Karpfen blau - Matthias Luck - E-Book

Karpfen blau E-Book

Matthias Luck

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Beschreibung

Die Ballade "Karpfen blau" erzählt pointiert und humorvoll die Lebensgeschichte eines Fischfachverkäufers, der sich im Seniorenheim an seine große Liebe erinnert. Daneben enthält das 76 Seiten umfassende Buch einige Anmerkungen, die das Gedicht erläutern und die Entstehungsgeschichte illustrieren. Außerdem wird umfangreich erläutert, warum das Gericht "Karpfen blau" Karpfen blau heißt und wie es gekocht wird. Das Buch ist liebevoll, zumeist farbig, von Petra Averesch illustriert und eignet sich perfekt als Geschenk.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 32

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Der passionierte, gleichwohl erfolglose Briefmarkensammler Matthias Luck, (Jahrgang 1964, BRD komplett, aber wertlos) ist waschechter Hamburger. Seine humoristischen Gedichte übertreffen die seiner Vorbilder Gernhardt, Erhardt, Busch, Ringelnatz und Morgenstern bei weitem – auf jeden Fall in der Länge. Der Autor liebt Pilze, Wein und Leberwurst.

Petra Averesch, Jahrgang 1965, Diplom-Grafikdesignerin, Studium an der FH Münster, lebt mit ihrer Familie seit fast 30 Jahren gern in Hamburg.

Inhalt

Karpfen blau

Anmerkungen

Rezept

Karpfen blau

teil 1

Der Teich

Bei der Wahl des Seniorenheimes gibt es vor Ort

unendlich viele Dinge zu beachten,

lebt die oder der Auswählende doch womöglich hinfort

allein, und muss aufs Schmerzlichste schmachten,

nach vergangenem Glück und nach Nähe sich sehnen,

nach Nähe von Freunden und von Verwandten!

Die große Liebe ist auch zu erwähnen,

alle Spender von Freude,

alle engen und fernen Bekannten!

Doch das einstige Haus wird nun zum Zimmer,

mit Nischen zum Kochen und Schlafen.

Saucen reduzieren macht diese besser,

nicht schlechter, nicht schlimmer!

Wie viel Platz benötigt der sichere Hafen,

um all das gelebte Leben

so eben und eben

hier aufzunehmen?

Für Karl Krömer gehörte dies jedoch nicht zu den

Problemen.

Es war für ihn so weit fast alles wie immer,

denn er wechselte bloß von Zimmer zu Zimmer.

Nur der tiefgrüne, mogulgleiche Edelstein,

den sie immer trug,

wurde mit seinem achteckigen Treppenschliff

für ihn schnell zum Inbegriff

ihrer Vollkommen- und Reinheit

und benötigte als Reliquie einen eigenen Heiligenschrein!

Aber damit noch lange nicht genug,

wurde er doch zur Erinnerung an ihr fast überirdisches Sein,

davor ein Stuhl zur Verehrung,

und ein Schreibtisch mit dem Fach für ihre Briefe,

ein Fach der Vermehrung

der Liebe und ein Zeugnis ihrer langen Verwehrung!

Es ist nicht nur so, als ob Margarete

in den Briefen noch heut’ nach ihm riefe!

Doch zunächst zurück zum Banalen,

nicht zum Ausgangspunkt all seiner Qualen

der unerfüllten Liebe, sondern Frage um Frage:

Wie ist das Essen? Wie ist die Lage?

Fragen also stattdessen

nach der Ausstattung und dem Design,

Fragen nach Luxus und dem äußeren Schein,

die alle für ihn nicht wichtig waren,

überhaupt gar nicht wichtig!

Nein, an ihnen konnte er sparen,

denn allein wichtig war,

und das ist immer noch richtig,

dass er fand ein Heim mit einem Teich,

und das hatte er nach langem Suchen tatsächlich gefunden,

und das macht ihn nun erfüllt, im Inneren reich,

weil er täglich an ganz vielen Stunden

dort sitzen kann an diesem Teich und die Fische betrachten,

genauer die Karpfen mit ihren glänzenden Schuppen,

die Schuppenkarpfen, die kann er besonders beachten,

und die Spiegelkarpfen, die sich als sein Kleinod entpuppen.

Seht! Da sitzt er gerade wieder an diesem Teich und wir

können ihn fragen:

Warum nur, warum? Welch Bewandtnis hat es damit

auf sich?

Wird er sich uns erklären und uns freiheraus sagen,

warum er dort sitzt und beständig ausharrt,

warum er getrübten Blicks und dennoch,

so scheint es, zufrieden in den Teich hinein starrt?

teil 2

Die Karpfen

Ich starre, so hebt er mit einem Lächeln zu sprechen an,

weil ich die Karpfen so liebe,

weil ich ohne sie mein Leben nicht zu Ende leben kann!

Ich weiß nicht, wo ich ohne sie bliebe!

Aber warum nur, fragen wir ihn und uns alle zusammen?

Meine Erinnerungen, so sagt er, die stammen

fast aus einer anderen Zeit, 50 Jahre zurück müssen

wir gehen,

um meine Liebe zu Karpfen vollends zu verstehen.

Es war im Sommer, als ich in ihrem Laden anfing,

im Sommer vor soooo vielen Jahren.

Meine Kenntnisse waren anfangs gering,

aber mit harter Arbeit und Schuppen in den Haaren

wurde ich ihr bester … Fischfachverkäufer.

Ich lernte schnell und kannte bald jeden Fisch.

Zuverlässig war ich und nicht wie andere Säufer,

und zerlegen konnte ich bald auf dem Tisch

Butte und Dorsche und ganze Seezungen,

entfernen die Gräten und Innereien –

Fischfilets sind bei mir immer gelungen