Kämpfer des inneren Friedens - Milka Gostovic - E-Book

Kämpfer des inneren Friedens E-Book

Milka Gostovic

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Beschreibung

Dieses Buch stellt die Vorzüge der Kampfsport- und Kampfkunstarten dar. Es schildert, worin die wesentlichen Ziele von Aikido, Judo, Karate oder Taekwondo liegen - im Kreieren der bestmöglichen Persönlichkeit. Menschen, die einen inneren Frieden aufweisen, können nicht von äußeren Faktoren beunruhigt werden. Sie sind diszipliniert, eifrig und respektvoll. Aus diesem Grund meistern sie Herausforderungen im Privat- und Berufsleben erfolgreich. Sie geben nicht auf, sondern arbeiten diszipliniert an der Verwirklichung ihrer Ziele. Das regelmäßige Kampfsporttraining hilft ihnen, stark zu bleiben und nicht aufzugeben.

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Seitenzahl: 278

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Kämpfer des

inneren Friedens

77 gute Gründe, Kampfsport zu trainieren

Milka Gostović

Copyright © 2020 Milka Gostović

Alle Rechte vorbehalten.

1. Auflage

Umschlaggestaltung: Milica Radojević

Abbildungen: © shutterstock

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages und der Autorin unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Impressum:

Milkica

c/o AutorenServices.de

Birkenallee 24

36037 Fulda, Deutschland

WIDMUNG

Dieses Buch widme ich allen Kampfsportlern.

Inhalt

1.

Das Leben ist ein Kampf...........................................................7

2.

Die Kunst des Fallens und die Fähigkeit zum Scheitern......8

3.

Angeborene oder erworbene Angst?.......................................8

4.

Das bewusste Atmen üben........................................................8

5.

Die Macht des Augenblicks ......................................................8

6.

Achtsamkeit ist ein unterschätzter Alltagsbegleiter...............8

7.

Konzentration mithilfe des Kampfsports steigern................8

8.

Kreativität mithilfe des Kampfsports entfalten .....................8

9.

Den Geist durch das Kampfkunsttraining stärken................8

10. Den Verstand mithilfe des sanften Wegs festigen.................8

11. Fokussierung bekämpft lästige Ablenkungen ........................8

12. Zielstrebigkeit stärkt das Durchhaltevermögen .....................8

13. Die Kraft der Selbstdisziplin.....................................................8

14. Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen stärken .....................8

15. Selbstbeherrschung bewahrt den inneren Frieden ................8

16. Respekt ist eine unersetzbare Charaktereigenschaft..............8

17. Eifer agiert als ein willkommener Alltagsbegleiter ................8

18. Das Seil zum Erfolg ...................................................................8

19. Gefesselte Hände steigern die Leistungsfähigkeit .................8

20. Über die eigenen Grenzen hinauswachsen.............................8

21. Mut steht für das Verlassen der Komfortzone ......................8

22. Höflichkeit kostet nichts und ist unbezahlbar zugleich........8

23. Sauberkeit – kleines Detail mit einer großen Wirkung .........8

Kämpfer des inneren Friedens

24. Pünktlichkeit agiert als Wertschätzungssymbol .....................8

25. Wertschätzung stärkt die optimistische Denkweise ..............8

26. Hilfsbereitschaft kommt stets zurück......................................8

27. Dankbarkeit bringt Menschen weit..........................................8

28. Freundschaft bietet einen Ausweg aus der Einsamkeit ........8

29. Ehrlichkeit verleiht innere Stärke.............................................8

30. Aufrichtigkeit charakterisiert starke Persönlichkeiten...........8

31. Umsichtigkeit ist im Kampfsport unverzichtbar ...................8

32. Güte repräsentiert den Charakter der Kampfsportler ..........8

33. Vertrauen stärkt zwischenmenschliche Beziehungen ...........8

34. Loyalität hilft, die innere Persönlichkeit zu finden................8

35. Geradlinigkeit ermöglicht ein erfülltes Leben........................8

36. Empathie ist eine Stärke hochsensibler Menschen ...............8

37. Ehre repräsentiert einen starken Geist....................................8

38. Würde – Symbol des inneren Friedens ...................................8

39. Charisma mithilfe des Kampfsports stärken ..........................8

40. Ernsthaftigkeit lässt sich durch nichts ersetzen .....................8

41. Hingabe erweckt den inneren Frieden ....................................8

42. Fleiß fungiert als Beschäftigungstherapie ...............................8

43. Geduld ist der Schlüssel zum Erfolg .......................................8

44. Ehrgeiz steigern .............................................................................8

45. Träume verwirklichen – DAN-Prüfung ....................................8

46. Qualität beginnt im Kopf.............................................................8

47. Partnerschaft - Geben und Nehmen.........................................8

48. Leidenschaft bekämpft innere Unruhe ......................................8

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Kämpfer des inneren Friedens

49. Freude am Kampfsport verlängert Jugendlichkeit...................8

50. Neugier fördert einen lebenslänglichen Lerndrang..................8

51. Offenheit erweitert den eigenen Wissenshorizont...................8

52. Toleranz baut Vorurteile ab.........................................................8

53. Akzeptanz verleiht innere Stärke ................................................8

54. Bescheidenheit ist immer eine gute Idee ...................................8

55. Energie mithilfe der Kampfkünste kultivieren .........................8

56. Harmonie verinnerlichen .............................................................8

57. Konflikte friedlich lösen...............................................................8

58. Integrität steht für starke Persönlichkeiten ...............................8

59. Gerechtigkeit bevorzugen ............................................................8

60. Menschlichkeit mithilfe des Kampfsports ausbauen ...............8

61. Xenophilie leben und innere Stärke gewinnen .........................8

62. Der erste Eindruck........................................................................8

63. Ausgeglichenheit verleiht innere Stärke.....................................8

64. Körperliche und geistige Kraft stärken......................................8

65. Psychische und physische Leiden bekämpfen ..........................8

66. Körper mithilfe des Kampfsports stärken.................................8

67. Die unterschätzte Rolle der Ernährung .....................................8

68. In die Gesundheit zu investieren, ist nie verkehrt....................8

69. Hass besiegen – Selbstzerstörung entgegenwirken ..................8

70. Missgunst vernichten – Bewunderung hegen ...........................8

71. Neid bekämpfen – innere Stärke entwickeln ............................8

72. Wut ablegen – Leistung steigern.................................................8

73. Sich selbst besiegen.......................................................................8

vi

Kämpfer des inneren Friedens

74. In Aktion treten.............................................................................8

75. Wiederholung ist Ursprung aller Fähigkeiten ...........................8

76. Misserfolge als Inspiration nutzen..............................................8

77. Unbezwingbarkeit anstreben .......................................................8

Quellenverzeichnis...............................................................................8

