Verlag: dtv Verlagsgesellschaft Kategorie: Abenteuer, Thriller, Horror Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2018

Kaiserschmarrndrama E-Book

Rita Falk  

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E-Book-Beschreibung Kaiserschmarrndrama - Rita Falk

Der neunte Fall für den EberhoferIm Wald von Niederkaltenkirchen wird eine nackte Tote gefunden. Sie war erst kurz zuvor beim Simmerl in den ersten Stock gezogen und hat unter dem Namen »Mona« Stripshows im Internet angeboten. Der Eberhofer steht vor pikanten Ermittlungen, denn zum Kreis der Verdächtigen zählen ein paar ihrer Kunden, darunter der Leopold, der Simmerl und der Flötzinger. Harte Zeiten für den Franz, auch privat: Das Doppelhaus vom Leopold und der Susi wächst in dem Maße wie Franz’ Unlust auf das traute Familienglück. Dann: die zweite Tote im Wald. Das gleiche Beuteschema. Ein Serienmörder in Niederkaltenkirchen?

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E-Book-Leseprobe Kaiserschmarrndrama - Rita Falk

Rita Falk

Kaiserschmarrndrama

Ein Provinzkrimi

dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, München

Kapitel 1

»Da, schau her, Eberhofer«, knurrt mich unsere dorfeigene Metzgersgattin gleich an, kaum dass sie bei mir zur Bürotür reinkommt, schmeißt eine Tablettenbox auf meinen Schreibtisch und somit exakt vor meine Füße. »Vi-a-gra!«, fügt sie betont langsam und bedrohlich hintendran. Ich schau mir die Schachtel an und: Ja, sie hat recht. Viagra.

»Aha. Und womit kann ich dir jetzt behilflich sein, liebe Gisela?«, frag ich, weil ich’s wirklich nicht weiß.

»Jetzt red nicht so geschwollen daher, Dorfsheriff«, antwortet sie, zieht sich den Stuhl visavis hervor und nimmt schnaufend Platz. »Die hab ich bei meinem Alten im Schreibtisch gefunden.«

»Und was genau hast du bei deinem Alten im Schreibtisch zu suchen?«

»Einen Locher, ’zefix! Ich hab einen geschissenen Locher gesucht«, keift sie über die Ahornplatte hinweg.

»Du hast einen Locher gesucht und Viagra gefunden. Irgendwie witzig«, sag ich, während ich die Schachtel in alle Richtungen wende, und muss grinsen. Der Simmerl, der alte Lustmolch, der wird doch nicht …

»Witzig findest du das?! Ja, das war irgendwie klar, Eberhofer. Ich dagegen kann daran aber gar nix Witziges finden, verstehst. Ganz besonders nicht, weil bereits zwei Tabletten fehlen und ich ganz genau weiß, dass sie nicht meinetwegen fehlen.«

»Ja, aber meinetwegen fehlen sie auch nicht, Gisela. Garantiert nicht.«

»Haha, wirklich sehr lustig, Franz. Aber da, mein Freund, da hat bei mir der Spaß ein Loch, verstehst mich? Und du sagst mir jetzt gefälligst prontissimo, was du drüber weißt!«

Was ich drüber weiß. Gar nix weiß ich drüber. Und wie sollte ich auch? Schließlich und endlich ist der Simmerl nur der Metzger meines Vertrauens und so was wie ein alter Spezl halt. Und mit alten Spezln, da redet man nicht über Viagra. Nicht ums Verrecken. Weil man sich nämlich nicht zum Deppen macht. Wie sollte das auch gehen? Du, Franz, schau mal, ich hab mir da mal so ein Viagra besorgt, und jetzt schauen wir mal, was da so läuft … Nein, sicherlich nicht. Und das sag ich ihr auch. »Gisela«, sag ich. »Ich red mit deinem Gatten über Autos oder Bier, Fußball und gelegentlich auch über Weiber. Manchmal sogar über die Fleischpreise, etwas Politisches oder höchstens noch was Zwischenmenschliches. Aber wir reden nicht über Viagra. Definitiv nicht. Ob du das nun glaubst oder nicht.«

»Aber du bist doch sein Freund, Franz«, hakt sie weiter nach, und ihre Stimme ist nun nicht mehr so schrill. »Ich mein, da würd er dir doch vielleicht erzählen, wenn er … also, wenn da eine andere wär.«

»Vielleicht ja, vielleicht nein. Hat er aber nicht.«

»Wirklich nicht?«

»Nein.«

»Und so rein als Polizist gesehen, wie würdest du da die Sache mit dem Viagra einschätzen?«, bohrt sie weiter nach.

»Ja, keine Ahnung«, sag ich und zuck mit den Schultern.

Aus dem Augenwinkel heraus kann ich sehen, wie jetzt ein Wagen vorm Rathaus anrollt. Gas-Wasser-Heizung Flötzinger steht da drauf. Der hat mir grad noch gefehlt!

»Der Flötzinger«, sagt die Gisela, nachdem nun auch ihr Blick rüber zum Fenster wandert. »Der hat mir grad noch gefehlt.«

Ich heb meine Haxen vom Schreibtisch runter und nehm einen Schluck Kaffee. Der ist zwar mittlerweile nicht mehr warm, von heiß gar nicht zu reden, eher so lau, aber um einen neuen zu kriegen, da müsst ich nach vorn zu den Verwaltungsschnepfen, weil da die einzige Kaffeemaschine rumsteht. Doch erst mal sehen, was den Flötzinger so hertreibt.

In dem Moment klopft es kurz an der Tür, und er erscheint in all seiner ganzen Herrlichkeit. Also praktisch in seinem schmierigen Blaumann, mit einem äußerst ungepflegten Bart und total beschlagenen Brillengläsern. Irgendwie grindig halt.

Nach einem kollektiven Servus setzt er sich nieder und beginnt seine Brille zu putzen. »Du, Gisela, die schöne Maid, die da momentan ständig mit irgendwelchen Kartons bei euch ein und aus geht, zieht die womöglich bei euch ein, oder was? In die leere Wohnung von eurem Max vielleicht?«, fragt er dann erst mal polierenderweise.

»Ja, ja«, erwidert die Gisela. »Dem Maxl, dem haben wir doch so eine von diesen todschicken Wohnungen drüben im Neubaugebiet gekauft, weißt. Und irgendwie versteh ich’s ja auch nicht: Obwohl ihn erst vor kurzem seine Ex, also praktisch diese elendige Schlampe, von heut auf morgen einfach hat sitzen lassen, will er ums Verrecken nicht mehr heimkommen zu uns. Er muss sein eigenes Ding durchziehen, sagt er.«

»Verstehe«, sagt der Flötzinger und wirft einen kontrollierenden Blick durch seine Gläser.

Ja, mei, erzählt die Gisela unbeirrt weiter. Und so hätte das verlassene Metzgerpaar halt jetzt einfach beschlossen, die leerstehende Wohnung oben im zweiten Stock zu vermieten, statt sie leerstehen zu lassen. Spült ja immerhin ein paar Euro in die Kasse, und die Räume werden bewohnt und geheizt. Macht auch Sinn. Obendrein wär diese junge Frau, also eben die brandneue Mieterin, auch noch die Schwester von dem doch so sehr netten Pfarrer aus der Nachbargemeinde. Es ist zwar ein evangelischer, aber da gibt es ja Schlimmeres, gell. Wie man heutzutage weiß.

