden wir mit einem Smartphone und einem Laptop in den Wilden Westen aufbrechen.
Zu diesem Zeitpunkt war mein Einsatz für Israel nicht mehr nur etwas, das ich auf Dinnerpartys tat, sondern eine echte Berufung. Ich begann, mit Pro-Israel-Organisationen in den USA, mit NGOs und inoffiziell mit der israelischen Regierung zusammenzuarbeiten. Wir schrieben Tweets und Posts, um positive Nachrichten zu verbreiten und Unwahrheiten, die uns auffielen, zu entlarven. Act for Israel erstellte auch Präsentationen, um Menschen in Machtpositionen, in der israelischen Regierung und in anderen großen Organisationen zu erklären, wie diese neue Welt funktioniert. Wir stützten uns auf Daten und Statistiken, wie zum Beispiel die Angabe, dass 87 Prozent der unter Dreißigjährigen sich auf Facebook über das Weltgeschehen informierten. Damals war das für jeden, mit dem wir uns trafen, ein totaler Schock.
Wir verbreiteten die Frohe Botschaft dieser sich verändernden Online-Wirklichkeit, indem wir Blogger nach Israel schickten, Daten über Tweets und Posts sammelten und uns mit NGOs, der israelischen Regierung und der Armee trafen, zum Beispiel mit dem Sprecher der IDF, Brigadegeneral Yoav (Poli) Mordechai. Als ich ihn über diese elektronische Intifada informierte, war gerade eine zweite Flottille aus der Türkei auf dem Weg nach Gaza, und wir konnten sie genau verfolgen, während ich ihm unsere Vorschläge präsentierte.
Poli erzählte mir später, dass er, direkt nachdem ich sein Büro verlassen hatte, sein Team zusammenrief und anwies, die Nutzung der sozialen Medien durch die israelischen Streitkräfte komplett zu überarbeiten. Auf der Grundlage unserer Präsentation und des Treffens, das ich mit ihm hatte, änderten die IDF ihre Online-Strategie und wurden in den sozialen Medien aktiv. Und auch unabhängig von unserer Präsentation endete diese zweite Schiffsaktion schnell, geräuschlos und glücklicherweise ohne Todesopfer.
Zu diesem Zeitpunkt wurde mein Eintreten für Israel, mein politischer Aktivismus ein wichtiger Teil meines Lebens, meiner Arbeit und meiner Identität. Aber es bedurfte eines weiteren viralen Ereignisses, um die Unterstützung der israelischen Öffentlichkeit zu gewinnen. Und wie sonst auch lag es nicht in meiner Hand.
Inoffizielle Botschafterin
Es war Sonntag, der 18. November 2012, und ich lag in Los Angeles in meinem Bett und heulte. Ich hatte einen Karrierehöhepunkt erreicht und leitete ein neues Joint Venture zwischen einem der größten israelischen Fernsehsender, Reshet, und den ITV Studios USA, während ich gleichzeitig für CBS eine neue Sitcom produzierte, die von einem israelischen Autor geschrieben wurde. Jener Morgen begann für mich mit einer vernichtenden E-Mail meines sonst so netten Autors. Es gab zwischen uns ein Missverständnis bezüglich meiner Rolle als seine Produzentin. Als ich etwas nicht tat, was er von mir erwartet hatte, wurde er wütend. Und da er einfach ein so brillanter Autor war, schickte er mir eine scharfe und bissige E-Mail, die mich am Boden zerstörte. Darin teilte er mir im Wesentlichen mit, ich sei ein Arschloch und eine Scheiß-Produzentin und würde es zu nichts bringen, und da er so klug und talentiert war, glaubte ich ihm jedes Wort. Diese E-Mail warf mich total aus der Bahn, weshalb ich den ganzen Tag im Bett verbringen und mir die Augen ausweinen wollte.
Ich lag also noch mit meinem Labrador Tuli im Bett, als meine Freundin Tracy an der Tür klingelte. Völlig in meinem innere Drama versunken, hatte ich unseren Schlachtplan für den Tag völlig vergessen. Israel befand sich wieder mitten in einem Krieg mit der Hamas, der dramatisch als »Operation Säule der Verteidigung« bezeichnet wurde. Israel hatte die Operation als Reaktion auf die anhaltenden Angriffe der Hamas auf die israelischen Soldaten und die Zivilbevölkerung im Süden des Landes begonnen. Es musste etwas unternommen werden. Mit Hilfe einer Präzisionsdrohne schalteten die IDF Ahmed al-Jabari aus, den Anführer des militärischen Flügels der Hamas. Da Mister Jabari das genaue Gegenteil eines Friedensaktivisten war, erschien mir die Aktion richtig und angemessen. Aber der Aufschrei in den internationalen Medien war groß, und Israel wurde wieder einmal als der große böse Wolf dargestellt.