Nachwort ..............................................................................................8

Danksagungen......................................................................................8

vii

1. Das Leben ist ein Kampf

„Ein Leben ohne Kampf ist langweilig.“ – Lermontow Der Säugling stieß einen kräftigen Schrei aus, als er das Licht der Welt erblickte. Währenddessen stellte der Vater, der während der Geburt die Hand der Mutter festhielt, um seine physische und psychische Kraft mit ihrer zu vereinen, begeistert fest, wie kraftvoll die Stimme seines Babys war. Ihn faszinierte die Stärke dieses kurzen Schreis. Zudem analysierten er und seine Frau den kurzzeitigen Kampf ihres Babys. Schließlich bemühte sich ihr Kind, allen Anwesenden im Raum deutlich zu machen, was ihm fehlte: Es war die Luft zum Atmen. Eine Fruchtwassermenge, die das Neugeborene geschluckt hatte, bereitete ihm Atemprobleme.

Glücklicherweise erkannte das die Hebamme und half dem Säugling, das Fruchtwasser auszuspucken. Seine Eltern, welche seit mehr als 20 Jahren Judo und Karate trainierten, stellten - dank ihres Babys -

begeistert fest, dass sämtliche Menschen als Kämpfer geboren werden. Nach den Strapazen einer Geburt beweisen die kleinen, zarten Wesen, wie gut sie dafür gewappnet sind, die Herausforderungen des Alltags zu meistern.

Säuglinge kämpfen um die Aufmerksamkeit ihrer Eltern. In der Krippe und im Kindergarten bemühen sich Kinder um Spielsachen, Freundschaften und die Zuneigung ihrer Erzieherinnen. Danach ringen sie als Schüler um die Aufmerksamkeit ihres Lehrers. Sie bemühen sich darum, das Lesen, Schreiben und Rechnen zu erlernen. Darüber hinaus kämpfen sie um gute Noten. Auf dieser Stufe handelt es sich nicht um Kämpfe, welche Schüler auf einer körperlichen Ebene, sondern auf einem mentalen Niveau austragen.

Nach der Schulzeit folgt der Weg zu einer Ausbildungsstätte oder einer Universität. Auch in diesen Bildungseinrichtungen kämpfen Auszubildende und Studenten entweder um einen Ausbildungs-oder um einen Studienplatz. Sie setzen während dieses Kampfes ihre Worte als Waffe ein, um die Universität oder ihren zukünftigen Arbeitgeber von sich zu überzeugen. Dadurch heben sie sich von ihrer Konkurrenz ab.

Während der Ausbildungs- und Studienzeit geht das Kämpfen 1

Kämpfer des inneren Friedens

weiter. Allerdings unterscheidet sich diese Kampfart von den bisherigen Wettkämpfen. Sie ist komplizierter, umfangreicher und anstrengender. Denn das Wissen, welches sich Studenten oder Auszubildende aneignen, unterscheidet sich definitiv von ihrem erworbenen Schulwissen. Während ihrer Studien- und Ausbildungszeit, kämpfen die wissbegierigen Persönlichkeiten nicht nur um eine Erweiterung ihres Wissenshorizonts, sondern auch um gute Noten. Unterdessen ringt jedoch ein Großteil der Studenten und

Auszubildenden

mit

Motivationsproblemen,

einem

verminderten Selbstwertgefühl oder mit Selbstzweifeln. Bestandene Prüfungen hingegen sowie zufriedenstellende Endergebnisse wirken diesen negativen Gefühlen entgegen. Hin und wieder existieren bei den diesen Individuen ebenfalls Phasen, in welchen sie sich zum Lernen zwingen. Auch diese Tatsache symbolisiert einen inneren Kampf, den Betroffene gewinnen. Im Anschluss dient ihr erfolgreicher Abschluss als Beweis dafür, dass es sich gelohnt hat, um diesen zu kämpfen.

Die Gründe, weshalb einige Studenten oder Auszubildende für ihre Ziele kämpfen, liegen in ihrer Fähigkeit, nach einer nichtbestandenen Prüfung, aufzustehen und weiterzumachen.

Deshalb ist die Bewerbung, um einen Studien- sowie Ausbildungsabschluss, gleichzusetzen mit einem Kampf. Wenn dieser beendet ist, geht es nahtlos mit einem weiteren Kampf weiter.

Er nennt sich: Die Suche nach einem Arbeitsplatz. Somit bemühen sich Absolventen mithilfe ihrer Zeugnisse und einer geschickten Wortwahl um eine Stelle in ihrer auserwählten Firma. Dabei handelt es sich um eine große Herausforderung, denn die Welt des Internets hat die Möglichkeiten um ein Vielfaches erweitert. Aus diesem Grund haben es Arbeitssuchende nicht leicht, sich gegen ihre mächtige Konkurrenz durchzusetzen. Vermutlich stellt der Kampf um einen Arbeitsplatz die größte Hürde dar. Schließlich handelt es sich bei diesem Wettkampf um die stärkste Bindung der Menschen an die Realität: Eine feste Arbeit. Sie ermöglicht den Menschen, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten und sich ihre Träume zu erfüllen. Nichtsdestoweniger geht der Kampf mit einer festen Anstellung weiter. Angestellte behaupten sich regelmäßig im jeweiligen Unternehmen.