»Schau, schau«, sagt unser Gas-Wasser-Heizungspfuscher, und zwar völlig versonnen. »Gar kein schlechter Tausch, wenn du mich fragst. Also ehrlich, Gisela, euren nervenden Balg, der ständig nur Kohle, was zum Essen und frische Wäsche haben will, einzutauschen gegen so ein Engelchen, das nenn ich mal einen Deal.«

»Flötzinger, ich warne dich«, knurrt die Gisela jetzt. »Lass bloß deine dreckigen Griffel weg von dem Mädl, verstanden. Das ist nämlich ein anständiges Ding, und ein so schwanzgesteuerter Kerl wie du ist sicherlich das Letzte, was die haben will. Einen, der von Frau und Kindern getrennt lebt und es noch nicht einmal auf die Reihe bringt, wenigstens regelmäßig und pünktlich seinen verdammten Unterhalt zu zahlen.«

»Ist ja schon gut, jetzt entspann dich wieder, liebe Gisela. Ich hab doch auch gar kein persönliches Interesse, verstehst. Man will halt einfach nur wissen, wer so alles herzieht zu uns. Was macht die Kleine denn eigentlich so beruflich?«, versucht er nun mit einem heiteren Tonfall an weitere Infos zu kommen.

»Mei, keinen blassen Schimmer. Irgendwas mit Internet oder so, ich kenn mich da ja nicht so aus. Und es ist mir auch egal, jedenfalls ist die Miete für drei Monate im Voraus bezahlt, und das ist schon was wert«, antwortet die Gisela, während sie ihren umfangreichen Leib in die Vertikale wuchtet. »Aber wie gesagt, Flötzinger, dich hat das eh nicht zu interessieren. Das Mädel könnt ja deine Tochter sein. Schau lieber zu, dass du deine Mary wieder zurückkriegst. Also Herrschaften, Servus miteinander.«

»Gisela, stopp!«, muss ich ihr jetzt noch kurz hinterherrufen, und schon hält sie inne. »Da, deine Viagra.«

Mit einer raschen Handbewegung entreißt sie mir die Packung, dreht sich wieder ab und verschwindet durch die Tür.

»Wegen was braucht jetzt ausgerechnet die Simmerl Gisela so ein Viagra? Wo sie mir doch grad mit ihrem moralischen Zeigefinger vor der Nase rumgefuchtelt hat«, murmelt mein verbliebener Zimmergenosse nun so vor sich hin.

Wo bin ich hier eigentlich gelandet: Niederpornokirchen, oder was?

Der eine, der braucht plötzlich Viagra, für was oder wen auch immer. Und der andere platzt hier ungebeten herein und erkundigt sich nach schönen Maiden. Und ich hock mittendrin und komm deshalb zu keiner einzigen anständigen Arbeit nicht. Ein Blick auf die Uhr verrät, es ist drei viertel zwölf. Wenn man mal vom Zeitunglesen und den diversen Besuchern hier absieht, hab ich heut rein dienstlich gesehen noch keinen einzigen Finger gerührt. Aber gut, es ist auch wenig los im Moment, das muss man schon sagen. Einen Zechpreller im Heimatwinkel drüben hab ich gehabt. Drei Falschparker, ein Suff-Fahrer mit dem Radl war dabei und zwei mit dem Auto. Einer davon war der Simmerl Max. Und da drückt man freilich schon mal ein Auge zu. Oder zwei. Ach ja, und ein Wandbeschmierer war auch noch darunter. Graffitikünstler, hat er sich selber genannt. Auch recht. Berappen hat er die Malerarbeiten hinterher aber trotzdem müssen, und eine Anzeige hat er sich auch eingefangen. Ansonsten war das aber auch schon alles. Und zwar im ganzen letzten Quartal, um genau zu sein. Da kann man nicht grad von Überarbeitung reden, gell. Was aber andererseits schon wieder ziemlich gut ist. Weil wir momentan nämlich dieses Haus bauen. Die Susi und ich. Und das ist eine Mörderaktion, das kann man kaum glauben. In jedem verdammten Winkel von unserm Hof stehen diverse Baumaschinen herum, ein Dixi-Klo und obendrauf ein Riesentrumm Bagger. Immerzu ist es dreckig, staubig und laut. Und zu allem Überfluss sind zwei der sechs Bauarbeiter aus Polen von Montag bis Freitag drüben im Wohnhaus untergebracht. Wenigstens aber nicht in meinem heiligen Saustall. Der ja, sobald dieser Neubau dann irgendwann steht, seine treuen Dienste als meine langjährige und heißgeliebte Unterkunft quittieren soll. So jedenfalls will es die Susi. Und auch der Papa. Und ich glaub, sogar die Oma, die möchte das ebenfalls.

»Wegen was braucht jetzt ausgerechnet die Simmerl Gisela ein Viagra?«, reißt mich der Flötzinger nun aus meinen Gedanken heraus.

»Ja, keine Ahnung«, sag ich, schnapp mir mein Kaffeehaferl und geh Richtung Tür. »Du, Flötz, ich muss jetzt wirklich was tun, gell. Also wenn’s keine Umstände macht …«

»Ja, ja, ich geh schon«, entgegnet er, steht auf und drückt sich kurz seinen Buckel durch, dass alles kracht. »Aber du, noch was anderes, Franz. Also wegen dem Kostenvoranschlag, weißt. Also, der Leopold nämlich, ich mein: quasi dein Bruder …«

»Flötzinger, ich weiß, wer der Leopold ist«, muss ich hier unterbrechen, während wir den Flur entlangschreiten.

»Eh, klar. Aber der Leopold, der hat gemeint, ob du dir das mit der Sauna vielleicht noch mal überlegen willst. Du weißt schon, die Sache mit der Gemeinschaftssauna, da in eurem neuen Keller unten.«

Gut, das hätt ich vielleicht noch erwähnen sollen. Wir bauen nämlich kein Haus. Nein, wir bauen ein Doppelhaus. Also mit dem Leopold zusammen und seiner Familie gewissermaßen. Auf meinem Mist ist das natürlich nicht gewachsen, das ist ja wohl logisch. Doch im Grunde hab ich gar keine andere Wahl gehabt. Ehrlich. Nicht die geringste. Bin quasi kaum gefragt worden. Einfach, weil sich die ganze restliche Sippschaft so dermaßen einig war, das war wirklich zum Kotzen.

»Mahlzeit miteinander«, ruft plötzlich der Bürgermeister, grad wie er durch seine Bürotüre schreitet. Mahlzeit?

Wie spät ist es denn eigentlich? Gleich zwölf, ’zefix! Ich muss heim zum Essen, da lohnt sich ein frischer Kaffee gar nicht mehr recht, oder doch? Ich schau auf das Haferl dort in meiner Hand und muss kurz überlegen.

»Also los, Franz. Was ist jetzt mit dieser Sauna? Ich muss das wirklich bald wissen«, nervt nun der Flötzinger wieder.

