King Charles - Lisbeth Bischoff - E-Book

King Charles E-Book

Lisbeth Bischoff

0,0
23,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

In der Geschichte Großbritanniens gibt es keinen König, der zum Zeitpunkt seiner Krönung älter war als Charles: ganze 74 Jahre. Nach seinem langen Warten auf den Thron bemerkte er gewohnt ironisch: »Für diesen Job gibt es keine Stellenbeschreibung. König sein ist mehr als Händeschütteln, Einweihen von Spitälern oder Abnehmen von Militärparaden.« Die Adelsexpertin Lisbeth Bischoff verfolgt die turbulenten Geschehnisse rund um den ewigen Nachfolger schon lange aus nächster Nähe. Nun hat sie mit viel Feingefühl ein Porträt des Königs erschaffen, das kein Detail und keinen Skandal auslässt. Vom Leben im Schatten von Queen Elizabeth über den dramatischen Tod von Diana bis zur prunkvollen Krönung. Ein umfassender und aufwühlender Einblick in das britische Königshaus.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 287

Veröffentlichungsjahr: 2026

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Lisbeth Bischoff

King Charles

Lisbeth Bischoff

King Charles

Kein Mann der zweiten Reihe

Mit 50 Abbildungen

Bleiben wir verbunden!

Besuchen Sie uns auf unserer Homepage amalthea.at

und abonnieren Sie unsere monatliche Verlagspost unter

amalthea.at/newsletter

Wenn Sie immer aktuell über unsere Autor:innen und

Neuerscheinungen informiert bleiben wollen, folgen

Sie uns auf Instagram oder Facebook unter

@amaltheaverlag

Sie möchten uns Feedback zu unseren Büchern geben?

Wir freuen uns auf Ihre Nachricht an [email protected]

Informationen zur Sicherheit unserer Produkte finden Sie hier: amalthea.at/gpsr

© 2026 by Amalthea Signum Verlag GmbH, Wien

Am Heumarkt 19, A-1030 Wien

Alle Rechte vorbehalten

Umschlagabbildung: APA-Images/REUTERS/HANNAH MCKAY

Umschlaggestaltung: Elisabeth Pirker/OFFBEAT

Herstellung und Satz: VerlagsService Dietmar Schmitz, Erding

Gesetzt aus der Sabon 11,35/15,67 pt und der SuperBlue

Designed in Austria, printed in the EU

eISBN 978-3-90344-156-9

Inhalt

»Ich kann König«

Gefangen im gläsernen Palast

Charles, der »Spinner«

Charles auf Freiersfüßen

Vom Traum zum Albtraum

Dianas Tod

Ehebruch – Zeitvertreib der britischen Aristokratie

Auf Staatsbesuch in Österreich

Die Geburt der beiden Prinzen

Prinz William … und Kate Middleton

Prinz Harry … und Meghan Markle

Nach dem »Megxit«

Die Königin ist tot – es lebe der König!

Die Krönung

Die zweite Krönung

Der Adel hat es auch nicht immer leicht

Ein »möglicher Tagesablauf« im Leben von König Charles III.

Die Leiden des späten Herrschers

Skandalöses und Unerhörtes

Die Schlösser und Paläste der Windsors

»A schene Leich!«, wie man auf gut Wienerisch sagt

Kurioses und Unbekanntes

Bildnachweis

Personenregister

Die Autorin

»Ich kann König«

In der Geschichte Großbritanniens gibt es keinen König, der zum Zeitpunkt seiner Krönung älter war als Charles: nämlich 74 Jahre.

Doch schon vor dem 6. Mai 2023, als er selbst gekrönt wird, war Charles bei einer Krönung dabei: Der damals Vierjährige bekommt eine eigene handgemalte Einladung zur Krönung seiner Mutter, Königin Elizabeth II., am 2. Juni 1953. Zur Feier des Tages darf Prinz Charles erstmals das Haarwasser seines Vaters Philip benutzen. Er eilt von Hofdame zu Hofdame, um zu testen, ob man es denn auch riecht.

Charles kann sich während seines langen Wartens auf den Thron ein eigenes Profil erarbeiten und sich auf seine Zeit als Regent vorbereiten. Auch wenn er einschränkend anmerkt: »Für diesen Job gibt es keine Stellenbeschreibung. König sein ist mehr als Hände schütteln, Spitäler einweihen oder Militärparaden abnehmen.«

King Charles III. und Queen Camilla nach der Krönung am 6. Mai 2023. Krönung von Queen Elizabeth II. am 2. Juni 1953 – da ist Charles vier Jahre alt.

Gefangen im gläsernen Palast

In den Frühnachrichten der BBC wird am 14. November 1948 verkündet: Ihre Königliche Hoheit Prinzessin Elizabeth hat einen Thronfolger zur Welt gebracht: Charles Philip Arthur George.

Über Jahrhunderte werden royale Babys unter den wachsamen Augen zahlreicher Zeugen geboren: Hofdamen, Hebammen, Ärzte und Minister. Es ist üblich, dass bei der Geburt eines britischen Thronfolgers nicht der Vater anwesend ist, sondern der Innenminister. Dieser hat die Aufgabe sicherzustellen, dass es sich bei dem Neugeborenen tatsächlich um das Kind der Königin/des Königs handelt und nicht ein fremdes Kind in den Palast eingeschmuggelt wurde. Die Angst vor einem Betrug erreicht 1688 bei der Geburt von James Francis Edward Stuart, dem Sohn von König James II., ihren Höhepunkt: Man zweifelt, dass die Frau des Königs wirklich schwanger ist. 42 Zeugen sind anwesend, doch die Zweifel an seiner Legitimität bleiben bestehen. Diese »Innenminister«-Regelung hat sich bis zum 14. November 1948 bewährt. Prinz Charles erblickt an diesem Tag im Buckingham Palast das Licht der Welt – fernab der wachsamen Augen eines Politikers. Denn die damalige Prinzessin Elizabeth hat bei ihrem Vater König George VI. durchgesetzt, dass es mit dieser Tradition ein Ende hat. Damit ist Prinzessin Alexandra, eine Cousine von Königin Elizabeth, 1936 das letzte Baby der Royals, bei dessen Geburt ein Innenminister anwesend ist.