Als begeisterte Judoka und Karateka vertreten die Eltern die Auffassung, dass die Philosophie, welche Kämpfer in ihrem Training 2

Kämpfer des inneren Friedens

mitnehmen, sich auf den Kampf namens Leben übertragen lässt. Sie haben das, als aktive Kampfsportler, über die Jahre hinweg nach und nach festgestellt. Am eigenen Leib fühlten sie, wie weit sie es dank ihrer auserwählten Kampfkunst brachten. Ferner waren sich beide nicht sicher, ob sie es ohne ihr regelmäßiges Training je so weit geschafft hätten. Deshalb beschlossen sie einvernehmlich ihrem Säugling, sobald er alt genug war, die Magie des Kampfsports schrittweise näherzubringen. Demzufolge konnte er sich mutig den Herausforderungen, welchen er im Laufe seines Lebens begegnen wird, stellen.

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2. Die Kunst des Fallens und die Fähigkeit zum Scheitern

„Stehe achtmal auf, wenn du siebenmal gefallen bist.“ – Aus Japan Die Mutter beobachtet ihren einjährigen Sohn, während er durch das Zimmer rennt. Er ist motorisch sehr fit. Stillsitzen und eine gefühlte Ewigkeit mit einem Auto zu spielen, zählt nicht zu seinen Stärken. Aufgrund des ständigen Rennens stürzt er in einem Augenblick langsam nach hinten. Seine Mutter, die dank ihres langjährigen Judotrainings eine schnelle Reaktionsfähigkeit aufweist, ist schon auf dem Weg zu ihm. Doch er macht zwei Bewegungen, die sie nahezu lähmen, während sie ihn anschaut: Der kleine Junge hat eine abgespeckte Version der Fallschule rückwärts ausgeführt.

Um nicht auf dem Hinterkopf zu landen, legt er seine Hände neben seine Hüfte und zieht sein Kinn zur Brust. Deshalb fällt er nicht auf seinen Hinterkopf, sondern sanft auf den Rücken. Seine Mutter schaut ihn perplex an und analysiert das Geschehene noch einmal.

Sie hat die Prüfung zum ersten Dan im Judo bestanden. Und während sie ihrem Sohn, der wieder fröhlich im Zimmer von Spielzeug zu Spielzeug eilt, zusieht, fragt sie sich, ob Menschen die geborenen Steh-Auf-Personen sind. In Gedanken versunken, erinnert sie sich unterdessen an einen Vortrag ihres Judolehrers. Er stellte einen idealen Zusammenhang zwischen dem Fallprogramm der Judokunst und des Alltags her.

„Kampfsportler, die sich für Judo, dessen Übersetzung ‚Der sanfte Weg` lautet, als Freizeitaktivität entscheiden, landen in einer großen Halle eines Judosportvereins. Im Probetraining vermitteln ihnen Trainer die Vorzüge der Fallübungen. Auf Japanisch nennt sich die Fallschule Ukemi-waza. Das Fallprogramm stellt eine unverzichtbare Übung für sämtliche Gürtelprüfungsprogramme dar.

Diejenigen, die keine Fallübungen beherrschen, sind ebenso nicht in der Lage, Wurftechniken, welche im Judoprogramm dominieren, auszuführen. Im ersten Training lehren Judolehrer einen Anfänger die Rolle vorwärts. Um diese effektiv auszuführen, stellen sich Judoka zunächst gerade hin, wobei ihr rechtes Bein leicht nach vorne zeigt. Im nächsten Schritt platzieren sie auf die linke Seite der Matten vor ihrem rechten Fuß ihre Handflächen. Ihre Finger zeigen in die 4

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linke Richtung. Dann strecken sie das linke Bein nach hinten und holen auf diese Weise den notwendigen Schwung. Für die Rolle nach vorne ist dieser unverzichtbar. Während des Fallens legen Judoka ihren Kopf auf ihre linke Schulter, da sie frontal über ihre rechte Schulter abrollen. Auf diese Weise schützen sie ihren Kopf gegen Verletzungen. Unterdessen tangiert der komplette rechte Arm die Matten. Um schnell wieder auf die Beine zu kommen, nutzen sie den Schwung der Vorwärtsrolle.“

Auf den ersten Blick erkennt die Mehrheit keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Kunst des Fallens und der Fähigkeit zum Scheitern. Allerdings bestätigt eine genaue Analyse, wie eng auf einer philosophischen Betrachtungsweise die beiden Verben Scheitern und Fallen miteinander verwandt sind. Die Fallübung fungiert auf dieser Ebene als lehrreiche Lektion, welche Judoka und Nicht-Judoka gleichermaßen auf ihre Alltagsherausforderungen projizieren. Schließlich befindet sich jeder Mensch im Laufe seines Lebens in einer Lage, in der er entweder scheitert oder buchstäblich durchfällt.

Kinder, die ihre ersten Gehversuche starten, fallen anfangs oft hin. Bei keinem Kleinkind funktioniert das Gehen beim ersten oder zweiten Anlauf. Kinder, die den Kindergarten besuchen, behaupten sich dort ebenfalls. Freunde finden oder um Spielsachen kämpfen, zählen zu den Aufgaben, welchen die Kleinen keineswegs nach dem ersten Tag erfolgreich nachkommen. In der Schule kämpfen Schüler um gute Noten. Studenten fallen durch Prüfungen durch. Personen, die in der Berufswelt tätig sind, erfahren früher oder später, wie es ist, zu scheitern.

Paare bleiben aus persönlichen Gründen nicht zusammen. Sie bezeichnen sich anschließend als gescheitertes Paar. Freundschaften gehen auseinander, weil sich einstige Freunde auseinanderleben.

Dies gilt für zahlreiche zwischenmenschliche Beziehungen. Manche sind aufgrund unterschiedlicher Interessen von vornherein zum Scheitern verurteilt.

Bewerber, die auf der Suche nach einem Arbeitsplatz sind, erhalten zahlreiche Absagen und fühlen sich nach einer gewissen Zeit als Versager. Leider lassen dadurch die einen oder anderen nach den genannten Erlebnissen entmutigt ihren Kopf hängen.