»Sauna? Um welche Sauna geht es genau?«, will unser Ortsvorsteher daraufhin wissen, und sein Blick hüpft wie ein Pingpongball zwischen uns beiden hin und her.

»Ja, mei, um die Gemeinschaftssauna von den Gebrüdern Eberhofer halt, Bürgermeister«, sagt der Heizungspfuscher.

»Dann geh ich also wohl recht in der Annahme, dass Sie eher nicht aus beruflichen Gründen hier sind, Flötzinger?«

»Also ich eigentlich schon«, antwortet er wahrheitsgemäß. Der Blick vom Bürgermeister hat jetzt zu hüpfen aufgehört und klebt nun gänzlich an meiner Person.

»Verstehe. Und, sagens mal, Eberhofer, dieser Besuch von der Frau Simmerl soeben, hatte der wenigstens einen dienstlichen Anlass? Ich mein, hat sie etwa beispielsweise eine Anzeige aufgegeben oder so was in der Art? Oder war das ebenfalls rein privater Natur?«, will er nun wissen und hat dabei einen eher süffisanten Tonfall drauf. Und noch bevor ich überhaupt eine angehend plausible Rechtfertigung abgeben könnte, die mir eh grad nicht einfallen will, da geht vorne die Verwaltungsschnepfentür auf, und die Susi schaut raus.

»Du, Franz«, ruft sie in unsere Richtung. »Wann fährst du denn heut zum Rudi ins Krankenhaus?«

»Mei, nachmittags, wie immer halt«, antworte ich und merk sofort, wie sich die Ohren vom Bürgermeister zu spitzen beginnen.

»Dann könntest du doch das Paulchen hinterher noch schnell von der Kita abholen, oder? Nur noch dieses eine Mal. Weißt, ich hab hier noch einen ganzen Schwung fürs Amtsblatt zu schreiben.«

Ich nicke so unauffällig wie möglich.

»Ach ja, und wenn du dann noch Grießbrei und ein paar Bananen besorgen könntest, das wär echt prima, Schatz«, trällert sie noch kurz, und schon ist sie wieder verschwunden.

»Sagens einmal, Eberhofer«, der Bürgermeister verschränkt seine Arme im Rücken und kommt ganz dicht an mich ran. »Habens einen rechten Stress, so rein privat gesehen, gell. Da könnens ja direkt von Glück reden, dass beruflich gesehen grad eher tote Hose ist, oder?«

»In Ihrem Büro, Bürgermeister«, entgegne ich jetzt und geh schon mal Richtung Ausgang. »Da befindet sich eine Dartscheibe, eine Golf-Puttingmatte, und sogar ein Trampolin ist mittlerweile drin. Und manchmal, da hör ich Sie Blockflöte spielen. Da frag ich mich ehrlich gesagt schon, wer von uns beiden so rein beruflich gesehen schwer unterfordert ist.«

»Das ist alles nur ein körperlicher Ausgleich zu meinen umfangreichen geistigen Betätigungen, Eberhofer. Doch davon haben Sie freilich keinerlei Ahnung!«

»Verstehe«, sag ich noch so, und dann fällt die Tür hinter mir zu. Ich begeb mich zum Wagen, den Flötzinger dicht auf den Fersen, und steig schließlich ein. Schon ein paar Wochen lang ist es nun ein Opel Admiral aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts, der mich von A nach B rollt. Und eigentlich gehört er meinem Papa. Er ist das einzige Fahrzeug, das er jemals gehabt hat, und sein ganzer Stolz obendrein. Dass er mir diese Kiste überhaupt ausleiht, das grenzt schier an ein Wunder. Solange ich mich aber weiterhin erfolgreich weigern kann, einen dieser neuen Streifenwagen anzunehmen, da bin ich auf das alte Vehikel hier schlicht und ergreifend angewiesen.

»Du, Franz«, reißt mich der Heizungspfuscher aus meinen Gedanken. »Wegen eurem Bad nochmal.«

»Flötz, du siehst es doch selber. Ich hab jetzt Mittagspause, muss mich um das Paulchen kümmern und hab obendrein noch den Birkenberger Rudi an meiner Backe kleben. Also sei so gut und lass mich mit deiner depperten Nasszelle zufrieden.«

»Nasszelle, tzz. Aber sag noch schnell, wie geht’s denn dem Rudi eigentlich so?«

»Wie’s einem halt so geht, wenn man mit einem Auto über zahllose Baumwipfel hinweg hundert Meter tief in den Abgrund donnert.«

»Ja, gut. Aber immerhin warst du ja auch mit im Wagen, und dir fehlt nix.«

»Ja, aber mein Schutzengel, der war da halt noch nicht im Winterschlaf, verstehst. Und jetzt servus«, sag ich noch so, knall die Autotür zu und grad wie ich den Motor starte, schiebt der Bürgermeister sein Radl durch die Rathauspforte. Er trägt einen Rennanzug samt Helm und schwingt sich geübt in den Sattel, ehe er an uns vorbeidüst.

Unser Ortsvorsteher, das alte Arbeitstier. Dass ich nicht lache. Eine Gemeinderatssitzung hat er, und zwar pro Monat. Zwei Goldene Hochzeiten. Eine Hand voll runder Geburtstage über siebzig. Einen Seniorenfasching, einen Martinsumzug. Die beiden Letzteren freilich pro anno. Recht viel mehr ist da nicht zu tun, muss man hier wissen. Aber sagen wir mal so, selbst wenn er jedem Niederkaltenkirchner täglich persönlich die Hand schütteln würde, selbst dann käm er über eine Zehnstundenwoche wohl kaum hinaus, gell. Das nur zum besseren Verständnis, damit man halt weiß, dass bei einem Kaff von unserer Größe der Bürgermeister höchst selten einem Burnout zum Opfer fällt.

Wie ich in den Hof reinfahr, da steht erwartungsgemäß schon der Papa bereit. Und es beginnt das gleiche dubiose Spektakel wie immer, seit ich seinen Wagen fahr, und es geht so: Kaum dass ich angekommen bin, da schlurft er mit einer riesigen Lupe bewaffnet auf den Admiral zu und untersucht ihn dann penibelst auf jeden möglichen Neuzugang eines Kratzers, einer Schramme oder Delle. Er überprüft das Wageninnere, den Kofferraum und auch den Motor. Und manchmal, da legt er sich sogar unter den Wagen. Abends findet selbstverständlich das gleiche Szenario statt, dann allerdings mithilfe einer Taschenlampe. Unglaublich, wirklich. Doch in einem Punkt, muss ich sagen, da sind wir uns dann doch wieder einig, der Papa und ich. Wir mögen nämlich beide keine neuen Autos nicht. Einfach weil wir Autos fahren wollen, für die man noch einen Schraubenzieher braucht. Oder eine Ratsche meinetwegen. Aber keinen Computer. Definitiv nicht.

»Schlüssel her«, ruft er nun gleich, wie ich aus dem Wagen steig.

»Wieso?«, frag ich schon fast panisch, weil mir natürlich prompt sowohl mein Besuch beim Rudi als auch die Kita in den Kopf schießen, denn immerhin muss ich für beides mobil sein. An den Grießbrei und die Bananen mag ich gar nicht erst denken.

