Keine Ausreden mehr! - Hannah Ritchie - E-Book

Keine Ausreden mehr! E-Book

Hannah Ritchie

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Beschreibung

Gute Argumente statt fauler Kompromisse Gute Argumente statt fauler Kompromisse Klimaleugner sind selten geworden. An ihre Stelle sind Klimaskeptiker getreten: Sie sagen, dass der Klimawandel schon nicht so schlimm wird, Gegenmaßnahmen viel zu teuer sind und die Landschaft verschandeln. Die renommierte Wissenschaftlerin Hannah Ritchie hört diese Phrasen täglich – und weiß, wie man sie mit guten Argumenten entkräftet. In diesem Buch entlarvt sie die 50 dümmsten, dreistesten oder einfach nur gedankenlosesten Mythen anhand von präzisen Daten und fundierten Analysen. Ein unverzichtbares Werkzeug im Kampf gegen die Klimakrise und ein eindringlicher Aufruf zum Handeln! »Hannah Ritchie ist Optimistin in der Klimakrise.« Zeit Online »Was Hans Rosling für die Gesundheit getan hat, schafft Hannah Ritchie für die Umwelt.« Bill Gates »Hannah Ritchie bekämpft Zynismus, Untergangsstimmung und Apathie.« Gaia Vince

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Veröffentlichungsjahr: 2026

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Text bei Büchern mit inhaltsrelevanten Abbildungen und Alternativtexten

Inhalt

Inhaltsübersicht

Cover & Impressum

Widmung

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Der Widerstand kommt nicht ausschließlich aus der fossilen Brennstoffindustrie

2. Perfektionismus darf nicht den »nur« guten Lösungen im Wege stehen

3. Wir können etwas bewirken: Systemische und individuelle Veränderung müssen keine Gegensätze sein

TEIL EINS: Die großen Fragen

Frage 1: Ist es nicht ohnehin schon zu spät? Wird die Welt nicht sowieso 5 oder 6 Grad wärmer?

Was wir tun müssen

Was wir im Hinterkopf behalten sollten

Frage 2: Gibt es genug öffentliche Unterstützung für den Kampf gegen den Klimawandel?

Was wir tun müssen

Was können wir tun, um diese Diskrepanz zu verringern?

Was wir im Hinterkopf behalten sollten

Frage 3: Sind wir in Sachen Klimaschutz nicht zu polarisiert und politisch gespalten?

Was wir tun müssen

Frage 4: Mein Land ist für nur 1 Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich und sicher zu klein, um etwas bewirken zu können, oder?

Was wir tun müssen

Was wir im Hinterkopf behalten sollten

Frage 5: Ist nicht alles umsonst, solange Chinas Emissionen weiter steigen?

Was wir tun müssen

Was wir im Hinterkopf behalten sollten

TEIL ZWEI: Fossile Brennstoffe

Frage 6: Benötigen arme Länder nicht fossile Brennstoffe für ihre Entwicklung?

Was wir tun müssen

Frage 7: Können wir nicht einfach weiter fossile Brennstoffe nutzen und das CO2 abscheiden?

Was wir tun müssen

Was wir im Hinterkopf behalten sollten

Frage 8: Ist die Energiewende schnell genug machbar?

Was wir tun müssen

Frage 9: Ist es überhaupt eine Energiewende, wenn wir immer mehr fossile Brennstoffe nutzen?

Was wir tun müssen

Was wir im Hinterkopf behalten sollten

Frage 10: Werden wir überhaupt genug saubere Energie produzieren können, um die fossilen Brennstoffe zu ersetzen?

Was wir tun müssen

Frage 11: Brauchen wir nicht die fossilen Brennstoffe, um kohlenstoffarme Energie erzeugen zu können?

Was wir tun müssen

Was wir im Hinterkopf behalten sollten

Frage 12: Werden wir mit KI nicht mehr fossile Brennstoffe benötigen?

Was wir tun müssen

Was wir im Hinterkopf behalten sollten

Frage 13: Werden dann nicht viele Menschen im Energiesektor ihren Arbeitsplatz verlieren?

Was wir tun müssen

Was wir im Hinterkopf behalten sollten

TEIL DREI: Erneuerbare Energien

Frage 14: Verursachen Solar- und Windenergie nicht auch viel CO2, wenn man die dafür notwendigen Materialien miteinbezieht?

Was wir tun müssen

Frage 15: Was passiert, wenn kein Wind weht und die Sonne nicht scheint?

Was wir tun müssen

Frage 16: Sind erneuerbare Energien nicht zu teuer?

Was wir tun müssen

Was wir im Hinterkopf behalten sollten

Frage 17: Wie steht es mit dem Müll, den Solarmodule und Windräder verursachen?

Was wir tun müssen

Was wir im Hinterkopf behalten sollten

Frage 18: Geht uns nicht irgendwann der Platz für Solarmodule und Windräder aus?

Was wir tun müssen

Was wir im Hinterkopf behalten sollten

Frage 19: Können wir die Stromnetze schnell genug ausbauen?

Was wir tun müssen

Frage 20: Sterben durch Windparks nicht viele Vögel und andere Tiere?

Was wir tun müssen

Was wir im Hinterkopf behalten sollten

TEIL VIER: Atomkraft

Frage 21: Ist Atomkraft nicht gefährlich?

Was wir tun müssen

Was wir im Hinterkopf behalten sollten

Frage 22: Dauert es nicht zu lange, ein Atomkraftwerk zu bauen?

Was wir tun müssen

Was wir im Hinterkopf behalten sollten

Frage 23: Ist Atomkraft zu teuer?

Was wir tun müssen

Frage 24: Und der radioaktive Müll?

Was wir tun müssen

TEIL FÜNF: E-Autos

Frage 25: Sind E-Autos nicht genauso klimaschädlich wie Benziner?

Was wir tun müssen

Was wir im Hinterkopf behalten sollten

Frage 26: Aber tragen E-Autos nicht auch zur Luftverschmutzung bei?

Was wir tun müssen

Was wir im Hinterkopf behalten sollten

Frage 27: Sind E-Autos für gewöhnliche Fahrten nicht zu teuer?

Was wir tun müssen

Frage 28: Sind E-Autos nicht eher etwas für kürzere Strecken?

Was wir tun müssen

Was wir im Hinterkopf behalten sollten

Frage 29: Gibt es überhaupt genug Ladestationen?

Was wir tun müssen

Frage 30: Wird unser Stromnetz durch die ladenden E-Autos nicht überlastet?

Was wir tun müssen

Frage 31: Funktionieren E-Autos überhaupt, wenn es kalt ist?

Was wir tun müssen

Frage 32: Aber gehen E-Autos nicht ständig in Flammen auf?

Was wir tun müssen

Was wir im Hinterkopf behalten sollten

TEIL SECHS: Mineralien

Frage 33: Werden uns die Mineralien ausgehen?

