Ist eine Erkältung ansteckend? - Daniel Roytas - E-Book

Ist eine Erkältung ansteckend? E-Book

Daniel Roytas

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Beschreibung

Über 200 Humanexperimente und keine Beweise für Ansteckung!

Bei der Behauptung, Erkältungen und die Grippe seien ansteckend, handelt es sich möglicherweise um einen der größten Irrtümer der gesamten Medizingeschichte. Dieses Buch bringt auf brillante Weise die verschütteten Daten ans Licht. Machen Sie sich auf etwas gefasst!

Von Kindesbeinen an bläut man uns wieder und wieder ein, dass sich Erkältungen und die Grippe durch Husten, Niesen und Körperkontakt ausbreiten. Sieht man sich allerdings entsprechende Versuche am Menschen genauer an, weckt das Zweifel. In Experimenten haben Wissenschaftler gesunde Probanden Erkrankten oder deren Körperflüssigkeiten ausgesetzt, scheiterten aber trotzdem immer wieder an der Aufgabe, eine Übertragung von Mensch zu Mensch konsequent zu belegen. Dies spricht dafür, dass unser Wissen um Infektionskrankheiten lückenhaft ist und wir uns fragen müssen: Sind Erkältungen und die Grippe tatsächlich ansteckend?

Ein neues Verständnis von Krankheit

Was also könnte Auslöser dieser saisonalen Krankheiten sein, wenn nicht eine Ansteckung? Und warum wirkt es häufig so, als würden sie von Mensch zu Mensch übertragen? Auf der Suche nach Antworten taucht Ist eine Erkältung ansteckend? tief ein in das Studium historischer Dokumente, beleuchtet den Verlauf von Pandemien der Vergangenheit, erkundet die menschliche Psychologie und nimmt sich mehr als 200 Studien zum Thema Ansteckung vor. Mehr als 1000 Quellenverweise belegen, dass wirklich umfassend recherchiert wurde, um hinter die Lösung dieses uralten Rätsels zu gelangen.

»Dieses unglaubliche und akribisch recherchierte Werk stellt alles, was Sie über Infektionskrankheiten, Gesundheit und den Menschen zu wissen glaubten, auf den Prüfstand. Es liefert wertvolle Erkenntnisse bei der Suche nach der Antwort auf die Frage, warum wir krank werden. Es bringt Grundsätze ins Wanken und ist Pflichtlektüre für alle, die auf der Suche nach der Wahrheit sind und nach einem gesünderen und glücklicheren Leben streben!« Roman Bystrianyk, Co-Autor von Die Impf-Illusion

»Einer der größten Schocks für mich war die Entdeckung, wie oft Versuche fehlgeschlagen waren, die Grippe von einem Menschen auf einen anderen zu übertragen.« Dr. Samantha Bailey in ihrem Vorwort

»Gelegentlich erscheint im Leben ein neues Buch oder ein Vortrag, der die Welt nachhaltig verändert. Dies ist bei Ist eine Erkältung ansteckend? der Fall. Wenn Sie es leid sind, in einer Scheinwelt zu leben, lesen Sie Daniels Buch, und Sie werden die Welt mit anderen Augen sehen.« Dr. Thomas Cowan

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Veröffentlichungsjahr: 2025

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1. Auflage Januar 2026

Copyright © 2025 by Daniel Roytas

Titel der Originalausgabe: Can You Catch A Cold?

Copyright © 2026 für die deutschsprachige Ausgabe bei

Kopp Verlag, Bertha-Benz-Straße 10, D-72108 Rottenburg

Alle Rechte vorbehalten

Übersetzung: Matthias Schulz

Satz und Layout: Mohn Media Mohndruck GmbH, Gütersloh

Umschlaggestaltung: Martina Kimmerle

ISBN E-Book 9783989921580

eBook-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck

Gerne senden wir Ihnen unser Verlagsverzeichnis

Kopp Verlag

Bertha-Benz-Straße 10

D-72108 Rottenburg

E-Mail: [email protected]

Tel.: (07472) 98 06-10

Fax: (07472) 98 06-11

Unser Buchprogramm finden Sie auch im Internet unter:

www.kopp-verlag.de

Daniel Roytas

Mit einem Vorwort von Dr. Samantha Bailey

Ist eine Erkältung ansteckend?

Warum die Wissenschaft bis heute keine Beweise für Ansteckung liefert

Kopp Verlag

Vorwort

Von Dr. Samantha Bailey

Ist eine Erkältung ansteckend? »Was für eine alberne Frage«, hätte ich vermutlich erwidert, als ich noch Ärztin im medizinischen »Mainstream« war. Schließlich weiß doch jeder Mensch, dass die Medizinwissenschaft Ansteckung (also die Übertragung von Krankheiten durch »Erreger«) bereits vor langer, langer Zeit nachgewiesen hat. Allerdings hätte ich denselben Fehler begangen wie zahllose meiner Kolleginnen und Kollegen – ich hätte mir nicht die Mühe gemacht, die Faktenlage zu prüfen. Als ich dieses Versäumnis eines Tages nachholte und diese Tür öffnete, setzte dies eine dramatische Abfolge von Ereignissen in Gang. Es begann damit, dass ich meinen Job bei einem Fernsehsender verlor und man mich anschließend daran hinderte, weiterhin als klinische Ärztin zu arbeiten. Als ich der Welt mitteilen wollte, was ich entdeckt hatte, folgten gerichtlich verhängte Maulkörbe und fortwährende Versuche der sogenannten Obrigkeit, mir strafrechtlich etwas anzuhängen. Das medizinische Establishment zu hinterfragen, kann riskant sein, aber ich habe es niemals bereut.

Als man also mit der Bitte an mich herantrat, für dieses Buch ein Vorwort zu verfassen, freute ich mich über die Gelegenheit, mit einem vollständig unabhängigen Forscher und Dissidenten zusammenzuarbeiten. Mein Ehemann Mark und ich kennen Daniel Roytas erst seit einigen Jahren, aber es fühlte sich stets so an, als seien wir uralte Freunde. Unser Weg verlief ähnlich wie Daniels, und rückblickend war es nur folgerichtig, dass sich unsere Pfade eines Tages kreuzen würden. Wir alle haben jahrelang an Universitäten eine formale Ausbildung in Naturwissenschaften erhalten und den Lehrstoff begierig aufgesogen. Wie die meisten Studenten gingen wir davon aus, dass die Theorien, die man uns lehrte, auf unumstößlichen wissenschaftlichen Fakten beruhen. Weder während des Medizinstudiums noch als praktizierende Ärztin hätte ich geahnt, dass man überhaupt an Dingen wie dem Thema Ansteckung oder dem Konzept von »Pathogenen« hätte rütteln können.

Mit Beginn des Covid-19-Zeitalters Anfang 2020 trübte sich dieser Blick auf die Welt. Viele von uns wussten sofort, dass mit dem Narrativ, das propagiert wurde, etwas nicht stimmen konnte. Das weckte in so manchem den Wunsch, an der Oberfläche zu kratzen. Schritt eins bestand darin, alles über Bord zu werfen, was wir zu wissen glaubten – ob es nun um das Konzept der Ansteckung ging, um Krankheiten, Infektionen, »Keime« oder um die Frage, ob so etwas wie die als »Viren« bezeichneten Teilchen überhaupt existierte. Erstmals nahmen wir uns die Quelldokumente und die grundlegenden wissenschaftlichen Publikationen eigenhändig vor, und was wir dabei herausfanden, war wirklich atemberaubend. Einer der größten Schocks für mich war die Entdeckung, wie oft Versuche fehlgeschlagen waren, die Grippe von einem Menschen auf einen anderen zu übertragen. In unserer Sammlung befand sich ein 500-seitiges Lehrbuch zum Thema Influenza, aber nach derartigen Fakten sucht man darin vergeblich. Die Autoren behaupten lediglich, epidemiologische Daten und andere indirekte »Beweise« würden zeigen, dass es sich bei der Erkrankung um etwas Ansteckendes handelt.

Eines möchte ich vorweg sagen: Ich bestreite nicht, dass Menschen gruppenweise krank werden können. Aber wie Sie in diesem herausragenden Buch lesen werden, hielt man einst auch Leiden wie Skorbut oder Pellagra für ansteckend, denn Gruppen von Menschen zeigten gleichzeitig identische Symptome. Erst später »entdeckte« man, dass diese Zustände auf ernährungsbezogene Probleme zurückzuführen sind. (Ich schreibe »entdeckte« in Anführungszeichen, denn prüft man historische Dokumente, fällt häufig auf, dass die Ursachen schon sehr viel früher beschrieben wurden.) Menschen wirken in vielfältiger Weise auf ihre Mitmenschen ein, und dieses Buch dokumentiert faszinierende »Ausbrüche«, die einzig auf psychologische Faktoren zurückzuführen sind – ein Phänomen, das viel zu oft ausgeblendet wird.

Was die Sonderabteilung Common Cold Research Unit (CCRU)* anbelangt, die über viele Jahrzehnte hinweg bis 1989 aktiv war, so können wir nur mutmaßen, dass die Ergebnisse der Experimente nicht dem entsprachen, was sich die Liebhaber von Keimen und Viren erhofft hatten. Das könnte auch der Grund dafür sein, warum die absolute Mehrheit der im medizinischen Bereich Tätigen noch nie von dieser Einrichtung gehört hat. Berichten zufolge hat die CCRU »über 100 Erkältungsviren« entdeckt, aber wie Daniel anmerkt, wies jeder einzelne dieser Virenfunde einen fatalen Fehler auf – es gab keine adäquaten Kontrollen und keine befriedigende Methodik, mit deren Hilfe sich eine unabhängige Variable hätte nachweisen lassen. Tatsächlich mangelt es an jeglichem Beweis dafür, dass die angeblich entdeckten infektiösen Partikel überhaupt existierten! Die Frage, was Erkältungen und Grippe (und daraus folgernd auch andere »Infektionskrankheiten«) verursacht, zählt zu den wichtigsten Fragen unserer Tage.

