Kaviar zum Frühstück 2.0 - Eugenie Götting - E-Book

Kaviar zum Frühstück 2.0 E-Book

Eugenie Götting

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Beschreibung

Als der erste Schnee über die Stadt fiel, ist die Entscheidung schon längst gefallen worden. So war ich mit all den notwendigen Dokumenten von einem Amt zum nächsten unterwegs. Jetzt ging es nur noch drum es offiziell, schwarz auf weiß, in den Unterlagen zu haben und die nächsten Schritte einzuleiten. Nämlich Ticket zu buchen, Koffer packen, von den Freuden Abschied nehmen und was noch viel wichtiger ist, die ein oder anderen Klausur gut zu bestehen. Noch merke ich kein Heimweh und bin nur darauf aus, Neues zu erleben und neue Eindrücke zu sammeln. Ex post betrachtet, bin ich naiv und überglücklich. Ich freue mich aufs Studium an der Elite Universität. Aus der heutigen Perspektive betrachtet, ist es auch sehr gut derart unbeschwert sich auf den Weg zu machen und einfach mal Tun! Die einzelnen Ereignisse ebnen mir den Weg Richtung eines spannenden Abenteuers.

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Seitenzahl: 110

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Eugenie Götting

Kaviar zum Frühstück 2.0

Studentenleben a la russe

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Idee zum Buch

Ich packe meinen Koffer und nehme mit...

Schleichweg zum neuen Wohnsitz

Immatrikulation

Die zweit beste Wohngemeinschaft der Welt

Der Unterrichtsstil - Bin ich etwa wieder in der Schule?

Erinnerungskomplex Pokolnnaja Gora

Der glücklichste Tag meines Lebens

Alexandrovsk - die Stadt des Zaren

Wenn du weißt was du tust, kannst du tun was du willst

Der Mensch besitzt nichts Edleres und Kostbares als Zeit

Ein Negativbeispiel und was man draus lernen kann

Ein Teil der Klasse werden

GUM - Einkaufserlebnis der besonderen Art

Kurz vorm Nikolaus

Stressimmunität

Der erste Schnee bedeckt Moskau mit weiß

Auf dem Bazar

Novodevichij Monstyr

Die Magie der Stadt

Klausurstress

Kleider machen Leute

Pereslavl‘-Zalesskij

Das Pushkin Museum für bildende Kunst an der Wolchonka

Kaviar zum Frühstück

Déjà-vu

Quo vadis?

Der erste Sonntag allein

Kitaj - Gorod alias China Town

Ich bin wieder da!

Kolomna- die Stadt des Dmitrij Donskoj (1350-1389)

Faszination „Goldene Ring“ – die Stadt Kolomna

Chingis’ khan und andere Mythen oder Nah am Wasser gebaut

Der zweitwichtigste Tag Russlands: Weihnachten

„Carpe diem“

Der zweite Januar - Sonjas Besuch in der Hauptstadt

Russische Gastfreundschaft

Gleicher Ort, selbe Zeit?

Kathedrale an der Metrostation Baumanskaja

Wer sucht der findet

Um 6 Uhr sonntags in der Früh- da hat der Wachmann seine Ruh´

Mein persönliches Taxi ist nun da

Impressum neobooks

Idee zum Buch

Möglicherweise ist es etwas ungewöhnlich seine Erlebnisse in Form eines Buches zu verfassen. Viel öfter findet man Erfahrungsberichte derjenigen, die einige Zeit im Ausland während ihres Studiums verbracht haben. Selbstverständlich könnte ich dies genauso machen, doch dann wüsste ich nicht worüber ich zuerst schreiben sollte. Kann ich etwa ein halbes Jahr in ein paar Seiten hinein quetschen und damit all meine Erfahrungen, Gedanken und Gefühle wiedergeben?!

