Kirche mit Vision - Rick Warren - E-Book

Kirche mit Vision E-Book

Rick Warren

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Beschreibung

Jede Gemeinde wird von etwas angetrieben. Traditionen, Programme, Persönlichkeiten, Ereignisse, Suchende und sogar Gebäude können die treibende Kraft einer Gemeinde sein. Rick Warren ist jedoch der Überzeugung, dass eine Gemeinde sich nur dann gesund entwickeln kann, wenn sie vom Auftrag Gottes getrieben wird. Das ist der eigentliche Zweck einer Gemeinde. In seinem Bestseller gibt Rick Warren praktische Hilfen, wie Ihre Gemeinde sich zu einer Gemeinde entwickeln kann, die den Auftrag Gottes lebt, indem sie - wärmer wird durch Gemeinschaft, - tief gehender wird durch Jüngerschaft, - stärker wird durch Anbetung, - weiter wird durch Dienen und - größer wird durch Evangelisation.

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Beliebtheit




Rick Warren

Kirche mit Visionen

Gemeinde, die den Auftrag Gottes lebt

Originaltitel:Purpose-Driven ChurchDer Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen.

© 1995 by Rick WarrenPublished by Zondervan Publishing House,Grand Rapids, Michigan 49530, USA© 2010 der deutschen Neuauflageby Gerth Medien GmbH, Asslar, in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München1. Auflage 2010

ISBN 978-3-96122-432-6Die Bibelstellen wurden, soweit nicht anders angegeben, der Einheitsübersetzung entnommen.Übersetzung: Claudia UhlenbergUmschlaggestaltung: Hanni PlatoUmschlagfoto: Getty ImagesSatz: Die Feder GmbH, WetzlarNachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Verlages.

Ich widme dieses Buch den Pastoren auf der ganzen Welt, die zwei Berufungen haben: Hirten, die treu und liebevoll in Gemeinden dienen, die nicht groß genug sind, um ihnen eine vollbezahlte Stelle anzubieten. Sie sind in meinen Augen die wahren Helden des Glaubens. Möge dieses Buch Sie ermutigen.Ich widme dieses Buch auch den Professoren an theologischen Seminaren und Universitäten: den Ausbildern, die dazu berufen sind, die nächste Generation von Pastoren vorzubereiten. Was für eine ehrfurchtgebietende, heilige Aufgabe haben Sie doch! Möge Gott Ihren Dienst segnen und ehren.Schließlich widme ich dieses Buch den Pastoren und Mitarbeitern, die mit mir in der Saddleback Church gewirkt haben. Es ist für uns ein großes Abenteuer gewesen. Ich liebe euch von Herzen.

Inhalt

Vorwort

Stimmen zum Buch

Auf geistlichen Wellen surfen

Teil 1 Den großen Zusammenhang sehen

Kapitel 1: Die Geschichte von Saddleback

Kapitel 2: Mythen über wachsende Gemeinden

Teil 2 Wie man zu einer auftragsbestimmten Gemeinde wird

Kapitel 3: Was bestimmt Ihre Gemeinde?

Kapitel 4: Das Fundament einer gesunden Gemeinde

Kapitel 5: Definieren Sie Ihren Auftrag

Kapitel 6: Kommunizieren Sie Ihren Auftrag

Kapitel 7: Organisieren Sie Ihre Gemeinde auf ihren Auftrag hin

Kapitel 8: Setzen Sie den Auftrag um

Teil 3 Bemühen Sie sich um die Menschen in der »Gesellschaft«

Kapitel 9: Wer ist Ihre Zielgruppe?

Kapitel 10: Finden Sie heraus, wen Sie am besten erreichen können

Kapitel 11: Entwickeln Sie Ihre Strategie

Teil 4 Holen Sie die Menschen aus Ihrem Umfeld in die Gemeinde

Kapitel 12: Wie zog Jesus Menschenmengen an?

Kapitel 13: Gottesdienst kann ein Zeugnis sein

Kapitel 14: Gestalten Sie einen auf Suchende ausgerichteten Gottesdienst

Kapitel 15: Die Musikauswahl

Kapitel 16: Predigen für kirchendistanzierte Menschen

Teil 5 Die Gemeinde aufbauen

Kapitel 17: Wie Besucher zu Gemeindemitgliedern werden

Kapitel 18: Den Mitgliedern bei der Entwicklung zur Reife helfen

Kapitel 19: Wie Mitglieder zu Mitarbeitern werden

Kapitel 20: Gottes Auftrag für Ihre Gemeinde

Materialien

Anhang

Vorwort

zur deutschsprachigen Ausgabe

von »Kirche mit Vision«

Vielleicht kennen Sie die Geschichte: Zwei Waldarbeiter wollen einen Wald abholzen. Der eine macht sich sofort an die Arbeit, der andere setzt sich erst einmal in aller Ruhe hin, um seine Säge zu schärfen. Dies macht den ersten ziemlich nervös. Er arbeitet wie besessen weiter, bis er sich schließlich ärgerlich umwendet und sagt: »Hör mal, wir haben keine Zeit für solche Spielereien! Siehst du denn nicht, dass wir noch einen ganzen Wald zu fällen haben?«

Was uns bei der Betrachtung dieser kleinen Geschichte sofort deutlich wird, übersehen wir im Gefecht des Gemeindealltags nur allzu häufig: Es ist keine Zeitvergeudung, sondern Zeitgewinn und Kräfteersparnis, von Zeit zu Zeit innezuhalten und unsere Säge zu schärfen. In Prediger 10,10 heißt es: »Wenn ein Eisen stumpf wird und an der Schneide ungeschliffen bleibt, muss man mit ganzer Kraft arbeiten. Aber Weisheit bringt Vorteil und Gewinn.« Und doch nehmen sich viele Mitarbeiter, ob ehrenamtliche oder hauptamtliche, dazu oft nicht die Zeit. Sie sind einfach zu beschäftigt. Die missionarische Aufgabe, die Anforderungen der Gemeindearbeit oder was auch immer sind einfach zu groß.

Ich habe in den letzten Jahren kein wirkungsvolleres Instrument kennengelernt, in puncto Gemeindeaufbau meine Säge zu schärfen, als dieses nun endlich auch auf Deutsch vorliegende Buch. Es lohnt sich wirklich, innezuhalten und die Zeit zu investieren, die es braucht, um seine fast 400 Seiten zu lesen. Rick Warrens zupackender Stil macht es dem Leser dabei nicht allzu schwer. Ich habe mich bei der Lektüre keine Minute gelangweilt und meine zeitweise etwas abgenutzte »Säge« war danach wieder absolut scharf.

Normalerweise werden Bücher über Gemeindeaufbau keine Bestseller. Aber Rick Warrens Buch hat alle Rekorde gebrochen, die man sich vorstellen kann. In den ersten 7 Monaten nach Erscheinen erlebte es in den USA 21 Auflagen und war bereits in sieben Sprachen übersetzt. Bis heute wurden bereits 280000 Exemplare des Buches verkauft. Es wurde bei seinem Erscheinen vor drei Jahren »Buch des Jahres« in Amerika. Auch wenn Rick Warren derzeit in Deutschland noch ein relativ unbeschriebenes Blatt ist, bin ich mir sicher, dass sein Buch auch hier seinen Weg gehen wird.

Als ich Rick fragte, was dieses Buch von anderen Gemeindeaufbaubüchern unterscheidet, gab er mir eine verblüffende Antwort. Er sagte: »Schau, wenn du in einen Laden gehst und einen Computer kaufen willst, kannst du eine verwirrende Vielzahl von Rechnern finden. Du kannst einen Compaq kaufen, eine IBM-Maschine oder ein Modell von Dell oder was weiß ich alles – nur eines haben all diese Rechner gemeinsam: einen winzig kleinen Prozessor von der Firma Intel. Und das ist das Geheimnis meines Buches: Es ist sozusagen der ›Intel-Chip‹ des Gemeindeaufbaus!«

»Intel inside!« – Rick Warren erhebt den nicht gerade bescheidenen Anspruch, den »Chip« gefunden zu haben, nach dem der Gemeindeaufbau in jeder Gemeinde, egal welcher Prägung und Denomination, funktioniert. Doch ich war in der Tat erstaunt, wie viel von dem, was er als Baptist schreibt, auch für mich als Lutheraner übertragbar ist. Trotz unterschiedlicher Kultur (zwischen Amerika und Deutschland liegen manchmal Welten) und völlig anderer Kirchenstrukturen (hier Volkskirche, dort Freiwilligkeitskirche) führt auch für uns in Deutschland kein Weg an Warrens Grundthese vorbei: »Kirche mit Vision«.

Rick Warrens Buch überrascht durch einen völlig neuen Ansatz. Während andere Gemeindeaufbaubücher oft sehr pragmatisch von Detailfragen vorgehen (»Wie man…«) oder die Basisprinzipien des Gemeindeaufbaus herausarbeiten (Christian Schwarz), setzt Warren bei der Bestimmung der Kirche an: Wofür ist Kirche überhaupt da? Das Ergebnis ist eine Gemeinde, die ihre Kraft und Schönheit daraus empfängt, dass sie sich ganz von ihrem Zweck und Auftrag her versteht und ganz auf diesen Zweck bezieht.

Dabei sind es keineswegs die »alten Kamellen«, die Rick Warren in seinem Buch beschreibt. Ich glaube, ich habe auf nahezu jeder Seite etwas Neues gelernt. Da ich selbst seit Jahren aktiv Gemeindeaufbau betreibe, eine Vielzahl von Vorträgen über dieses Thema halte und mit der einschlägigen Literatur wohlvertraut bin, hat mich das doch sehr erstaunt. So beschloss ich nach Lektüre des Buches, folgende Dinge zu tun:

▶ es sofort noch einmal zu lesen;

▶ so viel wie möglich in meiner eigenen Gemeinde umzusetzen;

▶ in die USA zu fliegen, um Rick und seine Gemeinde kennenzulernen;

▶ mein eigenes geplantes Buch zum Thema »Gemeindeaufbau« vorerst zurückzustellen und stattdessen

▶ alles dafür zu tun, dass dieses Buch so bald wie möglich in deutscher Sprache erscheint.

