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Einen neuen Job annehmen oder den alten behalten? Ein Haus kaufen oder in der Wohnung bleiben? Heiraten oder als Single leben? Unser Leben ist voller Möglichkeiten – und das ist meist wunderbar, aber manchmal auch schlicht eine Qual. Vor lauter Argumenten und Gegenargumenten sind wir blockiert und wissen kaum, wo uns der Kopf steht. Hier hilft der Solo-Kongress, eine Technik, mit der man alle inneren Stimmen, Sorgen, Wünsche, Gedanken und Ideen zusammentragen und in einem neuen Licht betrachten kann. Die Methode unterstützt dabei, die innere Vielseitigkeit und vielleicht sogar Zerrissenheit als Chance zu sehen. Alles, was man braucht, sind Schreibzeug und ein Blatt Papier!
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Seitenzahl: 72
Veröffentlichungsjahr: 2024
Autor und Autorin
Joseph Bendel-Zgraggen ist Psychotherapeut und führte über 40 Jahre eine Praxis für Paar- und Familientherapie, Männerarbeit und Supervision in Luzern. Er war der erste Leiter der Gewaltberatungsstelle in Luzern. Der vierfache Vater und achtfache Grossvater ist mehr als 50 Jahre verheiratet und betreute gut 20 Jahre als Hausmann die gemeinsamen Kinder. Joseph Bendel ist Co-Autor des Beobachter-Ratgebers «Das Paar-Date».
Caroline Fux ist Psychologin lic. phil, Sexologin (MA) und Paartherapeutin. Zudem arbeitet sie als Autorin. Sie betreute während fast zehn Jahren bei der «Blick»-Gruppe den Ratgeber zu den Themen Sex, Liebe und Beziehung. Heute begleitet sie Paare und Einzelpersonen in ihrer eigenen Praxis. Caroline Fux ist auch Co-Autorin der Beobachter-Ratgeber «Was Paare stark macht», «Guter Sex» und «Das Paar-Date».
© 2024 Beobacher-Edition, Zürich
Alle Rechte vorbehalten
www.beobachter.ch
Herausgeber: Der Schweizerische Beobachter
Lektorat: Christine Klingler Lüthi
Gestaltung und Satz: Bruno Bolliger
Illustrationen: Luca Bartulović
Porträtfoto Caroline Fux: Aissa Tripodi
Druck: CPI Books GmbH, Ulm
ISBN 978-3-03875-525-8
Inhalt
Der Solo-Kongress – Einleitung
Was ist ein Solo-Kongress?
Menschen und ihre Dilemmas
1 Sich mit der Unklarheit anfreunden
Warum wir Eindeutigkeit lieben ...
Wir suchen die Lösung
... aber mit Mehrdeutigkeit leben müssen
Unklarheit gehört dazu
Der Zauberbegriff lautet «sowohl als auch»
Unklarheit aushalten und nutzen
Der Vielseitigkeit ein Gesicht geben
Alle sind anders, alle sind wichtig
Ein Maulkorb für den Bösewicht
Was, wenn wir Mehrdeutigkeit unterdrücken?
Mehrdeutigkeit und die andern
Klarer kommunizieren
Ruhig und überzeugend sein
Widersprüchlichkeit bei anderen nachvollziehen
2 Einen Solo-Kongress durchführen
Eine Technik in sechs Schritten
1. Vorspiel – den Kongress aufgleisen
Zeitpunkt wählen
Materialien bereitlegen
Im Moment ankommen
2. Den Kongress starten
Die Kongressleitung übernehmen
Ein Kongresslokal erschaffen
Den Kongress-Titel festlegen
3. Kongressteil «Versammlung»
Sammeln der Wortmeldungen
Blick unter den Tisch
Das Sammeln der Wortmeldungen beenden
4. Kongressteil «Workshop»
Die Arbeit mit den Wortmeldungen
5. Den Kongress abschliessen
Ein Fazit ziehen
Das Fazit mitteilen
6. Nachspiel – aus dem Kongress aussteigen
Gibt es etwas zu tun?
Was passiert mit dem Papier?
Die Rolle als Kongressleiterin, Kongressleiter reflektieren
Sich etwas Gutes tun
Checkliste Solo-Kongress
3 Kongressbeispiele
Kongresse, von einfach bis komplex
Der Autokauf
Der Jobwechsel
Bleiben oder gehen?