Das Ziel meiner Reise war nicht nur Kenntnisse in meiner Fachrichtung Betriebswirtschaft zu erreichen, meine Soft-Skills zu entwickeln, sondern auch Land und Leute näher kennen zu lernen. Doch all meine Erwartungen wurden weitgehend übertroffen und ich war fasziniert von der Schönheit und den Weiten des Landes. Es ist aber nicht nur die Natur des Landes, welche die Menschen in ihren Bann zieht, sondern auch die Gastfreundlichkeit ihrer Bewohner. Außerdem gab es ein paar wirklich interessante Erfahrungen, welche mit der russischen Mentalität und den Unterrichtsmethoden gemacht habe. Ich kann das gar nicht oft genug sagen, die Erfahrung, in einem anderen Land leben zu dürfen, ist einfach unbezahlbar und hat mich als Persönlichkeit wirklich bereichert. Keinen der Erlebnisse will ich eh wieder missen.

Ich packe meinen Koffer und nehme mit...

Sommerzeit ist Urlaubszeit. Allerdings nicht für mich. Ich hatte an meinen Seminaren zu arbeiten und Blockverstaltungen zu besuchen, außerdem war es bis zu den Klausuren auch nicht weit. Und plötzlich merke ich, dass mir die Zeit davon rennt und eigentlich wäre es empfehlenswert sich um das Visum zu kümmern. Doch dafür braucht man die Bestätigung seitens der Gastuniversität, d.h. aus Moskauer Lomonosov Uni, auch MSU genannt. (Die Abbreviatur steht dabei für Moskow State University.) Also habe ich mich getraut und an einem sonnigen Dienstagfrüh dort angerufen. Nach zahlreichen Versuchen habe ich erfahren, dass die Direktorin noch eine Woche im Urlaub ist. Also gut, dachte ich. Ich hatte mit Hilfe des Kalenders einen virtuellen Zeitplan in meinem Kopf erstellt. Es kam heraus,  dass alles noch gut gehen wird und ich könnte, wenn der Plan A funktioniert, pünktlich zum 1. September in Moskau sein. Dafür müsste aber der reibungslose Ablauf garantiert werden. Einige Zeit später dachte ich, ich gehe lieber gleich mal bei Frau Blumenstein, meiner  Auslandsstudienbetreuerin in Jena, vorbei, um Unterlagen persönlich abzuholen, falls diese denn schon da sind. Doch dem war leider nicht so und nächste Woche hatte sie Urlaub. Oh, nein!, dachte ich mir nur. Doch zum Glück gab es Vertretung. Es folgte ein Wochenende voller Hoffnung. Denn am Freitagabend meldete sich Frau Korjagina aus Moskau und wollte einige Details mit mir persönlich besprechen. Die Zeit wurde immer knapper und der ohne hin straffe Zeitplan wurde durch Sommerhitze und Urlaubszeit abgebremst.

Am Montag früh schrieb ich eine kurze Email ans Auslandsamt. Nur wenige Minuten später klingelte mein Telefon. Eine junge Frauenstimme meldete sich: „Die Bestätigung von MSU ist da, wollen sie es abholen oder soll ich es zuschicken?“

„Oh, mein Gott, ich werde in Moskau studieren, dachte ich nur in diesem Augenblick. Schon allein von dieser Nachricht war ich in dem Moment überglücklich. Selbstverständlich wollte ich es abholen. Mit dem Moped flitzte ich in die Stadt.  

Schon sehr kurze Zeit später hielt ich dieses Schreiben in meinen Händen!

Jetzt ist es endlich offiziell,  freute ich mich. Da steht es, schwarz auf weiß, ich darf ein Semester lang an der Moskauer Staatlichen Universität Lomonosov studieren, die Kultur und Lehrmethoden des Landes kennen lernen. Schon deshalb war ich euphorisiert und fröhlich gespannt. Dass ich in einer Millionen Metropole wohnen werde, daran dachte ich in dem Augenblick überhaupt nicht. Ich glaube, es war eher ein unterschwelliges Gefühl von Freiheit. Es ist ein bisschen wie noch mal Erstsemester sein. Man darf von zu Hause ausziehen und schon richtiges Erwachsenenleben anfangen. Das heißt noch mal voll durchstarten. Es war einfach nur toll.

