Kleiner Psychotherapieführer - Tilman Niemeyer - E-Book

Kleiner Psychotherapieführer E-Book

Tilman Niemeyer

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Beschreibung

Auf dem weiten Feld der Psychotherapie Überblick zu behalten ist nicht einfach. Diejenigen, die eine Therapie aufnehmen wollen, stehen der praktischen Umsetzung oft erst einmal ratlos gegenüber. An wen genau sollen sie sich wenden? Welche Therapie passt zu ihnen? Und was erwartet sie beim „Seelenklempner“? Tilman Niemeyer bietet mit seinem Buch Überblick und Unterstützung. Verständlich und kurzweilig erklärt er verschiedene Therapiemethoden, das praktische Vorgehen auf der Suche nach dem geeigneten Therapeuten/der geeigneten Therapeutin sowie weitere wichtige Aspekte, die im Vorfeld überlegt werden sollten.

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Seitenzahl: 241

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Tilman NiemeyerKleiner PsychotherapieführerGrundlagen und Methoden

Über dieses Buch

Spielen Sie mit dem Gedanken, eine Psychotherapie aufzunehmen? Vielleicht haben Sie sich ja auch bereits dazu entschlossen und sind gezielt auf der Suche nach »Ihrer« Therapie? Oder Sie wollen sich nur unverbindlich informieren, welche Möglichkeiten es gibt. Die Aufnahme einer Therapie kann für viele Menschen eine entscheidende Hilfe sein, sie aber zunächst auch mit vielen offenen Fragen konfrontieren: An wen soll ich mich wenden? Welche Methode passt zu mir? Übernimmt die Krankenkasse die Kosten? Und was erwartet mich eigentlich in der Therapie? 

Tilman Niemeyer bietet mit seinem Buch Überblick und Orientierung. Verständlich und kurzweilig erklärt er verschiedene Psychotherapiemethoden, das praktische Vorgehen auf der Suche nach dem geeigneten Therapeuten oder der geeigneten Therapeutin sowie weitere wichtige Aspekte, die im Vorfeld überlegt werden sollten.

Tilman Niemeyer ist Heilpraktiker für Psychotherapie und angehender Hakomi-Körperpsychotherapeut.

Copyright: © Junfermann Verlag, Paderborn 2014

Coverfoto: © fotovika – fotolia.com

Covergestaltung / Reihenentwurf: Christian Tschepp

Satz & Digitalisierung: JUNFERMANN Druck & Service, Paderborn

Alle Rechte vorbehalten.

Erscheinungsdatum dieser eBook-Ausgabe: 2014

ISBN der Printausgabe: 978-3- 95571-014-9 ISBN dieses eBooks: 978-3-95571-015-6

Anmerkung

Medizin, Psychotherapie und auch die gesetzlichen Regelungen unterliegen einem fortwährenden Entwicklungsprozess, sodass alle diesbezüglichen Angaben immer nur dem Wissensstand zum Zeitpunkt der Drucklegung entsprechen können. Unstimmigkeiten sollten bitte – im allgemeinen Interesse – dem Verlag mitgeteilt werden.

Die angegebenen Empfehlungen zur Therapie wurden mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt, gleichwohl werden die Benutzer aufgefordert, sich gegebenenfalls individuell beraten zu lassen. Jede Psychotherapie ist im Zusammenhang mit der jeweiligen Diagnose und der angewandten Methode zu sehen, sodass verbindliche Aussagen zur Durchführung der Therapie sowie über Dauer, Leistungen und Kosten ausschließlich im persönlichen Gespräch mit Ihrer Therapeutin bzw. Ihrer Krankenkasse geklärt werden können. Der Benutzer bleibt selbst verantwortlich für jede diagnostische oder therapeutische Anwendung.

Der Autor gehört keiner Glaubensrichtung an und fühlt sich auch keiner solchen Bewegung zugehörig oder verpflichtet.

Meiner Therapeutin gewidmet

Vorwort: „Das Herz hat seine Gründe …“

„Das Herz hat seine Gründe, die die Vernunft nicht kennt.“ Blaise Pascal (1623–1662)

Angenommen, ich habe ein Problem, womöglich sogar eine Krise, und weiter angenommen, ich bin bereit, mich über die Möglichkeiten professioneller Hilfe zu informieren (was für viele Menschen an und für sich bereits eine Herausforderung ist; oftmals ist die Hemmung, sich helfen zu lassen, ja gerade Teil des Problems). Ich nehme also das Telefonbuch zur Hand, schaue auf Internetseiten oder stehe vor Praxisschildern – und sehe mich Geheimcodes gegenüber, die offenbar nur entschlüsseln kann, wer selbst ein entsprechendes Studium abgeschlossen hat.

