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Wilde Herzen, unbarmherzige Spiele
Mit farbigen Illustrationen bei Geräten mit Farbdisplay
Sabrina Gallo ist eine Naturgewalt, so faszinierend und beängstigend wie ein ungebändigter Sturm.
Adrik Petrov, der Bad Boy der Bratwa, hat endlich ein ebenbürtiges Gegenüber gefunden. Sabrina lässt sich nicht leicht erobern – doch Adrik berauscht die Jagd genauso wie die Trophäe. Er ist entschlossen, Sabrinas Herz zu gewinnen, koste es, was es wolle.
Er lockt sie weg aus Kingmakers hinein in die tödliche Unterwelt Moskaus, wo die Spannung zwischen dem leidenschaftlichen und impulsiven Paar immer größer wird ...
Kann Adrik Sabrina zähmen oder wird er sich an dem Feuer, das er zu kontrollieren versucht, verbrennen?
Sabrina & Adrik – eine spicy Lovers-to-Enemies-to-Lovers-Romance
Aus der Dark-Romance-Serie Kingmakers
Dieses Buch enthält potenziell triggernde Inhalte und behandelt unter anderem die Themen Gewalt, Mord, Drogenkonsum und expliziten Sex. Leseempfehlung: ab 18 Jahren.
Dieser Roman erschien in einer früheren Fassung bereits unter dem Titel »Der Wilde«.
Spice-Level: 3 von 5
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 606
Veröffentlichungsjahr: 2025
Eine unbarmherzige Mafia-Universität ist kein Ort für die zierliche und sanfte Cat. Ihr erstes Studienjahr ist überstanden, allerdings um den Preis ihrer Unschuld. Cat hat etwas Schreckliches getan, und Dean Yenin hat es gesehen. Er bietet ihr einen teuflischen Handel an: sein Schweigen und seinen Schutz … wenn Cat ihm gehört.
Deans perfide Machtspiele verlangen von Cat das Unmögliche, und nie hätte sie gedacht, dass sie die Dunkelheit in sich willkommen heißt. Doch selbst die sadistischsten Spiele haben Regeln, und Deans Faszination für Cat könnte ihm zum Verhängnis werden.
In Kingmakers wird Liebe von den tödlichsten Spielern eingesetzt. Aber manchmal sind die Verletzlichsten unerwartet stark und gerade die Mächtigsten anfällig für den Bann der Liebe …
Kingmakers – Jahr 1
Kingmakers – Jahr 2
Kingmakers – Jahr 3
Kingmakers – Jahr 4
Kingmakers – Graduation
Sophie Lark ist eine USA Today Bestsellerautorin. Mit ihrem Mann und ihren drei Kindern lebt sie im Süden Kaliforniens. Sie schreibt intensive Liebesromane mit starken, klugen Heldinnen und Männern, die alles tun, um ihre Herzen zu erobern.
Sophie Lark
Graduation
Roman
Aus dem Englischen von Martin Winkler
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Copyright © 2022, 2025 by Sophie Lark
Die Originalausgabe erschien 2022 in einer früheren Fassung unter dem Titel The Savage auf Englisch und Der Wilde auf Deutsch. Die überarbeitete Fassung, auf der diese Ausgabe basiert, erschien 2025 unter dem Titel Kingmakers – Graduation bei Bloom Books, an imprint of Sourcebooks, Naperville, Illinois.
Copyright © dieser deutschsprachigen Ausgabe 2025 by Bloom in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH,
Neumarkter Straße 28, 81673 München
(Vorstehende Angaben sind zugleich Pflichtinformationen nach GPSR)
Übersetzung: Martin Winkler
Redaktion: Anita Hirtreiter
Umschlaggestaltung: t.mutzenbach design, München
nach einer Originalvorlage von Sourcebooks
Umschlagdesign Serie: Emily Wittig
Umschlagdesign: Nicole Lecht / Sourcebooks
Umschlagmotive: © Shutterstock.com (Purple Raven Photography), iStockphoto (ioanmasay, xcarrot_007, morita kenjiro)
Illustrationen im Innenteil: © Line Maria Eriksen
Satz und E-Book-Konvertierung: GGP Media GmbH, Pößneck
Alle Rechte vorbehalten
ISBN 978-3-641-32809-2V001
www.penguin.de/verlage/bloom
Für meine bösen Mädchen
XOXO
When I’m Small – Phantogram
Girls – Zella Day
Goddess – Jaira Burns
All The Things She Said – Poppy
Company – Tinashe
La Vie En Rose – Emily Watts
American Money – BØRNS
Bad Girls – M.I.A.
Heartless – Kanye West
Don’t Blame Me – Taylor Swift
Die Kingmakers-Serie ist eine Dark Mafia Romance in einem Universitäts-Setting. Sie handelt von jungen Menschen aus kriminellen Familien. Dieser Roman enthält potenziell triggernde Inhalte. Auf Seite 524 findet sich eine Triggerwarnung (Achtung Spoiler!).
Was bisher geschah:
Was kostet die Loyalität zur Familie? Als die Liebe auf dem Spiel steht, trifft der Spion eine herzzerreißende Entscheidung. Ein riskanter Plan von Leo bringt Sabrina Gallo in den gefährlichen Strudel des berüchtigten Adrik Petrov.
Eine uralte Blutfehde entfaltet sich in Kingmakers. Als sich der Staub gelegt hat, stehen nicht mehr alle unversehrt da …
Dieses Jahr:
Sabrina soll für ihr zweites Jahr nach Kingmakers zurückkehren. Doch ein unerwarteter Besuch von Adrik bringt eine verlockende Versuchung mit sich …
Sabrina Gallo
Ich lehne mich gegen die Reling des Schiffes und lasse mir die kalte Salzgischt ins Gesicht spritzen. Das Deck ist die einzige Möglichkeit, sich abzukühlen. Meine Haare werden zerzaust werden, aber das macht mir nichts aus.
Ich ignoriere Ilsa Markov, die mit einer Gruppe von Vollstreckern am Fuß des Mastes ein Würfelspiel macht, absichtlich. Auch sie tut so, als würde sie nicht bemerken, wie jedes Schaukeln des Schiffes meinen Rock ein wenig weiter nach oben wirft.
Gestern Abend haben wir uns getrennt.
Sie meinte, es sei, weil sie ihren Abschluss machen und danach zu ihrer Schwester Neve nach Moskau ziehen wird, während ich noch drei Jahre auf dem College bleiben muss.
Wir wissen beide, dass das nicht der wahre Grund ist.
Als wir uns das letzte Mal stritten, sagte sie: »Ich glaube nicht, dass du beziehungsfähig bist.«
Das tat weh. Genau genommen waren wir nie »in einer Beziehung«, aber wir hatten das ganze Jahr über immer mal wieder miteinander geschlafen – und außerdem mochte ich sie wirklich.
Ilsa ist eine der wenigen Vollstreckerinnen und die Einzige, die mich beim Sparring umhauen kann. Sie verpasste mir ein blaues Auge, das mein halbes Gesicht einnahm, sodass ich wie das Phantom der Oper aussah. Das betrachte ich gern als unser erstes Date.
Im Moment schröpft sie Archie Chan um jeden Dollar, den er noch in seinen Hosentaschen hat. Sie würfelt so gut, dass Archie etwas über manipulierte Würfel murmelt, doch sie wirft ihm einen Blick zu, der ihn zum Schweigen bringt.
Ilsa würde sich eher ihren eigenen kleinen Finger abschneiden, als zu betrügen. Ich nenne sie »Wonder Woman« – nicht nur, weil sie wie sie aussieht, sondern weil ihr Ehrenkodex so hart und unbeugsam ist wie die Rüstung einer Amazone.
Keine Ahnung, ob sie den Spitznamen mag. Ilsa gefallen meine Witze nicht immer, was wahrscheinlich ein weiterer Grund ist, warum wir uns getrennt haben.
Ich habe keine Kontrolle über das, was aus meinem Mund kommt. Je schlimmer die Situation, desto lustiger finde ich sie. Mein Vater sagt, das hätte ich von meiner Tante Aida.
Bisher hat noch niemand Aida erwürgt, auch wenn manche es bereits versucht haben. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob ich so viel Glück haben werde.
Ich bin nicht mit dem sonnigen Gemüt meiner Tante gesegnet. Tatsächlich habe ich im Moment verdammt schlechte Laune.
Die Hälfte meiner Cousins und Cousinen macht zusammen mit Ilsa ihren Abschluss oder hat ihn bereits gemacht. Miles ist längst weg, und Leo und Anna verlassen mich auch bald.
Ich hasse es, jünger zu sein.
Ich habe mich darauf gefreut, nach Kingmakers zu kommen, aber es ist unmöglich, die Cousins und Cousinen einzuholen, die schon wieder weiterziehen und ihr Leben in der realen Welt beginnen. Wie sehr ich sie beneide!
Die strengen Regeln auf der Insel gehen mir auf die Nerven, ganz zu schweigen von den demütigenden »Hausaufgaben« und den unerbittlichen Klausuren. Der beste Teil des Jahres war, als wir das Boot des Dekans für eine nicht genehmigte Exkursion nach Kasachstan gestohlen haben.
Bei der Erinnerung an die eine Nacht, die ich von ganzem Herzen genossen habe, muss ich lächeln.
Die Nacht, in der ich Adrik Petrov zum ersten Mal begegnete.
Ich kannte ihn bereits vom Hörensagen. Adrik ist eine Legende in Kingmakers. Noch bevor er seinen Abschluss machte, organisierte er sein Wolfsrudel – eine Clique von Studierenden, die so rücksichtslos war, dass sogar die Dozenten Angst vor ihnen hatten.