Mit Erscheinen der deutschsprachigen Ausgabe von »Kirche mit Vision« ist auch der letzte Punkt meines Vorhabens erfüllt. Ich wünsche dem Buch in Deutschland jenen durchschlagenden Erfolg, den es in anderen Ländern gehabt hat – und zwar um unserer Gemeinden willen!

Klaus Douglass

Stimmen zum Buch

Das Buch von Rick Warren »Kirche mit Vision« eignet sich trotz des amerikanischen Hintergrundes sehr gut für deutsche Leser. Gerade im postkirchlichen Bereich sind wir noch immer zu sehr durch das »monarchische« Pfarramt geprägt. Es geht darum, ganz neu Teamarbeit einzuüben und so möglichst viele aktive Christen zum Dienst des Gemeindeaufbaus zu motivieren. Hierzu bietet Rick Warren eine Fülle brauchbarer Anregungen. Dennoch ist sein Buch nicht rein pragmatisch geschrieben, sondern zeigt in solider Weise biblische Hintergründe und praktisch-theologische Reflexion. (Dr. Rolf Hille, Deutsche Evangelische Allianz)

Rick Warren stellt in seinem Buch »Kirche mit Vision« das gegenwärtig wohl überzeugendste US-amerikanische Programm auftragsorientierten Gemeindeaufbaus vor. Übersichtlich und anschaulich erläutert er Prinzipien und »Vision« der von ihm geleiteten Saddleback-Gemeinde in Südkalifornien.

Zu Recht betont er nachdrücklich die Bedeutung des kulturellen Kontextes für den Gemeindeaufbau. Deshalb wird zwar in dem durch Landeskirchen geprägten Deutschland eine direkte Übernahme seines Programmes nicht möglich sein, aber – neben dem biblischen Fundament und der Verpflichtung auf Zeitgemäßheit – sind viele seiner praktischen Anregungen auch für den deutschen Gemeindeaufbau bereichernd. Vor allem das Bemühen, den Menschen in ihrer Verschiedenartigkeit gerecht zu werden, ist beeindruckend. Deshalb sind diesem Buch auch in Deutschland viele Leserinnen und Leser zu wünschen. (Prof. Dr. Christian Grethlein, Westfälische Wilhelms-Universität Münster)

Das Buch »Kirche mit Vision« ist für mich persönlich das beste Gemeindeaufbaubuch der letzten Jahre. Kein Wunder, dass es sich 300.000 Mal verkauft hat. Ich arbeite seit über zweieinhalb Jahren mit diesem Werk. Rick hat vieles gründlich durchdacht, recherchiert und auf den Punkt gebracht. Er ist kein Schmalspurdenker und ein exzellenter Motivator. Lasst doch wenigstens mal ein Buch auf jeder Seite Recht haben, ohne es mit kritisch analytischem, problemorientertem Seziermesser zu verunstalten! (Andreas Herrmann, Pastor des Christlichen Zentrums Wiesbaden [CZW])

Rick Warren geht vom biblischen Auftrag der Gemeinde aus und landet bei einem überzeugenden Modell von »Kirche für andere«. Dieses Buch ist randvoll mit übertragbaren Einsichten für gesundes Gemeindewachstum. Der Entwurf der Saddleback-Gemeinde hat alle Stärken des Willow-Creek-Ansatzes zu bieten, führt in seiner Ausgewogenheit aber darüber hinaus. Was hier vorgestellt wird, ist das Modell einer Gemeinde für Kirchendistanzierte, die nicht in den Kinderschuhen des Glaubens stecken bleibt. Dies wird für die nächsten Jahre das wichtigste Buch zum Thema »evangelistischer Gemeindebau« auf dem deutschen Markt werden. (Prof. Dr. Helge Stadelmann, Rektor der Freien Theologische Akademie Gießen)

»Kirche mit Vision« ist sehr einfach und praxisbezogen geschrieben und beschreibt offen und ehrlich auch die Probleme, die es gibt und gab. Und dennoch macht es auf jeder Seite Mut und gibt hilfreiche Handhabung für die eigene Gemeindetätigkeit. Gleichzeitig drängt es dem Leser niemals die eigenen Einsichten auf. Das macht mir seinen Autor neben allem, was mich in Erstaunen versetzt, auch noch sehr sympathisch. Alle, die mit Gemeindeleitung zu tun haben, werden sehr von der Lektüre dieses Buches profieren. (Klaus Eickhoff, Werk für Evangelisation und Gemeindeaufbau, Österreich)

»Kirche mit Vision« ist für jede Gemeindesituation passend, weil es auftragsorientiert entwickelt ist und nicht nur erfolgsorientiert. Die Gemeindearbeit nach diesem Buch wird nicht wirkungslos bleiben, wenn auch die positiven Auswirkungen je nach örtlichen Gegebenheiten unterschiedlich ausfallen können. Dieses Buch erübrigt manches andere auf diesem Sachgebiet, wenngleich dadurch andererseits selbst belesene, sachkundige Gemeindepraktiker nützliche Ergänzung ihres Wissens bekommen. Es ist nicht nur die Beschreibung einer herausragenden Einzelerfahrung, sondern eine systematische Auswertung von biblischen Grundeinsichten, die sich in der Praxis vielfach bewährt haben. Ich bin überzeugt, dass dieses Buch auch in Deutschland zum Standardwerk im Rahmen der praktischen Theologie werden kann. (Wolfgang Schulze, Bundessekretär im Bund Freier evangelischer Gemeinden)

Mich fasziniert an der Saddleback-Gemeinde und ihrem Leiter Rick Warren, wie er zielorientiertes strukturiertes Arbeiten mit sensibler Geistesleitung verbindet. Ein Schlüsselsatz von ihm ist: »Hört auf, um Gottes Segen zu bitten für das, was ihr tut, und beginnt, das zu tun, was Gott bereits segnet!« Gleichzeitig hat Rick Warren keine Angst, ziel- und bedürfnisorientiert Programme, Strukturen und Methoden zu verwenden, die es ermöglichen sollen, die Geistesgaben der Gemeindeglieder optimal zu entfalten, einzusetzen und für Evangelisation und Gemeindebau nutzbar zu machen. Ich bin überzeugt, dass jede Unternehmung, wenn sie von Gottt gesegnet sein soll, Zielorientiertheit und Hören auf Gott verbinden muss. Bei der Saddleback-Gemeinde sehen wir, wie diese Symbiose praktisch aussehen könnte. Allerdings ist die Gefahr nicht von der Hand zu weisen, dass man statt den allgemeingültigen Prinzipien die Programme, Stragegien und Methoden kopiert, ohne den lokalen Kontext zu berücksichtigen. Allen, die sich dieser Gefahr bewusst sind, kann ich das Buch nur herzlichst zum Studium und zu einer der Situation angepassten Umsetzung empfehlen. (Hanspeter Nüesch, Campus für Christus)

Wer den neuen Stern am Horizont, Rick Warren, entdeckt, dem gehen Lichter auf. Ein Stern, der strahlt vor biographischen Erfahrungsberichten in unkonventioneller Sprache. Ein Stern, der glänzt durch Praxisnähe, orientiert am Mitarbeiter, an der Gesellschaft, an Trends und Tendenzen. Ein Stern, der leuchtet durch praktische, nachvollziehbare, umsetzbare Tipps zu Gemeindeaufbau und zur Gemeindeleitung. Ein Buch, durch das die Gemeinden zwar nicht wie Sternschnuppen vom Himmel fallen, aber durch das ein Griff nach den Sternen schon zu erwarten sein dürfte. Ein Buch, durch das neue Sterne am deutschen Gemeindehimmel aufgehen und alte Sterne in neuem Glanz erscheinen könnten. (Prof. Dr. Jörg Knoblauch, Unternehmer)

Rick und Kay Warren – das heißt »Bibel live«! Die persönliche Berufung zum missionarischen Gemeindedienst gepaart mit einer profunden missionstheologischen Ausbildung inklusive strategischer Forschung und erwartungsvollen Gebeten für die Gemeindegründung mit/für kirchen- und gottesferne(n) Menschen in Orange County/Los Angeles führten zu dieser »Kirche mit Vision« für viele neue Christen. Welch ein Geschenk und eine Ermutigung für den heutigen Bau des Reiches Gottes – bewusst biblisch, leidenschaftlich für Jesus und kulturell konseqent! Das ist nachvollziehbar für Deutschland! (Wilfried Bohlen, Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden)

Das Buch »Kirche mit Vision« hat das Potenzial, unseren Gemeinden Perspektive zu geben. Die Ortsgemeinde sowie die Verantwortlichen, welcher Prägung auch immer, werden dazu ermutigt, sich in ihrer Zielsetzung ausschließlich am Auftrag Jesu zu orientieren. Wer dieses Buch ernst nimmt, kann nicht wie bisher weiterarbeiten – er und seine Gemeinde werden verändert und weit über die Landesgrenzen hinweg zum Segen für die Völker werden. (Fritz Schuler, Missionsleiter von Operation Mobilisation)

Modellorientierte Beschreibungen über den eigenen Weg zur Gemeindeentwicklung gibt es viele – Rick Warrens Buch ist mir eines der liebsten. Seine Beispiele greifen zwar auf seinen eigenen, höchst individuellen Weg zurück, aber die Prinzipien, die er vermittelt, gelten für jeden. Sein Stil ist zwar persönlich, warmherzig und mutmachend, aber seine Thesen sind die reinste Provokation. Wenn jemand lernen möchte, was »natürliche Gemeindeentwicklung« in der Praxis bedeuten kann: Rick Warren beschreibt genau dies. (Christian A. Schwarz, Institut für natürliche Gemeindeentwicklung)

Auf geistlichen Wellen surfen

Ich bin doch der Herr, dein Gott, der das Meer aufwühlt, dass die Wellen tosen.

