Jedermanns Akte 3 - Peter Grosse-Plankermann - E-Book

Jedermanns Akte 3 E-Book

Peter Grosse-Plankermann

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Beschreibung

Jedermann und seine Freunde haben sich etlichen Herausforderungen stellen müssen. Ihr eigenes Leben lief in geordnete Bahnen, die sich aber nicht als lebenswert herausstellten. Sie wurden mit vertanen Leben konfrontiert, die ihr Leben in den Schatten stellten. Die Zusammenkunft mit dem Herrn, der die Todesstrafe erhielt, berührte sie so stark, dass sie danach sehr nachdenklich wurden. Man kann in Teufelsküche kommen, ohne viel eigenes Zutun. Man sollte schon die Oberhand über sein Leben haben und sie auch behalten.

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Seitenzahl: 287

Veröffentlichungsjahr: 2015

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„Andere belügen ist bei Weitem nicht so schlimm wie sich selbst belügen.“

Leo Tolstoi

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 1

Sie fanden sich nach der Dienstreise auf der ihnen bekannten Terrasse wieder. Die Reise hatte sie doch etwas mehr bewegt, als die drei Herren es sich eingestehen wollten. Die Eindrücke waren einschneidend und machten nachdenklich. Wie leichtfertig gehen Menschen mit dem Leben anderer Menschen um. Aber sie erinnerten sich sehr schnell wieder, weswegen sie hier auf der Terrasse standen. Die Arbeit rief.

Eine Doppeltür stand auf. Sie gingen zu dieser Tür und betraten den sich hinter der Doppeltür befindlichen Kubusraum. Kaum hatten sie ihn betreten, schloss sich auch schon die Tür. Auf dem Schreibtisch lag bereits eine Akte und hinter dem Schreibtisch saß eine wunderschöne Dame.

Dann ging die Tür zum Korridor auf und eine traurige Frau kam, von Tod begleitet, herein. Der Tod führte Sie bis zum Sessel, der vor dem Schreibtisch stand und bat sie Platz zu nehmen. Als sie saß, neigte sie ihr Haupt und sank in sich zusammen. Trauer erfüllte den Raum. Sie blickte kurz auf und sah in die Runde. Sie blieb in ihrer gesenkten traurigen Haltung sitzen und wieder senkte sie ihren Blick. Sie stammelte etwas Unverständliches und schwieg.

Wieder aufblickend fragte sie: „Wo bin ich hier“? „Ihr Leben hat eine andere Wendung bekommen, deswegen sind sie hier. Sie sind an einem sicheren Ort. Von hier aus können sie wieder durchstarten, wenn sie wollen“? Sagte die Schönheit hinter dem Schreibtisch. „Was heißt durchstarten? Ich habe eine Familie, um die ich mich kümmern muss, da kann ich nicht einfach machen, was ich will.

Mein Mann ist vor kurzem gestorben, aber das war eine Erleichterung für uns alle. Er hat uns terrorisiert. Er wollte immer gelobt und geachtet werden, weil er der Vater war. Er verlangte von uns, dass wir ihn wegen seines Vaterseins auf einen Sockel zu stellen hätten.

Er hat mit seinem Gehabe, die ganze Familie beherrscht. Alles musste sich nach Ihm richten, hatte einer von uns mal einen Einspruch, wurde er sofort niedergebrüllt.

Tagelang war er unausstehlich und spielte die beleidigte Mimose. Schmollend mit vernichtenden Blicken hat er uns dann bedacht. Er hörte erst damit auf, wenn wir uns alle bei ihm entschuldigt hatten und dann mussten wir hochheilig Besserung geloben.

Er hat sich über die vielen Jahre, wo wir verheiratet waren, zum echten Scheusal entwickelt und es wurde immer schlimmer, je älter er wurde. Die Krönung des Ganzen war ein Herzinfarkt, den er uns anlastete. Aber den konnte er nicht so richtig gegen uns ausleben, da der Infarkt schließlich und endlich tödlich war. Mit einem Groll gegen uns ist er von uns gegangen.

Ich darf das zwar so nicht sagen, weil ich mich an einem Toten versündige, aber sein Tod war eine Erlösung für uns alle. Mir fiel ein Stein vom Herzen, als der herbeigerufene Arzt mir mit großer Anteilnahme sagte, dass er tot sei. Ich spielte die trauernde Witwe für die Leute, aber sobald ich aus ihrem Blickfeld war, freute ich mich. Ich weiß, dass ich mich um Kopf und Kragen rede, aber ich muss dass alles einmal sagen, um es loszuwerden“!

Während sie sprach, hatte Jedermann einen Blick auf den Aktendeckel geworfen und die Information erhalten, wer die Frau in Wirklichkeit war. Vor ihnen saß Frau Sauer, Dulde Sauer, die Frau von Despotan Sauer, der auf dem Komposthaufen sein derzeitiges Dasein fristete.

Kaum hatte Frau Dulde Sauer ihren Bericht beendet, schaute sie betroffen in die Runde und erwartete eine heftige Schelte. Sie ging sofort wieder in die geduckte Haltung und hielt ihre Arme schützend vor sich. Sie war, wie man unschwer sehen konnte, großen Kummer gewohnt.

„Frau Sauer ihnen geschieht hier nichts. Es ist gut, dass sie das mal gesagt haben, aber das war uns alles bereits bestens bekannt“! beruhigte die Schönheit sie. „Sie haben keine gute Meinung von ihrem verstorbenen Mann“! Behauptete die Schönheit nun.

