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Die Lust an der Ausgelassenheit und am Verkleiden findet sich bei allen Kulturvölkern in unterschiedlichen Festbräuchen. In der christlich geprägten Welt kommen diese in der Fastnacht zum Ausdruck, im jüdischen Kulturkreis im Purimfest. Beide Feste haben ähnliche Erscheinungsformen, aber höchst unterschiedliche Wurzeln. Die Sonderausstellung des Fördervereins ehemalige Synagoge Kitzingen e.V. und des Deutschen Fastnachtmuseums stand daher unter dem Motto: jüdisch jeck, Fastnacht und Purim, eine Annäherung. Nachgespürt wird den vielfältigen Berührungspunkten der beiden Feste mit Verkleidungen, scherzhaften Spielen, charakteristischer Geräuschkulisse, Festgebäck und Berauschung (Schenk, Schaider, Wahner). Besonders interessant ist auch der Vergleich der Theaterformen des Purim- und des Fastnachtsspiels (Eifler). Doch auch das dunkle Kapitel des Karnevals im Dritten Reich mit antisemitischen Äußerungen und Ausschlüssen von jüdischen Mitgliedern bleibt nicht ausgespart (McDaniel). Darüber hinaus wird ein Vergleich von christlichen und jüdischen Narrengestalten, beispielsweise Till Eulenspiegel und Hersch Ostropoler, gezogen und auch die literarische Figur des Juden in Grimmschen Märchen und in der Volksliteratur beleuchtet (Sandner). In der Rhöner Fastnacht sind die Holzmasken der sogenannten Jüden bekannt (Deiters). Biographien bekannter jüdischer Karnevalisten, beispielsweise Hans Tobar, Simon Oppenheim und Max Salomon, ergänzen die Darstellung (Santana Silva). Selbstverständlich fehlt auch ein Blick auf den jüdischen Witz und Humor nicht (Pinsky, Bischof, Schmidt). Abschließend werden museumspädagogische Zugänge in der Sonderausstellung reflektiert, eingebettet in eine Darstellung museumspädagogischer Angebote an jüdischen Museen (Weigel). Vorwort und Nachwort stammen von Margret Löther und Hans Driesel.
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Seitenzahl: 107
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Margret Löther
: Vorwort
Romana Wahner
: Jecke Jeckes – Zur Bedeutung der Bezeichnung „Jecke“
Günter Schenk
: Purim und Fastnacht – Abendvortrag anlässlich der Ausstellungseröffnung am 12.03.2017
Denise Schaider
: Am Anfang war die schlaue Esther – Purim – das „Fest der Lose“
Romana Wahner
: Purim in Gailingen – Auch am Hochrhein: jüdisch jeck
Lavinia Eifler
: Theater, Theater (der Vorhang geht auf) – Fastnachts- und Purimspiele
Daniela Sandner
: Von Schalksnarren und Schildbürgern – Eulenspiegel überall
Alexander Pinsky
: Kennen Sie „den“? – Jüdischer Witz als Kategorie
Diethart Bischof:
„Wenn der Rabbi Tacheles redet“ – Ein Streifzug durch den jüdischen Humor
Elisabeth Schmidt
: Humor ist, wenn man trotzdem lacht – Jüdische Komiker
Ryan McDaniel
: Da hört(e) der Spaß auf – Der Karneval und das Dritte Reich
Hellen Santana Silva
: Karnevaleske Biographien – Simon Oppenheim, Hans Tobar und Max Salomon
Romana Wahner
: Jacob Mayer – Mundartdichter und Fastnachter aus Buchen
Tabea Deiters
: Von Blauen Jüden, Schlappjüden und Wille Jeud – Die Judenfiguren der Rhöner Fastnacht
Sandra Weigel
: Museumspädagogik in jüdischen Museen und in der Sonderausstellung „jüdisch jeck“
Hans Driesel
: Nachwort
von Margret Löther
Auf Pieter Bruegels berühmtem Fastnachtsbild von 1559 begegnen sich die ernste „Frau Fasten“ mit dem ganz gegensätzlich gear– teten „Junker Karneval“ – in Kitzingen konzipieren 2016/17 das Deutsche Fastnachtmuseum und der Förderverein ehemalige Synagoge Kitzingen, zwei sehr unterschiedliche Institutionen, unter dem Titel „Jüdisch jeck. Fastnacht und Purim – eine Annäherung“ eine gemeinsame Ausstellung!?
