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Beschreibung

Störungen kognitiver Funktionen entstehen durch Hirnschädigungen infolge von Schlaganfall, Traumen, Tumoren oder degenerativen Prozessen. Eine genaue Diagnostik der Ausfälle ist daher erforderlich. Dieses Buch zeigt Ihnen, wie Sie eine gezielte neuropsychologische Behandlung zur größtmöglichen Funktionsrestitution der Patienten durchführen. Alle relevanten, durch Hirnschädigung bedingten kognitiven Störungsbilder werden beschrieben und aktuelle Erkenntnisse zu Diagnostik, klinischer Symptomatik und Therapie werden vermittelt.

Außerdem enthalten:

  • die häufigsten Störungsbilder: Aphasien und Dysarthrien, Neglect, Demenzen
  • besondere Krankheitsbilder: Pusher-Syndrom, Diskonnektionssyndrome
  • neuropsychologische Begutachtung und statistische Methoden zur Einzelfall- und Verlaufsdiagnostik

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Seitenzahl: 459

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Klinische Neuropsychologie - Kongnitive Neurologie

Hans-Otto Karnath, Wolfram Ziegler, Georg Goldenberg

Hans-Otto Karnath, Wolfram Ziegler, Georg Goldenberg, Hermann Ackermann, Ingrid Aichert, Ümmügülsüm Baysal, Doris Brötz, Bruno Fimm, Siegfried Gauggel, Georg Kerkhoff, Elise Klein, Sandra Verena Müller, Hendrik Niemann, Stefan Pollmann, Jörg B. Schulz, Angelika I. T. Thöne-Otto, Kathrin Utz, Claus-Werner Wallesch, Dorothea Weniger, Klaus Willmes-von Hinckeldey, Anja Wunderlich, Josef Zihl,

2., unveränderte Auflage

50 Abbildungen

Vorwort

Hirnschädigungen durch Schlaganfall, Blutungen, Traumen, Tumoren, Entzündungen oder durch degenerative Prozesse führen neben motorischen und sensorischen Defiziten vor allem zu Störungen „höherer Hirnleistungen“, also kognitiver Funktionen. Die bekanntesten Störungsbilder in diesem Bereich sind neben demenziellen Erkrankungen die Sprach- und Sprechstörungen – die Aphasien und Dysarthrien. Ebenso schwerwiegend und belastend für die Patienten sind aber auch Störungen des Sehens und des Erkennens, Gedächtnisstörungen, Orientierungsschwierigkeiten, der plötzliche Verlust der Fähigkeiten zu lesen, zu schreiben oder zu rechnen, Unsicherheiten beim Ergreifen von Objekten und bei anderen visuomotorischen Koordinationsleistungen. Störungen des Handeln, Planens und Problemlösens, Persönlichkeitsveränderungen und viele andere Probleme mehr können ebenfalls belasten. In der Regel sind bei hirngeschädigten Patienten nicht alle kognitiven Leistungen gleichermaßen betroffen. Eine genaue Diagnostik der Ausfälle ist daher erforderlich. Diese bildet die Grundlage für eine neuropsychologische Behandlung, die gezielt die eingeschränkten Leistungen oder kompensatorische Fähigkeiten betrifft, um so die größtmögliche Funktionsrestitution und Selbstständigkeit der Patienten zu erreichen.

Das vorliegende Buch gibt einen komprimierten Überblick über die durch Hirnschädigung bedingten Störungen kognitiver Funktionen. Jedes einzelne Kapitel bemüht sich, neben einer Darstellung der klinischen Symptomatik die jeweils aktuellen Erkenntnisse zu Diagnostik, Pathophysiologie, Anatomie, Prognose sowie Therapie aufzuzeigen. Das Buch ist speziell an den Bedürfnissen der in Klinik und Praxis tätigen Neuropsychologen und Neurologen ausgerichtet. Darüber hinaus wendet sich der Band aber auch an Interessierte anderer Fachrichtungen, insbesondere an Physiotherapeuten, Logopäden und Ergotherapeuten, d.h. an all jene Berufsgruppen, die bei der interdisziplinären Versorgung hirngeschädigter Patienten mitwirken.

