KGI - Riskante Vergeltung - Maya Banks - E-Book

KGI - Riskante Vergeltung E-Book

Maya Banks

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Beschreibung

Die beiden Scharfschützen P. J. und Cole waren Rivalen im KGI-Team, bis sie eines Nachts der Leidenschaft nachgaben, die zwischen ihnen schwelte. Als danach eine Mission auf schreckliche Weise schiefging, verließ P. J. das KGI-Team und tauchte unter. Sechs Monate später lässt Cole nichts unversucht, um P. J. wiederzufinden - die Frau, die sein Herz berührt hat wie keine andere zuvor. Doch P. J. befindet sich auf einem gefährlichen Rachefeldzug ...

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Inhalt

Titel

Über dieses Buch

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Die Autorin

Maya Banks bei LYX

Impressum

MAYA BANKS

KGI

Riskante Vergeltung

Roman

Ins Deutsche übertragen von

Katrin Mrugalla und Richard Betzenbichler

Über dieses Buch

Der Scharfschütze David »Cole« Coletrain verfolgt nur ein einziges Ziel: seine KGI-Teamkollegin P. J. Rutherford zu finden und nach Hause zu holen. Sechs Monate sind vergangen, seit Cole und P. J. nach Jahren freundschaftlicher Rivalität ihrem Verlangen nachgaben und eine sinnliche Nacht miteinander verbrachten. Noch nie hatte Cole sich einer Frau so sehr verbunden gefühlt wie P. J. in diesen gemeinsamen Stunden. Doch die beiden bekamen keine Gelegenheit darüber zu sprechen, was das für ihre Freundschaft bedeutet. Denn schon am nächsten Tag wurden sie auf eine riskante Mission geschickt – eine Mission, die auf schreckliche Art und Weise schieflief. Seitdem ist P. J. verschwunden. Sie ist untergetaucht, um sich für das zu rächen, was ihr angetan wurde. Dabei lässt sie sich auf ein gefährliches Spiel ein, in dem sie alles, woran sie je geglaubt hat, in Frage stellen muss. Doch Cole will P. J. nicht im Stich lassen. Nicht einmal dann, wenn er dafür seine Loyalität gegenüber KGI aufgeben oder sogar sein Leben opfern muss …

Für meine Kleinen. Ich liebe euch über alles.

1

P. J. Rutherford ließ sich auf ihrem Stuhl zurückfallen und schwang die Beine samt Stiefel auf den Tisch. Dann zog sie den Cowboyhut tief ins Gesicht und starrte durch die dichten Rauchschwaden hindurch zu der Band, die sich am anderen Ende des Raums gerade für ihren Auftritt bereit machte.

Die Bedienung knallte eine Flasche Bier direkt neben P. J.s Stiefel und tänzelte dann sofort weiter. Offenbar interessierte sich die gute Frau ausschließlich für männliche Gäste, mit denen sie flirten konnte.

P. J. war keine Plaudertasche. Noch nie hatte sie hier mit irgendjemandem auch nur ein Wort gewechselt. Als Stammkundin konnte man sie insofern nicht bezeichnen, obwohl sie im Grunde genommen trotzdem eine war.

Dies war die Kneipe, in der sie sich zwischen zwei Missionen zu entspannen pflegte. Die meisten Menschen würden diese Spelunke nicht als geeigneten Ort ansehen, um Ruhe und Erholung zu finden. Aber P. J. gefiel es. Hier konnte sie ein paar Bier kippen, Passivrauchen, sich von schlechten Cover-Songs das Gehör schädigen lassen und hin und wieder ein paar Schlägereien mitansehen.

Als der Gitarrist ein besonders schlechtes Riff zum Besten gab, zuckte sie zusammen, dann jaulte auch noch das Mikrofon entsetzlich. Was für Amateure! Wahrscheinlich war dies ihr erster öffentlicher Auftritt, und P. J. würde vermutlich nicht nur halb taub nach Hause gehen, sondern auch noch einen Haufen Ibuprofen gegen die Kopfschmerzen einwerfen müssen, die sie zweifelsohne bekommen würde.

Aber immer noch besser, als den Abend allein in ihrer Wohnung herumzusitzen und unter Jetlag zu leiden. Obwohl: War Jetlag überhaupt der richtige Ausdruck? Sie hatte seit drei Tagen nicht mehr geschlafen. Inzwischen war sie so müde, dass sie am liebsten den Kopf auf die Arme gelegt hätte und an Ort und Stelle eingeschlafen wäre. Nur funktionierte das leider nicht, denn die letzte Mission hatte in ihr so viel Adrenalin freigesetzt, dass sie vollkommen überdreht war.

Sie war angespannter als eine verrostete Sprungfeder, und ihre Muskeln würden sich heute Abend nicht mehr lockern.

Die große rührselige Feier bei den Kellys, komplett mit einer Doppelhochzeit, innigen Liebesschwüren, Babys und so viel sonstigem Bockmist, dass sich einem der Magen umdrehte, hatte auch nicht gerade geholfen.

Es war ja nicht so, dass sie sich in eine Zynikerin verwandelt hatte, die beim Thema Liebe sofort die Augen verdrehte. Sie las unheimlich gern Liebesromane und verteidigte sie wie eine Furie, wenn jemand sie deswegen blöd anmachte.

Aber manchmal übertrieb es der Kelly-Clan ein bisschen mit dieser bedingungslosen Zuneigung und Hingabe. Wurde von denen nie jemand sauer und brach einen Streit vom Zaun?

Tja, dachte P. J. und seufzte. Um das zu erleben, würde sie echt was springen lassen.

Sie fühlte sich in diesem Kreis einfach fehl am Platz, deshalb hielt sie sich lieber an ihr Team. Sollte Steele doch mit Sam und Garrett Kelly die neuesten Einsatzpläne verhandeln. Sie persönlich hielt sich da raus und folgte lieber ihrem Teamführer. Und sollte Steele eines Tages damit beginnen, ebenfalls diesen kitschigen Schmusekurs einzuschlagen, würde sie einfach kündigen und ihr Gewehr an den Nagel hängen.

Sie mochte Steele. Sie wusste, woran sie bei ihm war. Immer. Er schmierte niemandem Honig ums Maul. Wenn man Scheiße baute, musste man dafür geradestehen. Wenn man seine Aufgabe erfüllte, sang er keine Lobeshymnen. Jedenfalls nicht dafür, dass man einfach seinen Scheißjob erledigte, wie er das ausdrückte.

Außerdem mochte sie ihr Team. Okay, Coletrane war zwar eine Nervensäge. Aber eine süße Nervensäge und dazu harmlos. Zudem war er die perfekte Zielscheibe für allerlei Scherze. Fast zu perfekt. Er biss wirklich auf jeden Köder an, den man ihm vor die Nase hielt.

Sie war die bessere Scharfschützin. Das gestand sie sich ohne falsche Bescheidenheit zu. Dennoch gab es zwischen Cole und ihr eine gesunde Rivalität bei der Arbeit. Das brachte sie beide weiter, machte sie besser, und ihre Beziehung blieb locker und zwanglos. So, wie sie es mochte.

Als der Song zu Ende ging, seufzte P. J. erleichtert auf. Die Band wollte offenbar eine Pause machen, aber in ihren Ohren dröhnte es noch von dem Lärm. Sie griff nach ihrem Bier, als sie drei Männer durch die Tür kommen sah. Ihre Hand begann so sehr zu zittern, dass sie fast die Flasche umgeworfen hätte. Ihr wurde flau im Magen, und sie überlegte kurz, ob sie nicht auf die Toilette verschwinden sollte.