Mache ich meine Therapie beim „Psychiater“ oder beim „Psychoanalytiker“? Nehme ich die „Psychologische Psychotherapeutin“, die „Dipl.-Psych.“ oder den „HP-Psych.“? Und was bedeuten in dem Zusammenhang „Hypno-“, „Gestalt-“, und „Gesprächspsychotherapie“? (Ja reden denn die anderen nicht?) Was soll mir „PITT“ und „EMDR“, „DGVT“ und „BDP“ sagen? Wie will ich eine Entscheidung treffen, wenn ich nicht weiß, zwischen was ich überhaupt die Wahl habe? Und wenn es Unterschiede gibt (es gibt sie!), worin bestehen sie? Schließlich bieten doch alle die oben genannte Psychotherapie an, oder nicht? (Ja, das tun sie.)

Falls Sie sich also darin wiedererkennen und falls Sie dabei sind, sich dem Thema ‚Therapie‘ anzunähern, oder auch, wenn Sie einfach nur mehr über die Szene wissen wollen, dann sind Sie hier richtig. (Und auch wenn Sie Fachmann oder -frau sind, sind Sie natürlich herzlich eingeladen.) Dieses Buch soll Ihnen helfen, die Angaben auf all den Praxisschildern und Visitenkarten zu entschlüsseln, damit Sie als Klientin oder Klient nicht auf gut Glück in die nächstbeste Praxis laufen, sondern eine bewusste Wahl treffen können, noch bevor Sie den ersten Kontakt aufnehmen. Und da die Themen ‚Psychotherapeutische Methode‘ und ‚Kassenzulassung‘ in Deutschland untrennbar miteinander verbunden, um nicht zu sagen „verknotet“ sind, bringen wir nebenbei noch Licht in das Dunkel, warum Ihre Krankenversicherung im einen Fall zahlt, in einem anderen aber nicht.

Begründet wird diese unterschiedliche Handhabe der Krankenkassen mit der Wirksamkeit der jeweiligen Methode bezogen auf die jeweilige Diagnose. Im Falle einer Depression wird man also vornehmlich hierhin geschickt, mit einer Zwangsstörung dorthin und, um eine Raucherentwöhnung zu machen, wiederum woandershin. – Umgekehrt ist man sich in Fachkreisen aber weitgehend einig, dass die Beziehung zwischen Klientin und Therapeutin weitaus größere Auswirkungen auf das Gelingen der Therapie hat als die jeweilige Methode. Die Regelungen, warum unsere Krankenversicherung die eine Therapie bezahlt, eine andere aber nicht, sind also etwas „schizophren“. Deswegen habe ich mich bemüht, sowohl unterschiedliche therapeutische Methoden als auch die verschiedenen Berufe möglichst unvoreingenommen darzustellen. Denn diese Merkmale sagen ja auch etwas über den Therapeuten oder die Therapeutin aus; insbesondere mit welcher Methode er oder sie arbeitet, verrät uns etwas über die Person selbst. Auf diese Weise mag die Kenntnis Ihrer „Lieblingsmethode“ ein erster Schritt sein, dorthin zu finden, wo Ihnen am besten weitergeholfen werden kann.

Alle diese Methoden wurden entwickelt, um uns das Leben leichter zu machen oder, andersherum gesagt: um verändern zu können, was uns das Leben schwermacht. Auf diesem Weg stellt uns Psychotherapie immer auch die spannende und aufregende Frage: Wer bin ich? – „Sind“ wir diejenigen, zu denen uns das Leben gemacht hat? Gehören auch sogenannte „krankhafte Störungen“ zum Ich? Auch dann, wenn sie lediglich eine Strategie waren, um in der Vergangenheit auch unter ungünstigen Umständen bestehen zu können? Wenn diese Verhaltensmuster zwar das Überleben gesichert, aber die Persönlichkeit nachhaltig verändert haben, wenn sie das weitere Leben beeinflussen und zur Realität werden lassen, „wer wir sind“, gehören sie dann deswegen zu „uns“?

Ich meine Ja und Nein. Natürlich „sind wir, wer wir sind“. Vor allem aber meine ich, dass wir ein Recht darauf haben, uns von solchen Eigenschaften auch wieder zu befreien und ein wenig mehr zu dem zu werden, der wir sein könnten. Und mein Hauptargument dafür, dieses Wagnis auch einzugehen, ist eines, dessen Wahrheitsgehalt man vermutlich leichter mit dem Herzen als mit dem Kopf verstehen kann: „Leben“ ist etwas ganz anderes als „Überleben“.

Eben dabei kann Psychotherapie helfen: derjenige zu werden, der wir sein könnten, und: zu leben. Falls Sie dieses Bedürfnis in sich spüren, dann wünsche ich Ihnen von Herzen, dass die Übung gelingt.

