Judith Butler und die Veränderbarkeit der Geschlechterkategorien -  - E-Book

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Beschreibung

Studienarbeit aus dem Jahr 2015 im Fachbereich Soziologie - Beziehungen und Familie, Note: 1,3, Universität Hamburg (Sozialwissenschaften), Veranstaltung: Soziale Strukturen im internationalen Vergleich, Sprache: Deutsch, Abstract: Im Folgenden soll gezeigt werden, inwiefern der Ansatz Butlers die Möglichkeit bietet, zur Veränderung der Geschlechterkategorien beizutragen. Das Buch "Das Unbehagen der Geschlechter" dient der folgenden Analyse als Grundlage. Zum Verständnis ihrer Arbeitsweise soll einführend Butlers Analyserahmen beschrieben werden. Der erste Teil der Arbeit befasst sich mit Butlers kritischer Auseinandersetzung mit den Begriffen Geschlecht (sex) und Geschlechtsidentität (gender). Daran anschließend richtet sich die Untersuchung auf die kulturelle Konstruktion der beiden Kategorien. Im Fokus steht dabei der Einfluss verschiedener Konzepte wie die Heterosexuellen Matrix und die Zwangsheterosexualität. Gefolgt von einem Einblick in Butlers Ansatz zur Performativität der Geschlechter, welcher in ihre politische Strategie der parodischen Wiederholung führt. Am Ende dieser Arbeit wird auf die kritische Rezeption Butlers Theorie eingegangen, um einige Schwierigkeiten ihrer Theorie darzulegen, die für die Beantwortung der einleitenden Frage von Bedeutung sind. Abschließend wird sich jedoch zeigen, dass trotz der Einwände, die aber größtenteils durch die verschiedenen Standpunkte der Kritiker ergeben, Butlers Theorie einen geeigneten Ansatz bietet, die Geschlechterkategorien aufzubrechen.

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Veröffentlichungsjahr: 2016

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Inhaltsverzeichnis

 

1. Einleitung

1.1. Butlers kritische Methode

2. Diskurs als Rahmen der Kritik

2.1. Geschlecht gleich Geschlechtsidentität?

3. Geschlecht als Effekt des hegemonialen Diskurses

3.1. Die Macht der Normen

3.2. Die Grenzen des Menschlichen

3.3. Umkehr zwischen Ursache und Effekt

3.4. Die produktive Kraft der Gesetze

4. Geschlecht als performativer Effekt

4.1. Butlers Strategie der Subversion

5. Kritik an Butlers Geschlechtertheorie

6. Fazit: Grenzen und Möglichkeiten der Veränderbarkeit der Geschlechterkategorien durch Butlers Theorie

Literaturverzeichnis

 

1. Einleitung

Die alltägliche Unterscheidung von Mann und Frau ist für die meisten Menschen eine selbstverständliche Tatsache, die sie als wahrnehmbare Erfahrung erleben. Mit diesem Model der Differenz geht meist auch die Annahme einher, dass zahlreicher Unterschiede im Denken und Handeln zwischen den beiden Geschlechtern bestehen. Dieser Auffassung stehen heute jedoch zahlreiche wissenschaftliche Belege entgegen, welche das Gegenteil beweisen. Auch die Eindeutigkeit der biologischen Faktoren, welche Männer und Frauen in zwei Gruppen teilen ist stark umstritten. Bei der Frage, was die Frau zur Frau und den Mann zum Mann macht, gibt es unterschiedliche Auffassungen. Manche beziehen sich auf die Chromsomen, andere auf die Hormonkonstellation, wiederum andere auf das anatomische Geschlecht. Doch die wissenschaftlichen Erkenntnisse haben gezeigt, dass keiner dieser Faktoren eine eindeutige Grundlage bietet. Es gibt Frauen, welchen ein zweites X-Chromosom fehlt, widersprüchliche Hormonkonstellationen und eine Vielzahl an von der Norm abweichenden Geschlechtsorganen (vgl. Connell 76f.). Manche mögen diese Inkohärenzen als natürliche Abweichungen der Natur bezeichnen, die keine Relevanz für die Mehrheit der Menschen hat. Aber die Auswirkungen der Doktrin der Geschlechterdifferenz betreffen alle Menschen. Eine der führenden Forscher_innen im Bereich der Geschlechterunterschiede, Janet Hyde, verweist auf ihre schädlichen Folgen in der Kindererziehung, für die Rechte der Frauen in Beschäftigungsverhältnissen und für die emotionalen Beziehungen aller Erwachsenen (Hyde 589f.)