Die Kinderfrage
Schlusswort
Literaturliste
Der Solo-Kongress – Einleitung
Das Leben ist voller wunderbarer Möglichkeiten. Vor uns liegen Optionen, wir können Dinge anstreben oder meiden und so die Richtung unseres Schicksals bestimmen. Oft fühlt sich diese Freiheit angenehm an. Wir finden Genuss in der Vielfalt und darin, dass wir selbstbestimmt wählen können.
Es gibt allerdings auch Situationen, in denen Alternativen plötzlich zur Last werden. Weil mehrere Möglichkeiten gleichzeitig reizvoll sind oder uns im Gegenzug gar keine Option zusagt. Weil wir die Konsequenzen unseres Handelns schlecht abschätzen können. Oder weil die Wahl des einen den Verlust des anderen bedeuten würde und uns allein der Gedanke daran schon bitter schmerzt. Die Wahl der Feriendestination, das Einschätzen einer Beziehung oder die Gestaltung einer Patientenverfügung werden plötzlich zu unüberwindbaren Hindernissen. Wir fühlen uns blockiert und vor lauter Argumenten wissen wir kaum mehr, wo uns der Kopf steht.
Vielleicht suchen wir in solchen Fällen Rat bei Freunden, der Familie oder Fachleuten. Vermutlich kommen aber auch diese zum Schluss, dass es einfach keine klare Lösung gibt. Oder das, was uns vorgeschlagen wird, behagt uns nicht und wird unserem Dilemma nicht wirklich gerecht.
Was tun in solchen Momenten? Prescht man einfach vor? Bleibt man stehen? Lässt man das Los entscheiden oder doch eine fremde Instanz? Macht man eine Liste mit Pros und Kontras? Und vor allem: Was tut man, wenn man alle diese Dinge versucht hat, sich aber nichts wirklich gut und passend anfühlt? Wir sagen: Veranstalten Sie einen Solo-Kongress! Zapfen Sie Ihr inneres Wissen auf strukturierte und doch spielerische Weise an. Denn in Ihnen steckt mehr, als Sie unter dem Druck der schwierigen Situation vielleicht gerade spüren und aktivieren können.
Was ist ein Solo-Kongress?
Der Solo-Kongress ist eine wunderbare Technik, mit der Sie alle Ihre inneren Stimmen, alle Ihre Sorgen, Träume, Wünsche, Gedanken und Ideen zusammentragen und in einem neuen Licht betrachten. Die Methode hilft Ihnen, Ihre innere Vielseitigkeit und vielleicht sogar Zerrissenheit wieder als Chance zu sehen.
Als Psychologin und als Psychotherapeut wenden wir beide die Technik des Solo-Kongresses mit unseren Klientinnen und Klienten seit Jahren erfolgreich an. Wir vermitteln die Methode in unseren Praxen und führen die Menschen, die bei uns Rat und Klarheit suchen, durch den Prozess.
Dank diesem Buch können Sie die Technik des Solo-Kongresses problemlos allein lernen und einsetzen. Alles, was Sie brauchen, sind Schreibzeug und ein Blatt Papier. Und die Bereitschaft, vorübergehend ein gewisses Chaos auszuhalten, bevor wieder mehr Ruhe in Ihre gedankliche Welt einkehrt.
Menschen und ihre Dilemmas
In diesem Buch erfahren Sie, warum Mehrdeutigkeit und Ungewissheit in unserem Leben ständige Begleiter sind. Warum sie sich ab und zu stressig anfühlen, mit der richtigen Herangehensweise aber zu einem Schatz werden können. Wir stellen Ihnen nicht nur die Technik des Solo-Kongresses vor, die Sie in Windeseile lernen werden. Wir zeigen auch Brücken zu Ihrem Alltag auf, sodass diese Technik und das Wissen über ihre Hintergründe Sie auch dann hilfreich begleiten, wenn Sie gerade keinen Kongress durchführen. Vor allem stellen wir Menschen und ihre Dilemmas vor. Menschen, die zwischen tollen oder miesen Optionen standen, die sich in komplett verfahrenen Situationen wähnten und die dank des Solo-Kongresses auch harte Entscheidungen wenigstens ein bisschen ruhiger oder sogar leichter treffen konnten.
