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Als in Lucys Leben gerade alles perfekt scheint, passieren schlimme Dinge. Irgendjemand scheint ihr schaden zu wollen. Der Junge, den sie mag, wendet sich ohne Grund von ihr ab und Auszüge aus ihrem Tagebuch werden veröffentlicht. Lucy findet Dinge über ihre Klassenkameraden heraus, die sie ihnen nie zugetraut hätte. Denn jeder hat ein dunkles Geheimnis.
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Seitenzahl: 402
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Keine Sorge, gleich geht es mit der Geschichte los!
Vorher möchte ich dich nur kurz auf meinen Blog (dianamondsite.wordpress.com) aufmerksam machen.
Dort findest du alles über mich und meine Geschichten, wie spannendes Bonusmaterial, Interviews, Hintergrundinformationen und exklusive Gewinnspiele. Wenn dir meine Bücher gefallen, erfährst du dort natürlich auch alles zu Neuerscheinungen.
Ich schreibe diesen Blog vor allem für meine Leser, weshalb ich auch gerne auf deine Wünsche eingehe.
Wenn du etwas lesen willst oder dich etwas interessiert, schreib es mir auch gerne per E-Mail an [email protected].
Außerdem findest du mich auf Instagram. Dort heiße ich diana.mond.autorin. Ich veranstalte Umfragen, um deine Meinung zu meinen Geschichten zu erfahren!
Wenn du auf Wattpad bist, kannst du mir auch dort folgen. Ich heiße DianaMondAutorin.
Ich schreibe leidenschaftlich gerne Jugendbücher und Liebesromane voller Geheimnissen, Verrat, Eifersucht und natürlich großen Gefühlen!
Und jetzt viel Spaß beim Lesen!
Dia
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Liebes Tagebuch,
ja, ich habe angefangen, Tagebuch zu schreiben. Darum soll es in diesem ersten Eintrag gehen. Ich möchte mich ein bisschen vorstellen und erzählen, warum ich überhaupt schreibe. Ich habe noch nie Tagebuch geschrieben und weiß auch gar nicht so genau, wie das geht. Aber ich fange einfach mal an…
Warum schreibe ich Tagebuch?
Ich schreibe nicht, weil ich irgendwelche spannenden Dinge aus meinem Leben festhalten will. Ich würde mein Leben keinesfalls als langweilig bezeichnen, aber darum geht es hier nicht. Ich schreibe als eine Art Selbsttherapie. Immer, wenn ich mich mit jemandem streite oder so, denke ich den ganzen Tag darüber nach. Es macht mir jedes Mal zu schaffen.
Ich denke über die Dinge nach, die ich den anderen am liebsten sagen würde, aber das tue ich nicht. Und ich glaube, dass es mir gut tun würde, alles hier drinnen rauszulassen.
In einem Streit sagt man oft Sachen, die man später bereut.
Diese Sachen schreibe ich dann einfach hier auf. Daher will ich auch nicht, dass irgendjemand mein Tagebuch liest.
Worüber werde ich schreiben?
Keine Ahnung. Ich werde alles schreiben, was mir einfällt oder mich beschäftigt. Mal sehen. Ich weiß es noch nicht.
Wer bin ich?
Mein Name ist Lucy und ich bin 16. Ich gehe in die 10. Klasse eines Gymnasiums, habe einige Freunde und führe ein relativ normales Leben. Es ist nicht langweilig, bei mir und meiner Clique ist immer etwas los. Über meine Freunde kann ich auch mal etwas schreiben, aber ich gehe davon aus, dass ich das sowieso schon tun werde.
So, das war mein erster Eintrag. Ich weiß nicht genau, wie viel oder wie oft ich schreiben werde. Vielleicht höre ich auch in zwei Wochen schon wieder auf, weil ich keine Lust mehr habe. Mal sehen.
Bis dann!
Lucy
Ich packte mein Tagebuch in meine Tasche und verließ den Bus. Die Osterferien waren seit zwei Tagen vorbei, was mir überraschend wenig ausmachte. Nur noch wenige Wochen bis zu den Sommerferien! Ich freute mich jetzt schon.
Vor der Schule stand wie immer Mike.
„Hey Lucy! Darf ich dir irgendetwas anbieten?“
Es war kein Geheimnis, dass Mike in der Schule Süßigkeiten verkaufte, die er zuvor wahrscheinlich in irgendeinem Supermarkt besorgt hatte. Wie genau er sich organisierte, wusste ich nicht, aber man bekam bei ihm die Süßigkeiten, die es sowieso am Schulkiosk gab, nur günstiger. Die Preise an dieser Schule waren aber auch übertrieben hoch! Im Discounter um die Ecke gab es die Sachen zum halben Preis! Daher war Mikes Aktion genial. Er verdiente sich eine goldene Nase daran. Dennoch musste Mike immer aufpassen, dass er nicht von den Lehrern erwischt wurde, da es natürlich illegal war.
„Nein, lass mal“, erwiderte ich.
„Die Osterschokolade gibt es jetzt zum halben Preis!“, erwähnte Mike.
Er lächelte mich an. Ich ging zu ihm.
„Zum halben Preis?“, fragte ich ungläubig nach.
„Ja, Ostern ist vorbei und ich muss das Zeug loswerden.“
Ich nickte.
„Okay, dann nehme ich so einen Hasen.“
Ich bezahlte meine Schokolade und verabschiedete mich von Mike. Er war ein guter Typ, konnte aber auch wirklich wütend werden. So waren Süßigkeitendealer eben.
Ich ging zu meinem Klassenraum, vor dem schon einige meiner Mitschüler warteten. Nachdem ich meine Tasche abgestellt hatte, ging ich zum Schließfach. Da betrat Mira den Gang. Sie trug wie immer nur goldene und pinke Sachen. Ihre Haare waren perfekt frisiert, jede Strähne saß. Mit ihrem Make-Up und ihrem Styling sah sie aus wie ein Model.
„Warum brezelst du dich denn heute so auf?“, fragte ich, während sie an mir vorbei ging.
Sie blieb stehen und drehte sich um. Mit ihren Händen umklammerte sie eine kleine Handtasche und in ihrem Blick sah ich, dass sie die Frage nicht verstand.
„Heute ist vielleicht dieser eine Tag, der mein Leben für immer verändert, und dann will ich eben perfekt aussehen! Vielleicht läuft heute zufälligerweise ein Modeagent hier lang und entdeckt mich! Jeder Tag könnte der Tag sein, an dem ich groß herauskomme.
Und wenn es so weit ist, bin ich auf jeden Fall vorbereitet“, erklärte sie, machte kehrt und lief zu ihrem Klassenraum.
Mira war nicht in meiner Klasse, aber in meinem Jahrgang. Wir hatten daher einige Kurse zusammen und kannten uns relativ gut. Allerdings gab es kaum jemanden, der Mira nicht kannte. Es war nicht übertrieben, zu sagen, dass sie das beliebteste Mädchen des Jahrgangs war. Wenn nicht sogar der ganzen Schule.
Woran genau das lag, konnte ich gar nicht sagen.
Ich nahm meine Bücher aus dem Spind und schloss ihn.