Während der Geburt von Charles spielt sein Vater Prinz Philip im Buckingham Palast Squash. Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern getrieben von innerer Unruhe, wie Jonathan Dimbleby in The Prince of Wales: A Biography (1994) schreibt.

Glied in einer langen Kette zu sein, bringt gewisse Verpflichtungen auch späteren Generationen gegenüber mit sich. Das Wichtigste ist die Erhaltung des eigenen Geschlechts – ganz schlimm wäre es, auszusterben.

Die royalen Neuankömmlinge in unserer Welt sind am Anfang – wie andere Babys auch – noch unfertig, hilfsbedürftig, beeinflussbar und lernfähig. Doch anders als bei anderen Babys sorgen nicht nur die Eltern, sondern eine ganze Reihe von Erziehern und Nannys dafür, dass die kleinen Erwachsenen lebenstüchtig werden. Egal, ob im Hause Bernadotte, Habsburg, Grimaldi oder Windsor – von klein auf geht es um Pflichterfüllung.

Seit seiner Geburt lebt Charles im Glaspalast und kann es keinem recht machen: Ausgerechnet er, der Schüchterne, muss im Blitzlicht der Fotografen heranwachsen. Auf keinen Fall sollte er verweichlicht werden, also keine Operation wegen der abstehenden Ohren. In seiner offiziellen Biografie klagt er über seine »elende Kindheit«. Er könne sich an keine einzige Geste der Zuneigung erinnern. Noch schlimmer erging es allerdings seinem Großvater und dessen Bruder: König Edward VIII. und sein Bruder und Nachfolger George VI. werden in ihrer Kindheit psychisch fast kaputt gemacht.

Harsche Erziehungsmethoden kennt man auch aus dem Hause Habsburg. General Leopold Gondrecourt ist für die Ausbildung von Kronprinz Rudolf verantwortlich, der schon bei seiner Geburt zum Oberst ernannt wird. Den dreijährigen Kronprinzen reißt man mit Pistolenschüssen und Kaltwassergüssen aus dem Schlaf, danach muss er stundenlang exerzieren. Als er sechs Jahre alt ist, sperrt ihn der Erzieher allein in den Lainzer Tiergarten und ruft ihm zu: »Gleich kommt ein Wildschwein!« Der kleine Thronfolger schreit und läuft um sein Leben. Kaiserin Elisabeth setzt sich mit Erfolg gegen diese Erziehungsmaßnahmen ein, aber die seelischen Schäden bei Kronprinz Rudolf sind nicht mehr zu beheben.

Der Thronfolger ist geboren: Charles Philip Arthur George. Die Neuigkeit wird am 14. November 1948 in den Frühnachrichten des Senders BBC verkündet.

Im Gegensatz dazu hat Queen Elizabeth, auch wenn es fast keinen Kontakt zur Außenwelt gibt, eine behütete Kindheit und wird liebevoll umsorgt. Gleiches kann sie ihren Kindern wohl nicht weitergeben: Bis heute klagt Charles über Vernachlässigung.

Sein Vater Prinz Philip, dessen Großvater Ludwig von Battenberg am 24. Mai 1854 in Graz geboren wurde, ist zwischen 1949 und 1951 als Marineoffizier der Royal Navy mehrmals in der britischen Kronkolonie Malta stationiert. Elizabeth zieht zu ihm und lässt Charles allein im Buckingham Palast zurück. Das noch nicht lange verheiratete Paar – die Hochzeit war 1947 – zieht in die Villa Guardamangia mit sechs Schlaf- und drei Badezimmern. Es ist eine Zeit der Freiheit für die Kronprinzessin. Fernab vom Hofprotokoll kann sie Freunde treffen, auf Shoppingtour gehen und einfach nur Philips Ehefrau sein. Für Elizabeth ist es das einzige Mal, dass sie für längere Zeit außerhalb Großbritanniens gelebt hat. Es sollen die unbeschwertesten Jahre ihres Lebens gewesen sein.

Für die beiden Geschwister Anne, die am 15. August 1950 geboren wird, und Charles gilt das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht. Sie bleiben bei ihren Nannys in London. Einmal, so wird kolportiert, geht der kleine Prinz Charles an der Hand seiner Nanny Helen Lightbody durch einen der mit dicken Teppichen ausgelegten langen Flure. Plötzlich knicksen die Palastangestellten vor einer Frau, die den Gang entlangschreitet. Charles fragt: »Wer ist diese Frau?« »Königliche Hoheit, das ist Eure Mutter!«, lautet die Antwort. Wen wundert’s: Im Kindergartenalter wird er nur zwei Mal am Tag zu einer kurzen Audienz bei seiner Mutter vorgelassen. Frauen bestimmen sein Leben von Geburt an. Neben dem Kindermädchen Mabel Anderson kümmert sich seine Großmutter, im Volksmund »Queen Mum« genannt, um ihn. Sie liebt Charles abgöttisch.

