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Wie kann man sich die Ewigkeit vorstellen? Welche inneren Bilder tun uns gut und vermindern unsere Angst vor dem Unbekannten. Das Eingehen in eine Ewigkeit als Heilungsprozess zu verstehen und sich entsprechende Vorstellungen zu suchen, kann trösten, stärken und den Lebensmut erhöhen. Das Buch lässt den Leserinnen und Lesern die Freiheit, sich ihre eigenen Bilder bewusst zu machen. Es ist ein Versuch, sich dem Unbekannten auf heilsame Weise zu nähern.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 77
Veröffentlichungsjahr: 2020
Einleitung
Nichtwissen
Denken in Bildern
Nicht dran glauben
Todesbilder
Reflektion
Der Weg
Aus reiner Liebe
Sich fallen lassen
Sterben macht neugierig
Vogelflug
Himmelsleiter
Über den Fluss
Frische Luft
Morgenröte
Bei Christus sein
Ich bringe jemand mit
Hochzeitsmahl
Ja ohne Nein
Reflektion
Loslösung
Schweben
Tod und Freiheit
Freuen dürfen sich alle
Der Same stirbt
Verzeihen
Gericht
Tränen
Ich
Sternenstaub
Reflektion
Heilung
Schlaf
Stimme von oben
Mein eigenes Leben
Der Lebensfilm
Buch des Lebens
Wozu bin ich da?
Schere
Reflektion
Spiel der Engel
Die Posaune
Kindlich werden
Viele Wohnungen
Der Baum des Lebens
Spaziergang
Meine Liebsten
Wie die Träumenden
Spiel der Engel
Reflektion
Rückblick auf das Leid
Gespräch über Gerechtigkeit
Dem Leid widerstehen
Leiden als Korrektur
Leid und Gottvertrauen
Warum das Kreuz?
Reflektion
Friedensreich
Heiligung
Defilee
Das himmlische Jerusalem
Kirche fällt auseinander
Sprachfähigkeit
Teil von etwas Größerem
Da fehlt einer
Befreite Schöpfung
Reflektion
Die noch nicht so weit sind
Trauernde und Angehörige
Lachen der Engel
Liebevoller Blick aus dem Jenseits
Reflektion
Stille und Einheit
Der Ewigkeit entgegen
Die große Ruhe
Der Engel der Versöhnung
Schwach, aber stark
Weltall
Eingehen in die Natur
Reflektion
Jenseits des Jenseits
Tausend Jahre
Leiser Hauch
Von Angesicht zu Angesicht
Nicht mehr fremd
Reflektion
Zuletzt
Überraschung
Die Hölle
You get what you believe
Zuletzt
Reflektion
Nachwort und Dank
Literaturhinweise
Der Autor
Die Themen Religion und Religionskritik sind für mich immer relevant gewesen, allerdings in unterschiedlichen Lebenssituationen auf unterschiedliche Weise. In meiner Jugendzeit fand ich es toll, wie Abraham ein neues Land zu suchen, das Freiheit und ein segensreiches Leben ermöglicht. In meiner Zeit als junger Erwachsener ging es mir um die religiös motivierte Anstrengung zum Frieden und zur weltweiten Gerechtigkeit. Dann, als ich viele Jahre in einem psychiatrischen Krankenhaus arbeitete, wurde mir der Beitrag der Religion zur psychischen – und körperlichen - Gesundheit bewusst. Das geschah einmal durch das gemeinsame Singen mit Patienten, vor allem aber durch die Entdeckung, dass Patienten und Patientinnen sich in der psychischen Krise an religiöse Symbole erinnerten oder gar eigene schufen.
Jetzt, als Pensionär in der vorletzten oder letzten Lebensphase, spüre ich bei mir ein anderes Bedürfnis. Ich suche im Bereich der Religion Antworten auf die Frage nach dem Danach: Gibt es noch etwas nach dem Tod, gibt es das „ewige Leben“? Ich sehne mich nach Hoffnungsbildern, tröstlichen Vorstellungen von dem, was mich in meinem alternden Leben erwartet, vor allem aber auch, was mich im Tod und nach dem Tod erwartet. Ich erwarte eine trostspendende Vorstellung von der Ewigkeit.
