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In diesem Buch wird eine wissenschaftliche Theorie entwickelt, die die Welt in ihrem Zusammenhang beschreibt. Es handelt sich um das Unbewusste Weltgedächtnis. Im Rahmen dieser Theorie werden bislang unerklärliche Phänomene behandelt und erklärt. DieTheorie wird in einen kosmologischen Zusammenhang gestellt. Gleichwohl geht sie weit über unsere bewusste Realität hinaus und entwirft das Konzept einer umfassenden metaphysischen Erklärung der Welt.
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Seitenzahl: 215
Veröffentlichungsjahr: 2021
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„Was die Welt im Innersten zusammenhält.“
Goethe, Faust
Umschlagfotos: Alf Osman
"Wenn man nun davon ausgehen muß, daß im weiteren Ablauf der Evolution geistige Phänomene immer größere Bereiche der Welt repräsentieren werden, so folgt daraus, daß diese Welt sich in den kommenden Phasen ihrer evolutiven Geschichte einer Beschreibung in naturwissenschaftlichen Kategorien immer mehr entziehen wird. Am Endpunkt der kosmischen Evolution würden dann alle wesentlichen Eigenschaften der Welt geistig, und nicht mehr materiell, zu denken sein."
Hoimar von Ditfurth
Die Natur ist der „Durchgangspunkt des absoluten Geistes von der impliziten Unbewußtheit zu der expliziten Bewußtheit seines Inhalts".
Eduard von Hartmann
Vorwort
Einleitung
Erster Teil: Realität
Wie unser Gehirn funktioniert - oder: Der Zahnschmerz des Säbelzahntigers
Spekulation auf dem Boden der wissenschaftlichen Realität
Gibt es eine Religion auf wissenschaftlicher Grundlage?
Psychologische Aspekte der Erkenntnis
Die letzten Fragen - oder: Was bleibt übrig?
Übersinnliche Phänomene in der Parapsychologie
Telepathie
Hellsehen
Präkognition
Psychokinese
Spuk und Poltergeister
Déjà vu
Reinkarnation und Sprachenkenntnis
Nahtoderfahrungen und out-of-body-experiences (OBEs)
Das affektive Feld von Medien
Die Animismus-Spiritismus Kontroverse
Die morphogenetische Feldtheorie
Was sind morphische Felder?
Kleiner Exkurs für Platoniker:
Die Fernseher-Analogie
Der morphische Keim
Eigenresonanz
Resonanz mit anderen Menschen
Eine neuartige Deutung von Naturgesetzen
Das menschliche Gedächtnis
Exkurs: Die Feldtheorie in der Physik
Kosmologie: Der Stand der Wissenschaft
Allgemeine Kosmologie
Spekulative Kosmologie
Zweiter Teil: Spekulation
Hat der Dualismus ausgedient?
Kann unsere Welt materialistisch sein?
Freuds Modell des menschlichen (Unter-)Bewusstseins
Das Eisbergmodell
Das Amöbenmodell
Eine erste Erklärung der Reinkarnation
Das Unbewusste Weltgedächtnis
Das Unbewusste Weltgedächtnis erklärt die parapsychologischen Phänomene
Reinkarnation
Nahtoderlebnisse
Das affektive Feld
Die Animismus-Spiritismus Kontroverse
Konsequenzen der morphischen Feldtheorie
Können wir durch unsere Gedanken Realität erschaffen?
Die Gefahren der Erschaffung von Realität durch Gedanken
Das Philipp-Experiment
Götter, Teufel und Dämonen
Mögliche physikalische Grundlagen des Unbewussten Weltgedächtnisses
Das Einstein-Podolsky-Rosen (EPR)-Paradoxon
Das Unbewusste Weltgedächtnis und die Physik
Die Strings: Mögliche Kandidaten physikalischer Schwingungsfelder?
Wenn wir tatsächlich durch unsere Gedanken Realität erschaffen können ...?
Wie könnte ein „Leben“ nach dem Tod aussehen?