„Wenn ich ehrlich sein darf, nein. Ich hasse ihn vielmehr. Irgendwann schwenkte meine Zuneigung, die ich für ihn hegte, um in Ablehnung. Als ich mit ihm darüber reden wollte, brüllte er mich an und wies mich an, dankbar und froh zu sein, dass ich überhaupt seine Frau sein darf. Von da an wandelte sich die Ablehnung in Groll und Wut auf ihn, die ich nur verdeckt halten durfte.

In den letzten Jahren ist daraus Hass geworden. Ja ich kann sagen, bitte nehmen sie mir das nicht allzu sehr übel, was ich jetzt sage, ich hasse meinen Mann. Ich hasse ihn Abgrund tief, für das was er mir und meinen Kinder mit seiner lächerlichen Vateranbetung, ich kann schon sagen Vatervergötterung angetan hat. Ich glaube auch, dass seine Kinder keine gute Meinung von ihm haben. Denn bei ihnen konnte ich eine Erleichterung, ja sogar Erlösung, feststellen, als sie vom Tod ihres Vaters hörten.

Nach dem Tod meines Mannes wurde das Leben einfacher und harmonischer. Ich kam plötzlich viel besser mit meinen Kinder klar, aber eine schon seit längerem diagnostizierte Herzerkrankung, die durch den Tod meines Mannes eine Besserung erfuhr, war aber schon so weit fortgeschritten, dass mein Arzt das Schlimmste befürchtet. Er fürchtet, dass ich bald sterben könnte.

Jetzt bei ihnen fühle ich mich wieder pudelwohl, sodass ich meinen Arzt beruhigen kann. Momentan trotze ich vor Kraft, denn ich konnte endlich mal, ohne ein Blatt vor den Mund nehmen zu müssen, über meine Pein reden. Das hat mir die ganze Zeit gefehlt. Ich hätte schon viel eher darüber reden müssen. Da muss ich erst zu ihnen kommen, um mir mal den Dreck vom Herzen laden zu können. So jetzt geht es mir schon viel besser. Jetzt möchte zurück zu meinen Kindern, um endlich meinen schrecklichen Mann zu vergessen.“ Bei dieser Ankündigung stand sie aus ihrem Sessel entschlossen auf.

„So einfach ist das auch wieder nicht“! Sagte die Schönheit hinter dem Schreibtisch. „Sie haben eine schwere Herzerkrankung gehabt und damit muss ich ihrem Arzt Recht geben, der um ihr Leben besorgt war, die letztendlich doch so schwer war, dass sie daran gestorben sind. Sie sind auf Grund der schweren Herzprobleme hier bei uns.“

„Sind die denn so schlimm? Ich fühle mich jetzt stark und vital, wie schon lange nicht mehr. Ich kann damit Bäume ausreißen. Da können sie doch nicht sagen, dass ich tot bin. Ich lebe und zwar sehr gut, tot ist tot und das ist etwas ganz anderes. Ich lebe und darüber bin ich sehr froh. Endlich kann ich ein neues Leben anfangen und meine Träume verwirklichen, denn ich habe noch so viel vor. Ich bin froh, dass mein Mann fort ist und nie mehr wieder kommen kann. Ich werde ihn so schnell wie möglich vergessen, denn er passte schon lange nicht mehr in mein Leben. Wie komme ich bitte schön wieder nach Hause? Kann ich meinen Sohn anrufen, damit er mich abholen kann“? Sprach sie im Stehen und hatte die Absicht zu gehen.

„Ich sagte ja schon, dass das alles nicht so einfach ist“! Sagte die Schönheit. „Kann ich nicht wenigsten meine Kinder anrufen, damit sie sich keine Sorgen machen brauchen“?

„Sie brauchen ihre Kinder nicht anzurufen, denn sie wissen, wo sie sind.“ Entgegnetet die Schönheit. „Das beruhigt mich schon. Seit dem Tod ihres Vaters machen sie sich große Sorgen um mich.

Sie wissen ja mein Herz. Ich möchte ihnen nur sagen, dass ich mich kerngesund fühle, mehr will ich nicht“! Bettelte Frau Sauer fast. „Auch das brauchen sie nicht“! Redete geduldig die Schönheit auf sie ein. Offensichtlich freute Frau Dulde Sauer sich auf ein Leben ohne ihren tyrannischen Ehemann.

Frau Dulde Sauer hatte schon längst die Trauerphase hinter sich gelassen und befand sich seit geraumer Zeit in der Hassphase, die sie aber nur sehr verhalten lebte. Dieses Verhalten war der Auslöser ihrer Herzprobleme, an der sie auch starb. Sie fraß ihren gesamten Hass in sich und belastete ihr Herz und zwar so groß, dass es erst kränkelte, um sich dann in eine gefährliche Herzschwäche zu wandeln, die letztendlich tödlich war.

Der nicht gelebte verinnerlichte Hass, den sie auf ihren Mann hegte, hatte sie umgebracht. Sie hatte sich dadurch selbst umgebracht. Letztendlich war sie eine Selbstmörderin. Sie vergiftete sich mit ihrem in sich gekehrten Hass, der ihrem Mann galt, selbst. Kurz nach dem Heimgang ihres Gatten, folgte sie ihm. Ihr Gatte, Herr Despotan Sauer, hatte einen tödlichen Herzinfarkt gehabt, der auf permanenten Stress zurückzuführen war, den er sich durch seine Selbstbehauptungsattacken, die er ausschließlich nur bei seiner Familie anwandte, in sein Leben holte.