Aber ebenso schnell, wie die Panik gekommen war, löste sie sich auf und wurde durch Wut ersetzt. Wieso sollte sie sich eigentlich verstecken? Sie hatte nichts Unrechtes getan. Ihr Ex und seine Kumpel hatten sie hängen lassen, nicht umgekehrt.

P. J. wandte den Blick ab, konzentrierte sich auf einen Gegenstand am anderen Ende der Bar und hoffte, die Typen würden sie nicht bemerken. Aus dem Augenwinkel heraus sah sie allerdings, dass Derek in ihre Richtung schaute und sie prompt entdeckte.

Er erstarrte förmlich, ehe er Jimmy und Mike anstupste und auf sie deutete.

Scheiße! Da kamen sie schon. Das hatte ihr gerade noch gefehlt, noch dazu an einem Abend, an dem sie sich sehnlichst gewünscht hatte, allein zu sein.

Sie starrte noch immer zur hinteren Wand, als Derek sich vor ihr aufbaute und ihr die Sicht versperrte. Langsam hob sie den Kopf, setzte eine leicht gelangweilte Miene auf und blickte ihm direkt ins Gesicht.

»Hier hängst du jetzt also rum, P. J.«, sagte er. »Hätte nicht gedacht, dass du auf solche Bruchbuden stehst.«

Der herablassende Tonfall zerrte an ihren Nerven.

»Geh mir aus dem Licht, Derek.«

Er zog die Stirn in Falten und grinste sie spöttisch an. »Das hast du früher nicht gesagt. Natürlich war das, bevor du beschlossen hast, auf dein Team zu scheißen. Wo arbeitest du denn momentan? Hier doch bestimmt nicht, oder? Du hast nicht ganz die Figur dafür.«

Die alte P. J. hätte ihm jetzt schon eine geknallt. Die neue P. J. …

Scheiß drauf. Was sprach gegen die alte P. J.?

Sie stand auf, schob den Hut nach hinten und warf den drei Männern einen eisigen Blick zu. Früher waren sie eine eingeschworene Gemeinschaft gewesen, sie alle vier. Derek und sie waren zwei Jahre lang ein Paar gewesen. Begonnen hatte es fast unmittelbar, nachdem P. J. Mitglied des SWAT-Teams geworden war, obwohl Derek und sie es geschafft hatten, die Beziehung geheim zu halten und hinter ihrer Freundschaft zu verbergen. Einer Freundschaft, die sie auch mit Jimmy und Mike verbunden hatte.

Jetzt grinste Derek hämisch – fast, als würde er erwarten, dass sie sich umdrehte und davonlief. Denn das konnte sie. Davonlaufen.

Diesmal nicht.

P. J. holte aus und schlug ihm die Faust auf die Nase.

Dereks Kopf flog nach hinten, und er taumelte ein paar Schritte rückwärts.

Er griff sich an die Nase. Als er Blut an den Fingern entdeckte, kam er drohend auf sie zu. Sie ließ sich von dem Arschloch aber nicht einschüchtern und wich keinen Millimeter zurück.

»Was soll der Scheiß?«, schrie er sie an.

»Das hätte ich schon vor langer Zeit tun sollen«, antwortete sie. »Jetzt hör mir mal gut zu, du Schlappschwanz. Du und deine beiden laschen Kumpels, ihr geht mir komplett am Arsch vorbei. Tut uns allen den Gefallen, und verpisst euch.«

»Einmal Schlampe, immer Schlampe, was, P. J.?«, höhnte Mike.

»Glaub, was du willst, Mike«, erwiderte sie. »Ich bin mit gutem Gewissen ausgestiegen. Kannst du von dir das Gleiche behaupten?«

Mike lief rot an und schnaubte vor Wut. Er wollte auf sie losgehen, aber Jimmy hielt ihn zurück.

»Was soll das, Alter? Willst du in aller Öffentlichkeit mit einer Frau eine Schlägerei anfangen?«

»Meinetwegen gern«, sagte P. J. genüsslich. »Ich kann es kaum erwarten, dich auf die Bretter zu schicken.«

»Was ist bloß aus dir geworden, P. J.?«, mischte sich Derek ein. »Früher warst du nicht so gefühllos.«

»Entschuldige bitte, wenn ich mich nicht überschlage, um mich von dir in den Arsch ficken zu lassen. Das ist ja deine Spezialität. Ich war nicht korrupt, im Gegensatz zu dir und deinen Kumpels. Ihr wolltet, dass ich beide Augen zudrücke, und als ich das nicht gemacht habe, habt ihr mich im Regen stehen lassen. Ihr könnt mich mal. Und jetzt haut endlich ab.«

Sie war so auf ihre früheren Kollegen fixiert, dass sie den Neuankömmling erst bemerkte, als der einen Arm um ihre Taille legte und sie an sich zog.

»Tut mir leid, dass ich zu spät bin, Liebling«, sagte Cole. »Wer sind denn deine kleinen Freunde hier?«

Sie erstarrte, wie unter Schock. Nur ihr Mund schien noch zu funktionieren, denn er klappte plötzlich nach unten. Cole überspielte ihre Verwunderung, indem er rasch seine Lippen auf ihre drückte und sie intensiv küsste.

P. J. war so entgeistert, dass sie wehrlos hinnahm, wie seine Zunge ihren Mund schändete.

Was für ein blöder Ausdruck. Das Wort kam oft in ihren altmodischen Liebesromanen vor, und als Teenager hatte sie bei der Vorstellung, geschändet zu werden, kichern müssen. Aber so gründlich, wie Cole gerade ihren Mund erkundete, schien das der passende Ausdruck zu sein.

Als Cole sich schließlich zurückzog, funkelte eine gewisse Belustigung in seinen blauen Augen. Seine Haare waren etwas länger als gewöhnlich, sodass sie oben am Kopf leicht hochstanden. Zweifelsohne war da mit Gel etwas nachgeholfen worden. Damit würde sie Cole später noch aufziehen, beschloss P. J. Gleich nachdem sie herausgefunden hatte, was er hier wollte, wo er doch eigentlich ein gutes Stück entfernt in Tennessee sein sollte.

Dann trat er einen Schritt zurück, und als sie ihn von oben bis unten betrachten konnte, hätte sie beinahe laut losgelacht. Cole trug immer noch seinen Tarnanzug, ein schwarzes T-Shirt und Kampfstiefel. Er sah aus, als käme er direkt von einem Einsatz – was wohl auch stimmte, da Cole sich nicht in Tennessee, sondern hier befand.

Sie musste zugeben, dass er ultracool aussah. Neben ihm wirkte sie wie ein Zwerg, und er überragte auch Derek, den größten des Trios, um gut fünf Zentimeter. Und unter dem engen T-Shirt traten eindrucksvoll seine Muskeln hervor.

Besser hätte sie das gar nicht planen können, das Timing war perfekt.

»Cole, darf ich vorstellen: Arschloch eins, zwei und drei.«

Cole runzelte die Stirn. »Gibt es ein Problem, Jungs? So von Weitem sah euer Auftreten nämlich nicht sehr freundlich aus. Ich hatte vielmehr den Eindruck, ihr wolltet einer Frau, die noch dazu sehr viel kleiner ist als ihr, Angst einjagen.«

»Scheiß drauf«, knurrte Derek. »Viel Vergnügen mit der Eiskönigin. Mir ist fast der Schwanz abgefroren.«

»Was für ein Schwanz?«, spottete P. J. und verschränkte die Arme vor der Brust.

Cole hatte immer noch den Arm um sie gelegt, und er schien nicht geneigt, daran so bald etwas zu ändern.

