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Jenson Delaney ist es leid, immer wieder in das Liebesleben anderer Paare einzutauchen. Mit fast vierzig ist der Hollywood-Schwarm bereit, einen Sub zu treffen, den er sein Eigen nennen kann. Mitchell Wellington hat einen gewalttätigen Ex hinter sich gelassen, aber es ist gar nicht so einfach, weiterzukommen, wenn jeder Gedanke von Selbstzweifeln geplagt ist. Chicago ist ein Neuanfang, aber zuerst muss er sich selbst finden. Als Mitchell durch einen Unfall in Jensons Leben gerät, kann Jenson seinen Instinkt, sich um den jungen Mann zu kümmern, nicht ignorieren. In der Unterwerfung liegt Macht, und Jenson möchte den Funken, den er in Mitchell sieht, zum Leuchten bringen. Als Mitchell lernt, auf eigenen Füßen zu stehen und vor seinem Dom zu knien, fühlt er sich so lebendig wie nie zuvor. Was sie haben, ist eine einmalige Sache - das einzig Wahre. Aber als Mitchells Vergangenheit ihn einholt, ist alles, was er mit Jenson aufgebaut hat, in Gefahr. Und er ist nicht bereit, kampflos unterzugehen.
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Seitenzahl: 341
Veröffentlichungsjahr: 2022
von Meg Harding
Aus dem Englischen von Erin Sommer
© dead soft verlag, Mettingen 2022
http://www.deadsoft.de
© the author
Titel der Originalausgabe: Jenson
Übersetzung: Erin Sommer
Cover: Irene Repp
http://www.daylinart.webnode.com
Bildrechte:
© NeonShot – shutterstock.com
1. Auflage
ISBN 978-3-96089-514-5
Für diejenigen, die wir lieben, dreitausendfach
Jenson Delaney ist es leid, immer wieder in das Liebesleben anderer Paare einzutauchen. Mit fast vierzig ist der Hollywood-Schwarm Jenson Delaney bereit, einen Sub zu treffen, den er sein Eigen nennen kann.
Mitchell Wellington hat einen gewalttätigen Ex hinter sich gelassen, aber es ist gar nicht so einfach, weiterzukommen, wenn jeder Gedanke von Selbstzweifeln geplagt ist. Chicago ist ein Neuanfang, aber zuerst muss er sich selbst finden.
Als Mitchell durch einen Unfall in Jensons Leben gerät, kann Jenson seinen Instinkt, sich um den jungen Mann zu kümmern, nicht ignorieren. In der Unterwerfung liegt Macht, und Jenson möchte den Funken, den er in Mitchell sieht, zum Leuchten bringen.
Als Mitchell lernt, auf eigenen Füßen zu stehen und vor seinem Dom zu knien, fühlt er sich so lebendig wie nie zuvor. Was sie haben, ist eine einmalige Sache - das einzig Wahre. Aber als Mitchells Vergangenheit ihn einholt, ist alles, was er mit Jenson aufgebaut hat, in Gefahr. Und er ist nicht bereit, kampflos unterzugehen.
Es war so ein Tag, an dem ein Gasofen nach einem guten Ort aussah, um seinen Kopf hineinzustecken. Aber andererseits war seit viel zu vielen Jahren jeder Tag so ein Tag für Mitchell Wellington. Heute, ja, heute sollte ein besserer Tag werden. Und so schlimm dieser Tag auch sein mochte, er war immerhin besser als die Tage davor.
Weil Mitchell frei war.
Also atmete er tief ein und betrachtete die positiven Aspekte. Die Kakerlaken, die den vergilbten, rissigen Dichtstoff der Badewanne schmückten, hätten im Bett gewesen sein können. Sie hätten auf ihm herumkriechen können, als er aufwachte. Das wäre viel schlimmer gewesen. Er verschränkte seine Finger ineinander und sann über die beste Vorgehensweise nach. Wenn er den Wasserhahn anmachen würde, würden die Käfer den Abfluss heruntergespült werden, aus dem sie vermutlich gekrochen waren? Oder würden sie aus der Wanne fliehen und sich einen Weg ins Zimmer suchen?
Er biss sich auf die Unterlippe. Dabei kam ihm der Besen im kleinen Schrank im Eingangsbereich wieder in den Sinn, den er bemerkt hatte, als er vor zwei Tagen eingezogen war. Er holte den Besen, seufzte erleichtert, weil er tatsächlich da war, und plante, ihn zu benutzen, um alle entkommenden, gruseligen Krabbeltiere abzuwehren. Als er den Wasserhahn in der Badewanne vorsichtig mit nur zwei Fingern aufdrehte, sagte er zu den Kakerlaken unter ihm: „Es tut mir wirklich leid, Jungs. Wenn ihr einfach, keine Ahnung, in den Wänden geblieben wärt. Oder draußen. Irgendwo, wo ich euch nicht sehe.“
Die Sache war, er fühlte sich wirklich schlecht. Sie machten doch nur ihr kleines Kakerlakending. Aber Mitchell versuchte auch sein Ding zu machen, und er lernte gerade Grenzen zu setzen.
Als die eklige Aufgabe erledigt war, beeilte Mitchell sich mit seiner Dusche – er ging paranoid davon aus, dass mehr Insekten zurückkommen würden. Nachdem er fertig war, wickelte er sich in die eine Extravaganz, die er sich erlaubt hatte: einen großen und wahnsinnig weichen, königsblauen Bademantel. Er drückte das Kinn in den Stoff, brummte zufrieden, der Stoff klebte an seiner feuchten Haut. Irgendwann würde er wirklich Handtücher kaufen müssen.
Das billige, sich abschälende Linoleum unter seinen nackten Füßen quietschte, als er sich seinen Weg zu der schrankgroßen Küche auf der anderen Seite seiner Matratze bahnte. Die Wohnung war nichts Besonderes, wenn man sie wirklich so nennen konnte, aber sie gehörte Mitchell. Die ganzen 44 Quadratmeter. Sie war das Einzige, was er sich leisten konnte, mit dem wenigen Geld, das er hatte mitnehmen können, als er Ohio hinter sich ließ. Und der Besitzer hatte keine Fragen gestellt, was an sich ein Wunder war, da Mitchell keinen Job hatte oder irgendetwas, von dem er glaubte, dass es ein seriöser Vermieter verlangen würde.