Als sie am 30. März 2002 stirbt, ist ihr Lieblingsenkel mit seinen beiden Söhnen William und Harry auf Skiurlaub in den Schweizer Alpen. Er kehrt sofort nach London zurück. Sein Nachruf im britischen Fernsehen ist eine Liebeserklärung an seine Großmutter: »In vielerlei Hinsicht ist sie auf ihre eigene Art zu einer Institution geworden. Und für mich bedeutete sie einfach alles. Ich habe sie schon als Kind bewundert. Ihr Haus war immer erfüllt von einer unbeschwerten, liebevollen Atmosphäre und von Lachen. Ich habe so unsagbar viel für mein eigenes Leben von ihr gelernt. Sie schrieb wundervolle Briefe, voll sprühendem Humor. Sie sah vor allem immer die lustige Seite des Lebens, und da war ihr besonderes Lachen – wie ich das vermissen werde … Sie war ganz einfach die zauberhafteste Großmutter, die man nur haben kann, und ich war ihr absolut ergeben. Ihr Tod hat bei unzähligen Menschen eine große Lücke hinterlassen, aber wir sollten dankbar sein für alles, womit sie unser Leben bereichert hat, und für alles, wofür sie stand.«

Abgesehen von seiner Großmutter wird Charles vorwiegend vom Hofstaat versorgt. Als sie noch Kronprinzessin ist, sagt Elizabeth über die Erziehung von Charles: »Ich werde die Mutter des Kindes sein, nicht die Kindermädchen.« Doch die Realität sieht anders aus. Als sie im Alter von 25 Jahren Königin wird, steht für sie das Regieren an erster Stelle. Das Mutter-Sein ist nur eine Nebenrolle. Überdies sei die Königin, wie Prinzgemahl Philip zu scherzen beliebt, nur an Sachen interessiert, »die vier Beine haben«.

Die Queen mit Prinzgemahl Philip bei der australischen 200-Jahr-Feier am 5. Mai 1988 in Albury. Die Bewohner haben 35 Jahre auf diesen Besuch gewartet.

Für Philip gilt das offenbar nicht. Denn immer wieder tauchen Gerüchte über die Fremdgehlust des Prinzgemahls auf. Von 24 außerehelichen Kindern ist die Rede, wie der Buckingham Palast 1995 bestätigt, bevor er einen Rückzieher macht und von einem »Übersetzungsfehler« spricht: Es seien Patenkinder gemeint gewesen sein. Allerdings schreibt Kitty Kelley 1997 in ihrem Buch Die Royals: Glanz und Elend einer englischen Familie, dass es im britischen Königshaus Tradition sei, für illegitime Kinder die Patenschaft zu übernehmen und dass einige von Philips Patenkinder tatsächlich seine Nachkommen sind – so kann der soziale Kontakt gepflegt werden.

Ganz anders stellt sich diese Angelegenheit in dem Buch Philip und Elizabeth: Porträt einer Ehe von Gyles Brandreth (2005) dar: »All die Seitensprünge, die Prinz Philip über die Jahrzehnte angedichtet werden, sind frei erfunden. Philip ist der Königin hundertprozentig treu«, wird Philips Cousine Gräfin Patricia Mountbatten zitiert. »Philip würde sie nie für ein Techtelmechtel im Heu betrügen«, sagt sie. Wozu auch? Denn wie er seinem Freund Lord Longford gesteht: »Die Königin mag Sex, wie ich auch. Leute aus dem Pferdesport sind so. Es ist sehr gesund!«

»Die wichtigste Erfahrung, die wir gemacht haben«, so Prinzgemahl Philip, »ist die, dass Toleranz der entscheidende Bestandteil jeder glücklichen Ehe ist. Sie können mir glauben: Die Queen verfügt über Toleranz im Überfluss.«

»Hätte Mama Queen nur halb so viel Sorge auf die Erziehung ihrer Kinder aufgewendet, wie sie der Aufzucht ihrer Pferde angedeihen lässt, hätten wir heute nicht dieses Chaos«, tuschelt es hinter den Palastmauern Jahrzehnte später.

Am 6. Februar 1952 stirbt König George VI. und Kronprinzessin Elizabeth wird vom Accession Council zur Königin proklamiert. Charles wird somit im Alter von drei Jahren Thronfolger. Die Krönung von Königin Elizabeth II. findet am 2. Juni 1953, also 16 Monate später, in der Westminster Abbey statt.

Die 27-Jährige übernimmt das Zepter. Elizabeth ist jetzt ausschließlich Königin, und das 24 Stunden am Tag. Dem Prinzgemahl ist klar, dass er sich von nun an der Unterstützung seiner Frau widmen muss. »Es ist nicht leicht, im Schatten einer Frau zu stehen. Schon gar nicht, wenn diese Frau Königin von England ist«, stöhnt Philip, der, wie er selbst sagt, »der Verfassung nach gar nicht existiert«. Doch im Laufe der Jahre gewinnt der Herzog von Edinburgh auf seine Weise die Sympathie der Briten: mit beißendem Humor und politisch unkorrekter Unverfrorenheit. »Eröffnungs- und Schlusszeremonien sollten verboten werden. Sie sind eine verdammte Plage. Ich habe wirklich genug davon.« Im Dienste Ihrer Majestät sieht Prinzgemahl Philip es jedoch als seine größte Leistung an, jahrzehntelangen königlichen Rummel und offizielles Brimborium, all die Paraden, Prozessionen, Empfänge, Lunches und Dinner überlebt und sich schlussendlich doch damit abgefunden zu haben.

Ihm gelingt es, neben der Queen einen Status als skurriles Original zu erlangen, und rüttelt das Königreich ab und zu mit haarsträubenden Stänkereien durcheinander.

Sein Engagement kann sich sehen lassen: als Schirmherr oder Präsident von rund 800 Organisationen. Am wohlsten fühlt sich der geborene Gentleman in Herrenrunden.