T.N.
Tübingen, im Dezember 2013

1. Einführung

„Es gehört viel dazu, ein Schicksal zu ändern. Dieses Schicksal muss unerträglich geworden sein. Und wenn es erträglich ist, dann ist es noch schlimmer.“

Jean Paul Sartre (1905–1980)

1.1 Was ist Psychotherapie?

„Psychotherapie steht als Oberbegriff für alle Formen psychologischer Verfahren, die ohne Einsatz medikamentöser Mittel auf die Behandlung psychischer und psychosomatischer Krankheiten, Leidenszustände oder Verhaltensstörungen zielen. Dabei finden psychologische, d. h. wissenschaftlich fundierte Methoden verbaler und nonverbaler Kommunikation systematische Anwendung.“

(Wikipedia, 7.3.2012)

Also noch mal langsam:

Es werden psychische und psychosomatische (also: leib-seelische) Leiden behandelt;

dabei werden keine Medikamente eingesetzt (unterstützend manchmal doch, bei Depressionen ist das z. B. oft der Fall; aber die Gabe der Medikamente fällt dann eben nicht in den Bereich der ‚Psychotherapie‘, sondern findet als ‚Pharmakotherapie‘ begleitend statt);

die Behandlung findet statt, indem systematisch kommuniziert wird, und zwar mittels wissenschaftlich fundierter Methoden.

Diese „systematische Kommunikation“ kann, je nach psychotherapeutischer Schule, unterschiedlich aussehen. Bei der klassischen Psychoanalyse zum Beispiel redet vor allem der Klient, die systemische Psychotherapie bezieht oft Partner und Familienmitglieder mit ein und Methoden aus dem Bereich der Körperpsychotherapie arbeiten auch mit der körperlichen Erfahrung, um psychische Leiden zu behandeln (nicht zu verwechseln mit Methoden der Physio-Therapie, wie z. B. Massage).

Womöglich ist die wörtliche Übersetzung des Begriffs ja nicht nur kürzer, sondern auch verständlicher: Psycho-Therapie ist die Pflege der Seele.

1.2 Wann sollte ich mir überlegen, eine Psychotherapie aufzunehmen?

Besondere Umstände wie der Verlust des Arbeitsplatzes, eine schwere körperliche Krankheit oder der Tod eines geliebten Menschen können jeden von uns in eine Krise führen. Die Frage ist, ob und wie es gelingt, uns aus Krisen zu befreien, und wie wir mit ihnen umgehen.

Nur selten ist der Zeitpunkt, wann es ratsam ist, eine Therapie aufzunehmen, so ganz klar zu bestimmen. Meistens gibt es eine Grauzone und es verhält sich wie bei einer Unternehmensinsolvenz, der sogenannten „Bankrotterklärung“, auch: dass nämlich der Moment, in dem nichts mehr geht, eher zu spät als zu früh erkannt wird („Wieso? Es geht doch noch …“). Vielleicht sehen Sie klarer, ob dieser Punkt für Sie erreicht ist, wenn Sie sich die folgenden Sätze ansehen (nach PsyOnline.at, ÖBVP, 2009, und Piontek, 2009) und dabei darauf achten, ob und wie sehr Sie sich von der Aussage jeweils betroffen fühlen:

So kenne ich mich nicht! Ich fühle mich schon seit einigen Wochen anders als sonst und kann es mir nicht erklären.

Anderen ist diese Veränderung an mir auch schon aufgefallen.

Ich kann meine täglichen Aufgaben nur noch mit Mühe erledigen.

Ich fühle mich krank oder habe Schmerzen, obwohl mich der Arzt für organisch gesund erklärt hat oder medizinische Befunde keine ausreichende Erklärung dafür bieten.

Seit längerer Zeit halte ich mich nur noch mit Aufputsch-, Beruhigungs- oder Schlafmitteln (Psychopharmaka) aufrecht.

Ohne ersichtlichen Grund bekomme ich rasendes Herzklopfen und Angst, dass ich sterben muss.

Ich mache mir ständig Sorgen oder habe Ängste, die mich belasten oder einschränken (z. B. vor dem Kontakt mit meinen Mitmenschen, vor Autoritäten, vor großen Plätzen, vor engen Räumen, vor Prüfungen).

Es plagen mich oft Gedanken, über die ich mit niemandem zu sprechen wage (z. B. Scham- und Schuldgefühle, Hassgefühle, Unzulänglichkeitsgefühle, das Gefühl, verfolgt oder fremdbestimmt zu werden).

Ich fühle mich antriebs- und lustlos, erschöpft oder ständig überfordert.

Ich kann oft nicht einschlafen oder wache regelmäßig mitten in der Nacht auf bzw. ich schlafe zu viel.

Ich bin oft niedergeschlagen und habe keine Freude am Leben.

Ich bin traurig und vereinsamt.

Ich befinde mich in einer belastenden Umbruchsituation, die für mich schwer zu bewältigen ist (z. B. Unfall, schwere Krankheit, Arbeitslosigkeit, Trennung, Todesfall im nahen Umfeld).

Ich denke manchmal an Selbstmord.

Ich fühle mich oft unverstanden und habe das Gefühl, die ganze Welt ist gegen mich.

Ich lebe in einer Beziehung, die mich sehr belastet.

Ich fühle mich durch meine Kinder dauerhaft überfordert.

Ich bin oft gereizt, aggressiv oder wütend.