Bei diesem kleinen Abenteuer hat er mir den Rücken gestärkt. Was aber nicht heißt, dass ich ihm etwas schulde. Ich habe ihm geholfen, seinen Onkel aus einer Gefängnisfestung zu befreien, also sind wir mehr als quitt.
Adrik hat mir aufgetragen, mich mit ihm am letzten Unitag am Hafen von Dubrovnik zu treffen.
Ich kann mich nicht entscheiden, ob es mehr Spaß machen wird, mit Russlands bösem Buben eine Spritztour zu machen oder ihn zu enttäuschen.
Leider legt das Schiff nur an einer Stelle an, sodass ich keine andere Wahl habe, es sei denn, ich springe über die Reling und schwimme das letzte Stück zum Ufer.
Vielleicht wartet er nicht einmal.
Männer halten ihre Versprechen sogar dann nicht, wenn sie im selben Haus wie du wohnen. Ich bin nicht so arrogant zu glauben, dass er in den letzten vier Monaten von mir geschwärmt hat, während ich auf einer abgelegenen Insel gefangen war.
Vielleicht erinnert er sich nicht einmal mehr daran, dass er mein Handgelenk so fest gepackt hat, dass ein blauer Fleck in Form seines Daumens entstanden ist.
»Wir werden uns auf alle Fälle wiedersehen. Ich wollte dir nur die Möglichkeit geben, auszusuchen, wo und wann.«
Als ob ich zu seinem Wolfsrudel gehören würde.
Als ob ich gehorchen müsste.
Er kennt mich nicht sehr gut.
Ich mag Männer nicht einmal.
Ist Adrik ein Mann? Oder ein Tier?
Ich grinse und überlege, wie ich ihn testen kann.
Ich habe noch mindestens eine Stunde Zeit, bis ich sehe, ob er gekommen ist.
Der Weg zurück zum Festland scheint endlos zu sein. In der Hitze ziehen alle ihre College-Uniformen aus, sodass die Hemden und Kniestrümpfe überall auf dem Deck verstreut sind.
Meine eigene Uniform ist bereits etwas abgenutzt. Sie wird stark beansprucht, wenn unser Unterricht nicht im Hörsaal stattfindet: Schießübung, Kampftraining, Überwachung, Foltertechniken, Tarnung und Infiltration. Der Saum meines karierten Rocks ist besonders betroffen und mit etwas Dunklem befleckt wie Fett oder altem Blut. Meine Socken haben schon lange ihren Gummizug verloren und sind um meine Knöchel gerutscht. Am liebsten würde ich sie verbrennen – vielleicht sollte ich das tun, wenn ich nach Hause komme. Gott weiß, dass diese Uniform keine drei Jahre mehr halten wird.
»Was schaust du so finster?«, fragt Cara, die sich mit einem unter den Arm geklemmten Notizbuch an das Geländer lehnt.
Es ist keine Hausaufgabe. Cara schreibt sich ständig Sachen auf, da sie Schriftstellerin werden will. Ich vermute, sie ist bloß nach Kingmakers gekommen, um Material für ihren Roman zu sammeln. Sie hat keine kriminellen Ambitionen, was aber nichts macht, denn ihre Schwester Anna ist die Erbin.
Cara ist so düster, wie Anna schön ist. Mit ihren großen, traurigen Augen und dem blassen, spitzen Gesicht sieht sie aus wie ein viktorianisches Geisterkind. Das passt – in dem gotischen Herrenhaus, in dem sie aufgewachsen ist, spukt es mit Sicherheit.
»Ich habe diese Klamotten echt satt«, sage ich.
Cara ist die Einzige auf dem Deck, die nicht übermäßig schwitzt, und ihre Uniform ist immer noch perfekt gebügelt. Die irischen Studierenden sind sogar krebsrot am ganzen Körper.
»Ist dir nicht heiß?«, frage ich.
»Reine Willenssache.« Gelassen wendet sie ihr Gesicht in die Brise.
Selbst der Dekan scheint sich in seinem dunklen Anzug und mit dem dichten schwarzen Bart unbehaglich zu fühlen. Wahrscheinlich ist er verärgert, dass er das Schiff mit dem Rest von uns zurück zum Festland nehmen muss. Das mit seinem Privatkreuzer hat sich herumgesprochen. Alle seine Geheimnisse sickern durch. In der Welt der Mafia bleibt nichts verborgen – es sei denn, alle, die es wissen, sind tot.
Der große böse Luther Hugo hat einen Schlag auf die Finger bekommen. Jetzt muss er so tun, als ob er sich von seiner besten Seite zeigt. Wären die Hugos nicht stinkreich, wäre er mit einem Messer in der Wirbelsäule als Abschiedsgeschenk vom College geflogen.
Ich weiß, dass er sich nicht wirklich verändert hat. Er steht im Schatten des Hauptmastes und zieht mich förmlich mit den Augen aus.
Ich erwidere seinen Blick.
Männer sehen mich so an, seit ich elf bin. Es stört mich nicht. Ihre Lust ist ihre Schwäche – und meine Stärke.
»Ich verabscheue ihn«, murmelt Cara.
Harte Worte von meiner sanftmütigen Cousine. Ich kann nicht widerstehen, sie zu necken.
»Ich bin mir da nicht so sicher. Für einen alten Mann ist er ziemlich heiß.«
Das ist wahr. Das Alter hat Hugos Statur nichts anhaben können und den teuflischen Ausdruck seiner scharfen Gesichtszüge nicht abgeschwächt.
»Sabrina!« Cara dreht sich angewidert zu mir um. »Das ist der Vater von Hedeon!«
»Und? Er ist ja nicht mein Vater.«
»Er hat eine Studentin gefickt!«
»Ich wünschte, er würde es noch mal tun.«
Cara schüttelt den Kopf und weigert sich zu lächeln.
Ich wechsle die Taktik und nicke Hedeon Gray zu, wobei ich meine Stimme andeutungsweise erhebe. »Wenn du so besorgt um den armen, unehelichen Hedeon bist, warum sitzt du dann nicht bei ihm?«
Hedeon ist bereits von Anna, Leo und unserem Cousin Caleb umgeben. Der einzige Platz zum Sitzen wäre direkt auf seinem Schoß.
Cara hat mich durchschaut und wird knallrot. »Nenn ihn nicht ›unehelich‹.«
»Tut mir leid.« Ich neige den Kopf zur Entschuldigung. »Ich meinte ›Bastard‹.«
Jetzt ist sie echt wütend, und ihre Fingerknöchel werden auf dem Rücken ihres Notizbuchs weiß.
Wortgewandt, wie sie ist, formt ihre Erwiderung wie einen Pfeil und schleudert ihn direkt auf mein Herz. »Lass es nicht an mir aus, nur weil Ilsa dich abserviert hat.«
Manchmal willst du ins Gesicht geschlagen werden.
Manchmal stachelst du jeden an, es zu tun.
Ich lache über meinen eigenen Erfolg. »Du bist ja heute ein richtiges kleines Miststück, was? Du musst Hedeon wirklich mögen …«
»Ach, verpiss dich.« Cara geht weg.
Sie hat genug von mir. Genau wie Ilsa.
Alle glauben, dass sie mich wollen. Die Dosis macht das Gift.
Noch immer rot vor lauter Wut setzt sich Cara neben Anna, die mir einen scharfen Blick zuwirft, während Leo sie mit einem Arm umschlungen hält.
Ich zwinkere ihr zu.
Stark tätowiert, weißblond und launisch – Anna ist genau mein Typ. Leo hat Glück, dass ich jünger bin.
Keine Sorge, wir sind nur angeheiratete Cousinen und nicht bei Game of Thrones.
Andererseits: Wer weiß, was mich in Versuchung führen könnte? Je mehr ich etwas nicht haben soll, desto mehr will ich es.
Meine Stimmung hat sich durch die Neckerei von Cara etwas gehoben, und ich blicke über das dunkelblaue Wasser hinaus. Endlich entdecke ich die Möwen und die weißen Segel, die Dubrovnik ankündigen. In weiteren zehn Minuten kommen die charakteristischen rostfarbenen Dächer der Altstadt in Sicht.
Das überfüllte Dock gibt keinen Hinweis darauf, ob Adrik wartet.
Ich sage mir, dass es mir so oder so egal ist.
Trotzdem schlägt mein Herz ein wenig schneller, denn der scharfe Geruch von Diesel und Salz scheint zu versprechen, dass heute etwas Aufregendes passieren wird.
Ich schnappe meinen Rucksack und werfe ihn mir über die Schulter. Darin habe ich Kleidung zum Wechseln, nur für den Fall.
Als wir in der Schlange stehen, um den Steg hinunterzugehen, kommt Ilsa auf mich zu. Sie wirft ihre schwarze Mähne zurück und sagt auf ihre direkte Art: »Nichts für ungut. Komm mich doch besuchen, falls du mal in Moskau sein solltest.«
Sie streckt mir ihre Hand entgegen. Ihre Nägel sind kurz geschnitten und nicht lackiert – etwas, das ich immer zu schätzen wusste, wenn sie ihre Finger in mich gleiten ließ.
»Schüttle mir nicht die Hand, du Arschloch«, antworte ich und ziehe sie in eine Umarmung.
Ich lege meine Wange in ihren Nacken und atme den sauberen Duft von Seife und Schießpulver ein. Bei der Abschlussprüfung in Treffsicherheit hat Ilsa den ersten Platz belegt.