Charles wird schon von Kindesbeinen an auf sein künftiges Amt als König vorbereitet. Er ist der erste Prince of Wales, der nicht von Privatlehrern unterrichtet wird. Stattdessen besucht er zwischen 1954 und 1967 diverse traditionsreiche Schulen, darunter auch das schottische Internat Gordonstoun, das auch schon Philip besucht hat. Charles wird seinem Vater deswegen später heftige Vorwürfe machen, wird er dort doch jahrelang schikaniert. Denn trotz seiner wohlhabenden Familie wartet auf Prinz Charles im Internat kein Luxusleben. »Körperliche Herausforderungen stehen hier im Zentrum der Charakterbildung«, schreibt Sally Bedell Smith in ihrem Buch Prinz Charles: Ein außergewöhnliches Leben (2019). In Gordonstoun müssen zur Abhärtung das ganze Jahr über kurze Hosen getragen werden. Zudem wird Charles wie die anderen Zöglinge auch mit dem Rohrstock gezüchtigt und eisern gedrillt. Sie müssen einen eisigen Fluss durchqueren und andere Leibesertüchtigungen bei Wind und Wetter absolvieren. Die Fenster in den Schlafsälen sind auch im Winter stets geöffnet. Wer einen Schlafplatz am Fenster hat, muss sein Bett regelmäßig vom Schnee befreien. Schließlich lautet das Schulmotto »Plus est en vous – Es steckt mehr in dir«.

Schon bei ihrer Krönung verspricht Queen Elizabeth II.: »Ich werde dienen ein Leben lang.« Unermüdlich repräsentierte sie das Königreich siebzig Jahre lang.

Charles teilt sich im Internat mit 13 Mitschülern ein Zimmer. Morgens und abends wird eiskalt geduscht, und während der 20-minütigen Mittagspause müssen die Schüler still auf dem Rücken liegen, während ihnen ein Lehrer vorliest oder Musik spielt. Der 13-jährige Charles, der von seinen Mitschülern »Plumpudding« genannt und oft gehänselt wird, schreibt in einem Brief nach Hause: »Ich schlafe kaum. Weil ich schnarche, schlägt man mir ständig auf den Kopf. Es ist die absolute Hölle.« Doch sein Vater kennt kein Pardon. »Gordonstoun ist sehr stolz darauf, die erste Schule zu sein, in der ein König unterrichtet wurde. Und wir sind auch stolz, dass die Jahre (1962–1967), die Charles bei uns verbracht hat, seine Liebe und sein Engagement für den Dienst, die Natur und die Kunst gefördert haben«, steht auf der Website der Schule.

Im Mai 2024 trifft König Charles eine überraschende Entscheidung. Er übernimmt ausgerechnet für jene Schule die Schirmherrschaft, in der er in Kindertagen gequält worden sein soll. Knapp einen Monat später wird dem Internat durch die »Scottish Child Abuse Inquiry« ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt. Es habe bis in die frühen 1990er-Jahre eine »furchtbar missbräuchliche und in einigen Häusern extrem gewalttätige Kultur« geherrscht.

Vor Gordonstoun hat Charles unter anderem 1956 übrigens die Hill House School in London besucht. Eindruck macht dort, dass die Queen höchstpersönlich mit Prinz Philip und Charles’ Schwester Anne zum Sporttag kommt.

Am 26. Juli 1958 wird Charles im Alter von zehn Jahren zum Prince of Wales ernannt – eine Tradition, die seit dem 14. Jahrhundert fast alle britischen Thronfolger begleitet. Doch Charles will mehr als nur den Titel tragen: 1969 absolviert er einen neunwöchigen Intensivkurs an der University of Wales in Aberystwyth, um Walisisch zu lernen. Damit ist er seit dem Mittelalter der erste Prince of Wales, der die Sprache des Landes beherrscht. Die offizielle Investitur findet am 1. Juli 1969 statt und wird live im britischen Fernsehen übertragen. (Kleine Randbemerkung: An diesem Tag feiert übrigens eine gewisse Diana Spencer ihren achten Geburtstag.) Charles trägt den Titel Prince of Wales unglaubliche 64 Jahre lang – ein Rekord. Bereits ab dem 10. September 2017 ist er der am längsten amtierende Prince of Wales in der britischen Geschichte.

Ab 1967 studiert Charles dann Archäologie und Anthropologie am Trinitiy College der Universität Cambridge, wechselt später dann aber zu Geschichte und schließt sein Studium 1975 erfolgreich ab. Er ist damit der erste Windsor mit einem Studienabschluss in Geschichte.

Viele Jahre später, 2001, pflanzt Charles einen besonderen Setzling. Doch der Reihe nach: Viele Pubs in England tragen den Namen »Royal Oak«. Der Name bezieht sich auf eine Eiche, die in der Nähe von Boscobel House in Shropshire stand. Diese Eiche wird zum Symbol für den Schutz des zukünftigen Königs Charles II. von England während des englischen Bürgerkriegs. 1651, als er fliehen muss, sucht er Zuflucht bei dieser Eiche, um nicht gefangen genommen zu werden. Die Legende besagt, dass er sich in deren Ästen versteckt, während seine Verfolger ihn in der Nähe suchen. Charles II. kann nach Frankreich entkommen und kehrt 1660 als König von England zurück.

Dies ist eine wichtige Episode in der britischen Geschichte, symbolisiert sie doch den Kampf um die Monarchie. Nach der Restauration der Monarchie 1660 wird die Eiche als Zeichen des Sieges und der Rückkehr zur Ordnung gefeiert. Dass Pubs den Namen »Royal Oak« tragen, ist eine Hommage an diese historische Begebenheit.