Er schüttete Müsli in eine der fadenscheinigen Plastikschalen, die er in einem Ein-Euro-Shop irgendwo in Indiana besorgt hatte, und haute rein, mit dem passenden neonpinken Löffel. Während er aß, drehte er den Wasserhahn an der Spüle auf und ließ das Wasser für eine Minute laufen. Er beobachtete, wie es sich von einem rötlichen Braun zu einer klaren Farbe wandelte, mit der er sein Geschirr waschen könnte, sobald er fertig war.
Die Sonne schien durch das kleine Fenster über der Spüle, strahlte die Staubflocken in der Luft an und wurde scharf von der einen oder anderen Seifenblase reflektiert. Auf der Chicagoer Straße unten konnte Mitchell Leute sehen, die zielgerichtet dorthin liefen, wohin auch immer sie gehen mussten. Der Bürgersteig war mit Blättern übersät, denn die Bäume hatten sie für den Herbst abgeworfen, und färbten den Boden mit hellen Orange-, Gelb- und Rottönen. Mitchell wusste, wenn er sein Fenster kippen würde, würde er eine Mischung aus dem Knirschen der Blätter unter den Füßen der Menschen und den Geräuschen der Autos hören.
Seine Finger tasteten über die schmutzige Scheibe, Wassertropfen rannen das Glas von seinen Fingerspitzen aus hinunter, während er hinaussah. Es war wunderschön. Es war neu. Mitchell würde Chicago zu seinem Zuhause machen, und zum ersten Mal in seinem Leben würde er herausfinden, wer er wirklich war. Das war sein Neuanfang, und Mitchell musste das Beste daraus machen.
Er hatte so viel Zeit damit verschwendet, die Person zu sein, die alle anderen wollten. Damit war es nun vorbei.
Es war ein Mantra, das er allzu oft wiederholen musste. So sehr er das auch wollte – es brauchte– er hatte schreckliche Angst. Misserfolge waren schon immer Mitchells größte Angst gewesen und irgendwie war er immer in ihnen geschwommen. Was würde dafür sorgen, dass es hier nicht lief wie immer?
Er drückte seine Handfläche flach gegen das Fenster und praktizierte eine Atemübung, die er vor Jahren in einer Talkshow gesehen hatte. Es gab kein Scheitern, solange er es weiter versuchte. Er war so weit gekommen, nicht wahr? Es war einen Schritt weiter als je zuvor.
Jetzt brauchte er nur noch einen Job, und je früher er einen fand, desto besser. Sein Bargeld schrumpfte schnell und wenn dies aufgebraucht war, war es mit seinem Glück vorbei. Du hättest mehr als fünf Riesen nehmen sollen, als du gegangen bist. Er schüttelte die Schultern aus und verscheuchte den Gedanken. Hätte, hätte, Fahrradkette brachte ihn jetzt auch nicht weiter.
Er ließ sich am Rand seiner Matratze nieder und zog seinen Rucksack zu sich heran, um darin nach einer kompakten schwarzen Tasche herumzukramen. Er seufzte, als er sie fand, und ließ seine Finger wehmütig über den Kulturbeutel streichen. So viele verschiedene Gefühle galten so einer kleinen Sache. Er zog den Reißverschluss auf, drehte die Tasche so, dass er den Spiegel auf der Innenseite benutzen konnte, und ohne wirklich darauf zu achten, wie sein Gesicht aussah, machte er sich daran, die blauen Flecken abzudecken, die immer noch sein Gesicht entstellten.
Für seine Lippe konnte er nicht viel tun, so geschwollen und aufgeplatzt, wie sie am Mundwinkel war, der Schnitt innen noch offen und wund. Aber Mitchell zauberte, so gut es ging, mit Lippenpflege und Lipgloss, um alles so gleichmäßig und natürlich wie möglich aussehen zu lassen. Seine Zunge tippte gegen die Wunde und huschte darüber. Es war besser als gestern.
Glücklicherweise hatte er die weise Voraussicht gehabt, eine Vielzahl seiner Kleider in den Koffer zu werfen, den er Evan gestohlen hatte, bevor er Reißaus genommen hatte. Er mochte arm sein und im Moment einen Schritt von der Straße entfernt leben, aber er hatte ein Paar kakifarbene Chinos und einen hellgrauen Pullover, der sich auf der Grenze zwischen lässig und halbwegs formell bewegte.
Evan hatte ihm das Outfit während ihres ersten gemeinsamen Jahres gekauft, als die Dinge noch in Ordnung gewesen waren.
Mitchell grub seine abgebissenen Nägel in sein Handgelenk, bis der Schmerz seine Augen brennen ließ, und besann sich. Es war egal, woher das Outfit stammte. Es würde professionell aussehen, aber nicht overdressed, wenn er nach möglichen Jobs fragte. Er musste sich auf das konzentrieren, was wichtig war.
Angezogen und bereit für den Tag holte Mitchell seine Autoschlüssel aus der Küche und ging nach draußen. Er hatte sich den Kopf darüber zerbrochen, das Auto mitzunehmen. Und er war immer noch nervös über seine Entscheidung. Könnte Evan ihn irgendwie dadurch finden? Aber er hatte nicht gewusst, was er ohne das Auto tun sollte. Noch nie in seinem Leben hatte er öffentliche Verkehrsmittel benutzt. Und obwohl er sich sicher war, dass er klarkommen würde, wollte er es ehrlich gesagt nicht auf die Liste mit all den anderen Dingen setzen, mit denen er sich seit der Nacht, in der er geflohen war, auseinandersetzen musste.
Vielleicht würde er jetzt, da er in Chicago war, das Auto für etwas zusätzliches Geld verkaufen und die Sorgen rund um den Wagen damit abhaken.
Paranoia hatte ihn dazu gebracht, den Civic zwei Blocks um die Ecke abzustellen, nur für den Fall. Mitchells Einparkfähigkeiten ließen etwas zu wünschen übrig, aber zu seiner Verteidigung: Was zur Hölle hatte es sich mit diesem Parallelparken auf sich? Wenigstens hatte er nur einen Reifen auf dem Bordstein. Wundersamerweise war das Fahrzeug vor ihm weggefahren und Mitchell dankte Gott, dass er nicht versuchen musste, irgendwie aus einem Autosandwich herauszukommen.
Die Chicago Public Library war ruhig, als er sie erreichte. Niemand schenkte ihm Aufmerksamkeit, als er zu den Computern im hinteren Bereich ging. Er war jeden Tag für mindestens ein paar Stunden hier, seit er vor etwas über einer Woche in Chicago angekommen war. Sein Handy war in Peterson, Ohio, zurückgeblieben, sodass öffentliche Bibliotheken mit Internetzugang – und Badezimmer, als er noch im Auto gelebt hatte – sein bester Freund geworden waren.