»Leck mich«, schimpfte Derek. »Na los, hauen wir ab. Mir ist schon ganz übel. Mein Magen hält es in der Nähe von dieser widerlichen Verräterin nicht länger aus.«

Die drei Männer marschierten in Richtung Tür, und P. J. atmete erleichtert auf. Das hätte böse enden können, und mit Sicherheitspersonal war es in dieser Kneipe nicht weit her. Der einzige Rauswerfer bekam schon eine Glatze, war nicht mehr der Jüngste und hatte einen derartigen Bierbauch, dass er sich nur schwerfällig und tollpatschig bewegen konnte. Bei einer Auseinandersetzung wäre er keine große Hilfe gewesen.

»Du kannst mich jetzt loslassen«, sagte sie leise.

Cole ließ den Arm sinken, zog einen Stuhl heran, fläzte sich darauf und winkte gleichzeitig der Bedienung.

Die Kellnerin verschwendete keine Zeit, kam sofort angelaufen und schenkte ihm ihr süßestes Lächeln. Dabei postierte sie sich so nahe wie möglich neben Cole und gewährte ihm vollen Einblick in ihren Ausschnitt.

»Bring mir irgendwas vom Fass, Süße«, sagte er zwinkernd.

Als die Bedienung bei dieser plumpen Anmache errötete, verdrehte P. J. bloß die Augen. Cole war zweifelsohne ein schöner Anblick. Dunkelblondes Haar, dazu neuerdings ein leichter Bartansatz, der ihm verdammt gut stand, wie P. J. zugeben musste. Blaue Augen, die in einem Moment brandgefährlich und im nächsten völlig unbekümmert schauen konnten.

Er sah blendend aus, was sie ihm allerdings nie ins Gesicht gesagt hätte. Schließlich wollte sie, dass er auf dem Boden blieb. Es wäre nicht gut, wenn er ein noch größeres Ego entwickeln würde. Immerhin musste sie mit ihm zusammenarbeiten.

»Was zum Henker willst du hier, Cole?«, schnauzte sie ihn daher an, als die Kellnerin wieder weg war. »Du wohnst hier ja nicht gerade um die Ecke.«

Er zuckte die Achseln. »Darf man nicht mal reinschauen und einem Teammitglied guten Tag sagen?«

P. J. kniff die Augen zusammen. »Klar. Wie wäre es mit Dolphin, Baker oder Renshaw, nicht zu vergessen Steele? Der ist bestimmt ganz scharf auf Gesellschaft.«

»Vielleicht bist du ja was Besonderes.« Cole grinste sie an.

»Ich Glückliche!«, grummelte P. J.

Aber da Cole seinen ganzen Charme auffuhr, hatte sie Probleme, die Schmetterlinge in ihrem Bauch zu beruhigen. Du liebe Güte, sie benahm sich wie ein kleines Mädchen.

Die Kellnerin brachte das Bier. Cole setzte das Glas an und trank einen großen Schluck, ehe er es wieder auf dem Tisch absetzte. Hinter ihm stimmte die Band das nächste ohrenbetäubende Stück an, was Cole zusammenzucken ließ.

»Meine Fresse, Rutherford. Ich habe gedacht, du hättest einen besseren Geschmack. Was tust du überhaupt in diesem Drecksloch? Solltest du nicht lieber bei dir zu Hause sein und dir ein wenig Ruhe gönnen? Wie lange hast du keinen Schlaf mehr gekriegt? Drei Tage?«

Sie warf ihm einen bösen Blick zu. »Das Gleiche könnte ich dich fragen. Zumindest bin ich nur ein paar Querstraßen von meinem Bett entfernt. Soweit ich weiß, wohnst du immer noch in Tennessee. Von Denver aus ist das eine hübsche Strecke.«

»Vielleicht mag ich deine Gesellschaft.«

P. J. schnaubte.

Eine Weile tranken die beiden schweigend ihr Bier, begleitet vom Dröhnen der Musik und immer dichter werdenden Rauchschwaden. Plötzlich riss Cole die Augen auf. In einer Ecke der Kneipe waren zwei junge Frauen auf eine Stufe gesprungen und legten nun einen langsamen Striptease hin.

»Rutherford, stehst du auf Frauen?«

P. J. verschluckte sich an ihrem Bier, zog die Beine vom Tisch und ließ sie lautstark auf den Boden knallen. Dann schob sie den Hut in den Nacken, damit sie dem Idioten direkt ins Gesicht schauen konnte.

»Was ist das denn für eine blöde Frage?«

Er starrte sie an. »Du sitzt in einem Striplokal. Was soll ich sonst davon halten?«

»Blödmann.«

Er schaute sie an, als habe sie ihn schwer gekränkt. »Na los, P. J., hilf mir auf die Sprünge. Sag mir, dass Männer eine Chance bei dir haben. Oder verpack die schlechte Nachricht in Watte.«

»Du versaust mir meine Auszeit.«

»Na, wenn das deine Auszeit ist, dann lass sie uns wenigstens richtig nutzen. Hast du Lust auf ein paar Kurze? Oder hast du Angst, ich könnte dich unter den Tisch trinken?«

Ihre Brauen schossen hoch. »Du willst mich doch nicht ernsthaft herausfordern?«

Er lächelte sie selbstgefällig an. »Ich glaube doch. Die erste Runde geht auf mich.«

»Die gehen alle auf dich, da es ja deine Idee war.«

»Okay, aber mehr als drei schaffst du ohnehin nicht.«

»Bla, bla, bla. Nichts als Worte. Ich will endlich Taten sehen.«

Cole winkte erneut, und die Bedienung kam prompt angerauscht.

»Könntest du uns ein paar Schnäpse bringen?« Er schaute zu P. J. »Spricht was gegen Tequila?«

»Nur gegen schlechten Tequila. Lass dich ja nicht lumpen, Cole. Bestell den guten.«

»Du hast die Dame gehört«, sagte er zur Kellnerin. »Bring uns von dem besten Tequila, den ihr habt.«

Die Kellnerin schaute skeptisch, nickte dann aber und ging zum Tresen.

P. J. musterte Cole unauffällig. Trotz ihres anfänglichen Ärgers faszinierte er sie. Was wollte er hier? Ganz klar, er flirtete mit ihr, und das Seltsamste war: Es machte sie an.

Ein Mann wie Cole brauchte nicht lange zu suchen, um eine willige Gespielin zu finden. Wegen Sex war er bestimmt nicht bis nach Denver gefahren.

»Und was waren das jetzt für Clowns, die dir vorhin auf die Pelle gerückt sind?«, durchbrach er das Schweigen.

Sie zog eine Grimasse. »Bekannte von früher. Ist lange her.«

»Offenbar springen die nicht so auf deinen Charme an wie ich.«

Sie verschluckte sich und wäre vor Lachen fast erstickt. Es war genau diese Vertrautheit und die gegenseitigen Sticheleien, die sie vermisste, wenn sie nicht mit ihrem Team unterwegs war. So war es auch beim SWAT-Team gewesen, bis Derek alles vermasselt hatte. Damals war P. J. überzeugt gewesen, sie würde nie einen besseren Job finden. Sie hatte in dem Hochgefühl geschwelgt, so eine Position ergattert zu haben – und noch dazu einen tollen Typen wie Derek. Tja, wie man sich irren konnte.

Erst als sie zu KGI gekommen war, hatte sie erfahren, was Loyalität dem Team gegenüber wirklich bedeutete. Ihre jetzigen Kollegen und Vorgesetzten waren allesamt schwer in Ordnung. Trotzdem ließ P. J. niemand an sich heran. Sie hielt Abstand. Besonders zu Cole. Nach der Sache mit Derek hatte sie sich geschworen, nie wieder mit jemandem etwas anzufangen, mit dem sie zusammenarbeitete.