Ich habe wiederkehrend große Probleme im Kontakt mit anderen Menschen; ich möchte meine Beziehungen verbessern und brauche dazu Rückmeldungen über meine Stärken und Schwächen.

Ich bin süchtig (z. B. nach Alkohol, anderen Drogen, Essen, Hunger, Liebe, Spielen).

Ich fühle mich innerlich gezwungen, ständig dasselbe zu denken oder zu tun, obwohl dies mein Leben sehr einengt (z. B. zwanghaftes Waschen, Absperren, Grübeln).

Ich sollte meine Fähigkeiten besser ausschöpfen und weiß nicht wie.

Ich vermeide es, bestimmte Dinge zu tun, die ich gerne tun würde.

Ich komme mit meiner Sexualität nicht zurecht.

Ich habe Angst vor Entscheidungen, und das quält mich.

Mir ist das alles egal.

Oder, sofern es nicht um Sie selbst, sondern um Ihr Kind geht:

Mein Kind zeigt Verhaltensauffälligkeiten oder hat psychosomatische Probleme.

Mein Kind reagiert oft aggressiv oder ist oft traurig und zieht sich zurück.

Mein Kind hat Angst vor der Schule bzw. Lern- und Konzentrationsschwierigkeiten.

Sie sehen, es gibt viele und ganz verschiedene Umstände, die dafür sprechen können, eine Psychotherapeutin oder einen Psychotherapeuten aufzusuchen. Und falls Sie sich in einer (oder mehreren) der oben genannten Aussagen wiedererkennen, sind Sie jedenfalls nicht allein.

Unter Therapeuten gilt die Faustregel: Etwa ein Drittel der Bevölkerung hat akute Probleme, die einer kurzfristigen oder längerfristigen psychotherapeutischen Unterstützung bedürfen (oft kommt es allerdings nicht dazu, weil „eine Therapie zu machen“ häufig immer noch mit Scham besetzt ist; oder, wenn die Bereitschaft dazu da ist, weil kein freier Therapieplatz zu bekommen war). Ein zweites Drittel fühlt sich den auftauchenden Problemen zwar grundsätzlich gewachsen, aber eine zumindest kurzfristige psychotherapeutische Begleitung könnte trotzdem helfen, einen auf lange Sicht konstruktiven Umgang damit zu finden. Und ein weiteres Drittel schließlich ist „beschwerdefrei“ und mit Hilfe des jeweiligen Umfelds (Familie, Freunde) im Allgemeinen in der Lage, auf Probleme angemessen zu reagieren. Ausschlaggebend sind jedoch der persönliche Leidensdruck und die Vermutung, dass der Zustand, unter dem Sie leiden, eine seelische Ursache hat.

Auch wenn der Übergang oftmals fließend ist: Ein ebenso triftiger Grund kann natürlich der elementare Wunsch sein, der persönlichen Entwicklung einen Schub zu verleihen. Vielleicht macht es Ihnen die Entscheidung ja auch leichter, wenn Sie eine Vorstellung davon bekommen, was Sie in einer Psychotherapie erwartet.

1.3 Was passiert in einer Psychotherapie?

In einer Psychotherapie versuchen Klient und Therapeut zusammen zu erreichen, dass der Klient sein Verhalten dahingehend verändert, dass es ihm besser geht. Und in vielen (aber nicht allen) Methoden gehört dazu auch, den tieferen Ursachen für das persönliche Leiden auf die Spur zu kommen.

Viele Unannehmlichkeiten und auch Schicksalsschläge gehören zum Leben. Sie sind in diesem Sinn keine individuellen Erlebnisse, denn sie „können jedem von uns passieren“. Mit Trennung, Krankheit und Tod werden wir alle in unserem Leben konfrontiert, früher oder später. Aber wie wir darauf reagieren, wie wir damit umgehen und wie sehr wir darunter leiden, das ist höchst individuell. So verschieden, wie die aktuellen Lebensumstände sind: die Partnerschaft, das freundschaftliche Beziehungsnetz, das Eingebundensein in private und berufliche Kontakte und Verpflichtungen. Und so verschieden, wie die jeweiligen Lebenswege bis dorthin gewesen sind.

Es spricht vieles dafür, dass wir diese ganz persönliche Art und Weise, wie wir mit dem Leben, mit anderen Menschen und auch wie wir mit uns selbst umgehen, hauptsächlich in der frühen Kindheit erlernt haben. Wir sind, zumindest zu einem großen Teil, eben nicht so geboren, sondern das Leben hat uns geprägt, von früh an. Für außerordentliche Ereignisse, wie körperlichen oder seelischen Missbrauch, Kriegserlebnisse, Vertreibung, gilt das natürlich umso mehr!