Tracy und ich hatten geplant, zu einer vom Israeli American Council organisierten Demonstration zu gehen, aber ich wollte natürlich nicht mitkommen. Mit verquollenen Augen forderte ich sie auf, ohne mich zu gehen. Sie weigerte sich. Ich ließ den Kopf hängen, aber sie ließ nicht locker, und nachdem ich eine weitere Handvoll Taschentücher verbraucht hatte, versteckte ich mein Gesicht unter einer dicken Schicht Make-up und einer riesigen Sonnenbrille und wir fuhren los.
Wir machten uns auf den Weg zum israelischen Konsulat in Westwood, Los Angeles. Die Demonstration verlief wie üblich. Ein paar hundert pro-israelische Demonstranten standen an einem Ende der Straße, ein paar hundert anti-israelische Demonstranten auf dem anderen. (Es ist bemerkenswert, dass jede israelische Veranstaltung oder Versammlung von anti- israelischen Protesten in unmittelbarer Nähe begleitet wird.). Ich trug ein Schild mit der Aufschrift »Befreit Gaza von der Hamas«; denn obwohl ich für Israel bin, bin ich auch für die Palästinenser, nur eben gegen die Hamas, eine Terrororganisation, die sich die Vernichtung Israels zum Ziel gesetzt hat und mit den internationalen Hilfsgeldern Angriffstunnel baut, statt Schulen und Krankenhäuser.
Die Menschen auf beiden Seiten der Straße machten leidenschaftlich von ihren Rechten gemäß dem ersten Verfassungszusatz der USA Gebrauch, und plötzlich erkannte mich einer der Organisatoren.
Er eilte zu uns und sagte: »Wir sind so froh, dass Sie hier sind! Möchten Sie etwas sagen?«
Ich war mir nicht sicher. »Was denn, zum Beispiel?«
»Ich weiß nicht. Was immer Sie wollen«, sagte er und zog mich zu einem Mikrofon.
Was dann geschah, weiß ich nicht mehr genau. Ich erinnere mich nur noch, dass ich das Mikrofon nahm, mich auf eine kleine Kiste stellte und anfing, aus meinem Herzen zu sprechen. Ich sagte alles, von dem ich wusste, dass es wahr ist. Dass Israel Frieden will, dass die Hamas die Israelis und diePalästinenser terrorisiert. Ich sprach authentisch und aus meiner Erfahrung heraus.
Ohne weiter an die Sache zu denken, legte ich mich abends schlafen, aber am nächsten Morgen wurde ich früh von eingehenden Anrufen und Textnachrichten geweckt. Ich will nicht zu dramatisch klingen, also werde ich nicht sagen, dass ich eine Million verpasste Anrufe, SMS, Tweets und Likes von jedem, den ich kannte, und von allen Medien und Nachrichtenkanälen in Israel hatte, aber es fühlte sich auf jeden Fall so an. Offenbar hatte, während ich schlief, eine Produzentin namens Sharon Mor etwas getan, was zu dieser Zeit noch nicht üblich war: Sie hatte meine Ansprache auf der Demonstration gefilmt und ins Netz gestellt. Das schlug in Israel ein wie eine Bombe.
Ich war im Land schon seit einiger Zeit bekannt, aber nun konnten meine israelischen Mitbürger meine Fürsprache zum ersten Mal in Aktion sehen. In den israelischen Medien wurde ich plötzlich als »Botschafterin« bezeichnet, und erst da wurde mir klar, dass ich irgendwie auf natürliche Weise in die Fußstapfen meines Großvaters Hanan Yavor getreten war, des eigentlichen Botschafters in der Familie. Mein Großvater ebnete den Weg für die internationalen Beziehungen Israels zu afrikanischen Staaten. Er war der erste israelische Botschafter in Ghana, Nigeria und Liberia (und ein nicht ansässiger Botschafter in Barbados!) sowie Mitglied der israelischen Delegation bei den Vereinten Nationen. Er war ein engagierter, idealistischer und hochgeachteter Diplomat. Ich werde im letzten Kapitel dieses Buches auf sein außergewöhnliches Leben eingehen. An dieser Stelle möchte ich nur sagen: In jenem Moment wurde mir klar, dass unbewusst meine DNA in Aktion getreten war. Ich konnte einfach nicht mehr anders, ich musste für mein Land aktiv werden.
Aber das war nicht immer so gewesen. Während meiner Anfangszeit in Amerika hatte ich überhaupt noch keinen Bezug zu Israel. Bis zu einem Sushi-Essen, das alles veränderte.