Unser Dank gilt allen Autoren für ihre sorgfältigen und aktuellen Beiträge sowie den Mitarbeitern des Thieme-Verlages für ihre Unterstützung.

Tübingen/München, im Januar 2014

Hans-Otto Karnath

Georg Goldenberg

Wolfram Ziegler

Inhaltsverzeichnis

Titelei

Vorwort

1 Klinische Neuropsychologie – kognitive Neurologie: Gegenstand und Methoden

1.1 Definitionen

1.2 Methodische Ansätze

2 Zerebrale Sehstörungen

2.1 Übersicht

2.2 Anamnese

2.3 Partielle zerebrale Blindheit (homonyme Gesichtsfeldstörungen)

2.3.1 Einteilung, Häufigkeit

2.3.2 Klinik

2.3.3 Diagnostik

2.3.4 Pathophysiologie, Anatomie

2.3.5 Spontanverlauf, Therapie

2.4 Vollständige zerebrale Blindheit

2.4.1 Klinik

2.4.2 Diagnostik

2.4.3 Pathophysiologie, Anatomie

2.4.4 Spontanverlauf, Prognose

2.5 Minderung der Sehschärfe und der räumlichen Kontrastsensitivität

2.5.1 Klinik

2.5.2 Diagnostik

2.5.3 Pathophysiologie, Anatomie

2.5.4 Spontanverlauf, Prognose, Therapie

2.6 Störungen der visuellen Adaptation

2.6.1 Klinik

2.6.2 Diagnostik

2.6.3 Spontanverlauf, Prognose, Therapie

2.7 Störungen des Farbsehens

2.7.1 Klinik

2.7.2 Diagnostik

2.7.3 Pathophysiologie, Anatomie

2.7.4 Spontanverlauf, Prognose, Therapie

2.8 Störungen der Stereopsis

2.8.1 Klinik

2.8.2 Diagnostik

2.8.3 Pathophysiologie, Anatomie

2.9 Visuelle Illusionen

2.9.1 Klinik

2.9.2 Diagnostik

2.9.3 Pathophysiologie, Anatomie

2.9.4 Spontanverlauf, Prognose, Therapie

2.10 Visuelle Reizerscheinungen

2.10.1 Klinik

2.10.2 Diagnostik

2.10.3 Pathophysiologie, Anatomie

2.10.4 Spontanverlauf, Prognose, Therapie

3 Agnosie

3.1 Einleitung

3.1.1 Visuelle Agnosien

3.1.2 Gestörtes Erkennen von Schrift, Farbe, Gesichtern

3.1.3 Simultanagnosie

3.1.4 Missidentifikationen

3.2 Klinik, Diagnostik

3.2.1 Apperzeptive Agnosie

3.2.2 Assoziative Agnosie

3.2.3 Gestörtes Erkennen und Benennen von Farben

3.2.4 Prosopagnosie

3.2.5 Simultanagnosie

3.3 Anatomie

3.3.1 Formagnosie

3.3.2 Integrative Agnosie

3.3.3 Assoziative Agnosie

3.3.4 Achromatopsie, Farbagnosie

3.3.5 Prosopagnosie

3.3.6 Simultanagnosie

3.4 Spontanverlauf, Therapie

3.4.1 Apperzeptive Agnosien

3.4.2 Assoziative Agnosie

3.4.3 Prosopagnosie

3.4.4 Farberkennungsstörungen

3.4.5 Simultanagnosie

3.5 Missidentifikationssyndrome

3.5.1 Reduplikative Paramnesie

3.5.2 Capgras-Syndrom, Fregoli-Illusion

3.5.3 Missidentifikation des eigenen Körpers

3.5.4 Pathophysiologie, Anatomie

4 Apraxie

4.1 Einleitung

4.2 Klinik, Diagnostik

4.2.1 Imitieren von Gesten

4.2.2 Kommunikative Gesten auf Aufforderung

4.2.3 Gebrauch einzelner Werkzeuge und Objekte

4.2.4 Mehrschrittige Alltagshandlungen

4.2.5 Balkenapraxie

4.3 Klassifikation, Modelle

4.3.1 Liepmanns Modell der Apraxie

4.3.2 Imitieren von Gesten

4.3.3 Kommunikative Gesten auf Aufforderung