Jesaja 51,15

Südkalifornien ist bekannt für seine Strände. Hier wurden die Musik der Beach Boys, Strandpartys und natürlich das Surfen populär. Auch wenn das Surfen bei den meisten amerikanischen Kids vom Skateboardfahren abgelöst worden ist (da sie keine Gelegenheit zum Surfen haben), ist derwahre Sport in Südkalifornien immer noch populär. Viele unserer Schulen bieten Kurse im Surfen an.

Beim Unterricht im Surfen wird man Ihnen alles beibringen, was Sie darüber wissen müssen: wie Sie die richtige Ausrüstung wählen, wie Sie das Brett richtig benutzen, wie Sie eine Welle erkennen, auf der Sie »reiten« können, wie Sie eine Welle erwischen und sich so lange wie möglich auf ihr halten können und, das ist das Wichtigste, wie Sie die Welle wieder verlassen, ohne von ihr umgeworfen zu werden. Aber es wird nie eine Unterrichtseinheit geben mit dem Titel »Wie man eine Welle macht«.

Surfen ist die Kunst, auf den Wellen zu reiten, die Gott gemacht hat. Gott macht die Wellen, die Surfer reiten nur auf ihnen. Kein Wellenreiter versucht sich daran, selbst Wellen zu schaffen. Wenn keine Wellen da sind, dann geht man an diesem Tag eben nicht zum Surfen! Wenn Surfer aber eine richtig gute Welle sehen, dann tun sie alles, um so lange wie möglich auf dieser Welle reiten zu können, auch wenn das vielleicht heißt, mitten in einem Sturm zu surfen.

Viele Bücher und Konferenzen über Gemeindewachstum fallen in die Kategorie »Wie man eine Welle macht«. Sie versuchen, eine Welle des Geistes Gottes zu produzieren, indem sie Tricks, Programme und Marketingtechniken anwenden, die Wachstum schaffen sollen. Aber Wachstum kann nicht von Menschen herbeigeführt werden! Nur Gott bewirkt es, dass seine Gemeinde wächst. Nur Gott kann auf ausgetrocknetem Boden neues Leben sprießen lassen. Nur Gott kann Wellen machen – Wellen der Erweckung und Wellen geistlicher Offenheit.

So sagte Paulus über die Gemeinde in Korinth: »Ich habe gepflanzt, Apollos hat gegossen, Gott aber ließ wachsen« (1 Kor 3,6; Hervorhebung durch den Autor). Achten Sie auf das Konzept der Partnerschaft, das sich darin ausdrückt: Paulus und Apollos haben ihren Teil getan, aber Gott hat das Wachstum hervorgerufen. Die Souveränität Gottes ist ein Faktor, der in fast der gesamten aktuellen Literatur über Gemeindewachstum übersehen wird.

Unsere Aufgabe als Gemeindeleiter ist es, ähnlich der Aufgabe von Profisurfern, eine Welle des Geistes Gottes zu erkennen und auf ihr zu reiten. Es liegt nicht in unserem Verantwortungsbereich, Wellen zu schaffen, sondern wir sollen erkennen, wie Gott in der Welt arbeitet, und ihn bei diesem Unterfangen unterstützen.

Wenn man Surfern vom sicheren Ufer aus zusieht, scheint es ziemlich leicht zu sein, die Wellen zu erwischen. In Wirklichkeit ist es aber relativ schwer und erfordert große Geschicklichkeit und Balance. Auch eine geistliche Welle zu erwischen ist nicht leicht. Man braucht dazu mehr als nur den bloßen Wunsch oder Hingabe an diese Aufgabe; es ist Einsicht, Geduld, Glaube, Geschicklichkeit und vor allem Gefühl für das Gleichgewicht notwendig. Wenn man eine wachsende Gemeinde leitet, sieht das vielleicht ebenso wie das Wellenreiten für Uneingeweihte leicht aus, aber es ist nicht leicht. Es erfordert die Beherrschung verschiedener Fertigkeiten.

In unserer Zeit schafft Gott Welle für Welle aus Menschen, die bereit sind, das Evangelium anzunehmen. Aufgrund der Fülle von Problemen in unserer Welt scheinen mehr Menschen für das Evangelium von Jesus Christus offen zu sein als zu irgendeiner anderen Zeit im letzten Jahrhundert. Leider verpassen wir die geistlichen Wellen, die Erweckung, Gesundheit und ein explosionsartiges Wachstum unserer Gemeinden bringen könnten, weil unsere Gemeinden die dazu benötigten Fertigkeiten nicht gelernt haben.

In unserer Gemeinde in Saddleback haben wir nie versucht, eine Welle zu erschaffen. Das ist Gottes Arbeitsbereich. Aber wir haben versucht, die Wellen zu erkennen, die Gott uns über den Weg geschickt hat, und wir haben gelernt, wie wir uns von ihnen tragen lassen können. Wir haben gelernt, die richtige Ausrüstung zu benutzen, um auf diesen Wellen zu reiten, und wir haben die Bedeutung des richtigen Gleichgewichts erkannt. Wir haben auch gelernt, abebbende Wellen zu verlassen, wenn wir gespürt haben, dass Gott etwas Neues tun wollte. Das Erstaunliche daran ist: Je mehr Geschick wir darin entwickeln, auf Wellen des Wachstums zu reiten, umso mehr wird Gott davon schicken!

In meinen Augen leben wir in der für christliche Gemeinden aufregendsten Zeit der Geschichte. Noch nie dagewesene Gelegenheiten und wirkungsvolle Technologien stehen uns für unsere Gemeinden zur Verfügung. Wichtiger noch, wir erfahren heute in vielen Teilen der Erde eine Bewegung des Heiligen Geistes, wie sie noch nie dagewesen ist. Heute kommen mehr Menschen zum Glauben an Jesus Christus als zu irgendeiner anderen Zeit in der Geschichte.

Ich glaube, dass Gott Wellen von Gemeindewachstum an jeden Ort sendet, an dem sein Volk vorbereitet ist, auf ihnen zu reiten. In diesem Moment existieren die größten Gemeinden in der Geschichte der Christenheit. Die meisten von ihnen sind nicht in den Vereinigten Staaten. Auch wenn es spannend ist, die Geschichten von diesen Gemeinden zu hören, glaube ich doch, dass die größten Gemeinden erst noch entstehen werden. Vielleicht sind gerade Sie die Person, die Gott in diesem Sinn gebrauchen möchte.

Gottes Geist wirkt kraftvoll in Wellen rund um die ganze Welt. Ich bete zu Beginn jeden Tages: »Vater, ich weiß, dass du heute einige unglaubliche Dinge auf deiner Welt tun wirst. Gib mir bitte das Vorrecht, an etwas von dem beteiligt zu sein, was du tun wirst.« Mit anderen Worten: Gemeindeleiter sollten aufhören zu beten: »Herr, segne das, was ich tue«, und stattdessen anfangen zu beten: »Herr, hilf mir, das zu tun, was du segnest.«

In diesem Buch werde ich einige der Vorgehensweisen und Prozesse herausarbeiten, die Gott gebraucht, um diese Generation für Christus zu erreichen. Ich denke nicht einmal im Traum daran, Ihnen beibringen zu wollen, wie man eine Welle des Geistes erzeugt. Das steht außerhalb unserer Möglichkeiten. Aber ich kann Sie lehren, wie man erkennt, was Gott tut, und wie man geschickter darin werden kann, auf einer Welle von Gottes Segen zu reiten.

Das Problem bei vielen Gemeinden liegt darin, dass sie mit der falschen Frage beginnen. Sie fragen sich: »Was wird unsere Gemeinde zum Wachsen bringen?« Dieser Frage liegt ein falsches Verständnis zugrunde. Das ist, als würde man sagen: »Wie können wir eine Welle machen?« Stattdessen müssen wir uns fragen: »Was hindert unsere Gemeinde daran zu wachsen?« Welche Hindernisse blockieren die Wellen, die Gott uns über den Weg schicken will? Welche Barrieren und Fallstricke stehen dem Wachstum im Weg?

Alle lebendigen Dinge wachsen – wir müssen sie nicht erst zum Wachsen bringen. Lebende Organismen wachsen ganz natürlich, wenn sie gesund sind. Zum Beispiel muss ich meinen drei Kindern nicht befehlen zu wachsen. Sie wachsen auf ganz natürliche Weise. Solange ich Hindernisse wie mangelnde Ernährung oder eine ungesunde Umgebung ausschalte, so lange werden sie automatisch wachsen. Sollten meine Kinder nicht wachsen, dann ist etwas ganz fürchterlich schiefgelaufen. Mangelndes Wachstum weist in der Regel auf eine ungesunde Situation hin, unter Umständen auch auf eine Krankheit.

Das Gleiche gilt auch für die Gemeinde, die ebenfalls ein lebendiger und somit ganz natürlich ein im Wachstum begriffener Organismus ist. Die Gemeinde ist ein Körper, kein Unternehmen. Sie ist ein Organismus und keine Organisation. Sie ist lebendig. Wenn eine Gemeinde nicht wächst, dann stirbt sie.

Wenn ein menschlicher Körper aus dem Gleichgewicht gerät, nennen wir das Krankheit, Unwohlsein des Körpers. Auch wenn der Leib Christi, die Gemeinde, aus dem Gleichgewicht gerät, entsteht Krankheit. Viele dieser Krankheiten lassen sich anhand der sieben Gemeinden im Buch der Offenbarung illustrieren und benennen. Gesundheit gibt es erst dann, wenn alles im Leben eines Organismus wieder zurück ins Gleichgewicht gebracht wurde.