Wenn ich sage „Bilder der Ewigkeit“, dann meine ich nicht den besonders spirituell qualifizierten Augenblick im Diesseits, den die meisten Menschen irgendwann in ihrem Leben einmal spüren, sei es im Anhören von Musik oder in einem besonderen Erlebnis von Schutz vor Gefahr. Ich meine tatsächlich das Jenseits, also das, was kommt, wenn das Herz aufgehört hat zu schlagen und das EEG eine Nulllinie zeigt.
Ich suche innere Bilder von dem Danach, die gut tun. Natürlich kann ich nicht wissen, was jenseits des Todes ist, kein Mensch kann das wissen. Noch keiner ist zurückgekommen, wie man so sagt, auch die Neurowissenschaften sind per definitionem nicht in der Lage, über das Empirische hinauszugucken. Sie können nur die neurologischen Grundlagen innerer Bilder beschreiben, vielleicht auch ihre Funktion für den ausgeglichenen seelischen Haushalt der Person, mehr nicht. Aber es gibt auch eine Gewissheit des Glaubens, es gibt Vorstellungen, die in sich eine überzeugende Wirkung haben, die evident sind, und es gibt Vorstellungen, die einmal für viele Menschen evident waren und darum in der Tradition aufbewahrt sind.
Ich fing an, Sprachbilder zum Thema Ewigkeit zu sammeln, und ich kam mit vielen Bekannten und Freunden darüber ins Gespräch. Es entstand langsam ein kleiner Schatz an Jenseitsvorstellungen. Manches habe ich selbst gefunden oder erfunden, manches kommt erkennbar aus der biblischen Tradition, manches ist mir erzählt worden oder irgendwie zugefallen, manches erahne ich nur oder erhoffe es mir.
Es ist alles sehr persönlich, kommt aus meinen persönlichen Bedürfnissen und aus denen der Menschen, mit denen ich gesprochen habe.
Aber diese persönlichen Jenseitsvorstellungen bilden in meinen Augen einen wertvollen Schatz. Etwas aus diesem Schatz möchte ich weitergeben ohne den Anspruch, eine irgendwie durch Kirche legitimierte Lehre weiterzugeben oder gar eine Übersicht unterschiedlicher Jenseitsideen zu bieten. Meine Sprachbilder sind subjektiv. Sie sollen Wegbegleitung oder Trost, auf jeden Fall aber für den Leser und die Leserin ein Anlass zum eventuellen Widerspruch sein - und natürlich auch eine Anregung, sich der eigenen Jenseitsvorstellungen bewusst zu werden. Widerspruch in diesem sehr persönlichen Bereich ist normal und Zeichen einer lebendigen Spiritualität. Mein Ziel ist erreicht, wenn die Leser sich ihrer eigenen Bilder bewusst werden, in Zustimmung oder auch im Widerspruch zu den Texten dieses Buches. Die nach jedem Kapitel eingefügten Reflektionen helfen den Leserinnen und Lesern, innezuhalten, das Gelesene zu bewerten und sich der eigenen Position bewusst zu werden. Zu diesem Ziel führt auch die subjektiv lyrische Form der Texte. Poesie macht die Leser frei, selbst poetisch kreativ zu werden. Insofern ist das Ich in den Texten nicht als mein Ich, sondern als ein lyrisches Ich zu verstehen.
Jeder Leser und jede Leserin hat also eine gewisse Wahlfreiheit, auf welche Bilder der Ewigkeit er sich einlässt und auf welche nicht. Indem jemand ein inneres Bild öfter für sich wiederholt, räumt er ihm allerdings eine Wirkung ein. Wie man aus unterschiedlichen Formen der Psychotherapie weiß, fördern oder behindern innere Bilder die Seele, sie stärken oder schwächen Resilienz. Bildliche Vorstellungen der Ewigkeit machen ängstlicher oder freier, stärker oder gelassener, angepasster oder widerstandsfähiger, glücklicher oder unglücklicher, je nachdem. Sie sind wirklich, weil sie eine Wirkung haben. Sind sie „gefunden“ oder „erfunden“? Wer das Richtige „gefunden“ hat, wird wahrscheinlich nicht von „Erfinden“ sprechen, denn die Jenseitsvorstellungen sind subjektiv, aber nicht beliebig. Sie haben ihre Überzeugungskraft in sich, sie leuchten ein. Auch wenn natürlich immer der Zweifel und das Nichtwissen bleibt. Ich habe Gewissheit und muss mir gleichzeitig eingestehen, dass ich nichts weiß. Unser Wissen ist ein Wissen des Glaubens in einem Meer von Nichtwissen.