»Weil ich dich jetzt gleich nach dem Essen nach Landshut reinfahr und du dort in der PI gefälligst deine neue Karre in Empfang nehmen wirst«, antwortet er umgehend und schnappt sich den Schlüssel dabei.

»Aber ich will keine neue!«

»Ist auch nicht neu, keine Sorge. Lass dich einfach überraschen«, sagt er noch so und geht vor mir her dem Wohnhaus entgegen. Ja, herzlichen Dank auch. Ich hasse Überraschungen dieser Sorte.

Es gibt Eintopf. Heute mit Bohnen und Speck. Neuerdings gibt’s häufig Eintopf, einfach weil es sich die Oma freilich nicht nehmen lässt, die ganze Bautruppe mit durchzufüttern. Und da ist es logischerweise allemal angenehmer, alles nur Erdenkliche in einen einzigen großen Hafen zu schmeißen, anstatt meinetwegen an die dreißig Schnitzel zu panieren, ganz klar. Da das Tischgespräch vorherrschend auf Polnisch stattfindet, kann ich mir in aller Ruhe Gedanken machen, grad was mein neues Fahrzeug so betrifft, erst recht wenn es eben nicht neu ist. Wobei ich hier eh sagen muss, einen würdigen Nachfolger für mein altes werde ich ohnehin nicht bekommen. Was waren wir zwei nur für ein Team! Ein Dreamteam, könnte man da direkt sagen. Und was wir alles durchgemacht haben. Ganze Bücher könnte man schreiben darüber, echt. Bis zu diesem Unfall eben … Ja, furchtbare Sache. Und so völlig unnötig obendrein. Aber was soll’s. Hauptsache, wir sind da lebendig rausgekommen, der Rudi und ich. Wobei man beim Rudi jetzt vielleicht nicht unbedingt von lebendig reden kann, das nicht. Und nicht auszudenken, wenn uns diese riesigen Baumkronen nicht aufgefangen hätten … Auweia, frag bloß nicht!

Kapitel 2

Eine knappe Stunde später rollen wir auch schon bei der PI Landshut vor, und ich bin ziemlich verwundert, wie ich den ehrenwerten Richter Moratschek dort vor dem Eingang entdecke. Er steht da wie bestellt und nicht abgeholt, steigt von einem Bein aufs andere und schaut nervös auf seine Uhr. Doch nachdem er uns erspäht hat, da entspannt er sich plötzlich, und ein fettes Grinsen huscht ihm übers Gesicht. Er begrüßt uns knapp, aber herzlich und treibt uns anschließend ein wenig hektisch zur Eile an.

»Auf geht’s, meine Herrschaften, folgen Sie mir«, fordert er uns auf und saust vor uns her in die Eingangstüre hinein, quer durchs Erdgeschoss hindurch und über den Hinterausgang wieder hinaus. Dort stehen wir dann also ein bisschen dämlich auf diesem Polizeiparkplatz, mit zig Privatautos um uns herum, jedoch ist weit und breit kein Streifenwagen in Sicht. Jetzt aber zieht der Moratschek eine … ja tatsächlich, eine Trillerpfeife aus seiner Manteltasche hervor, pustet kräftig hinein, und aus den hinteren Garagen ertönt eine Polizeisirene. Und keine zwei Wimpernschläge später, da rollt ein Streifenwagen samt Blaulicht auf uns zu, hält an, und ein Kollege steigt aus. Er grüßt kurz grinsend, überreicht mir zwinkernd einen Schlüssel und löst sich anschließend in Luft auf.

»So, lieber Eberhofer«, sagt nun der Richter nach einer kleinen Schweigeminute, in der ich ein wenig verwirrt auf das Fahrzeug schaue, und Stolz schwingt in jeder einzelnen seiner Silben mit. »Was sagens jetzt dazu, ha? Ein BMW zwei-fünf, Baujahr neunzehn-neunundsiebzig, mit Viergangschaltung und Fenstern zum Kurbeln, Hosianna! Mit einem Mörderlenkrad und garantiert ohne Klimaanlage. Genau so einen habens doch haben wollen, oder etwa nicht? Ja, ja, gehns nur hin und schauens ihn an. Nur zu!«

»Wahnsinn«, sag ich und kann kaum glauben, was ich da seh. Ich umkreise dabei einmal komplett diese Kiste. Ein Traum steht da vor mir. Ein wahr gewordener Traum. Und ich muss mich ernsthaft kurz zwicken, ob ich auch wirklich sehe, was ich da sehe. Ganz langsam, ja beinah schon andächtig, öffne ich dann die Fahrertür und trau mich fast nicht, mich reinzusetzen. Tu es dann aber doch. Mein Gott, dieser Duft! Dieser gute, alte, vertraut schwere Duft. Nach Leder, Metall, Tabak und Schweiß. Sämtliche Verbrechen dieses Planeten sind hier drinnen zu riechen. Ich atme einmal ganz, ganz tief ein und wieder aus, während meine Hand ehrfürchtig über das Lenkrad streift. »Wo bitteschön habens denn den her, Moratschek?«, frag ich nun ziemlich beeindruckt, weil man an solch ein Teil echt kaum mehr rankommt.

»Ha! Ja, das ist eine mehr als berechtigte Frage«, entgegnet er und beugt sich zu mir hinunter. »Polizeimuseum, Eberhofer. Ob Sie das jetzt glauben oder nicht. Gell, da schauns?«

»Aber … aber das muss ja …«, stammle ich ziemlich fassungslos.

»Fragens lieber nicht«, unterbricht er mich prompt. »Das war eine Mörderaktion, das können Sie sich gar nicht vorstellen. Aber egal, jetzt ist es ja da, das gute alte Stück. Und zwar generalüberholt von innen und außen, versteht sich von selbst. Wobei zuerst, da wollt ich Ihnen ja so eine Isetta besorgen. Kennens die noch? Ein geniales Töff-Töff, wenn Sie mich fragen. Aber Ihr Herr Vater, ja, der hat halt dann aber gemeint, dass die vielleicht doch ein wenig arg klein ist.«

»Ja, logo«, mischt sich nun mein Erzeuger ein. »Weil wo bittesehr hätt denn die Oma sich da hinhocken sollen, wennst mit ihr zum Einkaufen fährst? Oder zur Fußpflege?«

Ja, wo er recht hat, hat er recht.

»Wie dem auch sei, meine Herrschaften«, sagt nun wieder der Richter und klopft mir aufs Autodach. »Jetzt steht ja weiteren erfolgreichen Ermittlungen nichts mehr im Weg, gell. Und, ja, noch ganz kurz, Junior, nur damit Sie Bescheid wissen, also diese ganze Aktion hier, die hab ich nur aus einem einzigen Grund heraus gemacht.« Dann legt er eine Pause ein, nimmt derweil in aller Herrgottsruhe eine Prise Schnupftabak, und ich merke genau, dass der Papa auf die Weiterführung dieses Monologs mindestens genauso gespannt ist wie ich selber.

»Ja?«, frag ich schließlich nach.