Doch schon bald wurde ich auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Denn damit war noch nicht alles erledigt. Es hieß jetzt nämlich, Visum beantragen, Tickets kaufen, Koffer packen. Mit viel Geduld und Durchhaltevermögen haben sich auch die kleinsten Erledigungen vor der Abreise perfekt organisieren lassen.

Nun saß ich im Flugzeug Nr.  1648Y Leipzig-Moskau ohne einen Rückticket mit dabei zu haben.

Schleichweg zum neuen Wohnsitz

Auch wenn sich jeder vorstellen kann, dass in der Elf- Millionen- Metropole alles schnell gehen muss und diese  Stadt fast nie schläft, dem muss ich Recht geben. Doch wenn man glaubt mal ganz flink von A nach B kommen zu können, der täuscht sich gewaltig. Diese Erfahrung hatte ich gleich bei meiner Ankunft gemacht und werde es noch öfters erleben. Der Flughafen Scheremetjevo befindet sich außerhalb von Moskau. Es sind ca. 30 km bis zum neuen Wohnheim, in dem wir leben sollten. Doch auch mitten in der Woche und besonders abends sind die Straßen meist so voll, dass es einfach nur naiv wäre zu glauben seine Rechnung folgendermaßen vorzunehmen: bei durchschnittlich 80-90 km/h brauche ich ca. so und so viel Zeit einzuplanen. Das trifft auf Moskauer Straßen überhaupt nicht zu. Und so durfte ich als erste Erfahrung mit den berühmten Moskauer Staus machen. Wenigstens hatte ich in der Zeit jemanden zum Reden. Selbstverständlich wurde ich abgeholt und zum Hauptgebäude MSU gefahren.

Ich muss schon sagen, es kam viel besser als ich je gedacht hätte. Da es noch nicht sicher war in welchem Wohnheim ich wohnen werde- es gab nämlich noch einen an der Metrostation Jugo-Zapadnaja-war es eine 50/50 Chance entweder im Hauptgebäude MSU bei Vorobjövi Gory oder im Wohnheim paar Metro Haltestellen weiter, eine Unterkunft zu bekommen. Und das Schicksal war sehr gnädig zu mir und die Coinflip- Entscheidung fiel zu meinen Gunsten aus. Also durfte ich mich im Hauptgebäude der ältesten und angesehensten Universität Moskaus ansiedeln. Zuerst konnte ich es überhaupt nicht glauben. Wie soll ich mitten in der Uni wohnen, wie war das möglich? Doch wenn  man das Gebäude betrachtet wird einem schnell einiges klar. Es ist einfach nur riesig, verfügt über einige Anbauten, sogar über zwei eigene Mensen und eine Schwimmhalle. Im Hauptgebäude selbst haben nur Physiker Vorlesungen, nach eigenen Umfragen. Auf dem Gelände MSUs finden sich im Umkreis viele andere Fakultäten wieder. So auch die Wirtschatsfakultät, Institut für Fremdsprachen und andere.

Immatrikulation

Am nächsten Tag würde ich am liebsten die Stadt erkunden, doch als erstes stand Immatrikulation an der Tagesordnung an.

Sofort nach dem Frühstuck, stand die Einschreibung an der Uni an. Doch wie man es sich schon vorstellen kann, war es nicht so einfach. Schon allein die Anzahl der Studierenden, die an diesem sonnigen Septembertag in die Metropole ihr Studium anfangen wollten war überwältigend.

Doch als erstes mussten überhaupt die Räumlichkeiten gefunden werden.

Da ich mir nicht besser zu helfen wusste, habe ich angefangen die Kommilitonen nach dem Weg zu der Anmeldungsstelle zu erfragen. Erst schien jeder nur mit seinen eigenen Vorhaben so sehr beschäftigt zu sein, oder wusste selbst nicht, wo sich der besagte Raum Nummer 11 befand, dass mir keiner so Recht Beachtung schenken wollte. 

