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Veneers stellen heute eine vielseitige hochästhetische Versorgungsform dar und werden dem Leser in diesem Buch auf einzigartige Weise erlebbar gemacht: Neben den Grundlagen der ästhetischen und adhäsiven Zahnmedizin werden vor allem spezielle klinische Problemstellungen behandelt und Techniken vorgestellt, die unter Verwendung von Veneers zu beeindruckenden Ergebnissen führen. Jede Technik wird Schritt für Schritt beschrieben, exzellent illustriert und durch zahlreiche klinische Videos, die einfach per App oder online aufgerufen werden können, ergänzt. Dieses Buch, geschrieben von einem der Großen seines Faches, führt den Leser ohne Kompromisse durch eine außergewöhnliche klinische Erfahrungswelt mit Behandlungsbeispielen von unterschiedlicher Komplexität, alle herausragend bebildert und auf fachlich höchstem Niveau.
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Seitenzahl: 210
Veröffentlichungsjahr: 2020
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Keramikveneers
20
TECHNIKEN FÜR ÄSTHETISCHEN ERFOLG
Stefen Koubi
Keramikveneers
20
TECHNIKEN FÜR ÄSTHETISCHEN ERFOLG
Titel der französischen Originalausgabe:
Facettes en céramique. 20 recettes pour réussir / Stefen Koubi
© 2019 Quintessence International, Paris
Titel der zugrunde liegenden englischen Ausgabe:
Laminate veneers. 20 recipes for smile design / Stefen Koubi
© 2020 Quintessence International, Paris
Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über<http://dnb.ddb.de> abrufbar.
Quintessenz Verlags-GmbH
Ifenpfad 2–4
12107 Berlin
www.quintessenz.de
© 2021 Quintessenz Verlags-GmbH, Berlin
Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechts ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Dies gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
Illustrationen: Laurent Baudchon; Napoleao Editora, Quintessence Publishing Brasil, São Paulo
Fotografie Cover: © Hilal Kuday
Fotografie der Figur von Le Corbusier: © Chris Hellier / Alamy Stock Photo
Lektorat, Herstellung und Reproduktionen: Quintessenz Verlags-GmbH, Berlin
Übersetzung: Peter Rudolf, München
ISBN (epub): 978-3-86867-537-5
ISBN (print): 978-3-86867-510-8
DDieses Buch ist die Frucht der beruflichen Entwicklung und klinischen Erfahrung eines praktizierenden Zahnarztes, seines Werdegangs, seiner Misserfolge und vor allem seiner Sicht auf die Zahnmedizin.
Fünfzehn Jahre in den Diensten der restaurativen Zahnmedizin an der zahnmedizinischen Fakultät der Universität Aix-Marseille haben mich wissenschaftliche Strenge und didaktische Prinzipien gelehrt.
Zwanzig Jahre Erfahrung am Patienten öffneten mir den Blick für die Praxistauglichkeit der verschiedenen Techniken, lehrten mich Bescheidenheit angesichts der täglichen Herausforderungen des Allgemeinzahnarztes, bessere Kommunikation mit den Patienten und Verständnis für die ökonomischen Herausforderungen einer Zahnarztpraxis. Vor allem aber ermöglichten sie mir die Entwicklung und Erprobung neuer Behandlungskonzepte.
Die Zusammenarbeit mit hervorragenden Zahntechnikern vermittelte mir zahntechnischen Arbeitsethos und brachte mich mit Menschen in Kontakt, deren Bescheidenheit nur von ihrer immensen Begabung übertroffen wird. Ich möchte mich bei Wilfrid Pertot bedanken, der mir von Anfang an zur Seite stand, bei Gerald Ubassy, der mir Gelegenheit gab, die Gipfel der Ästhetik zu erklimmen und mein Auge für die mannigfaltigen Details eines perfekten Zahns schärfte, und schließlich bei Hilal Kuday für den technologischen Sprung, den er mir ermöglichte, für seine künstlerischen Qualitäten und die fantastische Bebilderung. Unsere Zusammenarbeit war von unschätzbarem Wert, getragen von großartigem Ideenaustausch und gemeinsamer Leidenschaft. Dieses Buch ist EUER Buch!
Auf Reisen in viele verschiedene Länder habe ich in den letzten zehn Jahren außergewöhnliche Zahnärzte getroffen, die inzwischen gute Freunde geworden sind. Dabei hatte ich Gelegenheit, die Anforderungen an die Ausbildung der neuen Zahnarztgenerationen auf allen Gebieten besser zu verstehen, mein Wissen durch Lernen von anderen zu erweitern und meine Ideen zu ordnen, um sie besser vermitteln zu können.