Wenn man den Maßstab anwendet, wie er bei seiner Frau zu Grunde gelegt wurde, dann hat er ebenfalls Selbstmord begangen. Auch er war dann ein Selbstmörder. Der Stress führte zu einer permanenten Vergiftung seines Körpers, deren er sich durch den Herzinfarkt entledigen sollte. Das Herz war nicht mehr in der Lage, das Gift, das Stress war, zu bewältigen. So starben beide Eheleute kurz hintereinander an der gleichen Krankheit. Frau Sauer hätte sich zu Lebzeiten Luft verschaffen müssen, indem sie ihren Ärger, Wut und Hass auf ihren Mann hinausschreien sollen, während er mit seinem Quatsch einfach aufhören musste. Aber sie zogen es lieber vor, mit ihrer ehelichen Pflichtveranstaltung weiterzumachen, um letztendlich einen vorzeitigen Tod den Vorzug zu geben.

Sie gaben sich durch ihr gegenseitiges Verhalten selbst ihre Sterbesakramente. Sie lagen aber mit ihrer Eheführung nicht allein da. Viele Eheleute üben sich täglich in der erfolgreichen gegenseitigen Lebensschwermachung, was sie auch noch als gute Ehe bezeichnen.

Wut, Hass, Frust, Verzweiflung, sind die Gefühle, die sie sich durch ihr gutes Eheleben leisten können. Verrat, Betrug, Unterdrückung scheinen ebenfalls Ehesakramente zu sein, die jeweils ein Ehepartner dem anderen spendet. Es sind die Würzungen, die eine Ehe erst zu einer Ehe machen.

So sehen also die Rezepte einer guten Ehe aus, die nach Jahrzehnte langer Erprobung den Halt der Ehe zu garantieren pflegen. Leider trennt in vielen Fällen Gevatter Hein, die so inniglich verbundenen Ehepartner zu früh.

Ein klassisches Beispiel einer vorbildlichen Ehe waren die Eheleute Sauer. Man sollte da jetzt nicht die Nase rümpfen und sich genüsslich zurücklehnen, weil man der Auffassung ist, dass bei einem selbst alles in Ordnung sei. Weit gefehlt, denn der Selbsttäuschung stehen alle Wege offen.

Frau Dulde Sauer war aber noch nicht ganz davon überzeugt, dass ihre Kinder voll im Bilde wären.

„Frau Sauer sie haben einen enormen Groll auf ihren Mann. Wollen sie sich weiterhin den Groll reinziehen? Oder wollen sie nicht mal ihrem Ärger richtig freien Lauf lassen“? Sprach Jedermann Frau Sauer an.

„Es wäre schön, wenn ich das mal richtig könnte. Aber mein Mann ist tot und deshalb kann ich ihm nicht die Dinge sagen, die ich ihm schon in der Ehe hätte sagen sollen. Selbst wenn ich das versuchen würde, er würde sofort wieder anfangen rumzubölken, um mich wieder einzuschüchtern und kleinzukriegen.“ Mit Trauer und Resignation in der Stimme sagte sie das.

„Wenn wir ihnen versichern, dass ihr Mann nicht in der Lage sein wird, rumzubölken, hätten sie dann nicht mal Lust ihrem verstorbenen Mann so richtig die Meinung zu sagen“? Ermutigte Jedermann Frau Sauer.

Frau Dulde Sauer überlegte und sagte dann spontan: „Ich habe zwar Angst, aber mein Hass ist stärker. Ich nehme ihr Angebot an“!

Die Doppeltür schwang augenblicklich auf und gab einen herrlichen Blick auf den Park frei. „Was haben sie für einen wunderschönen Park hier. Der ist ja toll, da leben ja Menschen in dem Park. Was für niedliche Häuschen sie haben. Nein, wie drollig“! Erfreute Frau Sauer sich, als sie auf der Terrasse angekommen waren. Sie folgte den drei Herren, die durch die geöffnete Doppeltür auf die Terrasse gegangen waren.

Dann folgten sie dem Pfad, der zur Hecke führte und verließen den Park durch den Heckendurchgang. Frau Sauer staunte nicht schlecht, als sie den Wetterwechsel mitbekam. Die Quadriga ging schnurstracks auf den Friedhof zu. Der Klang der Totenglocke empfing sie wieder. „Was soll ich auf dem Friedhof? Nachdem ich meinen Mann beerdigt hatte, habe ich mir geschworen, nie wieder sein Grab aufzusuchen.“ Entrüstete sich Frau Sauer.

„Wir gehen ja auch nicht zum Grab ihres Mannes“! Entgegnete Jedermann. Frau Sauer schien jemanden von den Leuten, die auf dem Friedhof waren, zu kennen. Sie war erstaunt, ja fast schon entrüstet, dass man ihren Gruß nicht erwiderte. Leicht irritiert ging sie weiter. Sie kamen wieder an der Bank vorbei, auf der der Dicke dem Dünnen Nachhilfeunterricht gab.

Auch diesmal waren die beiden wieder auf der Bank und der Dicke faselte etwas von einem Tarifabschluss und schien dem Dünnen etwas zu erklären.

Dann waren sie aber schon an der Bank vorbei. Sie gingen jetzt direkt auf die Ecke des Friedhofs zu, an der der Komposthaufen gelegen war. Als sie ankamen, war der Haufen schon beträchtlich angewachsen und Herr Despothan Sauer lag, wie gehabt, voll in ihm. Er war ein Teil des Abfalls geworden.