Sie umarmt mich ebenfalls und lässt ihre Hand kurz auf meinem unteren Rücken ruhen, ehe sie mich loslässt.
»Man sieht sich, Kleine«, sagt sie, nur um mich zu ärgern.
Stattdessen lächle ich. Das kommt einem Kosenamen noch am nächsten.
»Viel Glück!«, sage ich.
Ilsa steht kurz davor, die Stelle als Lieutenant ihrer Schwester anzutreten. In der russischen Mafia ist das eine ungewöhnliche Vereinbarung. Die Markovs kontrollieren einen der reichsten Teile Moskaus, zumindest taten sie das, ehe der Hohe Rat zusammenbrach. Es herrscht Bürgerkrieg unter den Bratwa. Wer weiß, wer die Kontrolle übernehmen wird, wenn sich die Lage beruhigt hat.
Als ich zum Dock hinuntersteige, ist Adrik nirgends zu sehen.
Wahrscheinlich ist es so am besten. Ich bin mir sicher, dass meine Mutter darauf wartet, mich wieder in Chicago zu sehen.
Ich seufze und freue mich nicht auf den langen Heimflug und den noch längeren Sommer, der vor mir liegt. Mein Vater wird mich auf Trab halten, während er sein Imperium ausbaut.
Ich nehme an, es ist auch mein Imperium. Ich bin seine Erbin, aber manchmal denke ich, dass mein kleiner Bruder Damien für diese Rolle besser geeignet ist.
Die Gallos sind gesetzestreu geworden. Ich sollte meine Lizenz als Bauunternehmerin machen, anstatt nach Kingmakers zu gehen. Das würde meine Mutter bestimmt glücklicher machen.
Sie macht sich Sorgen um mich. Das tut jeder.
Sie wollen mich zu Hause haben, wo ich sicher bin.
Sicher ist langweilig. Sicher fühlt sich an wie hundert Kilo Stahlketten, die sich um meine Glieder legen.
Geboren und aufgewachsen in Chicago, habe ich kaum etwas von der Welt gesehen. Urlaube zählen nicht – Resorts und Hotels sind Spielhöllen für Touristen.
Ich dachte, Kingmakers würde mein Bedürfnis befriedigen, aber es ist nur ein weiteres Gefängnis, das noch mehr von allem Interessanten abgeschnitten ist.
Anna ist nicht meiner Meinung.
»Ich werde Kingmakers vermissen«, seufzt sie, nachdem sie das Schiff zum letzten Mal verlassen hat.
»Ich nicht!«, antwortet Leo vergnügt.
»Doch, das wirst du«, sagt Anna – die sich sicher ist, dass sie Leo besser kennt als er sich selbst.
Ein Schiffsarbeiter wirft meinen Koffer so hart auf den Steg, dass er beinahe ins Wasser kippt.
»Hey!«, brülle ich zu ihm hoch. »Hat dich deine Mutter so auf den Kopf fallen lassen?«
Er schreit mir etwas auf Kroatisch entgegen.
»Warum explodierst du gleich immer?« Leo lacht mich an.
Ich ziehe den Koffer aufrecht, eines der Räder steht schief und lässt sich nicht drehen.
»Hurensohn«, murmle ich und schaue zurück, um zu sehen, ob der Deckshelfer noch in Sichtweite ist.
»Komm schon.« Anna packt mich am Arm und zieht mich mit sich. »Dafür ist keine Zeit.«
Cara und Caleb warten bereits am Ende der Anlegestelle auf uns. Ihre Koffer gehören zu den ersten, die ausgeladen werden.
Ich folge meinen Cousins und Cousinen zum Taxistand und bleibe etwas zurück, denn die Verheißung des Tages hat sich nicht erfüllt.
Ehe ich die gepflasterte Halle zwischen dem Hafen und den Schlangen verbeulter Taxis überqueren kann, kommt eine schwarze Ducati vor mir zum Stehen, und eine Auspuffwolke steigt um uns herum auf. Der verchromte Auspuff funkelt in der Sonne, das Motorrad strahlt Wärme aus wie ein Lebewesen.
Es ist die Superleggera V4, das schnellste Superbike in der Produktion. Ducati hat nur fünfhundert Stück davon gebaut, ich habe also noch nie eines in natura gesehen.
Mein Blick gleitet über den schlanken Kohlefaserrahmen. Der Motor gibt ein leises Brummen von sich, das mir in den Knochen kribbelt. Es ist verdammt schön.
Der Fahrer zieht seinen Helm ab und schüttelt seinen Kopf mit dem dichten Haar. Er ist dunkler gebräunt als beim letzten Mal, als ich ihn sah, fast so braun wie ich. Seine schmalen blauen Augen, blass wie ein Husky, blicken zu den meinen auf. Seine nackten Unterarme sind staubig von den Straßen, deutliche Schweißspuren sind zu sehen. Die Hand, die den Helm hält, ist zerschunden. An den Fingerknöcheln sind tiefe Schnitte erkennbar.
Adrik Petrov leibhaftig.
»Du bist spät dran«, sage ich.
»Ich würde sagen, ich komme genau zur rechten Zeit.«
Sein Englisch ist makellos, der männliche Biss des slawischen Akzents unterstreicht jedes Wort.
Adrik ruckt mit dem Kopf in Richtung Leo und Anna. »Schön, euch zu sehen.«
Man würde nie vermuten, dass Adrik jemals unsere Hilfe gebraucht hat. Ich bezweifle, dass er es zugeben würde.
Arrogant wie immer wirft er sein schwarzes Haar aus dem Gesicht und strahlt so viel Wärme aus wie das Motorrad. Er ist nicht ganz so groß wie Leo, aber breiter im Körperbau, mit einer straffen, geballten Energie, die die Adern auf seinen Handrücken hervortreten lässt.
Wie der Motor, der auf Hochtouren läuft, ist Adrik ungeduldig.
»Kommst du oder nicht?«
Ich würde gern Nein sagen, nur um ihm das Grinsen aus dem Gesicht zu wischen. Doch ich kann den Blick einfach nicht von seinem Motorrad abwenden. Wenn Du sollst nicht begehren ein echtes Gebot ist, komme ich direkt in die Hölle.
»Wenn sie nicht aufsteigt, komme ich mit«, sagt Caleb und schwärmt von der Ducati.
Mein Gehirn führt ein Dutzend schneller Berechnungen durch.
»Ich komme mit.« Ich schiebe meinen Koffer zu Cara, die ihn schnell auffangen muss, damit er nicht auf seinem wackeligen Rad umkippt. »Bring das für mich nach Hause, ja?«
Cara schaut zwischen Adrik und mir hin und her. Sie ist von dieser Idee nicht begeistert.
»Was soll ich deinem Vater sagen?«, verlangt Leo zu wissen.
»Sag ihm, dass ich morgen einen Flug nehme.«
Leo versperrt mir den Weg, die Arme vor der Brust verschränkt. »Wenn du dich in Schwierigkeiten bringst …«
»Ach, spar dir das«, schnauze ich ihn an. »Nach dem Jahr, das du hattest!«
Leo grinst, wohl wissend, dass er ein dreckiger Heuchler ist. »Na gut. Ich werde deinen verdammten Koffer tragen, für Cara ist der ja viel zu schwer!«
Cara reicht den Koffer an ihn weiter.
Meine Cousins und Cousinen gehen in Richtung Taxistand, Anna bleibt für einen letzten warnenden Blick zurück.
Ich drehe ihr den Rücken zu.
Ich hasse es, wenn sie mich wie ein Kind behandeln.
Mit Adrik allein fühlt sich die Luft dick wie Honig an.
»Wie lautet der Plan?«, frage ich.
Seine strahlend blauen Augen mustern mich von Kopf bis Fuß und nehmen die Uniform in Augenschein, an die er sich wahrscheinlich noch erinnert. Ein leises Lächeln spielt um seine Lippen.
»Hast du Hunger?«, knurrt er.
Seine Stimme ist tief und rau. Ich kann die Hitze seines Körpers riechen, vermischt mit Meersalz und dem Auspuff des Motorrads. Die Spitze seiner Zunge ruht auf der scharfen Kante seines Schneidezahns, während er auf meine Antwort wartet. Gegen das Blenden der Sonne auf dem Wasser hat er die Augen zusammengekniffen.
»Immer.«
»Ich habe für uns im Coco reserviert.«
Er versucht, mich zu beeindrucken. Das Coco ist das schickste Lokal in Südosteuropa – so schick, dass selbst die Mafia-Bälger Mühe haben, dort einen Tisch zu bekommen.
»Steig auf«, sagt Adrik und hält mir seinen Helm hin.
O Gott, am liebsten würde ich mein Bein über diesen Sitz werfen.
Aber selbst Querulanten haben Grenzen, die sie nicht überschreiten wollen.
»Ich fahre nicht auf dem Sozius.«
»Dann viel Spaß beim Laufen!«, spottet er.
Ich drehe mich auf dem Absatz meiner Turnschuhe um und marschiere in Richtung des Hotels Artemis los. Adrik starrt mir hinterher und denkt offensichtlich, dass er meinen Bluff durchschaut hat.
Ich bluffe nicht.
Eine Reihe von Mopeds und Motorrädern parken am Rande der Straße. Ich scanne die Reihe und suche nach der besten Option.
Eine bonbonrote Kawasaki sticht hervor. Sie ist nicht annähernd so stark wie Adriks Motorrad, aber sie ist schlanker und könnte in den engen mittelalterlichen Straßen der Altstadt schneller sein. Solange sie den richtigen Fahrer hat.