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Glücklicherweise steht jedoch eine große Mehrheit der angeblich Gescheiterten erneut auf und macht dort weiter, wo sie aufgehört hat. Genau dieses Prinzip vermittelt die Judorolle. Es spielt keine Rolle, wie oft du hingefallen, durchgefallen oder gescheitert bist, sondern, ob du aufstehst und fortfährst. Denn das ist der einzige Weg, um dein Ziel zu verwirklichen. Das japanische Sprichwort besagt ‚Stehe achtmal auf, wenn du siebenmal gefallen bist’.“

Kampfsportler stehen nicht nur im Dojo unmittelbar nach ihrer Fallübung auf, sondern auch nach einem Fall im Privat- und Berufsleben. Kampfsportler geben nach einer erfolgslosen Prüfung nicht auf, sondern legen diese erneut ab. Kampfsportler, die in einer zwischenmenschlichen Beziehung kein Glück hatten, kämpfen entweder um diese oder gehen mutig eine neue Bindung ein.

Kampfsportler, die auf der Suche nach einem Arbeitsplatz, zahlreiche Absagen kassieren, lassen nicht den Kopf hängen, sondern bewerben sich weiter. Kampfsportler meistern die Hürden des Lebens. Kampfsportler kämpfen entschlossen und hart daran, ihre Ziele zu verwirklichen. Kampfsportler reden weniger und agieren mehr. Kampfsportler fallen, scheitern und versagen, doch sie stehen danach wieder auf. Schließlich verlangt von ihnen die Vorwärtsrolle dieses Vorgehen. Kampfsportler verdanken ihre Steh-Auf-Mentalität der Fallübung, da ihr Körper diese auf ihre Geisteshaltung überträgt.

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3. Angeborene oder erworbene Angst?

„Die Angst hat nur so große Macht über dich, wie du ihr zu Teil werden lässt.“

– L. Brown

Während der Begrüßung beobachtet der Judotrainer seine Schüler mit seinem wachsamen Auge. Aufgrund seines Berufs hat er täglich mit zahlreichen Menschen Kontakt, weshalb er sich zu einem Hobbypsychologen entwickelt hat. Jedes Training beginnt mit dem japanischen Gruß: „Mokuso rey“, während die Anwesenden auf den Matten knien. Nach dem Gruß berühren sie anschließend mit ihrer Stirn den Boden. In diesem kurzen Augenblick befreien Judoka ihren Geist von sämtlichen Gedanken. Sie schließen währenddessen ihre Augen. Der Trainer hingegen macht das seltener. Er sieht dadurch, wer sich konzentriert und wer nicht. Dieses Mal fällt ihm auf, wie einer seiner Schüler nervös auf die Verbeugung wartet. Da Kampfsporttrainer eine Beraterbeziehung zu ihren Schülern pflegen, liegt ihnen deren Wohlergehen am Herzen. Deshalb beginnt das Judotraining mit einer lockeren Gymnastik, die unter anderem auch ein intensives Bauchmuskeltraining beinhaltet. Kampfsportler trainieren regelmäßig ihre Bauch- und Rückenmuskulatur. Die beiden Körperbereiche ermöglichen ein gutes Ausführen der Techniken, wenn sie stark und muskulös sind. Die Bauchaufzüge, bei welchen sich Partner gegenseitig die Fußgelenke beieinander einhaken, um aus der Liege- in die Sitzposition zu kommen, erfreuen sich einer großen Beliebtheit. Judolehrer trainieren immer mit dem Schüler, der aufgrund der Teilnehmeranzahl keinen Partner hat.

Heute handelt es sich um den unkonzentrierten Judoka. Aufgrund der pädagogischen Aufgabe, welcher Judomeister nachkommen, fragt der Lehrer seinen Schüler.

„Wo bist du heute mit deinen Gedanken?“

„Ich leide unter Prüfungsangst. Nächste Woche steht eine Klausur an.“

Daraufhin hält der Judotrainer eine Rede. Er hat sich einst mit dem Thema Angst und Furcht intensiv auseinandergesetzt.

„Bist du dir darüber im Klaren, wofür der Begriff Angst steht?

Es handelt sich um ein Produkt deiner Gedanken. Angst stellt kein 7

Kämpfer des inneren Friedens

Synonym für eine bevorstehende Gefahr dar. Du solltest dir den Unterschied zwischen Furcht und Angst einprägen. Die Erstere spiegelt ein Produkt der Realität wider, wohingegen die Letztere für eine abstrakte Form deiner Gedanken steht. Furcht macht sich durch ein plötzliches Herzrasen, durch feuchte Hände oder einen zittrigen Körper breit. Sie deutet darauf hin, dass sich Betroffene in einer Gefahrensituation befinden. Deshalb hat sie sowohl unseren Vorfahren als auch uns das Überleben ermöglicht. Diejenigen, die diese ernst nehmen, gehen seltener lebensbedrohliche Risiken ein.

Angst hingegen hindert die Mehrheit daran, ihre Ziele zu verwirklichen.

Allerdings werden wir Menschen mit drei Angstarten geboren.

Die erste Form äußert sich in der Angst vor dem Fallen. Ich habe das mit eigenen Augen gesehen als ich meinen vier Monate alten Sohn die Treppe hinuntertrug. Er zuckte bei jeder Stufe zusammen, weil sein kleiner Körper ihm das Gefühl vermittelte, zu fallen. Die zweite angeborene Angst spiegelt sich in der Furcht vor lauten Geräuschen wider. Nicht nur Säuglinge, sondern auch Erwachsene zucken sowohl bei einem erwarteten als auch einem unerwarteten, lauten Geräusch zusammen. Die dritte angeborene Angst besteht in der Furcht vor Einsamkeit. Neugeborene sterben, wenn sie lediglich gefüttert und gewärmt werden, ohne jedoch das Gefühl der Geborgenheit zu bekommen. Die drei erwähnten Formen der Angst sind angeboren und haben unseren Vorfahren ein Leben in Sicherheit ermöglicht. Laute Geräusche, Fallen oder Einsamkeit waren keine Bedingungen, um zu überleben. Alle anderen Arten der Angst haben wir Menschen im Laufe unseres Lebens erworben.

Darüber hinaus hat uns unser Umfeld diese aufgedrängt.