Die Bedienung kam mit einem großen Tablett an ihren Tisch, auf dem sie zehn Schnäpse balancierte. Sie stellte es ab, nahm Coles Kreditkarte an sich und lächelte herausfordernd, als wollte sie sagen: Na, dann mal los.

Cole reichte P. J. ein Glas, nahm eins für sich und hielt es hoch.

»Auf eine weitere erfolgreiche Mission.«

Darauf konnte sie trinken. Sie stießen an und kippten den Alkohol hinunter.

Als der Schnaps in ihrem Rachen brannte, hätte P. J. fast zu husten angefangen. Es war schon eine Weile her, dass sie etwas Stärkeres als Bier getrunken hatte. Nachdem sie bei SWAT ausgestiegen war und die unerfreulichen Folgen ausgestanden hatte, hatte sie dem harten Zeug abgeschworen.

Sie knallte das leere Glas auf den Tisch und schaute Cole herausfordernd an. Er grinste bloß und nahm den nächsten Tequila. Also griff auch P. J. nach dem nächsten Glas, allerdings ließen sie es nun etwas langsamer angehen.

Die Musik wurde immer lauter und der Rauch immer dichter. Ihr tränten die Augen, ob vom Schnaps oder von dem Qualm, war ihr nicht ganz klar. In einem hatte Cole jedenfalls recht: Dies war ein beschissener Ort, um ihren ersten freien Abend zu verbringen.

»Trinken wir unsere fünf Schnäpse, und dann gehen wir zu mir. Was hältst du davon?«, sagte sie rasch, ehe sie ihre Meinung ändern konnte.

Sie wunderte sich selbst über ihren Vorschlag, da sie ihren guten Vorsatz bislang strikt eingehalten hatte. Lag es am Alkohol oder am völlig missratenen Abend? Egal, ein Fehler war es so und so. Aber im Moment wusste sie nur eins: Sie wollte auf keinen Fall allein sein.

Als Cole die Stirn runzelte, spürte P. J., wie eine Panikwelle sie überrollte. Mist! Sie hatte sein Verhalten falsch gedeutet, und jetzt machte sie sich komplett zum Narren. Gerade wollte sie die Einladung möglichst lässig zurücknehmen, als Cole den Mund öffnete.

»Wenn wir noch zu dir wollen, sollte einer von uns oder wir beide jetzt zu trinken aufhören. Ich besorge uns eine Flasche, und wir machen bei dir weiter. Was meinst du?«

Der unglaublich erleichterte Seufzer, der aus ihrer Brust aufstieg, überraschte sie selbst. Eilig schob P. J. den Stuhl zurück und stand auf.

»Hol die Flasche. Wir treffen uns am Parkplatz. Ich fahre voraus.«

Cole ging zum Tresen, winkte den Barkeeper herbei und verließ die Kneipe kurz darauf mit einer Flasche Tequila und zwei Schnapsgläsern.

Damit schlenderte er zum Parkplatz, nicht ohne sich zu fragen, ob P. J. tatsächlich auf ihn warten würde oder ob sie vielleicht doch das Weite gesucht hatte.

Sie war eine harte Nuss. Es war schwer, ihr irgendwie nahe zu kommen. Sie erzählte nichts über ihr Privatleben. Obwohl sie beide schon einige Zeit zusammenarbeiteten, wusste er kaum etwas über diese Frau. Wenn sie sich auf Mission befanden, war P. J. ausschließlich auf ihren Auftrag konzentriert, und kaum war die Arbeit erledigt, machte sie sich aus dem Staub. Gemütliches Beisammensein oder lockeres Geplauder waren Fremdwörter für sie.

Dass sie in eine derartige Kneipe ging, war eine ziemliche Überraschung gewesen. Bisher hatte er immer gedacht, P. J. würde Menschenmengen hassen und sich nie freiwillig in so eine überfüllte Spelunke begeben. Aber dank des GPS-Senders wusste er jetzt, dass er sich geirrt hatte.

Er hatte ihr das Teil in den Rucksack geschmuggelt, bevor sie Tennessee verlassen hatte. Was nicht ganz die feine Art war. Trotzdem verspürte er keinerlei Gewissensbisse. Zumal ihn der Chip heute zum Parkplatz vor der Kneipe geführt hatte. Die Frage war jetzt nur, wie der Abend weitergehen würde.

Als er den Parkplatz erreichte, bemerkte er, dass P. J. tatsächlich auf ihn gewartet hatte. Sie lehnte an ihrem Jeep und betrachtete ihn kühl. Was sie dachte, war unmöglich zu erraten.

Er hob die Flasche hoch und grinste sie an.

Sie deutete ein Lächeln an und zeigte mit dem Daumen über die Schulter. »Fahr mir nach, aber lass dich nicht abhängen.«

Freches Weibsstück. Alles musste sie zu einer Herausforderung oder einer Mutprobe machen. Ihm war das allerdings recht. Wenn etwas einfach war, war es der Mühe nicht wert.

Er stieg in seinen Pick-up und fuhr schnell auf den Highway, um sie nicht zu verlieren. Nach einer Meile bog sie rechts ab und hielt vor einem Apartmentkomplex, der vom Stil her an die Siebzigerjahre erinnerte. Die Anlage war gepflegt und ruhig, Cole gefiel allerdings nicht, wie finster es hier war. Außerdem gab es keinerlei Sicherheitsmaßnahmen.

Wie zum Teufel konnte eine Frau, bei deren Arbeit sich alles um Sicherheit und Schutz drehte, in so etwas wohnen?

Er stellte den Wagen neben ihrem ab und stieg aus. P. J. wartete bereits auf dem Bürgersteig, und bevor er noch bei ihr war, machte sie schon kehrt und ging auf ihre Haustür zu.

Während er ihr folgte, kontrollierte er die Umgebung. Als P. J. die Tür öffnete, konnte er seine Skepsis kaum noch verbergen. Die dünne Holzplatte würde nicht einen Tritt aushalten. Er trat in die Wohnung und wartete, bis P. J. die Tür geschlossen und gesichert hatte. Nicht, dass dies irgendjemand ernsthaft aufgehalten hätte.

Als sie sich zu ihm drehte und seine Hände betrachtete, runzelte sie die Stirn.

»Du hast den Tequila vergessen.«

»Ich habe gar nichts vergessen.«

Und bevor sie reagieren konnte, drückte er sie schon gegen die Tür und tat, was er sich sehnlichst wünschte, seit er diese Frau zum ersten Mal gesehen hatte.

Er küsste sie.

Vorhin war das nur Show gewesen, als er diese Arschlöcher nerven wollte, die P. J. belästigt hatten. Aber jetzt war es echt. Und so schnell würde er auch nicht mehr aufhören, sie zu küssen.

2

Zum zweiten Mal an diesem Abend war P. J. völlig verwirrt und unfähig, vernünftig zu denken. Verdammt, dieser Kerl küsste unglaublich gut.

Sie mochte Männer nicht, die zögerlich und unsicher waren, aber Cole war nichts von beidem. Starke und selbstbewusste Typen waren etwas Herrliches, allerdings durften sie keine arroganten Arschlöcher sein.

Cole war die perfekte Mischung. Zielstrebig. Zärtlich. Er schien sich seiner Sache vollkommen sicher zu sein.

Sie ließ die Finger über seine Brust gleiten und genoss das Spiel seiner harten Muskeln. Er hatte in so manchem ihrer erotischen Träume eine Rolle gespielt, und jetzt stand er leibhaftig in ihrer Wohnung, den Mund auf ihren gepresst, als wären sie dauerhaft aneinandergeschweißt.