Meine Mitgliedschaft in der größten wissenschaftlichen Online-Community (www.styleitaliano.org) hat mir nicht nur eine zweite Familie beschert, sondern auch die Möglichkeit eröffnet, die Herausforderungen und Bedürfnisse der allgemeinzahnärztlichen Praxis – das heißt einer ästhetischen, einfachen, reproduzierbaren und ergebnissicheren zahnärztlichen Versorgung – zu verstehen. Diese vier Voraussetzungen sind die Pfeiler moderner Zahnmedizin und führen den Zahnarzt zu einer hohen, aber realistischen Qualität.
Als Sohn eines Zahnarztes und Hochschullehrers bin ich bereits im Kindesalter in die Welt der adhäsiven Zahnmedizin eingetaucht und mit meinen Mentoren (Jean-Louis Brouillet und André Faucher) in Kontakt gekommen. Sie weckten meine Lust auf eine Form der Zahnmedizin, die damals als sehr fortschrittlich galt, und prägten meine Vorstellung von Wissensvermittlung und Exzellenz. Dieses Buch ist die natürliche Fortsetzung und euer Erbe.
Besonders erwähnen möchte ich auch Bernard Touati, der als Pionier den Weg zur ästhetischen Zahnmedizin ebnete und als Erster sein Wissen international verbreitete.
Was Dich angeht, mein lieber Gillou, so ist dieses Buch eine bescheidene Synthese all dessen, was Du mir weitergegeben hast. Dass Du erfolgreich darin warst, zugleich Schöpfer, Erzeuger, Vater und bester Freund zu sein, ist vielleicht eines der schönsten Geschenke, die das Leben mir bereitet hat.
Dass ich mit einer verständigen Frau mit anderem beruflichen Hintergrund, aber sicherem Urteil und einer künstlerischen Ader verheiratet bin, gestattet mir, mich ohne Schuld und Reue beruflich und vor allem persönlich weiterzuentwickeln, was fantastisch ist. Vielen Dank, meine liebe Gabo, für die nie versagte Unterstützung.
Das Glück, Vater zweier liebevoller kleiner Mädchen (Gaya und Yara) zu sein, die auf meinen Beruf neugierig und auf mich stolz sind, gibt mir jeden Tag aufs Neue Kraft und Energie. Dass ich schließlich selbst aus einer liebenden, warmherzigen und fröhlichen Familie stamme, verleiht mir ein wertvolles emotionales Fundament. Diese wenigen Worte sind so wenig verglichen mit dem, was ihr mir gegeben habt. Danke euch, Vetine, Nana, Elie, und euren großartigen Familien.
Dieses Buch ist die Fusion und Mischung all dieser Welten, weshalb es eine außergewöhnliche Form angenommen hat und einen unkonventionellen Stil besitzt. Sein Anspruch ist es, für den Leser Veneers auf einzigartige Weise erlebbar zu machen, wozu 20 Techniken vorgestellt werden, die fast alle klinischen Situationen abdecken.
Die ersten 17 Techniken sind der ästhetischen Zahnmedizin gewidmet, die letzten drei beschäftigen sich mit der Rekonstruktion des verschlissenen Gebisses. Ziel ist es, einen roten Faden durch die Rehabilitation und die Verwendung von Veneers als vielseitiger Versorgungsform zu bieten. Während die ersten drei Kapitel die Grundlagen einer solchen ästhetischen und adhäsiven Zahnmedizin zeigen, behandeln die anschließenden Kapitel spezielle klinische Problemstellungen. Außerdem nutzt das Buch die Möglichkeiten von Augmented Reality: Über die zum Buch gehörige App „Quintessence Koubi” können Videoinhalte eingeblendet werden, wenn der Leser mit seinem Mobilgerät über die Seiten fährt. Ich hoffe, dieses Buch nützt dem Leser bei seiner täglichen Arbeit und vermittelt ein Gefühl für die moderne Zahnmedizin.
Ich wünsche Ihnen viel Freude mit der Lektüre, Stefen Koubi
Dr. Stefen Koubi schloss sein Studium der Zahnmedizin an der Universität Marseille, Frankreich, im Jahr 1998 ab. Seit 2008 ist er Dozent an den Abteilungen für konservierende und restaurative Zahnmedizin der zahnmedizinischen Fakultät der Universität Marseille und seit 2011 Doktor der Zahnmedizin.