Schüler und Studenten leiden unter Prüfungsängsten. Andere wiederum plagen Existenzängste. Arbeiter haben Angst vor Arbeitslosigkeit. Diese Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Als Kampfsportler bist du in der Lage, diese lästige Emotion, die sich in deinem Inneren abspielt, zu besiegen. Das regelmäßige Judo- sowie ein anderweitiges Kampfsporttraining hilft dir, sowohl die angeborenen Ängste als auch die erworbenen Befürchtungen zu bezwingen. Fallübungen im Judo, Jiu-Jitsu oder Aikido helfen dir, gegen die Angst des Fallens anzukämpfen. Du hast weder Angst vor einem Sturz, noch bleibst du danach auf dem Boden liegen. Karateka wiederum üben während des Ausführens eines Schlags den 8

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Kampfschrei namens Kiai. Dieser verhilft ihnen den Schlag mit ihrer gesamten mentalen und physischen Kraft durchzuführen. Sie trainieren dadurch ihre Resistenz gegenüber lauten Geräuschen. Der dritte Vorteil, den du aufgrund deines regelmäßigen Trainings genießt, besteht in deiner Vereinszugehörigkeit. Kampfsportler sind nicht allein. Wir sehen nicht nur unser Dojo als ein zweites Zuhause, sondern fühlen uns überall auf der Welt mit Menschen, die eine Kampfsportart ausüben, verbunden. Es ist zwar schwer gegen die angeborenen Ängste anzukämpfen, jedoch nicht unmöglich.

Akquirierte Befürchtungen besiegst du, indem du ihnen keine Bedeutung schenkst. Frag dich nächstes Mal, wenn dich eine bestimmte Art von Angst lähmt, ob sie angeboren oder erworben ist. Handelt es sich um die Erstere, prüfe, ob du in Gefahr bist.

Agiert hingegen die Letztere, werde dir dieser bewusst und fokussiere dich stattdessen auf dein Ziel. In diesem Fall handelt es sich um deine Prüfung. Drei Eigenschaften charakterisieren jeden Kampfsportler. Sie setzen sich aus Respekt, Disziplin und Eifer zusammen. Wenn dich eine gewisse Angst aufsucht, wandele diese in Respekt um. Ihr versetzt euch somit automatisch in eine bessere Lage. Angeborene Befürchtungen waren einst lebensnotwendig.

Heute bringen sie dich keinen Schritt weiter. Dank diesen trittst du auf derselben Stelle oder machst einen Schritt zurück. Brown hatte Recht als er feststellte, dass Angst nur eine große Macht über uns Menschen hat, weil wir ihr diese Erlaubnis erteilen.

Personen, die das Phänomen Angst bewusst wahrnehmen, kämpfen dagegen an. Dadurch genießen sie einen unbeschreiblichen inneren Frieden, den externe Einflüsse nur mit Mühe zunichtemachen. Stelle dir vor, du bist auf dem Weg zu einem Vorstellungsgespräch und dich quält eine unbegründete Angst.

Beantworte dir in dem Augenblick die Frage, wovor du Angst hast.

Hast du eine Phobie vor unangenehmen Fragen? Bereitet dir die Lücke im Lebenslauf Sorgen? Fürchtest du dich vor einer Ablehnung der Personaler? Du denkst bewusst über die genannten Ängste nach. Auf diese Weise nimmst du sie an. Dadurch blockiert sie dich keineswegs bei deinem bevorstehenden Gespräch. Dank der Angst schüttest du eine größere Menge Adrenalin aus und bist während des Gesprächs konzentrierter. Hast du Angst vor einer Prüfung? Warum? Ist es der Gedanke, diese nicht zu bestehen?

Nimm die Angst an und stelle dich deiner angstvollen Erwartung.

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Auf diese Weise senkst du deinen Angstpegel. Du wirst leistungsfähiger und bist bereit, andere Ergebnisse, wie ein Nichtbestehen der Klausur, zu akzeptieren. Und genau diese Akzeptanz der Angst oder die Umwandlung der erworbenen Angst in Respekt verleiht dir eine innere Stärke und Gelassenheit. So wie du im Kampfsporttraining deine Angst vor dem Fallen, vor dem Unbekannten und vor dem Erwerben einer neuen Sportart besiegt hast, bist du auch in der Lage weiteren Ängsten mutig zu begegnen.“

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4. Das bewusste Atmen üben

„So du zerstreut bist, lerne auf den Atem zu achten.“ – Buddha Hapkido stammt aus Korea, hat jedoch seinen Ursprung in der japanischen Kampfkunst Daito-Ryu Aiki-Jujutsu. Durch den stetigen Ausbau entwickelte sich die Sportart zu einer eigenständigen Kampfkunst. Eine Person, die Hapkido praktiziert, nennt sich Hapkido-in. Im Dojo erweitern Hapkidoschüler ihr Wissen und Können in Bezug auf zahlreiche Hebel-, Wurf-, Schlag- sowie Tritttechniken. Ferner legen Lehrer einen Schwerpunkt auf das bewusste Atmen. Mit der Vermittlung der korrekten Atemtechniken helfen sie ihren Schülern, eine bessere Version von sich selbst zu werden, ihre Umwelt und Mitmenschen intensiver wahrzunehmen sowie ihr Inneres zu stärken. Deshalb beginnt der Hapkidotrainer nach der Begrüßung mit unterschiedlichen Atemübungen. Darüber hinaus legt er seinen Schülern nahe, welchen Effekt eine richtige Atmung auf ihre Gesundheit hat: Sie ermutigt, beruhigt und heilt.

Mut und Ruhe gehören desgleichen zu den wichtigen Charaktereigenschaften eines Kampfsportlers. Falsches Atmen hat in vielerlei Hinsicht negative Auswirkungen. Das bewusste Atmen hingegen verbindet einen Hapkido-in mit der Gegenwart.

Der Hapkido-Trainer praktiziert in seiner Freizeit auch Yoga. Er schätzt die Atemtechniken der Yogi. Deshalb wendet er diese im Dojo an. Sein Trainer ging bereits so vor. Er vermittelte ihnen, welche Rolle die Atmung im Hapkido spielt. Bevor er mit dem Aufwärmtraining beginnt, legt er seinen Schülern nahe, ihre unruhigen Gedanken, die sich über den Tag hinweg angesammelt haben, mithilfe einer korrekten Atmung zu beruhigen. Schnelles, unruhiges Atmen dient als Indiz für aufgewühlte Gedanken, wohingegen ein tiefes, langsames Atmen für ruhige Gedanken steht.