Seine Zunge war weich wie Samt und strich genüsslich über ihre. Sie schmeckte den Tequila, den sie beide getrunken hatten, aber auch sein kräftiges, männliches Aroma.

Sie ließ die Hände weiter nach unten gleiten und zupfte ungeduldig an seinem T-Shirt, um es aus seiner Hose zu befreien. Als sie die Handflächen auf seinen nackten Bauch legte, schnappte er nach Luft und löste sich von ihr.

»Bett oder Sofa?«, fragte sie mit rauer Stimme.

Er starrte mit hungrigem Blick auf sie hinunter. »Kommt drauf an. Wie groß ist dein Bett?«

»Doppelbett.«

»Perfekt.«

Wieder küsste er sie und schob sie dabei weiter ins Wohnzimmer. Sie zerrte an seinem T-Shirt und er an ihrem.

»Hast du Kondome dabei?«, fragte sie.

»Hältst du mich für ein Arschloch, wenn ich jetzt Ja sage?«

Unwillkürlich musste sie lachen. Also hatte er tatsächlich vorgehabt, sie ins Bett zu bekommen. »Müsst ihr Militärjungs nicht immer auf alles vorbereitet sein? Man weiß ja nie, wann die Welt untergeht und man zum letzten Mal Sex haben kann.«

»Das ist doch mal eine Idee! Wir machen Sex, als würde morgen die Welt untergehen.«

Sie zog ihn zu einem leidenschaftlichen Kuss, der ihn alles andere vergessen ließ, zu sich herunter. »Du redest zu viel.«

Ihre Finger kämpften mit dem Reißverschluss seiner Hose, während er ihr T-Shirt packte. Sie ließ den Reißverschluss kurz los, damit Cole es ihr über den Kopf ziehen konnte, dann nestelte sie ihn auf, während Cole den an ihrer Hose öffnete.

»Schlafzimmer«, sagte er schwer atmend. »Und zieh auf dem Weg dahin die Jeans aus.«

Nur mit BH und offener Jeans bekleidet, zeigte sie ihm den Weg zum Schlafzimmer, während sie nebenbei ihre Hose herunterstreifte.

Kaum waren sie im Schlafzimmer, hörte sie einen Stiefel zu Boden fallen. Als sie sich umdrehte, sah sie Cole auf einem Bein hüpfen, während er sich mühte, den anderen Stiefel auszuziehen. Eine Spur aus Kleidungsstücken führte vom Wohnzimmer zum Schlafzimmer, und als Letztes kam jetzt seine Hose dazu.

»Mach das Licht an«, sagte er.

»Ich habe es gern dunkel.«

»Verdammt, nein, ich will nichts verpassen. Weißt du, wie lange ich mir schon ausmale, dich nackt zu sehen? Jetzt das Licht auszumachen wäre ja, als würde man einem Sterbenden den letzten Wunsch verwehren.«

P. J. lächelte und tastete nach dem Schalter. Als das Licht anging, sah sie Cole splitternackt vor sich stehen. Sie schnappte nach Luft und hielt dann den Atem so lange an, bis ihr leicht schwindelig war.

Heiliges Kanonenrohr. Der Mann war umwerfend. Breite Schultern, muskelbepackte Bizepse, ein flacher, durchtrainierter Bauch und – oh, oh – war er an den richtigen Stellen gut bestückt!

»Himmel, P. J., hör auf, mich so anzustarren! Ich kriege noch Komplexe.«

Nur mühsam gelang es ihr, den Blick nach oben zu lenken und Cole in die Augen zu schauen. Sie konnte einfach nicht widerstehen. Sie trat auf ihn zu, presste die Hände gegen seine nackte Brust und strich genüsslich über den leichten Haarwuchs. Dann ließ sie die Finger nach unten gleiten, bis sie seine Eichel berührten.

Mit den Fingerspitzen fuhr sie über Coles Erektion, die unter ihrer Berührung größer wurde. Oh ja, dieser Mann würde sie befriedigen, daran bestand kein Zweifel.

»Ein Mann, der so gut aussieht wie du, muss wirklich keine Komplexe entwickeln«, murmelte sie.

Geschmeichelt lächelte er sie an, und dann nahm er sie zu ihrer Überraschung in die Arme und hob sie hoch. Er trug sie zum Bett, legte sie auf die Matratze, zog ihr die Jeans aus und warf sie über seine Schulter.

»Dass du solche Unterwäsche trägst, hätte ich nie geglaubt«, sagte er atemlos.

Sie sah ihn stirnrunzelnd an. »Was willst du damit sagen?«

»Die pure Sünde. Schwarz. Spitzen. Mädchenhaft.«

Das Letzte klang fast wie eine Anschuldigung.

»Die trage ich auf allen Missionen. Nicht, dass ich abergläubisch bin, aber solange es funktioniert, werde ich nichts daran ändern. Ich betrachte meine Unterwäsche als Glücksbringer.«

Sie grinste. Jetzt würde Cole nie wieder mit ihr auf eine Mission gehen können, ohne daran denken zu müssen, was sie unter ihrem Kampfanzug trug.

Er beugte sich herab, und sofort lag sie ganz still und hielt vor Spannung den Atem an. Was würde er tun? Wann würde er sie berühren? Wie würde er es tun?

Er ließ die Hände über ihre Beine gleiten und legte sie besitzergreifend auf ihre Hüften. Dann beugte er sich noch weiter herab und presste den Mund auf ihren Nabel.

Sofort hatte P. J. am ganzen Körper eine Gänsehaut. Seine Bartstoppeln kratzten leicht über ihre Haut und ließen sie erzittern.

Nur eine einfache Berührung, und dennoch war plötzlich jeder einzelne Nerv ihres Körpers in höchster Alarmbereitschaft.

Cole hakte die Finger unter den Saum ihres Slips, zog ihn hinunter, streifte ihn ihr über die Füße und warf ihn in die gleiche Richtung wie die Jeans.

»Keine Bräunungsstreifen«, murmelte er. »Oh, was das für Vorstellungen wachruft! Verdammt, ich wüsste gern, wo du nackt in der Sonne liegst. Ich glaube, da muss ich Mitglied werden.«

Er spreizte ihre Beine und senkte den Kopf. Zärtlich knabberte er an der Innenseite ihrer Schenkel herum, was sie bis in ihre Wirbelsäule hinauf spüren konnte.

Mit Daumen und Zeigefinger schob er ihre Schamlippen auseinander. Sein heißer Atem blies über ihre empfindsame Haut, und als seine Zunge ihre Klitoris berührte, schloss P. J. die Augen.

Es war wie ein elektrischer Schlag.

Ihre Beine zuckten, und ihre Nerven vibrierten von Kopf bis Fuß. Der Mann war ein Experte in Oralsex. Er ließ sich Zeit und wusste genau, wie viel Druck sie wo brauchte.

Cole liebkoste sanft ihre Klitoris, fuhr zwischendrin aber auch immer wieder kräftiger mit der Zunge darüber. Die zarteren Berührungen trieben P. J. schier in den Wahnsinn. Sie war kurz davor, die Beherrschung zu verlieren. Nur noch ein bisschen mehr …

Cole hob den Kopf, und ihr Atem, den sie angehalten hatte, entwich in einem tiefen Seufzer. Hätte er sie noch einmal mit diesem herrlichen Mund berührt, wäre sie abgegangen wie eine Rakete.

