Katzenmärchen - Caroline von Oldenburg - E-Book

Katzenmärchen E-Book

Caroline von Oldenburg

0,0

Beschreibung

Drei märchenhafte Geschichten, in denen Katzen Außergewöhnliches erleben. Aus: Die drei Katzen Vor vielen hundert Jahren, in den guten alten Zeiten der Feen, lebte eine junge Prinzessin in einem sehr großen Palast. Die Palastmauern waren aus feinstem weißem Marmor, die Türen aus schwarzem Ebenholz, die Fensterrahmen waren aus Gold, und die Möbel der Zimmer ebenso kostbar und prächtig. Der Salon der Prinzessin war mit schönen Wandteppichen geschmückt, die Vorhänge an den Fenstern waren aus leuchtender karmesinroter Seide genäht, überall gab es goldene Blumen in den Vasen, die Spiegel reichten vom Boden bis zur Decke, und die Stühle waren aus Ebenholz, in das Edelsteine eingelegt waren. Die Prinzessin hatte zweihundertfünfunddreißig wunderschöne Festkleider: einige aus kostbarem goldenem Stoff, einige aus glitzerndem silbernen Gewebe, viele mit Perlen und Edelsteinen verziert, neben sehr vielen anderen Kleidern aus Samt und Seide, die sie jeden Tag trug. Aber meine Geschichte hat nicht so sehr mit der Prinzessin zu tun, sondern mit ihren Katzen ...

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 97

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Katzenmärchen

Frei übersetzt von Caroline von Oldenburg nach Ideen von Tabitha Grimalkin

Illustrationen von Billings, Harrison Weir und Caroline von Oldenburg

Inhalt

Die drei Katzen

Die unzufriedene Katze

Der Wunschtag

Impressum

Die drei Katzen

Vor vielen Hundert Jahren, in den guten alten Zeiten der Feen, lebte eine junge Prinzessin in einem sehr großen Palast. Die Palastmauern waren aus feinstem weißen Marmor, die Türen aus schwarzem Ebenholz, die Fensterrahmen waren aus Gold, und die Möbel der Zimmer ebenso kostbar und prächtig. Der Salon der Prinzessin war mit schönen Wandteppichen geschmückt, die Vorhänge an den Fenstern waren aus leuchtender karmesinroter Seide genäht, überall gab es goldene Blumen in den Vasen, die Spiegel reichten vom Boden bis zur Decke, und die Stühle waren aus Ebenholz, in das Edelsteine eingelegt waren. Die Prinzessin hatte zweihundertfünfunddreißig wunderschöne Festkleider: einige aus kostbarem goldenem Stoff, einige aus glitzerndem silbernen Gewebe, viele mit Perlen und Edelsteinen verziert, neben sehr vielen anderen Kleidern aus Samt und Seide, die sie jeden Tag trug.

Aber meine Geschichte hat nicht so sehr mit der Prinzessin zu tun, sondern mit ihren Katzen. Die Prinzessin hatte zwei davon: einen älteren Kater, genannt Glumdalkin, und ein sehr fröhliches ausgelassenes Katzenmädchen namens Friskarina. Glumdalkin war ein Cousin zweiten Grades und eines Tages zu Friskarina gezogen, obwohl er viel älter war. Um die Wahrheit zu sagen, die junge Friskarina mochte den alten Kater nicht sehr. In Anbetracht seines Alters und der Verwandtschaft verhielt sich Friskarina jedoch sehr höflich und respektvoll zu Glumdalkin. Die beiden Katzen waren wirklich sehr verschieden. Es gab auch nicht die geringste Familienähnlichkeit zwischen ihnen. Glumdalkin war tiefschwarz, hatte ein ungewöhnlich leuchtendes Paar grüner Augen, die immer auf der Suche nach etwas zu sein schienen, das nicht in Ordnung war. Er war sehr fett, und er bewegte sich so gemächlich, als wäre ihm jeder Schritt viel zu viel Mühe. Dagegen war Friskarinas Fell glänzend und hell wie Schildpatt, und obwohl sie auch ein wenig rundlich war, gab es kein lebhafteres kleines Wesen in der ganzen Katzenwelt. Sie liebte es, über die Sofas, Sessel und Fußhocker im Salon der Prinzessin zu toben. Manchmal hatte Friskarina das unwiderstehliche Verlangen, Sprünge über den großen breiten Rücken von Cousin Glumdalkin zu machen, während dieser vor dem Kamin lag. Aber sie wusste, dass das ihrem Cousin nicht gefallen würde. Also war Friskarina klug und begnügte sich damit, über die Möbel zu hüpfen, während Glumdalkin, der vorgab, die ganze Zeit fest zu schlafen, sie mit einem halboffenen Auge beobachtete und insgeheim hoffte, dass Friskarina das Pech haben würde, eines der kostbaren Porzellangefäße der Prinzessin, die überall herumstanden, zu zerschmettern.