„Narischkajten“ (jiddisch), die der Klärung bedürfen...
Auf die thematische Spur brachten uns der winzige Altenschönbacher Genisa-Fund eines „Jüdischen Eulenspiegels“, die Renaissance des sprichwörtlichen „Jüdischen Witz und Humor“ in zahlreichen neuen Publikationen, ein entzückendes Photo aus Mainstockheim, das jüdische Kinder um 1930 in Purim-Kostümen zeigt und das erschütternde eines Kölner Karnevalswagens aus der Zeit des Nationalsozialismus, auf dem „dem Juden“ grausam der Garaus gemacht wird.
Im Deutschen Fastnachtmuseum harrten schon lange die traditionellen Holzmasken der „Rhöner Jüden“, das Wissen um jüdische Beteiligung bei römischen und venezianischen Karnevalsumzüge und ein prachtvoller Orden des einzigen jüdischen Karnevalsvereins nebst den Biographien etlicher jüdischer Karnevalisten ihrer Entdeckung und Publizierung entgegen...
Fastnacht und Purim, das jüdische „Fest der Lose“, begegneten sich möglicherweise bereits im venezianischen Karneval des 16. Jahrhunderts. Beide sind Freudenfeste mit Verkleidungen, scherz– haften Spielen, charakteristischer Geräuschkulisse, Festgebäck und Berauschung – wenn auch mit unterschiedlichen Hintergründen.
An Purim wird die Rettung des jüdischen Volkes vor der persischen Übermacht durch „die schlaue Esther“ gefeiert.
Dass dieses volkstümlich begangene jüdische Fest auch in den neu entstehenden deutschen jüdischen Gemeinden in der Nachkriegszeit weiter und wieder gepflegt wurde, entging der bundesrepublikanischen Mehrheitsgesellschaft.
Es ist wohl vor allem der Sammlertätigkeit der jungen jüdischen Museen zu verdanken, dass mit den historischen Purim-Objekten – Ratschen, Klappern, Esther-Rollen, Photographien – ein Aspekt der jüdisch-deutschen Festkultur in Vergangenheit und Gegenwart vor dem Vergessen bewahrt werden kann.
Über das „Purimfest 1948“ fand die Ausstellung „Jüdisch jeck“ auch ihre Schirmherrin, Frau Dr. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Wie Frau Dr. Knobloch kürzlich in einem Interview mit der ZEIT erzählte, begegnete sie dort beim Tanz ihrem späteren Ehemann zum ersten Mal...