Während er durch die Jobbörsen scrollte, machte er sich Notizen auf der Rückseite eines liegen gelassenen Zettels. Je länger er recherchierte, desto heftiger schlug sein Herz. Panik krallte sich in seine Brust, heftig und feurig, drohte ihn zu ersticken. Für die meisten Jobs war er wirklich nicht qualifiziert. Er hatte die Highschool abgeschlossen und das war es. Dem folgte ein Jahr an der Uni, in dem er sich kein Hauptfach ausgesucht hatte, und er hatte Evan getroffen. Der einzige bezahlte Job, den Mitchell je gehabt hatte, war gewesen, mit Gras zu dealen. Außerdem hatte er ein ganzes Semester als Tutor an der Uni verbracht.
Er drückte die Handballen an die Stirn, grub die Finger hinein und versuchte, den Schmerz in seinem Kopf wegzumassieren. Du kannst das. Leute bekamen die ganze Zeit Jobs und sicherlich mussten einige von ihnen bei null anfangen. Was machte es denn, dass Mitchell vierundzwanzig war und die letzten fünf Jahre seines Lebens nichts für einen Lebenslauf hergaben? Es könnte schlimmer sein. Er könnte dreißig sein und elf Jahre seines Lebens mit nichts als Elend gefüllt haben.
Mitchell schüttelte die bedrückenden Gedanken ab und übersprang Unternehmen und Ketten, die Online-Bewerbungen verlangten. Er konnte die meisten Felder nicht ausfüllen. Seine beste Chance war etwas Kleines in lokalem Besitz. Seine Finger zuckten nervös über der Tastatur. Er hatte keinen Zugang mehr zu einem Bankkonto, also musste er auch dafür eine Lösung finden. Es war 2020. Wer bezahlte seine Mitarbeiter mit Bargeld? Oben auf seinen
Notizzettel kritzelte er: Bankkonto eröffnen?
Die Tierarztpraxis Addison hatte eine freie Stelle für einen Assistenten und ein veganes Frühstücksdiner auf der W Logan suchte Kellner. Mitchell fügte die Adressen zu seiner kleinen Liste von Möglichkeiten hinzu. In den letzten zwei Stunden hatte er es geschafft, sechs potenzielle Jobs anzusammeln, was er für eine angemessene Menge an Orten hielt, die man innerhalb eines Tages abklappern konnte. Er stellte sicher, dass niemand ihn beobachtete, und fischte ein weiteres Papier aus dem Mülleimer am Ende der Reihe mit Computern, damit er Wegbeschreibungen zu jedem Ort aufschreiben konnte.
Er war dabei zu lernen, wie er klarkam.
Die große blonde Rezeptionistin, Mandy, laut ihrem Namensschild, sah auf seine Bewerbung und dann zurück zu ihm. Ihre perfekt geformten Augenbrauen hoben sich. „Das ist nicht ausgefüllt.“ Sie hielt sie ihm entgegen. „Sie haben die meisten Felder freigelassen.“
Mitchell zauberte sein gewinnendstes Lächeln hervor, ignorierte die Art und Weise, wie das den Schnitt in seinem Mund dehnte und brennen ließ, und schmeckte Kupfer.
„Ich kann diese Felder nicht ausfüllen.“
Er hatte nicht gedacht, dass es möglich wäre, aber ihre Augenbrauen wanderten noch höher. „Sie haben keine Telefonnummer?“
Seine Wangen liefen dunkelrot an vor Scham, aber er ignorierte es. „Nein, habe ich nicht.“
„Wie sollen wir Sie erreichen?“ Der herablassende Tonfall füllte die Luft um ihn herum. Hinter ihm winselte der Yorkie einer älteren Dame.
„Ich habe eine E-Mail-Adresse angegeben.“ Er zeigte auf das Feld. „Ich werde sie jeden Tag überprüfen.“
„Ich verstehe.“ Sie legte die Bewerbung auf den Tresen und zeigte ein erzwungenes Plastik-Lächeln. „Vielen Dank, dass Sie sich bewerben. Sie werden von uns hören, wenn der Arzt Ihre Bewerbung angesehen hat.“
„Danke“, sagte er. Der Stress ließ es in seinem Bauch rumoren und seine Handflächen feucht werden. Aus dem Augenwinkel, als er sich umdrehte, sah er, wie sie seine Bewerbung in den Mülleimer gleiten ließ.
Das war ja großartig gelaufen.
Als Nächstes versuchte er sein Glück mit dem veganen Frühstücksdiner. Veganer waren angeblich nett, oder? Aber sollten Leute, die den ganzen Tag mit Tieren arbeiteten, nicht auch glücklich und freundlich sein? Er wischte seine Handflächen nervös an der Hose ab, bevor er das Diner betrat. Niemand mochte einen klammen Händedruck.
Der Chef, ein dürrer Mann mit runden Brillengläsern und zerzausten braunen Haaren, betrachtete ihn einmal von oben bis unten, als er fragte, ob er mit jemandem über die Bewerbung sprechen könnte.
„Hmm“, brummte er. „Folgen Sie mir.“ Er führte Mitchell zu einem Tisch an der Seite des Raumes und wies ihn an, zu warten. „Kann ich dir was bringen?“
Mitchell schaute auf die Preise, die auf der großen Tafel hinter der Theke ausgeschrieben waren. Er ließ sich nichts anmerken.
„Nein, danke.“ Wenn er das wenige Geld, das er noch hatte, für so was ausgeben würde, hatte er bald nichts mehr übrig. Es war am besten, Versuchungen gänzlich zu vermeiden. Außerdem: War ein veganer Blaubeer-Muffin mit Streuseln wirklich zehn Dollar wert?
„Hmm“, sagte der Mann wieder.
Ein lang begrabener Teil von Mitchell wollte sarkastisch „Hmm“ zurückmachen, aber er verkniff es sich. Während er versuchte Arbeit zu finden, war das nicht die Zeit, seine lange verlorene Persönlichkeit zurück an die Oberfläche zu holen. Während er wartete, beobachtete er die Leute um sich herum. Das Diner machte ordentlichen Umsatz, eine gleiche Anzahl von Leuten kam herein, um sich etwas mitzunehmen, wie die, die vor Ort aß. Das Geplauder, tief und regelmäßig, erzeugte ein angenehmes Summen.
Es war etwas so Einfaches, und doch war es alles, was Mitchell wollte. Normalität.