Als Königin Elizabeth II. am 24. Mai 2012 anlässlich des 60. Jubiläums ihrer Thronbesteigung »The Royal Oak« in Windsor besucht, tritt sie hinter die Bar, zapft ein Pint Bier und serviert es einem der Gäste. Dieser »serviertechnische Höhepunkt« ist ein symbolischer Akt, der die Verbindung der Königin mit der britischen Kultur und Tradition unterstreicht, und eine Geste der Wertschätzung für die britische Pub-Kultur. Die ursprüngliche »Königliche Eiche« wurde im 17. und 18. Jahrhundert zerstört, da Zweige und Rindenstücke davon beliebte Souvenirs waren. Der zwei- bis dreihundert Jahre alte Nachkomme des ursprünglichen Baums, »Son of Royal Oak« genannt, wurde 2000 von einem Sturm stark beschädigt. Und das ist auch der Grund, warum Charles 2001 die ehrenvolle Aufgabe übernimmt, in der Nähe des ursprünglichen Standorts einen neuen Setzling einzupflanzen, der aus einer Eichel des »Son of Royal Oak« gezogen wurde. Somit ist dieser Setzling ein »Enkel« der ersten »Royal Oak«.

An seinem 65. Geburtstag am 14. November 2013 wird Charles zum ältesten Thronfolger der britischen Geschichte. Er scheint sich damit abgefunden zu haben, dass Mama noch nicht amtsmüde ist. Schließlich hat sie bei ihrer Krönung geschworen: »Ich werde dienen ein Leben lang.« Und das nimmt sie sehr wörtlich. Prinz Charles ist mittlerweile bereits im Rentenalter, und niemand weiß, ob er jemals König der Briten werden wird. Seine Mutter stellt im September 2015 den Thronrekord ihrer Urahnin Victoria ein und erfreut sich, soweit bekannt, bester Gesundheit. Manch ein Spötter erinnert daran, dass Elizabeths Mutter 101 Jahre alt geworden ist.

Immer öfter erfüllt Charles Repräsentationsaufgaben in Vertretung seiner Mutter. So auch Reisen ins Ausland. Charles unternimmt mit seiner Frau Camilla die erste royale Tour seit fast zwei Jahren. Auf Wunsch der britischen Regierung bereisen die beiden im November 2021 Jordanien und Ägypten. Das Hauptaugenmerk der Reise liegt auf der Klimakrise und auf der Frage, wie Führungskräfte die drei Hauptverpflichtungen der UN-Klimakonferenz, die im selben Jahr in Glasgow stattgefunden hat, umsetzen können. Camilla, die Herzogin von Cornwall, kämpft dabei mit einem persönlichen Problem: Aufgrund ihrer Flugangst ist jeder Flug für sie eine Herausforderung, wie sie in der ITV-Sendung »This Morning« 2018 eingesteht. Trotzdem begleitet sie Charles auf seinen Reisen, kürzt diese aber gerne ab. Die Pressestelle von Clarence House sieht sich deshalb zu folgender Mitteilung veranlasst: »Die Herzogin mag das Fliegen nicht, aber manchmal muss sie sich dieser Angst stellen.« Kolportiert wird, dass die Herzogin mithilfe der »Emotional Freedom Techniques« (kurz »EFT«), einer Form der Klopfakupressur, versucht, ihre Flugangst zu mildern.

Beharrlich wird regelmäßig über die Abdankung der Königin spekuliert. Doch so einfach ist das nicht. Denn die britische Monarchie ist eine Erbfolgemonarchie. Es kann nicht zwei Könige gleichzeitig geben. Erst wenn ein König stirbt, rückt der nächste in der Erbfolge nach. Fällt ein Monarch durch Krankheit aus, wird der Nachfolger Regent, aber nicht König. Im britischen Königshaus wird die Krone sozusagen mit »kalter Hand« weitergereicht.

Als sei die Zeit über Nacht reif geworden, beginnen die Briten in ihrem lange ungeliebten, oft verspotteten Kronprinzen eine politische Figur zu entdecken, welche die Monarchie und womöglich sogar das Land verändern könnte. Noch nie hatten sie mehr Zeit, sich auf einen kommenden König einzustellen. Plötzlich wird Charles unter die Lupe genommen. Zeitungen berichten über die Veränderungen, die der Monarchie unter Elizabeths ältestem Sohn bevorstehen könnten. Charles sei entschlossen, auch auf dem Thron zu Fragen Stellung zu nehmen, die ihn umtreiben.

Mitglieder des britischen Königshauses beziehen traditionsgemäß keine Stellung zu politischen Themen. Königin Elizabeth II. hat diese Diskretion zur höchsten Kunstform entwickelt. Ihr ältester Sohn dagegen äußert sich immer wieder offen zu Themen, die ihm wichtig sind – von genmanipulierten Lebensmitteln bis hin zu moderner Architektur. Seine unverblümten Aussagen stoßen nicht immer auf Verständnis. Kritiker werfen ihm vor, seine privilegierte Position zu missbrauchen. Allerdings denkt Charles nicht daran, sich einen Maulkorb umhängen zu lassen – auch nicht als König. Wenn die Stunde kommt, wird er bereit sein. Das Time Magazine zitiert einen Mitarbeiter des Prinzen mit den Worten, Charles wolle noch »so viel Gutes wie möglich tun, ehe sich die Gefängnistore schließen«.

Seit dem Tod seiner Mutter am 8. September 2022 hat sich der Alltag des früheren Thronfolgers stark geändert. Am 6. Mai 2023 wird Charles III. zum König des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland sowie des Commonwealth gekrönt. Die Krönungszeremonie wird als ein freudiges Ereignis empfunden, daher findet sie mit einem zeitlichen Abstand zum Tod des vorherigen Amtsinhabers, in diesem Fall der vorherigen Amtsinhaberin, statt.

Nun wird auch die Militärparade »Trooping the Colour« – die alljährlich zu Ehren des Geburtstags des jeweils regierenden Monarchen stattfindet – ihm, König Charles III., zu Ehren gefeiert. Traditionell wird diese Parade übrigens seit Jahrhunderten im Juni abgehalten – unabhängig vom »richtigen« Geburtstag des Monarchen –, weil man sich um diese Jahreszeit besseres Wetter verspricht. Im November – dem Geburtsmonat von Charles – liegen die Frühtemperaturen in der Regel zwischen –5 und –10 Grad. Im Juni können es dann schon 19 Grad sein. Da lässt es sich schon besser stundenlang im Freien aushalten.