Die Behauptung – oder vielmehr die Überzeugung –, dass Keime Infektionskrankheiten verursachen, hat zu flächendeckenden Lockdowns geführt, zu massiven Einschränkungen der Menschenrechte und zum massenhaften Einsatz alter wie auch neuer Pharmazeutika. Sollte sich die Keim-Hypothese als nicht zutreffend erweisen, gibt es offenkundig keine vertretbare Entschuldigung für ein derartig oppressives Verhalten, das die Welt psychisch wie auch wirtschaftlich in Not gebracht hat. Die Angst vor Ansteckung und davor, von anderen krank gemacht zu werden, diente fraglos dazu, die Form von selbstzerstörerischem Verhalten voranzutreiben, das wir während der Covid-19-Zeit beobachten konnten. Fällt der Glaube an diese Theorien weg, wäre dies auch das Ende für Impfstoffe, »antivirale« Medikamente und weite Teile der medizinisch-pharmazeutischen Wirtschaft – von zahlreichen öffentlichen »Gesundheits«einrichtungen ganz zu schweigen. Es steht sehr viel auf dem Spiel, insofern können wir nicht davon ausgehen, dass die diversen Interessengruppen eine faire und ausgewogene Debatte zulassen. Aus diesem Grund tragen Bücher wie dieses Informationen direkt an die Öffentlichkeit, damit die Menschen sich ein eigenes Bild vom Stand der Wissenschaft machen können.

Dieses Buch leistet in seinem Feld einen wichtigen Beitrag. In Dutzenden Interviews, Podcasts und Foren wird über Erkältungen und das Konzept der Ansteckung diskutiert, aber formal geschriebene Abhandlungen, die sich in einer derart umfassenden und ausführlichen mit Quellen versehenen Weise nähern, gibt es nur wenige. Daniel ist als Vermittler von Informationen ein Naturtalent und fordert Sie nicht einfach nur auf, diese oder jene Schlussfolgerung zu ziehen. Vielmehr lädt er dazu ein, sich die Fakten mit eigenen Augen anzusehen. Die schwierigen Vorarbeiten hat er uns abgenommen: Er hat alle relevanten Studien gefunden und analysiert und sie auf knappe und leicht verständliche Weise zusammengefasst. Alles ist sorgfältig mit Quellen belegt, insofern gibt es keine Zweifel am Wahrheitsgehalt dieser aufschlussreichen und unterhaltsamen Lektüre. Daniel ist selbst sehr erstaunt darüber, was seine umfangreichen Recherchen der vergangenen Jahre zutage gefördert haben – dass die »Wissenschaft«, für welche die meisten renommierten medizinischen Einrichtungen der Welt eintreten, auf tönernen Füßen steht. Ich hoffe, es wird Ihnen ergehen, wie es mir erging, und Sie finden auf den folgenden Seiten einige lebensverändernde Informationen, die Ihnen und Ihren Lieben ein besseres Verständnis für Gesundheit und Wohlergehen bescheren.

Dr Samantha Bailey,

Ärztin, Medienschaffende und Gesundheitspädagogin

Zu ihren Büchern zählen Virus Mania [dt. Titel: Virus-Wahn. Corona/COVID-19, Masern, Schweinegrippe, Vogelgrippe, SARS, BSE, Hepatitis C, AIDS, Polio, Spanische Grippe. Wie die Medizinindustrie ständig Seuchen erfindet und auf Kosten der Allgemeinheit Milliardenprofite macht], Terrain Therapy und The Final Pandemic.

www.drsambailey.com

Prolog

Von Daniel Roytas

Als ich vor fast 20 Jahren auf meinen Bachelorabschluss in Naturheilverfahren zusteuerte, besuchte ich eine Vorlesung zum Thema Immunologie. Diese verlief wie jede andere auch, bis der Lehrer ein mir fremdes Konzept ansprach, das in der den Kurs begleitenden Fachliteratur nicht erwähnt wurde – die Milieutheorie. Der Lehrer erklärte, Anhänger der Naturmedizin verträten die Ansicht, Keime seien nicht der Auslöser von Krankheiten, sondern vielmehr deren Folge. Eine Behauptung, die für mich zunächst eher albern klang, stand sie doch im Widerspruch zu meiner Überzeugung, Wissenschaftler wie Louis Pasteur, Robert Koch und Joseph Lister hätten die Keimtheorie bereits vor langer Zeit bewiesen. Also verschwendete ich keinen weiteren Gedanken auf diese fantastische Idee und führte mein Studium in glückseliger Ignoranz fort.

In den folgenden Jahren eröffnete ich eine Praxis, erwarb einige postakademische Qualifikationen und arbeitete in Australien an Bildungseinrichtungen als Dozent für Naturheilkunde und Ernährungsmedizin. Ein Jahrzehnt lang unterrichtete ich an Hochschulen und Colleges, wie man mithilfe von Ernährung, Kräutern und Lifestyle-Entscheidungen Infektionskrankheiten verhindert oder behandelt. Anfang 2020 hörte ich dann mehrere Ärzte und Wissenschaftler Behauptungen aufstellen, die wie das klangen, was ich Jahre zuvor in der Immunologie-Vorlesung gehört hatte: Es sind nicht Keime, die Krankheiten verursachen. Das Thema ließ mich nicht mehr los, also beschloss ich, mir die entsprechende Literatur selbst anzusehen und zu prüfen, ob an diesen neuen Enthüllungen etwas dran sein konnte.

Systematisch durchforstete ich die medizinischen Fach- und Geschichtswerke nach Experimenten, die eine Krankheitsübertragung von Mensch zu Mensch nachweisen. Ich weitete meine Suche auf Versuche aus, die bewiesen, dass Keime einen gesunden Wirt befallen und dort eine Krankheit verursachen können. Im Verlauf von 18 Monaten baute ich mir einen Fundus aus Hunderten Artikeln aus Fachmagazinen auf. Erstaunt stellte ich fest, dass ich nicht einen einzigen Beleg für ein wissenschaftliches Experiment hatte finden können, das eines dieser Phänomene (Infektion oder Ansteckung) verifizierte. Das war schon eine große Überraschung, schließlich werden Infektion und Ansteckung als zweifelsfrei bewiesen hingestellt.

Es dauerte nicht lange, und man wurde aufmerksam auf das, was ich da tat. Wie es das Schicksal wollte, war eine dieser Personen Roman Bystrianyk, Co-Autor von Dissolving Illusions: Disease, Vaccines & Forgotten History [dt. Titel: Die Impf-Illusion – Infektionskrankheiten, Impfungen und die unterdrückten Fakten]. Ende 2022 schlug er vor, ich solle die Ergebnisse meiner Arbeit in Buchform zusammenfassen und veröffentlichen. Zu dieser Zeit arbeitete ich bereits an einem Buch, in dem ich mit weitverbreiteten Falschvorstellungen in Sachen Ernährung aufräumen wollte. Doch vor dem Hintergrund dessen, was gerade in der Welt vor sich ging, wurde mir klar, dass dieses neue Vorhaben viel wichtiger war und meine Zeit eher verdiente.

Kaum hatte Roman diesen Vorschlag gemacht, begann auch schon die Arbeit an Ist eine Erkältung ansteckend?. Ursprünglich hatte ich vorgehabt, die von mir gesammelten Studienergebnisse in einem Booklet zusammenzufassen. Mir fielen jedoch mehrere Experimente auf, bei denen gesunde Teilnehmer krank wurden, nachdem sie direkten Kontakt zu Kranken gehabt hatten oder man ihnen Körperflüssigkeiten Erkrankter gespritzt hatte. Angesichts des Mangels an Beweisen dafür, dass ein Erreger (also ein Bakterium oder ein Virus) diese negativen Auswirkungen verursacht hatte, beschloss ich tiefer zu graben und nach möglichen weiteren plausiblen Erklärungen zu suchen. Zu diesem Zeitpunkt wurde mir klar, dass ein Booklet diesem Thema nicht gerecht werden würde, denn es zeigte sich, dass im Laufe der letzten 100 Jahre zahlreiche brillante Wissenschaftler und Mediziner alle möglichen Erklärungen vorgelegt hatten, um zu erklären, warum wir an Erkältungen und Grippen erkranken. Das Problem jedoch ist, dass nur sehr wenige Menschen diese alternativen Theorien kennen, standen diese doch – bis jetzt – im Schatten der vorherrschenden Keimtheorie. Dieses Buch wirft nicht nur ein Schlaglicht auf all die gescheiterten Versuche, eine Ansteckung nachzuweisen, sondern trägt diese in Vergessenheit geratenen Ideen zurück in die Debatte, die wohl noch niemals so viel globale Aufmerksamkeit verdient hat wie heute – die Debatte um Milieutheorie und Keimtheorie.

Lesen Sie dieses Buch bitte mit offenem Herzen und offenem Geist. Ich hoffe, es erschließt Ihnen ein ganz neues Reich der Möglichkeiten.

Daniel Roytas,

Autor und Pädagoge

Teil 1: Die geheime Geschichte

Teil 1

Die geheime Geschichte

Kapitel 1: Einführung

Kapitel 1

Einführung

Ist eine Erkältung ansteckend? Stellen Sie diese Frage auf der Straße, wird die überwältigende Mehrheit wohl »Natürlich ist sie das« oder etwas in der Art antworten und sich darüber wundern, warum Sie etwas derart Offenkundiges überhaupt zur Diskussion stellen. Aber was, wenn Sie die verdutzten Blicke ignorieren und nachhaken, woher man denn weiß, dass dies stimmt? Gewiss würden dann einige Befragte als Beweis persönliche Erlebnisse anführen und von den vielen Malen berichten, als sie selbst sich eine Erkältung oder Grippe »eingefangen« haben, wahrscheinlich von den Kindern, die mit laufender Nase aus der Schule kamen, oder von dem Kollegen, der sich krank zur Arbeit schleppte und das halbe Büro mit seiner Grippe ansteckte. Andere würden möglicherweise zu ausführlicheren Erklärungen greifen und darlegen, wie kranke Menschen mit pathogenen Keimen gesunde Menschen infizieren. Auf den ersten Blick mögen derartige Antworten logisch erscheinen, tatsächlich aber weisen sie offensichtliche Schwächen auf. Es handelt sich um Anekdoten, nicht um Beweise dafür, dass man sich mit einer Erkältung oder einer Grippe anstecken kann. Außerdem wird nicht schlüssig dargelegt, wie das Ganze überhaupt vonstattengehen soll. Wie in so vielen Bereichen des Lebens scheinen sich auch hier die Menschen an Dinge zu klammern, die sie weder mit Belegen untermauern noch im Detail erklären können. Warum also sind sie dann so fest überzeugt davon, dass sie sich anstecken können?