Was wir tun müssen

Frage 34: Müssen wir für Erneuerbare und E-Autos nicht sehr viel mehr Rohstoffe abbauen?

Was wir tun müssen

Was wir im Hinterkopf behalten sollten

Frage 35: Aber was ist mit den Menschen, die in den Rohstofflieferketten ausgebeutet werden?

Was wir tun müssen

Was wir im Hinterkopf behalten sollten

Frage 36: Werden wir dann nicht wieder abhängig von ein paar Ländern, wie schon bei den fossilen Brennstoffen?

Was wir tun müssen

Frage 37: Verbraucht der Mineralienabbau für saubere Energie nicht zu viel Wasser, um nachhaltig zu sein?

Was wir tun müssen

Was wir im Hinterkopf behalten sollten

TEIL SIEBEN: Heizen (und Kühlen)

Frage 38: Sind Wärmepumpen bei Kälte nicht nutzlos?

Was wir tun müssen

Frage 39: Sind Wärmepumpen nicht viel teurer als eine Gasheizung?

Was wir tun müssen

Frage 40: Was passiert, wenn wir immer mehr Klimaanlagen brauchen?

Was wir tun müssen

Was wir im Hinterkopf behalten sollten

TEIL ACHT: Lebensmittel

Frage 41: Gibt es überhaupt genug Land, damit sich alle Menschen pflanzlich ernähren können?

Was wir tun müssen

Frage 42: Sind Fleischersatzprodukte nicht sogar schlechter fürs Klima, weil sie so viel Energie brauchen?

Was wir tun müssen

Was wir im Hinterkopf behalten sollten

Frage 43: Wie soll man auf fleischfrei umsteigen, wenn die Alternativen teurer sind?

Was wir tun müssen

Was wir im Hinterkopf behalten sollten

Frage 44: Sind »hoch verarbeitete« Fleischersatzprodukte nicht ungesund?

Was wir tun müssen

TEIL NEUN: Zement, Stahl und andere Branchen mit schwer reduzierbaren Emissionen

Frage 45: Werden wir jemals kohlenstoffarmen Zement herstellen können?

Was wir tun müssen

Was wir im Hinterkopf behalten sollten

Frage 46: Und wie sieht es mit kohlenstoffarmem Stahl aus?

Was wir tun müssen

Frage 47: Werden Flug- und Schiffsverkehr irgendwann mit weniger Emissionen möglich sein?

Was wir tun müssen

Was wir im Hinterkopf behalten sollten

TEIL ZEHN: Negativemissionen und solares Geoengineering

Frage 48: Können wir dem Klimawandel ohne Negativemissionstechnologien ein Ende setzen?

Was wir tun müssen

Frage 49: Sind Negativemissionen nicht zu teuer?

Was wir tun müssen

Frage 50: Ist solares Geoengineering nicht zu gefährlich?

Was wir tun müssen

Fazit

Fakt oder Fiktion – Fünf Fragen

Klare Sicht – Zeit zu handeln

Dank

Anmerkungen

Anmerkungen

Buchnavigation

Inhaltsübersicht

Cover

Textanfang

Impressum

Für Maeva

Einleitung

Es kann ganz schön entmutigend sein, sich mit den Nachrichten zum Klimawandel zu beschäftigen: Die fossilen Brennstoffe werden die Welt, wie wir sie kennen, zerstören – aber die »grünen« Alternativen sind genauso schlecht, ausbeuterisch, teuer und gefährden die Tierwelt, die wir doch erhalten wollen. Schlagzeilen à la »Das schmutzige Geheimnis der sauberen Energie« finden sich in nahezu jeder Ausgabe von Guardian, Wired und The Economist bis hin zum Wall Street Journal und auf Fox News.

Anscheinend sind wir dem Untergang geweiht, wenn wir auf saubere Energie umstellen, aber auf jeden Fall, wenn wir es nicht tun. Kein Wunder also, dass sich viele verwirrt und planlos fühlen, wie es denn jetzt weitergehen soll.

Angesichts dieser scheinbar unlösbaren Aufgabe reagieren die meisten auf eine der folgenden drei Arten: Die erste Gruppe versucht tatsächlich, klimabewusster zu leben, fühlt sich aber die ganze Zeit schuldig. Sie stellen ständig ihre Entscheidungen infrage und haben nie das Gefühl, dass es genug ist. Ein solches Leben ist kaum auszuhalten (wie ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann). Andere sind wie gelähmt, sie wollen zwar etwas verändern, fühlen sich aber überfordert von all den widersprüchlichen Informationen. Sie sind dermaßen überwältigt und unentschlossen, dass sie weitermachen wie bisher (meistens mit der am wenigsten klimafreundlichen Option). Und dann gibt es da noch die Antifraktion, die sich bei den Risiken des Klimawandels und den Lösungsansätzen getäuscht und belogen fühlt.

Jede Woche habe ich mit Menschen aus diesen drei Lagern zu tun: per Mail oder auf Social Media, mit Journalisten und dem Publikum auf Vorträgen oder Lesungen. Ich erlebe sie als sehr engagiert, aber auch als sehr unsicher – und ehrlich gesagt auch als vollkommen hoffnungslos, dass wir es noch aus diesem Schlamassel heraus schaffen.

Was mir wirklich das Herz zerreißt, ist, dass sie bei all den düsteren Zukunftsvisionen die Chance, die sich uns bietet, übersehen. Wir könnten tatsächlich in einer Welt leben, die sich auf saubere Energiequellen stützt, dem Klimawandel ein Ende bereiten und die Luftqualität in unseren Städten verbessern. Wir könnten diese Städte tatsächlich mit grünem Zement und kohlenstoffarmem Stahl bauen und ein angenehmes Wohnklima haben (nicht zu heiß oder zu kalt), ohne dass jemand von Energiearmut betroffen wäre. Wir könnten tatsächlich zehn Milliarden Menschen über einen Bruchteil der Flächen, die wir heute nutzen, ernähren, und zwar ohne dass dafür jedes Jahr zig Milliarden Tiere sterben müssen. Die Zukunft liegt vor uns, bereit, ergriffen oder vielmehr gestaltet zu werden.

Der Klimawandel – und die Energiequellen, Materialien und Ernährungssysteme, die ihn befeuern – ist ein massives, aber lösbares Problem, und einige der Lösungsansätze dafür existieren bereits. Andere sind noch im Werden, aber dank vieler kluger und unermüdlicher Köpfe rücken sie nach und nach in greifbare Nähe. Die öffentliche Diskussion vermittelt allerdings einen ganz anderen Eindruck. Zeitungsartikel, Dokus, Podcasts und Kommentare sind gespickt mit Fehlannahmen bis hin zu regelrechten Märchen, die uns tief zweifeln lassen, ob wir überhaupt etwas verbessern können. Dort heißt es zum Beispiel, dass Solar- und Windkraftwerke gar nicht so »sauber« sind, wenn man alle fossilen Brennstoffe miteinbezieht, die für ihren Bau notwendig sind; dass wir nicht über ausreichend Mineralien für Solarmodule und Batteriespeicher verfügen; dass Elektroautos unsere Städte nicht lebenswerter machen, sondern die Luftverschmutzung noch verschlimmern. Man könnte diese Aufzählung beliebig fortführen.