4.3.4 Gebrauch einzelner Werkzeuge und Objekte

4.3.5 Mehrschrittige Alltagshandlungen

4.4 Anatomie

4.4.1 Imitieren von Gesten

4.4.2 Kommunikative Gesten auf Aufforderung

4.4.3 Gebrauch einzelner Werkzeuge und Objekte

4.4.4 Mehrschrittige Alltagshandlungen

4.4.5 Apraxie und Händigkeit

4.5 Alltagsrelevanz, Therapie

4.5.1 Imitieren von Gesten

4.5.2 Kommunikative Gesten

4.5.3 Gebrauch einzelner Werkzeuge und Objekte

5 Aphasie

5.1 Einleitung

5.2 Symptomatik

5.2.1 Störungen der Wortfindung und der Wortwahl

5.2.2 Störungen des Satzbaus und der Verknüpfung von Satzkonstituenten

5.3 Aphasiesyndrome

5.3.1 Klassifikation

5.3.2 Standardsyndrome

5.3.3 Leitungsaphasie

5.3.4 Transkortikale Aphasien

5.3.5 Nicht klassifizierbare Aphasien

5.4 Diagnostik

5.4.1 Diagnostische Tests

5.4.2 Klinische Untersuchung der Sprachfunktionen

5.5 Pathophysiologie, Anatomie

5.5.1 Sprachdominanz und Händigkeit

5.5.2 Funktionelle Anatomie der aphasischen Syndrome

5.5.3 Funktionelle Neuroanatomie der subkortikalen Aphasien

5.6 Spontanverlauf, Prognose

5.6.1 Spontanverlauf

5.6.2 Funktionelle Rückbildung

5.6.3 Prognostische Faktoren

5.7 Therapie

5.7.1 Pharmakologische Interventionen

5.7.2 Sprachtherapeutische Maßnahmen

5.7.3 Transkranielle Stimulation

6 Dyslexie und Dysgrafie

6.1 Einleitung

6.2 Verarbeitungsmechanismen der Schriftsprache

6.2.1 Lexikalische Verarbeitung

6.2.2 Sublexikalische Verarbeitung

6.2.3 Orthografische Regularität von Wörtern

6.2.4 Periphere Verarbeitungsleistungen

6.3 Klinik

6.3.1 Symptomatik

6.3.2 Klassifikation

6.4 Diagnostik

6.4.1 Dyslexien

6.4.2 Dysgrafien

6.5 Anatomie

6.6 Spontanverlauf, Prognose

6.7 Therapie

6.7.1 Dyslexien

6.7.2 Dysgrafien

7 Zentrale Sprechstörungen

7.1 Definition, Klinik

7.1.1 Sprechapraxie

7.1.2 Dysarthrien

7.2 Anatomie, Pathophysiologie

7.2.1 Sprechapraxie

7.2.2 Dysarthrien

7.3 Diagnostik

7.3.1 Sprechapraxie

7.3.2 Dysarthrien

7.4 Therapie

7.4.1 Sprechapraxie

7.4.2 Dysarthrien

8 Akalkulie

8.1 Einleitung

8.2 Anatomie

8.3 Pathophysiologie

8.4 Klinik

8.4.1 Störungen des Transkodierens

8.4.2 Störungen der quantitativen Größenrepräsentation

8.4.3 Störungen der Verarbeitung von Rechenzeichen und des Rechnens

8.5 Diagnostik

8.5.1 Klinisch-neuropsychologische Diagnostik

8.5.2 NPC

8.5.3 Differenzialdiagnostik

8.6 Spontanverlauf, Prognose

8.7 Therapie

8.7.1 Restitution

8.7.2 Reorganisation

9 Amnesie und Gedächtnis

9.1 Organisch bedingte Gedächtnisstörungen

9.1.1 Einleitung

9.1.2 Begriffliche Klärung

9.1.3 Zeitliche Untergliederungen des Gedächtnisses

9.1.4 Inhaltliche Untergliederungen des Gedächtnisses

9.1.5 Funktionelle Neuroanatomie

9.2 Neuropsychologische Diagnostik

9.2.1 Empfehlungsleitlinien für den diagnostischen Prozess

