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Dieses Fachbuch vermittelt Ihnen Grund- und Expertenwissen zur Kostenrechnung im Garten- und Landschaftsbau. Die Methoden der Kostenrechnung im Rahmen der Auftragsbearbeitung werden von der Angebotskalkulation über das Nachtragsmanagement bis hin zur Nachkalkulation erläutert. Sie lernen, geeignete Kalkulationsverfahren zu erkennen, auskömmliche Preise zu kalkulieren, Vollkosten- und Deckungsbeitragsrechnung durchzuführen, die Preisbildung dem Auftraggeber gegenüber nachzuweisen und den Erfolg eines Bauauftrages zu beurteilen. Extra: Kalkulationsdatei zum Download, mit der Sie die verschiedenen Methoden der Angebotskalkulation erproben können.
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Seitenzahl: 326
Veröffentlichungsjahr: 2013
Wolf-Rainer Kluth
Kalkulation im Garten- und Landschaftsbau
Ulmer E-Books
4., aktualisierte Auflage
46 Schwarzweißabbildungen
88 Tabellen
Betrieblicher Erfolg im Garten- und Landschaftsbau beruht im Wesentlichen auf vier Säulen, zwischen denen zahlreiche Abhängigkeiten bestehen:
kundenorientiertes Leistungsangebot,
technisch und handwerklich einwandfreie Ausführung,
optimale Baustellenorganisation,
kaufmännische Unternehmensführung.
Diese vier Säulen sind in der Branche unterschiedlich stark ausgebaut.
Die Kundenorientierung ist – nicht nur als Schlagwort, sondern unter dem Druck der Nachfragemärkte auch in der betrieblichen Praxis – in den letzten zehn Jahren in das Zentrum strategischer Unternehmensentscheidungen gelangt.
Die technisch einwandfreie Ausführung der Bau- und Pflegeleistung ist sicherlich die am stärksten ausgeprägte Säule. Hier gibt es im GaLaBau eine lange Tradition, die durch Forschung und in der Lehre aller Ausbildungsstufen laufend auf den neuesten Stand gebracht wird; viele Unternehmensgründer waren und sind vorrangig „Techniker“.
Bei der Gestaltung einer optimalen Baustellenorganisation ist im GaLaBau wohl der größte Verbesserungsbedarf zu sehen. Dies mag mit der Schwierigkeit begründet sein, für die sehr unterschiedlichen Baustellenbedingungen systematische Erkenntnisse zu gewinnen und dann auch zu vermitteln, die über Gemeinplätze hinausgehen. In diesem Bereich spielt einfach der Faktor „Erfahrung“ eine große Rolle.
Hinsichtlich der Unternehmensführung setzt sich immer mehr die Erkenntnis durch, wie wichtig das kaufmännische Instrumentarium für eine zielgerichtete, erfolgreiche Unternehmensentwicklung ist. Der Slogan „Gewinn entsteht im Büro“ ist zwar sicherlich stark übertrieben, aber in der Tat wächst bei enger werdenden Märkten mit geringen Preisspielräumen die Bedeutung des kaufmännischen Zahlenwerkes für die Unternehmensführung.
Damit steigt – insbesondere bei der jüngeren Unternehmergeneration – spürbar die Bereitschaft, sich intensiv auch mit der Kostenrechnung auseinanderzusetzen. Dabei wird häufig eine Diskrepanz zwischen den traditionell in der Branche oder dem einzelnen Betrieb eingeführten kostenrechnerischen Methoden und den wirklichen betriebsindividuellen Anforderungen an ein Kostenrechnungssystem festgestellt.
Teilnehmer an Weiterbildungsseminaren zur Kalkulation äußern immer wieder ihr Bedauern darüber, dass in der Literatur kein ausführlicher, systematischer Überblick über die Methoden und Möglichkeiten der Kalkulation unter den Bedingungen des GaLaBaus vorliegt.
Diese Lücke will das vorliegende Buch schließen. Es soll dem Leser Kenntnisse über die Besonderheiten und die korrekte Anwendung der einzelnen Kalkulationsverfahren vermitteln. Damit lassen sich die jeweiligen Vor- und Nachteile einschätzen, und der Leser erhält Entscheidungshilfen dafür, welches kalkulatorische Vorgehen für den eigenen Betrieb das zweckmäßigste ist. Um die – bei den vielen Zahlen leider notwendige – konzentrierte gedankliche Mitarbeit zu fördern, sind Verständnisfragen und -aufgaben eingefügt.