Es war an einem sehr kalten Winterabend. Die Pagen hatten die dicken karmesinroten Vorhänge im Salon zugezogen und das Feuer im Kamin brannte lodernd und knisternd. Die Kerzen wurden angezündet und für die Katzen ihre Samtkissen vor dem Feuer bereitgelegt. Glumdalkin ließ den Flügel eines gekochten Huhns fallen und krabbelte langsam auf sein Kissen, um sich auszustrecken.

Die Prinzessin lag auf dem Sofa neben dem Feuer und ruhte. Aber sie schlief nicht. Sie beobachtete Glumdalkin, der es sich auf seinem Kissen bequem gemacht hatte, während Friskarina, die viel ernster aussah als sonst, in einer angespannten Haltung mit ihren hellen, sonst so munteren Augen nachdenklich ins Feuer starrte.

Nun müsst ihr wissen, dass die Prinzessin eine alte Tante hatte, die eine Fee war; und diese hatte ihrer Nichte die Fähigkeit verliehen, die Sprache der Tiere zu verstehen. Das war ein sehr amüsantes Geschenk, und die Prinzessin hatte oft viel Freude und Kurzweil damit. Gerade jetzt, als sie nach dem Abendessen auf ihrem Sofa lag, dachte sie, es wäre sehr interessant, wenn ihre Katzen sich ein wenig unterhalten würden.

Doch es verging einige Zeit, ehe eine von beiden etwas sagte. Glumdalkin gab ein großes Gähnen von sich und schlug mit dem Schwanz ziemlich heftig gegen das Kissen, dann sagte er:

"Wirklich, Friskarina, du bist heute Abend schrecklich langweilig. Sonst machst du immer Mätzchen, wenn ich schlafen will, aber jetzt, wo mir nach einer vernünftigen Unterhaltung zumute ist, sitzt du so stumm und mürrisch da wie ein alter Bär."

Friskarina war an unhöfliche Anreden von ihrem Cousin zweiten Grades gewöhnt, also antwortete sie sehr leise, dass sie dachte, Glumdalkin wollte ein Nickerchen machen, und dass sie ihn nicht stören wolle.

"Nun, das bewundere ich!", rief Glumdalkin: "Du bist wunderbar rücksichtsvoll, das muss ich sagen: Nun, ich glaube jedoch, Fräulein Friskarina, du hast Unfug getrieben, und das ist der Grund, warum du hier so still sitzt. Ich möchte wissen, wo du heute am Morgen warst, als die Pagen dich im ganzen Haus suchten, weil die Prinzessin nach dir verlangte, und niemand dich finden konnte? Nun, die Leute haben seltsame Geschmäcker! Ich hätte gedacht, sie hätte die Gesellschaft einer ernsten, anständigen Katze, wie ich eine bin, die das angemessene Benehmen bei Hofe kennt, und etwas von der Gesellschaft gesehen hat, viel angenehmer gefunden als die von so einem lächerlichen, unwissenden Ding, wie du es bist! Höre, es macht mich sehr oft ziemlich nervös, wenn du so herumhüpfst! Aber sie hat nicht nach mir gefragt, also konnte ich natürlich auch nicht zu ihr gehen. Die Welt ist anders als damals, als ich jung war – ganz anders, in der Tat!"