9.2.2 Besondere diagnostische Herausforderungen

9.2.3 Von der Diagnostik zur Therapie

9.3 Neuropsychologische Therapieverfahren

9.3.1 Therapie von Kurzzeit- und Arbeitsgedächtnisfunktionen

9.3.2 Therapie von mittelfristigen Lern- und Gedächtnisstörungen

9.4 Zusammenfassung und Ausblick

10 Störungen der Aufmerksamkeit

10.1 Einleitung

10.1.1 Alertness (Daueraufmerksamkeit, Vigilanz)

10.1.2 Orientierung (selektive oder fokussierte Aufmerksamkeit)

10.1.3 Geteilte Aufmerksamkeit

10.1.4 Exekutive Aufmerksamkeit

10.2 Klinik

10.2.1 Schädel-Hirn-Trauma

10.2.2 Schlaganfall

10.2.3 Multiple Sklerose

10.2.4 Morbus Parkinson

10.2.5 Demenzielle Erkrankungen

10.3 Diagnostik

10.3.1 Anamnese und Exploration

10.3.2 Fragebögen

10.3.3 Verhaltensbeobachtung und Verhaltensproben

10.3.4 Neuropsychologische Testverfahren

10.3.5 Differenzialdiagnostik

10.4 Pathophysiologie, Anatomie

10.4.1 Alertness (Daueraufmerksamkeit, Vigilanz)

10.4.2 Orientierung (selektive oder fokussierte Aufmerksamkeit)

10.4.3 Geteilte Aufmerksamkeit

10.4.4 Exekutive Aufmerksamkeit

10.5 Spontanverlauf, Prognose

10.6 Therapie

10.6.1 Neuropsychologische Interventionen

10.6.2 Wirksamkeitsnachweise und Therapieempfehlungen

10.6.3 Medikamentöse Behandlung

11 Störungen der visuellen und akustischen Raumorientierung

11.1 Definitionen

11.2 Störungen der visuellen Raumorientierung

11.2.1 Klinik, Anatomie

11.2.2 Diagnostik

11.2.3 Spontanverlauf, Prognose, Therapie

11.3 Störungen der akustischen Raumorientierung

11.3.1 Klinik

11.3.2 Diagnostik

11.3.3 Pathophysiologie, Anatomie

11.3.4 Spontanverlauf, Prognose, Therapie

12 Neglect

12.1 Einleitung

12.2 Klinik

12.2.1 Orientierung zur ipsiläsionalen Seite

12.2.2 Gestörte visuelle und taktile Exploration

12.2.3 Symptome im sensorischen und auditiven Bereich

12.2.4 Vernachlässigung der kontralateralen Körperseite

12.2.5 Lesen und Schreiben

12.3 Diagnostik

12.3.1 Verhaltensbeobachtung

12.3.2 Klinische Tests

12.3.3 Differenzialdiagnose

12.4 Pathophysiologie

12.5 Anatomie

12.6 Spontanverlauf, Prognose

12.7 Therapie

12.7.1 Explorationstraining

12.7.2 Nackenmuskelvibration

12.7.3 Langsame Folgebewegungen

12.7.4 In Erprobung befindliche Maßnahmen

13 Pusher-Syndrom

13.1 Einleitung

13.2 Klinik

13.3 Diagnostik

13.3.1 Klinische Diagnostik

13.3.2 Differenzialdiagnose

13.4 Pathophysiologie

13.5 Anatomie

13.6 Spontanverlauf, Prognose

13.7 Therapie

14 Exekutive Dysfunktionen

14.1 Einleitung

14.1.1 Flexibilität und Persistenz

14.1.2 Psychologische Modelle

14.2 Klinik

14.3 Diagnostik

14.3.1 Testdiagnostik

14.3.2 Fragebögen und Ratingskalen

14.3.3 Verhaltensbeobachtung

14.3.4 Diagnostische Besonderheiten und Herausforderungen

14.4 Pathophysiologie, Anatomie