Jessica lief an mir vorbei, ohne ein Wort zu sagen. Sie war ein merkwürdiges Mädchen. Früher waren wir viel zusammen, aber das hatte sich geändert. Sie hatte kaum Freunde in der Klasse und war meistens alleine. Ich konnte kaum einschätzen, was ihr durch den Kopf ging.
Eigentlich kannte ich sie gar nicht mehr richtig.
Hinter ihr kam Raphael den Flur entlang. Er war in Miras Klasse, verbrachte aber mehr Zeit bei den Leuten aus meiner Klasse. Ich mochte Rapha. Er kam auch gleich zu mir und umarmte mich zur Begrüßung.
„Wie geht es dir?“, fragte er mich.
„Gut.“
„Sehen wir uns in der Pause?“
Ich nickte.
„Das freut mich.“
Er zwinkerte mir zu und ging zu seinem Klassenraum.
Ich ging ebenfalls zu meinem Raum und packte meine Bücher in meine Tasche. Layla war schon hier und unterhielt sich mit Matteo, ihrem Freund. Ich war mit beiden gut befreundet und begrüßte sie sofort.
„Wusstet ihr, dass Mike jetzt die Schokoladenhasen zum halben Preis verkauft?“, fragte ich.
„Ist ja klar, er will die unbedingt loswerden“, meinte Matteo.
„Dann hole ich mir auch gleich noch einen. Außerdem wollte ich noch Kekse für meine Schwester mitnehmen“, erklärte Layla.
Pünktlich zum ersten Klingeln kam Mike den Flur entlang, gefolgt von einigen Schülern, die anscheinend etwas bei ihm kaufen wollten.
„Jetzt nicht, ich muss zum Unterricht! Kommt in der Pause wieder!“, sagte er und sie gingen.
Layla öffnete den Mund, um etwas zu sagen, aber Mike unterbrach sie:
„In der Pause.“
Sie nickte und hielt die Klappe.
„Mike, ich verlange jetzt sofort meine Karamellbonbons!“, tönte Miras helle Stimme über den Gang.
Er drehte sich genervt um und sah sie an.
„Ich habe doch gesagt: In der Pause! Ich habe keinen Bock, von irgendwelchen Lehrern erwischt zu werden!“
„Das… ist mir so was von egal! Jetzt rück die Bonbons raus!“
Er seufzte, holte aus seiner Tasche eine Packung Karamellbonbons und gab sie ihr. Sie bezahlte und ging in ihre Klasse, ohne sich bei ihm zu bedanken.
Warum Mike ihr die Bonbons verkauft hatte? Weil Mira die wohl einflussreichste Schülerin der Schule war.
Wenn sie bei ihm kaufte, kaufte jeder seine Sachen. War sie wütend auf ihn, war die ganze Schule auf ihn wütend. Zumal Mira selbst mehr als fies sein konnte.
Wenn sie irgendjemanden bei der Schulleitung verpetzen wollte, tat sie das nicht persönlich, sondern stiftete irgendjemanden dazu an. Sie war nicht zu unterschätzen.
„Dann eben in der Pause“, meinte Layla seufzend.
Mike nickte ihr dankbar zu.
„Dieses Geschäft ist echt anstrengend.“
„Aber es läuft“, meinte Matteo.
„Und wie!“, sagte ich, schwer beeindruckt.
Ich lehnte mich an die Wand und blickte den Flur hinunter, als gerade Evelyn kam. Automatisch verdrehte ich die Augen.
„Du brauchst gar nicht so blöd zu gucken. Ich gehe auch noch in diese Klasse!“, meinte Eve, wie sie von allen genannt wurde.
„Bitte… sei doch einfach still“, meinte ich.
„Hättest du wohl gerne!“
Es war kein Geheimnis, dass Eve und ich keine Freunde waren. Wir waren mehr oder weniger verfeindet. Das wussten die meisten aus meiner Klasse. Wir waren nie einer Meinung. Ich stimmte für eine Klassenfahrt nach London, sie wollte nach Paris. Ich wollte Pullover designen, sie war für T-Shirts. Egal, was ich sagte, sie widersprach mir. Ich konnte gar nichts dafür!
Liebes Tagebuch,
ich möchte dir meine Freunde vorstellen. Oder einfach die Leute, die so täglich um mich herumschwirren… Eigentlich möchte ich aber besonders von einer Person erzählen, weswegen ich mich bei den anderen kurzfassen will.
Ich sitze übrigens gerade auf dem Schulhof auf einer Bank.
Hinten auf der Treppe ist Jessica oder einfach Jess. Sie ist wie immer alleine und liest vermutlich irgendetwas auf ihrem Handy. Sie ist sehr schüchtern oder bloß arrogant. Ich weiß es nicht… Oder eine gute Mischung aus beidem. Ich mag Jess nicht mehr besonders. Sie hält sich wahrscheinlich einfach für etwas Besseres, weil sie gute Noten hat. Ich mag keine Streber…
An einer Wand lehnt Mira, die beliebteste Schülerin des Jahrgangs. Wenn nicht sogar der ganzen Schule… Sie hat mir nichts getan, aber manchmal habe ich den Eindruck, dass Mira einfach nicht ganz dicht ist. Sie fühlt sich wie ein Superstar und die Meisten lassen sich davon komplett blenden. So auch Samuel und Raphael, die gerade neben ihr stehen. Samu ist ein ziemlicher Mitläufer. Manchmal glaube ich, dass er gar keine eigene Meinung hat. Raphael ist in Ordnung. Er geht in die Parallelklasse und wir haben früher viel zusammen gemacht.
Mike scheint mit dem Verkauf von Süßigkeiten gut zu verdienen. Ich glaube, er passt gut in das Klischee des Mafiabosses. Er manipuliert sehr viel. Er selbst hingegen ist schwer durchschaubar. Man weiß nie, ob er über sein Mittagessen nachdenkt oder darüber, wie er am besten an die Weltherrschaft kommt.
Und dann ist da noch Evelyn, die größte… Nein, ich möchte keine Schimpfwörter in meinem Tagebuch haben. Aber ich hasse sie. Wirklich. Es gibt niemanden, der schlimmer ist.
Sie ist einfach arrogant, asozial und gemein. Ich rege mich gerade schon wieder auf, weswegen ich lieber von meinen besten Freunden erzählen möchte.
Layla und Matteo. Sie sind zusammen und manchmal habe ich einfach den Eindruck, dass sie absichtlich alle in ihrer Umgebung eifersüchtig machen wollen. Es ist echt schön, dass sie verliebt sind, aber das kann einem auch echt auf die Nerven gehen. Vor allem, wenn man selbst unglücklich verliebt ist…
Und von ihm möchte ich eigentlich erzählen. Sein Name ist Mason und er geht in den Jahrgang unter uns. Früher war er in unserer Klasse und wir waren wirklich die besten Freunde auf der Welt. Jeden Nachmittag haben wir uns getroffen und Dinge unternommen. Im Nachhinein kann ich sagen, dass es die schönste Zeit meines Lebens war. Schon damals war ich unsterblich in ihn verliebt. Er war einfach perfekt. Für mich zumindest. Auch wenn er nichts für mich empfand, war ich glücklich.