Mit einem kehligen Grunzen beendete Glumdalkin seine Rede, rollte sich auf die andere Seite, so als wollte er sich in einer Art Verzweiflung abwenden von der Bosheit der Welt.

Friskarina dachte für sich, sie hätte nicht viel zu beanstanden an ihrem Leben. Aber sie wagte es nicht, Glumdalkin dies zu sagen. Gutmütig antwortete sie:

"Es tut mir sehr leid, Cousin Glumdalkin, dass ich draußen war, als die Prinzessin nach mir rief, aber tatsächlich trieb ich keinen Unfug. Ich sah solche seltsamen Dinge, die mich ziemlich unglücklich gemacht haben. Und nun muss ich darüber nachdenken."

"Humph!", sagte Glumdalkin, "bitte, was für seltsame Dinge hast du denn gesehen?"

"Weshalb", antwortete Friskarina, "hatte ich heute morgen genug von unserem Schlossgarten? Es stimmt, ich kenne jeden Stock und Stein darin ganz genau. Ich war schon neun Mal den Schotterweg vor dem Schloss entlang geflitzt und hatte die Hälfte der Strecke zurückgelegt, um die zehnte Runde zu machen, als ich zum Glück sah, dass der Gärtner die äußere Tür öffnete. Also dachte ich, ich könnte genauso gut die Gelegenheit nutzen, festzustellen, was es auf der anderen Seite der Mauer gab. Deshalb habe ich aus dem Tor herausgeschaut und stellte fest, dass dort eine Art Straße war, mit so seltsam aussehenden Häuschen, hier und da, ich weiß nicht, wie ich sie beschreiben soll. Es leben Menschen in ihnen, denn ich sah einige Leute in eines von ihnen hinein gehen. Sie waren nicht im Geringsten wie dieses Schloss, in dem die Prinzessin lebt. Ich bin sicher, Grandmagnifikolowsky, der Erste Page, könnte in den Häuschen niemals aufrecht stehen – und sie waren so schwarz und trostlos und schmutzig, einfach traurig!"

"Und du bist natürlich an einen der hässlichen Orte gegangen?", knurrte Glumdalkin; "Hütten, Kind, werden sie genannt."

"Du sollst alles rechtzeitig hören", antwortete Friskarina; "Ich schaute so herum, vor unserer Gartentür. Ich war zu ängstlich, um mich ganz heraus zu wagen. Als ich plötzlich eine  Katze aus einer dieser Hütten kommen sah, wie du sie nennst, – oh Glumdalkin: Es hätte wirklich auch dein Herz traurig gemacht, wenn du das gesehen hättest. Ich hatte bisher keine Ahnung, dass es solche Katzen auf der Welt gibt. Es war furchtbar, sie anzusehen. Sie war so schrecklich dünn, du konntest ihre Knochen sehen, und sie war so schmutzig, als hätte sie ihr ganzes Leben auf einem Kohlehaufen verbracht. Diese Katze kroch aus der Tür, als hätte sie kaum Kraft zu gehen, und so einen dünnen Schwanz hatte sie! Ich bin erschrocken, als ich sie sah. Ich konnte nicht anders, als zu ihr zu laufen und sie zu fragen, was mit ihr los sei.——"

"Was!", unterbrach Glumdalkin und schüttelte sich. Seine Augen funkelten und seine Schnurrhaare richteten sich schnurgerade aus. "Willst du sagen, dass du – eine Katze aus einer solchen  ehrenwerten und ausgezeichneten Familie wie unserer - eine der ältesten im Katzenreich -, du hast dich tatsächlich so weit erniedrigt, mit einem schmutzigen, bettelnden, elendigen Geschöpf, welches aus seiner elenden Hütte gekrochen ist, zu sprechen? Friskarina, bei der Ehre einer Katze, ich schäme mich für dich!"

"Natürlich bin ich mit ihr ins Gespräch gekommen", antwortete Friskarina lebhaft. Ich fragte sie, wo sie lebt, und warum sie so dünn und schmutzig ist."