Kulturelle Wurzeln
Es war ein sonniger Septembermorgen, als ich erst ein paar Monate in Los Angeles wohnte. Im Haus meines Freundes in den Hollywood Hills klingelte das Telefon. Mein Vater war am Apparat. »Frohe Feiertage!«, wünschte er mir fröhlich. »Wie feierst du heute Abend?« Ich setzte mich auf, mit der Kaffeetasse in der Hand, und runzelte die Stirn. »Welcher Feiertag ist denn heute?«, fragte ich ihn. »Es ist Rosch Haschana! Frohes Neues Jahr!«, rief mir meine Familie vom anderen Ende der Welt zu. Mein Herz sank. Ich legte den Hörer auf, ging auf den großen Balkon und starrte auf den Pool und das Hollywood-Schild, das geradezu verächtlich auf mich herabzuschauen schien. Ich war seit ein paar Monaten in L. A., um in einer neuen Stadt Fuß zu fassen, neue Freunde zu finden und zu versuchen, mir eine neue Karriere aufzubauen, und ich hatte keine Ahnung, dass an diesem Abend das jüdische Neujahrsfest stattfand. Aufgrund meiner säkularen Erziehung waren mir diese Dinge immer ziemlich gleichgültig gewesen. Aber als ich am anderen Ende der Leitung hörte, wie meine Familie dieses Festgemeinsam feierte, musste ich weinen. Und dieses Gefühl überraschte mich. Ich ging zu meinem Freund und sagte ihm, dies sei ein jüdischer Feiertag und ich würde gerne etwas Besonderes mit ihm unternehmen.
Am Abend landeten wir beide, er Australier, ich Israelin, mit einem Bekannten im Sushi Katsu-Ya am Ventura Boulevard. Als wir unsere Gläser erhoben, wandte sich mein Freund mir zu und fragte: »Also, was ist denn nun das jüdische Neujahrsfest?« Ich war sprachlos. Ich wusste es einfach nicht, ich hatte keine Ahnung. »Na egal«, sagte er achselzuckend, »Frohes Rosch Haschana!« Und er kippte seinen Sake hinunter. Nie hatte ich mich in meinem Leben so einsam oder so entwurzelt gefühlt.
Natürlich vermisste ich meine Familie, was sicher nicht überrascht, aber es war mehr als das. An diesem Abend im Katsu-Ya wurde mir klar, dass ich, indem ich mich als liberale Globalistin verortete, vielleicht versäumt hatte, mir zunächst einmal über meine eigene Identität klarzuwerden. Ich war bestürzt, dass ich gar nicht beschreiben konnte, was Rosch Haschana ist. Ich hatte mich immer als Israelin betrachtet, aber was bedeutete das eigentlich, wenn ich gar nicht in Israel lebte und meinen Freunden selbst eine so einfache Frage nach meinem kulturellen Hintergrund nicht beantworten konnte?
Dieser kleine Vorfall hatte enorme Auswirkungen auf mein weiteres Leben. Er brachte mich dazu, zum ersten Mal zu ergründen, was es bedeutet, Israelin zu sein, was es bedeutet, Jüdin zu sein – und das alles aus dem Blickwinkel einer Außenstehenden, was mir nicht möglich gewesen wäre, wenn ich noch in Israel gelebt hätte. Das Leben außerhalb des Landes ermöglichte es mir, alles neu zu erforschen, was ich zu wissen glaubte – beziehungsweise, wie ich oft feststellte, gar nicht wirklich wusste: zum Beispiel, was zum Teufel Rosch Haschana ist und, noch wichtiger, warum ich mich dafür überhaupt interessieren sollte.
Als ich noch in Israel gelebt hatte, war ich stolz auf meine säkulare Einstellung gewesen. Mit Religion wollte ich nichts zu tun haben, also versuchte ich, mein Judentum insgesamt zu verleugnen. Oder zumindest hielt ich das für richtig.
Erinnern Sie sich an die Jugendgruppe, der ich als Teenager angehörte, und an das erfolgreiche Rockmusical, das wir im ganzen Land aufführten? Wir waren ein Haufen säkularer Kids. Wir sahen aus, benahmen und kleideten uns wie die Kids in unserem Alter überall, von London bis Los Angeles, und hörten genau die gleiche Musik. Doch das Thema unserer anzüglichen, kontroversen, supersexy Show war: David. Der König. Aus dem Alten Testament. Yaron Kafkafi, der das brillante Stück schrieb, tauchte tief in die Geschichte ein und steckte uns Kinder mit seiner Begeisterung an. Ich war 17, hielt mich für ziemlich clever, tänzelte in einem engen Minirock und einer (sehr) tief ausgeschnittenen Bluse durch Tel Aviv und trug – wie verrückt ist das denn? – eine Bibel in meiner Handtasche mit mir herum. Eine Bibel! Und natürlich konnte ich diese Bibel in meiner Tasche lesen, schließlich war sie in meiner Muttersprache geschrieben. Tatsächlich handelte es sich bei vielen Texten des Musicals um direkte Zitate aus dem alten Buch, so dass wir sie an dem Ort, wo die Geschichte spielte, und in der Originalsprache aufführten. Die Show wurde zu einem Kultphänomen, und Hunderte Kids in unserem Alter oder jünger kannten jedes einzelne dieser alten Worte auswendig. Es war die israelische Version der Rocky Horror Show – und wir sangen alle die Bibel. Ich war und bin immer noch besessen von der Geschichte Davids, nicht als religiöser Text, sondern als moderne Erzählung, aus der ich heute etwas lernen kann.