Während dieser Phase knien die Schüler auf dem Boden.

Unterdessen schließen sie ihre Augen. Dadurch konzentrieren sie sich vollkommen auf ihren Atem.

„Im Hapkidotraining verfolge ich zwei wichtige Ziele: Zum einen helfe ich euch, euren Körper zu kräftigen, zum anderen vermittle ich euch, wie ihr dank der Kampfkunst euren Verstand stärkt. Die Atmung spielt in beiden Punkten eine Rolle. In Stresssituationen 11

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hilft euch ein tiefes Durchatmen, euch schnell zu beruhigen. Tiefes Atmen versorgt eure Gehirnregion mit einem höheren Sauerstoffanteil. Das wiederum steigert eure Konzentration und Gedächtnisleistung. Würfe, Schlag-, Hebel- und Tritttechniken vergrößern euer Lungenvolumen und eure Tiefenatmung. Dadurch profitiert euer Körper von einer besseren Sauerstoffverteilung. Lasst uns jetzt mit einer kampfkunsterprobten Begrüßung weitermachen.

Es ist an der Zeit, eure Bauchmuskeln in Kombination mit einer richtigen Atmung zu trainieren.“

Um das Zusammengehörigkeitsgefühl seiner Schüler zu stärken, lässt der Lehrer sie, ihre Bauchaufzüge in Partnerübungen durchführen. Sie haken sich ihre Fußgelenke gegenseitig ein.

Während sie mit dem Rücken auf dem Boden liegen, atmen sie ein.

Sobald sie sich in der aufrechten Sitzposition befinden, atmen sie aus. Die Mehrheit der Schüler achtet während des Bauchmuskeltrainings selten auf eine korrekte Atmung. Stattdessen schnappen sie unregelmäßig nach Luft oder halten ihren Atem an.

Dadurch sind sie nach 50 Bauchaufzügen erschöpft. Sie glauben, dass sie ihr Limit erreicht haben. Deshalb lässt der Trainer sie die Übung erneut machen: langsam und mit einem korrekten Ein- und Ausatmen. Sämtliche Anwesenden im Dojo staunen nicht schlecht als sie weitere 100 Bauchaufzüge schaffen. Die Motivation ihres Trainers sowie das richtige Ein- und Ausatmen haben eine Leistungssteigerung ermöglicht.

Nach dem Aufwärmtraining üben die Schüler den Vorwärtstritt.

Sie achten währenddessen ebenso auf die bewusste Atmung. Dieser Tritt erfordert ein längeres Ausatmen, da das gesamte Bein eine längere Distanz zurücklegt.

„Wenn ihr einen hohen Wert auf die korrekte Atmung legt, wachst ihr über eure Grenzen hinaus. Ihr wart der Meinung, nach den ersten 50 Bauchaufzügen, eure Grenze erreicht zu haben. Die korrekte Atmung überzeugte euch vom Gegenteil. Sie agiert nicht nur im Dojo als wertvoller Begleiter der Leistungssteigerung eines Hapkido-ins, sondern auch im Alltag.

Seid ihr im Verkauf tätig und ärgert euch über einen mürrischen Kunden? Lasst nicht zu, dass sich dessen energieraubendes Verhalten auf euch überträgt. Atmet stattdessen leise, tief und langsam ein, ehe ihr ausatmet. Dadurch bleibt ihr in dieser stressigen Situation ruhig. Ihr fasst klare Gedanken und reagiert zugunsten des 12

Kämpfer des inneren Friedens

Kunden. Befindet ihr euch hingegen in einer mündlichen oder schriftlichen

Prüfung?

Führt

ihr

ein

unangenehmes

Vorstellungsgespräch? Stellt ihr fest, dass euer Atem schneller wird?

Verlangsamt diesen und konzentriert euch auf die Prüfungsfragen oder die Fragen des Personalers. Ruhiges Atmen hilft in zahlreichen Situationen. Des Weiteren stärkt ihr euren inneren Frieden, wenn ihr aus den Stresssituationen als Sieger hervorgeht. Demzufolge nimmt euch ein ruhiger Atem die Angst vor weiteren Herausforderungen.

Legt euch jetzt auf den Rücken. Wir üben noch einmal das bewusste Atmen. Atmet durch die Nase ein, haltet den Atem drei Züge und atmet nun langsam durch den Mund aus. Atmet nun erneut ein und achtet darauf, euren Brustkorb mit Luft zu füllen, haltet ihn drei Züge. Atmet nun durch den Mund aus. Atmet nun erneut ein und füllt euren Bauch mit Luft, drei Züge halten, ausatmen. Merkt ihr, wie sich diese Übungen auf euch auswirken?

Fühlt ihr euch besser? Integriert das bewusste Atmen nicht nur in Stresssituationen, sondern generell in euren Alltag. Das wird euch helfen, über eure Grenzen hinauszuwachsen. Eure Atmung sollte nicht nur im Hapkido zu den Techniken, sondern auch zu euren Alltagshürden, die ihr meistert, passen.“

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Kämpfer des inneren Friedens

5. Die Macht des Augenblicks

„Verweile nicht in der Vergangenheit, träume nicht von der Zukunft. Konzentrieredich auf den gegenwärtigen Moment.“ – Buddha Kinder gehören zu denjenigen, die in der Gegenwart leben. Sie haben weder Zukunftsängste noch verschwenden sie einen einzigen Gedanken an ihre Vergangenheit. Erwachsene dagegen vergessen, bewusst im gegenwärtigen Augenblick zu verweilen. Sie fürchten sich vor ihrer unvorhersehbaren Zukunft oder halten sich in ihrer unveränderbaren Vergangenheit auf. Unglücklicherweise entstehen aus dieser Denkweise heraus nicht nur Probleme, sondern auch Krankheiten. Mehrere Studien haben bewiesen, weshalb zahlreiche, gesundheitliche Beschwerden entstehen: Sie entspringen einem mangelnden Genießen des gegenwärtigen Moments. Personen, die einen Kampfsport ausüben, zählen zu denjenigen, welche die Gegenwart bewusst wahrzunehmen.