"Ich überlege ernsthaft", sagte Glumdalkin, "wie du es ertragen konntest, in ihre Nähe zu gehen."

"Aber ich konnte doch gar nicht anders, weißt du", meinte Friskarina. "Das arme Ding sah so erbärmlich aus! Als ich sie fragte, wie es ihr wohl ging, stiegen ihr die Tränen in die Augen, und sie sagte, sie hätte sehr wenig zu essen. Ich fragte sie, ob ihre Herrin ihr kein Futter geben würde. Wenn sie dünn ist, sollte sie tüchtig Sahne schlecken. Und – kannst du das glauben? – sie fragte mich tatsächlich, was Sahne ist."

"Ach, du dummes Kind", sagte Glumdalkin, "glaubst du, dass diese Katzen, die in solchen schäbigen Hütten wohnen, jemals so etwas wie Sahne gekostet haben? Sie können sich glücklich schätzen, wenn sie ab und zu einen Tropfen Magermilch bekommen ——." (Einige Leute vermuteten, aber das ist ganz unter uns, dass Glumdalkin, der stets damit prahlte, nie außerhalb der Mauern des Schlossgartens gewesen zu sein – mehr über das Leben von Katzen in bescheidenen Umständen wusste, als er zugab – sein Vater, so hieß es, hatte unter seinem Stand geheiratet und die Familie große Not kennengelernt.)

"Ich glaube nicht", fuhr Friskarina fort, "dass diese arme Katze jemals etwas bekommt, nicht mal Magermilch! Denn sie sagte mir, ihre Herrin habe nicht genug, um sich selbst genug zu essen, und dass sie ihr kaum etwas geben konnte. Sie konnte nur von einer Zufallsmaus überleben, die sie ab und zu erwischte. Oder sie aß die schwarzen Käfer, die sie nachts auf dem Boden findet. Und wenn sie durstig ist, geht sie zu einer Wasserpfütze an der Straße, um ein wenig schlammiges Wasser zu trinken. Ich stelle mir immer wieder vor, was für ein schreckliches Leben diese Katze führen muss. Ich hatte keine Ahnung, dass es eine Katze auf der Welt gibt, der es so schlecht geht. Ich konnte heute wirklich  mein Abendessen nicht essen, weil ich darüber nachgedacht habe. Es ist so traurig, dass wir all diese schönen Dinge haben, all die großen Untertassen voller Sahne, die wir zum Frühstück bekommen, und diese weichen Kissen zum Schlafen und – dann an diese arme Katze zu denken, die so nah bei uns wohnt und schwarze Käfer (was für fiese Sachen!) für ihr Abendessen fangen muss, und aus der schmutzigen Pfütze trinken muss. Das alles macht mich ziemlich elend und traurig."

"Friskarina", sagte Glumdalkin, sich majestätisch aus seinem Samtkissen erhebend und seinen Schwanz sehr feierlich um die Pfoten kräuselnd: "Friskarina, lass uns nicht mehr von diesem Unsinn reden, wenn ich bitten darf! Ich betrachte dein Verhalten heute am Morgen und deine unpassende Konversation zur Zeit völlig unter der Würde einer Katze unseres Standes. Erinnere dich bitte an die angesehene Familie, aus der dustammst, und dass du die Ehre hast, zum Haushalt der Prinzessin zu gehören – also lass mich nicht mehr hören, dass du Bekanntschaften mit den vulgären Katzen des Dorfes machst! Du wirst sonst noch zu einer Schande für den Hof der Prinzessin!"

Friskarina zuckte mit den Schultern und antwortete tapfer, "... dass sie wirklich nichts Schändliches an ihrem Tun finden kann."Sie bedauerte die Unglückliche —— Glumdalkin schien dies alles egal zu sein. Glumdalkin schien gerade von einem heftigen Anfall von Sauberkeit ergriffen worden zu sein, denn er fing an, intensiv seine rechte und linke Pfote mit außergewöhnlicher Vehemenz abzulecken und zu putzen.