Die Aufgabe der Leiterschaft einer Gemeinde ist es, wachstumshemmende Krankheiten und Hindernisse zu entdecken und zu entfernen, sodass ein natürliches, normales Wachstum stattfinden kann. Vor mehr als achtzig Jahren hat Roland Allen in seinem Buch über Mission, das mittlerweile zu einem Klassiker geworden ist, diese Art von Wachstum die »spontane Expansion der Gemeinde« genannt. Von dieser Art Wachstum berichtet auch die Apostelgeschichte. Erlebt Ihre Gemeinde spontanes Wachstum? Wenn diese Art von Wachstum in einer Gemeinde nicht stattfindet, dann sollten wir uns fragen, was der Grund dafür ist.

Ich glaube, dass der Schlüsselgedanke für Gemeinden im 21. Jahrhundert die Gesundheit der Gemeinde sein wird, nicht das Wachstum der Gemeinde. Das ist es auch, worum es in diesem Buch wirklich geht. Wenn man sich einzig auf das Wachstum ausrichtet, verfehlt man das Eigentliche. Wenn Gemeinden gesund sind, dann wachsen sie so, wie Gott es beabsichtigt hat. Gesunde Gemeinden brauchen keine besonderen Tricks, um zu wachsen – sie wachsen ganz natürlich.

Paulus erklärte das so: »Von ihm her wird der ganze Leib zusammengehalten und versorgt, damit er zur vollen Größe emporwächst, wie es Gott gefällt« (Kol 2,19; Begegnung). Beachten Sie, Gott möchte, dass seine Gemeinde wächst. Wenn Ihre Gemeinde von Grund auf gesund ist, dann brauchen Sie sich keine Sorgen über ihr Wachstum zu machen.

Beobachtungen aus zwanzig Jahren

In den vergangenen zwanzig Jahren habe ich wachsende Gemeinden studiert, unabhängig davon, welche Größe sie hatten. Auf meinen Reisen als Bibellehrer, Evangelist und später als Trainer von Pastoren habe ich Hunderte von Gemeinden auf der ganzen Welt besucht. Bei jeder Gelegenheit habe ich mir Notizen darüber gemacht, warum manche von ihnen gesund und wachsend waren und warum andere ungesund waren, stagnierten oder im Sterben lagen. Ich habe mit Tausenden von Pastoren gesprochen und habe Hunderte von Gemeindeleitern, Professoren und Leiter der einzelnen Denominationen zu ihren Beobachtungen in Gemeinden befragt. Vor Jahren habe ich die einhundert größten Gemeinden in Amerika angeschrieben und ein Jahr damit verbracht, ihre Arbeit zu untersuchen. Ich habe fast alle Bücher über Gemeindewachstum gelesen, die zu dem Thema erschienen sind.

Ich habe sogar noch mehr Zeit darauf verwendet, das Neue Testament durchzuarbeiten. Ich habe es immer wieder gelesen, habe es durch die »Gemeindewachstums-Brille« betrachtet, immer auf der Suche nach wiederkehrenden Prinzipien, Mustern und Vorgehensweisen. Das Neue Testament ist das großartigste Buch über Gemeindewachstum, das je geschrieben wurde. Im Hinblick auf die wirklich wichtigen Dinge ist es unübertrefflich. Es ist die »Gebrauchsanweisung des Herstellers« für die Gemeinde schlechthin.

Ich habe mich auch immer gerne mit der Geschichte der Kirche beschäftigt. Ich finde es amüsant, dass viele Konzepte, die man heute mit dem Etikett »innovativ« oder »zeitgemäß« belegt, überhaupt keine neuen Ideen sind. Alles erscheint neu, wenn man die Geschichte ignoriert. Viele Methoden, die man heute als »völlig neuen Ansatz« etikettiert, wurden bereits in der Vergangenheit in einer nur wenig veränderten Form angewandt. Manche von ihnen haben funktioniert, andere nicht. Es ist eine altbekannte Wahrheit, dass wir am Ende die gleichen Fehler machen werden wie die Menschen vor uns, wenn wir das ignorieren, was wir aus der Vergangenheit lernen können.

Am meisten habe ich aber dadurch gelernt, dass ich bei dem zusehen konnte, was Gott in der Gemeinde getan hat, die ich leite. Hier habe ich eine Ausbildung erfahren, die mir kein Buch, kein Seminar und kein Professor je hätte geben können. 1980 habe ich die Saddleback Valley Community Church in Orange County (Kalifornien) gegründet und die folgenden fünfzehn Jahre damit verbracht, die Prinzipien, Vorgehensweisen und Praktiken, die in diesem Buch vorgestellt werden, zu erproben, anzuwenden und zu verbessern. Wie ein Forschungs- und Entwicklungszentrum haben wir dabei mit allen möglichen Ansätzen experimentiert, um Menschen für Gott zu erreichen, sie zu lehren, auszubilden und auszusenden. Saddleback diente als »Versuchslabor« für all das, was in diesem Buch beschrieben wird. Die Ergebnisse sind sehr erfreulich und haben, wie ich glaube, Gott Ehre gemacht. Ich bin immer wieder überwältigt von Gottes Kraft, ganz gewöhnliche Menschen auf außergewöhnliche Weise zu gebrauchen.

Ich habe zwanzig Jahre damit gewartet, dieses Buch zu schreiben, weil ich es nicht vor der Zeit schreiben wollte. Stattdessen habe ich die Konzepte gefiltert und ihnen Zeit gegeben, sich zu entwickeln und zu reifen. Nichts in diesem Buch ist reine Theorie. Das Letzte, was wir jetzt brauchen, ist eine weitere Theorie über Gemeindewachstum. Was wir brauchen, sind Antworten auf reale Probleme, Antworten, die sich in konkreten Gemeindesituationen als wirksam erwiesen haben.

Die Prinzipien, die in diesem Buch beschrieben werden, sind immer wieder getestet worden, nicht nur in der Saddleback Church, sondern auch in vielen anderen auftragsbestimmten Gemeinden aller Größen, Formen, Denominationen und an verschiedenen Orten. Wenn die meisten Beispiele aus Saddleback stammen, dann liegt das nur daran, dass mir unsere Gemeinde am vertrautesten ist. Fast jeden Tag erhalte ich Briefe aus anderen Gemeinden, die das Paradigma der auftragsbestimmten Gemeinde angewendet haben und die in der Lage waren, auf den Wellen des Wachstums zu reiten, die Gott ihnen über den Weg hat rollen lassen.

Mit besonderer Sympathie für die Pastoren

Dieses Buch richtet sich an alle, die zum Wachstum ihrer Gemeinde beitragen wollen, aber da ich Pastor bin, ist auch mein Schreibstil natürlich beeinflusst vom Blickwinkel eines Pastors auf andere Pastoren. Ich entstamme einer langen Reihe von Pastoren. Mein Urgroßvater ist in London durch Charles Spurgeons großartige Arbeit zum Glauben gekommen und kam in der Pionierzeit als Wanderprediger in die Vereinigten Staaten.

Sowohl mein Vater als auch mein Schwiegervater waren Pastoren. Beide haben kürzlich ihr fünfzigjähriges Dienstjubiläum gefeiert. Meine Schwester ist mit einem Pastor verheiratet und ich habe einen Teil meiner Kindheit auf dem Campus einer theologischen Hochschule verbracht, an der mein Vater lehrte. So kommt es, dass ich eine tiefe Liebe für Pastoren habe. Ich bin gerne mit ihnen zusammen. Ich fühle mit ihnen, wenn sie Verletzungen erfahren. Ich glaube, dass sie die am meisten unterschätzten Leiter in unserer Gesellschaft sind.

Meine größte Bewunderung gilt den Tausenden von nicht vollzeitlich angestellten Pastoren, die sich noch mit einem zweiten Beruf über Wasser halten, damit sie ihre Gemeinden betreuen können, die zu klein sind, um sie mit einem vollen Gehalt zu versorgen. Das sind in meinen Augen die Helden des Glaubens. Sie werden große Ehre im Himmel erhalten. Weil ich in der glücklichen Lage war, Trainingsmöglichkeiten und Erfahrungen zu bekommen, die ihnen verschlossen sind, fühle ich eine Verpflichtung, mit ihnen in diesem Buch zu teilen, was ich gelernt habe.

Auch bin ich der Ansicht, dass sich Pastoren an den für Veränderung strategisch wichtigen Punkten befinden, um den Problemen unserer Gesellschaft wirksam begegnen zu können. Sogar viele Politiker kommen zu dem Schluss, dass eine geistliche Erneuerung der einzige Ausweg aus der jetzigen gesellschaftlichen Misere sei. Vor Kurzem las ich in der Zeitschrift American Enterprise die folgende Aussage von William Bennett, einem ehemaligen Kabinettsmitglied: »Die meisten ernsten Probleme, die unsere Gesellschaft heute bedrohen, betreffen die Moral, das Verhalten und geistliche Dinge; aus diesem Grund sind sie außerordentlich resistent gegenüber Regierungsmaßnahmen.« Es ist schon eine besondere Ironie der Geschichte, dass viele Christen zu einer Zeit, in der Politiker eine geistliche Lösung fordern, sich so verhalten, als könne die Politik allein die Lösung unserer Probleme bringen. Während es keinen Zweifel daran gibt, dass der moralische Niedergang in unserer Gesellschaft ein Schlachtfeld hinterlassen hat, so lässt sich auch nicht bestreiten, dass er uns ein unglaubliches Missionsfeld bereitet hat! Wir müssen uns daran erinnern, dass Christus auch für diejenigen gestorben ist, die heute jenseits aller christlichen Kultur beheimatet sind.

Es ist ein großes Vorrecht und eine eindrucksvolle Verantwortung, Pastor einer lebendigen Ortsgemeinde zu sein. Wenn ich nicht davon überzeugt wäre, dass Pastoren die beste Chance haben, eine Veränderung in unserer Welt zu bewirken, dann würde ich etwas anderes machen; ich habe nicht die Absicht, mein Leben für etwas Sinnloses zu verschwenden.