Er war so versunken im Anblick eines Paares, das ehrlich glücklich schien, beisammen zu sein, lächelnd und lachend, ihre Köpfe neigten sich einander zu, um besser zu hören, da schrak er auf, als ein Mann in den Sitz gegenüber von ihm glitt.
„Hey“, begrüßte der Typ ihn, der ihm eine Hand hinhielt. „Ich bin Neal. TJ sagte, Sie interessieren sich für eine unserer Kellnerstellen.“
Mitchell schüttelte die angebotene Hand und hoffte, dass sein Lächeln nicht so zittrig war, wie es sich anfühlte. „Ja, hallo. Ich bin Mitchell.“
Neal trat deutlich freundlicher auf als der oben erwähnte TJ, Gott sei Dank. Er hatte freundliche braune Augen und dunkle Haare, die über seine Stirn fielen. Mitchell beobachtete, wie er es zurückstrich und sich die losen Strähnen aus den Augen schüttelte. Sein Lächeln war echt und warm, als er Mitchell betrachtete.
„Also, Mitchell, hast du schon mal gekellnert? Hast du schon mal in einem Restaurant gearbeitet?“
Mitchell wippte nervös mit den Füßen. „Nein, aber ich arbeite hart und lerne schnell.“ Er widerstand dem Drang, auf seine wunde Lippe zu beißen, aber die Erinnerung daran, wie er sie bekam, ließ ihn darüber nachdenken, wie er die letzten Jahre seines Lebens verbracht hatte. „Ich war aber ein, ähm … privater Koch. Ich bin es gewohnt, zu putzen.“
Neal sah überrascht aus. Mitchell dachte, dann ging es nicht nur ihm so.
„Ein privater Koch? Wäre ein Küchenjob dann nicht besser für dich geeignet?“
Er ließ seine Hände in seinen Schoß fallen, damit er seine Finger ineinander verschränken konnte, und zupfte an der Nagelhaut herum, während er überlegte, was er sagen sollte. Evan hatte verlangt, dass Mitchell lernte, zu kochen und ihm Mahlzeiten zuzubereiten. Aber die meisten dieser Mahlzeiten kamen aus Schachteln und Internet-Rezepten, die Mitchell zusammengesucht hatte. Er war kein richtiger Koch.
„Ich habe deine Anzeige gesehen“, sagte er und dachte über jedes Wort, das aus seinem Mund kam, nach. „Und ich habe über dein Geschäft recherchiert. Ich mag die Atmosphäre sehr, und du hast keine Küchenpositionen zur Verfügung. Ich würde gerne Kellner sein.“
„Süßer“, sagte Neal, „niemand würde gerne Kellner sein.“
Wäre es unprofessionell, seinen Kopf in den Tisch zu schlagen? Dem Drang widerstehend, erzwang er ein Lächeln und sagte gar nichts.
Neal musterte ihn weiter.
„Bist du Student?“
Einer von Mitchells Knöcheln knackte.
„Äh, nein.“
Neal nickte, sein Gesichtsausdruck verriet nahezu nichts. Er griff neben sich und zog einen Ordner in Mitchells Blickfeld, daraus hervor und löste einen Stift davon ab. „Mein Chef verlangt, dass jeder Bewerber ein Formular für unsere Unterlagen ausfüllt. Wenn du es jetzt machen möchtest, kann ich warten, und dann das Bewerbungsgespräch fortführen, wenn du fertig bist.“
Mit einer guten Vorstellung davon, wie das ausgehen würde, nahm Mitchell das Formular entgegen und begann auszufüllen, was er konnte. Er erwartete, Neals Blick auf sich zu spüren, aber er tat es nicht. Ein kurzer Blick unter seinen Wimpern hindurch verriet Neal, dass er ihm überhaupt keine Aufmerksamkeit schenkte. Die Spannung fiel von Mitchells hochgezogenen Schultern ab. Als er fertig war, schob er das Papier über den Tisch und versuchte, nicht wie ein Kind zu zappeln, als Neal es durchlas, seufzte und dann hochschaute.
Neals Gesicht war leer. „Wie ich sehe, haben Sie das Referenzfeld völlig freigelassen.“
„Habe ich.“ Mitchell schluckte stark, sein Adamsapfel hüpfte. „Ich weiß, dass Unternehmen nicht gerne Risiken eingehen, aber meine Arbeitsethik wird für sich sprechen.“ Sicherlich würde niemand in seiner Vergangenheit für ihn sprechen.
„Und Sie haben keine Telefonnummer oder frühere Jobs angegeben.“
Jesus Christus, das war Folter.
„Habe ich nicht.“
Neal nickte und drehte das Formular um.
„Es ist nicht mein Job zu fragen, wovor du fliehst, also werde ich es nicht tun. Aber wenn du willst, dass ich dir eine Chance gebe – wenn du willst, dass ich meinen Hals riskiere und meinen Chef bitte, dir eine Chance zu geben – brauche ich einige Zusicherungen.“
Sein Herz hatte aufgehört zu schlagen. Er hatte nicht richtig gehört, oder? Neal war bereit, ihm eine Chance zu geben? Dieser Mann, der ihn keine fünf Minuten kannte, überlegte tatsächlich, Mitchell zu helfen. Er konnte es nicht glauben.
„Ich, ja. Natürlich. Alles.“ Er würde zwanzigstündige Schichten arbeiten, wenn er es tun müsste.
„Kein Drogenkonsum. Du kommst sauber und nüchtern zur Arbeit. Du tauchst pünktlich auf. Ich möchte diese versprochene Arbeitsmoral sehen.“ Er klopfte mit dem Finger auf den Tisch. „Ich kann keine Versprechungen machen, und ich muss zuerst mit meinem Chef sprechen. Aber ich habe ein gutes Gefühl bei dir. Aber du wirst vermutlich Mädchen für alles auf Teilzeit werden. Ich kann eine Menge Dinge ins Rollen bringen, aber ihn dazu zu bringen, dich als Kellner einzustellen, ist sogar für mich ein Ding der Unmöglichkeit. Wenn du dich beweist, mit der Zeit, dann vielleicht.“
Mitchell hätte die Reaktion nicht aufhalten können, wenn er es versucht hätte. Tränen schossen ihm in die Augen und sie begannen überzulaufen. Er wischte sie weg, seine Wangen glühten heiß und er lachte heiser. „Entschuldigung, tut mir leid. Das ist nur … danke. Danke. Es bedeutet mir viel, dass du es überhaupt versuchst.“ Er bedeckte sein Gesicht für eine Sekunde mit den Händen und atmete tief ein. „Oh, das ist so peinlich.“ Er war immer noch undicht wie ein verdammter Wasserhahn, Tränen rannen über seine Wangen. Fühlte sich so Erleichterung an?