Ihre Premiere feiert »Trooping the Colour« unter König Charles II. Ihr Ursprung liegt im Vorbeitragen (»Trooping«) und Zeigen der Farben (»Colour«) der Regimenter, also der Fahnen, damit die Soldaten diese sehen und später im Kampf wiedererkennen können. Seit dem 4. Juni 1805 wird die Zeremonie öffentlich vollzogen und – bis auf einige Ausnahmen wie in den Jahren des Zweiten Weltkriegs, 1948 wegen schlechten Wetters, 1955 wegen eines Eisenbahnerstreiks, 2019 und 2020 wegen der Corona-Pandemie – mit 1400 Soldaten, 200 Pferden und 400 Musikern auf der Horse Guards Parade – dem größten offenen Platz in London – abgehalten und von Mitgliedern der königlichen Familie und zahlreichen Ehrengästen verfolgt. An Charles’ Seite ist Camilla, seit 2005 auch als Ehefrau. Und natürlich auch die Söhne William, der Musterknabe, und Harry, der Aufmüpfige. Mit der Geburt von Prinz George, Williams Sohn, im Juli 2013 hatte Großbritannien bis zur Thronbesteigung von Charles erstmals seit Königin Victoria (1837–1901) übrigens drei Thronfolger gleichzeitig …

Charles, der »Spinner«

Charles wird seit vielen Jahren belächelt, und das nur, weil er sich für die Natur einsetzt. In seinem Gartenparadies Highgrove hat Charles ein Königreich für die Natur geschaffen. Seine Liebe zum Landleben ist bekannt. Die Leidenschaft fürs Gärtnern hat Charles von seiner Großmutter geerbt; ihre Gartenutensilien hat er zu ihrem Angedenken aufgehoben. Den Garten von Highgrove zieren zudem Büsten jener Menschen, die für den Prinzen Inspiration und Ideengeber sind. Sein Garten sei ein bescheidener Versuch, zur Heilung von Schäden beizutragen, die durch kurzsichtiges Handeln dem Boden, der Landschaft und letztlich unseren Seelen zugefügt werden.

Im September 2011 warnt Charles als neuer Präsident der britischen Sektion der Umweltschutzorganisation WWF vor einem Aussterben der Menschheit. Wenn der Mensch mit der Ausbeutung der natürlichen Ressourcen der Erde so weitermache wie bisher, werde dies das »Kapital der Natur« so stark aufzehren, dass »unser Überleben« gefährdet werde.

In Highgrove hat Charles ein Naturparadies geschaffen und das Gärtnern neu erfunden. Charles’ Wunsch war schon immer ein Garten mit Haus und nicht umgekehrt. Anfang der 1980er-Jahre erwirbt das Herzogtum Cornwall Highgrove und Prinz Charles, der Herzog von Cornwall und Prince of Wales, wird als Pächter eingesetzt. Das Haus ist beim Kauf von »einem Nichts« umgeben, wie er selbst sagt – außer einer alten Eibenhecke und der zweihundert Jahre alten Zeder vor dem Gebäude, die das Herz des Thronfolgers letztlich erobert. Als erste Maßnahmen lässt er am Haus Balustraden und Säulen als Kletterhilfe für Pflanzen anbringen, die ihren Duft bis hinauf in die königlichen Räume schicken sollen. Vor dem Haus gibt es Felder von Rittersporn, der Lieblingsblume des Königs, der auch zu seinen Pflanzen ein besonderes Naheverhältnis pflegt: »Ich gehe einfach hin und spreche mit ihnen. Das ist sehr wichtig für sie.«

Charles ist ein ausgewiesener Naturfreund und engagiert sich für Ökologie. Lange sagte man ihm nach, er spreche lieber mit Blumen als mit Menschen.

Als Charles sich in den 1980er-Jahren entschließt, sein Anwesen nach den Kriterien der biologischen Landwirtschaft zu betreiben, hält man von »bio« nicht viel, das war für Spinner. Mittlerweile ist man sich einig: In einer verrückten Welt ist die »verrückte« Idee des Prinzen eine vernünftige. Heute ist das Highgrove mit insgesamt 760 Hektar ein landwirtschaftlicher Vorzeigebetrieb, von dem sich viele Bauern Rat holen, wenn sie neue Wege beschreiten wollen.

Charles, inzwischen fünffacher Großvater, ist »extrem besorgt«, was die Umwelt und den Klimawandel betrifft. »Ich habe immer das Gefühl, dass wir irgendwie darauf getrimmt sind zu glauben, dass die Natur eine gesonderte Sache ist, die wir einfach ausbeuten können«, so König Charles. Auf Schloss Balmoral hat er seinem ersten Enkel, Prinz George, in dessen Geburtsjahr 2013 mit einem Wald, dem »Prince George’s Wood«, ein grünes Denkmal gesetzt.

2019 stellt der umweltbewusste Charles die Brennnesseln seines Landsitzes Highgrove zur Fertigung von Kleidung zur Verfügung und Designstudenten aus Mailand entwerfen eine nachhaltige Mini-Kollektion – von Hand gefertigt in Schottland, wo der Prinz ein Ausbildungszentrum für traditionelle Handwerkstechniken eingerichtet hat. Charles selbst ist alles andere als ein Modefreak. Bei der Hochzeit seines Sohnes Harry mit Meghan Markle 2018 trägt Charles einen Anzug, den er 1984 gekauft hat. »Solange er mir passt, muss ich mir keinen neuen anfertigen lassen«, spricht er. Und da gibt es auch noch einen Tweedmantel aus dem Jahr 1987 … »Ich gehöre zu den Menschen, die Kleidungsstücke und auch Schuhe reparieren lassen, anstatt sie einfach wegzuwerfen«, sagt Charles, dem der »Fast-Fashion-Trend« so gar nicht gefällt. »Als ich ein Kind war, brachten wir unsere Schuhe immer zum Schuster in Schottland und sahen fasziniert zu, wie er die Sohlen weggerissen und dann neue aufgesetzt hat.« Eine Faszination, die Charles offenbar geblieben ist.