Die vierte Kränkung der Menschheit
Die Ich - Hypothese
Der Spekulation höchste Güte: Die transzendentale Gravitation
Ethische Folgerungen
Die evolutive Entwicklung der Moral
Die Evolution als Grundlage wahrer Toleranz
Die Ethik des Unbewussten Weltgedächtnisses
Zum Schluss noch ein wenig Philosophie
Quantenschaum und energetische Nullhypothese
Wahrheit und Wirklichkeit
Das Eisschollengleichnis der Erkenntnis
Realität und Transzendenz
Ethik
Das Unbewusste Weltgedächtnis
Das Unbewusste Weltgedächtnis als kosmisches Prinzip
Schlusswort
Nachwort
Literatur zum Weiterlesen
Jenseits der Wirklichkeit – eine kurze Erklärung der Welt: Was will uns das sagen? Das Ziel dieses Buches ist es, die noch unerklärlichen Phänomene unserer Welt in einer einheitlichen Theorie zusammenzufassen. Es soll eine Theorie sein, die auf dem Boden der wissenschaftlichen Erkenntnisse steht, obgleich sie große metaphysische Implikationen besitzt.
Eine solche umfassende Theorie geht weit über unsere Wirklichkeit hinaus. Sie umfasst die noch unbekannten Bereiche unserer Wirklichkeit, das sogenannte „Jenseits“, wie auch den metaphysischen Hintergrund unserer Welt.
Bei dieser Fülle ist es schier unmöglich, auf alle folgenden Themen erschöpfend einzugehen. Der Eine mag z.B. manches parapsychologische Phänomen vermissen, der Andere eine tiefere Einführung in die Physik der Quanten- und Stringtheorie. Über alles ließen sich Bücher schreiben. Daher erlaube ich mir, darauf im Einzelnen zu verzichten. Das würde den Rahmen dieses Buches zu sehr sprengen.
Die zentrale Bedeutung einer „kurzen“ Erklärung der Welt ist:
Die Entwicklung einer Theorie, die das Unbekannte diesseits und jenseits unserer Welt im Rahmen eines einheitlichen Weltbildes erklärt.
Dieses Buch hat zwei Abschnitte: „Realität“ und „Spekulation“.
Im Abschnitt „Realität“ werden der derzeitige Forschungsstand und die bisher unerklärten Phänomene unserer Welt dargelegt.
Im Abschnitt „Spekulation“ wird schließlich die im Abschnitt „Realität“ benannte Phänomenlage im Rahmen einer umfassenden Theorie der Welt dargestellt. Dies geschieht in der Absicht, ein einheitliches Weltbild mit Erklärungsfunktion zu generieren, das auf gefestigten wissenschaftlichen Grundlagen basiert und im Gegensatz zu nur religiösen Anschauungen eine glaubwürdige Interpretation der Welt entwirft.
Begeben wir uns also auf die Suche nach: „Jenseits der Wirklichkeit“.
Was ist „Jenseits der Wirklichkeit“? Die Wirklichkeit kennen wir; sie besteht aus unserer alltäglichen materiellen Welt, in der wir uns befinden. Unsere Welt ist kausal, sie besteht aus Ursache und Wirkung und reicht von unserer Geburt bis zum Tod. - Natürlich besteht diese materielle Welt auch noch außerhalb unseres Lebens fort. Das hat sie vor uns getan und sie wird auch noch lange nach uns so sein. Die Frage aber ist: Gibt es etwas außerhalb dieser unserer materiellen Welt, das wir nicht innerhalb dieser Welt erkennen können?
Zum einen zielt diese Frage darauf ab, ob wir Lebewesen auch nach dem Tod noch eine irgendwie geartete Existenz besitzen.
Zum anderen ist die Frage, ob es eine Metaphysik der materiellen Welt gibt, die uns im Diesseits dieser Welt noch verborgen ist und unsere Welt transzendiert.
Die Frage nach dem Jenseits der Wirklichkeit zielt darauf ab, genau dies herauszufinden. Wir können also fragen:
Gibt es ein „Leben“ nach dem Tod, wenn ja, wie könnte dies aussehen?
Gibt es einen metaphysischen Hintergrund unserer physikalischen Welt, wenn ja, wie könnte dieser aussehen?
Zuerst: Was wissen wir über die Wirklichkeit unserer Welt?
Wir wissen, dass wir in einer Welt leben, die Naturgesetzen unterworfen ist. Unsere Kenntnis von dieser Welt, unsere Wissenschaften, allen voran die Naturwissenschaften, haben uns einen Einblick in die innere Struktur dieser Welt verschafft, die unseren Ahnen nie vergönnt war. Wo früher Mythen, Glauben und Aberglauben herhalten mussten, können wir heute wesentliche Strukturen unserer Existenz naturwissenschaftlich erklären.
So rasch die Wissenschaft jedoch fortschreitet, stets wird es Bereiche geben, die unserer Erkenntnis verschlossen bleiben. Wir wissen nicht, ob wir jemals alles wissen werden und ob es Bereiche gibt, die uns auf immer verschlossen bleiben werden.
