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Beruf: Königin Monarchen faszinieren, auch wenn sie längst keine politische Macht mehr haben. Waren die Staatsgeschäfte einst fest in Männerhand, sind die Royals nun im 21. Jahrhundert angekommen: Die Hälfte von Europas Monarchien wird dank neuer Thronfolgegesetze bald von Frauen regiert. Die Prinzessinnen Elisabeth von Belgien, Catharina-Amalia der Niederlande, Ingrid Alexandra von Norwegen, Estelle von Schweden sowie Infantin Leonor von Spanien werden auf Krone und Zepter gut vorbereitet. Den Umgang mit Medien, Verantwortungsbewusstsein, Repräsentieren und modernes Auftreten bekommen sie von klein auf mit. Adelsexpertin Lisbeth Bischoff beleuchtet die Rolle der Frau auf den Thronen der Gegenwart und Zukunft und gewährt spannende Einblicke hinter königliche Palastmauern. Mit ausgesuchten Farbfotos aus den Königshäusern
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Seitenzahl: 258
Veröffentlichungsjahr: 2020
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Lisbeth Bischoff
Eine neue Generationauf den Thronen Europas
Mit 52 Abbildungen
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© 2020 by Amalthea Signum Verlag, Wien
Alle Rechte vorbehalten
Umschlaggestaltung: Valence, www.valencestudio.com
Umschlagmotiv: © Shutterstock/Valencestudio
Lektorat: Martin Bruny
Herstellung und Satz: VerlagsService Dietmar Schmitz GmbH, Heimstetten
Gesetzt aus der 10,9/15,67 pt Sabon LT Pro
Designed in Austria, printed in the EU
ISBN 978-3-99050-180-1
eISBN 978-3-903217-61-4
Vorwort
Das Ende der Grüßonkel
Monaco
Großbritannien
Luxemburg
Liechtenstein
Dänemark
Alles Schöne sei weiblich
Kaiser, König, Edelmann
Kronprinzessin Elisabeth von Belgien
Taufzeremonie nach ganz genauen Riten
Elisabeths Großvater, der widerwillige Monarch
Thronfolgerin seit Geburt
Lebe, um zu lernen. Lerne, um zu leben
Die Skandale der Vergangenheit werden Elisabeth begleiten
Hineingeboren in das langweiligste Königshaus der Welt
Schritt für Schritt zur Königin
Elisabeth kennt die Geschichte ihres Königshauses
Liebesg’schichten und Heiratssachen, Thronfolger inklusive
Die dunkle Seite der Vorfahren
Stilgerechtes Wohnen in den Palästen
Das Wissen, vermögend zu sein
Kronprinzessin Catharina-Amalia der Niederlande
Wie erklimmt sie den Thron?
Großmutter Beatrix war als Regentin nie Königin
Die Heiratspolitik im Wandel
Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernt auch Amalia
Eine Monarchin sagt danke. Amalia wird Kronprinzessin
Krisenmanagement royal
Auch Amalia wird an Bewährtem festhalten
Willem-Alexander übernimmt das Zepter
Den Umgang mit der Presse lernt Amalia von klein auf
Vermögen in Hülle und Fülle
Der Tradition des Königshauses verpflichtet
Der Ernst der Krone beginnt 2021
Kronprinzessin Ingrid von Norwegen
Großvater Harald und sein Trotzkopf
Großvater Harald – der stille Monarch
Für Kronprinz Haakon galt noch die männliche Thronfolge
Ein freies Leben auch mit der Bürde des Throns
Mit Aufregungen im Königshaus aufgewachsen
Vater Haakon – der gleiche Trotzkopf wie Großvater Harald
Die Aufgaben am Königshof sind klar aufgeteilt
Die königlichen Residenzen sind eher bescheiden
Ingrid – Norwegens erste Königin
Kronprinzessin Leonor von Spanien
Die Regelung der spanischen Thronfolge
Großvater Juan Carlos geht als umtriebiger Monarch in die Geschichte ein
Schul- und Lehrjahre einer Infantin
Die Skandale am Königshof reißen nicht ab
Es ist ein Bub!