Für dieses Buch habe ich die Antworten auf die wichtigsten und häufigsten Fragen im Zusammenhang mit diesen widersprüchlichen und verwirrenden Behauptungen recherchiert. In diesem Minenfeld an Informationen stellt es eine Orientierungshilfe dar, um bei den Lösungen, die wir so dringend brauchen, zwischen Fakt und Fiktion zu unterscheiden. Denjenigen, die ihr Bestes geben, aber das Gefühl haben, das »Falsche« oder nicht genug zu tun, hilft dieses Buch vielleicht herauszufinden, was am meisten bringt. Denjenigen, die verwirrt und wie gelähmt sind, bringt dieses Buch im besten Falle Klarheit und eine Vorstellung davon, wie es für uns weitergeht. Und wenngleich ich nicht erwarte, alle aus der Antifraktion zu erreichen – diejenigen, die schon zynisch geworden sind –, gibt es auch unter ihnen immer ein paar, die neugierig und offen genug sind, um zuzuhören. Als unerschütterliche Optimistin versuche ich gerne mein Glück.

Das Buch ist ganz einfach aufgebaut: 50 dringende Fragen und 50 konkrete Antworten. Die Antworten sind ausführlich genug, um ausreichend Kontext zu geben, dass man nicht Gefahr läuft, in dieselben Fallen zu tappen wie bei einer aufmerksamkeitsheischenden Schlagzeile, aber nur so lang, um die wesentlichen Informationen zu vermitteln. (Bei manchen Fragen gibt es noch eine extra Rubrik, »Was wir im Hinterkopf behalten sollten«, falls man sich noch etwas tiefgehender damit beschäftigen möchte.)

Jede Antwort stützt sich auf Daten. Denn nur so kann man die Lösungen verstehen: wie effektiv sie sind, welche Abwägungen sie mit sich bringen und wie sie im Vergleich abschneiden. Wahrscheinlich bin ich als Datenwissenschaftlerin, die sich jahrelang mit diesen Trends beschäftigt hat, etwas voreingenommen, was den Stellenwert von Daten betrifft – aber ohne Datengrundlage wäre es ein Leichtes, Lösungsansätze aufzubauschen, die gar nicht funktionieren oder tatsächlich wirkungsvolle Maßnahmen zu negativ darzustellen. In diesem Buch versuche ich, mit den besten verfügbaren Daten im richtigen Kontext Ordnung in dieses Chaos zu bringen.

Hier spielen vielerlei Themen mit hinein: die öffentliche Meinung und Polarisierung hinsichtlich fossiler Brennstoffe, erneuerbarer Energien, Atomkraft, Verkehr, Rohstoffabbau, Nahrungsmitteln sowie kontroverser Themen wie CO2-Entnahme und solarem Geoengineering. Das Fazit dieser 50 Antworten ist, dass es keine unüberwindbaren Hindernisse gibt. Und damit ist dieses Buch ein hoffnungsvolles. Wir sind nicht nur in der Lage, den Klimawandel zu stoppen, sondern auch, eine bessere Zukunft für uns zu schaffen. Dafür müssen wir zuerst verstehen, dass dies möglich ist, und dann unsere Zukunft wirklich in die Hand nehmen – eine Zukunft, von der uns die Medien und der öffentliche Diskurs einreden wollen, dass es sie nicht geben kann.

Der Klimawandel ist auch eine Zeitfrage. Wenn wir eine Chance haben wollen, unsere Ziele zu erreichen, müssen wir schnell sein. Leider hängen wir uns immer noch an Fragen auf, die längst von Personen aus Wissenschaft, Ingenieurwesen und Wirtschaft beantwortet worden sind – viele Male. Wir dürfen uns nicht länger im Kreis drehen, sondern müssen uns an die Umsetzung machen. Mit diesem Buch will ich Ordnung ins Chaos bringen, sodass wir endlich nicht mehr nur reden, sondern zur Tat schreiten können.

Bevor es jetzt ins Detail geht, möchte ich aber noch drei grundlegende Dinge klarstellen.

1. Der Widerstand kommt nicht ausschließlich aus der fossilen Brennstoffindustrie

Es ist verlockend, die gesamte Schuld an den Fehlmeldungen auf Firmen aus der fossilen Industrie und ihre Lobbyisten abzuschieben. Und auf jeden Fall bin ich der Meinung, dass diese Firmen die Dringlichkeit des Klimawandels heruntergespielt und saubere Energiequellen zu Unrecht kritisiert haben, um uns zu verunsichern, ob ein Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas möglich ist. Diese Unternehmen haben nur eine Zukunft und Gewinnaussichten, wenn wir uns nicht auf die Erneuerbaren einlassen. Ich glaube, sie gehören zu den größten Hindernissen bei der Umstellung auf saubere Energiequellen. Doch liegt es nicht ausschließlich an ihnen, dass wir so verwirrt und planlos sind.

Sowohl in rechten als auch in den linken Medien werden massenhaft falsche Annahmen verbreitet. Und ja, der größere Anteil kommt aus dem rechten Lager, aber selbst in klimabewusstesten Zeitungen wie dem Guardian gab es schon Überschriften, die einen sehr daran zweifeln lassen, ob unsere Maßnahmen etwas bringen. 2023 sorgte der »Mr Bean«-Darsteller Rowan Atkinson unter Energieexperten mit einem Artikel für einen Aufschrei, der folgende Überschrift trug: »Ich bin Elektroautofan – und hatte schon früh eins. Aber ich fühle mich zunehmend hinters Licht geführt.«[1] In dem Text reimt er sich Argumente zusammen, warum Elektroautos nicht umweltfreundlich seien, und rät der Leserschaft, lieber bei ihren Verbrennern zu bleiben, solange sie keinen alten Diesel fahren. Manche seiner Argumente sind einfach falsch. Andere basieren auf alten Annahmen, die bereits sorgfältig widerlegt worden sind. Man kann jetzt natürlich sagen, dass das nur ein harmloser Artikel war (und jeder seine Meinung kundtun darf), aber viele haben den Text gelesen und verbreitet, er wurde sogar im Oberhaus des britischen Parlaments diskutiert. Einige Leser hat dieser Text überzeugt, sie sind jetzt der Meinung, dass man lieber auf bessere Alternativen zu Elektrofahrzeugen warten sollte. Dabei ist das eine ganz schlechte Idee, denn im Klimawandel dürfen wir keine Zeit vergeuden. Es ist allerdings kaum verwunderlich, dass man verwirrt ist, wenn man morgens vom drohenden Abschmelzen eines Eisschildes liest und nachmittags zu hören bekommt, dass man lieber langsam machen und abwarten soll, bevor man sich ein E-Auto zulegt.