Selbstverteidigungstechniken spezialisieren sich auf die Abwehr eines frontalen Faustangriffs. Ein Kampfsportler, der über mehrere Jahre hinweg Judo trainiert, weicht bei dieser Angriffsart mit seinem rechten Fuß nach rechts aus, um dem Faustangriff zu entgehen.

Anschließend packt er mit seiner linken Hand das rechte Handgelenk seines Angreifers und hält es fest. Währenddessen dreht er sich um 180 Grad. Diese Bewegung führt er mithilfe seines rechten Fußes durch. Anschließend geht er leicht in die Knie, schiebt nun mit seinem Handgelenk den Arm seines Angreifers weiter nach vorne, wohingegen er mit seinem rechten Arm unter die Achselhöhle seines Gegners rutscht. In dieser Position vollendet ein geübter Judoka einen Schulterwurf. Daraufhin landet der Angreifer auf dem Boden, ohne seinen Faustangriff durchgezogen zu haben.

Karateka wiederum weichen mit ihrem linken Fuß nach links aus und drehen währenddessen ihren Oberkörper leicht seitlich. Ferner blocken sie mit ihrem linken Handgelenk den Schlag ab. Sämtliche Kampfsportarten haben ihre eigene Technik, mit welcher sie diesen Faustangriff abwehren. Der Angriff weist in jeder Sportart eine Gemeinsamkeit auf: Kämpfer, die sich nicht auf den gegenwärtigen Augenblick und den Angriff konzentrieren, kassieren einen Fauststoß mitten in das Gesicht. In unserer schnelllebigen Welt neigt 14

Kämpfer des inneren Friedens

die Mehrzahl der Menschen dagegen dazu, einen anderen Faustschlag hinzunehmen. Das liegt an ihrer permanenten, gedanklichen Abwesenheit. Sie schwanken zwischen ihrer Vergangenheit und ihrer Zukunft. Deshalb dient diese Abwehrtechnik aus dem Kampfsport als Wegweiser, der sowohl Kämpfer als auch solche, die es noch werden wollen, stets daran erinnert, bewusst in der Gegenwart zu leben.

Der Faustangriff und dessen Folgen finden im Alltag Anwendung. Personen, die mit ihren Gedanken zwischen ihrer unveränderbaren Vergangenheit sowie ihrer unvorhersehbaren Zukunft pendeln, erhalten für diese Denkweise den größten Schlag ihres Lebens: Sie wachen eines Tages auf und stellen niedergeschlagen fest, nie gelebt zu haben. Darüber hinaus haben sie nicht die Dinge getan, welche ihnen am Herzen lagen, da sie nicht in der Gegenwart präsent waren. Entweder erdrückt sie ihre Vergangenheit oder ihre Zukunft belastet sie. Aus diesem Grund lohnt es sich, regelmäßig Techniken der Achtsamkeit zu praktizieren und sich dabei den Augenblick zu vergegenwärtigen. Der Faustangriff hilft nicht nur Kampfsportlern, sondern auch denjenigen, die unter Zukunftsängsten sowie unter ihrer Vergangenheit leiden, sich über die Bedeutung der Gegenwart Gedanken zu machen.

Aikidoka, Judoka, Karateka, Taekwondoka, und Boxer, konzentrieren sich während des Ausführens der Tritte, Hebel, Fallübungen und sonstigen Techniken. Mit ihren Gedanken schweifen sie keineswegs ab. Denn, wenn sie sich für den Bruchteil einer Sekunde ablenken lassen, begehen sie in genau dieser Zeit einen Fehler. Im Alltag hängt dieser Fehler von der jeweiligen Tätigkeit ab. Deshalb fungieren Angriffs- und Abwehrtechniken in den zahlreichen Kampfkunstarten als Mentoren, welche den Trainierenden helfen, den gegenwärtigen Moment bewusst wahrzunehmen. Kampfsportler verdanken ihr hochkonzentriertes Arbeiten ihrem jahrelangen Training. Sie sind dadurch bei sämtlichen Tätigkeiten, welchen sie nachgehen, aufmerksam. Sie übertragen den Faustschlag, den sie im Training abwehren, auf den Alltag. Beim Autofahren bezahlen sie die Unaufmerksamkeit mit einem Unfall, falls sie mit ihren Gedanken nicht auf der Straße bleiben. Im Training lernen Kampfsportler, dass Achtsamkeit für eine

besondere

Form

des

Wahrnehmungs-

sowie

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Bewusstseinszustands steht. Achtsame Individuen profitieren nicht nur von ihrer höheren Aufmerksamkeit, sondern auch von ihrer optimistischen Betrachtungsweise. Darüber hinaus gehören sie nicht zu denen, die ständig auf etwas warten. Die Mehrheit fokussiert sich nicht auf den Augenblick, sondern auf Befürchtungen, Ängste oder Probleme. Meistens werden diese nicht einmal geschehen.

Vermutlich werden sie auch nie Wirklichkeit werden. Diese Individuen vergessen, dass sie über die Lösungen ihrer Sorgen erst dann nachdenken sollten, falls diese sich bewahrheiten. Darüber hinaus wartet die Mehrheit der Jugendlichen und Erwachsenen auf etwas und kapiert nicht, wie schädlich diese Warterei sich auf ihren Gemütszustand auswirkt. Zahlreiche Personen warten auf das Wochenende, auf den nächsten Urlaub oder auf die Rente. Sie sind darauf erpicht, dass dieses oder jenes endlich vergeht. Leider vergessen sie, wie schnell unterdessen auch die Zeit verstreicht.

Deshalb lohnt sich für jeden Menschen, sich einen Faustangriff und die

damit

verbundene

Konzentration

während

eines

Kampfsporttrainings zu verbildlichen.