Frau Sauer traute ihren Augen nicht, als sie ihren verblichenen Ehemann in mitten des Abfallhaufens ausmachte. Wie gebannt starrte sie auf den Haufen. Ihr Mann war ein Teil von ihm. Ihr verstorbener Mann war Abfall, nahm sie erstaunt wahr.

Nachdem sie sich gefasst hatte, sie hatte ja nicht damit gerechnet wirklich ihren Ehemann wiederzusehen, denn der war ja tot. Sie war selbst dabei, als der Sargdeckel auf das Sargunterteil geschraubt wurde in dem sich die Leiche ihres Ehemannes befand.

Sie mussten den Sarg etwas früher schließen, da sich eine vorzeitige Zersetzung ankündigte. Die Gesichtszüge veränderten sich rapide. Sie hatte noch ihren Mann im Gedächtnis mit den veränderten Gesichtszügen. Nun sah sie sein Gesicht, das nichts mehr von dieser einschneidenden Veränderung aufwies. Er sah gesund aus, abgesehen von dem Getue, was er da veranstaltete.

Er, der Herr Despothan Sauer, bedauerte sich. Der Herr bedauert sich auch noch, erbostete sie sich. Sie wollte erst laut loslachen, aber ein Wutausbruch veränderte ihre Stimmungslage. Der Hass, den sie auf ihren Mann hegte, war so groß, dass das von innen kommende Gefühl Frau Dulde Sauer völlig übermannte. Sie verlor die Fassung und stürzte augenblicklich auf ihren Mann.

„Despothan, komm sofort daraus“! Brüllte sie mit überschlagener Stimme und schon hatte sie ihm am Arm gepackt. Sie zog mit allen Kräften und entriss dem modernden Abfallhaufen ihren Mann. Sie hatte dabei so einen Schwung drauf, dass ihr Mann regelrecht aus diesem Haufen herauskatapultiert wurde. Sich überschlagend, suchte sein Körper einen passenden Notlandeplatz, der sich sogleich auch einstellte. Hart schlug er auf dem Boden auf. Er blieb liegen und da war auch schon seine Frau wieder an ihm dran.

Diesmal riss sie ihn mit einem Ruck hoch und Herr Despothan Sauer stand wie eine eins da. Dann haute sie ihm eine runter, das es klatschte. Da kam Herr Despothan Sauer zu sich. „Dulde, ich bin fassungslos! Wie kannst du es wagen mir gegenüber handgreiflich zu werden“? Wollte er losbrüllen, aber da hatte er auch schon ihre Faust in seiner Magengrube. Mit beiden Händen griff er sich an die Magengegend und ging dabei leicht in die Knie.

Er beugte seinen Oberkörper weit nach vorn, um sich Erleichterung zu verschaffen. Dulde stand vor ihm, dabei formte sie ihre beiden Hände zu einer Faust und von unten ausholend traf sie ihren Gatten direkt ins Gesicht. Der kam augenblicklich aus seiner gekrümmten Haltung heraus, überstreckte sich und kippte nach hinten wie ein gefällter Baum. Wieder schlug er hart auf.

Da war aber schon wieder Dulde an ihm dran und riss ihn wieder hoch. Jetzt stand er wieder, aber sein Halt war alles andere als sicher. Dann haute sie ihm erneut eine runter, dass es laut und vernehmlich klatschte. Augenblicklich verdrehte er seinen Kopf aus der Schlagrichtung und seine Beine folgten diesem Beispiel, wobei seine Füße an Ort und Stelle verblieben.

Diese körperliche Verrenkung bewirkte, dass er zu wiederholten Male den Bodenkontakt bevorzugte. Diesmal schlug er noch härter auf. Kaum hatte er unsanften Bodenkontakt, war auch schon wieder Dulde da und riss ihn wieder hoch.

Benommen versuchte jetzt Herr Despothan Sauer, so gut wie er es konnte, sich zu schützen. Aber die harten Schläge seiner Frau setzten ihm arg zu. Er torkelte nach hinten. Dann drehte er sich um und begann vor seiner Frau stolpernd wegzulaufen. Sie setzte hinterher und bedachte ihn mit weiteren harten von Hass getränkten Schlägen.

So trieb sie ihren früher so heißgeliebten Göttergatten über den idyllischen von Frieden beherrschten Ort. Ihren Mann vor sich hertreibend kamen sie auch an dem Grab vorbei, wo die Rapper ihr einmaliges Konzert gaben. Sie waren aber so vertieft in ihrem einmaligen Song, dass sie die Eheleute Sauer nicht mitbekamen. Sie achteten auch nicht mehr darauf wohin sie liefen. Herr Sauer wollte nur weg von seiner Frau, die die Göttin Furie bei weitem übertraf.

In Höhe der Bank, auf der der stumme Herr weilte, versuchte Herr Despothan Sauer, eine Beschwichtigung seiner um sich schlagenden Frau zu erreichen. Unter den heftig verabreichten Schlägen seiner Frau drehte er sich um und bat um Einhalt. Das Ansinnen stellte sich aber als vergeblich heraus.

