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Störungen kognitiver Funktionen entstehen durch Hirnschädigungen infolge von Schlaganfall, Traumen, Tumoren oder degenerativen Prozessen. Eine genaue Diagnostik der Ausfälle ist daher erforderlich. Dieses Buch zeigt Ihnen, wie Sie eine gezielte neuropsychologische Behandlung zur größtmöglichen Funktionsrestitution der Patienten durchführen. Alle relevanten, durch Hirnschädigung bedingten kognitiven Störungsbilder werden beschrieben und aktuelle Erkenntnisse zu Diagnostik, klinischer Symptomatik und Therapie werden vermittelt.
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Seitenzahl: 459
Veröffentlichungsjahr: 2022
Hans-Otto Karnath, Wolfram Ziegler, Georg Goldenberg
Hans-Otto Karnath, Wolfram Ziegler, Georg Goldenberg, Hermann Ackermann, Ingrid Aichert, Ümmügülsüm Baysal, Doris Brötz, Bruno Fimm, Siegfried Gauggel, Georg Kerkhoff, Elise Klein, Sandra Verena Müller, Hendrik Niemann, Stefan Pollmann, Jörg B. Schulz, Angelika I. T. Thöne-Otto, Kathrin Utz, Claus-Werner Wallesch, Dorothea Weniger, Klaus Willmes-von Hinckeldey, Anja Wunderlich, Josef Zihl,
2., unveränderte Auflage
50 Abbildungen
Hirnschädigungen durch Schlaganfall, Blutungen, Traumen, Tumoren, Entzündungen oder durch degenerative Prozesse führen neben motorischen und sensorischen Defiziten vor allem zu Störungen „höherer Hirnleistungen“, also kognitiver Funktionen. Die bekanntesten Störungsbilder in diesem Bereich sind neben demenziellen Erkrankungen die Sprach- und Sprechstörungen – die Aphasien und Dysarthrien. Ebenso schwerwiegend und belastend für die Patienten sind aber auch Störungen des Sehens und des Erkennens, Gedächtnisstörungen, Orientierungsschwierigkeiten, der plötzliche Verlust der Fähigkeiten zu lesen, zu schreiben oder zu rechnen, Unsicherheiten beim Ergreifen von Objekten und bei anderen visuomotorischen Koordinationsleistungen. Störungen des Handeln, Planens und Problemlösens, Persönlichkeitsveränderungen und viele andere Probleme mehr können ebenfalls belasten. In der Regel sind bei hirngeschädigten Patienten nicht alle kognitiven Leistungen gleichermaßen betroffen. Eine genaue Diagnostik der Ausfälle ist daher erforderlich. Diese bildet die Grundlage für eine neuropsychologische Behandlung, die gezielt die eingeschränkten Leistungen oder kompensatorische Fähigkeiten betrifft, um so die größtmögliche Funktionsrestitution und Selbstständigkeit der Patienten zu erreichen.
Das vorliegende Buch gibt einen komprimierten Überblick über die durch Hirnschädigung bedingten Störungen kognitiver Funktionen. Jedes einzelne Kapitel bemüht sich, neben einer Darstellung der klinischen Symptomatik die jeweils aktuellen Erkenntnisse zu Diagnostik, Pathophysiologie, Anatomie, Prognose sowie Therapie aufzuzeigen. Das Buch ist speziell an den Bedürfnissen der in Klinik und Praxis tätigen Neuropsychologen und Neurologen ausgerichtet. Darüber hinaus wendet sich der Band aber auch an Interessierte anderer Fachrichtungen, insbesondere an Physiotherapeuten, Logopäden und Ergotherapeuten, d.h. an all jene Berufsgruppen, die bei der interdisziplinären Versorgung hirngeschädigter Patienten mitwirken.
Unser Dank gilt allen Autoren für ihre sorgfältigen und aktuellen Beiträge sowie den Mitarbeitern des Thieme-Verlages für ihre Unterstützung.
