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Wie erziehe ich mein Kind richtig? Eine Frage, die sich alle Eltern stellen. Die Kinder sollen optimal auf die Zukunft vorbereitet werden und sich zu selbstständigen Erwachsenen entwickeln. Aber wie können Eltern sie auf diesem Weg unterstützen und welche Auswirkungen hat die Erziehung auf die Studierfähigkeit der Kinder? In diesem Buch werden unterschiedliche Erziehungsansätze vorgestellt und diskutiert. Im Fokus stehen dabei die antiautoritäre Erziehung, die autoritäre Erziehung sowie Aspekte der indianischen Erziehung. Aus dem Inhalt: Autoritäre Erziehung, Antiautoritäre Erziehung, indianische Erziehung, Erziehung im Wandel, Erziehungsziele, Erziehungsstile, Antipädagogik, Geschlechtererziehung, Einflüsse der Erziehung auf die Studierfähigkeit.
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Seitenzahl: 70
Veröffentlichungsjahr: 2013
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Impressum:
Copyright © 2013 ScienceFactory
Ein Imprint der GRIN Verlags GmbH
Druck und Bindung: Books on Demand GmbH, Norderstedt, Germany
Coverbild: http://pixabay.com
Kindererziehung – aber richtig!
Aspekte der autoritären, antiautoritären und indianischen Erziehung
Eltern zwischen autoritärer und antiautoritärer Erziehung - Kindererziehung in der modernen Gesellschaft von Melanie Bilzer 2006
Vorwort
Begriffserklärung
Erziehung im Wandel – Ursachen und Folgen
Autoritative Erziehung – eine allgemeine Definition
Schlusswort
Literaturverzeichnis
Antiautoritäre Erziehung. Erziehung, ja oder nein? Was steckt hinter dem wohl meist diskutierten Begriff unserer Gesellschaft? von Dana Melzer 2005
Einleitung
Was ist eigentlich Erziehung?
Die ‚antiautoritäre Erziehung’
Contra Erziehung: die ‚Antipädagogik’
Schlussbemerkung
Literaturverzeichnis
Indianische Erziehung. Traditionelle Aspekte der indianischen Erziehung von Kirsten Ludwig, 2007
Einleitung
Hauptteil
Schluss
Literaturverzeichnis
Beschreibung der Theorie zur besseren „Studierfähigkeit“ von Jugendlichen mit einer autoritärer Erziehung von Thomas Rachfall 2005
Abbildungsverzeichnis
Einleitung
„Studierfähigkeit“ von Jugendlichen mit eher autoritärer Erziehung
Falsifizierung/Verifizierung der folgenden Hypothesen
Fazit
Literaturverzeichnis
Die Erziehung der Kinder ist seit jeher eine schwierige Angelegenheit. Doch ist sie in der heutigen Zeit durch gesellschaftliche Einflüsse noch schwerer als jemals zuvor.
Kinder sollen sich frei entfalten können, glücklich und zufrieden sein – selbstständige, freundliche Menschen also, die sich ihrer Grenzen bewusst sind. Doch wie können Eltern dies erreichen?
Von früheren Erziehungsstilen geprägt, sind sich viele Eltern heute einig, dass ihre Kinder anders aufgezogen werden sollen, als sie selbst erzogen wurden. Doch dies setzt Eltern unter Druck bzw. führt dazu, dass sie viel mehr Fehler machen, als ihnen bewusst ist.
Liberale Erziehungsstile wie der antiautoritäre oder der partnerschaftlich-demokratische tragen dazu bei, dass Kindern keine Grenzen gesetzt werden, oder dass sie durch die Verwöhnung, die ihnen ihre Eltern zuteilwerden lassen, anderen Menschen, Tieren und auch Gegenständen zu wenig Wertschätzung entgegenbringen.
Doch dass auch der autoritäre Stil nicht der richtige sein kann, das wissen viele Eltern noch aus eigener Erfahrung.
Kinder brauchen Liebe, Wärme, Verständnis – aber ebenso auch klare Regeln und Grenzen. Demzufolge also eine Mischung aus autoritärer und antiautoritärer Erziehung.[1]
Welche Vorzüge die zwei „Extrem“-Erziehungsstile aufweisen und wie eine mögliche Alternative aussehen könnte, darauf will ich in dieser Arbeit näher eingehen.