Ich hole mein Messer aus der Tasche und klappe die Klinge heraus. In Sekundenschnelle habe ich die Zündkappe aufgeschraubt und die Drähte daruntergeklemmt. Dann ziehe ich die Kupplung und lasse die Drähte zünden, bis der Motor aufheult.
Ohne einen Blick zurück auf Adrik zu werfen, brause ich die Straße hinunter.
Der Wind peitscht mein Haar zurück. Der pochende Motor zwischen meinen Beinen schickt lebhafte Vibrationen durch meinen ganzen Körper, hinauf zu meinen Fingerspitzen und hinunter zu meinen Zehen.
Ich liebe dieses Gefühl, verdammt noch mal!
Es ist acht lange Monate her, dass ich Motorrad gefahren bin – das ist schlimmer, als enthaltsam zu sein.
Das Motorrad erweckt mich zum Leben und lässt das Blut durch meine Adern rauschen. Es setzt jedes Neuron in Gang, bis sich die Kopfsteinpflaster in hoher Auflösung abheben, bis ich die Rufe der Fischhändler auf dem Freiluftmarkt von Gundulićeva poljana höre und den verlockenden Duft von selbst angebautem Trüffel und Olivenöl rieche, während ich am Wein- und Käseladen in Gligora vorbeifahre.
Im September habe ich bloß einen Tag in Dubrovnik verbracht, aber wenn mein Vater und ich eines gemeinsam haben, dann ist es der Blick fürs Detail. Außer meinem hübschen Gesicht habe ich auch ein fotografisches Gedächtnis. Daher kann ich mich an jede Straße erinnern, durch die ich gegangen bin, und an jedes Geschäft, an dem ich in der Nacht vor der Überfahrt nach Kingmakers vorbeikam.
Ich weiß genau, wo sich das Coco befindet und wie man dorthin kommt.
Vielleicht kenne ich sogar eine schnellere Route als Adrik.
Ich meide die überfüllte Durchgangsstraße Stradun, die von Touristen, Straßencafés und überladenen Kitschkarren verstopft ist, und biege rechts scharf in eine Gasse ein, um dann noch einige Male durch enge Wohnstraßen zu kurven.
Als Adrik hinter mir herfährt, heult sein Motorrad laut auf.
Er versucht, mich einzuholen.
Seine Maschine ist schneller, keine Frage. Wenn das hier eine Rennstrecke wäre, würde er mich in einer einzigen Runde überholen.
Aber wir sind nicht auf einer Rennstrecke. Je öfter wir anhalten und wieder losfahren müssen und je schärfer die Kurven sind, die wir nehmen, desto stärker kann ich den leichten Rahmen und den flinken 650er-Motor der Ninja nutzen.
Ich erwarte, dass ich ihn abhängen werde.
Als ich einen Blick über die Schulter werfe, sehe ich, dass Adrik tief auf dem Motorrad sitzt und den Abstand zwischen uns verringert.
Er beherrscht die Maschine wie ein Profi, schneidet mit chirurgischer Präzision durch die Kurven und gewinnt langsam an Boden gegenüber mir.
Adrik weiß nicht nur, wie man fährt, sondern auch, wie man Rennen fährt.
Im Rennsport geht es darum, die beste Linie zu finden. Es geht um Strategie. Deshalb gewinnt das beste Gehirn. Man muss in jeder Kurve Sekundenbruchteile einsparen, jede Runde perfekter nehmen als die letzte.
Ich fahre meine Kurven mit maximaler Geschwindigkeit, komme schnell hinein und drehe so eng wie möglich.
Adriks Motorrad ist größer, daher muss er in den Kurven langsamer fahren. Aber er berechnet seine Winkel wie der verdammte Pythagoras, flacht die Kurve ab und bringt das Motorrad so schnell wie möglich wieder auf eine gerade Linie, damit die Ducati ihren monströsen 998-Motor voll ausnutzen kann.
Adrik macht die geringere Eintrittsgeschwindigkeit mit einer höheren Austrittsgeschwindigkeit wett.
Es ist eine mathematische Gleichung. Das weiß ich, und anscheinend weiß er es auch.
Ich rase durch einen engen Kreisverkehr und lehne mich so stark in die Kurve, dass mein nacktes Knie von der Straße fast aufgeschrammt wird und mein Haar im Staub flattert.
Ich habe dieses Rennen begonnen, und ich werde es ganz sicher gewinnen.
Im Vergleich zu dem gewaltigen Dröhnen der Ducati klingt mein Motorrad wie ein Rasenmäher. Ich erhebe mich vom Sitz, tue so, als wollte ich rechts aus dem Kreisverkehr fahren, biege dann aber links ab und schieße in die Lücke zwischen einem Lieferwagen und einem Fiat. Der Lieferwagenfahrer drückt auf die Hupe, und der Besitzer des Fiats schreit wütend aus seinem Fenster. Ich lache triumphierend und ziehe von Adrik weg.
Da ich mich in der Gegend nicht so gut auskenne, stoße ich auf eine Steintreppe, die so eng ist, dass der Lenker meines Motorrads beim Hinunterfahren auf beiden Seiten über den Putz schrammt. Schrecklich für die Stoßdämpfer, aber wen kümmert’s, es gehört ja nicht mir.
Beinahe wäre ich mit einer alten Frau mit geblümtem Kopftuch zusammengestoßen, die erschrocken zurückweicht.
»Oprosti!«, rufe ich ihr fröhlich zu.
Sie schüttelt eine Faust nach mir und beginnt dann, die Treppe hinaufzugehen, einen Korb mit Brot, Marmelade und frischen Schnittblumen unter den Arm geklemmt.
Adrik ist gezwungen, am oberen Ende der Treppe zu warten und zuzusehen, wie sie mühsam die Stufen hinaufsteigt.
Verrückt lachend sause ich durch das Buza-Tor, während ein wütender uniformierter Wärter etwas auf Kroatisch ruft.
Adrik wird mich jetzt niemals einholen.
Ich fahre unter den leuchtend orangefarbenen Seilbahnen hindurch, die zum Gipfel des Srd Hill hinaufführen. Wir hätten eine Gondel nehmen können, aber ich fahre lieber mit dem Motorrad diese kurvenreiche Straße, die mich auf den mediterranen Hang bringt, während das Meer flach und glitzernd unter mir liegt.
Staubwolken wirbeln hinter mir auf wie Rauch. Ich rase immer schneller, rücksichtslos und übermütig. Dabei jage ich den Schwalben hinterher, die mir im Sturzflug über den Weg fliegen. Ich rase nicht mehr mit Adrik um die Wette. Stattdessen fordere ich die Stimme heraus, die mir sagt, ich solle langsamer fahren, bevor ich eine Kurve zu hart nehme und von der Klippe stürze oder mit einem Reisebus zusammenstoße, der aus der entgegengesetzten Richtung kommt.
Die Vernunft ist nie so stark wie der Drang nach mehr.
Ich habe keinen Engel auf meiner Schulter, nur einen Teufel, der mir zuflüstert: »Schneller, schneller … verdammt, flieg!«
Ich erreiche den Gipfel.
Vor mir liegt keine Straße mehr, sondern bloß noch der überwältigende Blick auf den Hafen und die sich weit unten befindende Altstadt.
Meine absolute Filmlieblingsszene ist die, in der Thelma und Louise mit ihrem 66er Thunderbird über den Rand des Grand Canyon fahren. Noch nie habe ich etwas Schöneres gesehen als dieses babyblaue Auto, das über die Abbruchkante in die Tiefe rast.
Ich werde nie als alte Frau im Bett sterben. Meine letzte Erinnerung wird etwas so Schönes sein, dass es in der Ewigkeit nachhallen wird.
Eines Tages … nicht heute.
Ich biege mit dem Motorrad in einen schattigen Innenhof ein, an dessen Ende sich der Eingang zum Restaurant befindet. Die Doppeltüren werden von einer altmodischen Markise gekrönt, auf der in goldener Schrift der Name Coco zu sehen ist.
Kurz vor dem Parkwächter bleibe ich stehen.
»Ich parke selbst«, sage ich und hoffe, dass er das klaffende Loch, das eigentlich ein Zündschloss sein sollte, nicht bemerkt.
Als ich das Motorrad an seinen Platz bringe, zögere ich und betrachte einen Moment die verworrenen Drähte, deren Enden miteinander verbunden sind.
Ich nehme mein Messer aus der Tasche und schneide sie ab.
Dann marschiere ich, staubig und verschwitzt, zum Restaurant und plane bereits, wie ich einen Tisch bekomme.
Adrik Petrov
Wegen Sabrina Gallo habe ich den weiten Weg nach Kroatien auf mich genommen.
Das klingt vermutlich verrückt, da ich sie nur einmal getroffen habe. Man könnte wohl sagen, sie hat mich beeindruckt.
Sie hat mich verfolgt wie ein Ohrwurm, ein Lied, das nicht aufhören wollte, in meinen Gedanken zu spielen. Selbst wenn ich glaubte, an etwas anderes zu denken, hörte ich ihr heiseres Lachen, wild und spöttisch, in meinem Kopf widerhallen.
Ich bin es gewohnt, derjenige zu sein, der immer am weitesten geht und alle schockiert.
Ich war der Strom.
Bis Sabrina vor mir auftauchte wie ein hundert Millionen Volt starker Blitz direkt vor meinen Füßen.
Sie mischte sich in meine Rettungsmission, stur und unerbittlich. Ich wollte die Gallos nicht dabeihaben, es sollte eine Familienangelegenheit sein. Allerdings sah ich bald, dass sie mehr als fähig war – geradezu genial. Am Ende einer einzigen Nacht in ihrer Gesellschaft wusste ich, dass ich so etwas noch nie gesehen hatte und vielleicht nie wieder sehen würde.