Bereits in jungen Jahren lehrt man uns, an das Konzept der Übertragung zu glauben, das besagt, dass man sich bei einem Mitmenschen mit Erkältung oder Grippe anstecken kann. Autoritätspersonen wie Eltern, Lehrer, Ärzte, Wissenschaftler und Regierungsvertreter propagieren allesamt diese Linie: Wenn Menschen krank sind, verbreiten sie Keime, die Krankheiten verursachen. Insofern tun wir gut daran, auf Abstand zu all jenen zu gehen, die Symptome aufweisen. Mit Glück können wir so den Keimen entgehen und stecken uns nicht an. Ziehen wir hinaus in die Welt, dann mit diesem Verständnis im Gepäck … und geraten dann doch irgendwann in die Nähe eines kranken Menschen. Einige Tage später sind wir dann selbst erkrankt und zeigen dieselben Symptome. Das bestätigt die Geschichte, die man uns erzählt hat, und festigt unseren Glauben an Keime und Ansteckung. Dieses Modell der Realität überzeugt uns so sehr, dass wir unser weiteres Leben in Angst vor einem unsichtbaren Feind verbringen und gegenüber unseren Mitmenschen Argwohn an den Tag legen. So sehr verinnerlichen wir diese Anschauung, dass nur die allerwenigsten von uns darüber nachdenken, ganz zu schweigen davon, dass jemand sie anzweifelt. Wer es dennoch tut, wird schnell als Verschwörungstheoretiker oder Ketzer abgestempelt. Der gesellschaftliche Druck, sich an die Erzählung von der Ansteckung zu halten, steigt damit nur noch weiter.

Wenn eine Erzählung in der Gesellschaft so fest verankert, ja, nachgerade Teil unserer Kultur ist, sollte man doch eigentlich davon ausgehen können, dass es stichhaltige Beweise und gute Erklärungen für die Ansteckung gibt, auch wenn der Durchschnittsbürger auf der Straße diese natürlich nicht parat hat. Aber im Verlauf dieses Buchs werden wir sehen, dass die entsprechenden wissenschaftlichen Fakten fehlen oder bestenfalls widersprüchlich und die bestehenden Erklärungsmodelle inkonsistent oder unvollständig sind. Grundsätzlich ist es ausgesprochen problematisch, wie wenig die Menschen – selbst ausgebildete Mediziner – über dieses Thema wissen und dennoch von der Richtigkeit ihrer Überzeugungen dermaßen überzeugt sind, dass sie ihr gesamtes Leben danach ausrichten.

Stellen wir uns für einen Augenblick eine alternative Realität vor – eine Realität, in der wir über sämtliche Informationen verfügen, die wir brauchen, um uns eine eigene Meinung bilden zu können und nicht blind akzeptieren zu müssen, was uns die Obrigkeit vorsetzt. Die Welt in einem derartigen Szenario ist in zweierlei Hinsicht ein besserer Ort. Erstens besitzen wir ein vollständigeres und genaueres Bild von der Wahrheit. Zweitens sind wir stärker ermächtigt und selbstbestimmter, denn wir können uns selbst eine Meinung bilden, anstatt auf vorgefertigte Antworten zurückgreifen zu müssen. Wir wären in der idealen Position, eine Neubewertung des vorherrschenden Paradigmas vornehmen zu können. Gleichzeitig birgt diese Alternativwelt ein Risiko – das Risiko nämlich, dass wir womöglich unserer Illusionen beraubt werden. Vielleicht stellen wir fest, dass die weitverbreitete Geschichte über Keime und Ansteckungen, die sich so hartnäckig hält, nicht auf Fakten beruht. Das aber würde uns quasi dazu nötigen, eine bessere Erklärung dafür zu finden, warum sich die Menschen scheinbar eine Erkältung zuziehen. Eine schockierende Entwicklung, aber die Ungewissheit wäre nur vorübergehend und letztlich zu unser aller Bestem. In diesem Buch geht es nicht zuletzt darum, diese neue Realität zu erschaffen, indem ich Sie mit den Informationen versorge, die Sie benötigen, um die bestehende Realität hinter sich zu lassen.

Der schmutzigste Mensch der Welt

Um zu verdeutlichen, welche Probleme der Keimtheorie und der These von der Ansteckung anhaften, möchte ich Sie mit Amu Hadschi bekannt machen. Der 94-jährige hielt den Titel »Schmutzigster Mensch der Welt«. 67 Jahre lang setzte er nicht ein einziges Mal einen Fuß in ein Badezimmer, überhaupt machte er aus Furcht, Waschen werde ihn krank machen, einen großen Bogen um Wasser und Seife. So sehr lehnte Hadschi das Baden ab, dass er sogar einmal aus einem fahrenden Auto sprang, nachdem besorgte Dorfbewohner ihn zu einem Fluss bringen wollten, um ihn dort zu waschen. Körperhygiene war das eine, Armut das andere, denn Hadschi lebte grundsätzlich in absolutem Elend. Am Rand des iranischen Dorfs Dejgah bewohnte er eine heruntergekommene Hütte; diese war schmutzig und voller Rost, Wind und Wetter ausgesetzt und vor Ungeziefer wimmelnd. Hadschi ernährte sich von kurz zuvor überfahrenen Tieren, was in erster Linie rohes (und auf tragische Weise mürbe gemachtes) Stachelschwein bedeutete, das er von der Straße kratzte. Jeden Tag rauchte er Dung aus einer Pfeife, und das Wasser, das er in einer alten Ölkanne sammelte, stammte aus schlammigen Pfützen. Hadschi war also nicht nur äußerlich schmutzig, es gelangte auch viel Dreck in seinen Körper hinein.1 , 2 , 3

Glauben wir der Wissenschaft, hätten die mangelnde Körperhygiene, die schlechte Ernährung und die fragwürdige Lebensweise Hadschis Immunsystem kollabieren lassen müssen. Sein Organismus hätte eine perfekte Brutstätte sein müssen für die tödlichen Keime, die er zweifelsohne über Essen und Trinken zu sich nahm und inhalierte. Doch mehrere Jahre vor seinem Tod unterzogen Wissenschaftler Hadschi einer ganzen Reihe von Tests und fanden nicht nur keinerlei Krankheitserreger, nein, sie stellten zu ihrer großen Überraschung fest, dass Hadschis Gesundheitszustand ausgesprochen gut war. Vor diesem Hintergrund erscheint es fast wie eine Ironie des Schicksals, dass Hadschi Ende 2022 starb, nachdem Dorfbewohner ihn einen Monat zuvor gezwungen hatten, sich zu duschen.

Nach Amu Hadschis Tod ging der Titel »Schmutzigster Mensch der Welt« an Kailash Singh aus dem indischen Varanasi über. Der mittlerweile 77-Jährige hat »aus Liebe zu seinem Land« seit knapp 50 Jahren nicht mehr geduscht. Stattdessen gönnt sich Singh jeden Abend ein »Feuerbad«. Dazu steht er auf einem Bein, entzündet ein Freudenfeuer, raucht Marihuana und betet zur Gottheit Shiva.1,2,3 Auch diese Formen der Körperpflege (wenn man es denn so nennen möchte) stehen in krassem Widerspruch zu allem, was die Schulmedizin für eine Existenz frei von Krankheiten empfiehlt. Und trotzdem konnte Singh genauso wie sein »Bruder im Geiste« Hadschi Erregern und Krankheiten ein Schnippchen schlagen.

Wie kann es sein, dass Männer wie Hadschi und Singh ihr Leben in völligem Widerspruch zu allen propagierten Hygieneempfehlungen leben, sie aber trotzdem auch im Alter noch bei guter Gesundheit sind? Wie schützt ihr Immunsystem sie vor Keimen, wo diese Männer ihr Immunsystem nicht nur nicht unterstützen, sondern es sogar aktiv untergraben? Ein gutes Immunsystem erreicht man angeblich durch gesunde Ernährung, Körperpflege, Sport, den Zugang zu angemessenem Wohnraum und Sanitäranlagen. Man soll sich zudem nicht unhygienischen Zuständen aussetzen und Substanzen wie Nikotin und Alkohol meiden. Wie kann es da sein, dass Hadschi, Singh und andere, die wie sie im Schmutz leben, verunreinigtes Wasser trinken und ihr Bett mit einigen der ansteckendsten Organismen überhaupt teilen, trotzdem größtenteils völlig unbeschadet durchs Leben wandern?

Dafür gibt es zwei mögliche Erklärungen:

Die beiden sind einfach Freaks, gewissermaßen Launen der Natur, und ihre körperliche Verfassung übersteigt unser derzeitiges Wissen zu Krankheitserregern.

Oder es handelt sich um ganz normale Menschen, und unser derzeitiges Wissen zu Krankheitserregern muss dringend auf den neuesten Stand gebracht werden.

Fragen, die seit Langem gestellt werden

Seit dem späten 19. Jahrhundert gibt es Menschen, die vehement für die letztgenannte Möglichkeit eintreten und Forschungsergebnisse zu Ansteckung und Keimen anzweifeln. Ein besonderes Beispiel in dieser Hinsicht ist Dr. John E. Walker, der 1932 in einer führenden medizinischen Fachzeitschrift einen Aufsatz mit dem Titel »Die Ätiologie von Erkältungen« veröffentlichte. 4 Zum damaligen Zeitpunkt hatten mehrere Forscher gerade Experimente durchgeführt, welche die Übertragung der Influenza und der Erkältung von Mensch zu Mensch zu belegen schienen.5 , 6 , 7 , 8, 9 , 10 Die Methoden, mit denen sie ihre Versuche durchführten, waren im Grunde genommen ganz einfach. Sie entnahmen einer Person, die an Erkältung oder Grippe litt, Schleim aus den Atemwegen und filterten ihn, um Feststoffteilchen und Bakterien zu entfernen. Schließlich verabreichten sie diese gefilterten Absonderungen, das sogenannte Filtrat, gesunden Freiwilligen über Nase, Hals, Augen oder Mund. In einigen Fällen injizierten die Wissenschaftler das Filtrat intramuskulär (in den Muskel), subkutan (unter die Haut) oder intravenös (direkt in den Blutkreislauf). Entwickelten zuvor gesunde Empfänger daraufhin grippeähnliche Symptome, führten die Forscher dies auf ein ansteckendes Virus zurück.4

Viele Ärzte reagierten wie John Walker mit Skepsis, was diese Forschung anbelangte und die daraus abgeleiteten Ergebnisse. In seiner Kritik am jungen Forschungsfeld der Virologie erklärte Dr. Walker: »Derartige Behauptungen sind voller Fallstricke.« Besonders missfielen ihm die an Menschen durchgeführten Versuche, die angeblich eine Ansteckung belegten, denn es fehlte eine Definition, was denn überhaupt eine Erkältung sei und was als erfolgreiche Übertragung der Krankheit zähle. Außerdem habe man, wie Walker anmerkte, bei keiner der Studien ordnungsgemäß mit Kontrollgruppen gearbeitet, und das sei in mehrfacher Hinsicht problematisch.

Erstens ist bekannt, dass selbst inerte Substanzen grippe- und erkältungsähnliche Symptome verursachen können, führt man sie in die Nasengänge ein. Das hängt mit der Reizung der Schleimhäute zusammen, die durch dieses Prozedere hervorgerufen wird.