Beim fünften Versuch hatte ich letztendlich Glück. Ein sehr nettes Mädel hat sich sogar bereit erklärt mich zum Zimmer 11 zu begleiten. Es war die Rettung in der Not. Denn als wir durch das Uni-Labyrinth zu meinem Ziel liefen, wurde mir klar: alleine hätte ich das nie gefunden. Zuerst musste man eine halbe Etage runter, an der ersten Treppe vorbei und in die nächste Abzweigung nach links abgebogen. Uff, mit fremde Hilfe, aber immer hin geschafft. Ich war da.

Da stand ich nun in einer Reihe mit anderen potentiellen Studentinnen und Studenten. In der Schlange hinter mir standen sehr viele Chinesen, die alle ein Papierchen, schon etwas zerknüllt, in der Hand hielten. Auch sie wünschten es sich, immatrikuliert zu sein.

Vom Beginn meines Irrlaufs durch das Labyrinth der MSU traf ich im Fahrstuhl zwei Mädels. An sich nichts besonderes, doch plötzlich hörte ich mir so sehr vertraute Sprache. Die zwei waren auch aus Deutschland angereist, studierten aber Sprachwissenschaften. Sie haben mich auch sofort vorgewarnt, die Immatrikulation würde acht Stunden in Anspruch nehmen und es wäre ein reines hin- und herrennen. Doch ich nahm die Vorwarnung mehr als gelassen hin. Es steht halt an der Tagesordnung an. Was sein muss, muss sein. Außerdem habe ich ja Zeit.  Deswegen nahm ich die Wartezeit in der Schlange entsprechend gelassen hin.

Die zweit beste Wohngemeinschaft der Welt

Ich hatte bisher gar nicht erwähnt, dass ich mit meiner älteren Schwester den Schritt ins Auslandsstudium gewagt habe. Auch wenn wir beide in Moskau geboren sind, ist es doch ein mulmiges Gefühl für so lange Zeit Deutschland zu verlassen, Freunde und Familie hinter sich zu lassen. Das liegt daran, wenn man fast sein ganzes Leben lang in Europa wohnt. Doch es war meine eigene Entscheidung gewesen und damit eine gute Entscheidung. Tatsächlich ist es das Beste was mir durchaus eh passiert ist. ich kann es jedem nur ans Herz legen, ein Auslandssemester zu absolvieren. Ich wollte unbedingt über den sogenannten Tellerrand hinausschauen und meinen Horizont erweitern. Und wenn man das so sieht, ich es mir sehr gut gelungen. Meine Welt war schon davor rießengroß, doch jetzt bin ich mir meiner Prioritäten noch mehr bewusst. 

Ich weiß zwar nicht genau, wie es andere Studentenwohnheime sowohl in Russland, als auch in anderen Ländern mit der Sicherheit handhaben, doch hier wird sehr viel Wert darauf gelegt. Bevor man seine Zimmer erreicht muss man an insgesamt drei Wachposten vorbei und zwei Mal seinen Studentenausweis vorzeigen. Nach 23 Uhr kommt man sogar nur mit Wohnschein in das Gebäude hinein. Ich fühlte mich zwar auch ziemlich wohl hier, doch womöglich ist es sogar einer der Gründe hierfür. Wahrscheinlich ist es auch notwendig auf Grund der sehr hohen Anzahl der Studierenden und dem historischen Gebäude. Außerdem steht die Universität auch politisch im Vordergrund und Besuch von Putin oder Medvedev oder gar Hilary Clinton, wie im Jahr 2009 sind keine Seltenheit. Als der Besuch der Clinton Anstand war dies in aller Munde. Man hörte in der Kantine, auf der Treppe, im Geschäft: „Hast du auch schon gehört..?“ „Gehst du auch hin?“ „Clinton in MGU!“