Eine Ära geht zu Ende
Felipe tritt ein schweres Erbe an
Spagat zwischen Tradition und Moderne
Standesgemäß wohnen
Der Thron wartet
Kronprinzessin Estelle von Schweden
Schlafend nahm Estelle die ersten Glückwünsche entgegen
Die Änderung des Thronfolgegesetzes und seine Folgen
Die Heiratspolitik der Bernadottes
Estelles aufmüpfiger Großvater, Carl XVI. Gustaf
Der Thron kann warten
Die Belastung durch Skandale der Vergangenheit
Im Fokus der Medien
Wie Vater und Mutter einander gefunden haben
Mutter Victoria ist noch in der Warteschleife
Estelle kennt die Geschichte ihres Königshauses
Hochwohlgeboren, stilvoll residieren
Bildnachweis
Namenregister
»Alles revoltiert«, stöhnte Ägyptens König Faruk 1948, vier Jahre vor seiner erzwungenen Abdankung. »Bald wird es nur noch fünf Könige geben: den Schippenkönig, den Kreuzkönig, den Herzkönig, den Karokönig und den König von England.« Das war etwas zu pessimistisch gedacht, aber bis heute wird diese Prophezeiung in London gerne zitiert, sieht sich das britische Königshaus doch als Leitmonarchie der Welt.
Noch gibt es allerdings zehn Monarchien in Europa. Der Staat Vatikanstadt, eine absolute Wahlmonarchie, und Andorra, das parlamentarische Fürstentum mit zwei ausländischen Amtsträgern, die die Funktion des Staatsoberhaupts ausüben, bleiben hier außer Betracht – auch wenn die Situation Andorras sehr interessant ist, fungiert doch der französische Staatspräsident Emmanuel Macron seit seinem Amtsantritt im Mai 2017 als Kofürst von Andorra. Das Amt beruht auf dem Vertrag zwischen dem spanischen Bischof von Urgell und dem französischen Grafen von Foix aus dem Jahr 1278. Die Besitztümer und Ämter der Grafen von Foix gingen 1479 auf das Hochadelsgeschlecht Navarra über, welches 1589 den französischen König stellte. Als Rechtsnachfolger der Könige Frankreichs ist der französische Staatspräsident daher automatisch Kofürst von Andorra. Doch das ist eine andere Geschichte.
In den zehn europäischen Monarchien wird sich das quantitative Verhältnis von männlichen und weiblichen Nachkommen in der nächsten Generation verschieben. Das ist bemerkenswert. Bis auf Großbritannien, Dänemark, Luxemburg, Liechtenstein und Monaco sind überall Prinzessinnen geboren worden, die dank neuer Thronfolgegesetze Königinnen werden dürfen. Die Königshäuser sind endlich im 21. Jahrhundert angekommen. All den kommenden Regentinnen ist dieses Buch gewidmet.
»Die europäischen Monarchien werden nach Adelsprotokoll gereiht. Für die allgemeine Rangordnung von Staatsoberhäuptern gilt das Prinzip der Anciennität* gleichrangiger Funktionsträger«, weiß Karl Urschitz, Protokollchef des Landes Steiermark von 1992 bis 2003. Abweichend davon gilt nach Adelsprotokoll als Rangordnung der Monarchien das Alter der Krone beziehungsweise der zur Krone gelangten Dynastie (unabhängig von Anciennität und Lebensalter des Monarchen). Die Betonung liegt auf Dynastie, nicht auf Haus, denn durch ein neues Haus wird die Dynastie nicht unterbrochen.
Der Begriff »Dynastie« beschreibt ein Herrschergeschlecht, das über einen längeren Zeitraum durch Macht-, Wirtschaftsund Heiratspolitik und eine gelungene Erbfolge eine kontinuierliche Besetzung der höchsten Fürstenwürde seines Landes garantiert. Unter einem »Haus« versteht man lediglich eine Familie des Herrschergeschlechts. Gute Beispiele dafür sind Maria Theresia oder Englands Queen Victoria. Der Tod Victorias beendete die Herrschaft des Hauses Hannover, die mit der Thronübernahme ihres ältesten Sohnes Edward VII. auf das Haus Sachsen-Coburg und Gotha überging, das 1917 in Haus Windsor umbenannt wurde.