Als Reaktion auf den Artikel brachte der Guardian den Beitrag eines Experten, der sich tatsächlich mit der Datenlage auskennt.[2] Doch wie »Brandolinis Gesetz« uns lehrt, erfordert es deutlich mehr Energie, Schwachsinn zu widerlegen, als ihn zu produzieren. Atkinsons Artikel wurde von mehr Leuten gelesen als die Gegendarstellung, aber die Fehlinformationen waren ohnehin schon in der Welt – diese Einseitigkeit ist typisch bei der Verbreitung von Fehlinformationen. Und genau das ist das Problem: Unzuverlässige Informationen zu verbreiten, kostet fast nichts, weshalb es nahezu unmöglich ist, mit der bloßen Menge an Falschmitteilungen Schritt zu halten, die jeden Tag verbreitet werden. Dagegen haben Fachleute – die normalerweise Vollzeit arbeiten und daher nur in ihrer Freizeit auf Fehlersuche gehen können – keine Chance.

Ich möchte hier nicht auf »Mr Bean« oder dem Guardian herumhacken. Es gibt unzählige andere Beispiele, die ich hätte bringen können. Aber der Guardian bietet sich an, eben weil er den Klimawandel so ernst nimmt: Politiker, Investoren und die Öffentlichkeit werden von allen Seiten mit widersprüchlichen Informationen bombardiert, es gibt kein Entrinnen.

Sogar unter Gruppen, die sich ganz dem Umweltschutz verschrieben haben, gibt es Widerstand. Das Thema Kernenergie steht ständig in der Kritik, was in einigen Ländern dazu geführt hat, weiterhin auf fossile Brennstoffe zu setzen (was furchtbare Auswirkungen auf das Klima und Todesfällen durch Luftverschmutzung nach sich zieht). Selbst gegen einige Solar- und Windenergieprojekte gibt es Protest von Umwelt-NGOs und grünen Parteien.[3], [4]

Das hängt mit dem wachsenden Spannungsfeld zwischen traditionellem Umweltschutz und den für die Bekämpfung des Klimawandels notwendigen Maßnahmen zusammen. Bis vor Kurzem ging es im Umweltschutz vor allem darum, »Dinge zu verhindern«: neue Kohlekraftwerke, Ölpipelines, Gasförderung, Autobahnen, Tagebau und Infrastruktur, die in unsere Natur eingreift. Aber im Kampf gegen den Klimawandel müssen wir genau das Gegenteil tun: Wir müssen »Dinge bauen« – viel und schnell. Alle, die für Umweltschutz eintreten (so wie ich), stecken also in einer Zwickmühle: Im Naturschutz war man damit beschäftigt, Maßnahmen zu blockieren und zu verzögern, im Klimaschutz gilt es jetzt jedoch, Dinge zu bauen und zu beschleunigen. Und so kommt es zu Schlagzeilen, wonach Umweltgruppen sich gegen Projekte für saubere Energie stellen. Sie wollen die Landschaft bewahren, die durch Strommasten und Solarparks verändert werden könnte, doch das würde den Klimawandel nur noch verstärken. Später werde ich noch erklären, warum ich glaube, dass wir verantwortungsbewusst saubere Energie erzeugen können und dafür weniger Land benötigen, als die meisten Leute vielleicht denken würde.

Ich will noch einmal betonen, dass ich nicht glaube, dass das der Grund für unseren Schlamassel ist. Der Umweltaktivismus hat viel zu den positiven Entwicklungen und dem Fortschritt der letzten Jahrzehnte beigetragen. Dafür können wir den Beteiligten sehr dankbar sein. Aber wenn sich die wichtigsten und bekanntesten Umweltgruppen öffentlich gegen erneuerbare Energien und andere Klimaschutzmaßnahmen stellen, ist es kein Wunder, wenn manche Menschen ins Grübeln kommen: »Wenn die Grünen dagegen sind, dann benötigen Solarparks ja vielleicht wirklich zu viel Fläche.«

So viele Leute haben die grundlegenden Dinge noch immer falsch abgespeichert: Über die Hälfte der Amerikaner hält Elektroautos für klimaschädlicher als Benziner, die meisten Briten wissen nicht, dass Atomenergie eine kohlenstoffarme Energiequelle ist, und nahezu überall unterschätzen die Menschen, wie viele ihrer Mitbürger und Mitbügerinnen für mehr Klimaschutzmaßnahmen sind (vor allem die Konservativen).[5], [6], [7] Das ist bei dieser Menge an widersprüchlichen Informationen auch kein Wunder.

Ein weiterer Grund, warum es meiner Meinung nach so schwer ist, die richtigen Schlüsse zu ziehen, ist, dass die Antworten gar nicht immer so eindeutig sind. Zumindest sind sie nicht intuitiv. Sich bei den Maßnahmen gegen den Klimawandel nicht auszukennen, bedeutet nicht, dass man dumm oder naiv ist. Es ist nicht unbedingt naheliegend, dass Gaswärmepumpen weniger Gas als ein Boiler benötigen. Oder dass wir in einer Welt, in der alle vegan leben würden, weniger Anbauflächen bräuchten, nicht etwa mehr. Es ist nicht einmal so naheliegend, dass wir in einer kohlenstoffarmen Welt weniger Rohstoffe abbauen müssten. Einige Fragen in diesem Buch konnte ich selbst erst beantworten, nachdem ich es einmal nachgerechnet hatte. Oft steckt ein Fünkchen Wahres in dem, was die Menschen zweifeln lässt – Halbwahrheiten, die genau deswegen so überzeugend wirken. Denn es stimmt, dass man mehr Energie benötigt, um ein Elektroauto zu bauen als einen Benziner, und es sterben auch wirklich Vögel durch Windräder. Aber die Frage ist doch, ob wir diese Probleme lösen können oder ob es sich um unüberwindbare Hindernisse handelt, die ein Vorwärtskommen unmöglich machen.