Adressaten dieses Buches sind Lehrende und Lernende aller Ausbildungsstufen und alle, die als Unternehmer oder Angestellte in der betrieblichen Praxis mit der Vor- und Nachkalkulation von Baumaßnahmen und der Berechnung von Zuschlagsätzen beschäftigt sind. Auch auf den Baustellen können die Hinweise zu einzelnen Spezialfragen wertvolle Hilfestellung geben.
Dem Verlag Thalacker Medien danke ich für die gestalterisch gelungene Aufbereitung dieser „trockenen“ Materie.
Bochum, im Juli 2002
Wolf-Rainer Kluth
Kenntnisse der Kostenrechnung zur Vorbereitung unternehmerischer Entscheidungen in den Bereichen Preisgestaltung, Nachtragsmanagement und Marktbeurteilung werden immer wichtiger. Die nach dem Wechsel dieses Buchtitels vom Verlag Thalacker Medien in die „Fachbibliothek grün“ des Verlages Eugen Ulmer nun vorliegende vierte Auflage ist mit Anpassungen im Hinblick auf geänderte Kostenfaktoren und rechtliche Rahmenbedingungen durchgängig aktualisiert worden.
Mein besonderer Dank gilt wiederum der engagierten Lektoratsarbeit von Frau Dr. A. Jansen und Frau B. Schüller vom Redaktionsbüro Radebeul.
Bochum, im Sommer 2012
Wolf-Rainer Kluth
Der Begriff „Kalkulieren“ leitet sich vom italienischen Wort „calculare“ ab und bedeutet „rechnen“. Bezogen auf das Bauwesen könnte man etwa formulieren:
Kalkulation bedeutet die Erfassung und Verarbeitung kostenrechnerischer Daten zur Vorbereitung, beim Ablauf und nach Abschluss von Baumaßnahmen.
Damit ist die Kalkulation als Teil des betrieblichen Rechnungswesens zu verstehen, dessen Gesamtzusammenhang die Abbildung 1 wiedergibt.
Die Unternehmensrechnung stellt den Teil des Rechnungswesens dar, der die Beziehungen des Unternehmens zur Umwelt abbildet. Dabei geht es um die Erfassung aller Geschäftsvorfälle auf Konten, um die Erstellung des Jahresabschlusses in Form der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung sowie um die Abwicklung aller Verpflichtungen gegenüber dem Finanzamt. Für die Unternehmensrechnung gibt es nach Betriebsgröße und Rechtsform gestaffelte gesetzliche Vorschriften, die im Wesentlichen auf den „Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchführung und Bilanzierung (GOB)“ fußen. Die Unternehmensrechnung ist quasi der „offizielle“ Teil des Rechnungswesens.
Abb. 1 Gliederung des betrieblichen Rechnungswesens.
Die Kosten- und Erlösrechnung befasst sich einerseits mit der Kostensituation des Unternehmens und stellt fest,
welche Kostenarten in welcher Höhe aufgetreten sind (Kostenartenrechnung),
an welchen Stellen welche Kosten angefallen sind (Kostenstellenrechnung),
in welcher Höhe einzelne Baumaßnahmen diese Kosten zu tragen haben (Kostenträgerrechnung).
Andererseits wird die Erlösseite der Unternehmenstätigkeit betrachtet, indem
der Wert der erbrachten Bauleistungen berechnet wird (Bauleistungsrechnung) und
aus dem Vergleich der Kosten der Bauleistungen mit den erzielten Erlösen das Ergebnis der Bautätigkeit des Unternehmens ermittelt wird (Ergebnisrechnung).
Da dieser Teil der Kosten- und Erlösrechnung den Gesamtbetrieb im Auge hat, wird er als „Baubetriebsrechnung“ bezeichnet.
Die Bauauftragsrechnung hat demgegenüber die einzelne Baustelle im Blick und erfüllt – je nach Stand der Baumaßnahme – verschiedene Funktionen:
In der Phase vor Beginn der Arbeiten wird im Rahmen der Vorkalkulation ein Preis für die zu erbringende Leistung berechnet (Angebotskalkulation). Dieses Zahlenwerk kann durch die Ergebnisse von Auftragsverhandlungen noch verändert werden (Auftragskalkulation) und wird dann im Zuge der Arbeitsvorbereitung noch vor Arbeitsbeginn auf die dann genauer bekannten Bedingungen der Leistungserbringung abgestimmt und als Soll-Vorgabe dem Baustellenpersonal an die Hand gegeben (Arbeitskalkulation).