Heute spielt die Frage eines neuen Hauses bei der Heirat einer Monarchin durch das offenbare Fallenlassen des Salischen Gesetzes, das Frauen von der Thronfolge ausschloss und durch Jahrhunderte strikt angewendet wurde, keine Rolle mehr. Das zeigt die große Zahl der Kronprinzessinnen in Europa.
Voraussetzung für die Erstellung der Reihenfolge ist erstens das Vorliegen eines souveränen Staates und zweitens der Zeitpunkt des Regierungsbeginns der aktuellen Dynastie. Das zweite Kriterium gilt als Grundlage für den Rang der Monarchie. Königreiche stehen dabei höher als Großherzogtümer und diese wiederum vor Herzogtümern und Fürstentümern.
Königshäuser
Regierungsbeginn der aktuellen Dynastie
Großbritannien
871
(zählte auch zu den Großmächten, siehe unten)
Dänemark
1448
Spanien
1700
(mit drei Restaurationen, die letzte 1975, als König Juan Carlos den Thron bestieg)
Niederlande
1815
Schweden
1818
Belgien
1831
Norwegen
1905
Großherzogtümer
Luxemburg
1890
Fürstentümer
Liechtenstein
1719
Monaco
1949/1633
Im Fall von Monaco erhebt sich die Frage, ob der Sohn aus der geschiedenen Ehe einer legitimierten unehelichen Tochter eines Monarchen nicht nur ein neues Haus, sondern auch eine neue Dynastie begründet. Wird eine neue Dynastie bejaht, gilt das Jahr 1949, wird ein neues Haus bejaht, das Jahr 1633.
Louis II. von Monaco (1870–1949) hatte als einziges Kind seine uneheliche Tochter Charlotte, die er 1919 legitimierte und zur Prinzessin erhob. Sie heiratete 1920 Graf Pierre Xavier de Polignac aus französischem Uradel. Aus dieser 1933 geschiedenen Ehe stammt Fürst Rainier III., der ab 1949 regierte und das Haus Polignac-Grimaldi begründete.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es über den Königshäusern noch eine weitere Rangkategorie: die Großmächte, zu denen Deutschland, Österreich-Ungarn, Großbritannien, Italien, Frankreich, Russland und die Türkei zählten. Für sie galt bei protokollarischen Anlässen nicht das Alter der Dynastie, sondern das Alternat*. Eine protokollarische Besserstellung von Kaisern gegenüber Königen gab es nicht.
Die Königinnen von morgen haben die besseren Voraussetzungen, ihr Königreich zu repräsentieren, »die Königinnen der Zukunft haben es echt gut«, meint Motivforscherin Helene Karmasin. »Sie können ihre Rolle viel besser ausführen, als es ein König könnte. Sie sind genau für dieses Gebiet da – für das Schöne. Sie müssen charmant auftreten, stilvoll eröffnen können, grüßen, Gastgeberinnen sein und dürfen karitativ wirken. Sie haben einfach lieb und schön zu sein und vielleicht etwas majestätisch. Da tut sich ein König mit seiner Uniform und den Orden, mit der dahinterstehenden militärischen Macht, die es ja nicht mehr gibt, als Grüßonkel gewissermaßen, schwerer.«
Noch sind nicht überall an den Königs- und Fürstenhäusern weibliche Thronerben erwünscht. Monaco verfährt in puncto Thronfolge nach der patrilinearen Primogenitur. So ist es in Artikel 10 der monegassischen Verfassung geregelt. Thronfolger ist demnach der erste direkte und legitime Nachkomme des Fürsten mit Priorisierung der männlichen Sprösslinge im gleichen Verwandtschaftsverhältnis. In Monaco wurde das Thronfolgeproblem im Jahr 2002 mit einer Verfassungsänderung gelöst. Seit diesem Zeitpunkt darf auch ein Sohn der Schwestern von Albert II. von Monaco den Thron besteigen. Das war notwendig, denn würde ein Thronfolger fehlen, fiele Monaco an Frankreich zurück.
Die beiden unehelichen Kinder von Fürst Albert II. sind von der Thronfolge ausgeschlossen: Die 1992 geborene Tochter Jazmin Grace Rotolo ebenso wie der 2003 geborene Sohn Alexandre Coste. Thronerben müssen in einer aufrechten Ehe gezeugt werden und katholisch sein.