»Kannst du deinen BH ausziehen, oder soll ich dir helfen?«

Sie griff nach dem Verschluss, der auf der Vorderseite saß, und öffnete ihn. Dann setzte sie sich so weit auf, dass sie den BH ausziehen und zu den anderen Sachen auf den Boden werfen konnte.

Cole schwang sich über sie, glitt zwischen ihre Beine und ließ sich so weit auf sie herabsinken, dass ihre Nasen nur noch wenige Zentimeter voneinander entfernt waren. Seine Körperwärme hätte sie beinahe in Flammen aufgehen lassen.

»Verdammt, hast du einen tollen Körper, P. J. Ich könnte dich stundenlang anschauen.«

»Lieber wäre es mir, du würdest mich berühren«, erwiderte sie ungeduldig.

Er grinste, dann küsste er sie, dass ihr Hören und Sehen verging. Ihre Zungen schlangen sich umeinander, und sie erwiderte seinen Kuss mit der gleichen Leidenschaft. Noch nie hatte sie es beim Sex so eilig gehabt. Sie konnte es kaum erwarten, ihn in sich zu spüren.

»Ich habe vor, dich sehr ausgiebig zu berühren«, flüsterte er, sobald er den Mund von ihrem gelöst hatte.

Langsam küsste er sich zu ihrer Brust hinunter. Ihre Brüste waren klein, aber das schien ihm nichts auszumachen. Er nahm eine der beiden in die Hand und streichelte sie, bis die Brustwarze hart wurde und sich aufrichtete.

Schließlich nahm er sie in den Mund und umkreiste sie mit der Zunge. P. J. stieß einen tiefen Seufzer der Genugtuung aus. Dieser Mann schien alle ihre erotischen Zonen zu kennen. Er wusste, wie er ihr Lust bereiten konnte. Hätte sie ihm eine schriftliche Anleitung gegeben, hätte er es auch nicht besser machen können.

»Gefällt dir das?«

»Hmmm. Hmmm.«

Er saugte ihre Brustwarze ein und presste sie rhythmisch zusammen, bis P. J. sich unter ihm zu winden begann.

Seine Hände waren überall. Er streichelte und liebkoste ihren Körper, als würde er etwas außerordentlich Schönem huldigen. Sie war von seinem Körper nicht weniger begeistert. Begierig streichelte sie alle Stellen, an die sie herankam, ließ die Finger über die Konturen seines Körpers gleiten, über die harten Muskeln und über die behaarte Brust, die so ganz anders war als ihre.

Wann war sie zuletzt beim Sex dermaßen im siebten Himmel geschwebt? Vielleicht hatten Cole und sie die Stimmung zwischen ihnen auch nur zu lange aufgeheizt. Vielleicht hätten sie schon längst Dampf ablassen sollen.

Vielleicht konnten sie jetzt endlich aufhören, sich die ganze Zeit gegenseitig in den Wahnsinn zu treiben. Oder aber dies hier würde die Sache nur noch schlimmer machen.

Wie auch immer – P. J. weigerte sich, über die Zukunft nachzudenken, jetzt wo sie Cole mit jeder Faser begehrte. Es war dumm und unverantwortlich, dass sie dem steigenden Verlangen nachgegeben hatten, aber an diesem Punkt gab es kein Zurück mehr. Mit dem, was hinterher geschah, mussten sie wie Erwachsene umgehen. Auf keinen Fall durfte es ihren Job beeinflussen.

»Ich weiß nicht, ob ich bei diesem ersten Mal warten kann«, sagte er heiser. »Ich muss dich haben, P. J. Ich bin schon halb tot.«

Sie lächelte, zog ihn nach oben und küsste ihn atemlos. »Was brauchst du, eine gedruckte Einladung? Nimm mich, Coletrane. Vorspiel ist nett, wird aber häufig überschätzt. Lass uns zum Wesentlichen kommen.«

»Ich liebe es, wenn eine Frau weiß, was sie will.«

Er rollte sich gerade so lange von ihr herunter, bis er sich ein Kondom übergezogen hatte, und schon war er wieder über ihr und brachte sich in Position.

»Willst du oben oder unten liegen?«, fragte er.

Sie griff nach seinem Schwanz und führte ihn an ihren Eingang. »Beides, aber im Moment gefällt es mir, wie es ist.«

»Oh, verdammt, mir auch«, stöhnte er.

»Dann los, Cole«, sagte sie. »Und ich mag es hart und fest.«

Die Muskeln in seinen Armen traten hervor und zuckten. Er biss die Zähne zusammen, während er in sie hineinstieß.

Als er ganz in ihr drinsteckte, stöhnten sie beide auf. Mehrere Sekunden lang blieb er einfach, wo er war, mit geschlossenen Augen, als versuche er mühsam, die Kontrolle über seinen Körper zu behalten.

P. J. ließ die Hände seinen Rücken hinunter zu seinem Hintern wandern und schlang die Beine um ihn, sodass er in ihr gefangen war. Dann hob sie den Kopf und stürzte sich hungrig auf seinen Mund.

Er gab einen Knurrlaut von sich, zog sich zurück und stieß zu.

»Ja«, flüsterte sie. »Genau so. Bitte, Cole.«

Es war nicht nötig, ihn anzufeuern. Er stieß immer härter und fester in sie hinein, bis schließlich das ganze Bett bebte.

Ihre Münder und ihre Körper waren wie miteinander verschweißt. Es fühlte sich so richtig an, dass P. J. völlig überwältigt war.

Cole nahm sie in die Arme, grub sich tief in sie hinein, rollte sich auf den Rücken und zog sie mit sich.

»Das ist die Fantasie, die mich in vielen Nächten nicht losgelassen hat«, sagte er und starrte zu ihr hinauf. »Du, wie du auf mir sitzt und mich vernaschst. Jetzt bist du dran, P. J. Jetzt vögelst du mich.«

Sie beugte sich vor, damit er an ihre Brüste herankam. Er ließ die Brustwarzen zwischen seinen Fingern hin und her gleiten und massierte sie sanft.

Sie hob den Hintern ein wenig an, dann senkte sie ihn ruckartig und nahm Cole tief in sich auf. Ihre Knie gruben sich in die Matratze, mit den Händen stützte sie sich auf Coles breiten Schultern ab, die Finger in seiner Haut vergraben.

Sie wechselte immer wieder den Rhythmus, wurde mal langsamer und dann wieder schneller. Wenn P. J. spürte, dass er anschwoll und bald kommen würde, verlangsamte sie den Rhythmus wieder. Sie wollte nicht, dass es schon so schnell vorbei war.

Sie beugte sich hinunter, leckte über seine Brust und entlockte ihm damit einen weiteren erstickten Laut. Dann knabberte sie an ihm und biss ihn und verpasste ihm ein paar Knutschflecken. Ihr gefiel die Vorstellung, dass er hinterher sehen konnte, wo sie seine Haut bearbeitet hatte. Es würde ihn daran erinnern, dass sie ihn in dieser Nacht genauso besessen hatte wie er sie.

Er packte ihre Hüften und grub die Finger so fest hinein, dass sie die Abdrücke vermutlich noch tagelang auf ihrer Haut sehen würde. Offensichtlich wollte er die Führung übernehmen, indem er P. J. an Ort und Stelle hielt und noch tiefer in sie hineinstieß.

Sie stand kurz vor dem Orgasmus, als er sie wieder herumrollte. Aber diesmal drehte er sie mit rauen, ungeduldigen Händen so, dass sie mit dem Gesicht nach unten zu liegen kam.

Er spreizte ihre Beine, hob ihre Hüften gerade so weit an, dass der Winkel stimmte, und drang dann von hinten in sie ein.