Und das ist, wie ich später entdeckte, etwas typisch Jüdisches: die alten Traditionen bewahren und sie an die moderne Zeit anpassen. Ein alter Text kann höchst modern sein, und der heiligste und frommste Text ist manchmal auch der provokanteste und mutigste. Eine alte Geschichte, die über Generationen bewahrt wurde, kann ein neues Leben und damit eine neue Relevanz erhalten. Ich trug diesen fünftausend Jahre alten Text in meiner »Best-of-the-Nineties«-Tasche mit mir herum, ohne das auch nur im Geringsten für sonderbar zu halten. Es schien völlig normal – bis zu jenem Abend im Katsu-Ya.
Als ich mich aus meiner Blase herauswagte, begab ich mich auf eine Reise, die es mir ermöglichte, die Schönheit des Ganzen zu sehen. Ich entdeckte den in Judentum und Zionismus eingebauten Liberalismus. Ich begann, die überaus typisch jüdische Kultur von Debatte und Dissens zu bewundern. Ich machte einige erstaunliche Entdeckungen, zum Beispiel wie die jüdischen Feiertage mit dem Mond zusammenhängen (Ich meine, wer hätte das gedacht??), und ich erkannte, wie mich all das, bewusst und unbewusst, als Person geprägt hat. Mir wurde auch klar, dass eine supermotivierte, säkulare und leicht extravagante Siebzehnjährige, die eine Bibel in ihrer Tasche mit sich herumträgt, in der Tat ein bisschen seltsam war. Auf höchst wunderbare Art und Weise.
Jenes Sushi-Abendessen katapultierte mich auf eine Reise, die mich zu diesem Buch führte. Ich fing an, über Israel, über seine Geschichte, über die Geschichte des Nahostkonflikts und über die spirituellen Aspekte des Judentums zu recherchieren. Ich fing an, Israel objektiver zu analysieren, und so verstand ich besser, wie es in der Welt dargestellt wird. Ich zog Israel für seine Fehler zur Rechenschaft und feierte seine Errungenschaften. Und als ich mich in der Lage fühlte, die schwerwiegenden Missverständnisse bezüglich Israel und seines noch immer fragilen Zustandes für mich selbst zu artikulieren, ging ich an die Öffentlichkeit.
Ich musste meine Stimme erheben, denn nur wenn wir die Realität anerkennen, kann sich etwas ändern. Wie können wir hoffen, im Nahen Osten etwas zu verändern, wenn wir noch nicht einmal etwas darüber wissen, wie wir Israelis eigentlich dorthin gekommen sind? Wenn man nicht weiß, wo eine Reise beginnen soll, gelangt man nirgendwohin. Das ist eigentlich ganz einfach: Stellen Sie sich vor, Sie wollen online einen Flug buchen, geben aber nicht den Abflugort an. So wird es ziemlich knifflig, irgendwohin zu kommen. Das gilt auch insgesamt im Leben: Wenn Sie Ihre Zukunft gestalten wollen, müssen Sie wissen, wo Sie sich befinden; sonst werden Sie sich immer wieder in der gleichen Situation wiederfinden und immer wieder das Gleiche tun.
Wenn wir neue Möglichkeiten für die Zukunft des Nahen Ostens (oder irgendeines anderen Landes) schaffen wollen, können wir dies nicht auf der Grundlage versteckter Agenden oder politischer Manöver tun und auch nicht, ohne zumindest einen Teil der tatsächlichen Geschichte zu kennen.
Das ist der Grund, warum ich dieses Buch schreiben wollte. Nicht, weil die Geschichte noch nie erzählt wurde, sondern weil sie noch nie auf diese Weise erzählt wurde. Um zu wissen, wohin man geht, muss man wissen, woher man kommt. Und genau das begann an jenem Abend im Katsu-Ya. Ich machte mir meine Herkunft zu eigen.
Fangen wir also am Anfang an, oder zumindest am Anfang der schriftlichen Zeit, wie wir sie kennen.
EINE KURZE GESCHICHTE DES LANDES ISRAEL
Das Wasser, in dem du schwimmst
Caesarea ist einer der schönsten Orte in Israel. Die antike Stadt am Ufer des Mittelmeers wurde ursprünglich im ersten Jahrhundert vor Christus gegründet. Heute ist sie ein prächtiger Luxusort, wo Premierminister und russische Geschäftsleute ihre stattlichen Villen bauen.