Aber dann ist er sitzengeblieben und alles hat sich verändert. Ich weiß noch genau, wie ich geweint habe, als wir ihn verabschiedet haben. Alle haben mir gesagt, wir könnten auch weiterhin Kontakt haben. Unsere Klassenräume waren im gleichen Gang und wir würden uns häufig sehen. Aber die Wahrheit ist… Seit er weg ist, haben wir uns kein einziges Mal mehr getroffen. Ab und zu haben wir geredet, aber auch das wurde von Zeit zu Zeit weniger.
Zwei Jahre ist er jetzt schon weg und wir haben seit Monaten kein Wort mehr miteinander geredet. Meine Freunde sagen mir, ich solle ihn vergessen. Es war schön damals, aber diese Zeit war nun eben vorbei. Mal ehrlich:
Wie soll ich ihn vergessen, wenn ich ihn jeden Tag in der Schule sehe und er dabei noch so unglaublich gut aussieht?
Und dann spielt er auch noch Fußball. Auf dem Schulhof, vor mir. Jetzt. Ich hatte schon immer eine Schwäche für Jungs, die Fußball spielen. Und er war verrückt danach. Das Schlimmste ist, dass ich ihn immer noch liebe, obwohl wir seit Monaten keinen Kontakt mehr haben, was gefühlt jeden Tag mehr wehtut.
Jetzt dreht er auch noch seinen Kopf und sieht zu mir hinüber. Er sagt irgendetwas zu seinen Jungs. Ich hoffe, er bemerkt nicht, wie ich ihn heimlich beobachte. Ich kann nichts dafür! Ich liebe ihn einfach!
Oh, nein! Er kommt hierher! Ich schreibe später weiter.
Bis bald!
Lucy
Ich klappte mein Tagebuch schnell zu, damit Mason nicht sah, dass ich über ihn geschrieben hatte. Er sah mich an und kam auf mich zu. Ich atmete immer schneller. Er fuhr sich durch die Haare und stand plötzlich vor mir. Ich wusste nicht, wie mir geschah. Was war plötzlich los? Er redete doch seit Monaten, vielleicht sogar Jahren, nicht mehr mit mir.
„Lucy? Kann ich kurz mit dir reden?“
Oh mein Gott, seine Stimme! Wie lange hatte ich seine Stimme nicht mehr gehört? Ich hatte sie schon ab und zu gehört, aber es war etwas vollkommen anderes, wenn er mich dabei ansah und meinen Namen sagte. Ich liebte die Art, wie er es sagte. Das kleine Kratzen in seiner Stimme raubte mir fast den Atem.
„Äh… Ja, klar. Ich… Ich bin so überrascht, dass du mich ansprichst“, sagte ich ehrlich und stand auf.
„Schlimm, oder?“, fragte er.
Ich sah ihn verwirrt an, da ich nicht verstand, was er meinte.
„Wir reden kaum noch miteinander. Ist es so verwunderlich, dass ich mich mit einer alten Freundin unterhalte?“
Ich schüttelte den Kopf.
„Es sollte zumindest nicht so sein, da hast du recht“, meinte ich.
Er lächelte mich an und mir wurde fast schon schwindlig. Ich spürte meine weichen Knie und lehnte mich nervös an die Wand hinter mir. Wir schwiegen uns an und er strich sich erneut durch die Haare.
„Ziemlich unangenehm, oder?“, fragte Mason.
„Worüber wolltest du mit mir reden?“
Er sah mich unsicher an.
„Eigentlich wollte ich dir nur sagen, dass ich… die Zeit früher irgendwie vermisse und gehofft habe, wir könnten mal wieder etwas zusammen machen… Nur, wenn du willst, natürlich!“
Ich nickte eifrig. Und wie ich das wollte!
„Ich meine, wir müssen uns doch nicht so blöd anschweigen. Wir können doch reden, wie Freunde.
Früher hatten wir uns so viel zu sagen. Ich fände es einfach schade, unsere Freundschaft einfach aufzugeben. Oder wie siehst du das?“, fragte Mason.
„Ganz genau so. Also, wie machen wir das jetzt?“
Meine Nervosität verschwand so langsam. Er war ja doch nur alter, sehr guter Freund. Ein Freund, den ich bedingungslos liebte.
„Wollen wir uns demnächst mal wieder treffen?“, fragte er.
„Ja, können wir machen. Wann denn?“
„Wir wäre es mit dem Wochenende?“
„Okay, also Samstagabend?“
„Gut. Ich hole dich ab!“
Mason lächelte mich noch einen Moment an, bevor er sich umdrehte und zu seinen neuen Freunden zurückging, die uns schon beobachtet hatten. Ich atmete tief durch und setzte mich wieder. Ich hatte ein mulmiges Gefühl im Magen. Irgendetwas stimmte doch nicht! Hatte er das nur wegen seinen Freunden gemacht? Vielleicht hatte er eine Wette mit ihnen abgeschlossen, dass er ein Mädchen klarmachen sollte.
Da sie nicht wussten, dass wir uns schon kannten, war das ein perfekter Plan.
Ich schlug mir den Gedanken aus dem Kopf. Ich kannte Mason und so etwas traute ich ihm definitiv nicht zu. So war er einfach nicht. Er war die Treue und Loyalität in Person. Noch nie hatte er irgendetwas getan, das anderen schadete. Er war immer ein Vorbild für mich gewesen. Ich hatte ihn schon immer bewundert.
„Na, Lucy ist schon wieder fleißig am Nummern verteilen?“, hörte ich plötzlich Samuels Stimme.
„Was willst du denn?“, fragte ich gereizt.
„Nichts, nichts… Ich meine, du weißt doch, was Jungs wollen, wenn sie dich am Wochenende zu sich nach Hause einladen, oder?“
Ich sah ihn verwirrt an.
„Ach, komm schon! Es ist doch offensichtlich, dass er nur mit dir schlafen will!“
Ich schüttelte den Kopf. Er hatte zwar zwei Jahre kein Wort mit mir gewechselt und lud mich jetzt ein, aber das musste doch nicht heißen, dass er nur das Eine von mir wollte, oder? Samuel musterte mich derweil grinsend. Er kannte Mason nicht, da er erst seit diesem Schuljahr in meiner Klasse war. Natürlich dachte er jetzt irgendwelchen Mist.
„Du weißt doch, dass ich recht habe“, sagte er.
„Lass sie einfach in Ruhe“, hörte ich eine ruhige Stimme.
Evelyn tauchte merkwürdigerweise neben Samuel auf.
Ich wunderte mich gerade noch darüber, dass sie mir half, da fügte sie hinzu:
„Lucy lässt halt alles mit sich machen. Auch wenn ein Junge sie für Jahrzehnte mit dem Arsch nicht anguckt, lässt sie ihn an sich ran. Manche Mädchen sind eben einfach zu blöd, um zu bemerken, wenn ein Typ sie nur benutzt.“
Eve warf mir einen mitleidigen Blick zu, bevor sie sich umdrehte, die Haare über die Schulter warf und ging.
Ich kochte vor Wut. Ich wusste genau, dass das einer der Momente war, für die ich mir mein Tagebuch angeschafft hatte. Daher setzte ich mich auf eine Bank und schlug es auf.
Liebes Tagebuch,
ich bin so wütend! Da passiert mir einmal etwas Schönes im Leben, da müssen es mir die anderen wieder ruinieren!
Mason hat mit mir gesprochen. Er wünscht sich wieder mehr Kontakt zu mir und hat mich gleich für Samstag eingeladen.