Nach Abschluss der Baumaßnahme werden die tatsächlich entstandenen Kosten ermittelt und mit dem Mengengerüst der Arbeits- oder Angebotskalkulation verglichen sowie das rechnerische Ergebnis aus Kosten und Erlösen festgestellt (Nachkalkulation).
Die Statistik beschäftigt sich mit der Bereitstellung und Aufarbeitung von Zahlen zur Produktivität, Rentabilität und Liquidität des Unternehmens (Kennzahlenrechnung), sammelt Daten zu der im Baubetrieb stets wichtigen Frage, wie viel Zeit für eine Leistung gebraucht wird (Zeitvergleiche), und leitet daraus Ergebnisse hinsichtlich der Anwendung verschiedener Verfahren ab (Verfahrensvergleiche). Darüber hinaus versucht sie, betriebseigene Kennziffern mit denen anderer Unternehmen zu vergleichen, soweit diese zugänglich und zuverlässig sind.
Die Planungsrechnung setzt die unternehmerische Strategie in ein Zahlenwerk um, d. h., sie versucht, die bei der Umsetzung dieser Strategie in den nächsten Jahren wahrscheinlich entstehenden Kosten und Liquiditätsansprüche festzustellen und leitet daraus Planungsempfehlungen zu den notwendigen Erlöszahlen ab.
Thema dieses Buches ist in diesem System – wie leicht ersichtlich – die Bauauftragsrechnung. Allerdings ist zu beachten, dass alle Teilbereiche des Rechnungswesens nicht isoliert nebeneinander stehen, sondern vielfältige Abhängigkeiten und Zusammenhänge aufweisen, die im Laufe der anschließenden Darstellung deutlich werden. Die Grobgliederung folgt den oben genannten Aufgaben der Bauauftragsrechnung und unterscheidet Vor- und Nachkalkulation.
Vielfach ist die Meinung anzutreffen, eine Kalkulation sei doch eigentlich gar nicht notwendig, denn die Preise kämen ohnehin vom Markt. Für den Anbieter sei es deshalb wichtiger, sich Marktpreisinformationen zu beschaffen als sich zeitaufwendig mit den Kosten und Kostenrechnungsverfahren auseinanderzusetzen.
Richtig ist daran sicherlich, dass auf Nachfragermärkten, wie es die Märkte des Bauwesens überwiegend sind, die Gleichung: Preis = Kosten + Gewinnaufschlag, in der Regel nicht mehr praktisch durchsetzbar ist. Aber dennoch ist es notwendig, die eigenen Kosten für die Erstellung einer Bauleistung zu beachten, denn eine ordnungsgemäße und fundierte Kalkulation erfüllt folgende Zwecke:
Vom gedanklichen Ansatz her ermöglicht die Kalkulation die Berechnung eines Angebotspreises, der alle auf der Baustelle und im Unternehmen zu erwartenden Kosten deckt und den gewünschten Aufschlag für Wagnis und Gewinn enthält. Ein derartig ermittelter Angebotspreis ist allerdings in der Regel nur in einer Angebotssituation ohne Konkurrenz realisierbar.
Mit Hilfe der Angebotskalkulation wird festgestellt, wie hoch die Selbstkosten für eine Baumaßnahme voraussichtlich sein werden. Der Unternehmer hat dann die Entscheidungsfreiheit darüber, welchen Marktpreis er bei diesen Selbstkosten durchsetzen oder akzeptieren will. Unter größerem Konkurrenzdruck dient damit die Kalkulation weniger der Preisfindung als der Preisbeurteilung. Insofern stellt sie eine wichtige Informationsgrundlage für den Unternehmer dar, denn er weiß damit, wie weit er bei einer bestimmten Auftragssumme von seinen Selbstkosten entfernt liegt; das kann er nicht wissen, wenn er lediglich vermutete Marktpreise in sein Angebot eingesetzt hat.
Im Falle der Auftragserteilung bietet die Angebotskalkulation ein wertvolles Mengengerüst für die Arbeitsvorbereitung, denn die EDV wirft auf Anforderung sofort Zeitvorgabelisten für das Personal, Materialbedarfslisten, Aufstellungen der benötigten Einzelkostengeräte und gegebenenfalls die Liste der einkalkulierten Gemeinkosten der Baustelle aus. Damit wird die Disposition von Personal, Material und Maschinen wesentlich erleichtert, und die Kalkulationsvorgaben ermöglichen es der Baustellenleitung einzuschätzen, mit welchen Einzelkosten ein bestimmter Preis zustande gekommen ist.