In ihrem Buch Das Unbehagen der Geschlechter befasst sich Judith Butler mit der Analyse der Geschlechternormen und Geschlechterkategorien, um den Spielraum für Geschlechterkonfigurationen auszuweiten und damit undenkbaren Wesen die Möglichkeit zu eröffnen, aus der Ausgeschlossenheit auszutreten und in das Feld des mit dem Verstand wahrnehmbaren einzutreten, indem sie die Konstruktion der Geschlechterkategorien aufzeigt und diese zu verschieben versucht. »[Es] geht [ihr] um den Versuch, zur Geschlechter-Verwirrung anzustiften« durch die Vervielfältigung jener konstitutiven Kategorien.Sie sagt:

»One might wonder what use ›opening up possibilities‹ finally is, but no one who has understood what it is to live in the social world as what is ›impossible‹ illegible, unrealizable, unreal, and illegitimate is likely to pose that question (Butler 1999, viii).

Im Folgenden soll gezeigt werden, inwiefern ihr Ansatz die Möglichkeit bietet zur Veränderung der Geschlechterkategorien beizutragen.

Das Buch Das Unbehagen der Geschlechter dient der folgenden Analyse zur Grundlage. Zum Verständnis ihrer Arbeitsweise soll einführend Butlers Analyserahmen beschrieben werden. Der erste Teil der Arbeit befasst sich mit Butlers kritischer Auseinandersetzung mit den Begriffen Geschlecht (sex) und Geschlechtsidentität (gender). Daran anschließend richtet sich die Untersuchung auf die kulturelle Konstruktion der beiden Kategorien. Im Fokus steht dabei der Einfluss verschiedener Konzepte wie die Heterosexuellen Matrix und die Zwangsheterosexualität. Gefolgt von einem Einblick in Butlers Ansatz zur Performativität der Geschlechter, welcher in ihre politische Strategie der parodischen Wiederholung führt. Am Ende dieser Arbeit wird auf die kritische Rezeption Butlers Theorie eingegangen, um einige Schwierigkeiten ihrer Theorie darzulegen, die für die Beantwortung der einleitenden Frage von Bedeutung sind. Abschließend wird sich jedoch zeigen, dass trotz der Einwände, die aber größtenteils durch die verschiedenen Standpunkte der Kritiker ergeben, Butlers Theorie einen geeigneten Ansatz bietet, die Geschlechterkategorien aufzubrechen.

1.1. Butlers kritische Methode

Um die Geschlechterkategorien als Effekt einer spezifischen Machtformation zu enthüllen, greift Butler in ihrer Untersuchung auf das Mittel der Genealogie zurück. Das Ziel einer Genealogie ist es, die Kontingenz eines Phänomens durch die Analyse der für ihre Entstehung verantwortlichen Machtmechanismen, nachzuweisen (vgl. Redecker 44). Sie weicht in ihrer Analyse jedoch von einer klassischen Genealogie ab, welche eine geschichtliche diskontinuierliche Entwicklung nachzuweisen versucht, da sie nicht historisch arbeitet. Ein weiteres Instrument ihrer Arbeit ist die Lektürenpraxis der Dekonstruktion. Butlers Ziel der Dekonstruktion richtet sich darauf in vermeintlich geschlossenen Systemen Widersprüche zu lokalisieren. Dies gelingt ihr durch das Zusammenführen verschiedener Texte, so »dass sie sich sozusagen gegenseitig die Finger auf den blinden Flecken legen.« (Ebd. 46)

In Das Unbehagen der Geschlechter umfasst Butlers kritische Genealogie ganz unterschiedliche Diskursgebiete und Autor_innen. Unter anderem analysiert sie hierfür Vertreter aus der Psychoanalyse, wie Jacques Lacan und Sigmund Freud, die Autorinnen Luce Irigaray, Monique Witting der feministischen und lesbischen Theorie der Differenz, Michel Foucault mit seiner Diskurs und Machttheorie sowie Claude L’evi-Strauss und Mary Douglas aus der strukturalistischen Anthropologie.