Es ist kein richtiges Date, eher so wie ein Treffen unter Freunden, aber er hat keinen anderen eingeladen… Wir werden nur zu zweit sein. Das ist fast schon wie ein Date.
Fast.
Aber dann kamen Samuel und Evelyn und mussten mir alles vermiesen. Er hat gesagt, Mason würde nur mit mir schlafen wollen. Das stimmt natürlich nicht, so ist er einfach nicht…
Dabei hat er auch gar nicht gesagt, dass wir zu ihm nach Hause gehen. Er meinte nur, er würde mich abholen. Ob er irgendetwas geplant hat?
Ich weiche vom Thema ab. Dann kam auch noch Eve, diese…
und hat ihm zugestimmt. Sie meinte, ich würde mir von Mason alles gefallen lassen. Das hat sie natürlich viel fieser ausgedrückt.
Ich freue mich auf das Treffen, denn ich mag Mason wirklich sehr. Und Samuel ist einfach ein Idiot. Ich wusste von Anfang an, dass er ein Idiot ist. Das steht dem schon quasi vor der Stirn geschrieben. Man sieht es ihm richtig an, dass er nichts drauf hat.
Evelyn ist sowieso die größte Heuchlerin auf diesem Planeten. Sie spielt die Liebe, Nette, die keinem etwas zuleide tun kann und hinter dem Rücken macht sie einen dann fertig. Sie ist einfach so falsch und hinterhältig, das ist der Wahnsinn.
Aber ich will eigentlich gar nicht weiter über meine bescheuerten Mitschüler nachdenken. Ich treffe mich Samstag mit Mason! Ich kann es noch gar nicht fassen. Das ist der Mason! Der Mason, mit dem ich seit zwei Jahren keinen Kontakt hatte. Der Mason, in den ich seit Ewigkeiten, wirklich Ewigkeiten verliebt bin! Ich drehe durch!
Ich melde mich dann wieder, wenn ich wieder mit Mason geredet habe! Oder wenn meine Mitschüler mich weiter nerven… Je nachdem, was früher eintritt… Vermutlich Letzteres.
Bis zum nächsten Eintrag!
Lucy
Als ich nach der Schule mit Matteo und Layla an der Bushaltestelle wartete, beobachtete ich Mason, welcher wie immer ganz in der Nähe bei den anderen Jungs aus seiner Klasse war. Tief in mir drinnen hatte ich gehofft, er würde einmal herübersehen, mir zulächeln, vielleicht sogar winken, aber das war nicht der Fall. Also sprach ich weiter mit meinen Freunden. Ich wollte ihnen von meinem Treffen mit Mason erzählen.
„Erinnert ihr euch noch an Mason?“, fragte ich, mitten im Gespräch.
„Dein Ernst?“, fragte Layla lachend.
„Natürlich, er war jahrelang in unserer Klasse“, sagte Matteo, der ebenfalls ein Grinsen im Gesicht hatte.
„Er hat mich heute angesprochen und gesagt, dass er gerne wieder mehr mit mir machen würde“, erzählte ich.
Layla und Matteo sahen sich kurz an.
„Ich weiß nicht… Findet ihr das nicht auch irgendwie merkwürdig?“, fragte ich.
Layla lächelte mich an und blinzelte ein paar Mal.
Matteo antwortete:
„Ich nicht. Er war vor ein paar Tagen bei mir und hat mir das Gleiche gesagt.“
„Wir haben uns auch schon für Samstag verabredet“, sagte ich.
Ich sah zu Mason. Er lachte mit seinen Freunden gerade über irgendetwas. Ich liebte sein Lachen.
„Aber… du willst doch nichts von ihm, oder?“, fragte Layla verwirrt.
Ich seufzte.
„Doch… irgendwie schon.“
„Ich werde ihn nachher mal anschreiben. Ich würde mich gerne mal wieder mit ihm treffen“, sagte Matteo.
„Oh, mein Bus kommt!“, rief Layla plötzlich. „Ciao, Lucy! Bis morgen, Schatz!“
Sie gab Matteo noch einen Kuss auf den Mund, bevor sie in den Bus einstieg.
Wir riefen ihr noch eine Verabschiedung hinterher, aber ich war mir nicht sicher, ob sie es überhaupt gehört hatte. Ich bemerkte, wie Matteo mich von der Seite beobachtete.
„Ist etwas?“, fragte ich.
„Ich würde mich freuen, wenn es ein bisschen so wird früher.“
Ich nickte.
„Ich habe ihn, ehrlich gesagt, ziemlich vermisst. Und er hat wirklich mit dir geredet?“, fragte ich.
„Ja. Er kam zu mir und meinte, dass er nicht will, dass wir uns noch weiter voneinander entfernen, weil wir doch früher alle so gute Freunde waren.“
„Okay… Ich freue mich schon so auf Samstag. Wer weiß… vielleicht gibt es ja noch Überraschungen.“
Die Woche verging schneller, als mir lieb war. Ich hätte mich gerne besser vorbereitet, mir tausend Gesprächsthemen überlegt oder mir Antworten auf alle Fragen, die er mir stellen konnte. In den letzten zwei Jahren hatte ich mir immer wieder vorgestellt, wie ich ihm von allen Dingen erzähle, die sich verändert hatten, seit er weg war. Aber ich hatte kaum Zeit, mir überhaupt ein Outfit zurechtzulegen.
Und plötzlich war es Samstag und ich saß auf der Treppe meines Hauses und wartete darauf, dass Mason an der Tür klingelte. Mein Handy hatte ich in meiner Handtasche zusammen mit Taschentüchern, Lippenstift und meinem Mascara verstaut. Alles Dinge, die Mädchen eben so brauchten. Ich wühlte gerade noch nach meinen Kopfhörern, da klingelte es plötzlich. Ich bekam kaum Luft, als ich dann vor der Tür stand. Meine Eltern wussten Bescheid, dass ich mit Mason weg war.
Ich ordnete meine letzten Gedanken, dann machte ich auf. Nicht zu meiner Überraschung stand Mason davor.
Zu meiner Überraschung hatte er mir sogar eine Rose mitgebracht, die er mir ohne Worte überreichte. Ich war sowieso unfähig, einen Laut von mir zu geben, während ich sie in meiner Hand betrachtete und an ihr roch.
„Die ist wunderschön“, sagte ich dann doch und sah zu ihm auf. „Danke.“
Er schmunzelte.
„Du siehst auch nicht gerade schlecht aus. Wollen wir los?“, fragte er.
Ich nickte und schloss die Tür. Die Situation war mir etwas unangenehm, deshalb griff ich eines der wenigen Gesprächsthemen auf, die ich mir überlegt hatte: die alte Zeit, Erinnerungen. Und diese Rose erinnerte mich an einen ganz besonderen Tag.
„Weißt du noch, Valentinstag vor zwei Jahren?“, fragte ich.
Mason lachte.
„Ja, das tue ich.“
„Wir haben uns am Nachmittag getroffen und dann bist du plötzlich in einem Laden verschwunden und hast diesen riesigen Strauß Rosen gekauft…“
Mit meinen Händen demonstrierte ich die Größe des Straußes. Ich sah in den Himmel, wo die Sonne fast schon unterging. Ich strahlte mit ihr um die Wette, bei der Erinnerung an diesen besonderen Tag.