Es war, als könnte er nicht genug von ihr bekommen und sie nicht von ihm. Ihrer beider Atem ging stoßweise, und ihre Körper klatschten laut gegeneinander.

Fester und fester stieß Cole in sie, bis P. J. nur noch seinen Namen schrie. Ihr Orgasmus war keiner von der sanften, harmlosen Sorte. Es war mehr wie eine explodierende Granate. So etwas hatte sie noch nie erlebt, und sie hätte es nicht aufhalten können, selbst wenn sie es gewollt hätte.

Die Intensität war beängstigend. Noch nie hatte sie sich so gehen lassen. Noch nie hatte sie jemandem so viel Macht über sich eingeräumt. Es hätte ihr Angst machen müssen, aber sie vertraute Cole. Bei ihm konnte sie ganz sie selbst sein. Bei ihm konnte sie loslassen.

Durch den Nebel ihres Höhepunkts hindurch hörte sie Coles heiseren Aufschrei, dann ließ er sich auf sie hinuntersinken und begrub sie unter sich. Noch immer steckte er tief in ihr, während sie dalagen und beide verzweifelt nach Luft schnappten.

Dann küsste er ihre Schulter. Es war ein sanfter, liebevoller Kuss, bei dem ihr ganz warm ums Herz wurde.

Er legte die Wange an ihren Rücken, und so blieben sie liegen, er auf ihr, ihre Beine verschlungen und sein Schwanz noch geschwollen und hart in ihr.

3

P. J. lag in Coles Armbeuge, ihr Kopf ruhte auf seiner Brust. Eine große Trägheit hatte sie erfasst, was ihr aber ganz recht war. Sie fühlte sich entspannt und zutiefst befriedigt.

Seine Finger strichen lässig über ihren Arm, eine Berührung, die sie als angenehm empfand.

Im Leben nicht hätte sie heute Morgen beim Aufstehen gedacht, dass sie heute Abend mit Cole atemberaubenden Sex haben und dann eng an ihn gekuschelt im Bett liegen würde. Wie ein altes Ehepaar.

Aber genau so war es gekommen.

»Wieso haben wir das nicht schon längst gemacht?«, fragte sie.

Cole zog sie näher an sich. »Tja, lag wohl kaum daran, dass ich keine Lust dazu gehabt hätte. Aber ich dachte, wenn ich so was vorschlage, reißt du mir die Eier aus.«

P. J. setzte sich auf, um ihm in die Augen zu schauen, und seine Hand rutschte ab und blieb auf ihrem Hintern liegen.

»Warum dann jetzt? Du bist doch nicht den weiten Weg nach Denver gefahren, um bloß Hallo zu sagen. Du hast das doch geplant.«

»Geplant ist vielleicht übertrieben. Ich habe es gehofft. Die ganze Zeit habe ich mich gefragt, ob meine Gefühle vielleicht nur einseitig sind. Schließlich habe ich mir gesagt, Scheiß drauf, und bin hergeflogen. Das Schlimmste, was mir passieren konnte, war, dass du mich zum Teufel jagst und dich den Rest meines Lebens über mich lustig machst.«

Sie musste lachen. »So was traust du mir zu?«

Er legte die freie Hand um ihre Brust und rieb mit dem Daumen über ihre Brustwarze. »Klar.«

Bald fing sie leise zu keuchen an, da er nicht aufhörte, an ihrer Brustwarze herumzuspielen. Ihr Nippel war hart geworden, hatte sich aufgerichtet und bettelte geradezu um seine Berührung. Ihr ganzer Körper bettelte danach. Gleichzeitig jagte P. J. diese Reaktion ein wenig Angst ein, denn dies war ein Mann, von dem sie nie genug kriegen würde.

Es war, als würde man einem Schoko-Süchtigen eine Fünf-Pfund-Tafel Schokolade vor die Nase legen und erwarten, dass der nach einem Stückchen aufhörte.

»Und was waren das jetzt für Typen in der Kneipe?«, fragte Cole.

Die Erwähnung von Derek und seinen Begleitern versetzte sie übergangslos in Wut.

»So schlimm?«

Sie schaute Cole an, der sie neugierig musterte.

»Über die will ich nicht reden.«

»Na komm, hilf mir ein bisschen auf die Sprünge, P. J. Ich weiß so gut wie nichts über dich, und ich muss zugeben, dass ich mit Frauen, die ich kaum kenne, nicht so leicht ins Bett gehe.«

Skeptisch zog sie die Stirn in Falten.

»Was? Du glaubst mir nicht? Hältst du mich etwa für so eine Art Schürzenjäger?«

Sie lächelte. »Vielleicht nicht gerade für einen Schürzenjäger, aber dass du bei den Frauen zu kurz kommst, sollte mich wundern. Im Großen und Ganzen machst du ja keine schlechte Figur.«

»Irgendwie hört sich das eher wie eine Beleidigung an.«

Seufzend setzte P. J. sich auf, rutschte neben ihn und schlug die Beine übereinander. Er blieb liegen, sodass sie nun zu ihm hinunterschaute und ihr Knie seine Seite berührte.

»Es ist kompliziert.«

»Wie fast alles.«

Auch wieder wahr.

»Das sind Exkollegen von meinem ehemaligen SWAT-Team. Und Derek … mit dem hatte ich mal was.«

»Ist das der Kerl, dem du eine geknallt hast?«

Sie zuckte zusammen. »Das hast du gesehen, hm?«

»Das war schwer zu übersehen. Ziemlich beeindruckender Schlag übrigens. Er ist viel größer als du, und trotzdem hast du ihn fast auf die Bretter geschickt.«

Sie musste grinsen. Cole hatte genau die richtigen Worte gefunden. Sie hatte ihn gern um sich. Er war ein angenehmer Gesprächspartner, auch wenn sie nur selten über Persönliches sprachen. Vielleicht war sie deshalb so vorsichtig bei der Themenwahl. Bei ihm bestand die Gefahr, dass sie hemmungslos alles ausplauderte.

»Ja, das war Derek.«

»Dann lief eure Trennung offenbar nicht allzu freundschaftlich ab.«

Sie wurde wieder ernst. »So kann man das auch sagen.«

P. J. schloss die Augen und holte tief Luft. Von den Geschehnissen damals hatte sie nie jemandem erzählt, auch wenn sie wusste, wie gern ihre jetzigen Kollegen erfahren hätten, aus welchen Gründen sie das SWAT-Team verlassen hatte.

»Derek war korrupt, und ich habe mich geweigert, beide Augen zuzudrücken. Er klaute Drogengeld und später dann auch Drogen, als wir zu Razzien hinzugerufen wurden. Er nutzte das anfängliche Chaos an den Einsatzorten, um sich mit dem Zeug die Taschen vollzustopfen, anstatt alles zu Protokoll zu geben. Wie lange das so ging, weiß ich nicht. Aber eines Nachts sah ich, wie er einen Beutel mit Marihuana und Bargeld verschwinden ließ. Als ich ihn darauf ansprach, meinte er bloß, ich sollte ja die Klappe halten und das Ganze vergessen.«

»Ein echter Ehrenmann«, sagte Cole angewidert.

»Vielleicht war ich naiv und zu idealistisch. Mir hat der Eid, den ich als Polizistin und Mitglied eines SWAT-Teams abgelegt hatte, etwas bedeutet. Es gab eine klare Trennlinie zwischen Recht und Unrecht. Alles war entweder schwarz oder weiß. Eine Grauzone existierte nicht. Trotzdem widerstrebte es mir, Derek zu verpetzen. Blöd, wie ich war, glaubte ich, ich müsste aus Liebe loyal ihm gegenüber sein.«

Cole runzelte die Stirn.