14.4.1 Aufmerksamkeitskontrollprozesse

14.4.2 Einteilung der Exekutivfunktionen

14.5 Spontanverlauf, Prognose

14.6 Therapie

14.6.1 Kognitiv übende Verfahren

14.6.2 Methoden des Verhaltensmanagements

14.6.3 Einsatz externer Reize

14.6.4 Kombinierte Methoden

14.6.5 Wirksamkeitsnachweis

15 Diskonnektionssyndrome

15.1 Kommissurotomie

15.1.1 Einleitung

15.1.2 Klinik

15.1.3 Diagnostik

15.1.4 Pathophysiologie, Anatomie

15.1.5 Spontanverlauf, Prognose

15.1.6 Therapie

15.2 Alien-Hand-Syndrom

15.2.1 Einleitung

15.2.2 Klinik

15.2.3 Diagnostik

15.2.4 Pathophysiologie, Anatomie

15.2.5 Spontanverlauf, Prognose

15.2.6 Therapie

15.3 Reine Alexie

15.4 Agenesie des Corpus callosum

15.4.1 Klinik

15.4.2 Diagnostik

15.4.3 Pathophysiologie, Anatomie

15.4.4 Spontanverlauf, Prognose, Therapie

16 Störungen des emotionalen Erlebens und Verhaltens

16.1 Einleitung

16.2 Diagnostik emotionaler Störungen

16.3 Spezifische Veränderungen bei zerebralen Erkrankungen

16.3.1 Ischämische und hämorrhagische Durchblutungsstörungen

16.3.2 Alzheimer-Erkrankung, frontotemporale Lobärdegeneration

16.3.3 Morbus Parkinson (idiopathisches Parkinson-Syndrom), Chorea Huntington

16.3.4 Funktionsstörungen des Kleinhirns

16.4 Beeinträchtigungen der Perzeption emotionaler Stimuli

16.5 Beeinträchtigungen der motorischen Komponente emotionaler Reaktionsmuster

16.5.1 Zwangslachen und -weinen

16.5.2 Enthemmung aggressiven Verhaltens und Verlust der Furchtreaktionen

16.5.3 Motorische Aprosodie (Hypophonie) und Amimie (Hypomimie)

16.5.4 Akinetischer Mutismus, Apathie, Abulie

16.6 Rolle der Affekte im Rahmen der Handlungssteuerung

16.7 Therapie

17 Anosognosie

17.1 Einleitung

17.2 Klinik, Anatomie

17.2.1 Anosognosie der kortikalen Blindheit

17.2.2 Anosognosie der Hemianopsie

17.2.3 Anosognosie der Hemiparese/-plegie

17.3 Diagnostik

17.4 Pathophysiologie

17.5 Spontanverlauf, Prognose, Therapie

18 Demenzen

18.1 Einleitung

18.2 Klinik

18.2.1 Beurteilungskriterien

18.2.2 Kortikale Demenzsymptome

18.2.3 Subkortikale Demenz

18.2.4 ICD-10-Klassifikation

18.2.5 Krankheitsursachen

18.3 Diagnostik, Differenzialdiagnostik

18.3.1 Neuropsychologische Untersuchungstechniken

18.4 Primäre degenerative Demenzen

18.4.1 Alzheimer-Demenz

18.4.2 Demenz mit Lewy-Körpern

18.4.3 Frontotemporale Demenz

18.4.4 Demenzen bei anderen degenerativen Erkrankungen

18.4.5 Vaskuläre Demenz

18.5 Neuropsychologische Diagnostik und Begutachtung

18.5.1 Einleitung

18.5.2 Aufgaben neuropsychologischer Diagnostik

Teil II Anhang

19 Literatur

Anschriften

Sachverzeichnis

Impressum/Access Code

1 Klinische Neuropsychologie – kognitive Neurologie: Gegenstand und Methoden

C.-W. Wallesch

1.1 Definitionen