Tübingen/München, im Januar 2014
Hans-Otto Karnath
Georg Goldenberg
Wolfram Ziegler
Titelei
Vorwort
1 Klinische Neuropsychologie – kognitive Neurologie: Gegenstand und Methoden
1.1 Definitionen
1.2 Methodische Ansätze
2 Zerebrale Sehstörungen
2.1 Übersicht
2.2 Anamnese
2.3 Partielle zerebrale Blindheit (homonyme Gesichtsfeldstörungen)
2.3.1 Einteilung, Häufigkeit
2.3.2 Klinik
2.3.3 Diagnostik
2.3.4 Pathophysiologie, Anatomie
2.3.5 Spontanverlauf, Therapie
2.4 Vollständige zerebrale Blindheit
2.4.1 Klinik
2.4.2 Diagnostik
2.4.3 Pathophysiologie, Anatomie
2.4.4 Spontanverlauf, Prognose
2.5 Minderung der Sehschärfe und der räumlichen Kontrastsensitivität
2.5.1 Klinik
2.5.2 Diagnostik
2.5.3 Pathophysiologie, Anatomie
2.5.4 Spontanverlauf, Prognose, Therapie
2.6 Störungen der visuellen Adaptation
2.6.1 Klinik
2.6.2 Diagnostik
2.6.3 Spontanverlauf, Prognose, Therapie
2.7 Störungen des Farbsehens
2.7.1 Klinik
2.7.2 Diagnostik
2.7.3 Pathophysiologie, Anatomie
2.7.4 Spontanverlauf, Prognose, Therapie
2.8 Störungen der Stereopsis
2.8.1 Klinik
2.8.2 Diagnostik
2.8.3 Pathophysiologie, Anatomie
2.9 Visuelle Illusionen
2.9.1 Klinik
2.9.2 Diagnostik
2.9.3 Pathophysiologie, Anatomie
2.9.4 Spontanverlauf, Prognose, Therapie
2.10 Visuelle Reizerscheinungen
2.10.1 Klinik
2.10.2 Diagnostik
2.10.3 Pathophysiologie, Anatomie
2.10.4 Spontanverlauf, Prognose, Therapie
3 Agnosie
3.1 Einleitung
3.1.1 Visuelle Agnosien
3.1.2 Gestörtes Erkennen von Schrift, Farbe, Gesichtern
3.1.3 Simultanagnosie
3.1.4 Missidentifikationen
3.2 Klinik, Diagnostik
3.2.1 Apperzeptive Agnosie
3.2.2 Assoziative Agnosie
3.2.3 Gestörtes Erkennen und Benennen von Farben
3.2.4 Prosopagnosie
3.2.5 Simultanagnosie
3.3 Anatomie
3.3.1 Formagnosie
3.3.2 Integrative Agnosie
3.3.3 Assoziative Agnosie
3.3.4 Achromatopsie, Farbagnosie
3.3.5 Prosopagnosie
3.3.6 Simultanagnosie
3.4 Spontanverlauf, Therapie
3.4.1 Apperzeptive Agnosien
3.4.2 Assoziative Agnosie
3.4.3 Prosopagnosie
3.4.4 Farberkennungsstörungen
3.4.5 Simultanagnosie
3.5 Missidentifikationssyndrome
3.5.1 Reduplikative Paramnesie
3.5.2 Capgras-Syndrom, Fregoli-Illusion
3.5.3 Missidentifikation des eigenen Körpers
3.5.4 Pathophysiologie, Anatomie
4 Apraxie
4.1 Einleitung
4.2 Klinik, Diagnostik
4.2.1 Imitieren von Gesten
4.2.2 Kommunikative Gesten auf Aufforderung
4.2.3 Gebrauch einzelner Werkzeuge und Objekte
4.2.4 Mehrschrittige Alltagshandlungen
4.2.5 Balkenapraxie
4.3 Klassifikation, Modelle
4.3.1 Liepmanns Modell der Apraxie
4.3.2 Imitieren von Gesten
4.3.3 Kommunikative Gesten auf Aufforderung
4.3.4 Gebrauch einzelner Werkzeuge und Objekte
4.3.5 Mehrschrittige Alltagshandlungen
4.4 Anatomie
4.4.1 Imitieren von Gesten
4.4.2 Kommunikative Gesten auf Aufforderung
4.4.3 Gebrauch einzelner Werkzeuge und Objekte
4.4.4 Mehrschrittige Alltagshandlungen
4.4.5 Apraxie und Händigkeit
4.5 Alltagsrelevanz, Therapie