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6. Achtsamkeit ist ein unterschätzter

Alltagsbegleiter

„Das Denken ist die Basis von allem. Es ist wichtig, dass wir jeden unsererGedanken mit dem Auge der Achtsamkeit erfassen.“ – Thich Nhat Hanh Achtsamkeit agiert in sämtlichen Kampfsportarten als wichtiger Bestandteil der Techniken. Schließlich fungiert diese nicht nur als eine erhöhte Form der Aufmerksamkeit, sondern auch als Stresskiller. Sie bildet keine gute Grundlage für negative Gedanken.

Darüber hinaus befreit sie Menschen von ihrer Vergangenheit, die ihnen Leid zufügt. Mindfulness lautet das Synonym für Achtsamkeit.

Diese lässt sich in einem Dojo trainieren. Vier Bausteine gehören zu einem Achtsamkeitstraining: Sie setzen sich aus der Körper-, Empfindungs- und der Geisteswahrnehmung zusammen. Darüber hinaus zählt die Wahrnehmung der Geistesobjekte zu diesem Quartett. In der Aufmerksamkeitslehre unterteilen Experten die vier Ebenen in eine fokussierte, geteilte, anhaltende und wechselnde Aufmerksamkeit.

Eine wichtige Wahrnehmungsübung findet bei Kampfsportlern über die Kontaktaufnahme mit ihrem Übungsraum statt. Das fängt mit einer Verbeugung beim Betreten der Matten an. Die bewusste Wahrnehmung hilft Kampfsportlern, sich auf die Gegenwart zu fokussieren und Stress abzubauen. Sie besteht aus einem Bewusstseinsrad. Gefühle, Gedanken und Reaktionen entstehen aufgrund dieses Kreislaufs. Sehen, Hören, Riechen und Fühlen beeinflussen die Wahrnehmung. In der Selbstverteidigung lernen Kämpfer die Reaktionen ihrer Partner mithilfe der menschlichen Sinne wahrzunehmen. Sie fokussieren sich auf den Angriff ihres Gegners. Als Nächstes führen sie innerhalb von Sekunden eine Bewertung der körperlichen Attacke durch. Diese spiegelt ihre Gedanken in Form von Einstellungen sowie Erwartungen wider.

Der Prozess läuft im Inneren ab. Nach der Wertung entstehen Gefühle. Sie gliedern sich in angenehm, neutral und unangenehm.

Angenehme Gefühle erzeugen ein Verlangen nach mehr. Neutrale Empfindungen verursachen Gleichgültigkeit. Unangenehme 17

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Bewertungen sorgen für eine Ablehnung. Ein bevorstehender Angriff, selbst wenn er im Dojo eine Simulation darstellt, ruft eine Aversion hervor. Derartige Gefühle äußern sich nach außen hin in Form von einer Körperspannung. Damit vermitteln Kämpfer ihrem Angreifer, auf die Attacke vorbereitet zu sein.

Judoka fokussieren sich, um das Verhalten ihres Partners wahrzunehmen, auf dessen Körpersprache. Sie verlassen sich für eine erfolgreiche Bewertungsdurchführung auf den Körperkontakt.

In Abhängigkeit von der Lage ihres Trainingspartners führen sie eine Wurftechnik aus. Ohne eine bewusste Wahrnehmung wären sie dazu nicht in der Lage. Die Bewusstseinsübung hilft nicht nur im Training, sondern auch im Alltag in vielerlei Hinsicht weiter.

Personen, die achtsam auf ihre Gefühle reagieren, sind in der Lage, diese zu reflektieren und zu kontrollieren. Sie machen nicht ihre Mitmenschen für unterschiedliche Situationen verantwortlich.

Achtsames Verhalten hilft den Kreislauf von Wahrnehmung, Wertung und gewohnter Reaktion zu durchbrechen. Diejenigen, die dazu in der Lage sind, profitieren von einem inneren Frieden.

Kampfsportler erwarten während des Randori auf keinen Fall von ihrem Partner, sich an die Situation anzupassen, sondern reagieren auf dessen Bewegungen. Im Anschluss führen sie eine Wurftechnik durch. Nicht nur Judoka halten sich während eines Randori in der Gegenwart auf, sondern auch Menschen, die im Alltag eine bewusste Wahrnehmung praktizieren. Sie passen sich den Veränderungen an. Dadurch erzeugen sie eine gegenwärtige Realität.

Dank dieser Flexibilität sind sie in der Lage, sich an den jeweiligen Augenblick anzupassen. Nicht nur Judoka, sondern auch anderweitige Kampfsportler profitieren von ihrer Offenheit gegenüber Veränderungen. Dadurch leiden sie weniger als ihre verschlossenen Mitmenschen. Derartige Verhaltensweisen halten das Gehirn jung. Sie fungieren als Präventionsmaßnahme gegen das Altern. Shaolin-Mönche sind sich darüber im Klaren, dass das Gehirn schneller altert, je öfter es mit seinen Gedanken in der Vergangenheit verweilt.

Achtsamkeit verleiht einen inneren Frieden. Kampfsportler lernen loszulassen und ihre Denkweise, stets aufs Neue zu überprüfen. Dadurch führen sie weniger Kämpfe mit sich selbst aus.

Im Dojo findet ein hervorragendes Achtsamkeitstraining statt.

Kämpfer widmen ihre Aufmerksamkeit dem gegenwärtigen 18

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Augenblick. Um sich neue Techniken anzueignen, zollen die Schüler ihrem Lehrer hundertprozentige Aufmerksamkeit. Andernfalls erwerben sie kein neues Wissen. Deshalb haben Tablets, Smartphones oder Mobiltelefone nichts im Trainingsraum verloren.

Dort dominiert ein ablenkungsfreies Zuhören. Des Weiteren besteht dieses aus einem eigenen Antrieb. Es ist nicht nur die höhere Graduierung, welche die Schüler anspornt, sondern auch der Drang, besser zu werden. Das funktioniert jedoch nur, solange Anwesende achtsam sind und nicht mit ihren Gedanken abschweifen.

Achtsamkeitstraining lässt sich mit dem Kampfsporttraining verbinden. Das faszinierende an jeder Kampfsportart liegt an der Beschäftigung mit sich selbst, die jedoch in einem Team stattfindet.