Ruhe im Karton - Matthias Luck - E-Book

Ruhe im Karton E-Book

Matthias Luck

0,0

Beschreibung

"Ruhe im Karton" ist das vierte Buch des Autors Matthias Luck. Wie auch die Vorgänger "Schwanensee", "Der Hundeliebhaber" sowie die "Adventskranzkerzenfrage" umfasst das Buch eine Vielzahl schwarz-humoriger Gedichte. Es wurde von der Illustratorin Petra Averesch liebevoll mit vielen Zeichnungen versehen. Die Gedichte von Matthias Luck übertreffen die seiner Vorbilder Robert Gernhardt, Heinz Erhardt, Wilhelm Busch, Joachim Ringelnatz und Christian Morgenstern. Auf jeden Fall in der Länge!

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 58

Veröffentlichungsjahr: 2026

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Der passionierte, gleichwohl erfolglose Briefmarkensammler Matthias Luck, (Jahrgang 1964, BRD komplett, aber wertlos) ist waschechter Hamburger. Seine humoristischen Gedichte übertreffen die seiner Vorbilder Gernhardt, Erhardt, Busch, Ringelnatz und Morgenstern bei weitem – auf jeden Fall in der Länge. Der Autor liebt Pilze, Wein und Leberwurst.

Petra Averesch, Jahrgang 1965, Diplom-Grafikdesignerin, Studium an der FH Münster, lebt mit ihrer Familie seit über 20 Jahren gern in Hamburg.

Inhalt

Ruhe im Karton

Beerdigungsinstitut Frohgemut

Die Todesstrafe

Ehrlich gesagt

Bahn.comfort

Neulich im Schwimmbad

Alpen

Der Fahrstuhltäter

Wasa

Gebt den Spatzen ein Zuhause

Die schönste Nebensache der Welt

Bauer sucht Frau

Granat(en)apfelkerne

Freie Platzwahl

Einmal mitmachen und dabei sein

Grand Hand

Wenn der Postbote zweimal klingelt …

Dicke Dinger

Clochard

Die Herzräuberin

Ruhe im Karton

(Umsatzrückgang bei Amazon)

Was ist das nur für eine Welt?

Ein jeder denkt nur an und für sich.

Und es nimmt wahrlich Wunder mich,

was sie noch im Innersten zusammenhält.

Homo Oeconomicusse, die wir sind,

folgen wir dem Angebot.

Und in unsrer größter Seelennot

befreien wir uns dann geschwind,

befreien uns geschwind und egoistisch von Natur

von Hüllen, unliebsamen,

von pappenem Schutz, den wir bekamen,

denn wir brauchen ja das Innere nur,

das Innere, welches uns im Innersten zusammenhält,

durch das wir unsere Welt ansehen,

so flach als es nur eben gehen,

ja gehen mag, ist genau was uns gefällt.

Doch sperrig ist die Traum-Diagonale!

Der Karton, gepresst, versperrt den Schlitz

und befördert rasch auf mein Antlitz

erste Zeichen von … und dann mit einem Male

Wut der reinsten Form, ob dieser Missetat

eines andern, der auf sich war nur bedacht.

Und so ist mein Zorn entfacht,

und ich weiß nicht aus noch einen anderen Rat,

als das Hindernis zu packen und aus dem Schlitz zu zerren.

Und ich ziehe und ich reiße –

Himmel, Herrgott, gottverdammte Sch…,

doch beim Anruf unseres Herren

halt ich inne, denn eine Frau tritt auf mich zu,

hässlich, was ich da wohl gerade machte,

und bebrillt und mir dabei wohl dachte,

stößt gebieterisch sie vor und gibt zeternd keine Ruh!

Zerreißen müsst’ ich und nicht falten,

so würde ich alles nur verstopfen.

Die Pappe wirkt als Propfen,

wo rohe Kräfte sinnlos walten.

Aber gerade das, dass habe ich doch vor,

und das ist auch gar nicht meine Pappe,

die jemand hier in diese Klappe …

bringe ich mit Müh’ und Not hervor.

Doch ha, das kann ja jeder einfach sagen,

fährt sie mit Wucht mir in das Wort.

Und ich seh’ doch, fährt sie rasch fort,

wie sie ihren Müllkarton da tragen.

Das ist nicht meiner, beteuere ich.

Und ich zeige: Das ist mein Papier,

sehen Sie, dieser kleine Stapel hier!

Und ich bin sauer, ärgere mich.

Da mischen sich zwei Rentner ein:

Junger Mann, so geht das eben nicht,

Sie stopfen ja den Container dicht!

Und blicken dabei sauertöpfisch drein.

Ich zeige Ihnen gleich mal, was hier geht,

schreie ich sie wütend an.