In unserer Zeit ist die Aufgabe eines Pastors um ein Vielfaches komplexer als noch vor einer Generation. Sogar unter den besten Voraussetzungen ist der Dienst unglaublich schwierig. Aber es gibt auch viel mehr Hilfsmittel und Möglichkeiten, die Sie bei Ihrer Aufgabe unterstützen, wenn Sie das wollen. Der Schlüssel liegt darin, nie mit dem Lernen aufzuhören.

Wenn Sie Gemeindeleiter sind, dann bete ich, dass dieses Buch Sie ermutigt. Ich hoffe, dass es sowohl lehrreich als auch inspirierend für Sie sein wird. In den Büchern, die mir am meisten geholfen haben, waren die bloßen Fakten mit Begeisterung gemischt. Mein Wunsch ist es, dass Sie sich nicht nur die Prinzipien herauspicken, die ich hier darstelle, sondern auch die Leidenschaft, die ich für Gottes Auftrag im Hinblick auf seine Gemeinde erfahre.

Ich liebe die Gemeinde Jesu von ganzem Herzen. Trotz aller ihrer Fehler (aufgrund unserer Sündhaftigkeit), ist sie immer noch das wunderbarste Konzept, das jemals erschaffen wurde. Sie ist nun schon seit zweitausend Jahren Gottes auserwähltes Segensinstrument. Sie hat beständigen Missbrauch, schreckliche Verfolgung und weitverbreitete Missachtung überlebt. Übergemeindliche Organisationen und andere christliche Gruppen kommen und gehen, aber die Gemeinde wird für die Ewigkeit bestehen. Sie ist es wert, dass wir unser Leben für sie hingeben, und sie verdient unser Bestes.

»Das habe ich schon gehört!«

Während Sie dieses Buch lesen, werden Sie sicher auf Konzepte stoßen, von denen Sie denken: Das habe ich schon gehört. Ich hoffe, dass Sie das schon gehört haben! Dieses Buch enthält viele Prinzipien, die ich in den vergangenen fünfzehn Jahren in den »Auftragsbestimmten Gemeinde-Seminaren« an über 22.000 Gemeindeleiter weitergegeben habe. Außerdem haben Pastoren aus 42 verschiedenen Ländern und sechs verschiedenen Denominationen die Seminarkassetten bestellt, sodass einige der Konzepte heute gut bekannt sind.

In meinem Bücherregal stehen mehr als ein Dutzend Bücher von Leuten, die ich ausgebildet habe und die meine Gedanken vor mir in Buchform dargelegt haben. Das macht mir nichts aus. Wir spielen alle in derselben Mannschaft. Solange Pastoren dadurch weitergeholfen wird, finde ich das sogar gut. Ehrlich gesagt habe ich auch deshalb zwanzig Jahre damit gewartet, weil ich einfach zu viel zu tun hatte, um dieses Buch zu schreiben!

Mehr als einhundert Doktorarbeiten sind über das Wachstum der Saddleback Church geschrieben worden. Wir wurden von weit klügeren Köpfen, als ich es bin, seziert, examiniert, analysiert und summiert. Sie fragen vielleicht: »Ist denn nicht schon genug geschrieben worden? Warum denn noch ein weiteres Buch?« Ich hoffe, mit diesem Buch das Leben einer wachsenden Gemeinde auch aus einer Insiderperspektive zeigen zu können. Was jemand, der eine wachsende Gemeinde von außen betrachtet, erkennt, erklärt in der Regel nicht die wahren Gründe für das Wachstum.

Sie haben gelernt, dass Erfahrung klug macht. Aber es ist noch klüger, von den Erfahrungen anderer zu lernen. Außerdem ist es weniger schmerzhaft! Das Leben ist zu kurz, um alles aus persönlicher Erfahrung lernen zu wollen. Sie können eine ganze Menge Zeit und Energie einsparen, wenn Sie von anderen die Erfahrungen übernehmen, die diese auf die harte Tour gelernt haben. Das ist der Zweck von Büchern wie diesem. Ich freue mich, wenn ich Ihnen die Schmerzen ersparen kann, die wir durchmachen mussten, als wir diese Grundsätze durch Ausprobieren gelernt haben.

Wenn ein Surfer ins Wasser fällt, weil er eine Welle nicht richtig erwischt hat, dann gibt er deshalb nicht gleich das Surfen auf. Er paddelt wieder hinaus auf den Ozean, um auf die nächste große Welle zu warten, die Gott schicken wird. Eines habe ich bei erfolgreichen Surfern festgestellt: Sie sind ausdauernd.

Sie haben vielleicht schon ein paar Stürze ins Wasser während Ihres Dienstes erlebt. Bei mir war das der Fall. Sie haben vielleicht ein paar Wellen verpasst. Das bedeutet aber nicht, dass Sie aufgeben sollten. Das Meer ist nicht ausgetrocknet. Im Gegenteil, gerade in dieser Zeit bereitet Gott in der Welt die besten Wellen, die ich je gesehen habe. Es ist meine Hoffnung, quasi als »Surfkollege«, ein paar Tipps geben zu können, wie man auf dem »wellenreiten« kann, was Gott in seiner Welt tut. Lassen Sie uns versuchen, eine Welle zu erwischen.

Teil 1 Den großen Zusammenhang sehen

Kapitel 1 Die Geschichte von Saddleback

Ein Geschlecht verkünde dem andern den Ruhm deiner Werke und erzähle von deinen gewaltigen Taten.

Psalm 145,4

Im November 1973 schwänzte ich mit einem Freund den Unterricht am College und wir fuhren 350 Meilen, um Dr. W. A. Criswell im Jack Tar Hotel in San Francisco sprechen zu hören. Criswell war der renommierte Pastor einer der größten Baptistengemeinden der Welt, der First Baptist Church in Dallas (Texas). Für mich als junges Mitglied der Southern Baptists bedeutete die Möglichkeit, Criswell leibhaftig sprechen zu hören, in etwa so viel wie für einen Katholiken, den Papst zu hören. Ich war fest entschlossen, diese lebende Legende sprechen zu hören.

Ich hatte Gottes Ruf in den geistlichen Dienst bereits drei Jahre vorher gespürt und begann meine Rednertätigkeit als Jugendevangelist noch während meiner Zeit an der Highschool. Obwohl ich erst neunzehn Jahre alt war, hatte ich bereits bei Erweckungsveranstaltungen in mehr als fünfzig Gemeinden gesprochen. Ich zweifelte nicht daran, dass Gott mich in seinen Dienst berufen hatte, aber ich war mir nicht sicher, ob Gott auch wollte, dass ich Pastor würde.

Ich bin davon überzeugt, dass W. A. Criswell der größte amerikanische Pastor des zwanzigsten Jahrhunderts war. Er leitete fünfzig Jahre lang die First Baptist Church, schrieb dreiundfünfzig Bücher und entwickelte das am häufigsten nachgeahmte Gemeindemodell dieses Jahrhunderts. Er war nicht nur ein vollmächtiger Prediger und Leiter, sondern auch ein Organisationsgenie. Den meisten Menschen kommt das Wort Tradition in den Sinn, wenn sie an Criswell denken, aber eigentlich war seine Arbeit außerordentlich innovativ. Man hielt sie nur für traditionsgebunden, nachdem sie so häufig kopiert worden war!

Wir hören heute häufig von Starpredigern oder -pastoren, deren Flamme für einige Jahre hell strahlt und dann verglimmt. Es ist leicht, einen eindrucksvollen Start hinzulegen. Aber Criswells Dienst fand mehr als ein halbes Jahrhundert in einer einzigen Gemeinde statt! Er war kein Strohfeuer und bestand die Prüfung durch die Zeit. Für mich bedeutet wirklicher Erfolg: beständig zu lieben und zu leiten und gut ins Ziel zu kommen. Der Dienst ist wie ein Marathonlauf. Es spielt keine Rolle, wie man startet, sondern ob und wie man ins Ziel kommt. Wie schafft man es also, bis ins Ziel zu kommen? Die Bibel sagt: »Die Liebe hört niemals auf« (1 Kor 13,8). Wenn Sie Ihren Dienst aus Liebe heraus tun, dann können Sie nie als Versager betrachtet werden.

Als ich diesem großen Mann Gottes zuhörte, spürte ich, wie Gott mich ganz persönlich ansprach und mir deutlich machte, dass er mich zum Pastor berufen wolle. In diesem Moment und an diesem Ort versprach ich Gott, dass ich mein ganzes Leben dafür einsetzen wolle, eine einzige Gemeinde zu leiten, wenn das sein Wille wäre.

Nach dem Gottesdienst stellten mein Freund und ich uns in der Schlange an, um Dr. Criswell die Hand zu schütteln. Als ich schließlich an die Reihe kam, passierte etwas Unvorhergesehenes. Criswell sah mich mit freundlichen, liebevollen Augen an und sagte recht nachdrücklich zu mir: »Junger Mann, ich fühle Gottes Leitung, Ihnen die Hände aufzulegen und für Sie zu beten!« Ohne zu zögern, legte er seine Hände auf meinen Kopf und betete die folgenden Worte, die ich nie vergessen werde: »Vater, ich bitte dich, diesem jungen Prediger eine doppelte Portion von deinem Geist zu geben. Möge die Gemeinde, die er leitet, doppelt so groß werden wie unsere Gemeinde in Dallas. Segne ihn sehr, o Herr.«

Als ich mit Tränen in den Augen weiterging, fragte ich meinen Freund Danny: »Hat er wirklich das gebetet, was ich denke?« »Ja, das hat er ganz sicher«, sagte Danny, ebenfalls mit feuchten Augen. Ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen, dass Gott mich jemals so gebrauchen könnte, wie es Dr. Criswell gebetet hatte, aber diese heilige Erfahrung bestätigte in meinem Herzen, dass Gott mich berufen hatte, um eine Ortsgemeinde zu leiten.