Seine Frau gab ihm einen Kinnhaken, der ihn wieder nach hinten kippen ließ. Er fiel unglücklicher Weise so auf den stummen Herrn, dass er ihn von der Bank fegte. Herr Despothan Sauer kam vor der Bank zu liegen. Der stumme Herr riss seinen Mund auf, der nur noch aus einem Schlitz bestand und brüllte wie am Spieß: „Das geht entschieden zu weit. Das lasse ich mir nicht mehr gefallen. Ich habe mir mein Leben lang alles gefallen gelassen, aber jetzt ist es ein für alle Mal Schluss damit.“

Herr Despothan Sauer hatte ihn von der Bank direkt auf den Boden befördert. Auch sein Aufschlag war von Härte gekrönt. Er sprang wie ein wilder Puma auf und stürzte sich auf dem am Boden liegenden Herrn Sauer. Aber seine Schläge, die er auf Herr Sauer einwirken lassen wollte, trafen ins Leere.

Bei ihm war noch nicht die Wut so stark, dass er das hätte machen können. Dulde bemerkte diesen Herrn gar nicht, sondern riss ihren Mann wieder hoch. Stark benommen lief der wieder vor ihr her und hatte keine Möglichkeit sich ihrer zu entledigen. Sie hatte eindeutig Heimvorteil und das kostete sie nun voll aus.

Der gedemütigte Mann prügelte noch immer auf die Stelle ein, wo Herr Despothan Sauer gelegen hatte. Er hatte noch nicht mit bekommen, dass Herr Despothan Sauer wieder von seiner Frau hochgerissen wurde.

Frau Sauer attackierte ihren Mann weiter, der sich so gut er konnte zu schützen versuchte. In der Zwischenzeit hatte sich der Stumme etwas beruhigt und stand auf. Kaum stand er, kam Herr Sauer schon wieder auf ihn zu gestürzt.

Da verpasste Frau Sauer ihren Mann einen heftigen Nierenhaken, sodass er sich vor Schmerz aufbäumte und nach vorne torkelte. Dabei kollidierte er abermals mit dem Stummen und riss ihn beim Fallen mit um. Der Stumme geriet unter Herrn Sauer. Herr Sauer kam bei dieser Prozedur auf dem Stummen zu liegen. Das war in dieser Welt etwas Einmaliges. Nachdem die Wucht des Schlages, den Herr Despothan Sauer von seiner Frau erhalten hatte, nachließ, versank Herr Sauer mit dem Schwinden der Wucht langsam in den Stummen bis zum Boden ein.

Der Stumme riss vor Entsetzen die Augen auf und fing wieder wie am Spieß an zu brüllen. Diesmal aber nicht aus Wut, sondern aus blankem Entsetzen. Denn das hatte er noch nie erlebt, dass ein Anderer in ihm einsank. Mit einem Satz war er hoch und rannte schreiend davon. Seine Feigheit gab ihm die nötige Energie, um eine Beschleunigung zu erzeugen, die sich gewaschen hatte.

Er wollte so schnell wie möglich von dem entsetzlichen Ort weg. Eine Erklärung dieses Umstandes wollte er nicht, denn dann hätte er sich zum ersten Mal in seinem Leben stellen müssen. Das Weglaufen war für ihn eine Überlebenstaktik, die ihm seine Lebenserfahrung nahelegte.

Kaum war der schreiende Stumme in der Anfangsbeschleunigungsphase, da riss Frau Sauer ihrem am Boden liegenden Mann wieder hoch und verpasste ihm wieder ein paar Hiebe. Ihr Mann gab Fersengeld. So ging die wilde Jagd über den Friedhof weiter.

Dulde prügelte ihren Mann über den gesamten Friedhof diesem idyllischen Ort des Friedens und der wohltuenden Ruhe. Der Klang der Totenglocke spendete die musische Untermauerung dieser schon seit längeren überfälligen Schlägerei. Dulde war nicht mehr zu bremsen und ihr Mann nicht mehr zu retten.

Jedermann hatte beobachtet, dass seit geraumer Zeit eine Frau die ehelichen Auseinandersetzungen der Eheleute Sauer beiwohnte. Immer wieder schüttelte sie ihr Haupt und brachte damit ihr Unbill zum Vorschein. „Wie kann man sich nur so benehmen! Ich würde mich niemals schlagen und schon gar nicht in aller Öffentlichkeit. Das ist einfach nur impertinent und primitiv“! War der Kommentar dieser Dame, die Jedermann aufschnappte.

,Sie weiß nichts über Frau Sauer. Sie weiß auch nichts über das Martyrium, das sie geduldet hatte. Sie weiß auch nichts über Herrn Sauer. Aber einen Kommentar über die jetzige Entladung, die muss sie von sich geben. Im Leben immer schön behütet gewesen. Nie musste sie sich erwehren. Sie bekam immer alles, was sie wollte. Sie weiß im Grunde genommen nichts über das Leben. Ist das Befähigung genug, um moralische Kommentare zu verfassen, über Dinge, die sie nicht versteht?

Ihr Aktendeckel ist beschwert, von Dingen, die sie im Leben nicht meisterten, aber jetzt sich erdreisten wollen! Eine Heuchlerin ist sie‘! Waren Jedermanns Gedanken zu dieser Frau. Sie konnte nicht ahnen, dass es hier zu einer Entladung von Gefühlen gekommen war, die sich Jahrzehnte aufgeladen hatten, ohne das sie abgeführt worden wären. Den vorzeitigen Tod von Frau Dulde Sauer hatten sie bedingt.

Frau Dulde Sauer trieb ihren Mann weiter über den Friedhof, wobei sie in die Nähe der Bank kamen, auf der Frau Kranklieb Audienz hielt. Bei ihr waren immer noch die vier Herrschaften, die sie retteten. Die Frauen saßen auf der Bank, während die Herren davor standen. Sie alle waren in den Ausführungen von Frau Kranklieb vertieft. „Dann war ich bei Doktor…. und der hat das ….. gemacht. Dann bin ich zu Dr.… gegangen, der hat das und das gemacht“! Hörte Jedermann sie von ihren Krankheiten und dessen Behandlungen haarklein berichten.