2. Perfektionismus darf nicht den »nur« guten Lösungen im Wege stehen

Ein weiteres Problem ist, dass wir uns immer wieder an etwas aufhängen, das ich »Lösungsperfektionismus« nennen möchte. Viele scheinen zu erwarten, dass die Lösungsansätze zum Klimawandel keinerlei Nachteile haben. Oder man hat ihnen etwas versprochen, was letztendlich nicht eingehalten wurde. Wenn dann die Wahrheit ans Licht kommt, fühlt man sich natürlich betrogen. Leider gibt es keine perfekten Maßnahmen gegen den Klimawandel. Es gibt gute – oder sogar sehr gute –, bei denen man meist aber einen ökologischen oder sozialen Preis mitdenken muss. Wenn ich hier von Energie schreibe, die »sauber« ist, meine ich eigentlich »sauberer«, denn es gibt keine Energiequelle, die nicht in irgendeiner Form Verschmutzung oder andere Auswirkungen mit sich bringt. Was derlei Effekte und Abwägungen angeht, müssen wir ganz ehrlich sein. Und wir müssen uns auch klarmachen, wo uns das Streben nach Perfektion hinführen wird: in eine sehr viel wärmere Welt, die noch immer von fossilen Ressourcen abhängt und in der weiter Millionen Menschen an Luftverschmutzung sterben. Wenn wir uns weiterentwickeln wollen, dürfen wir nicht länger nach der einen Wunderwaffe suchen.

Das sollten wir im Hinterkopf behalten, wenn wir die Vorzüge verschiedener Lösungsansätze bewerten wollen. Es ergibt keinen Sinn, die Auswirkungen von erneuerbaren Energien auf das Müllaufkommen, den Rohstoffabbau oder die biologische Vielfalt an einer Welt zu messen, in der wir keine Energie verbrauchen würden. Doch genau das scheinen viele Kommentatoren und Kritiker zu tun. Viel sinnvoller ist es, die Solar- oder Windenergie im Vergleich zu unserem heutigen Energiekonzept zu betrachten – das hauptsächlich auf Kohle und Gas basiert. Nein, die Auswirkungen von Solar- und Windkraft sind nicht gleich null. Aber sie sind viel, viel besser als die fossiler Brennstoffe.

Es ist eine schöne Vorstellung, dass eines Tages alle unsere Probleme gelöst sein werden – aber sie ist unrealistisch. Das gilt nicht nur für die Klimafrage, sondern auch für soziale, wirtschaftliche und Umweltprobleme im weiteren Sinne. Jede Generation löst Probleme und verursacht neue für die Folgegenerationen. Mit Antibiotika ließen sich Millionen von Leben retten (mindestens), aber jetzt haben wir es mit Antibiotikaresistenz zu tun. Soll ich mir nun wünschen, wir hätten so etwas Wunderbares wie Penicillin und andere Antibiotika lieber nicht entdeckt? Natürlich nicht. Und ja, wir haben ein neues Problem, mit dem wir uns beschäftigen müssen – aber ein viel geringeres als das vorherige. So funktioniert Fortschritt, schrittweise, von Generation zu Generation. Und dieser Weg wird niemals zu Ende sein, die Menschheit wird nie keine Probleme haben. Der Physiker David Deutsch formulierte es in seinen drei Gesetzen der Conditio humana so:

Probleme sind unvermeidbar.

Probleme sind lösbar.

Lösungen verursachen neue Probleme, die wiederum gelöst werden müssen.

Also ja, wir werden bei der Bekämpfung der Klimakrise unseren Kindern und Enkeln ein paar neue Probleme vermachen. Vielleicht müssen sie eine neue Methode zum Mineralienrecycling entwickeln oder noch einen Umgang mit kleinen Mengen Atommüll finden, die wir vergraben haben. Ob sie sich wohl lieber damit beschäftigen wollen, wie man Kupferkabel recycelt, oder mit dem ungebremsten Klimawandel, der zu einer 4 Grad Celsius wärmeren Erde führt, mit Ernteeinbrüchen und unerträglichen Hitzewellen? Wir dürfen Deutschs drittes Gesetz nicht ignorieren – jede Lösungen für die Klimakrise bringt auf jeden Fall neue Probleme mit sich –, sondern müssen diese als das einordnen, was sie sind: kleinere, lösbare Probleme, keine unüberwindbaren Hindernisse, die ein Weiterkommen unmöglich machen. Wir dürfen jetzt nicht verzweifelt hinschmeißen, sondern müssen die Ärmel hochkrempeln und uns überlegen, wie wir die Probleme angehen.

Es gibt Möglichkeiten, wie wir die Auswirkungen der erneuerbaren Energien, E-Autos, Fleischersatzprodukte und der anderen notwendigen Maßnahmen im Kampf gegen den Klimawandel reduzieren können. Doch dafür müssen wir einiges gleichzeitig jonglieren: Wir müssen diese Technologien einsetzen, Geld investieren und Strategien entwickeln, während wir an ihrer Verbesserung arbeiten. Um erst eins und dann das andere zu machen, ist einfach nicht mehr genügend Zeit.

3. Wir können etwas bewirken: Systemische und individuelle Veränderung müssen keine Gegensätze sein

Einen perfekten Zustand wird es also nie geben, aber wir können immer versuchen, es besser zu machen. Daher gibt es in jedem Kapitel den Abschnitt »Was wir tun müssen«. Darunter führe ich auf, was wir jetzt tun können und wie wir dabei so sozial und umweltfreundlich wie möglich vorgehen. Das sind sowohl Maßnahmen für Einzelpersonen wie auch für Regierungen, Firmen, die Medien oder die breite Gesellschaft.

Wenn ich mich mit Menschen unterhalte, die wegen des Klimawandels sehr besorgt sind und etwas verändern wollen, spüre ich oft ihre Hilflosigkeit. Sie haben den Eindruck, dass nichts, was sie tun, etwas bringt. Aber das stimmt nicht, wir können etwas bewirken. Alleine wird keiner von uns die Welt verändern oder dem Klimawandel ein Ende setzen, da müssen wir uns nichts vormachen. Aber es macht einen Unterschied, wie wir über diese Probleme denken und sprechen.

Die Bekämpfung des Klimawandels wird oft entweder als systemisches Problem dargestellt, das die Regierungen, große Firmen und das Finanzwesen lösen müssen, oder aber als eines, das wir durch individuelles Verhalten ändern können (wenn alle einfach »einen kleinen Beitrag« leisten würden). Aber letztendlich spielt beides eine Rolle, da es sich gegenseitig beeinflusst. Man ist ja nie außen vor, sondern Teil des Systems.

Stellen wir uns zum Beispiel einmal vor, wir würden von Benzinern auf E-Autos und öffentliche Verkehrsmittel umstellen. Man könnte jetzt argumentieren, dass dies ein systemisches Problem ist: Die Regierung ist verantwortlich dafür, dass es genug öffentliche Ladestationen, Bus- und Zugverbindungen gibt; die Hersteller müssen gute Elektroautos bauen; und mit der entsprechenden Kombination dieser Faktoren sollen am Ende beide Optionen billiger sein, als einen Benziner zu fahren. Das ist alles gut und richtig, nur werden die Regierungen und Firmen niemals den ersten Schritt machen, solange sie nicht sicher sein können, dass die Öffentlichkeit an Bord ist. Warum sollte man ein Netz an elektrischen Ladestationen aufbauen, wenn die Autofahrer letztendlich lieber bei ihren Benzinern bleiben? Warum sollte man in öffentliche Verkehrsmittel investieren, wenn niemand Bus fahren will? 2024 senkte die schottische Regierung testweise die Preise für Bahnfahrten während der Stoßzeiten, um mehr Pendler in die Züge zu bekommen. Das klingt erst mal gut, nur leider stiegen nicht genug Leute auf die Öffentlichen um, und es lohnte sich finanziell nicht. Einen positiven Systemwandel kann es nicht isoliert geben, die Menschen müssen ihn auch annehmen.