Eine große Anzahl psychotherapeutischer Methoden setzt nun genau da an: Welche „Lehren“ hat uns das Leben beigebracht? Welche Konsequenzen haben wir aus diesen frühen oder auch späteren Erfahrungen gezogen? Mit welcher Vorerfahrung und mit welchen Überzeugungen begegnen wir unserem Leben heute? Und welche Auswirkungen hat das auf die Beziehungen, die wir haben, wenn wir im Hier und Jetzt so reagieren, wie wir es damals gelernt haben? Letztlich sind die meisten Verhaltensweisen Strategien, um das zu bekommen, was wir am meisten brauchen: Beziehungen, in denen Nähe und Wärme ausgetauscht werden. Oder es sind Strategien, um damit zurechtzukommen, dass wir das, was wir so sehr brauchen, nicht bekommen.

Die therapeutische Beziehung unterscheidet sich von anderen Beziehungen vor allem dadurch, dass der Therapeut seine eigenen Bedürfnisse zurückstellt und mit professionellem Wissen und erprobten Techniken gestaltend Einfluss nimmt. So wird zum Beispiel gefördert, dass allgemein eher negativ erlebte Gefühle wie Trauer, Enttäuschung oder Wut Raum bekommen, wenn sie bislang unterdrückt wurden. Oder es kann gelingen, dass positiv erlebte Gefühle wie Stolz und Selbstbewusstsein endlich ausgekostet werden dürfen, wenn man sie sich bislang nicht erlauben konnte.

Unter den richtigen Bedingungen kommt es in einer Psychotherapie zu anderen Erfahrungen als denen, die uns zu dem gemacht haben, der wir heute sind – und der sich Problemen gegenübersieht, die damit doch irgendwie zu tun haben. In dem geschützten Rahmen einer Therapie können Veränderungen ausprobiert werden, ehe sie sich in der Welt draußen bewähren müssen. So kann Therapie Entwicklung fördern und uns dabei helfen, bestehende Leiden zu mindern und die Lebensqualität zu erhöhen.

1.4 Woran merke ich, dass die Therapie erfolgreich ist?

Eine Eigenschaft sogenannter „psychischer Störungen“ ist, dass sie unsere Wahrnehmung der Realität einschränken (wir erleben z. B. am anderen nur noch seine Wut, nicht, dass er uns auch liebt) und dass sie unsere Handlungsmöglichkeiten einschränken („Ich kann ja doch nichts tun ...“).

Psychotherapie erweitert, wenn sie gelingt, unsere Wahrnehmung, sodass andere wieder mehr wahrgenommen werden können, „wie sie sind“, und weniger, „wie wir sie sehen wollen“. Manchmal malen wir uns andere schön, manchmal sehen wir in anderen auch nur das Schlechte – die Wahrheit ist in der Regel, dass der andere sowohl gute als auch weniger gute Seiten hat, so wie wir selbst auch.

Psychotherapie erweitert, wenn sie gelingt, unsere Handlungsmöglichkeiten, sodass wir nicht mehr „nur genau so“ handeln müssen, sondern „so oder anders“ handeln können. Nur wenn wir flexibel reagieren können, sind wir in der Lage, auf gute wie schlechte Seiten einer sich ständig verändernden Umwelt angemessen zu reagieren.

Erfolgreich war die Therapie dann, wenn der Klient mit Schwierigkeiten, wie sie uns in einem „durchschnittlichen“ Leben nun mal begegnen, auch ohne Hilfe des Therapeuten zurechtkommt. Wenn Sie

an den Punkt kommen, dass Sie neue Einsichten gewinnen, wie „es dazu hat kommen können“,

andere Gewohnheiten entwickeln (indem z. B. Dinge, die Sie „immer“ getan haben, für Sie jetzt weniger bedeutsam sind),

andere Verhaltensmuster an sich entdecken (z. B. mit Menschen streiten, mit denen Sie früher nie gestritten haben; oder umgekehrt sich Menschen zugeneigt fühlen und Verständnis für Verhaltensweisen haben, über die Sie früher nur den Kopf schütteln konnten),

für sich selbst mehr Mitgefühl und Liebe empfinden,

sich weniger allein fühlen (aber auch nicht mehr so „anders als die anderen“, so „besonders“),

sich weniger hilflos oder gar ausgeliefert fühlen (und falls doch, Sie sich dann Hilfe holen können),

weniger Ängste haben, was alles passieren könnte,

schöne Momente wirklich genießen können und

wenn es mal nicht so klappt, wie es soll, Sie den Ärger, die Wut oder die Enttäuschung zwar wahrnehmen, sich dann aber auch selbst wieder beruhigen können,

dann haben Sie womöglich eine geglückte Psychotherapie durchlaufen.

Diese Punkte weisen freilich auch darauf hin, wo die „Gefahren“ einer geglückten Therapie liegen: Wenn Sie nicht wollen, dass sich etwas ändert, dann sollten Sie vielleicht besser keine Therapie machen. Therapie begünstigt, wenn sie gelingt, Veränderung und Entwicklung. Davor Angst zu haben ist „normal“. Und wenn sie sich bewusst dagegen entscheiden, dann ist auch das zu respektieren.