Manche Gesprächspartner haben mir gesagt, sie hätten gar keine Vorstellung vom Jenseits. Da habe ich meine Zweifel. Können wir Menschen überhaupt denken, außer vielleicht in der reinen Mathematik, ohne unsere Gedanken mit Assoziationen aus der Erfahrung zu unterlegen? Einen meiner atheistischen Freunde habe ich beispielsweise einmal gefragt, wie er sich die Ewigkeit, das Jenseits vorstellt, und er sagte: Ich komme aus dem Nichts und gehe wieder ins Nichts. Eine ehrliche Antwort, die Wertschätzung verdient. Auch eine keineswegs seltene Antwort. Aber ich merkte, dass mich fröstelte. Ich merkte, wie sich diese Antwort für mich verwandelte. Aus der reinen Negation wurde für mich sehr schnell etwas, was zwar nicht sichtbar oder hörbar ist, aber doch mit einem Körpergefühl verbunden ist. Das „Nichts“ verwandelte sich für mich in die Erfahrung der Kälte. Wir können das „Nichts“ eigentlich nicht hören, sehen oder spüren, geschweige denn riechen oder schmecken. Darum veränderte die reine Negation sich für mich - ungewollt - in eine Erfahrbarkeit. Als Menschen sind wir darauf gepolt, in Erfahrbarkeiten, meist in Bildern zu denken, weniger oft auch in Geräuschen oder Körperempfindungen. Wir denken also auch die Ewigkeit in Bildern, und selbst wenn ich sage „Das Nichts“, schleichen sich schnell irgendwelche Bilder oder Gefühle ein. Wenn ich mir aber zugestehe, dass ich ein Bild vom Jenseits haben darf, dass ich mich in bildlichen Konstrukten an dieses Thema annähern darf, dann tut sich mir eine reiche Welt auf. Vielleicht drückt sich manchmal in der Aussage, dass jemand gar keine Vorstellung hat, lediglich ein gewisser Widerstand dagegen aus, sich mit dem Thema Tod und dem Danach zu befassen.
Bei vielen meiner Bekannten tauchte aufgrund meiner Frage allerdings als erstes eine Art Gerichtsszene vor dem inneren Auge auf. Christus auf einem Thron, der die Menschen in Gute und Böse einteilt. Die Guten kommen in den Himmel, die Bösen müssen in der Hölle leiden. Ähnliche Vorstellungen sind auch im Islam dominierend. Auch bei den meisten Menschen, die strikt ablehnend eingestellt sind, also rundheraus die Existenz von so etwas wie Ewigkeit leugnen, ploppen sehr oft solche Bilder auf. Solche Bilder machen Angst. Manche haben schon in ihrer Kindheit wegen solcher Ewigkeitsvorstellungen unter Ängsten gelitten, was allerdings nach meiner seelsorglichen Erfahrung im christlichen Bereich inzwischen selten geworden ist. Ich kann gut verstehen, dass diese Vorstellungen abgelehnt werden. Wenn solche Gerichtsszenen das Einzige wären, was Kirche zum Thema ewiges Leben zu sagen hat, wäre es sehr schade.
Gott sei Dank, es gibt eine wunderbar reiche Welt der Glaubensvorstellungen über die Ewigkeit. Man findet dort wahre Schätze, Tröstliches und Erfreuliches, Phantastisches, Liebevolles, vielleicht manchmal auch Humoriges oder Skurriles oder einfach Merkwürdiges.