Er betreibt eine private Praxis in Marseille und in Paris. Sein Interessensschwerpunkt ist die ästhetische Rehabilitation aus kosmetischen oder funktionellen Gründen (Zahnverschleiß). Als Gastredner bei vielen Fachgesellschaften für ästhetische Zahnmedizin auf der ganzen Welt referiert er über einfache Konzepte für qualitativ hochwertige ästhetische Versorgungen und erhält zahlreiche Einladungen als Dozent in Postgraduiertenprogrammen.
Dr. Koubi wurde im Jahr 2012 von den Studenten der Universität Marseille mit dem Goldenen Molaren (Hochschullehrer des Jahres) ausgezeichnet und erhielt im selben Jahr die Auszeichnung als bester Nachwuchsredner der Societe Odontologique de Paris. Seit 2012 ist er aktives Mitglied der Gruppe Style Italiano und verantwortlich für indirekte Versorgungen.
Im selben Jahr gründete er das Institut de la Facette, ein privates Weiterbildungsinstitut für die Themen Veneerversorgungen aus ästhetischen und funktionellen Gründen und digitale Zahnmedizin. Zudem ist er Autor und Koautor vieler nationaler und internationaler Publikationen zu Themen der ästhetischen Zahnmedizin und Zahnverschleiß.
IIm vergangenen Jahrzehnt haben technische Innovationen auf dem Gebiet der Zahnmedizin dem Zahnarzt die Möglichkeit eröffnet, ästhetische Restaurationen herzustellen, die mit der Natur konkurrieren. Entsprechend gewachsen sind auch die ästhetischen Erwartungen und Ansprüche der Patienten, die heute viel öfter an Restaurationen interessiert sind, welche die Form, Farbe, Oberfläche und Funktion gesunder und ästhetisch besonders ansprechender natürlicher Zähne kopieren. Daher haben wir begonnen, natürliche Zähne in all ihren Aspekten – von ihren ästhetischen Eigenschaften bis zu funktionellen, morphologischen und strukturellen Merkmalen – zu beobachten und nachzuahmen.
Keramikveneers sind der erfolgreichste minimalinvasive indirekte prothetische Versorgungstyp der letzten Jahrzehnte in der ästhetischen Zahnmedizin. Bei korrekter Herstellung und Eingliederung sind sie nicht nur die brillanteste natürlich aussehende, menschengemachte (inzwischen digital konstruierte) Form ästhetischer Restaurationen, sondern sie helfen dem Zahnarzt auch dabei, die Kaufunktion des Patienten zu verbessern.
Für die Mehrzahl der heute praktizierenden Zahnärzte hat sich der Wissensstand auf dem umfangreichen Gebiet der ästhetischen Zahnmedizin dramatisch verändert bzw. waren während ihrer zahnärztlichen Ausbildung noch keine Informationen verfügbar. Die Vielzahl der Alternativen bei den Techniken und Materialien kann anfangs überwältigend sein. Dabei ist das gesamte Wissen, wenn es übersichtlich geordnet wird, leicht erschließbar. Die Herausforderung für Dr. Koubi bei der Arbeit an diesem Buch lag deshalb darin, eine einzelne, definitive, umfassende Informationsquelle in praxisrelevanter, „anwenderfreundlicher“ Form zu schaffen. Dieses Buch wurde geschrieben, um dem Ästhetiker bei der Behandlung unästhetischer Zahnstellungen, Verfärbungen und Zahnformen oder, mit anderen Worten, bei der Verschönerung des Lächelns und der Verbesserung der Funktion und Okklusion zu helfen.
Die Lösung ästhetischer Probleme erfordert vom Zahnarzt die Erstellung einer Diagnose und eines Behandlungsplans sowie die Wahl geeigneter Instrumente und Materialien. Die anschließende Behandlung muss sachgemäß ausgeführt werden, basierend auf Kenntnissen einer korrekten klinischen Technik und sinnvollen Verwendung der Materialien. Der souveräne Zahnarzt geht jedes ästhetische Problem auf diese Weise an.
Dr. Stefen Koubi, den ich persönlich seit 20 Jahren kenne, ist einer der führenden Köpfe auf diesem Gebiet. Im vorliegenden Buch, das seinen Hintergrund als Hochschullehrer mit seiner praktischen Erfahrung verbindet, dokumentiert er sein umfassendes Wissen und die klinische Realität von Keramikveneers mit all ihren Vor- und Nachteilen. Im Lauf der Jahre konnte er viele neue Materialien und Techniken untersuchen, und ich habe großen Respekt vor seinem klinischen Urteilsvermögen. Dieses neue Buch ist ein weiterer Schritt, um Wissen zu teilen, das in vielen Jahren gesammelt wurde, und dabei zugleich viele unserer aktuellen Praktiken zu hinterfragen und neu zu bewerten. Dies macht es, wie ich glaube, so wertvoll für jeden Zahnarzt, gleichgültig ob er im Team arbeitet oder allein.