Ich werde zunächst ganz allgemein auf die autoritäre und antiautoritäre Erziehung eingehen. Später werde ich näher erläutern, dass ein Wandel in der Kindererziehung stattgefunden hat, warum dieser stattgefunden hat und welche Folgen dieser Wandel mit sich bringen. Außerdem diskutiere ich mögliche Alternativen – die autoritativen Erziehung und ihre Erscheinungsformen.
Nach Erich Weber ist mit Autorität die Beziehung zwischen dem Autoritätsträger und dem Autoritätsempfänger gemeint. Hierbei hat der Autoritätsträger eine partielle Überlegenheit gegenüber dem Autoritätsempfänger, die von diesem auch als solche anerkannt wird. Die Anerkennung kann durch Zwang, Einsicht oder Vertrauen erfolgen.
Abb. 1: Grundmodell der Autorität
Im pädagogischen Kontext ist die Frage nach dem Ziel des Autoritätsträgers relevant. Will dieser seine Überlegenheit konservieren oder will er sie durch intentionale Lernhilfe abbauen?
Der autoritäre Erziehungsstil ist gekennzeichnet durch den Versuch des Autoritätsträgers, seine Überlegenheit zu konservieren – die Machtsicherung steht hier also im Vordergrund. Dies gelingt ihm durch hochgradig dirigistisches Verhalten. Widerstand wird durch gezieltes Einsetzen von Verständnislosigkeit, Irreversibilität und/oder Geringschätzung im Keim erstickt. Intentionale Lernhilfe wird demzufolge nicht gegeben.[2]
Bei dieser Art der Erziehung herrscht innerhalb der Familie oder der Lehrer-Schüler-Beziehung eine Hierarchie, bei der die Eltern bzw. die Lehrer die Ranghöchsten und die Kinder die Rangniedrigsten sind.
Autoritäre Eltern erziehen mit kühler Distanz und straffer Disziplin, dem Kind wird keine Entscheidungsfreiheit zugestanden.[3]
Das Problem bei diesem Erzieherverhalten ist zusätzlich, dass sich diejenigen, die autoritär erzogen wurden, nach dem sogenannten Radfahrerprinzip verhalten:
„Nach oben buckeln und nach unten treten“.
Dies führt dazu, dass sich jene Menschen z.B. im Job ihren Vorgesetzten unterwerfen, zuhause aber den autoritären Part übernehmen und ihre Kinder somit ebenfalls nach diesem Stil erziehen.
Autoritäre Erziehung reproduziert folglich autoritäres Verhalten.
Autoritäre Erziehung fand in extremer Form während des Zweiten Weltkrieges statt. Wichtige pädagogische Namen sind in diesem Kontext Ernst Krieck und Alfred Bäumler.
Bei dem antiautoritären Erziehungsgedanken wird davon ausgegangen, dass sich ein Kind ohne Erziehung am sinnvollsten entwickelt. Einflüsse von außen sollen so weit wie möglich auf ein Mindestmaß beschränkt werden.
„[...] Zentrale Erziehungsziele der antiautoritären Erziehung sind die freie Entfaltung der Persönlichkeit des Kindes, die Förderung seiner psychischen Unabhängigkeit, die Übernahme von Verantwortung für sich selbst und die Unterstützung seiner Konflikt- und Kritikfähigkeit. Dies soll dadurch geschehen, dass der Bedürfnisbefriedigung und den Erfahrungsmöglichkeiten der Kinder kaum Einschränkungen gesetzt werden, die Übermacht des Pädagogen abgebaut wird und die Kinder durch Selbstbestimmung ihre Bedürfnisse regulieren.“[4]
Bei diesem Erziehungsstil steht also die Freiheit und Entwicklungsautonomie des Kindes im Vordergrund. Grenzen und Regeln werden hier als mehr oder weniger entwicklungshemmend angesehen.[5]
Jedoch wird bei diesem Stil nicht die Autorität im Allgemeinen abgelehnt, sondern lediglich die autoritäre Erziehung, die mit dem Missbrauch von Macht einhergeht.