Alles was wir tun können ist, auf der Grundlage unserer derzeitigen Erkenntnisse die uns noch unbekannten Gebiete zu erforschen.
Wo dies mit Hilfe naturwissenschaftlicher Methoden funktioniert, dort können und müssen wir sie anwenden. Wie aber gehen wir mit jenen Bereichen um, die der naturwissenschaftlichen Erforschung noch nicht zugänglich sind?
Wie können wir erkennen, was 'jenseits der Wirklichkeit' ist?
Das wenigste, das wir tun können, ist darüber nachzudenken. Das hat die bewusste menschliche Gemeinschaft seit jeher getan. Sie hat auf diese Weise Weltanschauungen, Religionen, Aberglauben und esoterische Kunstgriffe entworfen, wie denn die Welt zu betrachten und zu erklären sei. All diese Weltanschauungen haben ein ihnen eigenes Weltbild entworfen, so abstrus ihre Vorstellungen auch sein mögen. Die frühen Religionen und Weltentstehungsmythen konnten mangels wissenschaftlicher Erkenntnis nur im Trüben fischen. Um diese frühen Vorstellungen beizubehalten, werden die wissenschaftlichen Erkenntnisse von heute, die ihnen widersprechen, nur zu gern ignoriert.
Mit dem Nachdenken scheint es also nicht allzu weit her zu sein, wenn dadurch immer wieder widersprüchliche Weltbilder entworfen werden. Oft entstehen diese Widersprüche nur dadurch, dass beständig Fakten, Tatsachen und Belege außer Acht gelassen werden. All dies dient den Gläubigen dieser Weltbilder nur dazu, das eigene Weltbild zu stabilisieren. Besonders der Götterglaube aller Religionen gehört dazu, wie ich bereits in meinem Buch „Das Gott-Problem“ dargestellt habe.
Hinzu kommen Aberglauben aller Art, die Astrologie und andere esoterischen Vorstellungen, wie auch die neueren Versionen religiöser Vorstellungen in der Gestalt moderner Verschwörungstheorien. All diese Glaubensgebäude leugnen wissenschaftliche Fakten und Tatsachen, sonst könnten sie nicht existieren.
Dennoch gibt es immer noch Bereiche unserer Welt, die unserer Erkenntnis noch unbekannt geblieben sind und die sich bisher unserer wissenschaftlichen Erkenntnis entzogen haben.
Dazu zählen z.B. die Phänomene der Parapsychologie:
Telepathie, Hellsehen, Präkognition, Psychokinese, aber auch das Reinkarnationsphänomen, oder die Animismus-Spiritismus Kontroverse. Vor allem aber gibt es noch keine wirkliche PSI-Theorie, die diese Phänomene hinlänglich erklären könnte.
Darüber hinaus sind uns existentielle menschliche Grundfragen nach wie vor unbekannt:
Wo kommen wir her? Wo gehen wir hin? Was geschieht nach unserem Tod?
Ganz abgesehen von den „ganz großen“ Fragen, wie unser Universum entstanden ist, ob es überhaupt das einzige oder nur eines unter vielen Paralleluniversen ist.
Was ist zu tun?
Eines ist klar: Wir können nicht mehr zurück vor die Erkenntnisse der modernen Naturwissenschaft. Wir können nicht mehr so tun, als wäre die Erde flach oder als hätte es keine Evolution gegeben. Wir können auch nicht mehr hinter die Relativitätstheorie oder hinter die Quantentheorie zurück. Wir müssen damit leben, dass die einfachen Weltbilder der Mythen und Religionen nicht mehr möglich sind. Wenn wir versuchen wollen, die Welt zu erklären, müssen wir stets den Boden unserer wissenschaftlichen Erkenntnis vor Augen haben. Auf dieser Grundlage können - und müssen - wir versuchen, jenen noch unbekannten Gefilden 'jenseits der Wirklichkeit' spekulativ zu begegnen.
Wir müssen darauf achten, keine Fakten und Tatsachen zu leugnen. Sonst wären wir nicht besser als all jene, die uns seit jeher zu einer Religion oder einem allzu einfachen Weltbild bekehren wollen, weil sie die Komplexität unserer Welt nicht verstehen.