1.5 Welche Faktoren führen zum Erfolg einer Psychotherapie?

Ein Anruf bei der besten Freundin kann eine große Hilfe sein, auch wenn sie keine Psychotherapeutin ist. Umgekehrt gibt es Therapien, die, womöglich über Jahre hinweg, keine größere Wirkung entfalten als der regelmäßige Plausch mit einem geschätzten Kollegen. Und als dritte Möglichkeit mag sich eine psychotherapeutische Sitzung wie ein „Gespräch unter Freunden“ anfühlen, und dahinter steckt aber gezieltes Fachwissen und eine Menge an unbezahlbarer Erfahrung. (Ja sogar gerade dann: Die beste Therapie ist es doch, wenn wir unsere eigene Lösung gefunden haben, und nicht, wenn uns mal wieder jemand seine Lösung aufs Auge gedrückt hat.) Was also ist ausschlaggebend für das Gelingen von Psychotherapie?

Wenn man die verschiedentlich zitierten Ergebnisse der vergleichenden Wirksamkeitsforschung (Revenstorf, 2008; Tschuschke et al., 2009; Schiepek, 2009) wiederum zusammenfasst, lässt sich ganz grob sagen, dass:

der Klient / die Klientin zu etwa 40 Prozent,

Unterstützung aus dem Umfeld des Klienten / der Klientin zu etwa 35 Prozent,

die Therapeutin / der Therapeut zu etwa 20 Prozent und

die therapeutische Methode zu etwa 5 Prozent

am Erfolg einer Psychotherapie beteiligt sind. Daraus folgt zum einen: Die Hauptarbeit liegt bei Ihnen selbst. Die kann Ihnen auch keiner abnehmen, das ist nun mal so. Zum anderen, auch wenn das manche Therapeuten nicht gerne hören: Es ist weder der akademische Titel noch die therapeutische Methode, die maßgeblich zum Erfolg beitragen. Wenn die Chemie nicht stimmt, bestehen gute Aussichten darauf, dass es für alle Beteiligten nur eine weitere „anstrengende Beziehung“ wird. Innerhalb einer Psychotherapie ist es vor allem die vertrauensvolle und stabile Beziehung, die es Klienten ermöglicht, sich auf den wackeligen Weg der Entwicklung zu machen. Das gilt „unabhängig von der therapeutischen Schule und unabhängig von der Diagnose“ (Schiepek, 2009).

Und falls Sie sich nach einer Therapiestunde einmal fühlen sollten, als ob sie aus einem Schleuderwaschgang kommen – auch das gehört zur Therapie. Denn während sich neues und noch nicht erprobtes Verhalten entwickelt, geraten zwangsläufig alte Verhaltensmuster ins Wanken. Instabilität befördert den Wechsel, den Übergang von der alten in eine neue Ordnung, und damit: den Therapieerfolg.

1.6 Wer übt Psychotherapie aus und wie? – Ein Ausblick auf die folgenden Kapitel

Etwas unübersichtlich wird die Thematik dadurch, dass es „die eine“ Psychotherapie nicht gibt, sondern es gibt viele und sehr verschiedene psychotherapeutische Methoden. Deswegen werden im folgenden Kapitel zunächst die verbreitetsten, aber auch ein paar weniger verbreitete Methoden vorgestellt. Wir schlagen einen Bogen von Sigmund Freuds Psychoanalyse bis zu neueren Methoden, die oftmals Weiterentwicklungen aus verschiedenen Vorläufern sind. Zum Abschluss des Kapitels werfen wir einen Blick auf besonders anschauliche psychologische Modelle und therapeutische Techniken, mit denen Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen arbeiten.

Um besser zu verstehen, wie und warum therapeutische Methoden wirken, wenden wir uns im 3. Kapitel der Funktionsweise der Psyche zu: Wie ist das mit der Psyche und dem Körper? Wie werden wir, wer wir sind, und welche Rolle spielen seelische Verletzungen dabei? Wie viel können wir daran ändern und: Was bedeutet das für die Psychotherapie? Wie die Wissenschaft sich diese komplexen Vorgänge derzeit erklärt, welche Rolle dabei Gehirn und Körper spielen und was eine Therapie wirksam macht, davon handelt dieses Kapitel.

Um Psychotherapie auch anwenden zu dürfen, muss man, neben der methodischen Ausbildung, auch eine berufliche Erlaubnis haben; erst das Erlernen einer Methode und die entsprechende Erlaubnis befähigen zur psychotherapeutischen Arbeit. Die Männer und Frauen, die psychotherapeutisch tätig sind, haben ganz unterschiedliche berufliche Ausbildungen durchlaufen: darunter sind Ärztinnen und Psychologen, Pädagogen, Sozialpädagoginnen und Heilpraktiker. Das 4. Kapitel beleuchtet diese verschiedenen Ausbildungen, die, zusammen mit der methodischen Ausbildung, zum Beruf der Psychotherapeutin oder des Psychotherapeuten führen.