Erzieher und Kind sind bei der antiautoritären Erziehung gleichgestellt. Die Eltern und/oder Lehrer haben die Aufgabe, negative Einflüsse vom Kind fernzuhalten. Sie sind dazu da, dem Kind Situationen zu schaffen, in denen es spielend lernen kann und Platz für seine Phantasien hat. Was jedoch das Kind lernen soll, hat der Erzieher nicht zu bestimmen – die Entscheidungskompetenz liegt allein beim Kind.[6]
Die philosophischen Wurzeln der antiautoritären Erziehung liegen bei Jean-Jacques Rousseau. Er war Befürworter der kindlichen Selbstregulation und Verfechter des kindlichen Glückes, das er in der Freiheit des Kindes begründet sah.
„Ein schlecht unterrichtetes Kind ist von der Vernunft weiter entfernt als eines, das gar nicht unterrichtet worden ist. Ihr seid beunruhigt, wenn es seine ersten Jahre mit Nichtstun verbringt! Ist Glücklichsein denn nichts? Den ganzen Tag springen, spielen, laufen, ist das nichts? [...]“[7]
Ein erster Wandel weg von der streng-autoritären Erziehung hin zur antiautoritären Erziehung hat sich Ende der 70er Jahre vollzogen.
Nach den Wirren des Zweiten Weltkrieges wurde von den Menschen in Deutschland eine enorme Aufbauleistung erbracht, die Bundesrepublik erfuhr einen gewaltigen wirtschaftlichen Aufschwung. Dieser Aufschwung und seine Folgen erfuhren in den Anfängen der 60er Jahre eine kritische Auseinandersetzung. Laut Ansicht der Intellektuellen verhinderte die Fixierung auf den wirtschaftlichen Wohlstand eine geistige und moralische Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialistischen Gedankengut, eine Abkehrung von den autoritären Gesellschaftsstrukturen war demzufolge nicht möglich. 1968 wurde diese Kritik an der Gesellschaft von der Studentenbewegung zugespitzt und durch Demonstrationen an die breite Öffentlichkeit gebracht. Jegliche Form von Autorität wurde als fragwürdig eingestuft, dies betraf besonders die Erziehungsinstitutionen. Bisherige Erziehungskonzepte wurden abgelehnt und neue Maximen formuliert. Dies war die „Geburtsstunde“ der antiautoritären Erziehung.[8]
Diese Form der antiautoritären Erziehung jedoch war eine kurzlebige Erziehungsbewegung. Schon bald verlor der Begriff „Antiautorität“ an Bedeutung.[9] Stattdessen ist inzwischen oft die Rede von einem partnerschaftlich-demokratischen Erziehungsstil, der sich jedoch ebenfalls durch die Gleichstellung von Eltern und Kind auszeichnet.
Wie zu Anfang schon erwähnt, ist die Frage nach der richtigen Erziehung in der heutigen Zeit schwierig. Erschwerend kommt hinzu, dass Erziehung nicht mehr nur Angelegenheit der jeweiligen Familie ist, sondern zunehmend auch die der Politik und Gesellschaft. Wo es früher Sache der Eltern war, ihre Kinder nach eigenem Ermessen zu erziehen, so sprechen heute andere Familienmitglieder, Lehrer und Nachbarn mit, werden aufmerksamer und schalten bei Auffälligkeiten die zuständigen Behörden ein, dies verhindert in vielen Fällen eine stark autoritäre Erziehungseinstellung und schützt die Kinder vor Gewalt.
Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.[10]
Diese und eine Vielzahl anderer Gründe führten dazu, dass moderne Eltern genau wissen, was sie nicht wollen – nämlich ihre Kinder autoritär erziehen. Sie wollen in der Erziehung nichts falsch machen, ihren Kindern keinen Schaden zufügen – und die Konsequenz daraus ist, dass nicht mehr erzogen bzw. gerade deswegen „falsch“ erzogen wird.[11]
Zudem sorgt die steigende Zahl der Alleinerziehenden für gravierende Erziehungsfehler. Laut dem Statistischen Bundesamt gab es im Jahr 2005 in Deutschland 2,6 Millionen Alleinerziehende, das sind mehr als drei Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung. Davon waren 87 Prozent Mütter und 13 Prozent Väter.[12]