Warum wir Eindeutigkeit lieben ...
Klarheit ist eine wunderbare Sache. Sie gibt uns das Gefühl, dass wir loslassen und aufatmen können. Hinter jedem To-do steht ein Häkchen, die Verhältnisse sind geregelt und wir können uns mit einem guten Gefühl zurücklehnen. Wenn wir hingegen das antreffen, was wir in diesem Buch «Mehrdeutigkeit» nennen, fängt unser Gehirn an zu rattern. Wir stehen vor Dilemmas, schweren Entscheidungen und Unsicherheiten. Dieser Zustand löst Anspannung aus. Und Anspannung ist etwas, was uns Energie raubt und uns quält, wenn sie anhält. Oder anders gesagt: Klarheit bedeutet Entspannung, Unklarheit Stress.
Eindeutigkeit und Klarheit sind mit einem wichtigen Grundbedürfnis des Menschen verbunden: Sie vermitteln Sicherheit – oder mindestens die Illusion davon. Eindeutigkeit gibt uns das Gefühl, dass alles in Ordnung ist und dass wir nichts zu befürchten haben. Im Gegenzug kann sich Unklarheit wie ein permanenter kleiner Kampf ums Überleben anfühlen. Unklarheit ist im wahrsten Sinne des Wortes Un-Sicherheit, also eine Bedrohung. Und Bedrohungen zu vermeiden ist ein zentrales menschliches Grundbedürfnis.
Wir suchen die Lösung
Eindeutigkeit ist aber nicht nur mit einem guten Gefühl verbunden. Sie wird in unserer Kultur oft auch glorifiziert. Wir teilen die Welt gern in «richtig» oder «falsch» ein, flirten mit dem Konzept «Eine Frau, ein Wort» oder suchen leidenschaftlich bis verbissen nach der Lösung oder dem Weg. Unklarheit und Mehrdeutigkeit stellen wir hingegen oft in die mühsame Ecke. Dabei übersehen wir, dass diese Vielfalt nicht nur normal ist, sondern eben auch viel Potenzial hat.
... aber mit Mehrdeutigkeit leben müssen
Praktisch alle Menschen kennen Dilemmas und Unklarheiten. Sie sind so alltäglich, dass sie uns oft gar nicht auffallen.
○ Wir sitzen auf dem Sofa, den Engel auf der einen Schulter und den Teufel auf der andern. Der eine flötet, dass man die Staffel der spannenden Serie doch ruhig noch zu Ende schauen könne, während der andere mahnt, dass Bewegung und frische Luft längst überfällig wären.
○ Wir sehnen uns nach der Intimität und Nähe einer festen Beziehung, wollen aber gleichzeitig unsere Freiheit nicht aufgeben und tun und lassen können, was wir wollen.
○ Wir haben längst realisiert, dass unser Job uns nicht mehr erfüllt und uns nicht guttut, wir fürchten aber die negativen Konsequenzen, wenn wir ins Blaue hinaus kündigen oder uns sonst wie neu orientieren würden.
Mehrdeutigkeit ist in vieler Hinsicht ein «Fünfer und Weggli»-Problem: Man kann schlicht und einfach nicht beides haben, sehr wohl aber beides gleichzeitig wollen.
Unklarheit gehört dazu
Die vielleicht wichtigste Botschaft im Umgang mit unauflösbaren Dilemmas ist: Sie sind normal. Sie gehören zum Leben dazu und lassen sich nicht vermeiden. Wenn wir uns mit aller Kraft und jederzeit gegen sie stemmen, dann klemmen wir einen wichtigen Teil der Realität ab. Dadurch verlieren wir Energie und verpassen es, bedeutungsvolle Informationen aus schwierigen Situationen mitzunehmen.
Das Ziel sollte also nicht sein, Mehrdeutigkeit aus dem Leben auszumerzen, sondern sie geschickt zu nutzen. Das setzt in einem ersten Schritt voraus, dass man die Existenz von Unklarheit, Mehrdeutigkeit und Unsicherheit zunächst einmal anerkennt und akzeptiert. Dadurch legt man den Grundstein, um etwas Positives aus der Situation zu machen. Und genau dabei wird Ihnen dieses Buch helfen.
Der Zauberbegriff lautet «sowohl als auch»