Also bestand ich darauf, dass sie sich mit mir am letzten Unitag auf dem Steg trifft.
Ich wollte einen Tag mit ihr allein verbringen, sie wie eine Taschenuhr auseinandernehmen und herausfinden, wie sie tickt.
Ich bin gut darin, Menschen zu lesen. Wirklich verdammt gut.
Wenn man versteht, wie jemand denkt, weiß man, was er oder sie tun wird.
Ich habe nicht damit gerechnet, dass innerhalb von fünf Minuten dieses Collegemädchen, das mir kaum bis zum Kinn reicht, auf einem gestohlenen Motorrad vor mir davonbrausen würde.
Noch weniger habe ich erwartet, dass Sabrina vor mir im Restaurant sein würde und sich ihren eigenen Tisch direkt am Fenster sichert – ohne meine Reservierung zu benutzen.
»Wie bist du hier hereingekommen?«, frage ich und lasse mich auf den leeren Sitz neben ihr fallen.
Ich möchte ihr nicht die Genugtuung geben, zu sehen, wie verschwitzt und schmutzig ich geworden bin, als ich sie hier hochgejagt habe, aber da Sabrina keinen Helm hatte, sieht sie noch schlimmer aus. Ihr Gesicht ist staubverschmiert, und ihre Bluse hat die Farbe von schwachem Tee.
»Niemand weist mich an der Tür ab«, antwortet sie.
Das hört sich ganz schön eingebildet an, ist aber wahrscheinlich wahr. Ein so hübsches Mädchen wie sie habe ich noch nie gesehen, Sie hat die Art von überirdischer Schönheit, die fast schon verstörend ist. Man wartet auf etwas, das sie vermenschlicht – einen ungünstigen Blickwinkel oder einen hässlichen Gesichtsausdruck –, doch es kommt nie.
Selbst der Schmutz in ihrem Gesicht unterstreicht nur das strahlende Weiß ihrer Augen und das Aufblitzen ihrer Zähne, wenn sie grinst. Ihre Haut sieht geröstet aus, als wäre sie über einem Feuer versengt worden. Sie leckt sich den Staub von den Lippen, deren zartes Rosa die Farbe von Himalayasalz hat.
Sabrina knistert vor Energie, die Haare auf ihrem Kopf leuchten im Sonnenschein wie goldene Fäden. Wenn ich sie berühre, könnte sie mir einen Stromschlag verpassen. Und doch brenne ich darauf, sie in die Finger zu bekommen.
Ich bin noch nie einer Frau nachgejagt.
Das Abendessen ist mir scheißegal – ich will sie wieder auf dem Motorrad haben. Dieses Mal werde ich sie erwischen.
Sabrina hat andere Pläne. Sie studiert die Speisekarte und erklärt: »Ich bin am Verhungern. Auf dem Schiff haben wir nichts zu essen bekommen. Was ist hier gut?«
»Alles«, sage ich und nehme ihr die Speisekarte aus der Hand. »Aber wir sitzen nicht hier.«
Wenn sie die Stirn runzelt, bildet sich eine feine Linie zwischen ihren Augenbrauen. Das macht sie bloß noch attraktiver, so wie ein Goldfaden in der Kintsugi-Keramik.
»Warum nicht?«
»Weil mein Tisch besser ist«, sage ich, nehme ihren Arm und ziehe sie auf die Beine.
Das ist ein Vorwand, sie zu berühren. Ihr Fleisch brennt auf meiner Handfläche, warm von der Sonne und der Anstrengung der Motorradfahrt.
Menschen, die noch nie Motorrad gefahren sind, haben keine Ahnung, wie viel Kraft es erfordert. Es überrascht mich nicht, dass ich unter der glatten Haut ihres Unterarms harte Muskeln spüre.
»Warum machst du dich nicht erst frisch?«, schlage ich ihr vor. »Das Bad ist da drüben.«
»Das werde ich, nachdem ich bestellt habe. Ich habe dir doch gesagt, dass ich Hunger habe«, erwidert sie hartnäckig, ungeachtet ihres derzeitigen Aussehens.
Sie widersetzt sich mir gern.
Sie wird noch früh genug lernen, dass ich bekomme, was ich will.
Es gibt hundert Möglichkeiten, einen Menschen seinem Willen zu unterwerfen. Nicht nur mit roher Gewalt, die das gröbste Mittel ist. Ich bin unendlich anpassungsfähig und verdammt unerbittlich.
Also lächle ich Sabrina an und sage: »Ich liebe Frauen mit Appetit.«
Ihre dichten Wimpern zucken wie ein Fächer zu mir hoch und offenbaren den direkten Blick ihrer rauchigen Augen. Ein Lächeln spielt um ihre Lippen. »Ich wette, das tust du.«
Da sie nicht weiß, wo mein Tisch steht, und sie anscheinend wirklich Hunger hat, habe ich das Vergnügen, ihr dabei zuzusehen, wie sie mir sanftmütig wie ein Kätzchen die Treppe hinauffolgt – zumindest im Moment.
Ich habe die gesamte Dachterrasse reserviert. Eine dichte Pergola aus Zitronenbäumen schützt vor der Hitze, und die nach den Früchten duftende Luft ist kühl und frisch. Die Sonne beginnt gerade, ins Wasser einzutauchen. Der wolkenlose Himmel leuchtet flammend auf, kurz, aber gleißend.
Sabrina zieht eine rußgeschwärzte Augenbraue hoch und scheint beeindruckt. »Na gut, es ist ein besserer Tisch«, gibt sie zu.
Unser Kellner eilt herbei, ein frisches weißes Tuch über dem Unterarm gefaltet. Sein dunkles Haar hat er im Nacken zu einem Man-Bun zusammengebunden, und da er noch so jung ist, kann er es nicht lassen, Sabrina anzustarren – obwohl er weiß, dass ich das Trinkgeld gebe.
»Darf ich Ihnen zuerst einen Drink anbieten?«, stammelt er.
»Habt ihr Vietti?«, fragt Sabrina nach.
»Weiß oder rot?«
»Natürlich weiß«, erklärt sie. »Ich scheiß auf Rotwein.«
Der Kellner, der nicht weiß, wie er auf diesen vulgären Ton reagieren soll, lacht nervös und wendet sich dann an mich. »Und Sie, Sir?«
»Das Gleiche für mich.«
Ich teile Sabrinas Vorurteil gegen Rotwein nicht, doch ich möchte das trinken, was sie trinkt.
Die Stille, die auf den Abgang des Kellners folgt, könnte unangenehm sein. Allerdings nicht für mich, denn ich habe mich noch nie unangenehm gefühlt, aber vielleicht für Sabrina.
Sie lehnt sich in ihrem Stuhl zurück, die Arme über die hinteren Streben gestreckt. Ihre Beine sind gespreizt, jedoch nicht so weit, dass man ihre Unterwäsche sehen kann – absichtlich unanständig. Ich nehme an, sie hat ihre Uniform anbehalten, um mir zu zeigen, wie wenig Mühe sie sich für dieses Treffen gibt.
Wenn sie höflich wäre, würde sie sich nach meinem Onkel erkundigen.
Stattdessen fragt sie: »Was ist in Moskau los?«
»Du musst schon etwas genauer sein. Es ist eine große Stadt.«
Sabrina stößt ein ungeduldiges Schnauben aus. »Ivan Petrov hat seine Besitztümer nach Amerika verlegt. Dein Vater hat die Kontrolle über St. Petersburg übernommen. Ich frage mich, wer die Stelle in Moskau füllen wird. Besonders jetzt, da Danyl Kuznetsov tot ist.«
Meine Hand zuckt unter dem Tisch – vor Vergnügen, nicht vor Verärgerung.
»Das klingt, als wüsstest du mehr darüber als ich.«
»Einen Scheißdreck tue ich.« Sabrina kneift die Augen zusammen. Sie mag es nicht, wenn ich Spielchen spiele.
In den letzten zwanzig Jahren haben die Petrovs St. Petersburg zu unserer Hochburg gemacht. Dennoch ist es wichtig, in Moskau Fuß zu fassen, denn dort ist der Sitz des Hohen Rats. Mein Vater hat mich dorthin geschickt, um unseren Platz zu sichern. Ich habe vor, noch viel mehr als das zu tun.
»Vielleicht übernehme ich Moskau«, sage ich beiläufig.
»Wie viel davon?«
»Alles.«
Sabrina beißt sich auf die Lippen und grinst. »Was ist mit den Markovs?«
Jetzt bin ich es, der eine Augenbraue hochzieht. Den Markovs gehört das größte Gebiet in Moskau. Nikolai Markov hat bloß Töchter. Der Hohe Rat wird nicht ohne Weiteres eine weibliche Erbin akzeptieren, nur mit ihrer Schwester als Lieutenant. Auch die anderen Pakhans nicht. Neve Markov wird Glück haben, wenn sie ein Jahr durchhält.
Die Ankunft des Weins unterbricht uns.
Sabrina ergreift ihr Glas und nimmt eifrig einen Schluck, bevor ich einen Toast aussprechen kann.
»Pa-yé-kha-lee«, sage ich trocken und halte mein Weinglas hoch.
Sabrina lässt ihr Glas so kräftig gegen meines klirren, dass es fast zerspringt.
»Pa-yé-kha-lee«, imitiert sie mit erstaunlich guter Aussprache.