»Einfach, weil ich Ihre Arbeit mittlerweile … also … Ihre Arbeit unglaublich zu schätzen weiß, Eberhofer. Auch wenn Ihre … ja, wie soll ich sagen, also Ihre Ermittlungsmethoden, äh, sagen wir einmal: meistens eher unkonventionell und von Zeit zu Zeit doch auch lebensgefährlich sind, gell.«

»Findens nicht, dass Sie da jetzt übertreiben, Richter?«, muss ich hier loswerden.

»Nein. Aber eine Aufklärungsrate von hundert Prozent, die soll Ihnen erst einmal einer nachmachen, gell. Ja, das musste nun einfach mal gesagt werden. Und jetzt entschuldigen Sie mich bitte, ich muss weiter, hab gleich eine Gerichtsverhandlung. Also, servus miteinander.«

Spricht’s, eilt von dannen und kann mein gemurmeltes Dankeschön wohl gar nicht mehr richtig hören.

Ich bin grad tatsächlich ziemlich gerührt.

Unser Richter Moratschek! Eine der … ja … der angesehensten Persönlichkeiten im ganzen Landkreis. Und ausgerechnet der weiß meine Arbeit dermaßen zu schätzen, dass er gleich so ein Fass aufmacht. Alle Achtung! Aber ganz ehrlich unter uns gesagt: Wenn ich keine Kanone bin, dann weiß ich echt nimmer.

»Ja, Burschi«, brummt nun der Papa, während er sich in aller Seelenruhe einen Joint dreht.

»Papa!«, zisch ich in Anbetracht unseres aktuellen Aufenthaltsortes.

»Ja, ja, ich pack’s dann eh schon. Den Heimweg, den findest ja wohl selber.«

Und so heb ich nur kurz die Hand zum Gruße und widme mich dann erneut meinem Lenkrad. Groß ist es, fast riesig. Ganz einwandfrei.

Und da ich in weiser Voraussicht eine meiner Kassetten von daheim mitgenommen hab, leg ich die dann erst mal ein, schalt Guns n’ Roses auf Höllenlautstärke, schnauf noch einmal tief durch und tret aufs Gas.

Holla, die Waldfee, das war aber knapp!

Um ein Haar wär ich jetzt gegen einen Volvo geknallt. Mein lieber Schwan, dieser Zwei-Fünfer, der hat aber richtig Speed unter der Haube. Muss man sich wohl auch erst mal dran gewöhnen. Aber dazu haben wir zwei Hübschen künftig ja auch jede Menge Zeit, gell.

Allein die Fahrt in die Klinik ist schon eine Wucht. Ich überhol praktisch alles, was Räder hat und nicht fliegen kann. Und was gar nicht so unwichtig ist: Das Geschaue der Leut, das hab ich glasklar ganz auf meiner Seite. Will heißen, es gibt kaum jemanden, der herschaut und dann so einfach wieder wegschauen kann. Das hat schon was.

 

Die Krankenschwestern hier arbeiten in drei Schichten. Eine früh, eine spät und die andere nachts. Die von der Nachtschicht kenn ich nicht. Logischerweise, weil ich da ja in der Heia lieg. Die von morgens, das ist eine Zimtzicke vor dem Herrn, das kann man kaum glauben. Weshalb ich meine Besuche beim Rudi vorwiegend auf den Nachmittag lege. Dann arbeitet nämlich die Nora. Die Nora, die wird zwar nie einen Schönheitswettbewerb gewinnen, dafür aber hat sie eine erfrischend jugendliche Herzlichkeit, ist ausgesprochen aufmerksam und findet den Rudi mindestens genauso nervtötend wie ich. Und deshalb hol ich erst noch unten am Kiosk eine Tüte süßsaure Gummibärchen (ihre Lieblingssorte), und anschließend treff ich sie erwartungsgemäß im Schwesternzimmer an. Wo sie grad dabei ist, irgendwelche Pillen auf kleine Behälter zu verteilen.

»Und, wie ist das werte Befinden heute?«, begrüß ich sie und halt ihr die Bärchen entgegen.

»Meins oder das von unserem Hypochonder?«, fragt sie lachend und schnappt dabei gleich nach dem Beutel. »Danke, Franz, das ist meine Rettung! Hatte nämlich heut noch keinen einzigen Bissen.«

»Gut, dann bin ich ja schon mal über dein Befinden informiert.«

»Exakt«, entgegnet sie, während sie die Tüte aufreißt und beherzt zugreift. »Der gnädige Herr Birkenberger …«

»Der gnädige Herr Birkenberger?«, muss ich nach einer Weile nachfragen, weil sie inzwischen die Backen randvoll hat und die Augen schließt.

»Na ja«, sagt sie und schluckt endlich runter. »Der hat heute vehement drauf bestanden, dass wir ihm den Katheter entfernen. Die Schmerzen wären unerträglich, hat er behauptet. Und das Ende vom Lied ist, dass er seitdem alle zwei Minuten klingelt, weil er pinkeln muss.«

Und just in diesem Moment ertönt ein Signal, und auf der Anzeigetafel erscheint die Nummer zweihundertsiebenundsiebzig. Also praktisch die Zimmernummer vom Rudi.

»Hab ich’s nicht gesagt?«, fragt sie grinsend.

»Mei, er neigt halt gern ein bisschen zum Drama, der Herr Birkenberger.«

»Ach, wie kommst du denn da drauf? Nein, im Ernst, Franz, ich bin sowieso die einzige Schwester hier, die überhaupt noch mit ihm redet. Die Nachtschicht, die geht nur noch mit Kopfhörern zu ihm rein und versorgt dann bloß schnell das Allernötigste. Und die Kollegin aus der Frühschicht hat ihn erst gestern ganz ernsthaft gewarnt. Wenn er noch ein einziges Mal läutet und nicht im Sterben liegt, hat sie zu ihm gesagt, dann wird sie höchstpersönlich dafür sorgen, dass es dazu kommt.«

Ja, so ist er halt, unser Rudi. Beliebt bei Alt und Jung, könnte man sagen. Nun läutet es ein weiteres Mal, und wiederum ist es die Zweihundertsiebenundsiebzig.

Für ein Sekündchen verdreht sie die Augen, schiebt sich noch ein paar Bärchen in den Mund und kommt dann zu mir in den Korridor raus. Und so schlendern wir beide Seite an Seite unserem neurotischen Invaliden entgegen.

Der Rudi liegt dort in seinem Bett, wie er es seit Wochen schon tut, nämlich eingegipst von den Beinen bis rauf zum Hals, und einzig sein Kopf ist noch beweglich. Dieser aber dafür umso mehr, dass ich mich ernsthaft frag, ob er so nicht ein weiteres Schleudertrauma riskiert.

»Wo zum Teufel bleiben Sie denn, Schwester Nora«, schreit er, kaum dass wir zur Tür drinnen sind. »Meine Blase läuft über, verdammt noch mal.«

»Ja, ja, genauso wie vor zehn Minuten und vor fünfzehn. Ich weiß schon Bescheid, Herr Birkenberger«, antwortet sie ganz ruhig und holt dabei die Pinkelflasche hervor.

»Siehst du das, Franz? Es ist die reinste Gängelei hier, wirklich«, quengelt er dann, während er sich drei bis vier Tröpfchen aus dem geschundenen Körper quetscht.