Und voller Wut dreh´ ich mich dann

zu der Frau um, die da steht

und mich so wissend, sie denkt, voll im Recht,

ansieht und wartet, dass ich mich so verhalte,

wie sie es will, doch ich bin nicht mehr der Alte,

und ich verhalte mich sehr schlecht,

denn ich entfalte rasch jetzt den Karton,

und im gleichen Zug neue Methoden,

denn ich entferne rasch nun seinen Boden –

ab jetzt kenn ich kein Pardon –

und stülpe ihn ihr über’n Kopf,

und ich sperr die Frau jetzt damit ein.

So verpackt wirkt sie doch eher klein,

man sieht bald nur noch ihren Schopf.

An dem pack ich sie, denn der Wagen

der Müllabfuhr kommt gerade mal zur rechten Zeit.

Ich hebe sie hoch, es tut mir nicht leid,

ich werde sie zum Wagen hintragen.

Ich ächze, denn die Frau ist sehr schwer,

doch die Rentner packen jetzt mit an.

Ich wundere mich zwar, aber dann

schwingen wir sie hin und her

und wir tun es und schmeißen sie hinein.

Und der Papiercontainermann

Schwenkt seinen Greifarm und dann

greift er den Container und obendrein

schüttet er auf die Frau, die von innen rausschreit,

die Pappe muss zerrissen werden,

die Pappe muss zerrissen werden,

seinen Inhalt, und mit ihrem Dasein auf Erden

ist Schluss, und wir sind von ihren Klagen befreit.

Dabei verliere ich nur kurz fast die Façon,

weil die Presse die vorhandene Stille

stört und mit einem Krk ihre Brille

die Fassung verliert, doch dann herrscht Ruhe im Karton!

Beerdigungsinstitut Frohgemut

Also, wir haben Feuer und Erde und Wasser und Luft,

Einzelgrab, Doppelgrab und Familiengruft.

Wir haben Kiefer und Erle und natürlich auch Eiche,

vom Besten gewiss nur das Beste für ihre Leiche!

Sterbehemd, Laken und Decken und Kissen:

Tote müssen bei uns gar nichts vermissen.

Tannengrün, Blumen, Kränze, Gebinde,

damit jeder für sich etwas Persönliches finde.

Blumen haben bis heute eine symbolische Kraft,

die vom Heute zum Jenseits eine Verbindung schafft.

Der musikalische Rahmen kann vielgestaltig sein,

in einer Kapelle oder gar in einem Schrein.

Die Aufbahrung erfolgt oder auch nicht.

Alles ist möglich, auch der Verzicht.

Symbole der Trauer überdauern Zeit und auch Raum.

Die letzte Ruhe in der Cloud ist ein Traum.

In die Cloud kann man dem Toten alles mitgeben:

Filme und Bilder aus seinem bisherigen Leben,

Texte und Schriften, die sein Leben belegen,

Fragmente des Daseins, die uns weiterbewegen.

In der Cloud treffen wir uns später alle dann wieder

und singen gemeinsam himmlische Lieder.

Die Cloud schwebt unsichtbar über uns allen,

und die Gesänge der Ahnen, sie hallen

von fern und nah aus der Cloud zu uns nieder.

Und wir loaden down wieder und wieder,

denn alles geht in der Cloud,

in der Er gütig auf uns herabschaut.

Ja, Steve hat noch free space

for the whole human race.

Passwort festlegen für unsere Erben,

und dann, nun ja, einfach nur … sterben.

Hallelujah!

Anmerkung:

Der 2011 verstorbene Steve Jobs war Mitgründer und viele Jahre lang Vorstandsvorsitzender (CEO) der amerikanischen Firma Apple. Jobs zählt zu den wohl bekanntesten und erfolgreichsten Persönlichkeiten der IT-/Computerbranche.

Die Todesstrafe

Sie war ein Fleisch gewordener Traum,

und ich wusste darum kaum,

wie ich mein Glück in Worte fassen konnte.

Ich ging neben ihr und sonnte

mich in ihrer Schönheit.

Sie lachte und scherzte,

und fast schon da schmerzte

ihr Anblick in meinen Augen.

Ihr Piercing schien sie anzusaugen,

denn auch ihr Bauchnabel lag frei.

So frei, wie die Schulter über dem Schiesser-Feinripp,

sah ich den Ansatz von ihrem Slip.

Und unter dem Hemd,

ja, dem Unterhemd,

erahnte ich ihre Brüste,

vollendet und nackt!

Und da hat`s mich gepackt.

Ich sah die Brüste jetzt wippen

und ihre so vollen Lippen

mich schon liebkosen.

Ich nahm ihre Hand,

denn ich fand

es war Zeit!

Ich war geil und bereit

und dachte nur noch ans Bett!

Da sagte sie:

Weißt Du, ich find Dich echt nett.

Ehrlich gesagt

Sind die Tomaten schon abgewaschen?,

fragte ich sie.

Ehrlich gesagt, ob sie abgewaschen

sind, das weiß ich nie, sagte sie.

Sie sagte, ehrlich gesagt,