Ich nehme einen Schluck. »B’lyad!«, spotte ich. »Das ist reiner Zucker!«
»Ich mag es, wenn mein Wein nach Zuckerwatte schmeckt«, entgegnet Sabrina und lacht.
Er ist süß, aber auf den zweiten Geschmack nicht aufdringlich. Eigentlich ist er erfrischend, mit einem säuerlichen Hauch und leichter Kohlensäure.
Sabrina grinst, als ich ein wenig mehr trinke. »Er schmeckt dir.«
»Er ist nicht schrecklich«, gebe ich zu.
Süßes gehört nicht zu meinen Leidenschaften.
Salz hingegen …
Ich konzentriere mich auf das Mädchen, das mir gegenübersitzt. »Warum interessierst du dich für die Geschäfte der Bratwa?«
»Nur für eine bestimmte Bratwa.«
»Und wer ist das?«
»Ich habe früher mit Ilsa Markov gefickt«, sagt Sabrina schelmisch.
Sie versucht, mich eifersüchtig zu machen. Allerdings hätte sie sich ein weniger attraktives Objekt aussuchen sollen. Ich kenne Ilsa Markov – obwohl sie für meinen Geschmack zu bullig ist, treibt die Vorstellung, sie mit Sabrina im Bett zu haben, das Blut direkt in meinen Schwanz.
»Wann war das?«, erkundige ich mich.
»Oh, bis ungefähr … gestern Abend.« Sabrina lächelt verrucht.
Ich trinke den Rest des Weines in einem Schluck aus. »Und gerade als ich dachte, ich wüsste alles über Ilsa …«
»Du wusstest nicht, dass sie lesbisch ist?«
»Ich wusste nicht, dass sie einen so guten Geschmack hat.«
Das bringt Sabrina zum Lachen, so leise und vergnügt, dass mein Penis auf unangenehme Proportionen anschwillt und nicht mehr in meine Jeans passt.
Dieses Mädchen ist noch viel berauschender als der Wein. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal allein durch ein Gespräch einen Ständer bekommen habe.
»Möchten Sie bestellen?«, fragt der Kellner, der mit irritierender Schnelligkeit wieder auftaucht.
Ich werfe ihm einen flammenden Blick zu, der ihn einen Schritt zurückweichen lässt. Am liebsten würde ich ihm sagen, dass er sich für die nächsten Stunden verpissen soll, aber Sabrina hat Hunger.
»Wir nehmen die Fritule«, beginne ich.
»Für mich danach das Filet«, wirft Sabrina ein, bevor ich auch noch ihre Hauptspeise bestellen kann.
»Für mich auch«, sage ich und reiche ihm unsere Speisekarten.
»Ich weiß nicht, ob ich Fritule mag«, sagt Sabrina mit einem Anflug von Verärgerung.
»Das wirst du.«
»Woher willst du das wissen?«
»Weil sie köstlich sind. Und genau wie Ilsa vertraue ich auf deinen Geschmack.«
Das besänftigt sie ein wenig. Als unsere Vorspeise kommt, taut sie völlig auf – die heißen, knusprigen kleinen Gebäckstücke sind mit Rosinen, frisch geriebener Orangenschale und einem Schuss Rum gefüllt. Sabrina verschlingt sie in jeweils zwei Bissen.
»Einfach köstlich«, sagt sie und gibt bereitwillig zu, dass ich recht habe.
Von allen Dingen, die ich an ihr mag, ist dies einer ihrer besten Charakterzüge.
Sabrina
Ausnahmsweise ist der Hype gerechtfertigt. Das Essen im Coco ist fantastisch, und Adrik ist genauso beeindruckend, wie alle sagen.
Ich suche ständig nach einer Schwachstelle in seiner Persönlichkeit – etwas, das er zu wissen glaubt, von dem ich weiß, dass es falsch ist. Einen lächerlichen Witz. Eine passende Gelegenheit, bei der ich sein Ego angreifen kann und er wie jeder andere Mann, dem ich je begegnet bin, nicht damit umgehen kann und aufbraust.
Das ist es, was ich erwarte – denn das ist es, was immer passiert ist, wenn ich versucht habe, mit Männern auszugehen.
Sie hassen es, wenn man ihnen nicht zustimmt – vor allem, wenn man selbst recht hat.
Sie hassen es, wenn man sie nicht anhimmelt.
Und vor allem hassen sie es, wenn du anders bist als das Bild, das sie von dir im Kopf haben.
Das passiert vor allem mir.
Männer schauen mich an und sehen in mir ein Sexsymbol. Sie wollen mich so sehr, dass sie sich nicht vorstellen können, dass das, was in dieser Verpackung steckt, ihnen nicht ganz so gut gefällt wie das Äußere.
Sie sagen, ich sei alles, was sie je wollten – und dann wollen sie alles an mir ändern.
Wie ich mich kleide, wie ich rede, was ich mag, wie ich mich verhalte.
Und das, bevor die Eifersucht einsetzt.
Je mehr sie dich wollen, desto weniger können sie es ertragen, dass dich jemand anderes ansieht.
Unser Kellner versucht, sich zurückzuhalten, aber selbst er kann einem verstohlenen Blick auf meine Bluse nicht widerstehen, als er die Hauptspeisen bringt.
Ich überprüfe, ob Adrik es bemerkt hat.
Er lehnt sich in seinem Stuhl zurück, sein Weinglas leicht zwischen Mittel- und Ringfinger balancierend. Sein Gesichtsausdruck ist so entspannt wie immer, keine Spur von Irritation zieht die dicken schwarzen Brauen zusammen.
In dem Moment, in dem der Kellner geht, sagt er: »Hat dir jemals jemand widerstehen können?«
Ich lächle. »Bis jetzt noch nicht.«
Adrik schenkt mir gekonnt noch etwas Vietti in mein Glas ein, wobei er mir in die Augen sieht, ohne aufzupassen, was er tut. »Dann bin ich wohl genau wie alle anderen.«
Von allen Dingen, die ich von Adrik Petrov erwartet hatte, gehörte Selbstabwertung nicht dazu.
Er bringt mich aus dem Gleichgewicht. Diese eisigen Augen, die mich anstarren, dieses raue Knurren, aber die Worte selbst sind flirtend und schmeichelhaft – der Mann hat viele Gesichter.
Er weckt meine Neugierde. Und meinen Hang zum Unfug.
Da ich meine Sinne schärfen will, ignoriere ich das frisch gefüllte Weinglas. Ungefähr in einer halben Stunde habe ich etwas vor. Ich darf nicht beschwipst werden.
Als Adrik sein Steakmesser in die Hand nimmt, treten die Sehnen an seinem nackten Unterarm hervor. Der Bizeps darüber ist so rund wie ein Baseball. Seine Hände sind groß, die Finger, mit denen er den Griff fasst, sind dick und haben eine kantige Spitze.
»Warst du schon einmal in Russland?«, fragt er.
»Nein.«
»Möchtest du es?«
Ich lasse mir Zeit, das perfekt gegrillte Filet anzuschneiden, damit ich abschätzen kann, wie ernst er seine Einladung meint.
Ich dachte, Adrik wäre wegen Sex hier.
Aber er hat sich schon mehr Mühe bei der Jagd auf mich gegeben, als ich erwartet hatte. Er hat das Motorrad nicht in Kroatien gekauft – er ist damit hierhergefahren oder hat es mit dem Schiff transportiert. Dass mich das beeindrucken würde, war ihm klar. Er weiß, wie alles mit zwei Rädern mich begeistert.
Und nicht, weil ich es ihm gesagt habe. Er hat Nachforschungen angestellt.
Ich weiß nicht, was ich davon halten soll.
Adrik will etwas. Nicht nur meinen Körper, sondern auch etwas anderes.
Ich schaue zu ihm auf.
Er wartet und beobachtet mich, sein eigenes Steak unberührt.
»Wie ist es in Moskau?«, frage ich.
»Nun … weißt du noch, als tausend Arten von Menschen nach Amerika strömten, es chaotisch und gesetzlos war und man an einem Tag ein Vermögen machen und verlieren konnte?«
»Ja.«
»Genau so ist es. Es ist der wilde, wilde Osten.«
Ich nehme einen Bissen von dem Filet und lecke mir den Saft von den Lippen. »Das klingt … verlockend.«
Adrik grinst mich an, seine Zähne sind weiß und kräftig. Er hat ein verruchtes Lächeln und einen Blick, bei dem man sich entblößt fühlt. Er hat nichts Liebreizendes an sich, nichts Sanftes. Ich könnte ihn mir in einem Pelzmantel und Stiefeln in einem sibirischen Schloss vorstellen, mit rauschendem Schneegestöber ringsum.
Er ist für ein härteres Klima als dieses gemacht.
Die Lederjacke, die er über die Lehne seines Stuhls gehängt hat, ist schwer und zerschlissen.
Der Körper, den sie offenbarte, ist straff, trainiert und tadellos gepflegt. Ich bewundere es, wenn sich ein Mann um sich selbst kümmert. Die Art und Weise, wie er seinen Body und sein Motorrad behandelt, sagt viel über Adrik aus.
Er hat weniger Tattoos als der durchschnittliche Bratwa. Da er schon einige Jahre nicht mehr in Kingmakers ist, hätte ich erwartet, dass seine Arme und Hände bereits Zeugnisse seiner Leistungen tragen. Eine der einzigen Tätowierungen, die ich sehen kann, ist ein großer Fleck auf seinem rechten Arm: der Kopf eines schwarzen Wolfs. Ich habe gehört, dass sein gesamtes Wolfsrudel dieses Markenzeichen trägt, das mehr an eine militärische Gruppe als an die Bratwa erinnert.