Die Stadt, etwa fünfundvierzig Autominuten nördlich von Tel Aviv, entstand um 31 v. Chr. als winziger Hafenort. Sie blieb relativ bescheiden, bis Herodes der Große sie eroberte und sie nach seinen größenwahnsinnigen Vorstellungen völlig umgestaltete. Herodes der Große, ein vor Ort geborener Edomiter/jüdischer Gauner, war rascher auf der politischen Karriereleiter nach oben gestiegen als ein Akrobat im Cirque du Soleil. Sein Vater Antipatros war von Julius Cäsar, der Judäa und den Rest der Welt beherrschte, zum obersten Minister von Judäa ernannt worden und stellte seinen Sohn den richtigen Leuten vor. Herodes gelang es, eine Stelle als Verwalter der Römer in der Provinz Galiläa zu bekommen, und nachdem er aufgrund von Familienstreitigkeiten geflohen war und sich an Rom gewandt hatte, wurde er vom römischen Senat als König von Judäa eingesetzt und stürzte die Hasmonäer-Dynastie, die seit 140 v. Chr. an der Macht war.
Der ehrgeizige und mächtige Herodes tötete kurzerhand alle, die er als Bedrohung für seiner Macht ansah (darunter drei seiner Söhne, seinen Schwager und seine hasmonäische Frau), und errichtete im ganzen Land gewaltige Bauwerke, die er nach sich selbst und seinen römischen Gönnern benannte (wie der Name Caesarea für Cäsar). Die herodianische Dynastie dauerte von 47 vor bis fast 100 nach Christus, aber das Erbe an Baudenkmälern ist bis heute erhalten geblieben.
···
Es war im Frühjahr 2008, und ich fuhr von Tel Aviv nach Caesarea, um mir eine Location für die Hochzeit mit meinem allerliebsten Verlobten Osher anzusehen, der heute mein allerliebster Ex-Mann ist. Wir saßen bei Yaron im Auto, meinem ersten Schauspiellehrer, der das im ersten Kapitel erwähnte Musical David geschrieben hatte und außerdem zufällig Amateurhistoriker und Reiseleiter ist. Irgendwann schaute Osher, der aus Australien stammt, aus dem Fenster und rief: »Was ist denn das?« Yaron und ich schauten kurz in die Richtung, in die Osher zeigte, und blickten dann wieder gleichgültig auf die Straße. »Ach das?«, sagte ich. »Das ist gar nichts. Nur eines von den herodianischen Aquädukten. Davon haben wir Unmengen.«
Erst als ich die Verblüffung auf Oshers Gesicht sah, wurde mir klar, dass es alles andere als »gar nichts« war. Osher, mein weltgewandter, sehr erfolgreicher und weitgereister Lebenspartner, konnte es nicht fassen. Yaron und ich hatten dieses über zweitausend Jahre alte Bauwerk für selbstverständlich gehalten. Es war das Wasser, in dem wir schwammen. Erst als Osher uns darauf aufmerksam machte, erkannten wir seine Einzigartigkeit.
Israel hat so unfassbar viel Geschichte und Archäologie zu bieten! Sie ist geradezu der Boden, auf dem hier alles steht: Ein befreundeter Archäologe sagte mir einmal, dass die Arbeit als Archäologe in Israel völlig anders ist als irgendwo sonst auf der Welt. Er erzählte mir, dass man in anderen Ländern bei den meisten Ausgrabungen am höchsten Punkt beginnt – auf Hebräisch nennen wir ihn den »Tel«.Das ist normalerweise der Ort, an dem der Herrscher wohnte. Dort wurden die besten, beeindruckendsten und stabilsten Bauten errichtet, die daher am ehesten die Zeit überdauert haben. Aber wenn man zum Beispiel in Jerusalem anfängt zu graben, irgendwo, stößt man unter der Erde zwangsläufig auf Altes und Unbezahlbares.
Das macht Renovieren und Bauen zur Qual. Derselbe Freund, der uns nach Caesarea gefahren hatte, Yaron, renovierte gerade sein Apartment im nördlichen Teil von Tel Aviv. Es war eigentlich keine große Renovierung, nur ein paar Arbeiten an einem bereits vorhandenen Balkon im Erdgeschoss. Selbst für diese Kleinigkeit musste Yaron mit einem bürokratischen Albtraum fertigwerden und die schriftliche Genehmigung der Israelischen Altertümerbehörde einholen. Jedes Mal, wenn man in Israel etwas Neues baut, wird ein Team von Indiana- Jones-Kopien angeheuert, um sicherzustellen, dass dabei nichts historisch Wertvolles versehentlich zerstört wird.