„… Du hast jedem von uns eine Rose geschenkt und die übrigen haben wir geköpft. Wir haben Fußball damit gespielt, sie zerrupft und zertrampelt, weil wir den Valentinstag alle gehasst haben.“
Mason nickte.
„Das war einer der schönsten Tage, die wir zusammen verbracht haben. Aber es gibt einen, der mir noch mehr in Erinnerung geblieben ist“, sagte er.
„Ach ja? Und welcher ist das?“
„Der, an dem wir mit unserer Klasse im Phaeno waren.“
Ich blieb stehen und sah ihn verwirrt an, da ich mich nicht daran erinnern konnte. Plötzlich fiel es mir wieder ein und ich schlug mir die Hände vor den Mund. Wie konnte ich das vergessen? Mason amüsierte mein Anblick offensichtlich und er erzählte:
„Wir waren mit unserer Klasse im Phaeno. Danach sind wir mit Matteo und Mike in der Stadt essen gegangen.
Die beiden mussten früher gehen und wir wollten zu zweit zu Laylas Training. Das haben wir dann auch gemacht, aber als es dunkel wurde, mussten wir nach Hause. An der Bushaltestelle haben wir uns verabschiedet. Ich habe dich gezwungen, die zwei Stationen mit dem Bus zu fahren. Aber ich habe dir nicht gesagt, dass ich dann die zwei Stationen laufen würde…“
Er sah mich an.
„Ich war sogar noch vor dem Bus da. Ich werde niemals vergessen, wie du mich angesehen hast, als du ausstiegst. Dann habe ich dich bis zur Haustür gebracht, wo wir darauf gewartet haben, dass mein Vater mich abholt. An diesem Tag habe ich dich das erste und einzige Mal umarmt. Aber nicht besonders lange, weil ich nicht wollte, dass mein Vater uns sieht. Er hätte das sicher falsch verstanden.“
„Du hast recht“, sagte ich.
„Womit?“
„Das war eindeutig der schönste Tag.“
Mason lächelte. Ich nicht.
„Ich vermisse diese Zeit. Früher waren wir so glücklich.
Wir haben uns oft getroffen und so viel Mist gemacht, aber uns immer aus der Sache herausgezogen. Wir waren so genial! Und wir waren ein Team, ein unschlagbares Team. Niemand hat sich mit uns angelegt, weil uns alle respektiert. Wir haben über alles entschieden. Seit du weg bist, hat sich viel geändert“, erklärte ich.
„Ehrlich? Bei mir hat sich kaum etwas geändert. Meine Schwester ist größer geworden, aber sonst… Ich spiele immer noch Fußball, meine Noten sind so lala und wir machen immer noch viel Terror in der Schule“, erwiderte Mason.
„Ja, aber bei uns… Jess ist nicht mehr Klassensprecherin, ich habe aufgehört, Klavierstunden zu nehmen, wir machen gar keinen Terror mehr… Im Gegenteil, wir sind voll langweilig geworden. Wir streiten uns nie mit anderen! Die ganze Klasse ist in vollkommener Harmonie! Kannst du dir das vorstellen?“
„Die 10a hat keinen Streit? Das ist ja echt verrückt!“,
sagte Mason lachend.
Wir waren mittlerweile an der Wiese neben dem Spielplatz angekommen, an der wir uns früher schon immer getroffen haben. Ich setzte mich neben Mason auf einen kleinen Hügel und sah in den Himmel, der schon erste Sterne zeigte.
Ich spürte Masons Blick auf mir, wie er mich von Kopf bis Fuß musterte. Es war schon komisch, wie wir uns unterhielten… Wie alte Freunde, die lange nichts mehr gemacht hatten. Denn genau das waren wir, auch wenn ich mir sehnlichst wünschte, da wäre mehr.
Meine Nervosität war eigentlich schon weg, doch sie kam langsam wieder, als wir uns nebeneinander hinlegten. Mit der linken Hand umklammerte ich meine Rose. Diese Blume würde ich von nun an nie wieder hergeben. Ich war überglücklich, dass Mason sie mir gegeben hatte.
Ich bekam eine Gänsehaut, als ich spürte, wie Mason nach meiner rechten Hand griff. Schnell drehte ich meinen Kopf zur Seite und sah ihn an. Er verwirrte mich. Ich war kein kleines Kind mehr, das Missverständnisse einfach akzeptierte. Erwachsene redeten über die Dinge und schafften Klarheit. Ich wollte erwachsen sein.
„Was soll das?“, fragte ich und schüttelte den Kopf.
„Was meinst du?“
„Das alles!“
Ich setzte mich auf.
„Mason, ich verstehe dich nicht. Du lädst mich auf einmal ein, schenkst mir diese Rose. Dann deinen Lieblingstag, von dem du mir erzählt hast, und jetzt willst du meine Hand halten! Was soll das, Mason? Willst du etwas von mir?“
Ich sah ihn bitterernst an.
„Du weißt, wie ich für dich empfinde. Du wusstest schon damals, dass du mehr als ein Freund für mich bist. Dann tu' mir das bitte nicht an und spiel nicht mit mir! Weil sich für mich seit damals nichts geändert hat.“
Mason sah mich ernst an. Normalerweise war er ein spaßiger Typ, aber man konnte auch einfach Klartext mit ihm reden. Das gefiel mir sehr.
„Für mich hat sich aber seitdem alles geändert“, sagte er.
Ich brauchte eine Sekunde, um zu verstehen, was das hieß. Mason hatte mich nie geliebt. Er hatte gewusst, was ich für ihn empfand, aber gefühlt hatte er trotzdem nie das Gleiche, was wiederum bedeutete…
„Ich habe dich vermisst und gemerkt, wie viel du mir bedeutest“, sagte Mason.
„Warum erst jetzt? Warum kommst du erst jetzt zu mir?“
„Man merkt erst, wie sehr man etwas braucht, wenn es nicht mehr da ist…“
„Du bist seit fast zwei Jahren weg!“
„Eben!“
Er seufzte.
„Die Zeit verging so schnell. Und auf einmal war schon ein Jahr rum. Dann gab es wieder Zeugnisse… Ich hatte so viel Stress und habe gar nicht gemerkt, wie lange es schon her war. Ich wollte nicht noch mehr Zeit verlieren und habe dich deshalb angesprochen. War das so verkehrt?“
Ich sah weg.
„Nein… Du hast auch mit Matteo gesprochen, richtig?“
Er nickte.
„Er ist mein Freund und ich habe ihn auch vermisst. Wir treffen uns morgen.“
„Da hast du ziemlich viel zu tun.“
„Für meine Freunde mache ich das.“
Wir lächelten uns einen Moment an. Er wurde plötzlich wieder ernst.
„Um noch einmal auf das ursprüngliche Thema zurückzukommen…“
Er sah hoch und rückte ein Stück näher an mich heran.
Ich beobachtete ihn mit offenem Mund und war schon nicht mehr in der Lage, mich zu bewegen. Er legte eine Hand auf meine Wange und streichelte mich. Ich traute mich kaum, ihm in die Augen zu sehen, weil ich wusste, dass ich mich dann nicht mehr kontrollieren konnte.