Neal reichte ihm eine Serviette aus dem Spender, ein sanftes Lächeln auf den Lippen.
„Es gibt nichts, wofür du dich entschuldigen müsstest, und nichts, was dir peinlich sein müsste. Ich mache einfach, was ich kann.“
„Das müsstest du aber nicht.“
„Nein“, sagte Neal, „aber ich will es.“
Der Scotch wurde ihm vor das Gesicht gehalten, direkt unterhalb der Nasenspitze.
„Planst du, dazusitzen und die ganze Nacht ins Nichts zu starren, oder willst du deine letzte Nacht in London feiern?“
Jenson blinzelte und Lincoln wurde wieder klar vor seinen Augen. Sein Kumpel schüttelte das Gläschen und räusperte sich. „Richtig.“ Jenson nahm den Scotch entgegen. „Entschuldige.“ Er rollte seine Schultern und drängte die knöcheltiefe Müdigkeit beiseite. Er setzte sein berühmtes Grinsen auf. „Ich habe den Punkt erreicht, an dem ich jetzt im Sitzen einschlafen könnte. Es war eine lange letzte Woche am Set.“ Er nahm einen Schluck Scotch, ließ das Brennen durch seine Brust wandern und seufzte. „Ich freue mich darauf, für eine Weile nach Hause zu gehen.“
Er war seit mehr als ein oder zwei Wochen nicht mehr zu Hause gewesen. Vor ihm lagen ein paar Monate ununterbrochenes Zuhause seins.
„Wir werden es sicherlich vermissen, dich in der Nähe zu haben“, sagte Lincoln lachend, als er sich in den Plüschstuhl neben Jensons niederließ.
„Du meinst, dein Junge wird es vermissen, einen zusätzlichen Dom zum Spielen zu haben.“ Er blickte Lincoln an und zwinkerte. „Ich werde ihn auch vermissen.“
Lincoln stieß sein Knie mit seinem an. „Wir werden dich beide vermissen, und nicht nur wegen der Sessions.“ Er grinste schief. „Aber ja, Jake wird es vermissen, einen zusätzlichen Dom zur Hand zu haben. Es ist ein Genuss für ihn, wenn er mit anderen geteilt wird. Apropos …“
Die Menge teilte sich und Jake trat nur in seinem Ledergeschirr und seinem schwarzen Höschen aus ihr hervor. Seine Brust war gerötet, die Ringe in seinen Brustwarzen glänzten in den pulsierenden Lichtern. Lincoln griff nach ihm, hakte einen Finger in den Mittelring des Geschirrs und zerrte Jake für einen leidenschaftlichen Kuss zu sich nach unten, der den anderen Mann keuchen ließ.
„Hallo, mein Kleiner.“
Jakes Wangen waren rot wie Äpfel. „Hallo, Daddy.“ Sein Blick wanderte zu Jenson. „Sir.“
„Los, begrüße ihn richtig.“ Lincoln klatschte Jake auf die Pobacken. „Er verlässt uns morgen früh, um nach Chicago zu gehen, also müssen wir ihn auskosten, solange wir können. Zeig ihm wirklich, wie sehr wir seine Gesellschaft in den vergangenen Wochen geschätzt haben.“
Große braune Augen füllten sich mit einem Schuldeingeständnis und richteten sich direkt auf Jenson, als Jake seinen treuherzigsten Ausdruck einsetzte. Er schob sogar die Unterlippe vor. Jenson fühlte, wie seine eigenen Lippen mit dem Drang zu grinsen zuckten, und er musste über Jakes Taktik lachen. Typischer Brat. Er spreizte seine Beine weiter, ließ Platz für Jake zwischen ihnen, und wartete, um zu sehen, was der Junge vorhatte.
Er blieb zwischen Jensons Schenkeln stehen. Ein Schauer überlief ihn, als Jenson seine Beine wieder zusammendrückte, um ihn zu fixieren. Seine Hände lagen locker auf Jensons Schultern.
„Müssen Sie gehen, Sir?“
„Hm-hm. Das tue ich.“ Jenson lehnte sich nach vorne, strich mit seiner Zunge von Jakes Nabel bis zwischen seine Brustwarzen und liebte die Art, wie der Junge erschauderte und seine Nägel in Jensons Schultern grub. Er zog sich zurück. „Ist es wirklich so schlimm für dich, mit deinem Daddy allein gelassen zu werden?“
Jake schüttelte seinen Kopf inbrünstig. „Nein, nein, Sir. Nie. Ich werde dich einfach vermissen.“ Seine Mundwinkel hoben sich und ein Funken von etwas Fiesem leuchtete in seinen Augen. „Daddy wird nur besonders erfinderisch, wenn du da bist.“
Lincoln und Jenson lachten.
„Die Wahrheit kommt heraus“, sagte Jenson und grinste, als er wieder näherkam, um eine Brustwarze zwischen seine Zähne zu nehmen und zu necken.
„Ich schätze, ich muss meine Spielfähigkeiten steigern“, bemerkte Lincoln trocken.
Jake drehte sich um, um ihn anzusehen, das Bild der Unschuld. „Ich weiß, dass Sie älter sind als Sir, also ist es schwieriger, mithalten zu können. Ich verstehe das.“
Jenson musste Jakes Brustwarze loslassen, bevor er sie vor lauter Lachen versehentlich durchbiss. Der pure Blick der Empörung auf Lincolns Gesicht war unbezahlbar. Jake sah zufrieden aus. Er blickte zu Jenson.
„Der hat gesessen, nicht wahr, Sir?“
Jenson schnaubte. Tränen waren ihm in die Augen getreten.
Jake quietschte und kicherte, als er eine Sekunde später über Lincolns Schulter geworfen wurde, sein knackiger Hintern sichtbar für alle. Und wie es der Zufall wollte, in einem perfekten Winkel für Lincolns freie Hand. Er wand sich, als das Klatschen ertönte.
„Autsch, Daddy.“ Der Protest wurde durch das anhaltende Lachen gemindert.
„Hm. Ich denke, er braucht mehr als das“, sagte Jenson.