Der Grund dafür sind natürlich die jahrtausendealten Zivilisationen, die in diesem Land gelebt, geliebt und gebaut haben, was es zu einem Paradies für Archäologen und Geschichtsinteressierte aus aller Welt macht. Diese gut erforschte und dokumentierte Geschichte des Landes lässt sich nicht von dessen Zukunft oder von der politischen Debatte trennen, die wir derzeit über den Staat Israel führen.
Wenden wir uns also zunächst einmal den Anfängen zu.
Zurück zu den Grundlagen
Um eine seriöse Diskussion über Israel führen zu können, muss man ein paar grundlegende Fakten kennen.
Die erste Tatsache ist, dass der Staat Israel ungefähr 20 769 Quadratkilometer groß ist. Zum Vergleich: Der US-Bundesstaat New Jersey hat eine Fläche von 22 592 Quadratkilometern. (Zum Vergleich: Das Bundesland Hessen hat eine Fläche von 21 115 Quadratkilometern.) Im Vergleich zu anderen Ländern ist Israel also nicht sehr groß. Es dauert etwa sechs Stunden, um von Norden nach Süden zu fahren, und etwa eine Stunde von Osten nach Westen. Mehr nicht.
Dieser winzige Landstreifen liegt an der Mittelmeerküste, südlich von Syrien und dem Libanon, westlich von Jordanien und nördlich von Ägypten. Er ist umgeben von einundzwanzig1 meist arabischen Ländern und dem Iran, der teilweise arabisch und größtenteils persisch ist. Man könnte sagen, es ist eine raue Nachbarschaft. Die Proteste während des Arabischen Frühlings in den frühen 2010er-Jahren brachten einen Hoffnungsschimmer, dass sich etwas verändern könnte; aber nachdem die Menschen in der Region Demokratie und Freiheit gefordert hatten, bekamen sie stattdessen größtenteils mehr Extremisten und gescheiterte Staaten. Die Region ist, vorsichtig ausgedrückt, instabil.
Während einige Nachbarländer Israels reich an natürlichen Ressourcen sind, gibt es in Israel überhaupt keine Bodenschätze. Keine Diamanten, kein Gold oder Öl. In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich das ein Stück weit dadurch verändert, dass vor Israels Küste Erdgas entdeckt wurde, aber das ist dann auch so ziemlich alles an Rohstoffen. Israel liegt im trockensten Teil des so genannten Fruchtbaren Halbmonds und ist bei der Versorgung mit Trinkwasser in hohem Maße auf Regen angewiesen, aber es ist die meiste Zeit des Jahres heiß und Wasser daher Mangelware. Wassersparen wird in Israel großgeschrieben. Alle Israelis sind mit landesweiten Werbekampagnen aufgewachsen, die uns zum Wassersparen auffordern. Diese Mentalität ist so tief in meiner Psyche verankert, dass ich es nicht ertragen kann, wenn ich einen Wasserhahn laufen sehe oder höre. Auch hier hat sich in jüngster Zeit mit der Einführung der Wasserentsalzung ein Wandel vollzogen. Das Projekt war erfolgreich und hat einige Wassersorgen des Landes gemildert, nicht aber meine mir in Fleisch und Blut übergegangene Abneigung gegen das Geräusch laufender Wasserhähne.
Kurz gesagt, Israels geographische Lage hat keine besonderen Vorzüge, aber aus irgendeinem Grund ist das Land Ursprung zweier monotheistischer Religionen (Judentum und Christentum), und zudem liegt in ihm der drittheiligste Ort der dritten monotheistischen Religion. Warum, weiß Gott allein. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Vielleicht erklärt sich Israels Bedeutung zum Teil aus seiner geografisch zentralen Lage in der Region. So wurde es zu einem wichtigen Knotenpunkt zwischen den sich entwickelnden Welten Europas, Asiens und Afrikas. Es diente als Zwischenstation für Handel und Migration, und einige der ältesten Zeugnisse für Landwirtschaft, religiöse Zeremonien, Bestattungen und die Nutzung von Feuer seit den Neandertalern wurden bei Ausgrabungen und in Höhlen überall in Israel entdeckt.
Das ist ja alles schön und gut, aber was genau ist »Israel«? Wurde das Land nicht erst 1948 gegründet? Ja und nein. Die Grenzen jenes Gebietes, aus dem später das alte Königreich Israel werden sollte, tauchen zum ersten Mal im Alten Testament auf, als vom Land Kanaan die Rede ist (1. Mose 10,19):
Diese Textzeile beschreibt die Grenzen, die ungefähr vom heutigen Libanon im Norden über die Küste im Westen bis hin zu Jordanien im Osten und der Negev-Wüste im Süden reichen. Es ist eine sehr frühe Epoche – die meisten Bibelwissenschaftler datieren den Text auf etwa 1500 v. Chr. Damals soll das Land von Stämmen alter Nationen bewohnt gewesen sein, die frühe Stadien von Landwirtschaft betrieben und erste städtische Siedlungen und Gesellschaften entwickelten.