Seine Augen hatten es mir schon immer angetan. Und seine Haare! Jetzt, als ich hinsah, verzauberten sie mich wieder. Ich hob meine Hand und strich vorsichtig hindurch. Sie waren genauso weich, wie sie aussahen.
Mason legte einen Finger auf meine Unterlippe und als er ihn wieder wegnahm, küsste er mich. Wir hatten uns schon umarmt und schon nebeneinander geschlafen, aber geküsst hatte er mich noch nie. Zumindest nicht in echt. In meinen Träumen und meiner Fantasie dafür umso öfter. Aber in der Realität fühlte es sich einfach besser an, das hatte ich geahnt.
Nachdem er sich ganz sanft von mir löste, sah er mir in die Augen. Ich versuchte, meine Gedanken zu ordnen, aber es ging mir einfach zu schnell.
„Ich mag dich wirklich sehr. Also wenn du mich immer noch magst…“
„Das tue ich.“
Mason nickte.
„Dann würde ich mich sehr freuen, wenn wir unsere Geschichte verlängern könnten und ein neues Kapitel beginnen…“
Ich sah ihn verwirrt an.
„Ein Kapitel, in dem wir mehr als Freunde sind?“, fragte ich hoffnungsvoll.
Er nickte grinsend.
„Hör auf, so zu grinsen! Ich kann mich gar nicht konzentrieren.“
„Dann sollte ich wohl weitermachen, damit du zusagst.“
„Es gefällt mir nicht, dass du genau weißt, wie ich ticke.“
„Lucy… Hab doch keine Angst! Ich nutze meine Fähigkeiten schon nicht aus… Ich will dich einfach nur als meine Freundin!“
Ich lächelte. Davon hatte ich immer geträumt. Warum sagte ich nicht einfach zu?
„Ja, dann sind wir eben jetzt ein Paar. Aber ich will nicht, dass das so eine Kleinkinderbeziehung wird.“
Er schüttelte den Kopf.
„Nein, wir treffen uns einfach ab und zu und dann sehen wir schon, wie es läuft.“
„Warum bist du nur so perfekt?“, fragte ich.
„Dann haben wir da etwas gemeinsam.“
Ich spürte, wie meine Wangen brannten. Mason streichelte erneut darüber und küsste mich. Und das deutlich intensiver, als ich jemals geküsst worden bin.
Liebes Tagebuch,
ich bin überglücklich. Mason und ich haben uns geküsst! Ich kann es immer noch nicht glauben, dabei ist es schon wieder einen Tag her. Das Kribbeln spüre ich immer noch! Ich denke rund um die Uhr daran und muss jedes Mal wieder lächeln.
Es war ein magischer Abend. Zuerst hat Mason mir eine Rose mitgebracht und dann sind zu unserem ehemaligen Lieblingsplatz gegangen. Wir haben geredet und dann hat er mich geküsst. Wir sind jetzt so etwas wie ein Paar.
Ist das zu glauben? Ich habe Mason so lange geliebt und jetzt liebt er mich auch. Zwei Jahre habe ich ihm jeden verdammten Tag nachgetrauert. Seit er weg ist, ist mein Leben grauenhaft. Alles hat sich verändert! Aber jetzt…
Jetzt bekomme ich vielleicht das zurück, was mir seit zwei Jahren fehlt.
Ich habe es immer noch nicht realisiert. Mason hat mit mir geredet und mich geküsst! Er liebt mich. Mason liebt mich!
Der Mason, den ich schon seit Jahren mag. Ich habe ihn so unfassbar vermisst. Vielleicht wird alles so wie damals. Ich würde es mir wünschen.
Die achte Klasse war das schönste Schuljahr von allen. Ich hatte meine Clique und wir waren die besten Freunde. Wir haben uns fast täglich getroffen. Wir haben so viel Scheiße gebaut, aber uns immer wieder herausgeredet, weil wir alle zusammengehalten haben. Niemand hat einen anderen verraten. Ich habe ihnen bedingungslos vertraut. Ich erinnere mich an all die Momente im Unterricht, in denen wir uns nur ansehen mussten, um zu wissen, dass wir alle das Gleiche dachten. Nonverbale Kommunikation war unsere Spezialität. Wir kannten einander in- und auswendig.
Es war eine unglaublich Zeit. Umso unglaublicher ist, dass jetzt alles wieder so wie früher werden könnte. Nein, so sollte ich nicht denken. Mason kommt nicht zurück. Aber er war derjenige, der unsere Gruppe zusammengehalten hat. Es geht nicht einmal nur um unsere Truppe oder unsere Freundschaft. Ich habe Mason zurück. Das ist schon das Beste, was mir passieren konnte.
Umso schöner ist, dass ich ihn gleich morgen wiedersehe.
Ich bin so gespannt auf seine Reaktion. Wird er mich mit einem Kuss begrüßen? Oder will er vielleicht noch nicht, dass die anderen von uns wissen? Ich könnte das verstehen.
Beziehungen darf man nicht an die große Glocke hängen, sonst nerven alle einen damit. Ich freue mich auf morgen, dann sehe ich Mason wieder! Am liebsten würde ich ihn noch einmal küssen, es war so schön!
Bis morgen!
Lucy
Nachdem ich mein Tagebuch in meine Schultasche gepackte hatte, ging duschen. Ich war extra früh aufgestanden, um mir Locken zu machen, damit ich wunderschön aussah. Zwar liebte er mich nicht nur wegen meinem Aussehen, aber es schadete doch nicht, ihn umzuhauen, oder?
Ich kam zur ersten Stunde in die Schule, obwohl diese ausfiel. So konnte ich Mason am Morgen noch sehen. Ich kannte seinen Stundenplan nicht, hoffte jedoch, er hätte die erste im Klassenraum. Meine Tasche stellte ich vor unseren Raum, da wir die zweite Stunde dort hatten. Ich bemerkte, dass schon ein paar weitere Taschen hier standen. Layla und Matteo standen eng aneinander gekuschelt an der Wand und küssten sich ab und zu.
Da sie mich nicht ansahen, ignorierte ich sie einfach. Ich hatte jetzt auch meinen Freund, mit dem ich die anderen eifersüchtig machen konnte. Zwar war Mason für viele nicht der ideale Mann, aber für mich schon. Ich fand ihn perfekt. Alle waren sich jedoch einig, dass er der treueste Freund war. Freundschaft stand bei ihm über allem.
Während ich so über ihn nachdachte, kam Mason plötzlich in den Flur. Er stellte seine Tasche an seinem Raum ab und sah anschließend auf. Er sah mir direkt in die Augen. Aber während ich ihn anlächelte, war sein Blick todernst. Ich konnte nicht einmal einschätzen, ob er wütend oder traurig war. Genauso wenig wusste ich, was passiert war.
Mein Blick wurde ernst, während ich zu meinem Schließfach ging, welches direkt neben seinem Raum war. Auch wenn Mason anscheinend ein Problem hatte, hatte ich erwartet, er würde mich grüßen oder wenigstens ansprechen. Aber das war nicht der Fall. Er ignorierte mich und ging sogar ein Stück weg. Ich dachte angestrengt darüber nach, warum er mich so behandelte.
„Mason?“, fragte ich.
Er kam auf mich zu. Warum hatte ich das getan? Ich wusste nicht einmal, was ich sagen sollte. Man sollte immer zuerst denken und dann reden. Das war manchmal sehr hilfreich. Ich beschloss spontan, ihn so zu begrüßen, als hätte er mich nicht todernst angesehen, und lächelte.