»Ja, schon klar«, fuhr sie leise fort. »Alles, was du denkst, habe ich mir schon tausendmal selbst vorgekaut. Ich war jung und dumm. Langer Rede kurzer Sinn: Ich habe ihm schließlich auf den Kopf zugesagt, wenn ich ihn noch einmal bei so etwas erwische, verpfeife ich ihn.«

»Das ist bei ihm wohl nicht sonderlich gut angekommen. War das der Grund, weshalb ihr euch getrennt habt?«

»Nein. Aber er hat es mir natürlich übel genommen. Er hat gesagt, er lasse sich nicht drohen und ich solle mich da raushalten. Ab dem Zeitpunkt kühlte sich unsere Beziehung drastisch ab, aber ich glaubte immer noch, meine Drohung würde ihn von weiteren Schweinereien abhalten. Bis heute kann ich mir nicht verzeihen, dass ich ihm überhaupt eine zweite Chance gegeben habe. Das war ein Fehler, aber damals dachte ich nicht mit dem Hirn, sondern mit dem Herzen, deshalb verstieß ich gegen alle meine Grundsätze. Dafür hasse ich mich.«

»Mannomann«, murmelte Cole. »Glaubst du nicht, dass du ein bisschen hart mit dir ins Gericht gehst?«

»Nein, im Gegenteil. Zwei Monate später halfen wir bei einer weiteren Drogenrazzia mit. Mehrere Polizisten wurden verwundet. Und Derek, dieses miese Arschloch, interessierte sich nur dafür, möglichst viel Bargeld am Tatort abzugreifen, statt seinen Kollegen zu helfen. Am nächsten Tag bin ich zu meinem Gruppenleiter gegangen und habe ihm meine Beobachtungen mitgeteilt.«

»Ach du Scheiße.«

»Kann man wohl sagen. Die interne Ermittlungsabteilung wurde eingeschaltet. Eine große Untersuchung wurde eingeleitet, die in einem einzigen Fiasko endete. Derek war schlau und hatte keinerlei Spuren hinterlassen. Es gab keine Einzahlungen auf Bankkonten. Keine größeren Ausgaben, nichts. Offenbar hatte er langfristige Pläne und das Geld irgendwo gut versteckt, um es später auszugeben. Vielleicht wollte er auch erst den Dienst quittieren und woanders hinziehen, wo es niemandem auffallen würde. Was er genau vorhatte, weiß ich nicht, aber eins war völlig klar: Er plante keine gemeinsame Zukunft mit mir.«

»Dann konnten sie keine Beweise gegen ihn finden?«

»Nein«, antwortete P. J. leise.

»Hast du deshalb dort aufgehört? Weil du mit ihm nicht mehr zusammenarbeiten konntest?«

Jetzt kam der Teil, den sie hasste und der sie auch nach all den Jahren immer noch völlig fertigmachte.

»P. J.?«

Sie schaute hoch. Am liebsten hätte sie das Gespräch an diesem Punkt beendet.

Er blickte sie durchdringend an. Ihr kam es vor, als würde Cole alle ihre Schutzschichten abschälen, bis sie sich völlig nackt und verwundbar fühlte.

»Was verschweigst du mir?«

Sie holte tief Luft und ergab sich in ihr Schicksal. »Was ich noch nicht erwähnt habe: Meine zwei besten Freunde, beziehungsweise Dereks beste Freunde, die ich auch für meine Freunde hielt, haben mich im Regen stehen lassen.«

Cole legte ihr die Hand auf das Knie und drückte es sanft.

»Was ist passiert?«

»Bis dahin hatten Derek und ich unsere Beziehung geheim gehalten. Es gab den Grundsatz, dass Mitglieder desselben Teams miteinander nichts anfangen sollten. Eine Regel, die meinetwegen aufgestellt wurde, weil ich die erste Frau bei ihnen war. Aber Derek, begleitet von Jimmy und Mike, ging zu unserem Kommandeur, erzählte ihm, wir seien ein Paar, er habe mit mir Schluss gemacht und ich hätte aus Rache die Anschuldigungen gegen ihn erhoben. Jimmy und Mike bestätigten sein Märchen und verzapften jede Menge frei erfundenen Unsinn mit dem Tenor, ich hätte gedroht, Derek zu ruinieren, wenn er mich abservierte. Den Mist haben sie dann auch noch unter die Leute gebracht. Schließlich gab es im ganzen Bezirk keinen Polizisten mehr, der mich nicht für eine eifersüchtige Verrückte hielt, die versucht hatte, einen Kollegen in die Pfanne zu hauen.«

»Was für ein Arschloch«, kommentierte Cole angeekelt.

»Ich hatte im Team und im ganzen Department keinen einzigen Freund mehr. Niemand wollte wahrhaben, dass einer aus ihren Reihen Dreck am Stecken hatte. Es war leichter, den zusammengelogenen Blödsinn zu glauben. Dazu kam, dass von Anfang an nicht alle begeistert gewesen waren, als eine Frau im SWAT-Team aufgenommen wurde. Deshalb hatte Derek auch nicht viel Mühe, mich in Verruf zu bringen.«

»Wow.« Cole konnte nur den Kopf schütteln. »Das ist vielleicht eine Scheiße.«

»Also habe ich gekündigt, aber ich hasse mich immer noch dafür, dass ich so rasch klein beigegeben habe. Ich war am Boden zerstört, weil mich die Reaktion meiner Kollegen völlig überrascht hat. Aber ich konnte nicht einfach nur danebenstehen und zuschauen, was Derek so trieb. Also habe ich getan, was ich für richtig hielt. Nur dachte ich dummerweise, die Sache wäre ganz einfach: Ich sage unserem Vorgesetzten die Wahrheit, und das Problem ist gelöst. Tja. Hinterher ist man immer schlauer. Durch diesen Vorfall habe ich gelernt, dass es manchmal am klügsten ist, sich zurückzulehnen und den Mund zu halten.«

»Schwachsinn«, schimpfte Cole.

Überrascht von seinem Ausbruch schaute P. J. hoch.

»Du hast richtig gehandelt, P. J. Lass da erst gar keine Zweifel aufkommen. Im Gegensatz zu denen hast du das Richtige getan. Der Fehler liegt bei ihnen, nicht bei dir.«

»Aber ich bin diejenige, die verloren hat«, sagte sie bitter.

»Es tut mir leid, wie das Ganze für dich ausgegangen ist. Aber es tut mir überhaupt nicht leid, dass du dort gekündigt hast, denn dadurch bist du bei uns im Team gelandet. Bei mir.«

Die Zuneigung, die in seiner Stimme anklang, erstaunte sie. Cole stützte sich auf den Ellbogen, schob sich nahe an sie heran und legte ihr die Hand an die Wange. Dann küsste er sie zärtlich und ließ sich diesmal alle Zeit der Welt.

Langsam, aber nachdrücklich drehte er sie auf den Rücken, ohne den Kuss zu unterbrechen.

Waren sie zuvor ungeduldig und übereifrig gewesen, ging er jetzt behutsam und gemächlich vor.

»Ich bin froh, dass du zu KGI gekommen bist«, sagte er schließlich. »Ohne dich kann ich mir unser Team gar nicht mehr vorstellen.«

P. J. merkte, wie er zum Nachtkästchen griff. Kurz darauf erhob er sich, nur gerade so lange, bis er sich ein Kondom übergerollt hatte, und schon glitt er mit energischem Stoß in sie.

Sie schloss die Augen, legte ihm die Arme um den Rücken und zog ihn an sich, bis ihre beiden Körper miteinander verschmolzen und keine Stelle unberührt blieb.