Die Frauen hielten sich vor Entsetzen die Hände vors Gesicht und riefen wie aus einem Munde: „Oh, nein, da hat ja wiedermal die gesamte Ärzteschaft total versagt“! Sie verurteilten eine gesamte Berufsgruppe, nur auf Grund einer Dame. Diese wollte unbedingt ihre Krankheiten behalten, um sich damit interessant zu machen. Auch das waren Heuchler wie sie im Buche standen. Verlogene Mitmenschen, die ihr Fähnlein immer nach dem Wind ausgerichtet hatten.

Als die eheliche Auseinandersetzung der Eheleute Sauer sich auf sie zu bewegte, blickten sie auf und sofort konnte man ihre verlogene Ablehnung erkennen, mit der sie die Gefühlsentladung von Frau Dulde Sauer belegten. Entrüstung ließ ihre Körper aufschwellen und ihre Köpfe horizontale Schüttelbewegungen vollführen.

Frau Sauer prügelte ausgerechnet ihren Mann in diese Front der totalen Ablehnung hinein. Die Herrschaften stobten auseinander und gaben Frau Kranklieb den auf sie stürzenden Herrn Sauer preis. Beim Aufprall von Herrn Despothan Sauer auf Frau Kranklieb schrie sie auf, während Herr Sauer von ihr abglitt und zu Boden ging. Frau Krankliebs Rollator fing dabei die meiste Wucht ab.

Der Aufschrei von Frau Kranklieb ließ Frau Dulde Sauer innehalten. Es war nicht ihre Absicht gewesen, einer Frau Schaden zu führen zu wollen. Da erkannte sie Frau Kranklieb. Sie kannten sich aus Lebzeiten, weil Frau Kranklieb ganz in ihrer Nähe wohnte.

Frau Sauer hatte aber sehr schnell herausgefunden, dass Frau Kranklieb mit ihren Krankheiten nur Aufmerksamkeit haben wollte, weswegen sie ihre angeblichen Krankheiten besonders herausstellte und maßlos übertrieb. Frau Sauer hatte sich auch frühzeitig, so gut es ging, von Frau Kranklieb ferngehalten. Sie erinnerte sie an ihren Mann, der, wenn er mal krank war, so eine ähnliche Tour wie Frau Kranklieb fuhr.

„Frau Kranklieb, sie kommen mir gerade Recht! Sie alte Aufschneiderin. Sie haben uns mit ihren aufgesetzten Krankheiten gelinkt, obwohl sie kerngesund waren. Jetzt machen sie ihre Tour so weiter, wie gehabt. Schämen sie sich nicht“? Erboste sich Frau Sauer

„Frau Sauer, ich muss doch sehr bitten“! Konterte Frau Kranklieb, die sich durchschaut wähnte. Sie hatte schon von weiten gesehen, was Frau Sauer mit ihrem Mann angestellt hatte und war deshalb auf alles gefasst. Sie hatte mitbekommen, wie Herr Despothan Sauer sich zu Hause aufgeführt hatte und sie wusste auch, dass Frau Sauer sie schon lange durchschaut hatte.

Sie befürchtete nun ebenfalls eine Abreibung einstecken zu müssen, da sie auch die Menschen um sie herum verballhornt hatte. Die Herrschafften, die sich zu letzt um sie gekümmert hatten, waren Menschen, die durch und durch verlogen waren. Vor denen fürchtete sie sich nicht, aber vor Menschen vom Schlage Frau Dulde Sauer, da ja!

Irgendwann musste ja der ganze Schwindel aufliegen. Sie schob ihren Rollator langsam und vorsichtig zwischen sich und Frau Sauer. Jetzt hatte sie freie Bahn und ehe sich die Anderen versahen, sprang Frau Kranklieb blitzschnell auf und rannte auf den von ihr erkorenen Fluchtweg los.

Frau Sauer stutzte und griff sich den Rollator, den doch Frau Kranklieb so unbedingt brauchte. Mit einem heftigen Stoß beförderte sie ihn Frau Kranklieb hinterher. Im hohen Bogen überflog er förmlich die flüchtende Frau Kranklieb, die dies als Ansporn nahm, um ihr Lauftempo zu erhöhen.

Die dekadenten Herrschaften standen erst mit entsetzten Gesichtern da, um dann ihren Ärger Luft zu machen, als der Krankliebsche Schwindel aufflog. Erbost so verladen worden zu sein, schauten sie der sich schnell entfernenden Frau Kranklieb hinterher, die mit geschmeidigen Bewegungen einen erst klassischen Spurt hinlegte. Sie stellten dabei aber nicht fest, dass sie sich selbst verarscht hatten. Entrüstet entfernten sie sich vom Ort des Geschehens, um sich ein neues Opfer zu suchen, das sie mit ihrer geheuchelten Anteilnahme aussaugen konnten.

Ein Leichtathletiktrainer, der auf der Suche nach Talenten war, sah wie Frau Kranklieb im Begriff war, einen neuen Friedhofsrekord aufzustellen. Er zuckte sofort seine immer und stets bereite Stoppuhr und stoppte eine von ihm bestimmte Strecke, die gerade Frau Kranklieb unter ihren Füssen lief. Ein Blick auf seine Stoppuhr ließ ihn aufschreien: „Hurra neuer Friedhofsrekord. Den soll einer mal toppen. Hurra, Hurra, neuer Rekord“!