Den Bibelexten und -gelehrten zufolge kamen die Hebräer wahrscheinlich um 1250 v. Chr. ins Land und teilten es in Gebiete auf, die von den zwölf jüdischen Stämmen regiert wurden, die dann mit dem Aufbau einer jüdischen Nation begannen. Irgendwann zwischen 1030 und 928 v. Chr. wurde das Land zu einem souveränen jüdischen Königreich, das in der Heiligen Schrift als Königreich Israel bezeichnet wird. Zu diesem Zeitpunkt schlossen sich dem Alten Testament zufolge die zwölf reisenden Stämme Israels zusammen, um ein richtig cooles gemeinsames Königreich zu errichten. Sie wollten den anderen Völkern der damaligen Zeit ähnlicher werden und verlangten, dass Könige ihre Richter ablösen sollten, die zuvor als ihre lokalen Führer gedient hatten. So kam, nach Saul, schließlich König David an die Macht. Eben jener, von dem ich als Teenager in der Schauspielschule besessen war. Die Bibel berichtet, Davids Frau habe den zukünftigen König Salomo geboren, der dann den ersten Tempel in Jerusalem baute, was nach Schätzungen der Forscher um 930–970 v. Chr. geschah.
Bevor ich fortfahre, möchte ich kurz etwas klarstellen. Ich bin keineswegs ein religiöser Mensch. Ich bin ein spiritueller Mensch in dem Sinne, dass ich mir demütig der Tatsache bewusst bin, dass eine größere Macht existiert, angesichts der wir Menschen nur so etwas wie winzige Radarechos sind – wie auch immer Sie diese Macht nennen möchten. Gott oder Universum oder Mutter Erde. Ich weiß nicht, ob die Bibel, Altes Testament, Neues Testament, oder irgendein anderer heiliger Text wahr ist oder nicht, also werde ich sie respektieren und niemals für oder gegen einen von ihnen argumentieren. Warum also überhaupt auf religiöse Texte eingehen? Weil die Behauptung, Israel sei die Heimat des jüdischen Volkes, viel mit diesen heiligen Büchern zu tun hat, und weil das, was darin geschrieben steht, in unserer politischen Debatte jeden Tag präsent ist. Deshalb erwähne ich sie natürlich – vor allem dort, wo ich auch auf viele archäologische Funde und auf andere schriftliche Quellen verweisen kann, die Zeitangaben aus diesen heiligen Texten bestätigen. Eine weitere schriftliche historische Bestätigung für die Verbindung des jüdischen Volkes zu Jerusalem und Israel findet sich ausgerechnet … im Koran. Im Gegensatz zu den jüngsten politischen Versuchen, etwas anderes zu behaupten, ist wirklich wahr, was dort steht, und jeder ist eingeladen, es selbst zu überprüfen. (Siehe unter anderem diese Koranverse: 17. Sure:Bani Isra’il (Die Kinder Israels), Vers 22, 10. Sure: Yunus (Jona),Vers 933, und 7. Sure, al-A’raf (Die Anhöhe), Vers 1374.)
Aber kehren wir wieder in die moderne Welt zurück. Wissenschaftlern ist es mit Hilfe der Kohlenstoffdatierung gelungen, das Alter von Gebäuden und Artefakten zu bestimmen, die vor Zehntausenden von Jahren entstanden, also lange bevor die Menschheit die ersten Schriften entwickelte. In einer ägyptischen Inschrift – der Merenptah-Stele5, datiert auf etwa 1200 v. Chr. – wird ein Feldzug erwähnt, bei dem der damalige ägyptische Herrscher »Israel« besiegte. Archäologen haben in Jerusalem eine Fülle von Überresten und Artefakten gefunden, die mit dem Ersten Tempel in Verbindung gebracht werden, darunter ein sechsundzwanzig Jahrhunderte altes Siegel (eine sogenannte Bulle) mit dem in Hebräisch geschriebenen Namen »Natan-Melech, Eved Ha’Melech«, ein Zungenbrecher, der im Zweiten Buch der Könige auftaucht.
In diesem Buch gibt es viele ziemlich heftige Beschreibungen von Dramen, mit inneren Kämpfen, Krieg, Sex und Blut. Ich kann zwar nicht nachprüfen, wer damals genau mit wem schlief, aber bestätigen kann ich, dass es vor etwa dreitausend Jahren einen jüdischen Staat gab, das Königreich Israel, das sich dann später in zwei jüdische Reiche aufspaltete, Israel und Judäa. All diese uralten dramatischen Ereignisse geschahen exakt dort, wo sich der heutige Staat Israel befindet. Dass dies so war, sagt mir kein religiöser Glaube, sondern ich vertraue dabei auf die Erkenntnisse der Archäologie, der Geschichtsforschung und anderer wissenschaftlicher Disziplinen.