Zweitens könnten die Symptome, die inokuliertes Filtrat hervorgerufen hat, auch auf Entzündungsreaktionen oder allergische Reaktionen zurückzuführen sein, wären insofern also kein stichhaltiger Beweis für eine Virusinfektion.

Drittens ist die Kraft der Suggestion derart wirkmächtig, dass Probanden, die eine Kochsalzlösung als Placebo erhalten, trotzdem eine Erkältung entwickeln, weil sie glauben, man habe ihnen ein Filtrat verabreicht.

Und schließlich enthalten die Schleimabsonderungen kranker Menschen noch zahlreiche weitere Substanzen, von denen jede möglicherweise erkältungs- oder grippeähnliche Symptome verursachen könnte.

Aus diesen und weiteren Gründen hielt Dr. Walker die Ergebnisse der Studien, bei denen eine Übertragung von Mensch zu Mensch untersucht und angeblich belegt wurde, für nicht belastbar.4 Bemerkenswerterweise wurde das, was Walker an Mängeln aufzeigte, in den über 100 Jahren seit Veröffentlichung der Studie weder ausreichend berücksichtigt noch behoben, weshalb Ärzte und Wissenschaftler bis heute darauf verweisen.11 , 12 , 13 , 14

Tatsächlich war Walker keineswegs der Einzige, der einen Mangel an Beweisen für die Existenz ansteckender Keime monierte. Viele andere haben im Verlauf der vergangenen 100 Jahre die offizielle Darstellung öffentlich infrage gestellt.15 , 16, 17 , 18 , 19 , 20 , 21 , 22 , 23 Wie Walker stießen sie sich daran, dass es keine Studien gibt, die zweifelsfrei belegen, wie Atemwegserkrankungen von Mensch zu Mensch vonstattengehen. 24, 25 Wie Sie in späteren Kapiteln sehen werden, liegt das keineswegs daran, dass man es nicht versucht hat. Dutzende Experimente, Erkältungen oder Grippe von Kranken auf Gesunde zu übertragen, schlugen fehl. Allein in diesem Buch werden mehr als 200 von ihnen abgehandelt. Selbst moderne epidemiologische Daten decken sich nicht mit der Theorie, wonach ein infektiöses Teilchen die Krankheit von Mensch zu Mensch überträgt.17,25, 26 Beispielsweise können Epidemiologen mit ihren virusbasierten Modellen auch nach jahrzehntelanger intensiver Forschung nicht zuverlässig vorhersagen, wann und in welcher Stärke Erkältungs- und Grippefälle auftreten werden.

Diese Lücken und Ungereimtheiten haben dazu geführt, dass sich in jüngerer Vergangenheit mehrere ausgesprochen renommierte, erfahrene und hoch angesehene Vertreter der akademischen und der medizinischen Welt die wissenschaftliche Literatur zu Keimen vornahmen und einer systematischen Bewertung unterzogen. Um dem Thema auf den Grund zu gehen, prüften sie Anfang der 2020er-Jahre, was bis dahin an Fakten vorlag und die Behauptungen stützte, Atemwegsviren würden Erkältungen und Grippen verursachen und von kranken Menschen auf gesunde übergehen. Was sie im Verlauf ihrer Prüfung herausfanden, sollte das Feld der Infektionskrankheiten in seinen Grundfesten erschüttern.11,12,14, 27 , 28

Die Untersuchungsergebnisse lassen sich in drei zentralen Punkten zusammenfassen:

Viren verursachen keine Krankheiten. Es gibt keine direkten Beweise für einen Kausalzusammenhang zwischen Viren und Infektionskrankheiten.

Viren sind nicht ansteckend. Es gibt so gut wie keine veröffentlichten Studien, die für irgendeine Infektionskrankheit eine Ansteckung, also eine Übertragung von Kranken auf Gesunde, zweifelsfrei nachweisen konnten.

Möglicherweise gibt es gar keine Viren. Es existieren keine veröffentlichten Studien, wonach eine reine Probe eines Virus isoliert und dessen Eigenschaften dokumentiert werden konnten.

Zusammengenommen untergraben diese Punkte das aktuelle Verständnis von Keimen und Ansteckung. Sie sprechen dafür, dass wir schlicht über nicht ausreichend qualitativ hochwertige wissenschaftliche Fakten verfügen, die das Modell stützen, demzufolge ansteckende Pathogene Krankheiten verursachen. In ihrem Buch The Final Pandemic verdeutlichen Dr. Samantha Bailey und Dr. Mark Bailey in einer exemplarischen Kritik der Keimtheorie diese Punkte. 29

Wenig überraschend machte die Kunde von diesen gewagten Behauptungen rasch die Runde. Millionen Menschen aus aller Welt erfuhren von diesen für sie neuartigen und umstrittenen Betrachtungsweisen, die diese Ärzte und Wissenschaftler propagierten. In der Wissenschaft wie auch in der Medizin kam es zu Lagerbildung und beträchtlichen Debatten. Es gab Institutionen, die die Behauptungen pauschal abtaten, dennoch war das Interesse von zahlreichen anderen Ärzten, Wissenschaftlern, Statistikern und unabhängigen Journalisten geweckt.13, 30 , 31 , 32 , 33 , 34 , 35 , 36 , 37 All diese Leute fragten sich: »Wo sind die Beweise dafür, dass Keime Krankheiten verursachen?« Eine berechtigte Frage, die seit nahezu 150 Jahren im Raum steht. Doch aus unbekannten Gründen haben die Einrichtungen des Establishments konstruktive Kritik, anderslautende Ansichten und Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen, die im Widerspruch zur Keimtheorie und zur Theorie der Ansteckung stehen, größtenteils ignoriert.38 , 39 , 40 , 41 , 42 , 43 , 44 , 45 , 46 , 47

Bis zum jetzigen Zeitpunkt haben wir auf diese seit Langem gestellten Fragen keine befriedigenden Antworten.

Neue Erkenntnisse

Warum sollte man die aktuell vorherrschende Theorie zu den Ursachen von Erkältungen und Grippe überhaupt infrage stellen? Auf den ersten Blick mag das lachhaft erscheinen, insbesondere Medizinern, Mikrobiologen, Epidemiologen und Virologen. Wer solche Fragen stellt, entlarvt sich doch als ungebildet, engstirnig oder schlicht verrückt, richtig? Eine solche Reaktion ist verständlich, aber im Rückblick sehen wir, bei wie vielen Punkten wir falschgelegen haben – sei es bei der Sicherheit von Zigaretten, der von Asbest, Thalidomid (Contergan) oder Blei.48 , 49 , 50 , 51 Wir haben fälschlicherweise angenommen, dass ein Ungleichgewicht des Serotoninspiegels der Grund für Depressionen ist, dass Cholesterin und gesättigte Fette der Grund für Herzerkrankungen sind und dass einzig Natrium verantwortlich dafür ist, dass Tafelsalz den Blutdruck in die Höhe treibt.52 , 53, 54 , 55Es ist noch nicht allzu lang her, dass die Ärzte eine Lobotomie für die beste Behandlungsmethode bei Schizophrenie und anderen psychischen Problemen hielten, dass sie Syphilis mit Quecksilber zu kurieren suchten und dass sie bei Erkältungen einen Aderlass für angezeigt hielten.56 , 57 , 58 Kaum zu glauben, dass diese Vorgehensweisen einst als »gesicherte Wissenschaft« galten und in der Medizin an der Tagesordnung waren. Man stelle sich vor, wie es gekommen wäre, wären diejenigen, die diese Vorstellungen kritisierten, als »Wissenschaftsskeptiker« diffamiert worden, hätte man sie öffentlich lächerlich gemacht und versucht, diese kritischen Stimmen zum Verstummen zu bringen und ins Abseits zu drängen. Möglicherweise würden wir diesen längst überholten Ideen bis zum heutigen Tag blind folgen. Wie viele Menschen wären unnötig zu Schaden gekommen, größtem Leid ausgesetzt gewesen oder gar getötet worden? Wenn es niemand wagt, den Konsens zu hinterfragen, können wir als Gesellschaft unser Wissen nicht erweitern und auch keinen Fortschritt erzielen.

Doch völlig zu Recht werden bis heute wissenschaftliche Erkenntnisse aus zahllosen Fachgebieten infrage gestellt. So gibt es Wissenschaftler, denen zufolge Zellstrukturen wie der Golgi-Apparat, das endoplasmatische Retikulum, die Einheitsmembran, die Kernporen und die membranständigen Rezeptoren schlichtweg sogenannte »Artefakte« darstellen, die entstehen, wenn man Gewebeproben für das Elektronenmikroskop vorbereitet.59 , 60 , 61 , 62 , 63 , 64 , 65 Sollten diese Wissenschaftler richtigliegen, würde dies das Feld der Mikrobiologie und der Virologie, so wie wir es heute kennen, komplett auf den Kopf stellen. Warum? Weil ohne diese Zellstrukturen auch Viren, Mikroorganismen und weiße Blutkörperchen unmöglich so funktionieren könnten, wie sie es angeblich tun. Auf Weisen wie diese wird das aktuelle Verständnis der Wissenschaften ständig hinterfragt und aktualisiert, ganz so, wie es auch sein sollte. Das wirft die Frage auf, auf welche vermeintlichen Gewissheiten wir in Jahren zurückschauen und uns wundern, wie wir derart danebenliegen konnten. Selbst Thomas Rivers, der Mann, der die Rivers-Postulate formulierte, räumte ein, dass diese Regeln, die bei Erfüllung einen Kausalzusammenhang zwischen Viren und Infektionskrankheiten belegen würden, eines Tages überholt sein werden. 66 Ein Erkenntnisgewinn erfolgt jedoch nur, wenn Menschen es wagen, kritische Fragen zu stellen, Theorien anzuzweifeln und neue Ideen vorzuschlagen.

Zum wissenschaftlichen Prozess gehört es zwingend dazu, dass wir unser Verständnis allgemein akzeptierter Konzepte immer wieder auf den Prüfstand stellen. Das ist nur natürlich und geschieht ständig, beispielsweise als neue Forschungsergebnisse publik wurden, welche die Unbedenklichkeit von Zigaretten, Thalidomid und Bleizusätzen anzweifelten. Nach einigem Widerstand akzeptierte die Gesellschaft diese Wahrheiten, nahm die erforderlichen Veränderungen vor und führte ihr Leben auf einem besseren Kurs fort. Was das angeht, ist der Mensch unglaublich wandlungs- und widerstandsfähig. Und das gilt auch für das Thema Keime: Wer sagt denn, dass die Gesellschaft mit ihrem neuen, besseren Wissen auch hier nicht einfach nur mit den Schultern zuckt und weitermacht, als wäre nichts gewesen? Möglich wäre es, aber wir greifen voraus. Bevor die Menschheit eine Kurskorrektur überhaupt in Angriff nehmen kann, müssen wir erst einmal alle Puzzleteile präsentieren und schauen, ob und wie sie zusammenpassen. Zu diesem Zweck verfolgt das Buch drei Ziele.