„Oh, er bekommt definitiv mehr als das“, erwiderte Lincoln. Er bedeutete Jenson mit einem Nicken, aufzustehen. „Komm schon. Er bettelt um ein Spanking und wir werden es ihm geben. Lass uns eine freie Bank suchen. Ich denke, ein Paddel könnte geeignet sein.“
„Oh Daddy, das ist gemein.“ Jake stemmte seine Hände auf Lincolns Po und versuchte, sich herumzudrehen. „Du weißt, was sie sagen, das passiert, wenn man –“
„Wenn du irgendwann innerhalb der nächsten Woche wieder sitzen können willst, würde ich vorschlagen, dass du diesen Gedanken nicht beendest.“
Lincolns Stimme war scharf und voller Autorität, aber sie wurde von einer leichten Note von Verspieltheit unterstrichen. Er würde nicht zögern zu tun, was er gesagt hatte, aber beide, Lincoln und Jake, wussten, wo ihre Grenzen lagen, und Jake war nicht einmal in der Nähe. Das war nichts als ein bisschen Spaß zwischen ihnen. Eine Möglichkeit, um etwas Stress abzulassen.
Jenson sehnte sich nach einer Beziehung wie dieser. Stattdessen begnügte er sich im Moment damit, in die anderer Leute mit einzutauchen. Eines Tages hoffte er, dass er so etwas haben würde, das ihm gehörte. Sein ganz eigener Junge.
Jake hatte sich umgedreht. Als er Jensons Blick begegnete, streckte er die Zunge heraus und zog eine lustige Grimasse. Er war voll in spielerischem Modus. Jenson zog die Nase kraus und steckte ihm die Zunge heraus. Es lohnte sich, dafür das breite Grinsen auf Jakes Gesicht zu sehen, das fröhliche Erröten seiner Wangen, bevor er seinen Körper schlaff werden ließ, während Lincoln ihn durch den Club trug.
Auf der zweiten Ebene fanden offene Spiele und Ausstellungen statt, während der dritte Stock privaten Räumen gewidmet war. In den vielen Wochen, die Jenson in London gewesen war und mit Lincoln und Jake gespielt hatte, waren sie auf beiden Etagen gewesen. Heute Abend war es der zweite Stock, an dem Lincoln interessiert war.
Er fand eine freie Spanking-Bank und ließ Jake von seiner Schulter gleiten. Der Junge sank gehorsam auf dem Boden neben ihm auf die Knie, während Lincoln zwei Paddel aussuchte. Jenson blieb bei Jake, eine Hand in seinem Haar, streichelte beruhigend die weichen Strähnen und massierte leicht seine Kopfhaut. Als Lincoln zurückkehrte, halfen sie Jake gemeinsam auf die Bank, ihm die Pants anlassend, und schnallten ihn fest, wobei sie sicherstellten, dass er sicher und bequem befestigt war.
Lincoln legte die Hand an Jakes Wange. „Bereit, Junge?“
„Ja, Daddy.“
Inzwischen hatte sich eine kleine Menschentraube um die Bank versammelt. Lincoln überreichte Jenson sein bevorzugtes Paddel, eines aus Lexan, während er sein eigenes in die Hand nahm – ein flexibles, hölzernes. Lincoln rieb Jakes rechte Pobacke mit der Hand, dann versetzte er ihr einen leichten, kaum spürbaren Stupser mit dem Paddel. Jenson tat das Gleiche auf der linken Seite. Mit jedem Mal wurden die Schläge härter, von jedem von ihnen, bis jede Pobacke unter und rund um die schwarze Spitze von Jakes Pants rot leuchtete.
Sie wechselten sich mit den Schlägen ab. Lincolns Paddel schlug auf das feste Fleisch von Jakes Hintern, und dann folgte Jensons mit einem schärferen Schlag auf die andere Backe. Jake auf der Bank wand sich und schrie. Er stöhnte und bettelte. Bald ließ er locker, gab sich den Schlägen hin, das Geräusch seines Schluchzens ertönte laut in ihrer kleinen Blase. Nach und nach verminderten sie das Tempo, verlangsamten die Schläge bis zum Stillstand, lösten Jake aus seinen Fesselungen und rollten ihn auf der Bank auf den Rücken.
Jenson beugte sich vor, um Jakes pochenden, tropfenden Schwanz in den Mund zu nehmen. Lincoln kraulte die Eier seines Jungen. Jakes Schluchzen wurde lauter, seine Bauchmuskeln spannten sich an, als er sich seiner Erlösung näherte. Seine Finger kratzten über das Leder und Jenson griff nach einer von Jakes Händen und verschränkte ihre Finger miteinander, um Jake etwas zum Festhalten zu geben. Sein Mund wurde ein paar Sekunden später mit Jakes Sperma geflutet. Er behielt es in seinem Mund und wartete darauf, dass Jake fertig war, bevor er Lincoln küsste und das Sperma weitergab. Lincoln trennte sich schnell von ihm für Jakes Mund und zeigte ihm damit, wie sie alle zusammen schmeckten.
Während die beiden sich küssten und die Menge um die Bank sich zerstreute, jetzt, da die Show zu Ende war, streichelte Jenson Jakes zitternde Oberschenkel und sah zu, wie Lincoln die Tränen wegstreichelte, die ungebremst aus Jakes glückselig leuchtenden Augen drangen.
In vielerlei Hinsicht spielte es keine Rolle, ob Jenson zu Hause war, denn dort nahm auch ohne ihn alles seinen gewohnten Gang. Als er den schimmernden Boden der stillen Lobby überquerte und dem Rezeptionisten zunickte, der ihn mit einem höflichen „Guten Abend, Mr. Delaney“ begrüßte, wusste er, dass er seine Wohnung sauber und seinen Kühlschrank voll vorfinden würde. Der Reinigungsservice kam wöchentlich, egal, ob er zu Hause war oder nicht, und seine Lebensmittel waren auf einem Lieferplan vermerkt. Manchmal liebte er die Bequemlichkeit von all dem, und manchmal schmerzte es, wie weit er von den kleinen Dingen des alltäglichen Lebens entfernt war. Was an und für sich seltsam war. Wer bei vollem Verstand vermisste es, in einem Supermarkt einzukaufen?
Die Fahrt mit dem Aufzug hinauf in den zwölften Stock lief ohne Unterbrechung und war schnell vorbei. Zum Glück begegnete er keinem seiner Nachbarn. Es war mit einem Hauch von Erleichterung verbunden, als er seine Wohnung betrat, und er die Tür hinter sich zufallen ließ. Die Wohnung war makellos, weitgehend so, wie er sie verlassen hatte, und es war ganz und gar seine. Seine Kunstwerke an den Wänden. Wände, die hellgrau waren, eine Farbe, die er mochte und beruhigend fand. Seine Couch – eine große schwarze, stylische Monstrosität, die von Gott gemacht worden war, so gemütlich war sie. Er ging zu ihr und ließ sich mit einem Stöhnen in die Kissen sinken. Oh, ja. So viel besser als steife Hotelsofas und Klappstühle am Set.