Dennoch vermute ich, dass ich, wenn ich Adrik ohne sein Hemd sehen könnte, auf seinen Schultern die traditionellen Sterne seiner Organisation bemerken würde.
Ich habe gesehen, was Adrik zu tun bereit war, um seinen Onkel zu retten. Er ist loyal.
An Adrik Petrov gibt es viel zu bewundern. Er ist berechnend und intelligent. Ihm entgehen keine Dinge, er liegt nie falsch. So wird man zur Legende: durch Beständigkeit.
Fast bin ich ein wenig eingeschüchtert.
Und ich fühle mich verdammt stark zu ihm hingezogen.
Jedes Mal, wenn er sich in seinem Sitz bewegt, nehme ich einen Hauch seines Parfüms wahr, vermischt mit seinem eigenen wilden Duft. Mein Magen verkrampft sich.
Noch nie habe ich eine derartige Erregung gegenüber einem Mann verspürt.
Männer sind von Natur aus unvollkommen. Sie haben so viele Schwächen – geprägt von Rücksichtslosigkeit und roher Gewalt.
Aber es gibt Ausnahmen. Mein Vater ist so eine. Genau wie mein Bruder und meine Cousins. Man sollte meinen, dass ich bei all diesen guten Beispielen ein positives Bild von Männern habe. Doch ich spreche von der Masse der Männer. Es ist eine einfache Gleichung: Männer haben die Macht. Wenn Männer gut wären, wäre die Welt gut.
»Was geht in deinem Kopf vor?«, fragt mich Adrik.
Er mustert mich wie eines dieser Puzzles, die man immer wieder umdrehen muss, um den richtigen Winkel zu finden.
»Ich habe mich gefragt, ob du einen Nachtisch möchtest.«
»Süßes ist für mich tabu.«
»Darauf hätte ich gewettet.«
Adrik zuckt mit den Schultern, zweifellos, um die Muskelpakete unter seinem engen schwarzen T-Shirt zu betonen.
»Ich will nicht zu viel essen. Für den Fall, dass ich mich später anstrengen muss.«
Anders als der Kellner bleiben seine Augen auf meine gerichtet – kein plumpes Auf und Ab über meinen Körper. Aber das Verlangen steht ihm ins Gesicht geschrieben. Er will mich.
Ich gebe zu – ich bin auch in Versuchung.
Adrik und die Ducati, die draußen steht, haben eine Menge gemeinsam. Beide sind exotisch und kraftvoll, mit genug Power, um mich ins Weltall zu befördern. Eine Fahrt wie keine andere.
»Lass uns von hier verschwinden«, sage ich, ohne mich weiter für mein Steak zu interessieren.
Genau wie Adrik möchte ich nicht, dass mich etwas einschränkt.
Als ich vom Tisch aufstehe, hebt die kühle Meeresbrise den Saum meines Rocks und lässt ihn um meine Oberschenkel tanzen.
Diesmal kann Adrik nicht anders, als hinzuschauen.
Während er abgelenkt ist, werfe ich einen kurzen Blick auf den Umriss seiner Jeans. Ich sehe viel, was mein Interesse weckt, aber nicht das, wonach ich suche.
»Es wird kalt«, sage ich.
Die Sonne ist schon längst im Meer versunken und taucht die Altstadt in ein tiefviolettes Zwielicht. Die Lampen an der Ufermauer leuchten wie hundert goldene Kugeln, die an einem langen, dünnen Draht aufgereiht sind.
Adrik nimmt seine Jacke von der Lehne seines Stuhls und wirft sie mir über die Schultern. Ihr Gewicht überrascht mich. Ich werde von seinem reichen, wilden Duft eingehüllt, der mit den Benzindämpfen seines Motorrads vermischt ist. Wie das Benzin hat auch Adriks Duft etwas Verruchtes an sich: kopfverdrehend, berauschend, brandgefährlich.
Ich stecke meine Hände suchend in die Taschen seiner Jacke. Meine Fingerspitzen finden nur Luft.
»Wohin fahren wir jetzt?«, frage ich Adrik.
»Zum Culture Club. Warst du dort schon einmal?«
Ich nicke.
Bevor ich das Schiff nach Kingmakers genommen hatte, verbrachte ich meine letzte Nacht in Dubrovnik damit, im Culture Club bis vier Uhr morgens zu tanzen.
Adrik wirft das Geld auf den Tisch, ohne auf die Rückkehr des Kellners zu warten.
Ich schreite vor ihm her, die Treppe hinunter, hinaus in den Innenhof. Die Lichterketten glitzern auf den Windschutzscheiben der vielen teuren Autos, die von den Parkwächtern geparkt werden, und auf der langen Reihe von Motorrädern und Mopeds. Die Ducati krönt diese Reihe, sie überstrahlt sie alle.
An der Zündung baumelnd, entdecke ich, wonach ich gesucht habe.
Dieser Wichser hat die Schlüssel stecken lassen! Dadurch fordert er ja geradezu dazu auf, diese Maschine zu klauen.
Ich höre Adriks schweren Tritt hinter mir.
Ich drehe mich um und frage: »Du lässt die Schlüssel einfach stecken?«
Adrik grinst. »Ich würde gern mal sehen, wie jemand versucht, das Motorrad zu stehlen.«
Er hat nicht unrecht.
Es gibt ein Sprichwort für junge Leute, die glauben, dass sie auf die größte Maschine aufspringen können und dann kläglich scheitern: too much bike.
Du musst erst auf der alten Stute üben, bevor du den Bronco reiten kannst.
Wenn dieser spezielle Bronco dich abdrängt, bist du nichts weiter als ein Fleck auf dem Asphalt.
Ich schlendere zu der Maschine hinüber und fahre mit der Fingerspitze leicht über den Rahmen.
Adrik sieht mich an, die Hände in den Taschen, das Kinn hochgezogen.
Ich werfe ihm einen verruchten Blick zu. »Hast du keine Angst, dass jemand diese wunderschöne, im Mondlicht leuchtende Maschine sieht und einen unwiderstehlichen Drang verspürt, das Bein über den Sitz zu schwingen?«
Genau das tue ich, indem ich mich auf das weiche Leder des Motorrads lehne und den Rock bis zu den Oberschenkeln hochschiebe.
Ich werfe mein Haar über die Schultern zurück, lasse meine Hüften auf dem Sitz liegen, lehne mich vor, wölbe den Rücken und zeige ihm, wie sehr ich es genieße, dieses Ungetüm zu besteigen.
Adrik weiß genau, was ich tue. Er kann sich das Grinsen nicht verkneifen. Er liebt es, dass ich schamlos bin.
»Gefällt dir das?«, knurrt er.
»Fast«, sage ich, beuge mich vor und drehe den Schlüssel.
Der Motor heult auf, ist sofort warm und fahrbereit.
»Ahhh«, seufze ich. »Viel besser.«
Die Vibration dröhnt durch meine Knochen. Ich drücke mich dagegen, bis jede Zelle in meinem Körper auf der gleichen Frequenz pulsiert. Ich bin perfekt gestimmt, eine Note, die in der Luft schwebt.
Ich setze mich auf, meine Silhouette hebt sich vom Himmel ab. Mir ist bewusst, wie umwerfend ich in diesem Moment für Adrik aussehe – ein Preis, für den er alles tun würde.
Ich drehe am Gas, lasse den Motor aufheulen und lächle ihn über meine Schulter an.
Er beginnt zu grinsen, so glücklich, dass er sterben könnte.
Bis das Grauen ihm das Grinsen aus dem Gesicht wischt.
Ich habe die Kupplung noch nicht gezogen – ich habe noch nicht einmal angefangen, mich zu bewegen. Aber Adrik weiß genau, was ich vorhabe.
Er macht einen Schritt nach vorne. Sein Blick ist so finster, dass einem Feigling das Herz in der Brust stehen bleiben würde.
Tief und wild flüstert er: »Sabrina … tu’s bloß nicht.«
Ich zögere nicht einmal.
Ich ziehe die Kupplung durch und lege den Gang ein.
Die Abgase füllen meinen Mund und bedecken meine Zunge.
Ich schmecke es jetzt.
Ich will es.
Ich brauche es, verdammt noch mal!
Trotzdem weiß ich es besser, als ihn in einer Staubwolke hinter mir zu lassen. Ich habe gerade einen Strick um den Hals eines rasenden Stiers geworfen – dem muss man nicht auch noch das rote Tuch zeigen.
Vorsichtig lasse ich die Kupplung aus und drehe den Gasgriff nur halb so schnell wie gewöhnlich auf.
Der Motor reagiert, als hätte ich reines Oktan eingeblasen. Der Asphalt unter dem Hinterreifen scheint zu schwarzem Glas zu schmelzen, während das Rad zu schlingern beginnt. Ich bin nicht schwer genug, ich halte es nicht unten.
Als ich meinen Hintern so tief wie möglich fallen lasse, um das Gleichgewicht zu halten, schießt das Motorrad mit schockierender Geschwindigkeit vorwärts wie ein Tier, das aus seinem Pferch befreit wird. Ich habe gedacht, es würde lostraben, aber es ist bereits im Galopp.
Viel zu spät sprintet Adrik auf mich zu. Das Motorrad rast aus dem Parkplatz und rammt fast einen uniformierten Parkwächter, der ins Gebüsch springen muss, um seine Haut zu retten.
Adrik schreit mir etwas hinterher, doch seine Worte werden vom Wind weggepeitscht und gehen im Heulen des Motors unter.