„Ich freue mich, dich wiederzusehen. Samstag war das echt schön mit dir und ich würde mich freuen, wenn wir das wiederholen könnten“, sagte ich.
Mason sah auf seine Schuhe und schüttelte langsam den Kopf. Ich fand es traurig, dass er mir nicht einmal in die Augen schauen konnte.
„Nein, eher nicht.“
Ich schluckte.
„Und warum nicht?“
Er starrte weiter auf den Boden und antwortete nicht.
„Mason, würdest du bitte mit mir reden? Was ist los?“
Er hob langsam den Kopf und sah mir in die Augen.
Noch nie hatte er mich so intensiv angesehen.
„Ich möchte mich lieber von dir fernhalten. Es geht einfach nicht. Bitte akzeptier das“, sagte er.
Er drehte um und wollte gehen, aber das konnte ich nicht zulassen. Er hatte mir gerade einfach so einen Korb gegeben!
„Mason!“, rief ich.
Er drehte sich noch einmal um und sah mich an.
„Ist das dein Ernst? Wir treffen uns, du küsst mich und sagst, du willst mit mir zusammen sein und jetzt auf einmal beendest du es und nennst nicht einmal einen Grund? Was soll das? Was habe ich falsch gemacht?“
Mason sah einen Moment auf den Boden.
„Du hast nichts falsch gemacht. Es liegt nicht an dir, sondern an mir. Ich habe einfach gemerkt, dass das mit uns nicht funktioniert. Es ist nicht das, was ich will. Das mit uns ist vorbei!“
Er drehte sich um und ging. Obwohl er gleich Unterricht in diesem Raum hatte, ging er. Ich blieb wie angewurzelt stehen. Das konnte doch nicht wahr sein! Was war denn passiert, dass er so einen Sinneswandel hatte? Ich verstand nichts mehr!
Als ich mich umdrehte, sah ich Matteo, der vor dem Klassenraum stand und zu mir sah. Ich atmete tief durch und versuchte, meine Tränen zurückzuhalten.
Verzweifelt versuchte ich, nicht darüber nachzudenken.
Ich würde erst einmal alles in mein Tagebuch schreiben.
Aber als ich an meine Tasche ging, fand ich es nicht. Ich musste es zu Hause vergessen haben.
Plötzlich spürte ich eine Hand, die sich auf meine Schulter legte und sah Matteo, der mich besorgt musterte.
„Alles in Ordnung?“
Ich antwortete nicht darauf.
„Kann ich dich mal etwas fragen?“, fragte ich.
Er nickte.
„Du hast dich doch gestern mit Mason getroffen, oder?
Hat er sich da irgendwie merkwürdig verhalten?“
Nach kurzem Nachdenken schüttelte Matteo den Kopf.
„Nein, er war ganz der Alte. Warum? Was ist denn los?“
„Er hat gesagt, dass er nichts mehr mit mir zu tun haben will. Dabei haben wir uns Samstag so gut verstanden!“
Ohne etwas zu sagen, nahm er mich in den Arm und drückte mich fest an sich. Als ich mich wieder von ihm löste, sah ich ein letztes Mal zu Mason.
Überraschenderweise sah er auch gerade zu mir und Matteo und beobachtete uns. Er sah traurig aus. Ich verstand immer noch nicht, warum er das tat.
„Wo ist Layla?“, fragte ich.
„Sie ist mit Jess irgendwohin abgehauen, Mädchensachen machen“, antwortete Matteo.
Ich lächelte zaghaft. Für ein wirkliches Lachen war meine Laune einfach zu schlecht.
Ich verbrachte die erste Stunde mit Matteo. Wir spielten ein Kartenspiel vor dem Kiosk und redeten. Ich war froh darüber, einen Freunde wie ihn zu haben, der sich um mich kümmerte, wenn es mir schlecht ging. Viel lieber wäre es mir jedoch, wenn Mason auch so ein Freund gewesen wäre.
„Die Stunde fängt gleich an. Vielleicht willst du dich noch einmal frischmachen“, sagte Matteo irgendwann.
Ich sah auf die Uhr und lachte dann.
„Sehe ich wirklich so schlimm aus?“
„Ein wenig.“
Er zwinkerte mir zu. Ich stand auf und ging zur Toilette.
Als ich wieder zum Klassenraum kam, standen fast alle schon vor der Tür. Meine Klassenkameraden schienen nicht zu bemerken, wie schlecht es mir ging. Oder es interessierte sie nicht. Ich ging jedenfalls zu Layla, die wieder bei Matteo in den Armen lag.
„Hey, wie geht es dir?“, fragte ich.
„Schlecht, weil ich eben schon gehört habe, dass es dir auch schlecht geht.“
„Nein, es ist alles gut.“
Layla und Matteo sahen sich stirnrunzelnd an.
„Matteo hat mir schon erzählt, was passiert ist. Du musst mich nicht anlügen.“
Ich sah zur Seite und presste meine Lippen aufeinander, um meine Tränen zurückzuhalten.
„Es ist doch nicht schlimm, dass ich es ihr erzählt habe, oder?“, fragte Matteo.
Ich schüttelte den Kopf.
Layla nahm mich in den Arm.
„Ich bin für dich da, wann immer du mich brauchst.“
„Danke.“
„Und er hat wirklich nicht gesagt, warum er dich auf einmal nicht mehr sehen will?“, fragte sie.
„Ich verstehe das auch nicht“, sagte Matteo. „Es ist ja anscheinend nichts passiert und gestern war er auch ganz normal. Hast du wirklich keine Ahnung, wieso er so drauf ist?“
Ich schüttelte den Kopf.
„Merkwürdig“, meinte er.
„Vielleicht hat er auch einfach gerade so einen Tag und morgen entschuldigt er sich schon wieder bei dir“, sagte Layla.
„Das glaube ich nicht, aber danke für eure Hilfe.“
Ich lächelte beide an. Wir warteten noch ein paar Minuten auf unseren Lehrer. Im Klassenraum saß ich neben Layla in einer hinteren Ecke. Ganz in der Nähe von Evelyn, welche mir ein böses Lächeln zuwarf. Ich hasste sie so sehr.
„So dann holt doch bitte eure Hausaufgaben heraus, damit wir sie vergleichen können“, sagte Herr Müller, unserer Deutschlehrer.
Ich fasste in meine Tasche, um meine Mappe herauszuholen und fand dabei mein Tagebuch. Verwirrt nahm ich es heraus und sah es einen Moment an.
„Mein Tagebuch…“, murmelte ich.
„Was ist damit?“, fragte Layla.
Ich schüttelte den Kopf und schob es zurück in die Tasche.
„Nichts, schon gut.“
War ich wirklich so durch den Wind, dass ich es vorhin übersehen hatte? Aber nund hatte ich es wieder und konnte in der Pause alles aufschreiben. Dabei würde ich die Geschichte mit Mason am liebsten schnell wieder vergessen.
Nach der Stunde mussten wir zu unserem Biologieraum und verbrachten die große Pause dort. Layla und Matteo kümmerten sich lieb um mich. Sie gingen sogar mit mir zu Mike und kauften mir Schokolade. Es half zwar nichts, aber sie lenkten mich ein wenig ab. Dabei hätte ich am liebsten Tagebuch geschrieben. Da ich nicht unhöflich sein wollte, verbrachte ich die Pause mit meinen Freunden und verschob das Schreiben auf später.