Ziel Nummer 1: Verbindungen ziehen

Haben Sie als Kind auch »Malen nach Zahlen« gespielt? Die Bilder zu erschaffen, war nicht allzu schwer, denn man musste nicht groß raten, schließlich war jeder kleine schwarze Punkt auf der Seite nummeriert. Man musste also bloß der Reihe nach die Punkte miteinander verbinden, und im Handumdrehen entstand ein eindeutiges und gut zu erkennendes Motiv. Dieser Vorgang war deshalb so einfach, weil auf dem Weg zur Lösung ausreichend Details (in diesem Fall Punkte) sowie eine Anleitung (Nummerierung) genutzt werden konnten. Anderenfalls wäre es deutlich schwerer, wenn nicht völlig unmöglich geworden, auf die Lösung des Rätsels zu kommen. Anders formuliert: Das »große Ganze« lässt sich nur erkennen, wenn man über ein Mindestmaß an Datenpunkten und Informationen darüber verfügt, in welchem Verhältnis diese Punkte zueinander stehen. Schlagen Sie eine Seite auf, die lediglich vier Punkte enthält, wäre es nachvollziehbar, wenn sie diese Punkte spontan zu einem Viereck verbinden. Aber die Lösung könnte genauso gut ein Kreis – oder etwas deutlich Komplexeres – sein, aber das konnten sie nicht wissen, denn dafür hätten Sie über mehr Datenpunkte und Hintergrundwissen verfügen müssen.

Bei Infektionskrankheiten wie Grippe und Erkältung gehen wir wie selbstverständlich davon aus, dass die Wissenschaft bereits vor langer Zeit alle Punkte in der richtigen Reihenfolge miteinander verbunden hat. Aber wie bereits besprochen, wissen die Menschen weder, welche Fakten (Punkte) bekannt sind, noch können sie eine befriedigende Antwort (Nummerierung) vorbringen. Ohne es zu wissen, zeichnen sie also fälschlicherweise das Bild, das sie gerade zeichnen möchten. Es würde auch nicht viel ändern, wenn die Menschen Zugang zur Forschung hätten, denn sowohl bei der Perspektive (einseitige Betrachtungsweise) als auch der Methodik (lautstark und verwirrend) weist die Forschung deutliche Einschränkungen auf.

Vor diesem Hintergrund besteht das erste Ziel dieses Buchs darin, die Dinge wieder ins rechte Lot zu bringen. Dazu präsentieren wir eine Fülle bislang übersehener Fakten sowie alternative Erklärungsansätze. So möchten wir Ihnen helfen, sich selbst eine qualifizierte Meinung zu der Frage zu bilden, wie Menschen krank werden. Das ist auch der Grund, warum dieses Buch so üppig mit Quellen versehen ist; insgesamt sind es über tausend. Wir haben uns nach Kräften bemüht, Informationen aus Fachzeitschriften, Lehrbüchern und offiziellen Nachrichtenartikeln zusammenzutragen. Ein Virologe und Mikrobiologe, mehrere Mediziner und ein Psychologe haben dieses Buch geprüft, damit gewährleistet ist, dass die veröffentlichten Informationen zutreffend sind. Im Verlauf der Kapitel werden Sie ausreichend »Punkte« und »Zahlen« finden, die Sie für ein eigenes Bild verbinden können.

Wichtig in diesem Zusammenhang: Dieses Buch gibt Ihnen nicht vor, was Sie zu denken haben. Es behauptet nicht, dass es keine Keime gibt, und es behauptet nicht, dass Keime nicht auch gesunde Menschen befallen und Krankheiten auslösen können. Es werden auch keinerlei medizinische Behauptungen aufgestellt, insofern sollte auch niemand die hier vorgestellten Informationen als medizinische Empfehlung verstehen oder als Grundlage für gesundheitsbezogene Entscheidungen nutzen. Dieses Buch will Ihnen nicht sagen, was Sie denken sollen, es will Sie vielmehr zum Denken anregen und Ihnen dafür das notwendige Material an die Hand geben. Das Buch bemüht sich, so unparteiisch wie möglich zu sein, und steht auf Seiten der Neutralität. Zu diesem Zweck präsentiert es einen ausgewogenen, gut abgerundeten Überblick über ein Thema, das noch nie so relevant war wie heute. Nutzen Sie die Informationen bitte als Ressource und als Ausgangspunkt für eigene Schlussfolgerungen.

Ziel Nummer 2: Schwierige Fragen stellen

Das erklärt auch, warum der Titel dieses Buchs bewusst als Frage formuliert ist (»Ist eine Erkältung ansteckend?«) und nicht als Feststellung (»Erkältungen sind nicht ansteckend!«). Letzteres wäre zwar provokanter und dürfte deutlich mehr Aufmerksamkeit wecken, würde aber auch eine pure Behauptung darstellen. Das wiederum wäre insofern knifflig, als es dann neue Untersuchungen bräuchte, die diese Behauptung untermauern. Hinzu kommt, dass es auf lange Sicht nicht nur einfacher ist, eine Frage zu stellen, sondern auch wirksamer. Eine Frage macht neugierig und fördert den Dialog, anstatt einfach nur Feindseligkeit und Gegenwehr zu wecken. Eine Frage impliziert zudem ein höheres Maß an Unsicherheit rund um das Thema Ansteckung. Das Buch behauptet nämlich nicht, die eine oder die andere Seite des Arguments (also die Milieutheorie oder die Keimtheorie) sei richtig oder falsch. Nach allem, was wir wissen, könnten sogar beide Seiten falschliegen. Machen wir uns ein bestimmtes Paradigma zu eigen, könnten wir deutlich wichtigere Konzepte übersehen, schließlich ist der menschliche Körper eine unglaublich komplexe Angelegenheit. Das bedeutet, wir müssen unser Verständnis von seinen Funktionen und seiner Interaktion mit der Außenwelt ständig aktualisieren. Es gibt so viel, das wir immer noch nicht wissen. Klammern wir uns also zu sehr an eine Idee, könnte das unsere Fähigkeit trüben, unser Augenmerk auch auf andere Dinge zu richten.

Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, ein gewisses Maß an Demut und Bescheidenheit an den Tag zu legen und zu akzeptieren, dass langjährige und weitverbreitete Ansichten falsch sein könnten – zum Beispiel die Annahme zu wissen, warum wir eine Erkältung bekommen. Kann jemand mit hundertprozentiger Gewissheit sagen, dass die derzeit vorherrschende Theorie über Ansteckung korrekt ist? Gewiss nicht, und aus diesem Grund müssen Wissenschaft und Öffentlichkeit die Gesprächskanäle offenhalten, damit ein lebendiger und intellektuell geführter Diskurs stattfinden kann, ohne sich um etwaige negative Folgen sorgen zu müssen. Die Welt würde es fraglos wissen wollen, wenn andere Faktoren der Auslöser dieser saisonalen Beschwerden wären, aber um Neuentdeckungen zu machen und unser aktuelles Wissen zu bestätigen oder zu widerlegen, ist kreatives Denken erforderlich. Man muss ohne Einschränkungen Fragen stellen und Debatten führen können – und genau diesen Geist möchte dieses Buch fördern.

Dementsprechend lautet das zweite Ziel dieses Buchs auch: Es soll Sie ermutigen, sich häufiger in Ihrem Leben auch schwierige Fragen zu stellen. In zahllosen Fällen erlangen wir unser Grundwissen von unseren Eltern, in der Schule, von Einrichtungen oder Populärmedien und tragen es fortan – völlig unhinterfragt – mit uns herum – bis zu unserem letzten Atemzug oder bis wir das Glück haben, unserer Illusionen beraubt zu werden. Diese unvollkommenen »Modelle der Wirklichkeit« setzen sich innerhalb der Gesamtbevölkerung fest und verhärten. Das soll nicht bedeuten, dass sämtliche gängigen Ansichten falsch sind, sondern, dass wir vorsichtig damit sein sollten, Ideen nur deshalb so selbstbewusst zu vertreten, weil sie uns geläufig und gesellschaftlich akzeptiert sind. Der moderne Bürger hat großes Vertrauen in die Autoritäten, wenn es um wahrheitsgemäße und exakte Informationen geht, doch was, wenn diese Quellen der Wahrheit korrumpiert oder fehlgeleitet sind? Was, wenn sie von Hintergedanken oder Eigeninteressen getrieben werden? Was, wenn sie schlicht und einfach falschliegen? Menschen anzugreifen oder Ideen in der Absicht zu ersticken, uns weiter an falsche Gewissheiten klammern zu können, ist der falsche Weg. Stattdessen sollten wir den Fakten folgen, wohin auch immer sie uns führen mögen, und sei es auf unbekanntes Terrain. Dieses Buch will eine gesunde Skepsis wecken und Sie dazu einladen, alles an Ideen auf den Prüfstand zu stellen, was bislang – aus welchen Gründen auch immer – als unantastbar galt.