Die Berufserlaubnis wie auch die Methode haben allerdings indirekt damit zu tun, ob die Krankenkasse die Kosten für eine Therapie übernimmt, denn die Krankenkassen bezahlen bei Weitem nicht jede angebotene Therapie (auch wenn das für sich genommen kaum etwas darüber aussagt, ob die einen oder die anderen Therapien helfen – oder eben nicht). Welchen Spielraum Sie für sich nutzen können, um Ihre Therapie zu bekommen, davon handelt das 5. Kapitel.

Das 6. und letzte Kapitel schließlich begleitet Sie auf dem Weg, „Ihren Therapeuten“ oder „Ihre Therapeutin“ zu finden. Hier wird noch einmal auf Kriterien eingegangen, hier finden Sie konkrete Hinweise zur Kontaktaufnahme, zum Erstgespräch, zu „Risiken und Nebenwirkungen“ sowie zum Verlauf von Psychotherapie.

Im Anschluss finden Sie noch Lese-Tipps, falls Sie das eine oder andere Thema vertiefen wollen, ein Glossar, in dem die auf Praxisschildern üblichen Kürzel erläutert werden, sowie ein ausführliches Register, mit dem Sie gezielt auf Stichworte und Fachbegriffe zugreifen können.

1.7 Ein paar Worte zur Klärung von Begrifflichkeiten

An dieser Stelle und bevor wir fortfahren, möchte ich noch ein paar Begriffe klären oder zumindest erläutern, wie und warum ich sie hier verwende.

Es ist schwer bis unmöglich, immer die richtigen Worte zu finden, die Betroffene nicht verletzen. So sehr es in der Geschichte ein Fortschritt war, von psychischen ‚Erkrankungen‘ zu sprechen (sie damit körperlichen Erkrankungen, vom Schnupfen bis zum Krebsgeschwür, gleichzustellen) und damit zu versuchen, ihnen das Stigma des Selbstverschuldeten zu nehmen, der Begriff Erkrankung scheint mir im Zusammenhang mit der Psyche in der Öffentlichkeit immer noch einen negativen Beigeschmack zu haben. Deswegen bevorzuge ich den Begriff ‚Störung‘. Insbesondere drückt Störung für mich auch aus, dass es häufig Auslöser von außen sind, die ein System ins Wanken bringen, und dass es sich durchaus um ein zeitlich begrenztes Leiden handeln kann; eine „vorübergehende Störung“ kennen wir vom Stromnetz, vom Telefon – warum also sollen die komplexen Abläufe, wie sie dem menschlichen Bewusstsein eigen sind, nicht auch einmal einer Störung unterliegen?

Ein vergleichbares Begriffspaar ist ‚Patient‘ und ‚Klient‘. Der Begriff Patient stammt von dem Verhältnis her, das ein Arzt klassischerweise zu seinem Patienten hat (er heilt ihn – oder auch nicht) und bringt daher stärker ein bestehendes Abhängigkeitsverhältnis zum Ausdruck. Ein Klient dagegen kommt mit einem Anliegen zu jemand anderem, der zwar die Lösung selbst auch nicht kennt, der ihn aber in seinem Sinn bei der Lösungsfindung unterstützt (so wie sich z. B. ein Rechtsanwalt zwar in den Gesetzen auskennt, die Lösung für das Anliegen aber muss gemeinsam gefunden werden). Vom Klienten zu sprechen hat sich in vielen jüngeren Methoden eingebürgert, nicht zuletzt um die Eigenverantwortung während des gesamten Prozesses zu betonen. Auch wenn ich großen Respekt vor den vielen Ärzten habe, die ihre Patienten „auf Augenhöhe“ behandeln, und ich die gegebene Hierarchie in der therapeutischen Beziehung nicht verschleiern will, ich verwende hier gerne den Begriff Klient.

Für unser Thema zentrale Begriffe sind natürlich ‚Psyche‘ und ‚Seele‘: Während die Psyche neben dem Bewussten auch das Unbewusste umfasst, wird unter dem Begriff Seele oftmals zusätzlich auch das verstanden, was über den einzelnen Menschen hinausgeht und in eine spirituelle Dimension reicht. Obwohl dieser Unterschied ein gewaltiger sein kann, verwende ich Psyche und Seele hier überwiegend als gleichbedeutend.

Ein ebenso feinsinniger Unterschied besteht zwischen den Begriffen ‚Körper‘ und ‚Leib‘. Unter dem Körper wird in der Regel mehr der biologische, mechanische oder chemische Aspekt unseres Körpers verstanden. Der Begriff Leib betont dagegen mehr, dass unser Körper der Teil unseres Wesens ist, mit dem wir in der Welt sind, mit dem wir Kontakt zu unserer Umwelt aufnehmen und Erfahrungen (auch und gerade: seelische) machen. Diesen Unterschied habe ich versucht zu beachten.