4.5.1 Imitieren von Gesten
4.5.2 Kommunikative Gesten
4.5.3 Gebrauch einzelner Werkzeuge und Objekte
5 Aphasie
5.1 Einleitung
5.2 Symptomatik
5.2.1 Störungen der Wortfindung und der Wortwahl
5.2.2 Störungen des Satzbaus und der Verknüpfung von Satzkonstituenten
5.3 Aphasiesyndrome
5.3.1 Klassifikation
5.3.2 Standardsyndrome
5.3.3 Leitungsaphasie
5.3.4 Transkortikale Aphasien
5.3.5 Nicht klassifizierbare Aphasien
5.4 Diagnostik
5.4.1 Diagnostische Tests
5.4.2 Klinische Untersuchung der Sprachfunktionen
5.5 Pathophysiologie, Anatomie
5.5.1 Sprachdominanz und Händigkeit
5.5.2 Funktionelle Anatomie der aphasischen Syndrome
5.5.3 Funktionelle Neuroanatomie der subkortikalen Aphasien
5.6 Spontanverlauf, Prognose
5.6.1 Spontanverlauf
5.6.2 Funktionelle Rückbildung
5.6.3 Prognostische Faktoren
5.7 Therapie
5.7.1 Pharmakologische Interventionen
5.7.2 Sprachtherapeutische Maßnahmen
5.7.3 Transkranielle Stimulation
6 Dyslexie und Dysgrafie
6.1 Einleitung
6.2 Verarbeitungsmechanismen der Schriftsprache
6.2.1 Lexikalische Verarbeitung
6.2.2 Sublexikalische Verarbeitung
6.2.3 Orthografische Regularität von Wörtern
6.2.4 Periphere Verarbeitungsleistungen
6.3 Klinik
6.3.1 Symptomatik
6.3.2 Klassifikation
6.4 Diagnostik
6.4.1 Dyslexien
6.4.2 Dysgrafien
6.5 Anatomie
6.6 Spontanverlauf, Prognose
6.7 Therapie
6.7.1 Dyslexien
6.7.2 Dysgrafien
7 Zentrale Sprechstörungen
7.1 Definition, Klinik
7.1.1 Sprechapraxie
7.1.2 Dysarthrien
7.2 Anatomie, Pathophysiologie
7.2.1 Sprechapraxie
7.2.2 Dysarthrien
7.3 Diagnostik
7.3.1 Sprechapraxie
7.3.2 Dysarthrien
7.4 Therapie
7.4.1 Sprechapraxie
7.4.2 Dysarthrien
8 Akalkulie
8.1 Einleitung
8.2 Anatomie
8.3 Pathophysiologie
8.4 Klinik
8.4.1 Störungen des Transkodierens
8.4.2 Störungen der quantitativen Größenrepräsentation
8.4.3 Störungen der Verarbeitung von Rechenzeichen und des Rechnens
8.5 Diagnostik
8.5.1 Klinisch-neuropsychologische Diagnostik
8.5.2 NPC
8.5.3 Differenzialdiagnostik
8.6 Spontanverlauf, Prognose
8.7 Therapie
8.7.1 Restitution
8.7.2 Reorganisation
9 Amnesie und Gedächtnis
9.1 Organisch bedingte Gedächtnisstörungen
9.1.1 Einleitung
9.1.2 Begriffliche Klärung
9.1.3 Zeitliche Untergliederungen des Gedächtnisses
9.1.4 Inhaltliche Untergliederungen des Gedächtnisses
9.1.5 Funktionelle Neuroanatomie
9.2 Neuropsychologische Diagnostik
9.2.1 Empfehlungsleitlinien für den diagnostischen Prozess
9.2.2 Besondere diagnostische Herausforderungen
9.2.3 Von der Diagnostik zur Therapie
9.3 Neuropsychologische Therapieverfahren
9.3.1 Therapie von Kurzzeit- und Arbeitsgedächtnisfunktionen
9.3.2 Therapie von mittelfristigen Lern- und Gedächtnisstörungen
9.4 Zusammenfassung und Ausblick
10 Störungen der Aufmerksamkeit
10.1 Einleitung
10.1.1 Alertness (Daueraufmerksamkeit, Vigilanz)
10.1.2 Orientierung (selektive oder fokussierte Aufmerksamkeit)
10.1.3 Geteilte Aufmerksamkeit