Der Druck, der auf Fürstin Charlène lastete, endlich ein Kind bekommen zu müssen, hatte sich mit der Verfassungsänderung aufgelöst. Diese musste allerdings doch nicht in Anspruch genommen werden, denn am 10. Dezember 2014 brachte die Fürstin auf der Entbindungsstation des Princess Grace Hospital in Monaco Zwillinge zur Welt: Gabriella Theresa Marie, geboren um 17.04 Uhr, und Jacques Honoré Rainier um 17.06 Uhr. Das änderte die Thronfolge im Fürstenhaus. Prinz Jacques wurde der neue Erbprinz von Monaco. Laut Palast erhielt er nach dem Vertrag von Péronne von 1641 den Titel Marquis von Baux. Prinzessin Gabriella wurde als Nummer zwei der Thronfolge Herzogin von Carladès.
Fürst Albert II. und Fürstin Charlène von Monaco: Sie möchten das Märchen auf dem Grimaldifelsen fortsetzen.
Der Fortbestand des Fürstentums ist mit den Zwillingen, Prinz Jacques und Prinzessin Gabriella, gesichert.
Das Fürstenhaus ist sehr traditionsbewusst und daher darauf bedacht, die Herrschaft der männlichen Grimaldis zu sichern. Für Prinzessin Gabriella stand also bereits vor der Geburt fest, dass sie ein Leben lang die Nummer zwei sein würde. Zeugt ihr Bruder Jacques eines Tages Kinder, verliert sie im Fürstentum weiter an Bedeutung. Da ereilt sie das gleiche Schicksal wie ihre Tante Caroline, die durch die Zwillingsgeburt in der dynastischen Hierarchie erneut zurückgefallen ist und ab da nur mehr an vierter Stelle der Erbfolge stand. Bei ihrer Geburt 1957 war sie als erstes Kind von Fürst Rainier III. und Fürstin Gracia Patricia noch Thronfolgerin. Doch das Prinzip der patrilinearen Primogenitur brachte ihren 1958 geborenen Bruder Albert an die Macht. Da spielte es auch keine Rolle, dass sie durch die Ehe mit Ernst August von Hannover zur Königlichen Hoheit avancierte, während ihr Bruder, der Fürst, nur Durchlaucht ist.
Thronfolger der Monarchien Europas warten unterschiedlich lange auf die Krone. Während die einen noch die Schulbank drücken, ist einer schon im Rentenalter: Englands ewiger Thronfolger Charles (72). Kein royaler Azubi war jemals besser auf seine künftige Rolle als König vorbereitet.
Charles trägt Maßhemden zum Stückpreis von 350 Pfund, ist ein Vorreiter der Ökolandwirtschaft, Schirmherr von 425 Wohltätigkeitsorganisationen und hat zudem 20 eigene gegründet. Er hasst moderne Architektur, spricht mit seinen Pflanzen und glaubt an Homöopathie. Er besitzt kein Mobiltelefon, stattdessen wird er auf Reisen von einer Telefonistin begleitet. Ebenfalls immer dabei: Trauerkleidung für den Fall des plötzlichen Ablebens eines königlichen Verwandten. Wenn die Stunde kommt, wird Charles übernehmen, doch ein Mitarbeiter des Prinzen wurde jüngst im Magazin Time mit den Worten zitiert, Charles wolle noch »so viel Gutes tun wie möglich, ehe sich die Gefängnistore schließen«.
Die Queen: Kein Windstoß der Geschichte konnte Ihrer Majestät innerliche Festigkeit je erschüttern.
Überspringen kommt nicht infrage, die Erbfolge unterliegt keinem Schönheitswettbewerb. So gern immer wieder Umfragen zur Nachfolge der Queen angestellt werden – sie sind irrelevant. Die Linie der Thronfolge zu unterbrechen, ist genauso abwegig wie die Vorstellung, die Queen könnte abtreten. Ohnehin müssten darüber das Parlament sowie 15 Commonwealth-Staaten, in denen die Königin neben dem Vereinigten Königreich Großbritannien und Nordirland ebenfalls Staatsoberhaupt ist, entscheiden. Die Frage bleibt freilich rein theoretisch: Das Parlament würde nie den Inhaber des Throns frühzeitig in den Ruhestand schicken, es hat noch nie zwei lebende Herrscher Seite an Seite gegeben. Sollte die Queen durch Krankheit nicht mehr in der Lage sein, ihre Pflichten zu erfüllen, würde Charles kraft des Regency Act zwar Regent werden, aber nicht König, solange seine Mutter noch lebt.