Die Geschichte hinter den Methoden

Jede Theologie hat einen Zusammenhang. Sie werden Luthers Theologie nicht verstehen, ohne Luthers Leben zu verstehen und wie Gott souverän zu dieser Zeit in der Welt gewirkt hat. Auch Calvins Theologie können Sie nicht voll erkennen, wenn Sie die Umstände nicht verstehen, unter denen er zu seinen Glaubensgrundsätzen kam.

Genauso steht hinter jeder Methodologie eine Geschichte. Viele Menschen schauen auf die sogenannten »Mega-Gemeinden« und glauben, dass diese Gemeinden schon immer so groß gewesen sind. Sie vergessen, dass jede große Gemeinde als eine kleine Gemeinde begonnen hat. Und keine Gemeinde wird groß, ohne sich durch Jahre mit Problemen, Rückschlägen und Niederlagen durchzukämpfen. Zum Beispiel bestand unsere Gemeinde schon fünfzehn Jahre, bis wir in der Lage waren, das erste eigene Gebäude zu bauen. Dieser eine Faktor half uns, eine Strategie herauszubilden, mit der wir Menschen erreichen, sie dauerhaft gewinnen und ihnen helfen konnten, in ihrer Beziehung zu Gott zu wachsen. Er bewirkte, dass wir immer auf die Menschen ausgerichtet blieben, und so entstand eine Gemeindekultur, die sehr offen für Veränderungen war.

Um viele der Methoden in diesem Buch zu verstehen, müssen Sie den Zusammenhang verstehen, in dem sie entwickelt worden sind. Sonst sind Sie vielleicht versucht, Dinge zu kopieren, die wir gemacht haben, ohne den Kontext zu bedenken. Bitte tun Sie das nicht! Schauen Sie stattdessen hinter die Methoden, um die übertragbaren Prinzipien zu erkennen, auf denen sie basieren. Ich werde diese Prinzipien herausarbeiten, aber erst sollten Sie ein wenig über die Geschichte von Saddleback wissen.

Sehr wenig von der Arbeit in Saddleback war im Voraus geplant. Ich hatte keine Langzeitstrategie, bevor ich die Gemeinde gründete. Ich wusste einfach, dass Gott mich berufen hatte, eine neue Gemeinde zu bauen, die auf den fünf Aufträgen des Neuen Testaments für die Gemeinde basieren sollte, und ich hatte eine ganze Reihe Ideen, die ich ausprobieren wollte. Jede Innovation, die wir hervorgebracht haben, war nur eine Reaktion auf die Umstände, in denen wir uns befanden. Ich habe sie nicht vorhergeplant. Die meisten halten »Vision« für die Fähigkeit, in die Zukunft zu sehen. Aber in der sich heute so schnell verändernden Welt ist Vision auch die Fähigkeit, die gegenwärtigen Veränderungen richtig einzuschätzen und einen Vorteil aus ihnen zu ziehen. Vision heißt, wachsam für sich bietende Gelegenheiten zu sein.

Weil Saddleback eine junge Gemeinde ist und ich der Gründungspastor bin, waren wir in der Lage, mit weit mehr Ideen zu experimentieren als eine durchschnittliche Gemeinde – hauptsächlich auf Grund der Tatsache, dass wir keine jahrzehntelange Tradition hatten, mit der wir leben mussten. (Allerdings hatten wir viele andere Probleme, die ältere Gemeinden nicht haben!) In den ersten Jahren hatten wir nichts zu verlieren, also haben wir alle möglichen Arten von Ideen ausprobiert. Manche unserer Ideen waren spektakuläre Fehlschläge. Und ich wünschte, ich könnte behaupten, dass alle unsere Erfolge genauso gekommen sind, wie wir sie geplant haben – aber das wäre gelogen. Ich bin nicht so schlau. Die meisten unserer Erfolge waren das Ergebnis von Ausprobieren, auch mit dem Risiko eines Fehlschlags, und manche unserer Entdeckungen sind »rein zufällig« erfolgt.

Einer meiner Lieblingsfilme ist Jäger des Verlorenen Schatzes. An einem besonders spannenden Punkt der Geschichte fragt jemand Indiana Jones: »Was machen wir denn jetzt?« Jones antwortet: »Wie soll ich das wissen? Ich werde mir etwas ausdenken, während wir weitermachen!« So habe ich mich auch viele, viele Male als Pastor in Saddleback gefühlt. Bei uns war es so, dass wir uns etwas ausdachten, und wenn es funktionierte, konnten wir so tun, als hätten wir es von Anfang an so geplant!

Mark Twain sagte einmal ganz trocken: »Ich kannte einen Mann, der eine Katze am Schwanz packte und dabei vierzig Prozent mehr über Katzen lernte als jemand, der das nicht tut.« Seit der Gründung Saddlebacks haben wir die Katze am Schwanz gepackt – und wir haben Kratzer und Narben davongetragen, die das beweisen.

Die Wahrheit ist, dass wir in Saddleback mehr Dinge ausprobiert haben, die nicht funktioniert haben, als Dinge, die funktionierten. Wir hatten nie Angst vor einem Misserfolg; wir nennen einfach alles ein »Experiment«. Ich könnte ein weiteres Buch mit Geschichten über unsere Misserfolge füllen und es 1000 Wege, damit eine Gemeinde NICHT wächst! nennen.

Meine Suche nach grundlegenden Prinzipien

1974 arbeitete ich als Studentenmissionar in Japan. Ich lebte bei einem Missionarsehepaar der Southern Baptists in deren Haus in Nagasaki. Eines Tages, als ich in der Bibliothek der Missionare herumstöberte, stieß ich auf eine alte Ausgabe der Zeitschrift HIS, eines christlichen Studentenmagazins, das von der InterVarsity Christian Fellowship herausgegeben wird.

Als ich darin blätterte, erweckte ein Foto eines faszinierenden älteren Mannes mit einem Ziegenbärtchen und blitzenden Augen meine besondere Aufmerksamkeit. Der Untertitel des Artikels lautete in etwa: »Warum ist dieser Mann gefährlich?« Als ich dort saß und diesen Artikel über Donald McGavran las, hatte ich keine Ahnung davon, wie dramatisch er die Richtung meines Dienstes beeinflussen würde, genauso, wie es auch meine Begegnung mit Criswell getan hatte.

In dem Artikel wurde beschrieben, wie McGavran, ein in Indien geborener Missionar, seinen geistlichen Dienst dafür eingesetzt hatte, um herauszufinden, was Gemeinden wachsen lässt. Seine jahrelangen Untersuchungen ließen ihn schließlich 1955 das Buch The Bridges of God (»Die Brücken Gottes«) und ein Dutzend weitere Bücher über wachsende Gemeinden schreiben, die heute alle als Klassiker gelten.

Wie Gott W. A. Criswell benutzte, um den Focus meiner Lebensaufgabe von einem allgemeinen Dienst darauf zu richten, Pastor einer Gemeinde zu werden, so benutzte Gott die Schriften von Donald McGavran, um meinen Focus von der Leitung einer bereits etablierten Gemeinde darauf einzustellen, die Gemeinde selbst zu gründen, die ich dann leiten würde. Paulus drückt es im Römerbrief, in Kapitel 15, Vers 20, so aus: »Darum habe ich darauf geachtet, das Evangelium nicht dort zu verkündigen, wo der Name Christi schon bekannt gemacht war, um nicht auf einem fremden Fundament zu bauen.«

McGavran ging auf brillante Weise über das konventionelle Wissen seiner Zeit über Gemeindewachstumsprinzipien hinaus. Mit einer biblischen Grundlage und einer einfachen, aber leidenschaftlichen Logik wies McGavran auf den Wunsch Gottes hin, dass seine Gemeinde wächst und seine verlorenen Schafe gefunden werden!

Die von McGavran angesprochenen Punkte schienen mir von besonderer Bedeutung zu sein, da ich damals das schmerzhaft langsame Wachstum der Gemeinden in Japan hautnah mitbekam. Ich machte mir eine Liste von acht Fragen, auf die ich Antworten finden wollte:

▶ Wie viel von dem, was Gemeinden tun, ist wirklich biblisch?

▶ Wie viel von dem, was wir tun, ist einfach kulturell bedingt?

▶ Warum wachsen manche Gemeinden und andere sterben am Weinstock ab?

▶ Was bewirkt es, dass eine wachsende Gemeinde aufhört zu wachsen, stagniert und dann abstirbt?

▶ Gibt es gemeinsame Faktoren, die in jeder wachsenden Gemeinde gefunden werden können?

▶ Gibt es Prinzipien, die in jeder Kultur anwendbar sind?

▶ Was sind die Hindernisse für Wachstum?

▶ Welches sind die verbreiteten Mythen über wachsende Gemeinden, die nicht mehr stimmen (oder nie zugetroffen haben)?

An dem Tag, an dem ich McGavrans Artikel las, spürte ich, wie Gott mich dahin führte, den Rest meines Lebens zu investieren, um die Prinzipien herauszufinden – biblische, kulturelle und die Leiterschaft betreffende Prinzipien –, die gesunde, wachsende Gemeinden hervorbringen. Das war der Anfang eines lebenslangen Studiums.

1979, als ich mein letztes Jahr am Southwestern Baptist Seminary in Fort Worth (Texas) verbrachte, entschied ich mich, eine unabhängige Studie über die damals einhundert größten Gemeinden in den Vereinigten Staaten durchzuführen. Zunächst musste ich erst einmal herausfinden, welches diese Gemeinden waren, und das war keine kleine Aufgabe. Ich arbeitete während meines Abschlussjahres für Dr. Roy Fish, einen Professor für Evangelisation am Southwestern Seminary. Roy, der auch mein Mentor und Freund war, half mir, viele dieser Gemeinden herauszufiltern. Andere fand ich dadurch, dass ich die Jahrbücher einzelner Denominationen und christliche Zeitschriften durchging.