Herr Despothan Sauer nutzte die Showeinlage von Frau Kranklieb, um sich aus der Gefahrenzone, die sich um seine Frau befand, zu entfernen. Blitzschnell fand er ein passendes Versteck und tauchte unter. Er versteckte sich vor seiner Frau und leckte seine Wunden.

Seine Frau bekam von ihrem sich entfernenden Gatten nichts mit, da sie sich von Frau Krankliebs Spontanheilung und dessen Folgen beirren ließ. Als Frau Kranklieb aus allen Augen verschwunden war und die dekadenten Herrschaften sich trollten, hielt Frau Sauer wieder Ausschau nach ihrem Gatten, um ihn weiter zu vermöbeln. Ihre Wut auf ihn war noch nicht gänzlich verraucht und sie hatte noch ein paar saftige Kinnhaken im Repertoire, die noch ausgeteilt werden wollten, aber sie fand ihren Gatten nicht mehr.

„Wo ist dieser elende Waschlappen“? Rief sie hinaus, aber der elende Waschlappen verblieb in seinem sicheren Versteck. Nach kurzen suchen stellte sie dieses aussichtslose unterfangen ein und setzte sich auf die Bank, auf der vorher Frau Kranklieb ihre Erzählungen abgehalten hatte. „Das hätte ich schon viel früher machen sollen, aber ich habe mich nicht getraut! Schade, dass ich zu feige war“. Bedauerte sie sich nun selber.

„Zu Lebzeiten war dies ein beschaulicher Ort der Ruhe und der Besinnlichkeit, jetzt in diesem Dasein ist dieser Ort der Treffpunkt aller möglichen gescheiterten Existenzen, die sich hier ein turbulentes Stelldichein liefern“! Sagte leicht süffisant Herr Wissi Allweis in die Runde.

Da wurde es wieder etwas lauter, denn von oben kam ein Mann heruntergelaufen, der wild am Gestikulieren war und dabei rumschrie. Es war der Stumme, der immer noch nicht seinen Schreck verarbeitet hatte. Er lief durch alles hindurch, was ihm im Wege stand. Frau Sauer traute ihren Augen nicht. Da läuft ein Mann durch hammerfeste Grabsteine und Bäume. Mit offenem Mund starrte sie dem sich wieder entfernenden Mann nach. „Was ist das denn“? Wollte sie wissen, aber ohne dass sie jemanden ansprach.

Sie hatte auch noch nicht realisiert, welche Kräfte sie entwickelt hatte, als sie ihren Mann ihren Zorn zu spüren gegeben hatte. Sie war jetzt entschieden besser drauf, als noch vorhin im Kubusraum.

Aus dem zusammengesunkenen in sich gekehrten gedemütigten Häuflein Elend war jetzt eine aufrecht sitzende Frau geworden, die ihren Mann in die Flucht geschlagen und eine Schwindlerin einer neuen Daseinsberechtigung als Friedhofsattraktion verholfen hatte. Da sah sie den Stummen auf dem Hauptweg wieder heran laufen und auch Frau Kranklieb, die sich ebenfalls auf dem Hauptweg befand, aber in entgegengesetzter Richtung rannte.

Der Stumme und Frau Kranklieb liefen auf einander zu. Es musste unweigerlich zu einer Kollision kommen. Als der Stumme die Gefahr erkannte, war es bereits zu spät, um ein Ausweichmanöver zu starten. Er stellte sich auf einen Zusammenprall mit dieser Verrückten ein. Als der Zusammenprall geschah, passierte gar nichts. Die beiden Läufer rannten durch den anderen einfach durch.

Der Stumme schrie dabei wie irre, denn damit hatte er nicht gerechnet. Frau Kranklieb bekam davon nichts mit. Sie lief wie von Sinnen vor sich selbst weg. Auch Frau Sauer bekam davon nichts mit, denn sie war zu weit entfernt, um das Geschehen genauer betrachten zu können und in einem inneren Dialog mit sich selbst gefangen.

„Wie können Männer sich nur das Recht herausnehmen, uns Frauen zu unterdrücken? Welches Recht gibt ihnen das? Sind sie vielleicht mehr wert? Das kann nicht sein! Wenn ich mir meinen Mann betrachte, kommt mir sogleich wertlos in den Sinn. Wir Frauen haben uns immer fügen müssen und das haben die Männer nur für ihre Zwecke ausgenutzt. Wir haben uns ausbeuten lassen. Das ist unser Fehler. Wir haben geglaubt die Herren wären die Großen, dabei sind sie nur Zampanos. Kleine Wichte, die sich wichtig vorkommen.

Ich habe mich all die Jahre von meinem Mann unterdrücken lassen. Habe sogar unsere Kinder für ihn abgerichtet. Alles lief nur nach seiner Nase und ich bin dadurch zerbrochen, weil ich mich nicht mehr gesehen habe. Das Einzige was mich hochhielt, war ein Hass, der sich irgendwann meiner bemächtigte. Ich wusste nicht, dass der Hass meinem Mann galt. Das stimmt ja gar nicht, ich wollte nicht wissen, dass er meinem Mann galt. Ich habe mir mein Leben selbst versaut. Ich kann niemand die Schuld dafür geben. Ich hätte mich rechtzeitig wehren müssen, aber ich war zu feige.