„Ich habe dich vermisst, Liebling.“
Jenson liebte seinen Job. Er liebte es, die Welt zu bereisen und neue Orte zu sehen. Aber letztendlich war er ein Mensch, der gerne Dinge besaß. Er wollte seine Sachen. Er kam immer zu ihnen zurück. So war er gepolt.
Er war versucht, genau hier und jetzt einzuschlafen, seine Augen zu schließen und sein Magenknurren und das juckende Schreien seiner Haut nach einer Dusche zu ignorieren. Und sein Telefon. Er sollte den Flugzeugmodus wirklich ausschalten. Nur der Himmel wusste, wie viele Nachrichten und Anrufe er bis jetzt schon verpasst hatte. Seufzend rutschte er von der Couch und beschloss, dass er sich zuerst um das Essen kümmern musste.
Jenson war kein wählerischer Esser, aber er musste zugeben, dass es schön war, wieder amerikanische Essensoptionen zu haben. Vielleicht würde er eine Pizza backen und sie mit Hidden Valley Ranch-Dressing zukleistern. Lecker. Nach fast zwei Monaten Dreharbeiten in London konnte Jenson es sich leisten, einige zusätzliche Kalorien zu sich zu nehmen.
„Hmm. Worauf habe ich Lust?“ Er hatte keine Tiefkühlpizzen da, aber es befand sich ein Fertiggericht im zweiten Regal unten in seinem Kühlschrank. Er zog das Aluminium ab, um einen Mac and Cheese-Auflauf zu enthüllen.
„Gott sei Dank.“
Seine Reinigungskraft, Anna, war wirklich der beste Mensch aller Zeiten. Er fand eine Notiz mit Kochanweisungen auf der anderen Seite und schob das Gericht in den Ofen, um es zu erhitzen.
In der Zwischenzeit duschte er, wusch sich die Flugzeugluft von der Haut, und letztendlich ging er den unvermeidlichen Schritt, sein Handy wieder an das Netz zu lassen. Er konnte es unaufhörlich auf dem Badezimmerschrank vor sich hin piepsen hören, während er sich einseifte. Er ließ das heiße Wasser auf seine Muskeln prasseln und ihm die Haare an den Kopf kleben. Verspannungen, die er nicht einmal bemerkt hatte, lockerten sich.
Er lehnte seine Stirn gegen die kühlen Fliesen und ließ das Wasser seine Sache machen. Vielleicht war es Zeit für ihn, eine Pause einzulegen und sich auf etwas anderes als seine Karriere zu konzentrieren. Er war fast vierzig, und das zunehmende Silber an seinen Schläfen war ein sicheres Zeichen dafür, dass er nicht jünger wurde. Sein Leben war schnell und lustig, aber wie wäre es wohl, tief durchatmen zu können und einen Moment zu genießen, ohne sofort auf den nächsten springen zu müssen? Das nächste Filmprojekt. Das nächste Interview. Die nächste Preisverleihung.
Jenson liebte es, in seine Wohnung zurückzukehren, wenn auf der Arbeit alles gesagt und erledigt war. Er würde liebend gerne in eine Wohnung zurückkommen, wo ein Junge auf ihn warten würde.
Für jemanden, der immer von Leuten umgeben war, hasste Jenson es zuzugeben, dass er einsam wurde. Anfangs waren die Schlagzeilen und Artikel in den Klatschzeitschriften über ihn lustig gewesen. Sie hatten Jenson den unerreichbaren Junggesellen genannt, als er in seinen frühen Zwanzigern in Hollywood seinen Durchbruch hatte – zumal sie davon ausgegangen waren, dass er hetero sei. Dann wollte er frei sein. Wild. Aber jetzt versetzte es ihm einen kleinen Stich. Jenson war kein Junggeselle, weil er nicht daran glaubte, einen Partner zu wollen. Er hatte einfach niemanden getroffen, der ihn wirklich dazu brachte, ihn zu wollen. Jemanden, dem er vertrauen konnte.
Er stellte das Wasser ab, trocknete sich ab und blickte auf sein jetzt schweigendes Telefon und die angezeigten Benachrichtigungen. Sein Agent hatte zweimal angerufen. Jenson würde ihn bis morgen warten lassen. Sein Publicity-Manager hatte ihm fast ein Dutzend Mal geschrieben. Jenson ignorierte auch diese vorübergehend. Jake hatte ihn in einem Snap getaggt. Er rief es auf, um ein Bild von Jake mit seinem und Lincolns Hund Max auf dem Schoß zu sehen. Sie hatten jeweils den Welpenfilter über ihrem Gesicht. Ich hoffe, du hattest einen guten Flug!, stand darunter. Jenson schrieb zurück, um ihn wissen zu lassen, dass er sicher und gesund zu Hause angekommen war. Jake war wirklich ein süßer Kerl. Lincoln hatte unglaubliches Glück.
Eines Tages … eines Tages würde auch er dieses Glück haben.
Der Teller klirrte, als er auf den Tisch traf, und Mitchell blickte überrascht von seinen brüchigen Nägeln auf. Das Ding auf dem Teller sah aus wie ein Cheeseburger, mit allem Drum und Dran.
„Ähm.“ Er beäugte Neal. „Soll ich das jemandem servieren?“
Neal rollte heftig mit den Augen. Es sah aus, als hätte es wehgetan. Er warf sich auf den Stuhl gegenüber Mitchell und schob den Teller näher an ihn heran.
„Der ist für dich, Mitch. Niemand hat dich den ganzen Tag etwas essen gesehen. Wir fangen an, uns Sorgen zu machen, dass der nächste Windstoß dich wegfegen würde. Carter hat praktisch darum gebettelt, dir etwas kochen zu dürfen.“
Mitchell spürte Hitze in seine Wangen schießen und ein Lächeln an seinen Mundwinkeln zupfen. Carter war einer der Köche, ein großer Bär von einem dunkelhäutigen Mann mit der weichsten Stimme und einem Auftreten, das Ruhe ausstrahlte. Mitchell zog es oft zu Carters Arbeitsplatz – nicht immer, um zu reden, manchmal nur, um seine Ruhe in sich aufzunehmen.
„Ist es ein echter Burger?“, fragte er.
Er glaubte nicht, dass sie hier auch vegane Cheeseburger auf der Karte hatten.
Das Schnauben, das er damit von Neal provozierte, klang lustig.