Neuropsychologie „Die Neuropsychologie ist eine wissenschaftliche Disziplin, die sich mit den zentralnervösen Grundlagen des menschlichen Verhaltens und Empfindens beschäftigt. Die Forschungsmethoden der Neuropsychologie entstammen, wie es dem Gegenstand des Forschungsgebiets entspricht, zu etwa gleichen Teilen der klassischen Psychologie und den medizinischen Disziplinen der Neurologie, Neuroanatomie und Neurophysiologie. Alle neuropsychologischen Forschungsmethoden zielen dabei auf die Aufklärung der Zusammenhänge zwischen beobachtbarem Verhalten und dessen anatomischen, physiologischen und biochemischen zerebralen Grundlagen ab. (…) Die klinische Neuropsychologie verwendet die so gewonnenen Ergebnisse zusammen mit den Erkenntnissen und Methoden der allgemeinen und der klinischen Psychologie bei der Diagnostik von Patienten mit Hirnfunktionsstörungen und bei der neuropsychologisch fundierten Therapie dieser Störungen“ ( ▶ [524], S.1).

Neurologie Sie ist die medizinische Wissenschaft und das medizinische Fachgebiet, das sich mit den Erkrankungen des Nervensystems befasst. Die Subspezialität, die sich mit deren Auswirkungen auf kognitive Funktionen befasst, hatte in der Vergangenheit eine Reihe von Bezeichnungen: klinische Hirnpathologie (bis ca. 1980), medizinische Neuropsychologie (bis ca.1995), Verhaltensneurologie (analog „behavioral neurology“, bis ca. 2005). In den letzten Jahren setzt sich allmählich die Bezeichnung „kognitive Neurologie“ durch. Die systematische Erforschung der zerebralen Grundlagen kognitiver Dysfunktionen hat in der Neurologie eine Tradition von ca. 150 Jahren.

1.2 Methodische Ansätze

Der Gegenstand der klinischen Neuropsychologie und der kognitiven Neurologie ist also derselbe. Klinische Herangehensweise und klinische Methoden sind jedoch verschieden und komplementär. Dies wird im Folgenden am Beispiel der Diagnostik erläutert. Ziel ist jeweils, Symptome eines Patienten auf gestörte Hirnfunktionen zurückzuführen und von intakten Funktionen abzugrenzen. Dies gibt Hinweise auf die Lokalisation und Ausdehnung der Läsion, die Dynamik der Entwicklung und Prozesse der Reorganisation und Kompensation.

Neurologie Der diagnostische Ansatz der Neurologie ist qualitativ; Symptome kognitiver Defizite werden in Kontext zu weiteren neurologischen Symptomen gesetzt. Die zeitliche Dynamik gibt weitere Hinweise auf die zugrunde liegende Erkrankung. Für viele neurologische Erkrankungen wurden in den letzten Jahren diagnostische Kriterien entwickelt, die in Skalen und Scores zur Diagnosefindung und Schweregradbewertung umgesetzt wurden. Dadurch wurde die neurologische Diagnostik in weiten Bereichen standardisiert und international vergleichbar gemacht. Beispiele aus dem Bereich der kognitiven Neurologie sind die frontotemporalen Lobaratrophien oder die Demenz mit Lewy-Körpern.