Alle wichtigen Punkte, wie die Behandlung einzelner mittlerer Schneidezähne mit Veneers, die Präparationstechnik, die Wahl des Materials, Tipps für die minimalinvasive Präparation sowie Prep-less- und No-prep-Veneers, die Befestigung und nicht zuletzt die Behandlung von Zahnverschleiß, finden sich ausführlich behandelt. Für die unterschiedlichen klinischen Probleme und ihre Lösungen werden einfache, zielführende Techniken geliefert.
Wie Dr. Koubi neuste Techniken auf dem Gebiet der Zahnmedizin einsetzt, so wurden auch bei der Publikation dieses Buches fortschrittliche Technologien einbezogen. Dank Augmented Reality kann der Leser über sein Mobilgerät zu vielen der gezeigten Bilder und Techniken zusätzlich Videosequenzen anschauen.
Ich bin sicher, dieses Buch bietet dem an ästhetischer Zahnmedizin und Veneers interessierten Zahnarzt alle Informationen, die nötig sind, um die modernen ästhetischen Techniken zu verstehen und in seine tägliche Arbeit zu integrieren. Zudem wird es dabei helfen, die Fähigkeiten der kritischen Beobachtung, Analyse und Entscheidungsfindung zu entwickeln, bevor man sich auf einen Behandlungsplan mit ästhetischer Zielsetzung einlässt.
Der Leser wird von der Struktur des Buches, der klaren Sprache und der Einfachheit der Kapitel ebenso begeistert sein, wie von den hervorragenden Abbildungen, welche die klinische Fertigkeit von Stefen Koubi eindrucksvoll belegen.
Schließlich möchte ich dem Autor meinen tiefen Respekt und meine Bewunderung dafür aussprechen, dass er neben seiner äußerst betriebsamen Praxis die Zeit gefunden hat, seine Arbeit zu dokumentieren, zu ordnen und zu präsentieren. In kurzer Zeit hat Stefen Koubi durch seine Vision die Wahrnehmung und Vermittlung von ästhetischer Zahnmedizin nicht nur in Frankreich, sondern weltweit verbessert.
Ich wünsche Ihnen viel Freude bei der Lektüre dieses Buches,
Galip Gürel
Wie die folgenden Seiten sehr erfolgreich zeigen, ermöglichen die restaurativen Therapiekonzepte von heute eine nie dagewesene ästhetische und funktionelle Perfektion. Neben der offensichtlichen Virtuosität des Autors sind diese wahrhaft erstaunlichen Ergebnisse vor allem dem vereinten Bemühen von Forschern, Wissenschaftlern und Technikern zu verdanken. Sie haben in den letzten Jahrzehnten in einem Wettstreit ihrer Kreativität und Erfindungsgabe neue Materialien ersonnen und entwickelt, welche am Beginn einer echten Revolution der geltenden Methoden restaurativer Zahnmedizin stehen. Deshalb kommt eine Einführung in das vorliegende Buch nicht ohne eine Würdigung dieser Vorarbeiten aus, an denen ich das Privileg hatte, in Praxis und Lehre mitzuwirken. Ich habe diese glückhafte Periode als aufregendes, an Kontroversen und Richtungswechseln reiches wissenschaftliches, klinisches und akademisches Abenteuer erlebt, das zu den grundlegenden Umwälzungen geführt hat, welche die moderne Zahnmedizin inzwischen prägen.
Eine Darstellung der Ursachen dieser Revolution muss zunächst die Intuition einiger besonders einfallsreicher Vorkämpfer würdigen, die in den 1960er-Jahren die reale Möglichkeit der adhäsiven Befestigung am Zahnschmelz entdeckten. Sie stehen zweifelsohne am Ursprung der bahnbrechenden Idee, dass ein adhäsiver Ansatz das in der Praxis so häufig auftauchende Problem der Retention lösen würde. Im Gefühl, vor einer großen Herausforderung zu stehen, mussten die Hersteller damals ihre Teams in nie dagewesenem Maß mobilisieren, um schnellstmöglich Verfahren für eine zuverlässige Verklebung am Schmelz zu entwickeln. Während jedoch Protokolle für die Schmelzadhäsion, die ihrerseits bereits sehr gute Kompositrestaurationen ermöglichte, schnell vorgestellt werden konnten, dauerte es nicht weniger als 15 Jahre, bis ähnliche Ergebnisse für Dentin möglich wurden.