Kein Entweder-oder: Systemischer Wandel wird von individuellen Entscheidungen beeinflusst

 

Das heißt, unser individuelles Verhalten – sei es, weniger Fleisch zu essen, die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen, den Benziner abzuschaffen oder die Gasheizung auszutauschen – bewirkt durchaus etwas. Aber eben auch unsere Unterstützung großer notwendiger Veränderungen auf Systemebene. Systemischer Wandel wird von Kultur und öffentlicher Meinung beeinflusst, und wie wir über Klimalösungen denken und diskutieren, beeinflusst diese Kultur. Nein, Sie und ich werden den Menschenrechtsverletzungen in mineralischen Rohstofflieferketten kein Ende setzen oder sicherstellen können, dass Atommüll fachgerecht zwischen- und endgelagert wird. Trotzdem müssen wir als Einzelpersonen unbedingt verstehen, was auf gesellschaftlicher Ebene möglich und notwendig ist. Konzentrieren Sie sich also bei den Kapitelabschnitten »Was wir tun müssen« jeweils auf Veränderungen in Ihrem eigenen Leben. Tun Sie die notwendigen systemischen Veränderungen aber auch nicht als etwas ab, über das »jemand anders nachdenken muss«. Sie und ich müssen das verstehen, damit wir uns auch für die richtigen Dinge einsetzen können.

TEIL EINS:Die großen Fragen

Als Erstes nehmen wir uns Fragen vor, die suggerieren, dass allein die Vorstellung, den Klimawandel aufhalten zu wollen, absurd sei. Wenn wir diese Behauptungen nicht widerlegen können, sind alle Diskussionen über spezifische Maßnahmen – ob es ausreichend Mineralien gibt oder ob Windkraftwerke Vögeln schaden – irrelevant.

Solche Zweifel gehen mit der Vorstellung einher, dass es zu spät zum Handeln ist, dass es keine Veränderung geben kann oder dass die Anstrengungen einzelner Länder zu nichts führen. Bei solchen Aussagen kommt uns die Zukunft finster vor, und wir haben keine Kraft, überhaupt irgendetwas anzugehen. Ich habe mich jedenfalls früher so gefühlt. Zum Glück kann man etwas dagegen tun.

Frage 1:Ist es nicht ohnehin schon zu spät? Wird die Welt nicht sowieso 5 oder 6 Grad wärmer?

Antwort: Es kommt auf jedes Zehntelgrad an. Deshalb ist es zu keinem Zeitpunkt zu spät, die globale Erwärmung zu begrenzen und den klimawandelinduzierten Schaden einzudämmen.

Als ich vierzehn war, las ich Mark Lynas Buch 6 Grad mehr. Die verheerenden Folgen der Erderwärmung und war danach vollkommen verstört. Er beschreibt darin eine Welt, die erst 1 Grad wärmer wird, dann 2, 3 und schließlich 6. Der Blutdruck steigt beim Lesen dieses Buchs mit, und nach den letzten Seiten ist man vollkommen am Ende.

Das Buch ist gut recherchiert und zeigt verschiedene mögliche Versionen der Zukunft auf. Glücklicherweise hat sich der wissenschaftliche Konsens seit der Veröffentlichung von 6 Grad mehr von derlei Extremszenarien distanziert – der öffentliche Diskurs leider nicht. Viele glauben noch immer, dass die 5 oder 6 Grad auf jeden Fall kommen werden und wir uns nur noch aufs Schlimmste vorbereiten können.

Schauen wir uns einmal an, wie die Prognosen anhand der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse für das Jahr 2100 aussehen.[1], [9], [10], [11], [12], [13]

Aktuelle Politik.

Bei wie viel Grad würden wir mit der Klima- und Energiepolitik, die die Regierungen

bereits eingeführt

haben, landen? Wenn kein Land sich noch weiter engagieren würde und die derzeitige Politik weiterliefe, lägen die Temperaturen bis zum Ende des Jahrhunderts um 2,5 bis 3 Grad Celsius über den vorindustriellen Temperaturen.

Agenda 2030

. Würden die Länder ihre Ziele für 2030 erreichen, aber nicht nachlegen, kommen wir bei 2,4 Grad mehr heraus.

Zusicherung der Netto-null-Emissionen.

Viele Länder haben sich ehrgeizige Ziele gesteckt, um die »Netto-null-Emissionen« zu erreichen, meist bis zur Mitte dieses Jahrhunderts. Damit würde die Welt um 1,8 Grad wärmer.

Das sind gleichzeitig gute und schlechte Nachrichten. Gut, weil wir nicht länger auf die Worst-Case-Szenarien zusteuern, vor denen ich als Teenager Angst hatte. Dass wir von diesem beängstigenden Kurs abgekommen sind, haben wir den sinkenden Kosten für Solar- und Windenergie, Akkus und E-Mobilität zu verdanken sowie den verstärkten internationalen politischen Bemühungen und dem besseren Verständnis davon, wie unsere energetische Zukunft aussehen könnte. Einen großen Einfluss haben zudem die Zusagen einiger Länder, mit denen wir weit unter den angepeilten 2 Grad bleiben können. Natürlich wäre es naiv, zu glauben, dass alle ihre Versprechen halten werden. Aber wir haben jetzt etwas schwarz auf weiß und können die Regierungen zur Verantwortung ziehen.

Die schlechte Nachricht ist, dass unser globales Ziel, die Temperaturerhöhung unter 1,5 Grad zu halten, nicht mehr erreicht werden kann. Und die 2,5 Grad wärmere Welt, auf die wir hinsteuern, ist noch immer unheimlich und unzumutbar. Womöglich würde sie das Ende für viele Korallenriffe bedeuten; die Nahrungsmittelproduktion könnte erheblich behindert werden, besonders in einigen der ärmsten Länder. Auf große Teile der Welt werden furchtbare Hitzewellen zukommen, im Sommer wird es kein arktisches Meereseis mehr geben. Eisschilde sind in ihrer Stabilität sehr viel gefährdeter. So eine Welt wollen wir eigentlich tunlichst vermeiden – und können es auch, denn die 2,5 oder 3 Grad sind nicht gesetzt. Es bleibt noch Zeit für einen Kurswechsel.

Was wir tun müssen

Erst einmal können wir konstruktiver über das Klima und unsere Ziele reden und nachdenken.