Ziel Nummer 3: Offen sein

Die meisten unserer Zeitgenossen vertreten Vorstellungen wie die von der Ansteckung mit großer Überzeugung, zugleich ist es aber so, dass Körper und Geist des Menschen deutlich mehr zu leisten imstande sind, als wir derzeit verstehen. Im Laufe der Menschheitsgeschichte haben Männer und Frauen wahrlich unglaubliche und scheinbar übermenschliche Dinge vollbracht, indem sie auf ihre inneren Kräfte zugriffen. 67, 68 , 69 Ein Beispiel: Der Weltrekord im Deadlifting (Kreuzheben) liegt bei 524 Kilogramm – ein Gewicht, das man sich kaum vorstellen kann. Und trotzdem gibt es dokumentierte Fälle von Müttern, die Autos von über 1500 Kilogramm Gewicht anhoben, um nach einem Unfall ihre Kinder zu befreien. 70 Wie ist eine derartige Mobilisierung von Kraft möglich? Nun, das ist die große Frage. Und eine, die wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht beantworten können. Zwischen Körper und Geist gibt es eine tiefgreifende Verbindung, von der wir noch so gut wie gar nichts wissen (und der wir weiter auf den Grund gehen müssen). Und diese Verbindung ist nicht nur für außerordentliche Kraftakte zuständig, sie kann auch Einfluss auf alltägliche Funktionen haben. In mehreren Studien wurde nachgewiesen, dass allein die Vorstellung, man hebe Gewichte, ähnliche Ergebnisse wie die tatsächliche körperliche Anstrengung hervorbringen kann.71 , 72 Und obwohl nach allgemeiner Ansicht der Mensch nur einige wenige Minuten ohne Sauerstoff auskommt, können Freitaucher ihre Luft unter Wasser bis zu 25 Minuten anhalten und dabei in Tiefen von 250 Metern vorstoßen.73 , 74

Die unerschlossenen Kräfte von Körper und Geist erstrecken sich auch auf Krankheit und Wohlergehen. Bei einem Versuch berührte man junge Männer, die allergisch auf den japanischen Lackbaum (der einen ähnlichen Effekt wie Giftefeu hervorruft) sind, mit harmlosen Blättern am Arm und erklärte ihnen, es handele sich um Blätter des Lackbaums. Am anderen Arm berührte man sie mit Blättern des Lackbaums, erklärte den Männern aber, es handele sich um eine harmlose Pflanze. Von den 13 Teilnehmern zeigten nur zwei (13 Prozent) eine unerwünschte Hautreaktion auf den Lackbaum, wohingegen jeder einzelne Mann eine Kontaktdermatitis auf die harmlose Pflanze entwickelte. Mithilfe der Kraft ihres Geistes konnten Menschen Schaden abwenden, nachdem man ihnen intravenös Schadstoffe (in diesem Fall Bruchstücke bakterieller Zellwände) gespritzt hatte. Das gelang ihnen, indem sie lernten, ihr vegetatives Nervensystem zu aktivieren und Einfluss auf ihre Immunreaktion zu nehmen – physiologische Systeme, von denen man einst glaubte, sie seien unmöglich bewusst zu steuern.67 Viele andere Menschen konnten sich mit unterschiedlichen Körper-Geist-Techniken, mit Methoden der Einflussnahme auf das Bewusstsein, mit Meditation und mit Entspannungstechniken von chronischen Erkrankungen befreien. Das spricht dafür, dass der Geist viel mehr zu leisten imstande ist, als wir ihm gemeinhin zutrauen.69, 75 , 76 , 77 , 78

Werden wir etwas spezifischer und schauen auf das Thema Ansteckung: Bei zahlreichen kontrollierten Studien am Menschen entwickelten Freiwillige vermutlich nur deshalb eine Erkältung oder Grippe, weil sie dieses erwartet hatten, denn verabreicht hatte man ihnen lediglich sterile Kochsalzlösung.10, 79 , 80 Und bei Doppelblindstudien reduzierten sich nachweislich Dauer und Schweregrad einer Erkältung beträchtlich, wenn man den Erkrankten ein Placebopräparat verabreichte, von dem sie glaubten, es handele sich um ein Erkältungsmedikament. 81 Überall in der medizinischen Fachliteratur finden sich Belege, wie Menschen allein durch die Kraft ihres Geistes imstande waren, Symptome einer Atemwegserkrankung zu entwickeln – oder sich rasch davon zu erholen.10 Zusammengefasst lässt sich sagen, dass der Mensch Krankheiten kraft seines Geistes zu erzeugen oder abzuschütteln vermag.

Diese Phänomene von Geist und Körper stoßen das Tor auf zu einer Vielzahl faszinierender Möglichkeiten. Wenn der Mensch das scheinbar Unmögliche möglich machen kann, zu welchen weiteren Leistungen sind wir dann im Hinblick auf Keime und Ansteckung fähig? Wenn der Geist eine Erkältung oder eine Grippe auslösen kann, gefährden wir dann womöglich unsere Gesundheit, indem wir uns so hartnäckig auf die Vorstellung von ansteckenden Viren versteifen? Und wenn wir lernen können, bewusst unser Immunsystem und unser vegetatives Nervensystem zu aktivieren, sind die eventuellen Auswirkungen von Keimen dann nicht ohnehin zu einer Nebenrolle in der Geschichte der Krankheit verurteilt? Lässt sich ihr negativer Einfluss allein durch die Kraft des Geistes zunichtemachen, besteht keinerlei Notwendigkeit mehr, in Furcht vor Keimen zu leben. Umgekehrt stellt sich die Frage: Sollten Keime in Wirklichkeit keine Krankheiten verursachen, wiewohl wir dies aber glauben, wie sehr hat das unnötig zur Belastung durch Krankheiten beigetragen? Vielleicht täten wir besser daran, unsere Zeit und Aufmerksamkeit nicht gedankenlos an eine bestimmte Vorstellung zu fesseln, sondern uns lieber darauf zu konzentrieren, unsere geistigen Kräfte in höherem Maße nutzbar zu machen und konstruktiv im Dienst unserer Gesundheit einzusetzen.

Ihr Geist soll sich neuen Möglichkeiten öffnen. Das ist der Grundgedanke hinter diesen Ideen und das dritte Ziel dieses Buchs. Fakten wie diese sollten uns allen Ansporn sein, sich diesem Buch (und dem Leben insgesamt) aufgeschlossener zu nähern. Wir wissen längst nicht alles, das steht fest, doch mehr noch: Was wir zu wissen glauben, könnte falsch sein oder nur einen Teil des Bilds ausmachen. Das gilt insbesondere für die Dinge, zu denen Menschen fähig sind. Nichts ist jemals »bewiesen«, wissenschaftliche Erkenntnisse sind niemals »gesichert«. Insofern sollten wir unsere starren Annahmen ablegen und offen dafür sein, vorgefertigte Meinungen außen vor zu lassen, umso mehr bei Themen, die uns alle betreffen. Wir sollten stattdessen überlegen, welche Möglichkeiten es noch gibt, und sie unvoreingenommen prüfen.

Aufbau des Buchs

Drei Aufgaben soll dieses Buch erfüllen: Es soll Sie informieren und Sinn vermitteln; es soll Sie dazu motivieren, Fragen zu stellen; und es soll Ihren Blick für neue Möglichkeiten weiten. Um das zu erreichen, begeben wir uns auf eine umfassende, sich über 20 Kapitel erstreckende Reise. Keine Frage, das ist sehr viel Inhalt, aber es ist auch keine leichte Aufgabe, ein derart weitreichendes Thema zu behandeln. Um ihm gerecht zu werden, bedarf es einiges an Sorgfalt. Aus diesem Grund ist das Buch in drei Teile untergliedert. Das soll Ihnen auch helfen, die große Bandbreite an Informationen auf den folgenden Seiten besser zu verarbeiten.

Teil 1 korrigiert grundsätzliche und historische Missverständnisse und macht Sie mit den Grundsätzen und Hintergrundinformationen vertraut, die Sie für das Verständnis dieses Buchs benötigen. Nachdem hier in der Einleitung die Bühne bereitet wurde, folgt in Kapitel 2 eine historische Abhandlung über die Vielzahl an Krankheiten, die man in früheren Zeiten für ansteckend hielt. Kapitel 3 geht weiter auf die Vorgeschichte ein und zeigt, wie die Menschen vor dem Auftauchen von Keimen dachten. In Kapitel 4 lernen wir Louis Pasteur und Antoine Béchamp kennen, zwei große Vordenker und Rivalen. Kapitel 5 behandelt, wie es zum Riss in der medizinischen und der wissenschaftlichen Gemeinde kam, als Pasteur seine Keimtheorie und Béchamp seine Milieutheorie vorstellte. Thema von Kapitel 6 ist ein Dreh- und Angelpunkt in den Debatten zwischen Befürwortern und Gegnern der Ansteckungstheorie – die Spontanzeugung. Nachdem wir uns mit den beiden Theorien befasst haben, erfahren Sie, dass sich die Keimtheorie zwar durchsetzen konnte, sie aber dennoch viele Unzulänglichkeiten aufweist, denn weder erfüllt sie die Koch-Postulate (Kapitel 7) noch die Bedingungen der wissenschaftlichen Methodik (Kapitel 8). Kapitel 9 geht auf Probleme rund um das Isolieren von Viren und auf Defizite ein, die Analysemethoden wie Plaque-Assays und Elektronenmikroskopie mit sich bringen.

Nachdem Sie nun über ein Grundwissen und Kenntnisse der Vorgeschichte verfügen, führt Teil 2 sie ein in die endlose Vielfalt an Fachliteratur und präsentiert Daten aus Hunderten Versuchen an Menschen. Grundsätzlich geht es um die vielen Fälle, in denen sich akademische oder staatliche Einrichtungen daranmachten, die Keimtheorie zu beweisen, sich letztlich jedoch mit widersprüchlichen oder unklaren Ergebnissen begnügen mussten. Sie werden erfahren, was zur Zeit der Russischen Grippe geschah (Kapitel 10) und welche Versuche zum Nachweis einer Ansteckung anschließend unternommen wurden (Kapitel 11). Kapitel 12 dreht sich um die Ungereimtheiten im Fall der Spanischen Grippe, Kapitel 13 befasst sich mit Experimenten, die nachweisen sollten, wie ansteckend die Spanische Grippe war. Im Anschluss erfahren Sie, welche Erkenntnisse die Studien zur Erkältung lieferten (Kapitel 14) und welche ungewöhnlichen Vorfälle unter Seefahrern und Entdeckern Zweifel an der Prämisse der Keimtheorie weckten (Kapitel 15).

Teil 3 beleuchtet zunächst die Schwachstellen der Keimtheorie und des empirischen Fundaments, anschließend sollen alternative Erklärungsansätze zu der Frage »Was geschieht, wenn Menschen krank werden?« Ihren Horizont erweitern. Sie werden lernen, wie mächtig Erwartungen sein können, Stichworte Placebo- und Noceboeffekt (Kapitel 16). In Kapitel 17 geht es darum, wie sich »gedankliche Viren« per sozialer Ansteckung ausbreiten können, und um das Phänomen massenpsychogener Erkrankungen. Mit dem Verhältnis zwischen meteorologischen Ereignissen und den Symptomen, die wir üblicherweise mit Erkältungen und Grippe verbinden, befasst sich Kapitel 18, während in Kapitel 19 Argumente vorgestellt werden, warum Erkältungen und Grippe nicht unsere Feinde sind, sondern möglicherweise unsere Freunde. Abschließend führt das Buch diese Ideen zusammen und beleuchtet die Auswirkungen auf das Individuum und die Gesellschaft insgesamt (Kapitel 20).

Ergänzt wird das Ganze durch ein umfangreiches Kapitel namens »Klinische Studien«, das die Ergebnisse von über 200 Humanstudien zum Thema Ansteckung vorstellt.

