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Die von einem Friedhof umschlossene Martinskirche von Kirchbühl liegt in malerischer Aussichtslage oberhalb des Sempachersees. Sie hat als eine der wenigen Kirchen Luzerns ihren mittelalterlichen Charakter im wesentlichen bis heute bewahren können und besticht vor allem durch ihre bedeutenden hochgotischen Wandmalereien und ihre aus spätgotischer Zeit stammenden Ausstattung. Dem Wanderer empfiehlt sich der Zugang über den alten, den Seehang begleitenden «Römerweg» zwischen Schenkon und Sempach.
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Seitenzahl: 30
Veröffentlichungsjahr: 2022
Uta Bergmann
Kirchbühl bei Sempach
Lage und Geschichte
Baugeschichte und Beschreibung
Äusseres
Inneres
Wandmalereien
– Wandmalereien der Zeit um 1300/1310
– Wandmalereien des 15. Jahrhunderts
– Malereien im Chor und am Chorbogen
– Würdigung
Ausstattung
Beinhaus
Friedhof
Würdigung
Der Weiler
Literatur-, Bild- und Quellenhinweise
Nützliche Hinweise
Der Weiler Kirchbühl (im Volksmund Chilpel) beherrscht in malerischer und sonniger Aussichtslage eine langgezogene Anhöhe (Büchel, Bühel) über dem Sempachersee. Man erreicht die Ansiedlung von Bauernhäusern, die eine der ältesten Kirchen des Kantons umschliessen, über die Landstrasse, welche von Sempach über Vogelsang nach Beromünster führt. Dem einst an der Gotthard-Route (Basel–Luzern) gelegenen Ort kam schon früh Bedeutung zu. Seine Besiedlung zur Römer- und Alemannenzeit konnte durch archäologische Funde und Ausgrabungen von Fundamenten (1958) nachgewiesen werden.
Das dem hl. Martin geweihte Gotteshaus war ehemals Pfarrkirche des benachbarten Städtchens Sempach. Dass die Pfarrkirche ausserhalb der Stadtmauern lag, war im Mittelalter keine Seltenheit. Wie öfters in der Region (vgl. Horw, Kriens, Malters, Ruswil u.a.) hat sie wahrscheinlich ihren Ursprung in einem Meierhof, der 1371 Eigentum des Klosters St. Blasien im Schwarzwald wurde.
1234 ist die Kirche von Kirchbühl erstmals durch die Erwähnung eines Leutpriesters indirekt nachgewiesen. Ihr Martins-Patrozinium, das häufig in Verbindung mit Kirchen fränkischen Ursprungs steht, wie die Untersuchung des Mauerwerks und die Ausgrabungen legen jedoch ein wesentlich höheres Alter der Kirche nahe.
1275 wird St. Martin von Kirchbühl im Zehntenbuch von Konstanz als weitaus reichste Kirche des Dekanats genannt. 1288 befindet sie sich im Besitz des elsässischen Klosters Murbach, das jedoch 1420 nach zehnjährigem Streit die Kirche mitsamt ihren Filialen Hildisrieden, Adelwil und Wenischwand/St. Anna dem Kloster St. Leodegar im Hof von Luzern abtritt.
Schon 1275 wird in dem Städtchen Sempach, das im ersten Drittel des 13. Jahrhunderts von den Habsburgern gegründet worden war, eine Tochterkirche St. Stephan erwähnt. Damit beginnt auch der Konkurrenzkampf um die Bedeutung der beiden Kirchen. Bereits 1317 wohnt der Leutpriester nicht mehr bei der Pfarrkirche, sondern in der Stadt, wird aber 1477 kurzfristig wieder auf den Kirchbühl verwiesen. Nach der Reformation scheint die Bedeutung der alten Mutterkirche noch einmal aufzuleben, als sie einen neuen Chor und ein Beinhaus erhält. Im 17. Jahrhundert schliesslich werden die Messen immer seltener. Doch erst 1832, als man den Friedhof von St. Martin gänzlich in die Stadt verlegt, verliert die Kirche ihre letzten Funktionen und gerät damit ins Abseits. Heute ist sie gerade durch ihre romantische Verschlafenheit beliebter Ort für allerlei kirchliche Feste geworden.
Kirchbühl von Süden. 1872 datiertes Ölgemälde von Jost Schnyder von Wartensee (1822-1894) im Kunstmuseum Luzern.
1951 wurde auf Initiative Fritz Stegers in Sempach die Vereinigung «Pro Kirchbühl» gegründet, die sich bis 1972 für die Erhaltung des wertvollen Kleinods einsetzte. Nachdem schon Robert Durrer 1903–1905 unter Mitwirkung Josef Zemps erste denkmalpflegerische Massnahmen ergriffen hatte (Aufdeckung der Fresken, Entfernung der Empore, neue Holzdecke), wurde 1951–1952 eine erste Restaurierung unter der Leitung der eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege, vertreten durch Linus Birchler, und unter Mithilfe des Architekten Vinzenz Fischer, des Restaurators F.X. Sauter und des Stadtbaumeisters Max Türler unternommen (Entfeuchtung des Mauerwerks, Renovation von Fresken und Altären). In jüngster Zeit, 1989–1991, wurde schliesslich die bewegliche Ausstattung im Atelier Walter J. Furrer, Brig, einer dringenden Restaurierung unterzogen.