Hier geht es nicht um die Gottheit, also halten wir sie da heraus. Ich bin mir sicher, sie hat sowieso schon genug zu tun.
Ein kurzer geschichtlicher Abriss über ein Land unter wechselnder Fremdherrschaft
Wie die meisten Reiche hatte auch dieses erste jüdische Königreich eine begrenzte Lebensdauer. Um 722 v. Chr. eroberten die Assyrer das Königreich Israel. Das jüdische Königreich Judäa überlebte weitere 136 Jahre, bis um 586–87 v. Chr. der babylonische König Nebukadnezar angriff, den von Salomo erbauten Ersten Tempel in Jerusalem zerstörte und die Juden in die Nachbarländer vertrieb. Auf dieses erste Exil folgte ein zweites und eine zweite Diaspora.
Als Nächstes kam das Perserreich (das von etwa 586 bis 332 v. Chr. bestand). Kyros der Große, der erste König der Perser, war eigentlich sogar schwer in Ordnung, denn 538 v. Chr. veröffentlichte er den Kyros-Erlass, der allen verbannten Völkern der Region erlaubte, in ihre Heimat zurückzukehren und ihren Glauben, ihre Traditionen und Rituale wieder zu praktizieren. Der Erlass des Kyros wird in der Bibel im Buch Esra (Kapitel 1,1–4) erwähnt. Im Jahr 1879 wurde der Kyros-Zylinder mit dem darauf verewigten Erlass dann tatsächlich gefunden, im heutigen Irak. Er ist im British Museum in London ausgestellt, und der Erlass lautet mehr oder weniger so, wie im Buch Esra beschrieben.
Kyros war kein besonderer Judenfreund, aber er war Pragmatiker und ließ lieber alle Völker wieder in ihre ursprünglichen Länder zurückkehren, als den Zerfall seines Reiches zu riskieren. Ein kluger Schachzug, um eine Rebellion zu vermeiden. Das führte zu dem, was manchmal als die erste Rückkehr nach Zion bezeichnet wird – die Rückkehr der Juden in ihr Heimatland und der Bau des Zweiten Tempels in Jerusalem.
Nach den Persern kamen die Griechen. Im Jahr 332 v. Chr. eroberte Alexander der Große von Makedonien (das, wenn Sie einen Griechen fragen, das antike Griechenland war) nicht nur Israel, sondern so ziemlich die gesamte Region von Griechenland über den Nahen Osten bis nach Mesopotamien, Persien und den ganzen Weg hinunter nach Indien. In der heutigen Terminologie würde man Alexander den Großen als einen Globalisten bezeichnen. Er war ein großer Befürworter der Verschmelzung von Kulturen, weshalb mit seiner Eroberung Israels die so genannte hellenistische Periode (ca. 332 bis 63 v. Chr.) begann. Anstatt alle Juden zu töten, erlaubten die Griechen ihnen, ihre Religion, ihr Judentum frei zu leben und sich so zu assimilieren, wie sie es für richtig hielten.
Auf Alexander folgte Antiochos III. (Antiochos der Große). Er gestattete den Juden weiterhin die Wiederansiedlung und die Ausübung des Judentums und ging sogar so weit, sie als loyale und wichtige Bürger seines Reiches anzuerkennen.
Das war bei seinem Sohn Antiochos IV., Epiphanes, nicht der Fall. Dieser exzentrische Herrscher pflegte die örtlichen öffentlichen Badehäuser zu besuchen und war als »der Verrückte« bekannt. Antiochos war nicht damit einverstanden, dass die Juden ihr Judentum praktizierten, und verbot ihnen dies im Jahr 167 v. Chr. vollständig. Er verlangte von ihnen, Zeus anzubeten. Mit diesem Zeus-Zwang machte er sich bei den Juden alles andere als beliebt, weshalb in diesem Jahr, 167 v. Chr., ein Aufstand ausbrach, der zunächst von Mattatias und später von einem mutigen Mann namens Judas Makkabäus aus dem Haus der Hasmonäer angeführt wurde. Es heißt, dass Judas Makkabäus den jüdischen Tempel zurückeroberte, der von den Griechen geschändet worden war, und dass er bei der Säuberung nur noch einen einzigen Krug Öl vorfand. Er benutzte das Öl, um den siebenarmigen Tempelleuchter, auch Menora genannt, zu entzünden, und siehe da, das Öl reichte für acht Tage. (Fröhliches Chanukka für alle!)
Die jüdische Dynastie der Hasmonäer regierte Israel von etwa 167 bis 37 v. Chr. und stellte den jüdischen Staat und die nationale Souveränität wieder her. Zum ersten Mal seit einigen hundert Jahren regierten die Juden sich wieder selbst, mussten keine Steuern mehr an einen fremden Herrscher zahlen und konnten das Judentum in Israel frei ausüben.