Seien wir ehrlich bezüglich unserer Zukunft.

Das 1,5-Grad-Ziel ist Geschichte. Würden morgen unsere

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-Emissionen plötzlich auf null fallen, dann

könnten

wir es noch erreichen. Aber Hand aufs Herz, das ist unrealistisch (ich bin zwar optimistisch, aber nicht verrückt). Wir müssen hier aus verschiedenen Gründen ehrlich sein: Erstens müssen die Länder sich an die nahende 1,5-Grad-Welt anpassen. Wenn wir davor die Augen verschließen, verlieren wir Zeit, die es zur Vorbereitung braucht. Zweitens wird das Vertrauen der Öffentlichkeit – der immer wieder versichert wird, dass die 1,5 Grad erreichbar sind –, wegbrechen, wenn wir das Ziel verfehlen.

Nicht das Handtuch werfen.

Hier muss man vor allem sagen: Es gibt keinen Point of no Return, keinen Zeitpunkt, ab dem es kein Zurück mehr gibt und nichts mehr etwas bringt. Unsere 1,5 oder 2 Grad sind keine Klippen oder Schwellen. Jedes Zehntelgrad ist es wert, dafür zu kämpfen, da sich damit die Auswirkungen und Schäden des Klimawandels begrenzen lassen. 1,7 Grad sind besser als 1,9, und die sind besser als 2,1. Steigern Sie sich nicht in willkürlich gesetzte Ziele hinein, sondern konzentrieren sie sich lieber darauf, was helfen könnte, unsere

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-Emissionen so schnell wie möglich zu senken (siehe unten).

Vorsicht bei Schlagzeilen mit Horrorszenarien

. Wir steuern nicht mehr Richtung 4 oder 5 Grad, wie wir es vor zehn Jahren noch geglaubt haben. Leider berufen sich Journalisten und Studien oftmals noch immer auf diese Worst-Case-Szenarien. Für Laien kann es schwierig sein herauszufinden, welches Szenario verwendet wird, sofern man sich nicht durch unzählige fachsprachliche Publikationen quälen will. Eine grobe Orientierung kann das Stichwort »

RCP

8,5« sein, die Abkürzung für den (mittlerweile unplausiblen) schlimmsten Fall, der oftmals in die Klimamodellierung eingeflossen ist.

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Die Folgen von Extremszenarien zu kennen, kann für Forschende nützlich sein, nicht unbedingt aber für Politiker oder die Öffentlichkeit, die diese für die wahrscheinlichste Entwicklung halten. Dann springt dabei lediglich eine dicke apokalyptische Schlagzeile heraus.

Und hier nun die effektivsten Maßnahmen, die man als Einzelperson ergreifen kann, um den eigenenCO2-Fußabdruck möglichst gering zu halten. (Viele davon werden später im Buch noch genauer behandelt.)

Autofahrer können versuchen, öfter Fahrrad oder E-Bike zu fahren, zu Fuß zu gehen oder die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen. Wenn Sie ein Auto brauchen, ist ein elektrisches sehr viel besser als ein Benziner oder ein Diesel.

Flugreisen machen einen großen Teil Ihres Fußabdrucks aus. Ich will niemandem vorschreiben, gar nicht mehr zu fliegen (die meisten Menschen werden nämlich ohnehin weitermachen), aber weniger zu fliegen, würde schon sehr viel bewirken.

Zu Hause sind Heizung und Klimaanlage die größten Energieschlucker. Wer seine Wohnung gut isoliert und die Gasheizung gegen eine elektrische Wärmepumpe austauscht, kann seinen Fußabdruck (und die Nebenkosten) gehörig reduzieren.

Solarmodule zu Hause können ebenfalls den

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-Abdruck und die Energiekosten verringern. Für manche wird das finanziell nicht drin sein – oder sie wohnen zur Miete und können nicht umrüsten –, aber wer die Möglichkeit dazu hat, sollte es tun.

Steigen Sie auf Stromanbieter mit Erneuerbaren um. Das hat zudem Signalwirkung, dass sich immer mehr Menschen mit dem Klimawandel auseinandersetzen und kohlenstoffarme Energiequellen wünschen.

Essen Sie weniger Fleisch und Milchprodukte und mehr pflanzliche Nahrungsmittel. Das heißt nicht, dass Sie streng vegan leben müssen. Die Vorstellung von Alles-oder-nichts schreckt viele ab. Aber man kann bereits etwas bewirken, wenn man den Konsum reduziert, vor allem bei Rind und Lamm.

Machen Sie sich weniger Stress mit den kleineren Dingen – Recycling, Plastiktüten und Lebensmittelverpackung; dem Weg, den Ihr Essen zurückgelegt hat; ob Sie das Licht ausschalten oder Geräte im Stand-by-Modus lassen –, vor allem, wenn das auf Kosten der großen, oben aufgeführten Maßnahmen geht. Schnell ist man in die Falle der »moralischen Lizenzierung« getappt – man denkt, wenn man seinen kleinen Beitrag leistet, hat man einen Freifahrtschein für die wirklich

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-lastigen Verhaltensweisen. So wie wenn Leute stolz darauf sind, dass sie ihre eigenen Plastiktüten mit in den Supermarkt nehmen (die nur einen winzigen

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-Abdruck hinterlassen), sie aber dann mit Fleisch und Milchprodukten füllen (die sehr viel größere Auswirkungen haben).

Natürlich reichen diese individuellen Maßnahmen nicht aus. Auch auf gesellschaftlicher Ebene brauchen wir größere und schnellere Schritte:

So schnell wie möglich mehr kohlenstoffarme Stromquellen wie Solar-, Wind-, Atom- und geothermische Energie einsetzen. Dafür braucht es massive Reformen, um Infrastrukturprojekte schneller fertigzustellen.

Akku-Innovationen beschleunigen: Diese Technologien sind der Schlüssel zur Energiewende.

So viele Bereiche wie möglich auf Elektroenergie umstellen: den Straßenverkehr, Heizen, die Stahlherstellung und Kurzstreckenflüge. Das ist die effizienteste Möglichkeit,

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einzusparen.

Den weltweiten Konsum von Fleisch und Milchprodukten reduzieren; hochwertige Proteinalternativen einführen.

Investitionen in Wälder und die Wiederherstellung von Ökosystemen, die viel

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speichern können.

Weiter in Bereichen forschen, in denen es noch keine großflächig umsetzbaren Lösungen gibt: die Zement- und Stahlproduktion, Langstreckenflüge und Methoden zur

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-Entnahme aus der Atmosphäre.

Was wir im Hinterkopf behalten sollten

Eine Frage, die mir immer wieder gestellt wird, lautet: Werden wir nicht an einen Punkt kommen, an dem es »Game over« heißt und unser Planet kollabieren wird; einen Moment, von dem an die globale Erwärmung nicht mehr aufzuhalten ist?