von Romana Wahner
Der Begriff „Jecke“ bezeichnet die deutschen Juden, die in den 1930er Jahren, vor den europäischen Repressionen fliehend, nach Palästina ausgewandert sind. Es gibt verschiedene Theorien für die Herkunft dieser Bezeichnung. Die Erste besagt, dass sich diese tatsächlich vom rheinischen Wort „jeck“ ableite. Dies bedeutet „närrisch“ und soll in Israel als Spottwort für den übereifrigen und überkorrekten deutschen Juden verstanden werden. Eine zweite Theorie besagt, dass es sich hierbei um die Verfälschung des deutschen Wortes „Jacke“ handle. Denn die deutschen Juden lehnten es scheinbar ab, den traditionellen Kaftan oder Rock der orthodoxen Juden in ihrer neuen Heimat zu tragen. Stattdessen trugen sie weiter ihre deutsche Tracht mit Hose und Jacke. Selbst bei körperlichen Anstrengungen blieb die förmliche Jacke angezogen, wofür sie viel Spott ernteten. Deutsche Juden wurden meist als unpassend gekleidet beschrieben, da sowohl Frauen und Männer zu vornehm bekleidet waren. Eine dritte Theorie vermutet, dass sich hinter dem Begriff „Jecke“ ein Akronym für „Jehudi Kshe Havana“ („geistloser Jude“) verbirgt. Alle drei Theorien lassen erkennen, dass der Begriff „Jecke“ negativ konnotiert war. Die „Jeckes“ waren als legalistisch, förmlich, überpünktlich, aber zugleich als diszipliniert und kultiviert bekannt. Man machte sich über ihre vermeintlich kleinliche Art lustig und es herrschte das Vorurteil, dass sie beschränkt und humorlos wären. So entstanden viele Witze auf Kosten der „Jecke“1, wie beispielsweise folgender Witz:
„Ein junger Israeli hört von weitem auf einer Baustelle ein psalmodierendes Geräusch. Neugierig tritt er näher. Da steht eine Reihe halbnackter, rotgebrannter Männer, sie reichen sich Ziegelsteine zu und murmeln: „Bitte schön, Herr Doktor!“ – „Danke schön, Herr Staatsanwalt!“ – „Bitte schön, Herr Professor!“ – „Danke schön, Herr Justizrat!“2
In Israel mussten deutsche Juden nach ihrer Ankunft meist niedere Arbeiten tätigen und konnten ihren einstigen Beruf nicht weiter ausüben. Die Einwanderer wollten aber ihren gewohnten europäischen Lebensstandard auch in der neuen Heimat beibehalten. Sie brachten eine europäische Urbanität nach Israel. Dazu zählten Statussymbole wie Autos, Kunstwerke und neueste Technik. Die „Jeckes“ hatten darüber hinaus auch höhere Ansprüche an grundlegende Bedürfnisse, wie Hygiene und das Gesundheitswesen. Denn in Palästina gab es in den 1930er Jahren kaum moderne Einrichtungen dieser Art. Obwohl die „Jeckes“ von den Einheimischen kritisch beäugt wurden, hielten sie an ihrer ‚andersartigen‘ deutsch-jüdischen Identität fest. Die offensichtliche Weigerung, sich anzupassen, wurde von außen stark kritisiert. Doch die emotionale Bindung der „Jeckes“ an Deutschland blieb auch in ihrer neuen Heimat bestehen. Entgegen allen Vorurteilen und den damit einhergehenden Diskriminierungen zum Trotz leisteten die deutschen Juden einen großen und wichtigen Beitrag für die Entwicklung eines modernen Israel. So orientierte es sich, wirtschaftlich und politisch, mehr und mehr an der westlichen Welt. Der einstige Negativbegriff „Jecke“ ist heute positiv konnotiert. Deutsche Juden bezeichnen sich nun selbst so, voller Stolz. Die vermeintliche Überkorrektheit wird nun, im Sinne von Verlässlichkeit und Diszipliniertheit, positiv bewertet. Denn Handwerker in Israel, egal welcher Herkunft, bezeichnen sich heute gerne als „Jecke“. Dies bedeutet, dass sie verlässliche und genaue Arbeit leisten.3
1 Greif, Gideon; McPherson; Weinbaum, Laurence (Hg.) (2000): Die Jeckes. Deutsche Juden aus Israel erzählen. Köln [u.a.]. Böhlau. S. 1ff.
2http://www.segne-israel.de/dokumente/witze.htm [28.02.2017].
3 Greif [u.a.] (2000). S. 3ff.
von Günter Schenk
Meine Damen und Herren, Guten Abend und – wie es dem heutigen Abend gebührt – Schalom!
Was haben Purim und Fastnacht gemeinsam? Ein jüdischer Brauch mit einem inzwischen in vielen Teilen der Welt gefeierten Fest, das Millionen Menschen vor Beginn der österlichen Fastenzeit – für ein paar Stunden, Tage oder gar Wochen – miteinander vereint. Das in seinen postmodernen Formen die Bindung an diese Zeit allerdings immer mehr zu verlieren scheint und so längst auch Rosenmontagszüge im Mai möglich macht. Ein Unding eigentlich. Aber auch eine Tatsache, die jedem von uns vor Augen führt, wie kulturelle Demenz in unserer Gesellschaft heute aussieht.