Das ist also die Aufgabe dieses Buches: Nachdenken über die noch ungelösten Fragen, in der Hoffnung, eine Erklärung für jene Bereiche zu finden, die noch 'jenseits der Wirklichkeit' sind, jedoch unter Berücksichtigung unserer wissenschaftlichen Erkenntnisse. Eine solche Spekulation, die die Fakten nicht vernachlässigt, wäre dann, wenn sie erfolgreich ist, jeder Religion und jeder sonstigen metaphysischen Spekulation überlegen.
Diese methodischen Fragen müssen wir stellen:
Welches sind die großen Fragen unserer Welt, die bisher ungeklärt sind?
Was wissen wir?
Welche Erklärungsansätze gibt es bisher und welche können wir ausschließen?
Zu 1.: Die großen Fragen sind:
Wo kommen wir her, wo gehen wir hin? Gibt es ein Leben nach dem Tod?
Welche ungeklärten Phänomene gibt es noch in unserer Welt und wie sind sie zu erklären?
Gibt es eine Metaphysik der Welt, wenn ja, welche?
Zu 2.: Was wissen wir?
Unsere Wissenschaft ist soweit vorgedrungen, wie frühere Generationen es sich nicht hätten träumen lassen. Unsere Erkenntnisse reichen mittlerweile von der kleinsten mikrokosmischen Welt bis zur Struktur unseres Universums. Die physikalisch nachweislich am besten bewiesenen Theorien, die wir besitzen, und die unsere Welt am besten erklären, sind die Quantentheorie und die Relativitätstheorie. Jeder weitere Versuch, unsere Welt zu erklären, muss sich daran messen lassen. Darüber hinaus sind uns die evolutiven und genetischen Mechanismen größtenteils bekannt, die Leben innerhalb unseres Universums ermöglichen. Wir wissen heute sehr viel darüber, wie alles funktioniert. Warum das alles so funktioniert, bleibt letzten Endes noch unklar.
Zu 3.: Welche Erklärungsansätze gibt es bisher und was können wir ausschließen?
- Hier eine kurze Übersicht:
Religionen und Götter aller Art
Das ist der größte Brocken. Auch wenn in unserer modernen aufgeklärten Gesellschaft die Religionen und Götter aller Art bisweilen ausgedient zu haben scheinen, so darf uns das nicht darüber hinweg täuschen, dass - von einer kleinen intellektuellen Schicht abgesehen -, der Großteil der Menschen nach wie vor religiösen Anschauungen folgt.
Eng damit verbunden ist die Vorstellung, es gebe einen oder mehrere Götter, die verantwortlich für die Entstehung der Welt sind.
Sie bestimmen was gut und böse ist, unsere ethischen Maximen, und sie behandeln uns nach unserem Tod einschlägig, je nachdem, ob wir an sie geglaubt haben oder nicht. So inhuman solche Glaubensvorstellungen auch sein mögen, sie bestimmen das Denken der meisten Menschen auf unserer Welt.
Wir wollen jedoch eine Erklärung der Welt finden, die auf dem Boden der Fakten und unserer wissenschaftlichen Erkenntnisse stehen kann. Die Religionen und unsere Götter sind dabei die ersten, die hierbei weichen müssen. Warum sie diesem Anspruch einer letzten Erklärung der Welt nie werden nachkommen können, darüber ließen sich Bücher schreiben.1
Hier genügt es zu sagen, dass all diese Religionen sich erdreisten, Vorrecht vor allen wissenschaftlichen Erkenntnissen zu besitzen und nur diejenigen Fakten zulassen, die ihren Vorstellungen entsprechen, oder so interpretiert werden, dass sie ihnen entsprechen. Außerdem fordern Religionen und ihr Götterglaube ein Monopol auf das sogenannte Jenseits ein. Neben diesem Monopol sind für sie andere transzendentale Vorstellungen inakzeptabel. Es versteht sich, dass dieses Verhalten nicht einem wahren Erkenntnisinteresse geschuldet ist, sondern nur der Angst, ihr eigenes Weltbild anzweifeln zu müssen.
Astrologie
Das Weltbild der Astrologie ist eines der ersten, das im Laufe der Zeit auf der Strecke bleiben musste, auch wenn es immer noch Menschen gibt, die das anders sehen. Man kann zeigen, dass jegliche Vorstellungen der Astrologie keinen Wahrheitsgehalt besitzen.
Jegliche empirischen Untersuchungen zur Astrologie ergeben negative Resultate. Es gibt psychologische Effekte, das ist bekannt, aber keine astrologischen. Es mag hier genügen, auf die umfangreichste Untersuchung zur Astrologie hinzuweisen, jene des Herrn Gauquelin, der über Jahrzehnte hinweg Untersuchungen zur Astrologie durchgeführt hat.