Kipppunkte – also Schwellen, die einen irreversiblen Zustand in einem System anzeigen – sind wichtig, aber ändern nichts daran, was wir tun müssen, um unsere Emissionen zu reduzieren. Es lohnt sich, einige der häufigsten Irrtümer zu Kipppunkten näher unter die Lupe zu nehmen.[16]

Erstens glauben viele, dass es den einen Kipppunkt für die Erde gibt. Oder dass die 1,5- oder 2-Grad-Marken selbst globale Kipppunkte darstellen, wir also verloren sind, sobald wir sie überschreiten. Das stimmt jedoch nicht. Es gibt keine magische 1,5-Grad-Grenze, bei 1,49 Grad ist nicht alles super und ab 1,51 dann plötzlich katastrophal.

Es gibt nicht den einen globalen Kipppunkt, sondern eine Vielzahl an lokalen oder regionalen Systemen mit unterschiedlichen Schwellen. Beispielsweise tropische Korallenriffe oder der Amazonas; der grönländische oder der antarktische Eisschild. Und sie werden nicht alle gleichzeitig für immer »kippen«. Wissenschaftlich ist unklar, ab welcher Temperatur genau diese individuellen Punkte kippen könnten. Doch dass dies geschehen kann, ist ein reales Risiko – vor allem, wenn der Temperaturanstieg sich den 2 Grad nähert. Wir dürfen die Augen nicht vor den potenziell furchtbaren Auswirkungen auf unsere regionalen Ökosysteme verschließen. Es ist aber nicht so, dass dadurch eine ungebremste globale Erwärmung ausgelöst werden würde, die uns an die 5-Grad-Marke treibt. Bei Überschreitung mancher dieser Schwellen würden die globalen Temperaturen etwas ansteigen, aber nicht gleich um ein oder mehrere Grad. Wenn wir beispielsweise künftig im Sommer kein Meereseis mehr in der Arktis hätten (was wahrscheinlich so kommen wird),[17] werden die globalen Temperaturen um etwa 0,15 Grad Celsius steigen.[18] Ähnlich sähe es aus, wenn der Kipppunkt im Amazonasregenwald erreicht wäre. Die Überschreitung mehrere dieser Schwellen könnte zu einem Anstieg um 0,3 oder 0,4 Grad führen. Das ist einiges – aber nicht so, dass die Erde auf einmal eine Sauna wäre.

Eine weitere Fehlannahme ist, dass eine solche Überschreitung schnell vonstatten gehen würde: dass, wenn der grönländische Eisschild abschmilzt, innerhalb weniger Jahre die Meeresspiegel um zehn Meter anstiegen. Dabei würden sich die Überschreitungen großer Kipppunkte – wie die Eisschilde – erst innerhalb von Jahrhunderten oder Jahrtausenden manifestieren. Vielleicht wäre das Eis erst im Jahr 2500 oder später vollkommen verschwunden – noch immer eine Katastrophe, und wir wollen das Problem ja auch nicht den Folgegenerationen hinterlassen, aber es ist eine ganz andere Hausnummer, als sich vorzustellen, dass unsere Küsten innerhalb von zehn Jahren überflutet wären – was viele denken, wenn sie vom Abschmelzen der Eisschilde hören.

Wir können das noch immer verhindern, wenn wir unsere Emissionen eindämmen und die Temperaturen so niedrig wie möglich halten. Und in der Wissenschaft sind sich fast alle einig, dass es nie »zu spät« ist, noch größeren Schaden zu verhindern.

Frage 2:Gibt es genug öffentliche Unterstützung für den Kampf gegen den Klimawandel?

Antwort: Nicht alle halten den Klimawandel für wichtig, aber doch die Mehrheit der Menschen in allen Ländern.

Der Klimawandel ist für mehr Menschen ein Thema, als Sie vielleicht denken. Bei einer Befragung von 59 000 Teilnehmenden aus 63 Ländern gaben 86 Prozent an, der Klimawandel sei menschengemacht und eine ernsthafte Bedrohung für die Menschheit.[19] Fast drei Viertel befürworteten die Klimapolitik, zum Beispiel die CO2-Abgabe auf fossile Brennstoffe, den Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel, den vermehrten Einsatz von erneuerbaren Energien, ausgeweitete Lademöglichkeiten für Elektroautos, Besteuerung von Fluglinien und den Schutz der Wälder.

Das folgende Diagramm zeigt die Ergebnisse einer weiteren Studie mit 130 000 Teilnehmende in 125 Ländern. 89 Prozent befanden, es bestehe mehr politischer Handlungsbedarf. 86 Prozent gaben an, ihr Land solle »versuchen, etwas gegen die globale Erwärmung zu tun«. Sogar in den »klimawandelkritischen« USA. In derselben Studie gaben 74 Prozent der US-Amerikaner an, ihr Land solle sich an den internationalen Bemühungen zur Eindämmung des Klimawandels beteiligen. Weil ich sichergehen wollte, dass diese Studie kein Einzelfall war, schaute ich mir noch mehrere weitere an – und die kamen zu ähnlichen Ergebnissen. 67 Prozent der Amerikaner fanden die Entwicklung alternativer Energiequellen wichtiger als eine Expansion der Fossilindustrie.[20] 71 Prozent vermuteten, dass der Klimawandel bereits heute den US-Amerikanern schade.

In Europa ist das Ergebnis noch eindeutiger. Eine EU-weite Umfrage ergab, dass 93 Prozent der Befragten den Klimawandel für ein ernsthaftes Problem halten.[21] Über zwei Drittel befanden, ihre jeweilige Regierung tue nicht genug.

Prozentualer Anteil derjenigen, die wollen, dass ihre Regierung im Kampf gegen den Klimawandel aktiver wird

Datenquelle: Peter Andre et al., 2024.

 

Studien zeigen zudem, das die Leute so gut wie immer unterschätzen, wie sehr anderen das Thema Klimawandel am Herzen liegt. Die Teilnehmenden aus den USA glaubten, dass lediglich über ein Drittel ihrer Landsleute den Kampf gegen den Klimawandel unterstützt.[22] Die tatsächliche Anzahl war doppelt so hoch. Befürworter der Maßnahmen gegen den Klimawandel stellten, anders als gedacht, die Mehrheit.

Was wir tun müssen

Diese Diskrepanz in der Wahrnehmung ist wichtig, weil die Klimapolitik von der allgemeinen Stimmung abhängig ist. Oftmals rechtfertigen sich politische und wirtschaftliche Entscheidungsträger mit der Ausrede: »Es gibt einfach nicht genug gesellschaftliche Unterstützung für die Maßnahmen gegen den Klimawandel.« Außerdem tut es uns als Einzelpersonen gut, wenn wir uns über unsere Ängste um den Klimawandel austauschen oder erzählen, welche Maßnahmen wir persönlich ergreifen.