Neuropsychologie Der diagnostische Ansatz der klinisch tätigen Neuropsychologie ist hingegen quantitativ-psychometrisch. Die Anwendung psychometrischer Testverfahren setzt Kenntnisse in psychologischer Testtheorie, hypothesengeleiteter Diagnostik und breite Erfahrungen in den speziellen neuropsychologischen Untersuchungsverfahren voraus. Diese sind nach Kriterien der Testtheorie konstruiert (Objektivität, Validität, Reliabilität), sind an zum Teil sehr großen Stichproben normiert und erlauben daher eine zufallskritische Bewertung und Profil- sowie Verlaufsanalyse.

Klinisch-neuropsychologische Diagnostik ist aufwendig. Der Aufwand lässt sich jedoch begrenzen, wenn gezielte klinische Fragen formuliert werden. Diese erlauben eine individuelle Testauswahl.

Die Beantwortung dieser Fragen erlaubt eine neuropsychologisch geplante und im Verlauf evaluierte Therapie, die seit 2011 auch als ambulante Leistung der gesetzlichen Krankenkassen anerkannt ist. Ziel der Therapie ist es, die aus einer Schädigung oder Erkrankung des Gehirns resultierenden kognitiven, emotionalen und motivationalen Störungen sowie die daraus folgenden psychosozialen Beeinträchtigungen und Aktivitätseinschränkungen zu heilen oder zu lindern.

Beide – klinische Neuropsychologie und kognitive Neurologie – sind Teil der kognitiven Neurowissenschaften. Wichtige Partnerfächer sind die biologische Psychologie, die kognitive Neurolinguistik und die Kognitionswissenschaften, zunehmende Bedeutung erlangen außerdem die Therapiewissenschaften. In den angewandten Methoden der Grundlagenforschung gibt es breite Überschneidungen: funktionelle und moderne strukturelle (z.B. Diffusion Tensor Imaging) Bildgebung, transkranielle und intrazerebrale Stimulationen, EEG-Analysen. Wegen der unterschiedlichen methodischen Ansätze arbeiten in der Forschung Neuropsychologen und kognitive Neurologen oft Hand in Hand.

3 Agnosie

G. Goldenberg

3.1 Einleitung

Definition

Agnosie

In der neuropsychologischen Tradition wird als Agnosie eine Störung des Erkennens bei erhaltener Wahrnehmung bezeichnet.

In Abhängigkeit von derSinnesmodalität der betroffenen Wahrnehmungen werden

visuelle,

akustische,

taktile,

olfaktorische etc. Agnosien unterschieden.

3.1.1 Visuelle Agnosien

Der Großteil der Literatur und auch dieses Kapitels konzentriert sich auf visuelle Agnosien. Ihrer Einteilung liegt ein mehrstufiges Modell des Erkennens zugrunde, das vor gut 100 Jahren entwickelt wurde ( ▶ [366], ▶ [369]). Auf die elementare Sinneswahrnehmung folgen demnach zunächst eine apperzeptive und dann eine assoziative Stufe des Erkennens: In der apperzeptiven Phase werden die Elemente der visuellen Wahrnehmung (z. B. Formen, Helligkeiten und Farben) zu einer zusammenhängenden visuellen Vorstellung des Objektes integriert. In der assoziativen Phase wird die visuelle Vorstellung mit Vorstellungen aus anderen Sinnesmodalitäten (z. B. charakteristischen Geräuschen oder dem Geruch des Objekts) verknüpft und damit das Objekt erkannt. Je nachdem, welche dieser Stufen gestört ist, wurde eine apperzeptive von einer assoziativen Agnosie unterschieden.

Ein weiterer historischer Ursprung der Agnosieforschung war die Idee, dass es durch Unterbrechung der Verbindung zwischen visuellen Vorstellungen und Wortvorstellungen zu einer„optischen Aphasie“ kommen kann ▶ [181]. Die klinischen Beschreibungen dieses Syndroms sind weitgehend mit einer Form der assoziativen Agnosie identisch.