Esoterische Vorstellungen aller Art
Dies ist ein Fass ohne Boden. Ob Homöopathie, Mondphasen, astrale Schwingungsebenen, Feinstofflichkeit, Wahrsagerei, Wunderheilerei, Bachblüten, Kartenlegen, Handlesen o.a.: Auf all dies einzugehen, würde den Boden sprengen. Wissenschaftliche Nachweise existieren für nichts davon. Wenn hier oder dort Effekte auftreten, können diese mit psychologischen Mitteln, die wir kennen, zur Genüge erklärt werden. Das ist auch der Grund dafür, warum viele esoterische Praktiker ihr Geld mit der Leichtgläubigkeit anderer Menschen verdienen können.
Und zur Erklärung der letzten metaphysischen Fragen sind diese Vorstellungen ohnehin nicht zu gebrauchen.
Ufos und Außerirdische
Die gewaltige Größe des Weltalls und die biologisch-physikalischen Gesetze, die wir kennen, lassen es für fahrlässig erscheinen, die Existenz von intelligenten außerirdischen Lebensformen anzuzweifeln. Ob sie jedoch schon bei uns waren oder nicht, und ob es Ufo-Sichtungen gibt, die sich tatsächlich auf außerirdische Lebensformen zurückführen lassen, ist angesichts der immensen Entfernungen innerhalb unseres Universums sehr fraglich. Aber auch wenn wir eines Tages Bekanntschaft mit Außerirdischen machen sollten, so ändert dies nichts an den Naturgesetzen und an unserer wissenschaftlichen Weltanschauung.
Die Existenz von Ufos und Außerirdischen gehört also nicht wirklich zu den letzten Fragen, die uns beschäftigen.
Verschwörungstheorien
Verschwörungstheorien sind heutzutage sehr beliebt. Einerseits sind sie ein Symptom des Internetzeitalters, da über das Internet abstruseste Hypothesen verbreitet werden können. Andererseits sind sie ein Symptom einer pro forma aufgeklärten Welt, in der die alten Götter ausgedient zu haben scheinen. Der Verschwörungstheoretiker ist gewissermaßen ein religiöser Gläubiger in neuem Gewande. Das liegt daran, dass die Vorstellungskraft des Durchschnittsmenschen nicht mit den komplexen Erkenntnissen der Wissenschaften zurechtkommt. Viele die meinen, mit ihrer früheren Götterwelt abgeschlossen zu haben, suchen nach einem neuen Weltbild, das einfach und leicht verständlich zu sein scheint und entgegen der Komplexität der Welt einfache Lösungen bietet. Da kommen ihnen Verschwörungstheorien gerade recht. Die psychische Struktur des menschlichen Durchschnittsgehirns konnte mit unseren modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht schritthalten. Daher ist auch leicht zu erkennen, dass bei Verschwörungstheoretikern dieselben psychischen Abwehr- und Verdrängungsmechanismen angewendet werden wie bei religiösen Strukturen:
Fakten und Tatsachen werden nicht akzeptiert, wenn sie der eigenen Meinung widersprechen,
oder sie werden so sehr umgedeutet, dass sie in das Weltbild der Verschwörungstheoretiker passen,
wissenschaftliche Erkenntnisse werden von vornherein als unglaubwürdig verschrien,
Menschen mit anderer Meinung gelten entweder als unwissend oder gehören angeblich selbst zu den Verschwörern,
mangels Faktenwissens sind ihre Ansichten durch Emotionen statt durch den Verstand bestimmt.
All diesen Vorstellungen und Weltbildern ist gemeinsam, dass sie nicht auf Fakten basieren und in der Regel wissenschaftliche Kenntnisse nicht zur Kenntnis nehmen oder sie leugnen.
Letzten Endes müssen wir feststellen: All die oben beschriebenen Glaubensvorstellungen haben einen einzigen Grund: Der menschliche Verstand ist mit seiner Unwissenheit nicht zufrieden und sucht sich Religionen, esoterische Vorstellungen und einfache Weltbilder, die ihn glauben lassen, er habe „den Durchblick“, er wisse, „worum es geht“ und er kann sich die Welt so erklären, wie er sie zu verstehen glaubt. Vor allem die komplexen wissenschaftlichen Erkenntnisse werden abgelehnt, weil sie der eigenen Vorstellungswelt widersprechen. Das hat natürlich nichts mit wahrer Erkenntnis zu tun, sondern nur mit der Angst des Menschen vor dem Unbekannten. Er glaubt an sein abstruses Weltbild, um mit sich selbst klarzukommen und seiner Angst vor dem Unbekannten zu entfliehen.