Wie ich kurz darauf merkte, war das absolut nicht mein Tag. Es ereignete sich schon die nächste Katastrophe und diese sollte mein Schulleben für immer verändern. Es fing ganz harmlos an. Ich ging einfach den Gang zu unserem Klassenraum entlang, als mir eine Versammlung von Schülern vor einer Tür auffiel. Layla stand auch dabei. Als sie mich sah, kam sie sofort zu mir.
„Das musst du dir ansehen“, sagte sie in ernstem Ton.
Vollkommen verängstigt ging ich zur Tür. Alle sahen mich an. Viele machten Fotos von den Zetteln, die an der Tür hingen. Als ich näher heranging, erkannte ich meine Schrift. Ich las den Text und auf einmal wurde mir klar, dass das Kopien aus meinem Tagebuch waren. Bei genauerem Hinsehen fiel mir auf, dass es nur die Passagen waren, in denen ich schlecht über meine Mitschüler geschrieben hatte.
Apropos Mitschüler, sie alle standen drumherum und sahen mich böse an. Sie hatten gelesen, was ich über sie geschrieben hatte, und hassten mich dafür. Ich konnte es verstehen, denn es standen echt fiese Sachen drauf. Und irgendwie tat es mir sogar ein kleines bisschen leid.
Meine erste Reaktion war, die Zettel abzureißen und bei mir zu behalten. Eigentlich war es zwecklos, da sowieso schon tausende Fotos gemacht worden waren, welche in wenigen Sekunden in alle Klassengruppen der Schule geschickt werden würden. Mir war augenblicklich klar, was diese Einträge auslösen würden. Sie würden mein Leben ruinieren.
Und so kam es auch. Ich ging zu unserem Klassenraum und erntete von allen böse Blicke. Ich hörte Stimmen, die durcheinander sprachen und tuschelten.
„Das hätte ich nicht von ihr gedacht.“
„Echt fies von ihr!“
„Endlich sehen alle dein wahres Gesicht.“
Der letzte Satz stammte von Evelyn. Von wem auch sonst? Selbst die sonst so schüchterne Jess drehte sich von mir weg. Layla und Matteo standen einfach im Flur.
Sie wussten auch nicht, wie sie darauf reagieren sollten.
Keiner traute sich, mich anzusprechen, bis irgendwann Mira den Anfang machte.
„Echt nett, was du da über uns geschrieben hast“, sagte sie mit einem ironischen Lächeln. „Ich hätte nicht gedacht, dass so viel böses Blut durch dich fließt.“
Sie warf die Haare über ihre Schulter und ging. Dafür kamen die Anderen.
„Steht mir hier irgendwo auf die Stirn geschrieben, wie blöd ich bin? Ist doch schön, dass ich genau so aussehe, wie ich auch bin, oder Lucy?“, fragte Samuel.
„Ich? Arrogant?“, sagte Jessica kopfschüttelnd.
„Ist ja echt schön, dass ich anscheinend alle manipuliere.
Aber ich verticke keine Drogen! Ich bin Süßigkeitenverkäufer! Und genau-so-wenig will ich die Weltherrschaft! Was schreibst du denn da für einen Mist? Du bist anscheinend diejenige, die nicht ganz dicht ist! Mira ist vollkommen normal!“, schrie Mike.
„Genau! Lass Mira in Ruhe! Du bist doch nur neidisch, weil sie viel beliebter ist als du!“, hörte ich die Stimme von Kate, einer guten Freundin und Bewunderin von Mira.
„Stört es dich wirklich so sehr, wenn Layla und ich uns küssen?“, fragte Matteo. „Ich kann ja verstehen, dass du neidisch bist, aber… wir sind nun mal zusammen.“
„Neidisch trifft es auf den Punkt“, meinte Jessica. „Du bist neidisch auf Mira, weil sie beliebter ist. Du bist neidisch auf deine beste Freundin, weil sie einen tollen Freund hat. Und du bist neidisch auf mich, weil ich viel bessere Noten habe, als du sie je haben wirst!“
Für einen Moment war ich sprachlos. Ich war überrascht, was mir alles an den Kopf geworfen wurde.
Neid. Das war hart. Gerade von Jess hätte ich nicht gedacht, dass sie so eine große Klappe haben konnte.
„Du bist so eine hinterlistige Kuh!“, sagte Samuel. „Ins Gesicht sagst du keinem, was du denkst, aber hinter dem Rücken wird dann gelästert.“
„Genau, du Heuchlerin!“, meinte Jess.
Ich sah zu Evelyn, welche an der Wand lehnte und amüsiert lächelte.
„Willst du gar nichts dazu sagen?“, fragte ich.
Sie schüttelte langsam den Kopf.
„Ich wusste schon, dass du mich hasst. Das ist nichts Neues. Aber, was du über die anderen so geschrieben hast… Ach, Lucy. Ich hätte nicht gedacht, dass du wirklich so falsch bist. Alles, was du jetzt abbekommst, hast du verdient.“
Ich ging auf sie zu und zeigte mit meinem Finger auf sie.
„Du warst das! Du hast diese Kopien aufgehangen!“
Wie erwartet, spielte sie die Unschuldige.
„Ich?“, fragte sie und deutete mit dem Finger auf sich selbst. „Nein, aber das war eine echt geile Idee! Applaus für den, der das getan hat!“
Sie fing an, in die Hände zu klatschen und die anderen stimmten mit ein.
„Schön, dass wir jetzt die wahre Lucy kennengelernt haben“, hörte ich Mira.
Ich ging in den Klassenraum und setzte mich an meinen Platz. Das war grauenhaft! Eine absolute Katastrophe!
Alle waren wütend auf mich. Selbst Layla sagte kein Wort zu mir. Ich wollte nicht, dass sie etwas Falsches von mir dachte. Aber ich hatte keine Kraft, mit ihr zu reden. Ich hatte immer noch nicht richtig realisiert, was überhaupt passiert war.
Während der nächsten Stunde warfen die Leute aus der letzten Reihe mich mit Papierkugeln ab. Ein kleiner Trost war immerhin, dass sie erwischt wurden und das Zeug später wieder aufsammeln mussten. Das änderte nichts daran, dass ich mich schlecht fühlte. Auf einmal hatte ich das Gefühl, alleine dazustehen.
In der zweiten großen Pause wurden mir erneut einige Beleidigungen an den Kopf geworfen. Als sie endlich fertig waren, ging ich auf Layla und Matteo zu, die nebeneinander standen und sich nicht berührten.
„Lay, können wir reden?“, fragte ich.
Sie sah mich ausdruckslos an.
„Damit du mir sagen kannst, wie sehr es dich stört, dass ich glücklich bin?“
„So war das doch gar nicht gemeint.“
„Ich weiß.“
Plötzlich lächelte sie.
„Ich kann gar nicht böse auf dich sein, wenn ich sehe, wie gemein alle zu dir sind. Außerdem kann ich dich irgendwo verstehen. Du trauerst immer noch Mason hinterher und wir machen vor deinen Augen herum.
Das war nicht fair.“