Sehr wichtig ist auch, dass Sie im Anhang des Buches einen umfangreicher Referenzteil vorfinden, in dem Sie Quellen und Verweise finden, die Ihnen helfen sollen, eigene Nachforschungen anzustellen. Wenn Sie dieses Buch gelesen und die darin enthalten Informationen verdaut haben, werden auch Sie sich vielleicht fragen: »Ist eine Erkältung ansteckend?«

Kapitel 2: Rätselhafte Ansteckung

Kapitel 2

Rätselhafte Ansteckung

Dass Menschen zeitgleich gruppenweise erkranken, ist ein alltägliches Ereignis. Ein berühmtes Beispiel dafür trug sich 1977 an Bord eines Passagierflugzeugs in Alaska zu. Als während des Starts ein Triebwerk ausfiel, musste die Maschine 5 Stunden lang auf der Rollbahn stehen. Einer der Passagiere war Berichten zufolge an der Influenza erkrankt. Innerhalb von 72 Stunden entwickelten 38 der 54 Passagiere, also rund 70 Prozent, eine grippeähnliche Krankheit mit mindestens einem der folgenden Symptome: Husten, Fieber, Kopfschmerzen, Halsschmerzen und Myalgie (Muskelschmerz). 1 Epidemiologische Fakten wie diese sprechen scheinbar dafür, dass hier eine Übertragung von Kranken auf Gesunde stattfand.2 , 3 Aber nur weil man eine Gruppe von Menschen beobachtet, die an denselben Symptomen erkranken, stellt das für sich genommen noch keinen Beweis dafür dar, dass eine pathogene Mikrobe innerhalb dieser Gruppe kursierte. Fachleute wie auch Laien führen derartige Ereignisse häufig als Beleg dafür an, dass die Grippe von Mensch zu Mensch übertragen wird. Derartige Daten sind jedoch korrelativ und zeigen insofern keinen Kausalzusammenhang. 4

Nur weil eine Person krank wird und dann kurz darauf Menschen in ihrem Umfeld ebenfalls erkranken, beweist das nicht, dass eine Krankheit ansteckend ist. Nur weil X dem Y voranging, heißt das noch lange nicht, dass X das Y auch verursacht hat.4 Selbstverständlich ist das eine mögliche Erklärung, aber wir können Alternativen nicht ausschließen. Insofern besteht die Möglichkeit, dass diese Erklärung falsch ist. Das größte Problem an dieser Logik ist, dass sie eine Übertragung von Kranken auf Gesunde annimmt, aber nicht nachweist. Tatsächlich können wir bei obigem Fall nur eines ableiten: Die Menschen im Flugzeug waren einem gemeinsamen oder zumindest beitragenden Faktor ausgesetzt. Es gibt diverse Umgebungsparameter, die erklären könnten, warum die Passagiere an Bord des gestrandeten Flugzeugs grippeähnliche Symptome entwickelten. Beispielsweise lief die Lüftung nicht, während das Flugzeug am Boden stand, und mindestens 2 Stunden lang blieben die Türen geschlossen.1 Das bedeutet, die Passagiere hätten alle möglichen Verunreinigungen einatmen können, die sich in der nicht aufbereiteten zirkulierenden Luft befanden. In jedem Fall ist es grundsätzlich problematisch, auf der Grundlage dieser Art von epidemiologischen Daten eindeutige Schlussfolgerungen über einen Auslöser der Symptome zu ziehen. Allein durch Beobachtung lässt sich ein kausaler oder beitragender Faktor nicht feststellen. Für eine Bestätigung braucht es eine Reihe kontrollierter wissenschaftlicher Experimente.

Sie werden es noch wiederholt in diesem Buch lesen: Es existieren in der Fachliteratur keinerlei überzeugende Beweise, welche die Übertragung einer Atemwegserkrankung von kranken Menschen auf gesunde Menschen unter streng kontrollierten Umständen belegen. Entsprechende Versuche endeten fast immer als völliger Fehlschlag. Das ändert jedoch nichts daran, dass bei epidemiologischen Beobachtungen weiterhin pathogene Mikroben als einzig mögliche Erklärung genannt werden, wann immer sich innerhalb einer Gruppe von Menschen eine Krankheit auszubreiten scheint.

Wenn aber schon das Forschungsdesign derart fehlerbehaftet ist, wäre es da nicht möglich, dass man »Ansteckung« mit einem ganz anderen Prozess verwechselt? Tatsächlich gibt es in der Menschheitsgeschichte zahlreiche Beispiele für dieses Phänomen, beispielsweise Skorbut, Pellagra oder der Kontakt zu Quecksilber. Bei all diesen Fällen hatte es den Anschein, als würden sich Menschen gegenseitig anstecken, dabei handelte es sich um einen Nährstoffmangel beziehungsweise eine Vergiftung. Das soll nicht heißen, dass Erkältungen oder Grippe zwingend auf Mangelzustände oder ein Gift zurückzuführen sind. Vielmehr sollen diese Beispiele unterstreichen, wie rasch nicht infektiöse Krankheiten zu Unrecht als infektiös eingestuft und entsprechend behandelt werden. In diesem Kapitel werden Sie erfahren, dass es nicht nur zu Verwirrung führen, sondern auch Schaden anrichten kann, wenn man die Welt ausschließlich durch die Ansteckungsbrille betrachtet.

Rätselhafter Skorbut

Noch vor wenigen Hundert Jahren galt Skorbut als Krankheit, die von Mensch zu Mensch übertragen wurde. Nach mehreren Monaten auf See erkrankten Seeleute häufig einer nach dem anderen und wiesen dabei identische Symptome auf: Zahnfleischbluten, Zahnverlust, die Bildung von roten und blauen Blutergüssen auf der Haut. Wenige Wochen nach dem ersten Fall war häufig die gesamte Besatzung betroffen. Aufgrund der Art und Weise, wie sich der Skorbut ausbreitete, war für Marineärzte die Sachlage eindeutig: Die Krankheit ist ansteckend. 5 Diese Fehleinschätzung erwies sich als fatal und ausgesprochen kostspielig, denn in der Zeit von 1500 bis 1800 starben über 2 Millionen Seeleute an Skorbut. 6 Hätte man nicht zahllose Jahrzehnte damit vergeudet, diesem falschen Glauben anzuhängen, wäre die wahre Ursache möglicherweise deutlich früher entdeckt worden.

Die typische Tagesration eines englischen Matrosen im 16. Jahrhundert sah wie folgt aus: eine kleine Portion Butter und Käse, ein Pfund Brot oder Schiffszwieback, Trockenfleisch (Rind, Schwein oder Fisch) und etwa 4 ½ Liter Bier. Zwar standen an Bord auch frische Lebensmittel zur Verfügung, aber die mussten die Seeleute selbst bezahlen, und nur die wenigsten wollten sich die zusätzlichen Ausgaben für etwas leisten, was als »nebensächlicher Luxus« galt. 7 Den Menschen der damaligen Zeit war nicht klar, wie wichtig der Verzehr von frischer, vollwertiger Kost ist – ein Umstand, der Flotten aus aller Herren Länder über mindestens 3 Jahrhunderte hinweg große Probleme bereitete.

Im 18. Jahrhundert gab es für Marinestreitkräfte rund um den Globus keinen größeren Feind als den Skorbut, doch noch immer hatte niemand ein Mittel gefunden, diesen Gegner zu bezwingen. In einer Abhandlung zum Thema veranschaulichte der schottische Marinearzt James Lind Mitte des 18. Jahrhunderts den Ernst des Problems:

»Es heißt, Heere würden mehr Männer durch Krankheit verlieren als durch das Schwert. In unseren Flotten und Geschwadern bewahrheitet sich diese Beobachtung – allein der Skorbut richtete dort während des vergangenen Krieges mehr Schaden an und beendete mehr wertvolle Leben, als es die gemeinsamen Anstrengungen französischer und spanischer Waffen zu leisten imstande waren.« 8

Lind war sich des Ausmaßes dieser Bedrohung bewusst, und so machte er es sich zur Aufgabe, die Ursachen dieser Krankheit herauszufinden und dort Erfolg zu haben, wo so viele vor ihm gescheitert waren.

Zu diesem Zweck entschied er sich für einen logischen und systematischen Ansatz – die erste kontrollierte Studie in der Geschichte der klinischen Medizin. 9 Auf einer Reise im Jahre 1747 erkrankten an Bord von Linds Schiff 80 Mitglieder der Besatzung an Skorbut. 12 Männer wurden in Quarantäne geschickt und erhielten für einen kurzen Zeitraum alle dasselbe Essen. Kurz darauf unterteilte Lind die Männer in sechs Gruppen à 2 Personen und verabreichte jeder Gruppe eigenes Essen. Dabei beobachtete er, dass sich die Männer, die frische Orangen und Zitronen erhielten, in weniger als einer Woche erholten, während sich der Zustand derjenigen Seeleute, die kein Obst bekamen, weiter verschlechterte.8 Lind gelangte zu dem Schluss, dass Skorbut keine ansteckende Krankheit ist, erkannte jedoch die wahre Bedeutung seiner Entdeckung nicht: Er schlussfolgerte nicht etwa, dass Skorbut auf einen Mangel an frischem Obst und Gemüse zurückzuführen ist, sondern glaubte vielmehr, dass die Früchte Schutz vor dem boten, was Lind für die wahre Ursache hielt – Feuchtigkeit. 10

Linds Entdeckung zerstreute zwar einerseits die Angst der Seeleute, sich bei ihren Schiffskameraden mit der gefürchteten Krankheit anstecken zu können, er sprach andererseits aber auch nicht die Empfehlung aus, Seeleuten fortan frisches Obst oder Gemüse zur Verfügung zu stellen, denn derartige Lebensmittel waren verderblich und schlicht zu kostspielig. Er sprach sich stattdessen für ein »Rob« genanntes Saftkonzentrat aus. Was er nicht wusste: Die komplexe Herstellung beraubte den Saft sämtlicher Eigenschaften, die gegen Skorbut wirkten, und machte ihn nutzlos. 11 Seeleute nahmen das Getränk täglich zu sich, erkrankten aber trotzdem an Skorbut. Leider mussten weitere 40 Jahre ins Land gehen, bis frische Zitrusfrüchte und Zitronensaft auf den Schiffen der britischen Marine zum Standard wurden.6,9, 12 1795 wurde angeordnet, dass fortan eine dreiviertel Flüssigunze (22 Milliliter) frischer Zitronensaft zur Tagesration britischer Seeleute zu gehören habe. 13 Quasi mithilfe eines Spritzers Zitrone war der 300 Jahre alte Skorbut-Fluch von da an Geschichte.