Hier gilt es zwei Wege aufzuzeigen:
Wir müssen lernen, mit unserer Unsicherheit klarzukommen, auch ohne auf Glaubensvorstellungen auszuweichen, die nur der Beruhigung unserer Angst dienen. Hier ist die psychologische Lebensberatung und evtl. eine Therapie gefragt.
Darüber hinaus können wir versuchen, ein Weltbild zu entwerfen, das nicht aus Angst geboren wird, das die Fakten anerkennt und auch komplexe wissenschaftliche Erkenntnisse akzeptieren kann, die über das eigene menschliche Begriffsvermögen hinausgehen.
Das werden wir im Folgenden versuchen.
1 Ich verweise hier auf: „Das Gott-Problem“ von Ralf W. Zuber.
Natur und Kosmos sind ein Bewusstsein erzeugendes System.
Im Laufe der Evolution entsteht bei höher entwickelten Lebewesen das Bewusstsein ihrer selbst. Wir erkennen das in vielen Varianten von Lebewesen, irdischen - und außerirdischen. Wir können beobachten, dass die Evolution immer höhere Bewusstseinsstrukturen entwickelt. Wenn eines Tages diese individuellen Bewusstseinsstrukturen einen Grad an Komplexität erreichen sollten, dass der gesamte Kosmos sich seiner selbst bewusst würde, dann könnte das so erschaffene Bewusstsein das Ziel eines Kosmos überhaupt sein.2
Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass wir Menschen nur in einer kleinen kognitiven Nische der Wahrnehmung leben. Unsere Welt ist die des Mesokosmos. Das Leben im Mesokosmos spielt sich in Stunden, Tagen und Metern ab. Und doch befinden wir uns nur in einer kleinen Zwischenwelt zwischen Mikrokosmos und Makrokosmos. Der eine wird bestimmt durch die Quantenwelt, der andere durch die relativistische Kosmologie. Diese beiden Welten bedingen unsere Welt elementar. Wir leben jedoch weder in der Quantenwelt, noch in der relativistischen Welt der Kosmologie. Wir können daher diese mikrokosmische, bzw. makrokosmische Welt nicht wirklich in unserem Verstand abbilden. Unsere Vorstellungen funktionieren nur auf der mesokosmischen Ebene. Die Vorstellung „Gott“ z.B. kann nur auf unserer mesokosmischen Ebene funktionieren. Weder in der Quantenwelt des Mikrokosmos noch im kosmologischen Makrokosmos ist ein solcher persönlicher Gott möglich, wie ihn sich ein Gläubiger vorstellt. Unsere mesokosmische Welt ist ein bloßer Grenzfall der Mikro- und der Makrowelt, die unser Dasein bestimmen. Und ein Gott, der in der Mikro- oder Makrowelt zuhause wäre, wäre ein ganz anderer, als wir ihn uns vorstellen könnten.
Innerhalb der Evolution entstehen bei verschiedenen Tierarten verschiedene Organe in extremer Ausformung. Der Elefant besitzt einen Rüssel und der Kolibri einen langen Schnabel, der es ihm ermöglicht, tief in die Blüten einzutauchen. Der Säbelzahntiger hatte lange Zähne, die Saurier gigantische Größe. Manchmal jedoch sind Extremorgane in der Evolution unvorteilhaft, nämlich dann, wenn sich die Umweltbedingungen ändern und das jeweilige Lebewesen nur auf eine bestimmte ökologische Nische angepasst ist. Ändert sich dann die Umwelt, besteht die Gefahr, dass das Lebewesen ausstirbt.
Der Mensch besitzt ebenfalls ein solches Extremorgan.
Es ist unser Gehirn.
Das Gehirn befähigt uns, uns auf verschiedene Umweltsituationen einzustellen. Das gelingt ihm deshalb so gut, weil es ein individuelles Bewusstsein etabliert, das sich komplexen Aufgaben stellen und Lösungen erarbeiten kann. Unser Gehirn ist also sehr vorteilhaft angepasst, um sich in einer evolutiven Umwelt behaupten zu können. Gleichwohl hat es wie jedes andere Extremorgan Nebenwirkungen. Wenn die Zähne des Säbelzahntigers so groß werden, dass sie zum Hindernis bei der Jagd oder beim Fressen werden, droht er auszusterben. Wenn der Schnabel des Kolibris zu lang wird, kann er nicht mehr fliegen, weil sein Schwerpunkt zu weit vorne liegt.