10.1.4 Exekutive Aufmerksamkeit
10.2 Klinik
10.2.1 Schädel-Hirn-Trauma
10.2.2 Schlaganfall
10.2.3 Multiple Sklerose
10.2.4 Morbus Parkinson
10.2.5 Demenzielle Erkrankungen
10.3 Diagnostik
10.3.1 Anamnese und Exploration
10.3.2 Fragebögen
10.3.3 Verhaltensbeobachtung und Verhaltensproben
10.3.4 Neuropsychologische Testverfahren
10.3.5 Differenzialdiagnostik
10.4 Pathophysiologie, Anatomie
10.4.1 Alertness (Daueraufmerksamkeit, Vigilanz)
10.4.2 Orientierung (selektive oder fokussierte Aufmerksamkeit)
10.4.3 Geteilte Aufmerksamkeit
10.4.4 Exekutive Aufmerksamkeit
10.5 Spontanverlauf, Prognose
10.6 Therapie
10.6.1 Neuropsychologische Interventionen
10.6.2 Wirksamkeitsnachweise und Therapieempfehlungen
10.6.3 Medikamentöse Behandlung
11 Störungen der visuellen und akustischen Raumorientierung
11.1 Definitionen
11.2 Störungen der visuellen Raumorientierung
11.2.1 Klinik, Anatomie
11.2.2 Diagnostik
11.2.3 Spontanverlauf, Prognose, Therapie
11.3 Störungen der akustischen Raumorientierung
11.3.1 Klinik
11.3.2 Diagnostik
11.3.3 Pathophysiologie, Anatomie
11.3.4 Spontanverlauf, Prognose, Therapie
12 Neglect
12.1 Einleitung
12.2 Klinik
12.2.1 Orientierung zur ipsiläsionalen Seite
12.2.2 Gestörte visuelle und taktile Exploration
12.2.3 Symptome im sensorischen und auditiven Bereich
12.2.4 Vernachlässigung der kontralateralen Körperseite
12.2.5 Lesen und Schreiben
12.3 Diagnostik
12.3.1 Verhaltensbeobachtung
12.3.2 Klinische Tests
12.3.3 Differenzialdiagnose
12.4 Pathophysiologie
12.5 Anatomie
12.6 Spontanverlauf, Prognose
12.7 Therapie
12.7.1 Explorationstraining
12.7.2 Nackenmuskelvibration
12.7.3 Langsame Folgebewegungen
12.7.4 In Erprobung befindliche Maßnahmen
13 Pusher-Syndrom
13.1 Einleitung
13.2 Klinik
13.3 Diagnostik
13.3.1 Klinische Diagnostik
13.3.2 Differenzialdiagnose
13.4 Pathophysiologie
13.5 Anatomie
13.6 Spontanverlauf, Prognose
13.7 Therapie
14 Exekutive Dysfunktionen
14.1 Einleitung
14.1.1 Flexibilität und Persistenz
14.1.2 Psychologische Modelle
14.2 Klinik
14.3 Diagnostik
14.3.1 Testdiagnostik
14.3.2 Fragebögen und Ratingskalen
14.3.3 Verhaltensbeobachtung
14.3.4 Diagnostische Besonderheiten und Herausforderungen
14.4 Pathophysiologie, Anatomie
14.4.1 Aufmerksamkeitskontrollprozesse
14.4.2 Einteilung der Exekutivfunktionen
14.5 Spontanverlauf, Prognose
14.6 Therapie
14.6.1 Kognitiv übende Verfahren
14.6.2 Methoden des Verhaltensmanagements
14.6.3 Einsatz externer Reize
14.6.4 Kombinierte Methoden
14.6.5 Wirksamkeitsnachweis
15 Diskonnektionssyndrome
15.1 Kommissurotomie
15.1.1 Einleitung
15.1.2 Klinik
15.1.3 Diagnostik
15.1.4 Pathophysiologie, Anatomie
15.1.5 Spontanverlauf, Prognose
15.1.6 Therapie
15.2 Alien-Hand-Syndrom
15.2.1 Einleitung
15.2.2 Klinik
15.2.3 Diagnostik
15.2.4 Pathophysiologie, Anatomie
15.2.5 Spontanverlauf, Prognose
15.2.6 Therapie
15.3 Reine Alexie