Zuletzt will ich ein in der deutschen Sprache immer wiederkehrendes Problem ansprechen: die Frage nach der männlichen und der weiblichen Form. Die an dieser Stelle so häufige Bemerkung, man habe zwar grundsätzlich die männliche Form gewählt, meine aber selbstverständlich Männer wie Frauen gleichermaßen, die kommt mir wie eine halbherzige Rechtfertigung vor, nur um dann doch wieder die zwar gewohnte, aber deswegen nicht weniger ungerechte Schreibweise in Anspruch zu nehmen. Die naheliegende Überlegung, stattdessen grundsätzlich die weibliche Schreibung zu wählen, betreibt dieselbe Ungerechtigkeit, nur umgekehrt. Und die Schreibweise, von KlientInnen und seinen / ihren Bedürfnissen zu sprechen, ist zwar korrekt, erleichtert aber die Lesbarkeit nicht. Auch wenn es gewohnheitsbedürftig ist, habe ich deshalb die männliche oder die weibliche Form verwendet. Es heißt also mal „Therapeutin“ bzw. „Klientin“ und dann wieder „Therapeut“ bzw. „Klient“ – wobei natürlich grundsätzlich Männer wie Frauen gleichermaßen gemeint sind.

Im Unterschied zu Betonungen und anderen „Hervorhebungen“ sind ‚Fachbegriffe‘ (zumindest bei der ersten Nennung innerhalb eines Abschnitts) mit einfachen Anführungszeichen ausgezeichnet.

Nach diesen einführenden Worten: Sind Sie bereit? Beginnen wir also mit dem nächsten Abschnitt unserer Reise, den Methoden.

2. Methoden

„Die Theorie bestimmt, was wir beobachten können.“

Albert Einstein (1879–1955)

2.1 Zum Begriff der Methode

Die therapeutische Methode sagt vermutlich am meisten darüber aus, worauf Sie sich einlassen, wenn Sie eine Psychotherapie aufnehmen. Nicht zuletzt hat ja auch Ihre Therapeutin sich für genau diese Methode entschieden, um tagein, tagaus damit zu arbeiten. Von diesen Methoden gibt es aber sehr viele und sehr verschiedene – gerade so, wie man sich auch mit einem öffentlichen Bus oder mit einem Fahrrad fortbewegen kann: Beides bringt Sie (hoffentlich) an Ihr Ziel, aber die Eindrücke auf der Fahrt werden jeweils sehr unterschiedlich sein.

Die hier vorgestellten Methoden stellen nur eine begrenzte Auswahl aus der unwahrscheinlich großen Menge der systematischen Behandlungsformen psychischer Störungen dar. (Einen beeindruckenden Überblick bietet der Wikipedia-Eintrag „Liste von Psychotherapie- und Selbsterfahrungsmethoden“ im Internet.) Einige Methoden beziehen sich dabei, zumindest mehr oder weniger, auf eine gemeinsame Theorie, die ein Modell dafür anbietet, wie die Psyche funktioniert und wie man sie heilen kann. Solche „Methoden-Familien“ werden dann auch psychotherapeutische ‚Verfahren‘ genannt (so gibt es z. B. das Psychodynamische, Verhaltenstherapeutische, Humanistische Verfahren). Die einzelnen Methoden einer solchen Familie unterscheiden sich dann hinsichtlich ihrer ‚Techniken‘ und ‚Interventionen‘, in denen das jeweilige methodische Vorgehen beschrieben wird, das eine professionelle Psychotherapie von einer Beratung oder einem freundschaftlichen Gespräch unterscheidet.

Ernstzunehmende Methoden erfordern eine wenigstens dreijährige Ausbildung und sind für die angehenden Therapeuten mit einem entsprechenden Maß an Selbsterfahrung verbunden. Nicht jede Methode, die „Analyse“ oder „Therapie“ im Namen trägt, erfüllt diese Bedingungen – aber alle hier vorgestellten Methoden erfüllen dieses Kriterium.

Die folgende Auswahl soll einerseits verbreitete Methoden berücksichtigen und andererseits beispielhaft auf weniger verbreitete, aber deswegen nicht weniger wirksame Methoden aufmerksam machen. Um die Methoden möglichst knapp zu beschreiben, greife ich Elemente, die mir wichtig und besonders markant erscheinen, heraus. Dadurch ist es gut möglich, dass ich andere Elemente, die in der Praxis ebenso große Bedeutung haben mögen, vernachlässige. Falls Sie sich von einer Therapiemethode angesprochen fühlen, empfehle ich, sich weitere Informationen zu besorgen. (Weiterführende Adressen werden am Ende des jeweiligen Abschnitts angegeben.)

Zudem werden die Methoden ständig weiterentwickelt, und häufig werden Techniken aus der einen Methode, wenn sie sich dort bewährt haben, in eine andere übernommen. So gibt es z. B. Analytiker, die auch systemisch arbeiten, Gestalttherapeutinnen, die auch körperpsychotherapeutische Techniken anwenden, und Verhaltenstherapeuten, die hypnotherapeutische Interventionen einsetzen. Gerade gute Therapeutinnen und Therapeuten lassen sich oft von anderen Methoden inspirieren und finden so ihren ganz eigenen Stil.

2.2 Psychoanalyse