»Ja, Rudi, ich weiß«, sag ich und schau derweil lieber aus dem Fenster. »Aber bald hast du ja alles überstanden hier. Und dann geht’s endlich auf Reha. Das wird lustig, Rudi, wirst schon sehen. Wann genau wirst du entlassen?«

»Am Freitag!«, antworten meine zwei Zimmergenossen wie aus einem einzigen Mund. »Und übermorgen kommt endlich der Gips ab«, hängt der Rudi noch hintendran.

»Na also. Das ist ja wirklich absehbar«, entgegne ich und versuche eine optimistische Grundtendenz in meine Stimme zu legen, während ich mich wieder zu ihm umdreh.

»Wie lange bist du noch hier, Franz?«, will die Nora nun wissen und streift das Bettlaken glatt.

»Solange ich es aushalten kann«, sag ich wahrheitsgemäß.

»Dann sorg doch bitte dafür, dass er den Klingelknopf in Ruhe lässt, okay. Ich hab nämlich tatsächlich noch andere Patienten, um die ich mich kümmern muss.«

Dann ist sie weg.

Der Rudi schnaubt nun ganz wild und beginnt wieder, mit dem Kopf zu wackeln.

»Siehst du, so geht mir das den ganzen Tag. Das alles muss ich mir hier bieten lassen. Ich kann mich nicht bewegen, bin auf Mitmenschlichkeit, Anteilnahme und Hilfe angewiesen und werde behandelt wie der letzte Dreck! Und wem hab ich das alles zu verdanken? Na, wem, Franz? Wem?«

»Nicht schon wieder, Rudi. Du hast doch mir ins Lenkrad gegriffen und nicht umgekehrt. Oder hast du das schon wieder vergessen?«

»Du hast mir ins Lenkrad gegriffen! Du hast mir ins Lenkrad gegriffen«, äfft er mich jetzt nach, und meine Sorge um seinen wackelnden Kopf wird im Sekundentakt größer. »Ich kann es echt nicht mehr hören, verdammt! Du bist doch mit deinem ganzen Gewicht auf mich draufgeknallt, verdammte Scheiße. Sieh mich doch nur an, wie ich hier lieg. Und das schon achtundsechzig Tage und warte … fünfzehn Stunden. Und was ist dir passiert? Hä, was? Eine kleine Gehirnerschütterung und eine gebrochene Nase!«

»Ja, weil ich praktisch genau mit der auf dein deppertes Knie gekracht bin.«

»Soll ich mich vielleicht noch dafür entschuldigen, dass dir mein Knie im Weg war, oder was?«, zischt er mir her.

»Nein, passt schon«, sag ich.

»Und überhaupt, hast du dir vielleicht schon einmal Gedanken über meine Verdienstausfälle gemacht, lieber Franz? Na, hast du das? Ich bin nämlich nicht wie du in der elitären Position, auch weiterhin bezahlt zu werden, wenn ich krank bin. Nein, mein Freund, wenn ich meine Privatdetektei nicht aufschließe, dann kommt auch keine Kohle rein. Will heißen, nicht nur, dass ich durch diesen von dir verschuldeten Unfall körperlich total hinüber bin. Nein, ich bin es auch finanziell und beruflich. Ich bin praktisch sowohl auf sozialer Ebene als auch auf der humanen völlig am Arsch, mein Freund!«

»Gut«, sag ich am Ende seines Monologs und klopf ihm brüderlich auf seinen Gips. »Ich werde Amnesty International einschalten, die kümmern sich drum. Doch bis dahin wirst du wohl oder übel hier ausharren müssen, mein kleiner Wackeldackel.«

 

Jetzt sagt er gar nichts mehr. Gibt nur noch gurrende und zischende Laute von sich, wird rot und röter, und sein einzig funktionierendes Körperteil - sieht man mal von seinem Schniedl ab - rotiert mittlerweile ganz beängstigend. Und wenn sich sein Haupt nun gleich einmal komplett um die eigene Achse drehen würde, ich wär nicht weiter verwundert. Grüße vom Exorzisten, könnte man da beinahe sagen. Ich nehm ihm mal die Schwesternklingel aus der Hand und leg sie auf seinem Nachttisch ab. Schalt ihm den Fernseher ein, mal sehen, was läuft. Na also, der Blaulicht-Report. Prima, ja, das wird ihm gefallen, dem Rudi.

»Was wird das jetzt, wenn’s fertig ist, Franz?«, fragt er mich mit einem leicht hysterischen Unterton aus seinem Gipsbett heraus.

»Noch viermal schlafen, dann kommst du doch hier raus, Rudi. Und bis dahin sei so gut und tyrannisiere mir die Schwestern nicht mehr so. Die haben nämlich echt einen harten Job und können nicht den ganzen Tag so gemütlich im Bett rumliegen wie du.«

Ich schlenz ihm noch kurz die schnaubende Wange und mach mich dann auf den Weg. Und selbst wie ich in meinen Zwei-Fünfer einsteig, da kann ich die wutentbrannten »Komm sofort zurück, Franz!«-Rufe ganz deutlich vernehmen. Erst bei Guns n’ Roses verstummen sie.

Ich weiß nicht genau, ob ich mir das nur einbilde oder nicht, aber mit dem Rudi, da wird es echt immer schlimmer. Obwohl er ja schon von Anfang an ein bisschen schwierig war mit seiner Tendenz zum Weibischen hin, das schon. In unserer Ausbildungszeit, als wir uns kennengelernt haben, also in der Polizeischule praktisch, da hab ich ihn ja manchmal sogar beim Weinen erwischt. Wenn’s einen Anschiss gegeben hat von einem der Vorgesetzten meinetwegen. Und zunächst, da hat er es ja noch immer ganz gut vertuschen können. Oder er hat es einfach abgestritten und stattdessen behauptet, er hätt eine chronische Bindehautentzündung oder so. Lachhaft, wirklich. Irgendwann aber, da hat er den Spieß einfach umgedreht und plötzlich behauptet, weinende Männer, die wären jetzt modern. Genau. Mittlerweile befürchte ich aber, er mutiert immer mehr Richtung Weichei. Und seit diesem Unfall nun … Na ja, ihr seht es ja selber.

Kapitel 3

Ein paar Wochen später, der Rudi ist längst schon auf seiner Reha, macht gute Fortschritte und leider auch das dortige Personal verrückt, da läutet mein Telefon, und die Zentrale in Landshut ist dran. Ein Gewaltverbrechen an einer jungen Frau soll es geben, und zwar bei uns in Niederkaltenkirchen mitten im Wald. Ich soll gleich mal zum Fundort der Leiche rauskommen, möglichst eilig. Die Spusi, die sei auch längst informiert und wär bereits auf dem Weg. So geh ich eben nur noch schnell zu den Gemeindeschnepfen rüber, einfach um meine sofortige und voraussichtlich längere Abwesenheit kundzutun.

»Soll das heißen, du kannst heut nicht zur Kita fahren?«, fragt mich die Susi über ihren Bildschirm hinweg.