3.1.2 Gestörtes Erkennen von Schrift, Farbe, Gesichtern

Eine andere Tradition unterteilt Agnosien nach der Klasse der Dinge, die von der Erkennstörung betroffen sind. Schrift, Farben und Gesichter nehmen Sonderstellungen ein, die die Störung ihres visuellen Erkennens von der allgemeinen Objektagnosie unterscheiden. Mangelhaftes und mühsames visuelles Erkennen von Buchstaben und Wörtern ist das Kernsymptom der reinenAlexie. Das Erkennen und Benennen von Farben ist sowohl bei derAchromatopsie als auch bei derFarbagnosie beeinträchtigt ▶ [363]. Gestörtes Erkennen von Gesichtern wird alsProsopagnosie bezeichnet ▶ [58].

3.1.3 Simultanagnosie

Während bei den bisher angeführten Formen der visuellen Agnosie das Erkennen und Benennen einzelner Objekte fehlerhaft ist, betrifft die Schwierigkeit bei der Simultanagnosie den Überblick über Darstellungen, die mehrere Objekte zeigen ▶ [592].

3.1.4 Missidentifikationen

Ein Phänomen, das primär ohne Bezug zu den Störungen des visuellen Erkennens beschrieben wurde, aber mit ihnen verwandt ist, sind Missidentifikationen. Die betroffenen Patienten erkennen Gegenstände oder Personen an sich richtig, aber verkennen ihre Herkunft und Zugehörigkeit. Fehlzuordnungen können die Umwelt oder den eigenen Körper betreffen. Sie werden in diesem Kapitel im Anschluss an die systematische Abhandlung der Agnosien kurz beschrieben.

3.2 Klinik, Diagnostik

Merke

Das klinische Leitsymptom der Agnosien sind Fehlbenennungen von visuell präsentierten Objekten bei sonst intakter oder jedenfalls weit besserer Wortfindung.

Die Abgrenzung der visuellen Agnosie von „elementaren“ Sehstörungen wie ausgedehnten Gesichtsfelddefekten oder Herabsetzung der Sehschärfe und Kontrastempfindlichkeit kann schwierig sein (Kap. ▶ 2). Wegweisend für die Vermutung, dass es sich um eine Agnosie handelt, sind Dissoziationen zwischen fehlendem Erkennen und erhaltenen visuellen Leistungen, die ebenso große Ansprüche an visuelle Exploration, Gesichtsfeldgröße, Sehschärfe und Kontrastempfindlichkeit stellen. Sowohl die Art der Aufgaben, in denen diese Dissoziationen zutage treten, als auch die Beziehung der Benennfehler zu den visuellen Eigenschaften des Objektes unterscheiden sich zwischen den verschiedenen Formen der Agnosie.

3.2.1 Apperzeptive Agnosie

Die Benennversuche von Patienten mit apperzeptiver Agnosie lassen erkennen, dass sie zwar einzelne visuelle Merkmale wahrgenommen haben, ihnen aber die Integration der Merkmale zu einem kohärenten Bild des ganzen Gegenstandes bestenfalls in schrittweiser Rekonstruktion gelingt. Je nachdem, welche Merkmale wahrgenommen und verwertet werden, kann man 2 Ausprägungen der apperzeptiven Agnosie unterscheiden:

Merke

Bei der Formagnosie werden Oberflächeneigenschaften wie Helligkeit, Farbe oder Glanz und auch Bewegungen wahrgenommen, aber keine zusammenhängenden Konturen ▶ [44].

Bei der integrativen Agnosiewerden einzelne Konturen richtig aufgefasst, aber es misslingt die Integration lokaler und globaler Konturen zu einem zusammenhängenden Bild des ganzen Gegenstandes ▶ [287].

3.2.1.1 Formagnosie

Wahrnehmung statischer Formen

Die Patienten sind nicht imstande,