Eingespielt haben sich auch Rituale, die bei offiziellen Anlässen strikt befolgt werden müssen. Was es bedeutet, wenn König Charles mit seiner Ehefrau Camilla eine Opernaufführung in Covent Garden besucht, weiß ich aus eigener Erfahrung. Wir, also das Publikum, mussten zwei Stunden vor Beginn der Aufführung unsere Plätze einnehmen. Mit einer Flasche Mineralwasser als Notproviant.

Normalerweise gehört zu einem Opernbesuch auch ein Dinner im Opern-Restaurant. Doch nicht für König Charles. Der bringt sich nämlich immer sein eigenes Essen mit. Bepackt mit Gerichten aus Biofleisch und -gemüse, die aus der Küche von Clarence House stammen, reist Charles, immerhin Opernstammgast seit 40 Jahren, zu jeder Aufführung, die er besucht, an. Dabei gäbe es vor Ort die besten Leckerbissen: Von Wild-Tartar über Fasan bis hin zu Hummer-Risotto wird alles geboten. Im Gegensatz zu Charles speiste seine Mutter sehr gern im Opern-Restaurant. Doch Charles tickt da eben anders.

Charles auf Freiersfüßen

Der Liebesauftrag von Charles’ Großonkel Lord Mountbatten: »Stoß dir die Hörner ab – in vielen Betten.« Lord Louis Mountbatten ist für Charles und auch für dessen Vater Philip prägend. Am 20. Februar 1947 wird der Urenkel von Königin Victoria zum Vizekönig von Indien ernannt – was mit dem äußerst schwierigen und undankbaren Auftrag verbunden ist, diese Perle des Empire nach fast zwei Jahrhunderten britischer Präsenz in die Unabhängigkeit zu führen.

Mountbatten kommt am 25. Juni 1900 in Schloss Windsor als Ludwig Franz von Battenberg auf die Welt. Sein Vater ist ein aus Hessen stammender Prinz, der im Ersten Weltkrieg wegen seines deutschen Namens sein Amt als Chef des Admiralstabs verliert. Daher nennt sich die Familie fortan Mountbatten. Innerhalb der königlichen Familie bekommt Mountbatten den Spitznamen »Onkel Dickie«. Der letzte britische Vizekönig von Indien fällt schließlich einem Anschlag der größten Gegner der Krone zum Opfer: Am 27. August 1979 jagt die IRA vor dem westirischen Hafenort Mullaghmore Mountbattens Jacht in die Luft. Mit einem Staatsbegräbnis nimmt Großbritannien Abschied vom populären Lord.

Eine besonders enge Beziehung hat Mountbatten sowohl zu seinem Neffen, Prinz Philip, als auch zu dessen Sohn Charles. Er ist maßgeblich an der Anbahnung der Ehe von Philip mit der Thronerbin Elizabeth beteiligt und stellt dem Paar seinen Landsitz Broadlands für die Flitterwochen zur Verfügung. Seinem Großneffen Charles ist Mountbatten über viele Jahre hinweg Mentor, Freund und Ersatzvater. Auch in Beziehungsfragen sucht Charles Rat bei seinem Großonkel. Wie viel Einfluss dieser schlussendlich auf Charles und seine Damenwahl hat, ist nicht bekannt. Es wird jedoch spekuliert, dass er aktiv daran mitgewirkt hat, dass die Ehe zwischen Prinz Charles und Camilla nicht zustande kommt. Wie wir heute wissen, war es vergebliche Liebesmüh.

Die Heirat ist lange Zeit im Wesentlichen ein ökonomisches oder politisches Bündnis zwischen zwei Familien. Der hohe Adel kämpft für den Erhalt der Vielehe, und eine romantische Liebesheirat musste man sich erst einmal »leisten« können. Die Entscheidung zur Eheschließung liegt nie bei Mann und Frau, sondern ausschließlich bei deren Großfamilie. Eine Heirat ist ein weltlicher Rechtsakt und hat mit Liebe nichts zu tun.

Im 9. Jahrhundert bekommt die Heiratskultur neue Impulse – durch das Christentum, dessen Werte zu diesem Zeitpunkt nun beinahe alle Gesellschaftsschichten durchdrungen haben. Die Kirche fordert nun die alleinige Gültigkeit der kirchlichen Eheschließung. Zeitgleich bekämpft sie alte Traditionen wie Heiraten unter Blutsverwandten, verbietet ihren Schäfchen den weitverbreiteten Brautkauf und nimmt den Kampf gegen die Mehrfachehe und das Konkubinat auf. Dagegen protestiert vor allem der Adel, der weiterhin auf sein Recht auf Vielehe besteht.

Im 12. Jahrhundert hat sich das kirchliche Eherechtsmonopol endgültig sowohl gegen die Vorbehalte des Adels als auch gegen alle lokalen Traditionen durchgesetzt: Jetzt ist die Ehe der Gerichtsbarkeit des Klerus unterstellt. Mit der kirchlichen Heirat pocht die Kirche nun auch auf Monogamie und die Unauflösbarkeit der Ehe. Weiters setzt sich – zumindest in der Theorie – durch, dass die Eheschließung auf Freiwilligkeit basieren müsse.