Dieser entscheidende Fortschritt spielt eine Schlüsselrolle, da er zu einer neuen, durch die Adhäsivtechnik geprägten Sicht auf dentale Restaurationen geführt hat. Die Adhäsion in all ihren Formen – mehr denn je im Mittelpunkt der Diskussion – trägt zur Überwindung klassischer Dogmen zugunsten neuer mechanischer und biologischer Konzepte bei, während die vielfältigen durch sie angestoßenen Innovationen, wie dieses Buch zeigt, zu immer besseren klinischen Antworten auf die ästhetischen Probleme unserer Patienten führen.
Obwohl die Zahnärzte im Bewusstsein der für die mechanische Retention erforderlichen Zerstörung von Zahnhartsubstanz nach kurzem Zögern adhäsive Restaurationen mit weniger invasivem Präparationsbedarf in ihre Behandlungspraxis übernahmen, war die neue Adhäsivtechnik für Traditionalisten ein Schock. Die Säureätzung von Dentin und anschließende Applikation eines Polymers ohne jeden Schutz wurde als hochgradig toxisch betrachtet und schien als Voraussetzung nicht hinnehmbar. Günstige Erkenntnisse zur Biokompatibilität haben mich jedoch ohne Zaudern in das Lager der Modernen wechseln lassen – gemeinsam mit all jenen, die der Ansicht waren, dass die Präparation natürlicher Zähne und anschließende adhäsive Behandlung zur Regel werden solle, da die Hybridschicht sowohl die Adhäsion ermöglicht als auch biologischen Schutz bietet. Angesichts der wissenschaftlichen Beweise musste ich als Hochschullehrer in wenigen Monaten meine Lehrinhalte umstellen oder sogar 180°-Wenden bei den Erklärungen vollführen, die ich vor meinen Studenten ... oder aufgebrachten Konferenzsälen abgab: dass die Säureätzung von Dentin, die gestern noch als hochgradig aggressiv galt, nun eine anzuratende Vorbehandlung war ..., dass das als toxisch geltende Auftragen von Polymer auf ungeschützte Kavitätenwände plötzlich empfohlen wurde ... und dass sogar das vorherige Befeuchten der Kavitätenwände als förderlich galt, um die Leistung des Adhäsivs zu verbessern, während zuvor Trockenheit als absolute Regel vor jeder Restauration gelehrt worden war.
Die Entwicklung der Adhäsivtechnik hat auch die Entwicklung verklebter Veneers beeinflusst. Hier beginnt eine weitere schöne Geschichte mit einem inspirierten Pionier, der in den 1970er-Jahren in den Vereinigten Staaten vorgefertigte Veneers aus Methylmethacrylat ins Spiel brachte, die mit Komposit im Mund befestigt wurden. In Amerika hatte diese Technik überwältigenden Erfolg und brachte einige Zahnärzte sogar dazu, spezialisierte Praxen zu eröffnen, die (mit viel Werbung) die Verschönerung des Lächelns der Patienten in einer einzigen Sitzung versprachen. Natürlich fehlte den Ergebnissen noch viel zum heutigen Ideal einer individuellen natürlichen Harmonie. Die Regel war vielmehr ein gewisses stereotypes Aussehen zu dem noch bauchige Konturen und häufige Ablösungen der Veneers hinzukamen, da die Kunststoffe nicht miteinander kompatibel waren. Eine zweite Generation von Methacrylat-Veneers verbesserte zwar die Ästhetik, da die einzelnen Elemente im Labor auf Modellen gefertigt wurden, konnte aber die Gefahr der Veneerablösung nicht verringern. In Europa galt dieses „amerikanische Lächeln“ als zu protzig und künstlich und konnte nicht dieselbe Begeisterung wecken.
Immerhin hielten viele von uns trotz ihrer Abneigung gegen Methacrylate an der Idee einer möglichen kosmetischen Verblendung der Vestibulärflächen fest. Die geschicktesten Zahnärzte mit einer Vorliebe für Komposite versuchten – mitunter erfolgreich – auf den geätzten Schmelz mit einem Pinsel Kompositschichten in sorgfältig ausgewählten Farbtönen zu applizieren, während andere, denen diese direkte Technik zu unsicher war, es vorzogen, hauchdünne Restaurationen, die im Labor anhand von Abformungen tiefenkontrollierter Präparationen mit klaren Präparationsgrenzen hergestellt wurden, am Schmelz zu verkleben. Schließlich schlugen einige von ihnen, die mit sehr fähigen Dentalkeramikern zusammenarbeiteten, vor, dünne Veneers aus Feldspatkeramik zu verwenden, die auf Platinfolien (kurze Zeit später durch feuerfeste Stümpfe ersetzt) gebrannt wurden. Das Aufkommen der Schmelz-Dentin-Adhäsivsysteme in den 1990er-Jahren stellt einen Einschnitt dar, da unter erheblicher Verringerung biologischer Risiken Präparationsformen möglich wurden, die auf den ersten Blick besser mit den Anforderungen an mechanische Festigkeit vereinbar waren. Beispielsweise wurden die Einbeziehung der Inzisalkanten, eine Verschiebung der interdentalen Ränder in Richtung Gaumen sowie Veneerformen empfohlen, die durch eine größere Keramikdicke die Möglichkeit der Formveränderung und der Keramikschichtung zur Verbesserung der ästhetischen Eigenschaften boten.