Festgelegt sind die Regeln der britischen Thronfolge in der Bill of Rights von 1689, im Act of Settlement von 1701 und in der Royal Marriages and Succession to the Crown Bill von 2009. Nur das Parlament kann die Thronfolge ändern. Thronfolgeberechtigt sind alle noch lebenden, legitimen (nicht ausgeschlossenen) Nachkommen von Sophie von Hannover, jener Herzogin zu Braunschweig und Lüneburg und Kurfürstin von Braunschweig-Lüneburg, die durch den Act of Settlement ab 1701 die designierte Thronfolgerin der britischen Monarchie war.
Im Oktober 2011 beschlossen die Commonwealth-Staaten im Perth Agreement, die rund 300 Jahre alte Thronfolgeregelung zu ändern. Entscheidend wurde damit die Reihenfolge der Geburt, weibliche Nachkommen werden nicht mehr nach den männlichen Nachkommen gereiht. Diese gleichberechtigte Thronfolge gilt für Geborene seit dem 28. Oktober 2011, bei früher Geborenen bleibt alles beim Alten. Von der Thronfolge ausgeschlossen sind die Kinder unverheirateter Paare. Auch eine nachträgliche Hochzeit der Eltern ändert daran nichts.
Thronfolger dürfen eine Ehe mit einem katholischen Partner schließen, ohne, wie das früher der Fall war, von der Thronfolge ausgeschlossen zu werden. Allerdings muss der Regent als Vorsteher der englischen Staatskirche anglikanischen Bekenntnisses sein. Dieser Beschluss gilt seit dem 26. März 2015, nachdem er von allen Staaten des Commonwealth ratifiziert wurde. Durch die enge Verwandtschaft des europäischen Hochadels findet man auch regierende Monarchen anderer Staaten wie König Harald V. von Norwegen, König Carl XVI. Gustaf von Schweden und Königin Margrethe II. von Dänemark in der britischen Thronfolge.
Charles Philip Arthur George, Fürst von Wales, Herzog von Cornwall, wurde am 6. Februar 1952, im Alter von drei Jahren, Thronfolger. Seit dem 20. April 2011 ist er der am längsten amtierende Thronfolger. An diesem Tag stand er 59 Jahre, zwei Monate und 14 Tage bereit, um die Regentschaft anzutreten. Rekordhalter bis dahin war sein Ururgroßvater Edward VII. Er folgte nach 59 Jahren, zwei Monaten und 13 Tagen seiner Mutter, Königin Victoria, auf den Thron nach. Mittlerweile wartet Charles schon länger als 68 Jahre darauf, die Regentschaft anzutreten (Stand: August 2020).
Charles erblickte am 14. November 1948 das Licht der Welt. Ausgerechnet er, der Schüchterne, musste im Blitzlicht der Fotografen heranwachsen. Auf keinen Fall sollte er verweichlicht werden, also durfte es zu keiner Operation wegen abstehender Ohren kommen.
In seiner Biografie klagt der Thronfolger über seine »elende Kindheit«. »Ich kann mich an keine einzige Geste der Zuneigung erinnern.« Im Kindergartenalter wurde er nur zwei Mal am Tag zu einer kurzen Audienz bei seiner Mutter vorgelassen. Ein einziges Mal, erinnert sich Charles, blieb seine Mutter etwas länger bei ihm, während er von seinem Kindermädchen Helen Light-body gebadet wurde: »Sie tauchte ihre Hände nicht in das Badewasser, aber zumindest schaute sie zu.«
Weil die Nanny eine von der Queen georderte Nachspeise für Charles vom Speiseplan einfach gestrichen hatte, wurde sie von der Queen höchstpersönlich entlassen. Diese Strenge war selbst der Queen zu viel.
Auch Charles’ Vater war dem Kind keine Stütze. Bis heute hält Charles ihm vor, dass er ihn nach Schottland in ein Internat geschickt hat, wo er doch so an Heimweh gelitten habe. Queen Mum setzte sich für Charles ein, sodass er anschließend eine Schule in der Nähe von Schloss Windsor besuchen durfte. Doch Charles’ Vater sprach schließlich ein Machtwort und schickte ihn in die internationale schottische Privatschule Gordonstoun. Jene Schule, die dereinst auch Philip besucht hatte.