»Exakt, liebe Susi«, antworte ich zwischen Tür und Angel. »So leid mir das auch tut, aber ich kann heut weder zur Kita fahren noch zum OBI, um irgendein Baumaterial abzuholen. Ach ja, und denk doch bittschön an die Bananen und den Grießbrei für den Paul. Und es bricht mir wirklich das Herz, aber ich kann auch nicht zum Schreiner wegen der neuen Küche oder sonst irgendwohin. Nicht heute und vermutlich auch nicht in absehbarer Zeit. Weil ich nämlich zufällig noch einen kleinen Nebenjob hab, wenn du dich daran auch nicht mehr recht erinnern magst.«

»Hab ja nur mal gefragt«, ruft sie mir noch nach, aber da geh ich schon längst Richtung Rathaustür. Und jetzt muss ich tatsächlich sagen, dass in mir beinahe so was wie Freude aufsteigt. Also praktisch wegen diesem Mordfall. Freilich tut mir das schon irgendwie leid, grad so, was das Opfer betrifft, wer auch immer das sein mag. Weil man doch auch als abgebrühter Polizist in den meisten aller Fälle so was Ähnliches wie Mitgefühl empfindet. Ganz klar. Und reißen tu ich mich dann auch nicht unbedingt um einen Haufen Arbeit, wer tut das schon, gell. Doch andererseits muss ich sagen, seitdem es hier in der Gemeinde so dermaßen ruhig ist, da bin ich ja fast schon zum Hausmeister degradiert. Nein wirklich. Ob nun von der Susi ihrer Seite her oder der vom Bürgermeister, das sei völlig dahingestellt. Aber ständig heißt es nur: Du hast ja momentan eh nix zu tun. Oder: Jetzt, wo Sie ohnehin grad Zeit haben, da könntens doch leicht noch schnell … So was in der Art halt. Letzte Woche zum Beispiel, da hat mich unser Dorfoberhaupt ernsthaft gebeten, die Reifen von seinem Radl aufzupumpen, weil er’s derzeit im Kreuz hat. Oder gestern … gestern wollte er mit mir auf die Plantage rausfahren zum Erdbeerenbrocken. Angeblich weil er die beste Marmelade macht unter der Sonne. Was eh nicht sein kann, weil die von der Oma gemacht wird. Ja. Nein. Drum eben doch lieber eine Leiche im Wald, und man ist erst mal raus aus dem Schussfeld, gell.

 

Und ob man das jetzt glaubt oder nicht, das Opfer liegt exakt auf meiner Runde, die ich mit dem Ludwig täglich durch den Wald lauf und wo ich immer unsere Zeit mitstoppe. Allerdings ist es dann nicht mein eigener, sondern ein völlig fremder Hund, der den Leichengeruch wittert und sein Herrchen somit ungewollt zum Auffinder der Toten macht. Was aber vielleicht auch daran liegen mag, dass der Ludwig mittlerweile eh nicht mehr der Jüngste ist, was sich nicht nur an seinem nachlassenden Schnüffelinteresse, sondern auch schon deutlich an unserem Zeitumfang ausmachen lässt. Wenn wir früher die Runde locker in eins-siebzehn gelaufen sind, so brauchen wir heute über eineinhalb Stunden dafür. Aber wurst.

Die Spusi ist schon vor Ort, erwartungsgemäß eingetütet von Kopf bis Fuß und offensichtlich fleißig am Werkeln. Auch das ganze Gebiet hier ist bereits großräumig abgesperrt worden, und dort am Rand steht ein hemdsärmeliger Mann. Er ist vielleicht im Alter vom Papa, wenn auch deutlich attraktiver für meine Begriffe, und saugt nervös an einer Zigarette. Mit kalkweißem Gesicht beobachtet er das ganze Szenario um ihn herum, und ein Hund sitzt reglos an seiner Seite. Doch kaum hab ich einige Schritte in ihre Richtung gemacht, da läuft der mir schwanzwedelnd entgegen. Sein rechtes Vorderbein scheint irgendwie verkümmert zu sein. Jedenfalls ist es kürzer als die anderen. Und ich befürchte, dass es zumindest anstrengend sein dürfte, so laufen zu müssen. Vielleicht sogar schmerzhaft.

»Was hat er denn?«, frag ich gleich, wie ich hinkomm, und deute Richtung Hund.

»Keine Ahnung, war schon immer so«, antwortet der Raucher und zuckt mit den Schultern.

»Aha. Und wie heißt er?«, frag ich weiter, geh in die Knie und kraule über das Fell. Netter Kerl, wirklich. Irgendwas Gemischtes vermutlich. Vielleicht ein Berner-Sennen- oder ein Neufundländer-Mix. Keine Ahnung. Doch für seinen Körperbau hat er immense Pfoten, was darauf schließen lässt, dass er mal groß wird.

»Hund«, antwortet mein Gesprächspartner ziemlich emotionslos, wobei der Begriff Partner nicht recht zutrifft, so wortkarg wie er ist. Ich wär aber wohl ein schlechter Ermittler, wenn ich nicht innerhalb weniger Minuten bereits alle Informationen aus ihm raushätte, die ich so brauche. Und deshalb erfahr ich neben den üblichen Personalien auch, dass der hier anwesende Hundebesitzer gar kein solcher ist. Jedenfalls nicht im klassischen Sinn. Nein, der Herr Kessler, der wird nämlich seit Jahren von starken Durchblutungsproblemen geplagt und muss deshalb auf ärztlichen Rat hin täglich mehrere Stunden spazieren gehen. Und damit er dies nicht immer so allein machen muss, legt er davor immer einen kurzen Abstecher ins nahe gelegene Tierheim ein und leiht sich dort einfach einen Hund. Ist ja auch schön und für alle Beteiligten von Vorteil, gell. Eine glasklare Win-win-Situation, könnte man sagen.

»Und Sie nehmen täglich diese Runde hier?«, frag ich nun, einfach schon, weil ich diese Strecke eben kenn wie kein Zweiter und ich ihn davor noch nie dort gesehen hab.

»Nein, ich wechsle durch.«

»Zwischen was wechseln Sie durch?«

»Meine Güte! Also, insgesamt hab ich drei verschiedene Touren, und je nach Wetterlage oder Laune geh ich eben einmal die sonnigere, einmal die schattigere und einmal die an der Isar. Und weil es heute sonnig ist und warm, drum eben die hier im Wald«, antwortet er ziemlich grimmig und zündet sich eine neue Zigarette an.

»Immer um dieselbe Uhrzeit?«, frag ich weiter, während ich mir Notizen mach.

»An die zwei Stunden vor dem Mittagessen und zwei danach. Essen tu ich mit den Mädls vom Tierheim, wenn Sie’s genau wissen wollen. Die kochen nämlich gegen einen kleinen Obolus gleich für mich mit«, entgegnet er und nimmt dann einen tiefen Zug.

»Vielleicht müssten Sie ja weniger laufen, wenn Sie weniger rauchen würden.«

»Vielleicht hätten Sie ja einen brauchbaren Job, wenn Sie was Anständiges gelernt hätten.«

Gut, darüber kann man jetzt streiten. Muss man aber nicht. Irgendwie ist dieser Typ hier echt seltsam. Es passt einfach alles nicht so richtig zusammen. Er leiht sich Hunde aus, um nicht so einsam durch die Gegend zu latschen, noch dazu fußkranke. Isst mit den Mädchen vom Tierheim zu Mittag und wirkt dabei viel eher wie … ja, wie ein Dirty Harry, nur halt in Alt. Früher, da war das bestimmt mal ein Überflieger und Weiberheld allererster Klasse, das ist noch glasklar erkennbar. Und jetzt? Aber sagen wir einmal so, wenn das Profil erst mal abgefahren ist, dann kommt man auch ganz schnell auf den Felgen daher, gell.