Linds Forschung änderte jedoch nichts daran, dass sich bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein die Vorstellung hielt, Skorbut sei eine ansteckende Krankheit. Ärzte wie Hugo Bofinger waren nach wie vor davon überzeugt, Skorbut werde durch ein Virus oder ein Bakterium von Mensch zu Mensch übertragen. Bofinger leitete auf Shark Island vor der Küste Namibias, damals Deutsch-Südwestafrika, die sogenannte »Kranken Eingeborenen Station« und das Feldlazarett XII. Die Insel diente als Gefangenenlager für die Afrikaner, die sich während des Völkermords an den Herero und Nama (1904–1908) gegen das deutsche Kaiserreich erhoben hatten. Bofinger argumentierte, die hygienischen Bedingungen im Lager würden Erreger von Krankheiten wie Skorbut begünstigen. Um seine Thesen zu beweisen, führte er diverse Menschenversuche durch. Dazu spritzte er Gefangenen Arsen, Opium und verschiedene andere schädliche Substanzen. Wenig überraschend erwiesen sich seine Bemühungen als kompletter und umfassender Fehlschlag.14 , 15 , 16 Endgültig zu den Akten gelegt wurde die These von der Ansteckungsfähigkeit von Skorbut erst Anfang der 1930er-Jahre, als der ungarische Biochemiker Albert Szent-Györgyi Vitamin C (Ascorbinsäure) isolierte, jene organische Säure also, an deren Zufuhr es Skorbutkranken mangelt.6

Rätselhaftes Pellagra

Heute gilt Pellagra als ein Mangel an Niacin (Vitamin B3), aber vor nicht einmal 100 Jahren hielt man diese Erkrankung für ansteckend, denn Menschen aus denselben Städten, Gefängnissen, Krankenhäusern oder Waisenhäusern entwickelten mehr oder weniger zur selben Zeit identische Symptome.17 , 18 , 19 Das Krankheitsbild war von den »vier D« gekennzeichnet: Dermatitis, Diarrhö, Demenz, Dahinscheiden. 20 Die Krankheitszeichen waren zyklischer Natur und traten üblicherweise im Frühjahr auf, was zu der falschen Schlussfolgerung führte, dass sich Pellagra von Mensch zu Mensch ausbreite.17, 21 , 22 , 23 Weil Gefängnispersonal, Ärzte und Krankenschwestern vergleichsweise selten an Pellagra erkrankten, fragte man sich, ob sie vielleicht eine Immunität gegen den Erreger entwickelt hatten. Andere wiederum führten diesen Umstand als Beweis gegen die Ansteckungsfähigkeit von Pellagra an.18,19 Derlei Debatten sorgten unter den Ärzten für enorme Verwirrung, und Pellagra wurde als »das größte Rätsel des Medizinerstandes« tituliert. 24

So groß war die Furcht, sich mit Pellagra anzustecken, dass zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine wahre »Pellagraphobie« Besitz von den Vereinigten Staaten ergriff.25 , 26 Viele Krankenhäuser nahmen keine an Pellagra erkrankten Menschen auf, und taten sie es doch, widmete sich das Pflegepersonal den Patienten oft nur widerwillig. Aus Angst vor Ansteckung streikten gar einige Krankenschwestern, nachdem sie angewiesen worden waren, sich um Pellagrapatienten zu kümmern. 27 Um die Übertragung zu verhindern, führten Krankenhäuser Quarantänemaßnahmen durch, doch vergebens. Grundschüler durften nicht am Unterricht teilnehmen, wenn ein Familienangehöriger erkrankt war, während Hotelgäste scharenweise mit Abreise drohten, sollte die Hotelleitung Gäste, die auch nur die leichtesten Pellagrasymptome aufwiesen, nicht unverzüglich des Hauses verweisen.28 , 29 , 30

Weil niemand die Ursachen der Erkrankung kannte, versuchten die Ärzte alle möglichen Behandlungsmethoden, auch mit unterschiedlichen toxischen Substanzen wie Arsen und Quecksilber. Weil er überzeugt war, dass ein Parasit Pellagra verursachte, behandelte Dr. Roy Robinson die Haut seiner Patienten mit Quecksilber(II)-chlorid. Nach 3 Wochen war bei 13 seiner Patienten die Dermatitis »praktisch verschwunden«. Daraufhin ließ er die Patienten die Medizin 2 Wochen lang einnehmen, woraufhin auch die Diarrhö der Patienten verschwand. 31 Der Arzt L. P. Tenney wiederum berichtete über außergewöhnliche Erfolge, die er mit einem Medikament auf Arsenbasis bei Pellagrakranken erzielt hatte. Tenney verschrieb seinen Patienten dieses giftige Mittel, und zwar, wie er es formulierte, »auf unbestimmte Zeit oder bis zum Abklingen der Symptome. Anschließend setzte ich es weitere 2, 3 Monate einmal die Woche ein. Der Grundgedanke ist, die Arsensättigung des Patienten zu erhalten. Es ist überraschend, wie viel sie vertragen.« Tenney bestand zudem darauf, dass seine Patienten reichlich Eier und Milch zu sich nahmen. Deren heilsame Eigenschaften übersah er und führte stattdessen die Besserung des Zustands auf die Arsengaben zurück. 32 Seltsamerweise blieb Arsen bis in die 1930er-Jahre »Mittel der Wahl« bei der Behandlung von Pellagra. 33 Es steht außer Frage, dass die beiden radikalen Behandlungsmethoden, die dafür gedacht waren, einen (nicht existierenden) Erreger abzutöten, ihren Tribut von den Patienten forderten. 34

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es drei vorherrschende Theorien zu Pellagra – es handele sich um eine Krankheit als Folge von Mangelernährung, um eine Krankheit als Folge einer Vergiftung oder um eine Infektionskrankheit. 1911 kam die Illinois Pellagra Commission zu dem Befund, die Krankheit gehe auf einen bislang unbekannten lebenden Mikroorganismus zurück. 35 Im Jahr darauf wurde die Thompson-McFadden-Kommission beauftragt, der Sache weiter auf den Grund zu gehen. 2 Jahre später gelangte sie zu dem Urteil, bei Pellagra handele es sich nicht um einen Ernährungsmangel, sondern um eine infektiöse, ansteckende Magen-Darm-Erkrankung. 36 Weil er mit dieser Schlussfolgerung nicht zufrieden war, bat der Sanitätsinspekteur der Vereinigten Staaten (Surgeon General) den Mediziner Dr. Joseph Goldberger, einen »Fachmann« für Infektionskrankheiten, um eine zweite Meinung.17

Goldberger machte dort weiter, wo die Thompson-McFadden-Kommission aufgehört hatte. Um zu bestimmen, ob Pellagra ansteckend ist, veranstaltete Goldberger sogenannte »Dreckpartys«, bei denen Freiwillige Pillen schluckten, die aus Haut, Fäkalien, Nasensekret, Blut, Speichel und Urin von Pellagrakranken bestanden.17 Als diese Experimente fehlschlugen, spritzte er 16 gesunden Freiwilligen Blut und Nasen-Rachen-Sekret von Pellagrakranken. In keinem einzigen Fall entwickelte eine der teilnehmenden Personen die typischen Symptome oder erkrankte an etwas anderem. 37 Doch damit war noch immer nicht Schluss für Goldberger. Als Nächstes spritzte er sich selbst und seiner Frau Körperflüssigkeiten von Pellagrakranken. Trotzdem blieben sie beide völlig gesund. Diese Versuche zeigten, dass Pellagra nicht ansteckend war und dass entsprechend ein anderer Faktor für die Erkrankung verantwortlich sein musste.17 Die Ironie dabei: Diese Handvoll Experimente dient als Beweis dafür, dass Pellagra nicht ansteckend ist, aber wenn in Dutzenden ähnlicher Experimente nicht nachgewiesen werden kann, dass Erkältungen und die Grippe ansteckend sind, wird dies als irrelevant abgetan. Erstaunlich ist zudem, dass die Probanden gesund blieben, wenn man bedenkt, mit was für einer Ansammlung unerwünschter, keimverseuchter menschlicher Abfallprodukte man ihre Körper traktierte.

Ausgehend von diesen Arbeiten schlussfolgerte Goldberger, dass es sich bei Pellagra entweder um eine Mangelerscheinung oder um eine Vergiftung handelte. Um seine Theorien zu testen, führte er Experimente in Gefängnissen, Waisenhäusern und Irrenanstalten durch, wo er den Versuchsteilnehmern unterschiedliche Diäten vorsetzte. Bei einem der bemerkenswerteren Experimente rekrutierte der Gouverneur von Mississippi Häftlinge von einer Gefängnisfarm für Goldberger. Um den Gefangenen die Teilnahme im wahrsten Sinne des Wortes schmackhaft zu machen, versprach der Gouverneur nach erfolgreichem Abschluss der Versuchsreihe eine vollständige Begnadigung. Die Häftlinge wurden als »Pellagra Squad« bekannt und erhielten 6 Monate lang magere Kost, bestehend aus Maisgrütze, Schweinefett, Melasse, Kohl und Süßkartoffeln. Nach Ende des Experiments hatten 6 von 11 Insassen (54,5 Prozent) Pellagra entwickelt.17, 38

Für Goldberger bewies dies, dass eine »Armenkost« aus Maismehl, Fleisch und Melasse Pellagra verursacht. Dies erkläre auch den jahreszeitenabhängigen Verlauf der Krankheit, glaubte er. Während der Wintermonate ging den Ärmsten der Armen in aller Regel das Geld aus, und sie hielten sich an die billigsten Lebensmittel, die sie bekommen konnten; das waren zumeist Maismehl, Fleisch und Melasse. Diese Ernährung wurde bis ins Frühjahr hinein beibehalten und verursachte so einen chronischen Mangel an dem, das Goldberger als »Pellagraschutzstoff« bezeichnete und das heute »Niacin« (Vitamin B3) heißt.17,35,38 Dass Menschen, die unter einem Dach zusammenlebten, zeitgleich krank wurden, lag mithin also nicht daran, dass die Krankheit zwischen ihnen übertragen wurde, sondern daran, dass ihre Niacinreserven zur selben Zeit zur Neige gingen. Das erklärte auch, warum medizinisches Personal und Gefängniswärter gesund blieben, obwohl sie in engem Kontakt zu den Pellagrakranken standen. Sie waren nicht etwa immun gegen den (nicht existenten) Pellagraerreger, vielmehr war ihre allgemeine Ernährung besser.

Nach der Mississippiflut von 1927 fand man den endgültigen Beweis dafür, dass Pellagra auf Mangelernährung zurückzuführen ist. Goldberger wies die Behörden an, die 50 000 Überlebenden der Katastrophe mit Bierhefe zu versorgen. Eine beträchtliche Zahl derer, die an Pellagra litten, erholte sich daraufhin innerhalb weniger Wochen. Goldbergers Schlussfolgerung: Pellagra ist eine Krankheit, die auf einen Mangel an Niacin zurückzuführen ist.17, 39