Meine Feigheit hat mein Mann ausgenutzt und gegen mich verwandt. Das hat er dann auch noch eine harmonische Ehe genannt. Seine Ausbrüche hatten nur den Zweck, die Harmonie wieder herzustellen, wenn sie mal ins Schwanken geriet. So hat er mir seine Ausfälle erklärt, wenn ich ihn in einer ruhigen Minute auf seine cholerischen Anfälle ansprach. Dabei waren die Ausfälle nur dazu nutze, seine Position in der Familie zu stärken.

Er wollte Harmonie haben, weil er keine hatte. Ich beklage mich nicht, denn ich habe den Bockmist tatkräftig unterstützt! Wir haben unseren Kindern einen schönen Mist vorgelebt und dafür sollen sie uns sogar noch ehren! Wer ist bloß auf diese hirnrissige Idee gekommen. Wenn diejenigen, die diesen Quatsch in die Welt gebracht haben, ihr Hirn benutzt hätten, wäre mit Sicherheit was intelligenteres dabei heraus gekommen, aber da waren höchstwahrscheinlich Männer am Werk gewesen, die so ein Gebot erstellt hatten, damit sie im Alter auch die Sicherheit hatten, versorgt zu werden.

Wiedermal Männer, die nur an sich gedacht hatten und wir Frauen machen da auch noch mit. An unseren Kindern haben wir festgehalten, weil die uns so eine Art von Fülle gaben. Selber hatten wir eine Leere in uns. Eine Leere und Sprachlosigkeit, die von unseren Kindern gefüllt wurde! Ich, als Mutter, schäme mich dafür, meine Kinder benutzt zu haben, nur weil ich nichts gegen meine Leere und Sprachlosigkeit getan habe, sondern auf dem Rücken meiner Kinder austrug“! Sprach sie zu sich.

Der sich entladende Zorn, den sie auf ihren Mann hatte, hatte dafür gesorgt, dass Frau Dulde Sauer ungestört eine Lebensbeichte vornehmen konnte. Dass sie dabei wo möglich religiös anstößig geworden war und religiöse Gefühle von Gläubigen verletzen könnte, störte sie nicht im geringsten, da sie mit allem und jedem ins Gericht gehen würde, in dem sie beteiligt war.

Auf dieser Bank nahm sie alle Tabus von sich und hielt Gericht über sich selber. Es beschwerte sie aber nicht, im Gegenteil, es befreite sie. Je mehr sie gesellschaftliche Konventionen mit in Betracht zog, um so mehr erkannte sie, dass die nicht unbedingt förderlich für ihre Entwicklung waren. Im Gegenteil, sie verhinderten sie sogar, zum Wohle der Gemeinschaft.

Sie erkannte, dass die gesellschaftlichen Konventionen Produkte der Tabus waren, die die Gesellschaft hatte. Man tötet und mordet niemanden, das ist klar, aber man unterdrückt auch niemanden, das war vielen Menschen zwar auch klar, aber man duldetet es, oder man förderte es sogar, wenn es dem Wohle der Gemeinschaft diente. Die Unterdrückung, die sie durch ihren Mann erfuhr, diente ausschließlich seinem Wohle. Sie war nicht mehr gewillt, dieses Spielchen, das ihr Mann ihr aufgezwungen hatte, weiterhin mitzuspielen. Ab sofort wehte ein anderer Wind.

Die drei Herren bekamen alles haarklein mit. Sie waren froh, einiger Maßen vernünftig mit ihren Frauen umgegangen zu sein, so nahmen sie es jedenfalls an. So eine Attacke, wie sie Frau Sauer ihrem Vorzeigegatten angedeihen hatte lassen, wünschten sie sich für sich nicht. Aus ihrem Vorzeigegatten hatte sie einen Vorführgatten gemacht. Wie war das noch mit dem Sockel?

Die Karriere dieses Herrn begann in diesem Dasein mit einem Abfallhaufen und endete erst einmal damit, dass sich dieser nette Herr der Gattung Mann sich vor seiner Frau versteckt hielt, nachdem er Nachhilfeunterricht in dem Fach, wie verhalte ich mich meiner Frau gegenüber liebevoll und korrekt, erhalten hatte. Nach dem jetzigen Ergebnis hat der Nachhilfeunterricht einen vollen Erfolg auf der ganzen Linie bewirkt. Bravo Frau Sauer. Frau Dulde Sauer war die intelligentere der Eheleute Sauer. Das hielt sie aber nicht ab, ihrem Mann die Stange zu halten.

„Frau Sauer“, sprach Jedermann sie an, „was würden sie machen, wenn sie die Möglichkeit bekämen, ihrem irdischen Leben eine andere Wendung zu geben“?

„Ich würde meinen Mann ein für alle Mal in seine Schranken weisen“! Antwortete Frau Sauer resolut.

„Frau Sauer, es gibt eine Möglichkeit, dass sie und ihr verstorbener Mann wieder in ihr Leben zurück können. Ein optimaler Einstieg ist leicht zu finden, sodass sie und ihr Mann an einer vorher bestimmten Stelle in ihr Leben zurückkehren können. Wir begleiten sie, solange, bis sie einen besseren Lebensweg eingeschlagen haben. Wollen sie die Möglichkeit nutzen“? Fragte abwartend Jedermann.

„Ich bin jetzt etwas durcheinander. Was ich hier wahrgenommen habe, übersteigt mein bisheriges Verständnis vom Leben. Dass das Leben auch solche Fassetten bietet, wusste ich bislang nicht! Am mei