In seinem Abschlussjahr hatte Charles einen Zweier in Geschichte und einen Dreier in Französisch. Mit 13 Mitschülern teilte er sich ein Zimmer. Um sieben Uhr begann der Tag mit einem Morgenlauf. Morgens und abends wurde kalt geduscht, und während der 20-minütigen Mittagspause mussten die Schüler still auf dem Rücken liegen, während ein Lehrer ihnen vorlas oder Musik gespielt wurde.
Der 13-jährige Charles schrieb in einem Brief nach Hause: »Ich schlafe kaum. Weil ich schnarche, schlägt man mir ständig auf den Kopf. Es ist die absolute Hölle.«
Wahre Schreckensmeldungen in Sachen Erziehung im britischen Königshaus sind aus der Vergangenheit bekannt. Die beiden englischen Könige Edward VIII. und sein Bruder und Nachfolger George VI. wurden in ihrer Kindheit psychisch fast kaputtgemacht. Queen Elizabeth erlebte ihre Kinderjahre im Buckingham-Palast wie eine Gefangene, beinahe ohne Kontakt zur Außenwelt, mit wenigen Ausnahmen. So fuhr sie im Mai 1939 als 13-Jährige zum ersten Mal mit der Londoner U-Bahn und absolvierte einen sechswöchigen Arbeitsdienst. »Die einzige Gelegenheit, bei der ich meine Fähigkeiten mit Gleichaltrigen messen konnte«, erzählte sie Jahrzehnte später, sei die Führerscheinprüfung gewesen, die sie 1945 ablegte.
Bei Lilibeth, wie Elizabeth als Kind vom größten Teil ihrer Familie genannt wurde, wandte man jene Erziehungsmethoden an, die bei künftigen Regenten an der Tagesordnung standen. So brachte ihr zum Beispiel ihre Nanny Clara Knight von klein auf bei, den Besuch des stillen Örtchens in den Griff zu bekommen. Wenn Lilibeth dem Drang stundenlang widerstehen konnte, gab’s zur Belohnung Kekse.
Juni 1970: Ein Poloplatz nahe Schloss Windsor. Eine Ex-Freundin von Charles flüstert in dessen verschwitztes Ohr: »Ich hab die Richtige für dich gefunden. Camilla Shand, seit sechs Jahren liiert mit dem Kavallerie-Offizier Andrew Parker Bowles.« Doch Charles weiß, dass Camilla als seine Ehefrau nicht in Betracht kommt, da er nicht der erste Mann für sie ist. Sie heiratet Andrew Parker Bowles und wird zweifache Mutter.
Charles’ Wahl fiel auf die 19-jährige Kindergärtnerin Diana Spencer. Als der Kronprinz 1981 seine Verlobung mit ihr verkündete, soll ein Arzt zuvor noch Dianas Jungfräulichkeit bestätigt haben. Historisch gesehen diente dies dazu, sicherzustellen, dass die Braut nicht mit dem Kind eines anderen Mannes in die Ehe kam. So sollte das Fortleben des Adelsgeschlechts gesichert werden. In Zeiten von Vaterschaftstests und DNA-Analysen ist die Jungfräulichkeit der Braut heutzutage keine Bedingung mehr für ein Fortbestehen der Thronfolge.
Die Welt feierte das Brautpaar und schloss Diana ins Herz, als sie zwei Söhne zur Welt brachte: William und Henry, genannt Harry.
Majestäten werden nicht gewählt, das Königtum verdankt seine Macht einzig dem Erbprinzip. Daher kann ein regierendes Herrscherhaus nicht erwarten, dass das Privatleben seiner Mitglieder respektiert wird. Und so waren auch die Geburten der Kinder von Charles und Diana öffentliche Ereignisse. Direkt nach der Niederkunft wurden Queen Elizabeth II. und der jeweils amtierende Premierminister informiert. Erst im Anschluss daran durfte die Nachricht veröffentlicht werden. Eines steht fest: Schläft die Queen, gibt’s keine Bekanntgabe der Geburt.