Bei vielen größeren Bauvorhaben und besonders bei öffentlichen Auftraggebern wird bereits bei Angebotsabgabe, spätestens jedoch vor Auftragserteilung, gefordert, dass der Bieter seine Kalkulationsgrundlagen offenlegt. Hier empfiehlt es sich, die Kalkulationssätze anzugeben, mit denen tatsächlich gerechnet wurde, und nicht nachträglich für die Angebotssumme Kalkulationsparameter zu fingieren (siehe Kap. 3.4).
Bei einigen Sonderfällen der Kalkulation, die im Kapitel 3.2 behandelt werden (z. B. Preisänderungen bei Mengenänderungen, Nachtragsangebote, Schadenersatzforderung bei Bauverzögerungen, Vergütungsansprüche bei Kündigung), ist es nicht nur hilfreich, sondern im Hinblick auf die Begründbarkeit und Durchsetzbarkeit von Forderungen wesentlich, die fundierte und detaillierte Kalkulation, mit der das Angebot des Bieters erstellt wurde, vorlegen zu können.
Die Vorgaben der Angebots- oder Arbeitskalkulation können nach Abschluss des Bauvorhabens als Basis für die Auswertung des Baustellenverlaufes durch Soll-Ist-Vergleiche dienen. Zwar lässt sich das Gesamtergebnis einer Baustelle auch ohne vorhandene Angebotskalkulation feststellen, die Ursachen für Fehlentwicklungen beispielsweise bei den erreichten Zeitwerten oder im Materialverbrauch lassen sich jedoch summarisch nicht aufdecken. Da die Nachkalkulation auch dazu dienen soll, Informationsgrundlagen für künftige Angebote bereitzustellen, kommt es darauf an, unter den jeweiligen Baustellenbedingungen diese Soll-Ist-Vergleiche auch wirklich anstellen zu können.
Die Angebotskalkulation gibt Hinweise darauf, welcher Liquiditätsbedarf mit der Hereinnahme eines Auftrages verbunden wäre. Dieser Gesichtspunkt kann unter Umständen bei der Auswahl unter mehreren Bauvorhaben entscheidend sein.
Bei diesen bedeutsamen Zwecken und Aufgaben der Kalkulation ist es für den Unternehmer des GaLaBaues durchaus sinnvoll, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen und herauszufinden, mit welchem Aufwand er die Kalkulation bei seinen individuellen Ansprüchen an die Kostenrechnung betreiben sollte.
Kalkulation in diesem Buch zielt auf die methodisch-korrekte, kostenorientierte Berechnung eines Kalkulationspreises. Diesen Preis wird der Unternehmer nicht in jedem Fall in das Angebot einsetzen, sondern unter marktorientierten oder betriebswirtschaftlichen Aspekten zum Angebotspreis verändern. Dieser Angebotspreis hat möglicherweise in Auftragsverhandlungen keinen Bestand und muss weiter modifiziert werden. So entstehen die Marktpreise, nach denen dann die Bauleistung abgerechnet werden kann.
Die nächsten Kapitel behandeln zunächst die Angebotskalkulation mit dem notwendigen Grundwissen (Kap. 2) und mit dem fortgeschrittenen Expertenwissen (Kap. 3) sowie anschließend die Nachkalkulation (Kap. 4).
In diesem Kapitel werden die grundlegenden Begriffe und Zusammenhänge der Angebotskalkulation erläutert. Dazu werden die unterschiedlichen Ansätze der beiden Kostenrechnungssysteme – Vollkostenrechnung und Deckungsbeitragsrechnung – vorgeführt und das Vorgehen zur Ermittlung eines auskömmlichen Kalkulationspreises über die verschiedenen Kostenstufen mittels der Kalkulationsverfahren in Teilschritten bearbeitet.
Die Darstellung beschränkt sich hier auf das für ein Verständnis der Kalkulation Wesentliche; vertiefende Aspekte werden im Kapitel 3.1 angesprochen.
Ein GaLaBau-Unternehmen erzielt die für seinen Fortbestand und für sein Wachstum notwendigen Umsätze im Wesentlichen durch Erlöse für erbrachte Bauleistungen.
Deshalb ist es notwendig, die Bauleistungen zu Preisen abzurechnen, die alle Kosten des Unternehmens abdecken und den gewünschten Gewinn enthalten. In der Regel (d. h., z. B. nicht bei Selbstkostenerstattungsverträgen oder reinen Stundenlohnarbeiten) muss das Unternehmen vor Ausführung der Leistung im Rahmen eines Angebotes angeben, welchen Preis es für seine Leistung berechnen wird. Hier steht der kalkulierende Unternehmer oder Mitarbeiter (im Folgenden immer „Kalkulator“ genannt) vor der schwierigen Situation, einen für das künftige Bauvorhaben gültigen Preis ermitteln zu müssen, ohne die exakten Bedingungen der Leistungserbringung – angefangen von den Witterungsverhältnissen bis hin zur tatsächlichen Besetzung der Baustellenkolonne – zu kennen.