Was könnten jedoch die Nebenwirkungen unseres Gehirns sein, die uns Schwierigkeiten machen können, abgesehen von all seiner Nützlichkeit, sich in der Welt zu behaupten?
Dass unser Gehirn psychisch erkranken kann ist das Eine.
Darauf wollen wir jetzt aber nicht hinaus.
Das andere ist: Unser Gehirn sucht nach Erklärungen.
Das hört sich zunächst gut an und ist es auch. Erklärungen lassen uns Ursache und Wirkung verstehen, und das bringt uns in der Evolution in der Tat einen Überlebensvorteil.
Tatsächlich ist unser Gehirn bereits so gut entwickelt, dass wir Fragen stellen können, die weit über unsere realen Umweltbedingungen hinweg reichen.
Wir können uns fragen, wie die Welt entstanden ist, woher wir kommen und gehen, und was für Welten es außerhalb von uns noch geben kann. Die letzten Ursachen bleiben uns zwar verborgen, aber mit unserem Gehirn können wir danach fragen. Nur erhalten wir zunächst keine Antwort auf diese Fragen. Umso schwieriger, als in der Urzeit, wo wir begonnen haben, uns solche Fragen zu stellen, wir noch keine Naturwissenschaft besaßen, die uns die grundlegenden Erkenntnisse unserer Welt hätte bieten können.
Wir können also die letzten Ursachen nicht erkennen. Dennoch hat unser Gehirn ein Bedürfnis dazu, sie zu kennen, weil es die Fragen dazu stellen kann. Nur fehlen uns die passenden Antworten.
Was geschieht? Wir sehen Wirkungen in der Welt, kennen aber die Ursachen nicht. Was aber unser Gehirn nicht nachvollziehen kann, das verursacht Angst, weil wir dann die Umwelt nicht kontrollieren können.
Diese ursprüngliche Angst wird „horror vacui“ genannt, die Angst vor dem Leeren. Diese Ursprungsangst des „Wo kommen wir her / Wo gehen wir hin?“ ist unumgänglich für jeden, der existiert. Es gehört zur menschlichen Existenz dazu, diese Fragen nicht erklären zu können. Als Folge davon versuchen wir, diese ursprünglichen Ängste in den Griff zu bekommen. So erschaffen die Menschen Weltentstehungsmythen und Endzeitmythen. In Ermangelung wissenschaftlicher Erkenntnis werden Religionen erschaffen, die nichts anderes im Sinn haben, als diese Urängste des Menschen zu beruhigen, indem sie unser Gehirn mit einer vermeintlichen Erklärung ruhigstellen.3 Nicht weil wahr wäre, was sie behaupten, sondern weil sie unser Gehirn beruhigen. Ihre vermeintliche Wahrheit basiert im Laufe der Zeit nicht auf Fakten, sondern auf der Inbrunst des Glaubens. Es folgt, dass der Glaube die Wahrheit ersetzt. Zur Not widerspricht er sogar den Tatsachen, weil es eben im Glauben nicht auf die Wahrheit selber ankommt, sondern auf die Beruhigung des gläubigen Gehirns, das seine Ängste ertragen und beherrschen muss.
Wenn unser Säbelzahntiger Zahnschmerzen hat, so müssen diese sicher fürchterlich sein. Es ist eben sehr viel an Zahn da, das schmerzen kann. Ebenso ist es bei unserem Gehirn. So gewaltig seine Fähigkeiten sind, so gravierender können seine Krankheiten sein. Es gibt wohl keine Tierart, die mehr als der Mensch zu Geisteskrankheiten neigt. Das ist nur logisch. Wo mehr da ist, kann auch mehr geschehen. Unser Gehirn besitzt eine Vielzahl von Möglichkeiten, Geisteskrankheiten zu bekommen. Neurosen, Persönlichkeitsstörungen, psychogene Störungen, endogene Depressionen, manisch-depressive Störungen und Schizophrenien sind nur die Spitze des Eisbergs. Hinzu kommen alle moderneren Varianten wie Burnout oder psychotraumatische Belastungsstörungen.
Ebenso entwerfen Weltanschauungen und Religionen ihre eigenen Neurosen und Psychosen aller Art, die zur Beruhigung ihres kranken Gehirns dienen.