15.4 Agenesie des Corpus callosum
15.4.1 Klinik
15.4.2 Diagnostik
15.4.3 Pathophysiologie, Anatomie
15.4.4 Spontanverlauf, Prognose, Therapie
16 Störungen des emotionalen Erlebens und Verhaltens
16.1 Einleitung
16.2 Diagnostik emotionaler Störungen
16.3 Spezifische Veränderungen bei zerebralen Erkrankungen
16.3.1 Ischämische und hämorrhagische Durchblutungsstörungen
16.3.2 Alzheimer-Erkrankung, frontotemporale Lobärdegeneration
16.3.3 Morbus Parkinson (idiopathisches Parkinson-Syndrom), Chorea Huntington
16.3.4 Funktionsstörungen des Kleinhirns
16.4 Beeinträchtigungen der Perzeption emotionaler Stimuli
16.5 Beeinträchtigungen der motorischen Komponente emotionaler Reaktionsmuster
16.5.1 Zwangslachen und -weinen
16.5.2 Enthemmung aggressiven Verhaltens und Verlust der Furchtreaktionen
16.5.3 Motorische Aprosodie (Hypophonie) und Amimie (Hypomimie)
16.5.4 Akinetischer Mutismus, Apathie, Abulie
16.6 Rolle der Affekte im Rahmen der Handlungssteuerung
16.7 Therapie
17 Anosognosie
17.1 Einleitung
17.2 Klinik, Anatomie
17.2.1 Anosognosie der kortikalen Blindheit
17.2.2 Anosognosie der Hemianopsie
17.2.3 Anosognosie der Hemiparese/-plegie
17.3 Diagnostik
17.4 Pathophysiologie
17.5 Spontanverlauf, Prognose, Therapie
18 Demenzen
18.1 Einleitung
18.2 Klinik
18.2.1 Beurteilungskriterien
18.2.2 Kortikale Demenzsymptome
18.2.3 Subkortikale Demenz
18.2.4 ICD-10-Klassifikation
18.2.5 Krankheitsursachen
18.3 Diagnostik, Differenzialdiagnostik
18.3.1 Neuropsychologische Untersuchungstechniken
18.4 Primäre degenerative Demenzen
18.4.1 Alzheimer-Demenz
18.4.2 Demenz mit Lewy-Körpern
18.4.3 Frontotemporale Demenz
18.4.4 Demenzen bei anderen degenerativen Erkrankungen
18.4.5 Vaskuläre Demenz
18.5 Neuropsychologische Diagnostik und Begutachtung
18.5.1 Einleitung
18.5.2 Aufgaben neuropsychologischer Diagnostik
Teil II Anhang
19 Literatur
Anschriften
Sachverzeichnis
Impressum/Access Code
C.-W. Wallesch
Neuropsychologie „Die Neuropsychologie ist eine wissenschaftliche Disziplin, die sich mit den zentralnervösen Grundlagen des menschlichen Verhaltens und Empfindens beschäftigt. Die Forschungsmethoden der Neuropsychologie entstammen, wie es dem Gegenstand des Forschungsgebiets entspricht, zu etwa gleichen Teilen der klassischen Psychologie und den medizinischen Disziplinen der Neurologie, Neuroanatomie und Neurophysiologie. Alle neuropsychologischen Forschungsmethoden zielen dabei auf die Aufklärung der Zusammenhänge zwischen beobachtbarem Verhalten und dessen anatomischen, physiologischen und biochemischen zerebralen Grundlagen ab. (…) Die klinische Neuropsychologie verwendet die so gewonnenen Ergebnisse zusammen mit den Erkenntnissen und Methoden der allgemeinen und der klinischen Psychologie bei der Diagnostik von Patienten mit Hirnfunktionsstörungen und bei der neuropsychologisch fundierten Therapie dieser Störungen“ ( ▶ [524], S.1).