Was also, meine Damen und Herren, haben Purim und Fastnacht gemeinsam? Was rechtfertigt eine Ausstellung über jüdische Traditionen in einem Deutschen Fastnachtmuseum? Ist es der Zeitgeist – oder der Versuch, in einer globalisierten Welt kulturelle Unterschiede einzuebnen? Oder ist es ein ambitioniertes Museumsprojekt, zwei scheinbar ganz unterschiedliche Manifestationen kulturellen Lebens auf gemeinsame Wurzeln abzuklopfen?
Ich selbst habe das Purim-Fest vor einigen Jahrzehnten in Israel kennengelernt – zusammen mit dem Volkskundler oder, wie man heute sagt, Kulturanthropologen Professor Herbert Schwedt, der nicht nur die Mainzer Fastnacht empirisch unter die wissenschaftliche Lupe genommen hat, sondern auch Kostüme und Masken der schwäbisch-alemannischen Fasnacht.
Höhepunkt unserer gemeinsamen Reise war die Einladung zu einer Purim-Feier in einer streng orthodoxen jüdischen Gemeinde. Kein Wort habe ich dort verstanden. Trotzdem hat mir der Abend vor Augen geführt, wie gemeinschaftsstiftend und identitätsfördernd närrische Feste sein können. In der Synagoge wurde nämlich nicht nur lustig, sondern vor allem lustvoll gefeiert. Immer wieder gab es spontane, aus dem Stegreif gehaltene kurze und launige Reden und gemeinsam gesungene Lieder – so ähnlich, meine Damen und Herren, ging es übrigens auch in den ersten Tagen des organisierten Karnevals vor knapp 200 Jahren bei uns zu, in den ersten närrischen „Generalversammlungen“, wie die Karnevalssitzungen damals hießen.
Ich hätte diesen Abend, wie viele andere närrische Bräuche auch, gern mit der Fotokamera dokumentiert und festgehalten, aber allein die Frage danach stellte sich mir damals nicht. Schließlich haben auch Bräuche Respekt verdient! Geblieben sind so nur die Bilder im Kopf, die meine Vorstellung von dem, was Fastnacht, Fasching oder Karneval eigentlich ist, entscheidend geprägt haben. In dieser orthodoxen Gemeinde in Israel ist mir erstmals auch richtig bewusst geworden, wie Sprache und nationale Identitäten hinter wirkmächtigen Ritualen und Traditionen verblassen.
Purim und Fastnacht, meine Damen und Herren, ahnen Sie spätestens jetzt, haben vieles gemeinsam. Werfen wir deshalb zusammen einen Blick auf die beiden Feste und ihre Geschichte.
Im Jahr 1530 beschrieb ein zum Christentum konvertierter Autor das Purim-Fest, wie es damals in deutschen Landen von den Juden gefeiert wurde, wie folgt: „Danach haben die Juden am 14. tag hornung – das ist die alte Bezeichnung für den Monat Februar – ein Fastnachtsfest, das sie Purim heißen. Den Tag davor wird gefastet. Kein Volk ist so lustig und ausgelassen wie die Juden an diesem Fest. Sie spielen, essen und trinken im Übermaß, schlüpfen in andere Kleidung, machen Sprüche und sind viel närrischer als die Christen an ihrer Fastnacht. Außerdem machen sie viele süße und seltsame Speisen.“
Und weiter heißt es in diesem Bericht aus dem 16. Jahrhundert: „Wer nach der Ursache dieses Festes sucht, findet sie im Buch Ester. Und die Jungen fertigen hölzerne Klappern und wie wir am Karfreitag den Judas beschimpfen, lärmen sie mit ihren Klappern bei der Erwähnung des Namens Haman“.