Aber das Beste stand noch bevor ... In dem Maß, wie ein wahrer Kult um das Aussehen entstand und sich verfestigte, der in immer höheren ästhetischen Ansprüchen seinen Niederschlag fand, sind im 21. Jahrhundert, nachdem die adhäsiven und biologischen Aspekte gemeistert waren, neue Gruppen von Keramiken auf den Plan getreten. Dank adhäsiver Befestigung vereinen sie große mechanische Zuverlässigkeit und hervorragende optische Eigenschaften, die unter anderem dank guter Lichtdurchlässigkeit ein natürliches Erscheinungsbild ermöglichen. Diese bemerkenswerten Materialien markieren zugleich das endgültige Verschwinden von Metall und versprechen erhebliche technische und klinische Vorteile, die im vorliegenden Buch aufgezeigt und im Detail vorgestellt werden.
Dieses Buch, geschrieben von einem der Großen seines Fachs, führt den Leser ohne Kompromisse durch eine außergewöhnliche klinische Erfahrungswelt mit Behandlungsbeispielen von wachsender Komplexität, die herausragend bebildert sind und sich auf höchstem fachlichen Niveau bewegen.
Über Stefen Koubis Werdegang zu sprechen, heißt, die Reise eines begabten Menschen mit einer frühen, leidenschaftlichen Berufung zu beschreiben. Schon als Student charismatisch, eloquent und begeistert, fiel er schnell durch seine Erfolge in der klinischen Ausbildung auf, wo er hohe manuelle Fähigkeiten zeigte und bald mit schwierigen Fällen betraut wurde. Seinen Lehrern nahestehend, entdeckte er eine Schule in Marseille, die sich in den wissenschaftlichen und klinischen Debatten im Zusammenhang mit der Einführung der Adhäsivtechnik engagierte und neue, stärker an der Natur orientierte Techniken (wenig später als „Biomimetik“ bezeichnet) vertrat. Das Bewusstsein für diese vielversprechenden Ideen, verbunden mit eindeutig ästhetischen Ambitionen und dem erworbenen Respekt für bestehende Grenzen, war zweifellos der Ausgangspunkt für die Leidenschaft, die ihn nicht wieder losgelassen hat.
Drei bereichernde Jahre als Assistenzarzt in Paris ließen ihn reifen. Vor allem aber entdeckte er das Vergnügen zu lehren und Schüler durch Schwung und Leidenschaft zu überzeugen – an einem Ort, wo man ihm bereits die Studierenden im letzten Studienjahr anvertraute. Sie erinnern sich noch heute daran! Während sich selbst von den Begabtesten nicht wenige am Ende ihrer Lehrjahre in ein geruhsames Berufsleben zurückzogen, begann unser Held, immer noch voller Eifer, eine neue Karriere zwischen Marseille und Paris, die eine Niederlassung in eigener Praxis mit den Funktionen eines Assistenten und bald darauf eines Dozenten an der Universität verband. Dank seiner Begabung und Motivation entwickelte er sich kontinuierlich weiter und wurde nicht zuletzt durch bemerkenswerte Publikationen zu einem der Besten. Im Jahr 2012 gründete er sein eigenes Weiterbildungsinstitut für ästhetische Zahnmedizin, wo er jedes Jahr nicht weniger als sechs dreitägige bis einwöchige, teils in englischer Sprache abgehaltene Hands-on-Kurse und Live-Demonstrationen mit Leben erfüllt. Heute ist er als stets begeisterter und unermüdlicher Lehrer und meisterhafter Redner ein gesuchter und weltweit geschätzter Referent. Seine fordernde und anstrengende Vortragstätigkeit verbindet er sehr gelassen mit den Weiterbildungskursen und den strengen Anforderungen seiner Praxis, die, wie man vermuten darf, auf komplexe Fälle spezialisiert ist.