Ich habe dann jede dieser Gemeinden angeschrieben und eine Reihe von Fragen gestellt, die ich vorbereitet hatte. Obwohl ich herausfand, dass große, wachsende Gemeinden große Unterschiede in ihrer Strategie, Struktur und in ihrem Stil haben, gab es auch einige gemeinsame Nenner. Meine Untersuchung bestätigte, was ich bereits durch Criswells Arbeit wusste: Gesunde, große Gemeinden werden von Pastoren geleitet, die bereits lange Zeit dort sind. Ich habe Dutzende von Beispielen dafür gefunden. Eine lange Zeit der Gemeindeleitung ist zwar keine Garantie dafür, dass eine Gemeinde wächst, aber Leiter, die alle paar Jahre wechseln, garantieren, dass eine Gemeinde nicht wachsen wird.

Können Sie sich vorstellen, was aus Kindern werden würde, die alle zwei oder drei Jahre einen neuen Vater bekämen? Sie würden sehr wahrscheinlich ernste emotionale Schwierigkeiten haben. Genauso ist auch die Langlebigkeit der Leitung ein kritischer Faktor für die Gesundheit und das Wachstum einer Gemeindefamilie. Lange Zeiten der Leiterschaft machen tiefe, vertrauensvolle und fürsorgliche Beziehungen möglich. Ohne diese Art von Beziehungen wird ein Pastor nicht viel von dauerhaftem Wert erreichen können.

Gemeinden, die alle paar Jahre ihre Pastoren austauschen, werden nie ein dauerhaftes Wachstum erleben. Ich glaube, dass das ein Grund für den Niedergang einiger Denominationen ist. Indem sie bewusst die Amtszeit von Pastoren in einer lokalen Gemeinde begrenzen, machen sie aus Pastoren »lahme Enten«. Nur wenige Menschen wollen einem Leiter folgen, der im nächsten Jahr nicht mehr bei ihnen sein wird. Der Pastor möchte vielleicht alle möglichen neuen Projekte beginnen, aber die Mitglieder werden zögerlich sein, weil sie später mit den Folgen leben müssen, noch lange, nachdem der Pastor in eine andere Gemeinde gegangen ist.

Als ich über die Bedeutung der Dauerhaftigkeit für das Wachstum einer gesunden Gemeinde Bescheid wusste, betete ich: »Vater, ich bin bereit, an jeden Ort in der Welt zu gehen, an den du mich senden willst. Aber ich bitte dich um das Vorrecht, mein ganzes Leben nur in einen Ort zu investieren. Mir ist es egal, wohin du mich sendest, aber wo immer es auch ist, dort möchte ich für den Rest meines Lebens bleiben«.

Wo in der Welt?

Nach diesem Gebet habe ich eine Weltkarte in unserem Wohnzimmer an der Wand befestigt und begann mit meiner Frau Kay um Weisung zu beten, wo wir uns nach Abschluss des Studiums niederlassen sollten. Das ist der erste Schritt, den jeder tun sollte, der eine neue Gemeinde gründet: Beten Sie um Führung. In Sprüche 28,26 steht: »Wer auf seinen eigenen Verstand vertraut, ist ein Tor, wer in Weisheit seinen Weg geht, wird gerettet.« Vor allem anderen müssen Sie erst einmal Gottes Perspektive für Ihre Situation bekommen.

Meine Frau und ich dachten zunächst, dass Gott uns berufen würde, als Missionare nach Übersee zu gehen. Da ich bereits als Studentenmissionar in Japan gearbeitet hatte, stellten wir uns besonders auf asiatische Länder ein. Aber als wir etwa sechs Monate lang um Gottes Weisung gebetet hatten, gab Gott uns den Eindruck, dass wir nicht in Übersee arbeiten würden. Stattdessen sollten wir eine neue Gemeinde in einer größeren, städtisch geprägten Gegend der Vereinigten Staaten gründen.

Statt selbst Missionare zu werden, spürten Kay und ich Gottes Führung, eine Gemeinde zu bauen, die Missionare aussendet. Gott würde uns gebrauchen, um in Amerika andere zu gewinnen und auszubilden, die als Missionare nach Übersee gehen würden. Das war eine Enttäuschung für mich, aber wenn ich zurückschaue, dann sehe ich jetzt Gottes Weisheit, die diesem Plan zugrunde liegt. Die Gemeinde von Saddleback hat bereits jetzt eine unvergleichlich größere Wirkung durch die vielen Missionare gehabt, die wir ausgesandt haben, als wenn ich selbst gegangen wäre.

Ich glaube, dass man die Gesundheit oder die Stärke einer Gemeinde eher an ihrer Fähigkeit zum Aussenden als an der Zahl ihrer Sitzplätze messen kann. Es ist die Aufgabe der Gemeinden, Menschen auszusenden. Eine der Fragen, die wir stellen müssen, wenn wir die Gesundheit einer Gemeinde einschätzen, lautet: »Wie viele Menschen werden für den Missionsauftrag mobilisiert?«

Diese Überzeugung, die ich bereits seit dem Beginn von Saddleback habe, hat mich dazu gebracht, den Prozess in Gang zu setzen, über den ich in diesem Buch berichte: Durch ihn werden Mitglieder der Gemeinde zu Dienern Gottes und zu Missionaren.

Unser Ziel liegt in Amerika

Nachdem wir erkannt hatten, dass wir nicht in Übersee arbeiten würden, begannen Kay und ich darüber zu beten, wo wir eine neue Gemeinde in den Vereinigten Staaten gründen sollten. Da ich von nirgendwoher finanzielle Unterstützung bekam, konnte das überall sein. Deshalb habe ich wieder einmal eine Karte an unsere Wohnzimmerwand geheftet (dieses Mal eine Karte der Vereinigten Staaten) und jede größere städtische Region außerhalb des Südens eingekreist.

Durch meine Familie war ich seit vier Generationen mit den Southern Baptists verbunden und ich habe überall im Süden Verwandte. Aber ich dachte, dass ich irgendwo hingehen sollte, wo die meisten meiner Studienkollegen nicht hingehen wollten. Ich betete darüber, eine Gemeinde in Detroit, New York, Philadelphia, Chicago, Albuquerque, Phoenix oder Denver zu gründen. Dann entdeckte ich, dass die drei am wenigsten von Gemeinden durchzogenen Bundesstaaten Washington, Oregon und Kalifornien waren. Deshalb schränkte ich meinen Blickwinkel auf vier Gegenden an der Westküste ein: Seattle, San Francisco, San Diego und Orange County. Diese vier städtischen Gegenden waren in den späten 70er Jahren alle im Wachstum begriffen und das erregte meine Aufmerksamkeit.

Während des Sommers des Jahres 1979 lebte ich praktisch in Universitätsbibliotheken und beschäftigte mich mit den Daten der amerikanischen Volkszählung und anderen demographischen Studien über diese Gebiete. In Sprüche 13,16 steht: »Der Kluge tut alles mit Überlegung.« Für mich bedeutete das, dass ich so viel ich konnte über eine bestimmte Gegend herausfinden wollte, bevor ich mich verpflichtete, dort den Rest meines Lebens zu investieren. Bevor man eine größere Entscheidung trifft, sollte man sich die wichtige Frage stellen: »Was muss ich zuvor wissen?«

In Sprüche 18,13 finden wir: »Gibt einer Antwort, bevor er gehört hat, ist es Torheit und Schande für ihn.« Viele neue Gemeinden scheitern deshalb, weil sie aus naivem Enthusiasmus heraus gegründet werden. Es ist mehr als Enthusiasmus nötig, um eine Gemeinde zu gründen; man braucht dazu Weisheit. Glauben zu haben bedeutet nicht, die Fakten über die Gegend zu ignorieren, für die man sich entschieden hat.

Ich war fünfundzwanzig Jahre alt, hatte fünf Monate zuvor das theologische Seminar beendet und Kay war im neunten Monat mit unserem ersten Kind schwanger. Ich rief sie täglich mehrere Male aus der Bibliothek an, um zu wissen, ob die Wehen bereits eingesetzt hatten.

Eines Nachmittags entdeckte ich, dass das Saddleback-Tal im Orange County in Südkalifornien das am schnellsten wachsende Gebiet in der am schnellsten wachsenden Region der Vereinigten Staaten während der 70er Jahre war. Diese Tatsache schnürte mir den Hals zu und beschleunigte meinen Herzschlag. Ich wusste, dass dort, wo Regionen in einem solchen Tempo neu besiedelt wurden, auch ein Bedarf an neuen Gemeinden sein würde.

Als ich dort in dem staubigen, schlecht beleuchteten Keller der Universitätsbibliothek saß, hörte ich, wie Gott deutlich zu mir sprach: »Ich möchte, dass du dort eine Gemeinde gründest!« Mein ganzer Körper begann vor Aufregung zu kribbeln und meine Augen füllten sich mit Tränen. Ich hatte etwas von Gott gehört. Es spielte keine Rolle, dass ich kein Geld hatte, keine Mitglieder und dass ich diesen Ort noch nicht einmal gesehen hatte. Von diesem Moment an war unser Schicksal besiegelt. Gott hatte mir gezeigt, wo er einige Wellen erzeugen wollte, und ich würde den Ritt meines Lebens auf diesen Wellen haben.