„Nein, aber es wird wie einer schmecken. Los, los, probiere es aus. Du arbeitest hier seit fast zwei Wochen. Es wird Zeit, dass du das Essen testest.“
Er war schon versucht, das Essen auszuprobieren, seit er angefangen hatte, hier zu arbeiten, aber es war so teuer und Mitchell konnte nicht nach noch mehr fragen. Sie kamen ihm hier bereits so weit entgegen, da wäre es undankbar gewesen, um mehr zu bitten. Aber wenn sie es anboten, sogar darauf bestanden.
„Iss, Mitch. Du schaust das verdammte Ding an, als wären es eine Million Dollar.“
Er war am Verhungern. Er lebte größtenteils von Müsli, Samen und trockenen Bagels. Mitchell kratzte sich die Wange. „Okay, okay. Aber, ähm, kannst du mich nicht anstarren, während ich esse? Denn das ist merkwürdig.“
Neal lachte und klopfte mit den Knöcheln auf den Tisch, bevor er aufstand. „Sicher. Willst du eine Limonade, bevor ich verschwinde?“
„Ich kann sie selber holen.“
„Aber ich stehe schon, also musst du es nicht tun. Siehst du, wie das funktioniert?“ Neal klopfte ihm auf die Schulter. „Entspann dich, Alter. Du bist gerade in einer Pause.“
Sobald Neal ihm den Rücken zuwandte, nahm Mitchell seinen ersten Bissen. Das Stöhnen, das er hervorstieß, war nichts Geringeres als unanständig. Es war gut, dass die Umgebungsgeräusche im Vegan Eden laut genug war, um ihn zu übertönen. Er hatte seit Wochen, vielleicht seit Monaten nichts so Leckeres gekostet. Sein Magen knurrte. Bis Neal mit seiner Limonade zurückkam, hatte Mitchell den ganzen Burger verdrückt und fühlte sich zum Platzen voll. Er hatte so lange nichts so Sättigendes gegessen. Er legte seine Hand auf den Bauch und rieb darüber.
„Whoa“, sagte Neal. Er hielt ihm den Drink hin, ging dann weiter und sank auf den Platz, den er vorher verlassen hatte. „Ich schätze, du mochtest den Burger.“
„War gut.“
Neal grinste.
„Wir denken darüber nach, die Speisekarte auszubauen. Wir machen bisher nur Frühstück und Gebäck den ganzen Tag, aber es wäre schön, einige leichte Mittag- und Abendessen mitaufzunehmen. Du weißt schon, ein bisschen Abwechslung bieten.“ Er zuckte mit den Schultern. „Wir müssen mit allen anderen in der Stadt mithalten.“
Mitchell nahm den Raum und alles, was er durch die großen Fenster von der Terrasse sehen konnte, in sich auf. Es war fast vier Uhr und die meisten Tische waren voll. Er hatte das Diner aber noch nie völlig leer gesehen.
„Ja, ich weiß“, sagte Neal, als wäre er ein Gedankenleser.
Mitchell hob eine Augenbraue.
„Es läuft gut, aber so sehr, wie manche Menschen Veränderungen nicht mögen, tun es andere Leute. Also versuchen wir, beide in der Mitte zu treffen.“ Er winkte zur Kasse. „Wir haben ein Vorschlagsglas. Die Anfragen für weitere Mahlzeiten sind astronomisch. Wir machen ein gutes Geschäft, weil wir den ganzen Tag Frühstück servieren und wir keine Kette sind. So machen wir weiter; wir fügen einfach andere Gerichte zu der Mischung hinzu. Also, wenn die Leute ihre Zimt-Apfel-Pfannkuchen um sieben Uhr abends wollen oder lieber Ofenkartoffeln mit veganem Käse und Speck, können sie beides haben.“
„Es verwirrt mich immer noch, dass nichts davon tatsächlich echte Milchprodukte oder Fleisch sind.“
Mitchell dachte an Evan und wie sehr der Mann Fleisch geliebt hatte. Rotes Fleisch. Fisch. Hirsch. Alles davon. Er hatte gejagt und gefischt, als würde es aus der Mode kommen und er musste alles hereinholen, bevor jemand es weggeschnappte. Er schauderte. Evan war nicht immer so gewesen. Hatte es nicht immer genossen, alles und jedem um sich herum Schmerz zuzufügen. Nein, am Anfang war er völlig normal gewesen.
„Alles okay bei dir?“
Mitchell blinzelte. „Was?“
„Du wurdest gerade ziemlich blass. Fühlst du dich gut?“ Neals Gesicht drückte nichts als Sorge aus. Eine Hand hatte er bereits über den Tisch hinweg ausgestreckt, um Mitchells zu greifen, wenn nötig.
Mitchell schluckte trocken. Richtig. Neal hatte ihm Limonade mitgebracht, vielleicht würde das helfen. Er nahm einen großen Schluck und fuhr sich mit einer leicht zitternden Hand durch sein Haar.
„Ja, mir geht’s gut. Tut mir leid, ich habe nur eine Minute lang ins Nichts gestarrt. Passiert manchmal.“
Er musste aufhören, an Evan und die Vergangenheit zu denken.
„Bist du sicher?“
„Ja.“
Mitchell stopfte sich den Papierstrohhalm in den Mund und biss hinein, vorgebend, er würde trinken. Sein Magen verkrampfte schmerzhaft. Er hatte Evan vertraut und hatte geglaubt, er sei süß und normal. Er war bei ihm eingezogen und hatte ihm alles gegeben. Konnte Mitchell seinem eigenen Urteil überhaupt vertrauen, wenn Evan das Ergebnis dieses Fehlers gewesen war?
Er mochte Neal. Neal schien wirklich nett zu sein und wie ein guter Kerl. Aber was waren seine Hintergedanken? Hatte er wirklich keine? Mitchell versuchte, ihn nicht misstrauisch zu beäugen. Warum hat er gerade daran gedacht? Wäre er klug gewesen, wäre er von Anfang an misstrauisch gewesen. Er musste besser auf sich selbst aufpassen. Niemand sonst würde es tun wollen, ohne etwas im Gegenzug zu erwarten.
Der Strohhalm war durchgebissen, klaffte oben auseinander, als er ihn losließ.
Er zuckte zusammen, als Neal seine Hand drückte, eine schnelle Geste, die nur ein paar Sekunden dauerte.
„Ich weiß, es ist schwer, Mitch. Es wird besser werden.“ Er stand auf und nahm Mitchells Müll dabei mit. „Unsere Pause ist vorbei. Zieh dich nicht in dich zurück, Mitch.“