Systematisch wird dabei so vorgegangen, dass man sich zunächst überlegt, welche Kosten durch die Leistung auf der Baustelle entstehen werden. Darüber hinaus muss der Preis aber auch die Kosten tragen, die im Gesamtunternehmen unabhängig von der Baustelle entstehen, und auch noch den notwendigen Gewinnanteil beinhalten.
Die Kosten des Gesamtunternehmens und der Gewinnanteil müssen also auf die abrechenbaren Bauleistungen über Zuschläge verteilt werden.
Die Art dieser Zuschlagsberechnung und -verwendung hat entscheidenden Einfluss auf das Kalkulationsergebnis. Dabei verfolgen die Vollkostenrechnung und die Deckungsbeitragsrechnung unterschiedliche Ansätze, die in den Kapiteln 2.2 und 2.3 erläutert werden.
Der Kalkulator ist natürlich in der Wahl der Vorgehensweise frei, aber es ist sicher zweckmäßig, das für die Ziele des Unternehmens passende Verfahren zu wählen; deshalb sollen nicht nur die im GaLaBau gängigen Methoden – insbesondere die Kalkulation mit vorbestimmten Zuschlagsätzen – sondern alle sinnvollen Verfahren vorgestellt werden.
Generell ist jedoch die Forderung zu erheben, dass der Kalkulator sich so weit wie möglich über die Rahmenbedingungen informiert, unter denen die Leistung zu erbringen ist. Dazu gehört
ein intensives Studium der Verdingungsunterlagen.
Der Ausschreibende hat dort Angaben zur Baustelle und zur Ausführung zu machen, die alle preisbeeinflussend sind. Dort gegebenenfalls anzusprechende Sachverhalte sind in der ATV DIN 18299 „Allgemeine Regelungen für Bauarbeiten jeder Art“ unter Punkt „0 Hinweise für das Aufstellen der Leistungsbeschreibung“ aufgeführt. Auch Teile der Zusätzlichen oder Besonderen Vertragsbedingungen können – insbesondere hinsichtlich der Zahlungsbedingungen – Einfluss auf die Preise haben. Die Leistungsbeschreibung selbst muss darauf geprüft werden, ob sie vollständig, eindeutig zu verstehen und technisch richtig ist.
eine Besichtigung der Örtlichkeit.
Dabei werden die Angaben und Festlegungen der Verdingungsunterlagen überprüft und weitere Erkenntnisse, etwa zur möglichen Baustelleneinrichtung, zum Anfahrtsweg oder zu den Platzverhältnissen auf der Baustelle gewonnen.
eine gemeinsame Baustellenbegehung mit dem Auftraggeber bzw. Architekten.
Bei dieser Gelegenheit werden die offenen Fragen aus den Verdingungsunterlagen oder der eigenen Baustellenbesichtigung geklärt und versucht, Informationen über die Ausführungswahrscheinlichkeit von Alternativ- und Bedarfspositionen und über alle Fakten zu erlangen, die sich erschwerend oder erleichternd auf den Baustellenablauf auswirken können.
Der Grundgedanke der Vollkostenrechnung besagt, dass jede einzelne, abrechenbare Teilleistung, d. h. jede Einheit einer Position, alle bei der Leistungserbringung entstehenden Kosten und auch einen definierten Anteil an den Kosten des Gesamtunternehmens und am Gewinn voll zu tragen hat.
Das erscheint eigentlich selbstverständlich; worin besteht dann der Unterschied zur Deckungsbeitragsrechnung?
Die Besonderheit der Deckungsbeitragsrechnung besteht darin, dass dort die Kosten des Gesamtunternehmens und der Gewinnanteil nicht zwingend von jeder einzelnen Leistungseinheit zu tragen sind; vielmehr müssen alle Leistungen im Unternehmen in ihrer Summe diese beiden Posten erwirtschaften. Damit ergeben sich teilweise Preise ohne Gewinnanteil, während andere entsprechend einen höheren Gewinnanteil aufweisen müssen – wesentlich ist nur, dass im Gesamtunternehmen während des Wirtschaftsjahres die benötigten und geplanten Beträge erzielt werden.