»Ist noch was?«, reißt er mich nun aus meinen Gedanken heraus.

»Äh, ja, kannten Sie das Opfer?«, sag ich nun, um einfach wieder anzudocken.

»Keine Ahnung, hab doch nur ganz kurz hingesehen.«

»Will heißen ja, nein oder vielleicht?«

»Ja, keine Ahnung. Sie … sie war nackt … kann das sein? Es war … es war gruselig. Außerdem ist sie, glaub ich, auf dem Bauch gelegen. Jedenfalls hab ich ihr Gesicht nicht gesehen.«

»Sie sind also gar nicht näher rangegangen und haben dort auch gar nichts verändert?«

»Nein, Gott bewahre! Ich war ja zu Tode erschrocken. Dann hab ich gleich mein Telefon hervorgeholt und die Bu… also die Polizei angerufen. Das war alles. Mehr weiß ich auch gar nicht. Kann … kann ich jetzt gehen?«

»Warum hat der Hund eigentlich keinen Namen?«, will ich noch wissen, weil’s mich einfach interessiert.

»Hat er doch.«

»Er heißt ›Hund‹, das ist doch kein Name, Mann.«

»Es … na ja, es lohnt sich einfach nicht. Er ist jetzt seit fünfzehn Wochen im Heim, also praktisch seitdem er ein winziger Welpe war. Wenn er ein halbes Jahr alt ist und bis dahin keinen Platz gefunden hat, dann …«, erklärt er und macht dabei eine Handbewegung, als würd er sich die Gurgel durchschneiden. Körpersprache quasi. »Und er wird definitiv keinen Platz finden, darauf können Sie wetten.«

»Hat er denn Schmerzen beim Gehen?«, muss ich noch nachfragen.

»Der Tierarzt sagt nein. Aber wenn Sie, also wenn Sie jetzt keine äh … keine polizeilichen Fragen mehr haben, dann würd ich wirklich gern …«

»Nein, nichts mehr für den Moment«, sag ich und klapp mein Notizheft zu. Wir verabschieden uns, und so machen sich diese zwei Fußkranken just in dem Moment auf den Heimweg, wo die Bestattung hier anrollt. Einen Moment lang schau ich ihnen noch hinterher und muss sagen, der Hund läuft eigentlich recht ordentlich. Trotz seines Handicaps und obwohl er ein kleines bisschen eiert. Aber er wedelt mit dem Schwanz. Das ist schön.

 

Meine werten Kollegen schwitzen mittlerweile ein bisschen in ihrer luftdichten Wäsche, waren aber sehr fleißig und teilen ihre bisherigen Erkenntnisse auch großzügig mit mir.

Leiche wie erwartet weiblich, sehr jung, so um die zwanzig vielleicht. Zierlich, blond und relativ durchtrainiert. Allerdings ist ihr hübsches Gesicht blutüberströmt, und es sieht aus, als wär die Schädeldecke entzwei. Und ihre Augen … die Augen sind halboffen und blutunterlaufen. Bis auf einen weinroten String ist das Mädchen splitterfasernackt. Keine Klamotten, kein Handy, kein Schlüsselbund und auch keine Papiere. Weder an ihr selber noch um sie herum. Da ist einfach nur diese zierliche Tote zwischen all den Bäumen hier, und einige wenige Sonnenstrahlen finden den Weg auf ihren leblosen Körper. Ihre Habseligkeiten müssen aufs Gründlichste entfernt worden sein. Und schon aus diesem Grund heraus nimmt die Spusi nun jedes noch so kleine Fitzelchen, jedes einzelne Laubblatt und wortwörtlich auch jeden verdammten Strohhalm unter die Lupe und verpackt alles in kleine Tüten. Der Fundort ist nicht der Tatort, das ist schnell klar. Der liegt nämlich knapp hundert Meter weiter oberhalb, praktisch direkt auf dem Waldweg. Diverse Blut- und Schleifspuren sprechen da eine deutliche Sprache. Offenbar wurde sie nach der Tat hierher ins Dickicht gezerrt und mit Gestrüpp bedeckt, wohl in der Hoffnung, dass man sie nicht so schnell entdeckt.

»Sie ist erschlagen worden«, vermute ich mal so vor mich hin.

»Ja, das sieht ganz danach aus, Eberhofer«, sagt jetzt ein Kollege, der plötzlich neben mir steht. Und grad zieh ich mein Handy hervor, um ein paar Fotos zu schießen, wie er mich wissen lässt, dass das doch wohl sein Aufgabengebiet wär. Und er würde mir anschließend ohnehin sämtliches Material auf dem kurzen Dienstweg via E-Mail zukommen lassen.

 

Prima, dann gibt’s hier wohl fürs Erste nix mehr zu tun für mich, und so kann ich den Leichnam für die Bestatter freigeben. Die ihn dann nach München in die Gerichtsmedizin bringen werden, wo mein alter Spezi, der Günther, die genaue Todesursache ermitteln und mich darüber erwartungsgemäß zeitnah in Kenntnis setzen wird. Und grad bin ich praktisch schon auf dem Weg zu meinem Zwei-Fünfer, wie mir plötzlich ein Gedanke durch den Kopf schießt und mich wieder kehrtmachen lässt. Dieses Gesicht, verdammt noch mal! Dieses Gesicht, das kenne ich doch! Wenn man sich bloß mal das ganze Blut wegdenkt und diese furchtbaren Augen … Irgendwo hab ich dieses Mädchen doch schon mal gesehen. Aber wo? Wo nur zum Teufel? Doch ich kann diese leblose Miene nun anstarren, solange ich mag, es will und will mir ums Verrecken nicht einfallen. Auch nicht nach fünf Minuten und nicht nach zehn.

So geh ich halt wieder zum Wagen zurück, zieh meine Lederjacke aus und werf sie auf den Beifahrersitz. Kremple meine Ärmel hoch, setz mich hinein und kurbele die Fenster nach unten. Warm ist es heute, beinah schon heiß. Und irgendwie hat man direkt den Eindruck, der Sommer, der kommt quasi auf der Überholspur daher und hat den Frühling komplett ausgelassen. Zumindest wenn man so an den kalten Dauernebel von den letzten Tagen denkt. Auch am Ludwig kann man dieses Wahnsinnswetter heute ganz klar erkennen. Weil, wie ich kurz darauf in den väterlichen Hof reinfahre, da läuft mir der schon entgegen, was er halt inzwischen nur noch an Sonnentagen macht. Sonst bleibt er lieber unter unserer Eckbank liegen, also quasi im Warmen, und lässt den Herrgott einen guten Mann sein. Ehrlich gesagt ist es mittlerweile auch viel eher ein Watscheln als ein Laufen, was er da so präsentiert. Aber gut, das steht ihm in seinem Alter auch zu. Meine Herren, wenn ich dran denk, was für ein Wildfang das einmal war …