Als ich mein Gewicht nach hinten verlagere, bäumt sich das Vorderrad wild auf und versucht, mich von seinem Rücken zu schleudern. Also werfe ich mich nach vorne, lege mich darauf und umklammere es mit aller Kraft. Ich achte darauf, dass ich – egal was passiert – nicht abgeworfen werde.
Deshalb muss ich tief sinken und das ganze Ding bedecken. Ich will nicht pervers sein, aber es ist wirklich so, als würde man jemanden ficken – jemanden, der einen mit aller Kraft abwerfen will. Dieser Jemand ist verdammt viel stärker als ich.
Ich halte mich kaum noch aufrecht, als ich mich der ersten Kurve des Berges nähere. Obwohl ich die Kurve auf der breitestmöglichen Linie nehme, fahre ich am Rande der Klippe, einem schwindelerregenden Abgrund nur wenige Zentimeter rechts von meinem Rad. Ich sehe das dunkle Glitzern des Ozeans weit unter mir, und mein Fuß baumelt in der Luft, bevor ich wieder auf die Straße zurückkomme.
Mein Herz schlägt so schnell, dass es sich unaufhörlich zusammenpresst. Ich bin betrunken vor Gefahr und der Kraft dieser Maschine.
Mein Leben schwebt auf Messers Schneide, und ich könnte auf tausend verschiedene Arten sterben.
Die Sterne funkeln einer nach dem anderen um mich herum. Keine Straßenlaternen, die sie ertränken könnten, nur der einzelne Scheinwerfer des Motorrads, der wie ein Auge in der Dunkelheit vor mir leuchtet.
Ich erinnere mich noch genau, wie Adrik mit dem Motorrad umging, als wäre es auf sein Kommando trainiert. Als wäre es ein Teil von ihm.
Er fuhr dieses Motorrad mit Anmut.
Ich bin nicht Adrik, noch nicht.
Die Ducati steht zwischen meinen Beinen in Flammen, der Motor brennt immer heißer, als würde er gleich explodieren. Jede Unebenheit auf der Straße schickt ein Zucken durch uns beide. Ich bin ein Surfer, der gerade noch das Gleichgewicht halten kann, während ich auf der Welle reite.
Ich zähme dieses Biest durch schiere Willenskraft. Eigentlich ist das nicht wahr – daran ist nichts Geheimnisvolles. Ich führe tausend Berechnungen pro Sekunde durch, um ein Mindestmaß an Kontrolle zu behalten. Mein Blut ist reines Adrenalin, dünn und fein wie Limonade, die durch meine Adern sprudelt.
Dieses Ding ist eine Rakete, und man kann es bloß fahren, wenn man sich gut festhält.
Auf halbem Weg den Berg hinunter komme ich zu einer Geraden, die lang genug ist, dass ich es wage, dem Gasgriff einen leichten Schub zu geben. Die Ducati röhrt und schießt vorwärts, als ob sie vorher stillgestanden hätte. Sie wirft mich zurück, und mein Magen rumort.
Ich stoße einen Schrei der puren Freude aus, der sofort aus meinem Mund gezogen wird.
Noch nie habe ich eine solche Beschleunigung erlebt.
Das macht süchtig. Selbst als ich langsamer auf die nächste Kurve zufahre, will ich bereits mehr.
Kurz denke ich an den armen Adrik, der im Innenhof des Restaurants steht.
Und frage mich, ob er schon eine Mitfahrgelegenheit gefunden hat.
Adrik
Ich muss meine Berechnungen, was diese Frau betrifft, anpassen. Ständig versuche ich zu testen, wie weit ich bei ihr gehen kann. Doch sie macht alles mit. Was bedeutet, dass die Möglichkeiten grenzenlos sind.
Ich grinse vor mich hin und bin froh, dass dieser kleine Ausflug nicht umsonst war. Sabrina ist genau das, was ich mir erhofft habe.
Sie ist klug und gerissen, außerdem schreckt sie vor nichts zurück. Kein Mann in Moskau würde es wagen, mir einen Stift zu klauen, geschweige denn mein verdammtes Motorrad.
Aber tot nützt sie mir nichts.
Sabrina scheint fest entschlossen zu sein, die Kluft zwischen wild und völlig verrückt zu überwinden. Ein Schubs, und sie könnte in den Abgrund stürzen. Ich weiß nicht, ob ich sie bändigen kann.
Ob ich es kann oder nicht, eines ist sicher: Ich habe sie durchschaut, sie wird mich nicht mehr überraschen.
Ich gehe zu ihrem Motorrad hinüber, ohne mich zu beeilen, denn ich werde sie leicht einholen, selbst auf dieser beschissenen Kawasaki.
So wie sie hier hinausgeschlingert ist, hat sie es auf keinen Fall weiter als zur ersten Kurve geschafft.
Ich muss dort hinfahren und sie vom Bürgersteig kratzen, wenn sie nicht schon über die Klippe geflogen ist.
Ich schwinge mein Bein über den Sitz der Ninja und will den von dieser kleinen Kleptomanin kurzgeschlossenen Motor wieder zünden. Aber als ich den Schalter umlege, passiert nichts. Ich ziehe die Drähte aus dem Zündschloss. Sie sind nicht mehr verbunden, sondern kurz abgeschnitten.
Sie kappte die Drähte direkt, als sie hier ankam.
Sie hatte das ganze verdammte Abendessen über vor, mein Motorrad zu stehlen.
Die ganze Zeit, in der wir lachten und redeten, diesen Zuckerwatte-Wein tranken und diese 80-Dollar-Steaks aßen, fantasierte sie davon, auf meiner Ducati den Berg hinunterzufliegen.
Noch nie bin ich von einer Frau hereingelegt worden, doch Sabrina hat es in einer Nacht dreimal geschafft.
Ich weiß nicht, ob ich ihr gratulieren oder sie fesseln und in meinen Kofferraum werfen soll.
***
Zweiundzwanzig Minuten später halte ich neben Sabrina an der roten Ampel am Fuß des Srd Hill.
Ihre Arme zittern, der Schweiß rinnt ihr über das Gesicht, ihre Haare sind zerzaust, und ihre zerfledderte College-Uniform ist grauer als je zuvor.
Ihr Körper sieht aus, als wäre er für diese Maschine gemacht. Ihr Gesichtsausdruck sagt mir, dass ihr das bewusst ist.
Ihre Augen glänzen wie Silber, ihre Brust hebt und senkt sich vor hektischer Freude.
»Ich gebe sie nie wieder her«, keucht sie.
In der kalten Nachtluft steigt Dampf von meinen Schultern auf. Einem Mann das Motorrad zu klauen, ist eine Sache – ihm die Jacke zu stehlen, ist richtig böse.
»Ich sollte dich übers Knie legen und dir den Hintern versohlen«, sage ich.
Sie grinst völlig reuelos, dreht ihr Handgelenk und lässt den Motor als bewusste Provokation hochdrehen. »Du musst mich erst kriegen.«
Die klapprige Honda, die ich fahre, hustet und stottert neben dem leisen Schnurren der Ducati.
Sabrina starrt auf mein Motorrad und kann ihre Schadenfreude nicht zurückhalten. »Woher hast du das Ding?«
Ich kann kaum meinen Drang unterdrücken, sie zu erdrosseln, und zische: »Ich musste es verdammt noch mal kaufen.«
Ihre Lippen verziehen sich zu einem so unwiderstehlichen Lächeln, dass ich nicht anders kann, als es zu genießen, selbst wenn es auf meine Kosten geht.
»Wie viel hast du dafür bezahlt?«
»Siebentausend Dollar, du verdammtes Arschloch.«
Sie kann nicht aufhören zu lachen. »Für dieses Stück Scheiße?«
»Ich habe nicht verhandelt, sondern versucht, dich einzuholen, bevor du dich selbst verbrennst.«
Sie zuckt mit den Schultern und meint: »Für siebentausend Dollar hätte ich die BMW gekauft. Oder zumindest die Yamaha.«
»Das war kein verdammter Basar!« Ich explodiere. »Ich musste nehmen, was ich kriegen konnte.«
Sabrina schaut mich mit hochgezogenen Augenbrauen an. »Wenn das bedeutet, dass du nur noch dreitausend in der Tasche hast, werden wir wohl nicht so eine Nacht haben, wie ich sie mir vorgestellt habe.«
Wie dreist!
Ich schüttle den Kopf und lasse sie denken, was sie denken will. Ich bin nicht die Art von Angeber, der mit seinem Geld prahlt.
Die Ampel wird gelb.
Wenige Augenblicke vor dem grünen Licht zucke ich mit dem Kopf zu dem Mädchen, das immer noch stolz auf meinem Motorrad sitzt.
»In Ordnung. Dann zeig mal, was du kannst.«
Ich habe ihr die Erlaubnis gegeben, aber Sabrina wartet nicht darauf. Sie hockt bereits tief über dem Lenker und starrt fokussiert nach vorne.
Die Ampel wird grün, und sie braust los.
Diesmal ist sie bereit für die Kraft der Kupplung. Sie hält sie fest, damit sie nicht zurückspringen kann, und dreht ihr Handgelenk, um die Geschwindigkeit sanft und gleichmäßig zu erhöhen.
Sie schafft es gerade, das hintere Ende des Motorrads ruhig zu halten, während sie mit siebzig Prozent Geschwindigkeit losfährt und der Hinterreifen nur ein wenig wackelt.
Nicht perfekt, aber verdammt beeindruckend. Sie lernt schnell.
Ich halte mich zurück, damit ich sie beim Fahren beobachten kann. Ich fahre nicht mehr um die Wette mit ihr … ich bewundere sie bloß noch.
***