Ich wünsche Ihnen eine vergnügliche Lektüre dieses bemerkenswerten Buches.
Jean-Louis Brouillet
Gilles KoubiDer Schöpfer
Gérald UbassyDer Wissenschaftler als Künstler
Jean-Louis BrouilletMentor
Hilal KudayDer Diamant
André-Jean FaucherDer Perfektionist
Francesca VailatiDie Brilliante
Galip GürelDas Charisma
Patrice MargossianAbsolute Strenge
Éric VanDoorenDer Visionär
Richard MassihiBrainstorming
Angelo PutignanoDer Professor
André KriefDer Trainer
Walter DevotoDer Ideengeber
Jean-Francois LasserreDer Künstler
Nitzan BichachoIntelligenz in Reinform
Gil TirletMr. Bio
Zum Umfang dieses Buches gehören ergänzende Videos. Sie erkennen diese im Buch anhand eines kleinen Zeichens, welches sich unten, links in Bildern befindet. Sie können direkt auf das Bild klicken, um das Video aufzurufen. Hier ein Beispiel:
Alternativ sind alle Videos auch unter https://video.qvnet.de/b22290/ aufrufbar.
Vorwort: Stefen Koubi
Geleitwort: Galip Gürel
Geleitwort: Jean-Louis Brouillet
Meine Vorbilder
Augmented Reality in diesem Buch!
GRUNDLAGEN
1Systematisierung des ästhetischen Ansatzes
2Material Wahl des Rohlings
3Keramikveneers Grundprinzipien
4No prep Wann und Wie?
5Zahnfehlstellung Palatinalstand
6Zahnfehlstellung Labialstand
7Keramikveneers Gestaltungsfehler
8Schwarze Dreiecke und Diastemata
9Keramikveneers Verfärbter Einzelzahn
10Keramikveneers Multiple Zahnverfärbungen
11Extra weiße Keramikveneers
12Nicht angelegte seitliche Schneidezähne
13Keramikveneers und Gingivarezessionen
14Veneers und Kieferorthopädie
15Veneers und andere Restaurationen
16Veneers und Implantate
17Veneers und digitaler Workflow
18Veneers und Zahnverschleiß Prep-less-Ansatz
19Veneers und Verschleiß No-prep-Ansatz
20Extremer Verschleiß Prep-Ansatz
Literatur
Das Institut de la facette
GRUNDLAGEN
Ästhetische Analyse
Behandlungsplanung
Mock-up-geführte Behandlungsschritte
Das Lächeln hat in den letzten 20 Jahren für die Patienten stark an Bedeutung gewonnen, da es mit vielen positiven Dingen wie Gesundheit, Erfolg, Kraft und Schönheit assoziiert ist. Daher wurde verstärkt an einer Systematisierung des ästhetischen Behandlungskonzeptes gearbeitet, um für den Zahnarzt in der Praxis ein Grundgerüst für die Rekonstruktion des Lächelns zu schaffen. Dentale Ästhetik orientiert sich an etablierten Regeln, innerhalb deren eine breite Vielfalt des Ausdrucks möglich ist, sodass ein individualisiertes Lächeln kreiert werden kann.
In dieser ersten Technik wird eine Hierarchie innerhalb der Ästhetik vorgestellt, anhand derer der Zahnarzt und der Zahntechniker zunächst die klinisch Situation relativ zum fazialen Rahmen analysieren und dann einen ästhetischen Entwurf in Einklang mit den ästhetischen Bezugsparametern kreieren können.
Die Analyse des Gesichts, des Lächelns, der dentalen Komposition und der Gingiva wird schrittweise erläutert, um eine Methode für die Bewertung und Gestaltung des Lächelns unserer Patienten zu entwickeln.