Mittlerweile gibt es jedoch ein weiteres Problem:
Unsere Wissenschaft hat uns inzwischen soviel Erkenntnis beschert, dass unser Gehirn weit mehr zufrieden sein sollte als früher. Religionen, Götter und Weltentstehungsmythen sind immer weiter verdrängt worden. Die Frage nach den letzten Ursachen bleibt zwar immer noch bestehen, auch wenn unsere Wissenschaft diesen immer weiter auf die Spur kommt. Doch nun entsteht ein anderes Problem: Unsere wissenschaftlichen Erkenntnisse sind mittlerweile so umfangreich, dass das durchschnittliche menschliche Gehirn dem nicht mehr zu folgen vermag.
Wer vermag als Nichtphysiker die Relativitätstheorie oder die Quantentheorie wirklich zu begreifen, um daraus Rückschlüsse über die Existenz der Welt zu vollziehen? Ebenso geht es uns mittlerweile bei allen Wissenschaften, deren Kenntnisse oft nur den entsprechenden Fachleuten vorbehalten sind.
Und das ist das Problem: Die Grundlagen unserer Welt sind nicht mehr so leicht zu verstehen; in der Quantenwelt wirkt das Ursache-Wirkungs-Prinzip nicht mehr, und die gigantische Ausdehnung des Universums entzieht sich unserem Vorstellungsvermögen. Die mikrokosmische und die makrokosmische Welt entziehen sich unserer sinnlichen Wahrnehmung und Erkenntnis.
Nichtsdestoweniger bleibt das menschliche Bedürfnis bestehen, unserem Gehirn eine Erklärung für unsere Welt zu liefern. Wir wollen und brauchen eine Weltanschauung, die uns unsere Welt so erklärt, dass wir glauben, sie zu verstehen. Dieses Verständnis dient nun als Beruhigung unserer Vorstellungswelt und somit unserem evolutiven Überleben in der Welt.
Die meisten Menschen können nicht auf diese wissenschaftlichen Erkenntnisse und Erklärungen zurückgreifen, um sich dadurch ein zutreffendes und stimmiges Weltbild zuzulegen. Bedenken wir:
Erklärungen können nur dann wirklich erklären, wenn wir die Erklärungen begreifen. Die modernen wissenschaftlichen Erklärungen können aber viele Menschen noch nicht begreifen, weil es ihnen aus kognitiven oder bildungsfernen Gründen nicht möglich ist.
Was bleibt ihnen übrig? Sie kritisieren oft die wissenschaftlichen Fakten und Erklärungen, weil sie sie nicht verstehen und suchen nach einfachen Erklärungen, die sie zu verstehen glauben. Alles scheint erlaubt, solange es das Verlangen des menschlichen Gehirns nach einer verständlichen Erklärung befriedigt und ihr Gehirn beruhigt. So treiben Religionen nach wie vor ihre Blüten und esoterische Vorstellungen und Verschwörungstheorien entstehen. Letztere, weil es Menschen gibt, die sich zwar der Religion entfremdet haben, aber dennoch eine Weltanschauung brauchen, die scheinbar Erklärungen bietet, so abstrus sie auch sein möge. Die Hauptsache ist, sie beruhigt ihr Gehirn vor dem Unbekannten.
Unser Gehirn ist ein Produkt der Evolution und dafür gedacht, in einer komplexen Umwelt zu überleben, nicht um die „Wahrheit“ zu erkennen. Zu diesem Zweck des „geistigen“ Überlebens konstruiert unser Gehirn scheinbare Wahrheiten, oft in Form von Religionen und esoterischen Anschauungen; in moderner Form sind dies Verschwörungstheorien, die unser Gehirn vor dem Ungewissen beruhigen.
Unser Gehirn darf das wohl tun, da es dazu in der Lage ist. Wer einen Beinbruch hat, dessen Bein kann geschient werden, um weiter zu funktionieren. Ein Gehirn, das vor dem Ungewissen Angst hat, fabriziert Religionen und Weltanschauungen, die die gleiche Funktion für das Gehirn haben mögen wie das Schienen des Beines. Das Ziel einer Beinschiene sollte jedoch sein, eines Tages auch ohne Schiene das Bein wieder funktionstüchtig zu bekommen. Ebenso sollten Vorstellungen unseres Gehirns, die unser geistiges Überleben stabilisieren, eines Tages überwunden werden, um zu einem weltoffenen Geist zu werden. Ein Geist, der ohne Vorbehalte auf der Suche nach den letzten Dingen Wissenschaft betreiben kann, aber auch vor dem Unbekannten und dem Ungewissen ohne Furcht leben kann.