Anno 1603 schreibt ein anderer Autor über die Purim feiernden Juden: „Sie tun also nichts anderes die zwei Tage als Fressen, Saufen, Spielen,Tanzen, Pfeiffen, Singen, Reimen und Sprüche klopfen. Die Frauen verkleiden sich als Männer, die Männer schlüpfen in Weibskleider. Und obwohl das ausdrücklich im Gesetz verboten ist, schreiben sie, das sei keine Sünde, weil man es nur weltlicher Freude und Kurzweil wegen tue“.
Ich habe diese Beschreibungen des Purimfestes, die ich in die Sprache von heute übertragen habe, ausgesucht, damit sie einen Eindruck bekommen, wie Christen das Purimfest der Juden einst wahrgenommen haben – und welche Gemeinsamkeiten die beiden Feste schon damals hatten. Denn auch die Fastnacht – der das Konzil von Benevent 1091 mit der Neuterminierung des Aschermittwochs und der damit verbundenen Festlegung der österlichen Fastenzeit den Boden bereitet hatte – war ein Fest der Völlerei, bei dem die in der Fastenzeit nicht mehr erlaubten Speisen wie Fleisch, Fett oder Eier aufgebraucht werden mussten.
Jahrhunderte jedenfalls feierte man so Fastnacht, in kleiner oder größerer Gemeinschaft – bis das Fest Anfang des 19. Jahrhunderts, im Zug der Neuordnung Europas, der Aufklärung und den mit ihr einhergehenden Moralvorstellungen, in Verruf geriet. Zügellosigkeit und Suff passten nicht in die Welt der neuen Bildungsbürger, aus deren Reihen 1823 die Fastnacht schließlich in Köln grundlegend reformiert wurde. „Festordnendes Komitee“ nannten sich die Reformer bewusst, die mit dem Rosenmontagszug einen neuen Fixpunkt für allen Mummenschanz schufen und der Narretei ein neues Gesicht gaben. Wie das heute aussieht, muß ich Ihnen hier im Saal sicher nicht länger erklären.
Purim-Feierlichkeiten „La Fete de Purim“ in der portugiesischen Synagoge, Balthasar Bernaerts, um 1730.
Schauen wir lieber auf das Purimfest, von dem die meisten von Ihnen bisher wenig oder vielleicht noch gar nichts gehört haben. Im alten jüdischen Jahreszyklus markierte es den letzten Kalendermonat, gefolgt vom ersten Frühlingsmonat. Kalendarisch, das ist die erste Botschaft der Gemeinsamkeiten zwischen Fastnacht und Purim, korrespondieren also beide Feste miteinander. Und wie die Fastnacht hat auch Purim kulturelle Ahnen. Wissenschaftler erinnern in diesem Zusammenhang gern an das babylonische Neujahrsfest und verweisen darauf, dass Mordechai und Esther – also die biblischen Helden des Purimfestes – den babylonischen Göttern Marduk und Ischtar entsprechen. Andere Forscher wollen Purim von einem persischen Fest herleiten, bei dem ebenfalls viel gegessen und getrunken wurde.
Wie auch immer: Erstmals Erwähnung jedenfalls findet Purim im sogenannten zweiten Buch der Makkabäer. Einem Teil der Bibel, der ein halbes Jahrhundert vor Beginn unserer heutigen Zeitrechnung entstand. Damals hieß das Fest noch Mordechai-Tag und erinnerte damit an Esthers Vormund Mordechai, der wie Esther am Hof des Perserkönigs Ahasveros gelebt haben soll. Soll, sage ich, denn historisch belegt ist allenfalls, dass im 5. Jahrhundert vor Christus ein König namens Xerxes in der persischen Stadt Susa regierte. Dieser König soll nach jüdischem Verständnis Ahasveros gewesen sein.
Alles andere, meine Damen und Herren, ist biblische Legende – festgehalten im sogenannten Buch Ester. In seinem Mittelpunkt steht Esther: ein jüdisches Waisenkind, das bei ihrem Vetter Mordechai aufwächst und ihrer Schönheit und Anmut wegen schließlich von Ahasveros geheiratet wird.