Für echte »Liebesehen« braucht es erst einen Stand, der diese ermöglicht. Dieser entwickelt sich im späten 18. Jahrhundert mit dem aufstrebenden Bürgertum. Die Romantik gibt dem erstarkten Bürgertum ein neues Ideal: das Streben nach häuslichem Glück in der Kleinfamilie. In den städtischen und bäuerlichen Unterschichten bleibt die Ehe allerdings nach wie vor eine wirtschaftliche Zwangsgemeinschaft. Und innerhalb des Adels werden Ehen weiterhin geschlossen, um aristokratische Dynastien abzusichern.

Daher auch der Aufruhr im britischen Königshaus: Noch immer ist für Kronprinz Charles keine Frau in Sicht, die ihm den zukünftigen Thronfolger gebiert. Die Wahl fällt schließlich auf die Kindergärtnerin Diana Spencer: Die vom Königshaus arrangierte Romanze beginnt im Frühsommer 1980. Dianas Vorgeschichte ist makellos, und das ist gut, denn es ist undenkbar, dass die Mutter des künftigen Thronfolgers mit einem anderen Mann als dem königlichen Gemahl zusammen war.

Diana Spencer wird am 1. Juli 1961 geboren. Ihre Familie, die Spencers von Althorp, sind seit dem 16. Jahrhundert wohlhabende Landbesitzer mit Wurzeln, die weit in die britische Geschichte zurückreichen. Die Spencers verkehren in den königlichen Kreisen. Die Ehe von Dianas Eltern wird im Beisein der Königin geschlossen. Ihr Vater Edward John Earl of Spencer ist königlicher Stallmeister. Diana wächst auf dem Landsitz Park House in Sandringham auf. Als sie klein ist, spielt sie oft mit den Nachbarskindern – es sind die von Königin Elizabeth. Als sie sechs Jahre alt ist, trennen sich ihre Eltern. Ein Schock, den sie nur schwer überwindet. Über ihre Kindheit verrät Diana: »Meine Eltern sagten niemals ›Ich liebe dich‹ zu mir. Daran war nicht zu denken.«

Bis zu ihrem neunten Lebensjahr wird sie auf dem väterlichen Landsitz Althorp von einer Gouvernante angeleitet und bei Aufmüpfigkeit mit dem Kochlöffel gezüchtigt. 1973, mit zwölf Jahren, folgt Diana ihren Schwestern auf die West Heath Girls’ School in Kent. Großes Lob bekommt sie für den »bestgepflegten Goldhamster« der Schule. »Für den Nobelpreis war Diana nie vorgesehen«, ist ihr Biograf Robert Lacey überzeugt. Über ihre mäßigen Schulleistungen sagt Diana selbst: »Mein Gehirn hat die Größe einer Erbse.« Die Geborgenheit in diesem Internat soll ihrem Leben die Stabilität zurückgeben, die es in ihrem Elternhaus nicht mehr gibt. Diana ist beliebt, selbstsicher ist sie nicht.

Sie entdeckt ihre Liebe zu Kindern und nimmt im Young England Kindergarten in London eine Stelle an. Hier werden Kinder wohlhabender Londoner Familien betreut. »Ich wollte Kinder betreuen. Zuerst habe ich nur am Nachmittag gearbeitet, dann ganztags, drei Mal in der Woche. Die restlichen zwei Tage habe ich mich um einen amerikanischen Buben gekümmert.«

Nach Kindheitstagen begegnet Diana Charles 1977 wieder. Er ist 29 Jahre alt und sie gerade einmal 16. Zu diesem Zeitpunkt scheint Diana von Charles nicht gerade begeistert zu sein. Er ist zu Gast bei einem Jagdfest in Althorp und noch mit Dianas älterer Schwester Sarah liiert. Als Sarah in den Medien mit ihrer Beziehung zum Thronfolger prahlt, soll dieser sie verlassen haben. Doch einige Zeit später nimmt Dianas Leben eine dramatische Wendung: Prinz Charles interessiert sich für sie. »Es war eine Tatsache, dass ein älterer Mann in gehobener Position Interesse an mir hatte und mich um sich haben wollte«, ist sich Diana im Klaren. »Bevor Charles in mein Leben getreten ist, war ich diejenige, die zu Hause glücklich vor dem Fernseher gesessen ist und eine Schüssel Müsli verdrückt hat.«

Ziemlich schnell erkennt Diana, dass es nicht leicht ist, sich mit einem Prinzen zu verabreden. Ihrem damaligen Sprachtrainer klagt sie, Charles habe sie eine Woche lang jeden Tag angerufen und sich dann drei Wochen lang nicht bei ihr gemeldet. »Ich dachte: Gut, nun, er weiß, wo ich bin, wenn er mich will.« Doch es sei immer ein Nervenkitzel gewesen, wenn er dann wieder angerufen habe. Im September 1980, als Diana ein Wochenende auf Schloss Balmoral verbringt, berichten die Medien über die Romanze. Wenn man britischen Berichten Glauben schenken kann, haben sich die beiden nur 13 Mal getroffen, bevor Charles um Dianas Hand anhält. Sie sollen hauptsächlich miteinander telefoniert haben.

Der Heiratsantrag im Februar 1981 soll wie folgt abgelaufen sein. Der Schauplatz: die Küche in Camillas Landhaus. Als Charles fragt, ob Diana ihn heiraten wolle, ist die Antwort: »Ja, ja, ja.« Camilla holt den Champagner. Zwei Tage später reist Charles nach Australien. Diana hört, wie Charles vor der Abreise mit Camilla telefoniert. Über den Stand der Beziehung zu Camilla gibt Charles Diana keine Auskunft.

Zurück bleibt eine völlig verunsicherte Diana. Sie wartet jeden Tag auf einen Anruf ihres geliebten Charles. Bei seiner Rückkehr erklärt er Diana: »Ich habe versucht anzurufen, aber der Palast hat gesagt, wir nehmen keine Anrufe entgegen.