Als Nächstes machte ich mich daran, den Namen des Missionsverantwortlichen der Southern Baptists für das Orange County herauszufinden. Sein Name war Hermann Wooten. Ich schrieb ihm den folgenden Brief: »Mein Name ist Rick Warren. Ich bin Student am Seminar in Texas und plane, in das südliche Orange County zu ziehen, um dort eine Gemeinde aufzubauen. Ich bitte Sie nicht um Geld oder Unterstützung, ich möchte nur wissen, was Sie über diese Region denken. Werden dort neue Gemeinden gebraucht?«

Durch die Fügung Gottes geschah etwas Erstaunliches. Obwohl wir einander nie begegnet waren, hatte Hermann Wooten irgendwie von mir und meinem Wunsch, nach meinem Examen eine neue Gemeinde zu gründen, gehört. Zur selben Zeit, als ich meinen Brief an ihn schrieb, schickte er mir den folgenden Brief: »Lieber Mr. Warren, ich habe gehört, dass Sie sich eventuell dafür interessieren, nach dem Seminar eine neue Gemeinde in Kalifornien zu gründen. Haben Sie jemals an das Saddleback-Tal im südlichen Orange County gedacht?« Unsere Briefe kreuzten sich auf dem Postweg! Als ich zwei Tage später den Briefkasten öffnete und einen Brief von demselben Mann sah, an den ich gerade geschrieben hatte, kamen mir die Tränen. Kay und ich wussten, dass Gott etwas vorhatte.

Zwei Monate später, im Oktober, flog ich nach Orange County und verbrachte dort zehn Tage, in denen ich die Gegend zum ersten Mal sah. Tagsüber sprach ich mit so vielen Menschen wie möglich. Ich besuchte Grundstücksmakler, Leute von der Handelskammer, Bankleute, Siedlungsplaner, Anwohner und andere Pastoren in der Gegend. Ich machte mir zahlreiche Notizen über alles, was ich hörte. Ich nahm das Versprechen aus Sprüche 20,18 für mich in Anspruch: »Pläne kommen zum Ziel, wenn man sich recht berät« (Luther).

Nachts brütete ich über Karten und Broschüren des Gebiets, die ich auf dem Fußboden im Wohnzimmer von Dr. Fred Fisher ausbreitete, einem emeritierten Professor des Golden Gate Seminary, der mich eingeladen hatte, bei ihm zu Hause im nördlichen Orange County zu wohnen. Während ich das Material studierte, das ich zusammengesammelt hatte, lernte ich die Namen von allen größeren Straßen im Saddleback-Tal auswendig.

Nach einer Woche ließ ich Kay mit dem Flugzeug nachkommen, damit auch sie die Gegend kennenlernte. Ich habe mich immer auf die geistliche Unterscheidungsfähigkeit meiner Frau verlassen, um Gottes Führung in meinem Leben zu bestätigen. Wenn Kay irgendeinen Widerstand gegenüber unserem Umzug gespürt hätte, wäre das für mich ein Warnsignal von Gott gewesen. Glücklicherweise lautete ihre Antwort: »Ich habe unheimliche Angst, aber ich glaube, dass es Gottes Wille ist, und ich glaube an dich. Lass es uns also machen.« Wie Paulus im Römerbrief, in Kapitel 8, Vers 31, schreibt: »Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns?« Wir stiegen auf den höchsten Hügel, den wir finden konnten, und entschieden uns bewusst dafür, unser Leben darein zu investieren, die Saddleback Valley Community Church aufzubauen, während wir über das Saddleback-Tal schauten, das bereits mit Tausenden von Häusern gefüllt war.

Kalifornien, wir kommen!

Ich machte in diesem Dezember meinen Abschluss am Seminar. In den letzten Tagen des Jahres 1979 packten Kay und ich das wenige, das wir besaßen, auf einen Lastwagen und zogen von Texas nach Südkalifornien. Unsere Möbel waren von einem frisch verheirateten Paar an das nächste weitergereicht worden. Wir waren das fünfte Paar, das sie besaß. Es waren ziemlich erbärmliche Sachen, aber es war alles, was wir hatten. Als wir packten, erschien es so unglaublich, dass dieses mittellose junge Paar in eine der wohlhabendsten Gegenden Amerikas ziehen sollte.

Wir kamen voller Hoffnung in Südkalifornien an. Wir hatten ein neues Jahrzehnt vor uns, einen neuen Dienst, ein vier Monate altes Baby und Gottes Versprechen, uns zu segnen. Aber wir kamen dort auch ohne Geld an, ohne Gemeindegebäude, ohne Mitglieder und ohne ein Zuhause. Wir kannten keinen einzigen Menschen, der in Saddleback Valley lebte. Das war der größte Glaubensschritt, den wir bis zu diesem Zeitpunkt je gewagt hatten.

Wir trafen an einem Freitagnachmittag in Saddleback Valley ein, gerade rechtzeitig, um in einen der schlimmen südkalifornischen Verkehrsstaus zu geraten. Ich habe nie verstanden, warum man den langsamsten Verkehr rush hour (»Stunde der Eile«) nennt! Wir bewegten uns im Schneckentempo Zentimeter für Zentimeter vorwärts, hungrig und müde, mit einem schreienden Kind im Wagen.

Da ich in einer ländlichen Kleinstadt mit weniger als fünfhundert Einwohnern aufgewachsen bin, war ich völlig unvorbereitet auf einen solchen Verkehr. Als ich vor mir kilometerweit stillstehende Autos auf dem Freeway sah, dachte ich: In was habe ich mich da bloß hineinmanövriert? Gott, du hast dir den falschen Mann für diese Aufgabe ausgesucht! Ich denke, ich habe einen großen Fehler gemacht.

Schließlich kamen wir um fünf Uhr nachmittags in Saddleback Valley an. Ich nahm die nächste Ausfahrt und hielt bei dem ersten Büro eines Grundstücksmaklers an, das ich finden konnte. Dann ging ich hinein und stellte mich dem erstbesten Makler vor, dem ich begegnete. Sein Name war Don Dale. Ich stellte mich mit einem breiten Lächeln vor: »Mein Name ist Rick Warren. Ich bin hier, um eine christliche Gemeinde zu gründen. Ich brauche eine Wohnung, aber ich habe überhaupt kein Geld.« Don grinste und lachte laut heraus. Ich lachte auch. Ich hatte keine Ahnung, was als Nächstes passieren würde. Don sagte: »Nun, lassen Sie uns mal sehen, was wir tun können.« Binnen zwei Stunden fand Don eine Wohnung für uns zur Miete, handelte aus, dass wir die erste Monatsmiete nicht zu bezahlen brauchten und war einverstanden, das erste Mitglied der Saddleback Church zu werden! Gott sorgt für uns.

Als wir zu der Wohnung fuhren, fragte ich Don, ob er irgendwo bereits eine Gemeinde besuchen würde. Er verneinte. Ich antwortete: »Großartig! Du bist unser erstes Mitglied!« Und genauso war es dann auch. Wir starteten unsere Gemeinde in Saddleback mit der Familie des Maklers und meiner eigenen. Zwei Wochen später hielten wir unsere erste Bibelstunde in unserer Wohnung, bei der sieben Personen anwesend waren.

Nachdem wir im Glauben ausgezogen waren, war es aufregend zu sehen, wie sich die finanzielle Unterstützung, die wir brauchten, zu konkretisieren begann. Pastor John Jackson brachte seine Gemeinde, die Crescent Baptist Church in Anaheim dazu, uns offiziell finanziell zu unterstützen und pro Monat sechshundert Dollar für uns bereitzustellen. Danach verpflichteten sich die First Baptist Church in Lufkin (Texas) und die First Baptist Church in Norwalk (Kalifornien), monatlich je zweihundert Dollar an unsere gerade flügge werdende Gemeinde zu geben.

Eines Morgens erhielt ich einen Anruf von einem Mann, der anbot, zwei Monate lang unsere Miete zu bezahlen. Er erzählte, dass er von der neuen Gemeinde gehört habe und uns helfen wolle. Später, als unser Konto einmal fast völlig leer war, besuchten Kay und ich einen Flohmarkt, um eine Ausstattung für den Kinderraum zu kaufen, damit wir unseren ersten Gottesdienst feiern konnten. Wir fanden, was wir suchten, und stellten einen Scheck aus, in dem Wissen, dass wir damit unser letztes Geld ausgaben, das eigentlich für Lebensmittel gedacht war. Als wir nach Hause kamen, öffnete ich den Briefkasten und fand darin einen Scheck von einer Frau aus Texas, die mich einmal hatte sprechen hören und die uns irgendwie in Kalifornien ausfindig gemacht hatte. Der Scheck war genau über den Betrag, den wir gerade für die Ausstattung des Kinderraums ausgegeben hatten: 37 Dollar und 50 Cents.

Es wäre mir lieber gewesen, ich hätte für die Gemeinde finanziell gesehen bereits alles unter Dach und Fach gehabt, bevor wir nach Kalifornien gezogen sind, aber so ist es nicht gekommen. Stattdessen sind wir im Glauben dorthin gegangen. Mein Gefühl der Berufung war so stark, dass ich darauf brannte, endlich anzufangen. Ich liebe die Stelle im Buch Kohelet, in Kapitel 11, Vers 4: »Wer ständig nach dem Wind schaut, kommt nicht zum Säen.« Wenn Sie darauf bestehen, alle Probleme zu lösen, bevor Sie eine Entscheidung treffen, dann werden Sie nie den Reiz erleben, aus dem Glauben heraus zu leben. Gott benutzt immer unvollkommene Menschen in unvollkommenen Situationen, um seine Pläne Wirklichkeit werden zu lassen.

Als wir in diesen frühen Tagen auf viele Arten und Weisen sahen, wie Gott unsere Entscheidung bestätigte, die Gemeinde anzufangen, lernten wir daraus eine wichtige Lektion: Wo Gott führt, da versorgt er auch. Wenn Sie eine Gemeinde gründen wollen, dann unterstreichen Sie sich diesen Satz. Er wird für Sie eine große Quelle des Trostes und der Kraft an den schwierigen Tagen sein. Was immer er uns auch zu tun beruft, er wird uns befähigen und ausrüsten, damit wir es tun können. Gott ist treu! Er hält seine Versprechen.

Was für eine Art Gemeinde sollten wir sein?