20-jähriger Patient mit genetisch bedingter Zahnentwicklungsstörung
Zwei kieferorthopädische Behandlungen
Zwei MKG-chirurgische Eingriffe
Milchzahn- und provisorische Kronen im Seitenzahnbereich
Forciertes Lächeln, entspannter Zustand
Lippen
Zähne
Harmonie
Symmetrie
Haut
Wünscht sich ein schöneres Lächeln
Position, Zahnform (Mikrodontie) und Hartsubstanz (Amelogenesis imperfecta), Lücken, Verfärbungen
Verlauf des Gingivarands, vertikale Defekte, horizontale Defekte (vestibuläre Konkavität am Zahn 13)
Statisch (Kreuzbiss im 1./4. Quadranten), dynamisch (Protrusion, Laterotrusion)
Zuerst ideale Zahnproportionen skizzierenohne Rücksicht auf die rosa Ästhetik
Inadäquat, weil nur von der rosa Ästhetik her gedacht (Lachlinie identisch mit der Ausgangssituation)
Inadäquat, weil nur von der weißen Ästhetik her gedacht (Lachlinie zu niedrig, ungünstige Relation zwischen Lippen und Zähnen)
Unter Berücksichtigung der rosa und weißen Ästhetik entwickelt: ideale Integration in die Gesichtsästhetik
Der Schlüssel zum Erfolg ist die Platzierung des berühmten „weißen Quadrates“, das hier den Proportionen der aufzuwertenden Zähne entspricht, am richtigen Ort. Wohlproportionierte Zähne entfalten nur dann eine zufriedenstellende ästhetische Wirkung, wenn sie auch optimal positioniert sind. Tatsächlich ist es leichter, harmonische Zahnformen anhand des Goldenen Schnittes zu kreieren, als die Inzisalkanten im dreidimensionalen Raum adäquat zu platzieren.
“Man muss wie ein Architekt denken, bevor man als Zahnarzt handeln kann!”
Wichtige Unterlagen für die Erstellung des ästhetischen und funktionellen Behandlungsplans
Vollporträtaufnahme des Gesichts, exakt zentriert, um Verzerrungen zu vermeiden
Lippenbild des Lächelns
Intraorale Frontalansicht in Okklusion, exakt zentriert
Okklusalansichten des Ober- und Unterkiefers
Um den Entwurf umzusetzen, müssen neue Inzisalkanten für die oberen zentralen Schneidezähne definiert werden. Dies erfolgt direkt im Mund und kann so vom Zahnarzt und auch vom Patienten beurteilt werden. In Fällen, die eine Erhöhung der Vertikaldimension erfordern, werden ebenso auch die Palatinalflächen konstruiert, um neue Führungsflächen zu erhalten. Anschließend wird die neue Okklusion in zentrischer Relation registriert.
Die Schneidekanten werden mit Komposit verlängert und die künftigen Zahnproportionen getestet
Die Palatinalflächen werden mit Komposit wiederaufgebaut, um eine Registrat der neuen Vertikaldimension in zentrischer Relation vornehmen zu können.
Wichtige Unterlagen für die Erstellung des ästhetischen und funktionellen Behandlungsplans
“Die neuen zentralen Schneidezahnformen werden einprobiert, um die Konsequenzen für die Seitenzähne beurteilen zu können.”
Die vom Arzt direkt im Mund veränderte Situation wird abgeformt und in Gipsmodelle überführt, um exakte ästhetische Referenzen (Höhe und Breite) der beiden zentralen Schneidezähne zu gewinnen, die für das Wax-up benötigt werden.
Die fazialen Bezugspunkte werden mit dem Ditramax-System registriert und präzise auf das Modell übertragen.
Lachlinie parallel zur Bipupillarlinie
Positive, harmonische Lachlinie
Dentale Mittellinie deckungsgleich mit der Gesichtsmittellinie
Ästhetische Okklusionsebene der Seitenzähne parallel zur Camper-Ebene
Harmonische Zahnproportionen (Schneidekanten parallel zur Bipupillarlinie, phonetisch adäquat, ideales Verhältnis von Breite und Länge)
Symmetrie zwischen linken und rechten Gingivarändern
Möwenflügel-Profil zwischen den Zähnen 11, 12 und 13
Zu den großartigsten neuen Entwicklungen der letzten 15 Jahre in der Zahnmedizin zählt eine Technik, mit der der definitive Entwurf leicht und schnell in materielle Form überführt werden kann.
Es handelt sich um das „Mock-up“. Dieses ermöglicht es, innerhalb kürzester Zeit einen Entwurf vorschlagen zu können, der die im Geist vollzogene Planung physisch und haptisch umsetzt.
“Das Mock-up ist ein Instrument, welches dem Zahnarzt die Möglichkeit gibt, Lösungen vorzuschlagen.”
Materialien
Silikonschlüssel: Honigum Putty Soft (DMG, Hamburg)Mock-up: Luxatemp Star A1 (DMG)Eines der Behandlungsziele liegt darin, die vestibuläre Kontur in der Region 13 zu verbessern.
Das Mock-up visualisiert das ideale Niveau der Gingivaränder ebenso wie die adäquate Gingivakontur für den Zahn 13.
“Ebenso wie die Zahnpräparationen müssen sich auch die mukogingivalchirurgischen Maßnahmen am Mock-up orientieren.”
Zirkuläre Präparation.
Bissregistrat.