Neurologie Sie ist die medizinische Wissenschaft und das medizinische Fachgebiet, das sich mit den Erkrankungen des Nervensystems befasst. Die Subspezialität, die sich mit deren Auswirkungen auf kognitive Funktionen befasst, hatte in der Vergangenheit eine Reihe von Bezeichnungen: klinische Hirnpathologie (bis ca. 1980), medizinische Neuropsychologie (bis ca.1995), Verhaltensneurologie (analog „behavioral neurology“, bis ca. 2005). In den letzten Jahren setzt sich allmählich die Bezeichnung „kognitive Neurologie“ durch. Die systematische Erforschung der zerebralen Grundlagen kognitiver Dysfunktionen hat in der Neurologie eine Tradition von ca. 150 Jahren.
Der Gegenstand der klinischen Neuropsychologie und der kognitiven Neurologie ist also derselbe. Klinische Herangehensweise und klinische Methoden sind jedoch verschieden und komplementär. Dies wird im Folgenden am Beispiel der Diagnostik erläutert. Ziel ist jeweils, Symptome eines Patienten auf gestörte Hirnfunktionen zurückzuführen und von intakten Funktionen abzugrenzen. Dies gibt Hinweise auf die Lokalisation und Ausdehnung der Läsion, die Dynamik der Entwicklung und Prozesse der Reorganisation und Kompensation.
Neurologie Der diagnostische Ansatz der Neurologie ist qualitativ; Symptome kognitiver Defizite werden in Kontext zu weiteren neurologischen Symptomen gesetzt. Die zeitliche Dynamik gibt weitere Hinweise auf die zugrunde liegende Erkrankung. Für viele neurologische Erkrankungen wurden in den letzten Jahren diagnostische Kriterien entwickelt, die in Skalen und Scores zur Diagnosefindung und Schweregradbewertung umgesetzt wurden. Dadurch wurde die neurologische Diagnostik in weiten Bereichen standardisiert und international vergleichbar gemacht. Beispiele aus dem Bereich der kognitiven Neurologie sind die frontotemporalen Lobaratrophien oder die Demenz mit Lewy-Körpern.
Neuropsychologie Der diagnostische Ansatz der klinisch tätigen Neuropsychologie ist hingegen quantitativ-psychometrisch. Die Anwendung psychometrischer Testverfahren setzt Kenntnisse in psychologischer Testtheorie, hypothesengeleiteter Diagnostik und breite Erfahrungen in den speziellen neuropsychologischen Untersuchungsverfahren voraus. Diese sind nach Kriterien der Testtheorie konstruiert (Objektivität, Validität, Reliabilität), sind an zum Teil sehr großen Stichproben normiert und erlauben daher eine zufallskritische Bewertung und Profil- sowie Verlaufsanalyse.
Klinisch-neuropsychologische Diagnostik ist aufwendig. Der Aufwand lässt sich jedoch begrenzen, wenn gezielte klinische Fragen formuliert werden. Diese erlauben eine individuelle Testauswahl.
Die Beantwortung dieser Fragen erlaubt eine neuropsychologisch geplante und im Verlauf evaluierte Therapie, die seit 2011 auch als ambulante Leistung der gesetzlichen Krankenkassen anerkannt ist. Ziel der Therapie ist es, die aus einer Schädigung oder Erkrankung des Gehirns resultierenden kognitiven, emotionalen und motivationalen Störungen sowie die daraus folgenden psychosozialen Beeinträchtigungen und Aktivitätseinschränkungen zu heilen oder zu lindern.
Beide – klinische Neuropsychologie und kognitive Neurologie – sind Teil der kognitiven Neurowissenschaften. Wichtige Partnerfächer sind die biologische Psychologie, die kognitive Neurolinguistik und die Kognitionswissenschaften, zunehmende Bedeutung erlangen außerdem die Therapiewissenschaften. In den angewandten Methoden der Grundlagenforschung gibt es breite Überschneidungen: funktionelle und moderne strukturelle (z.B. Diffusion Tensor Imaging) Bildgebung, transkranielle und intrazerebrale Stimulationen, EEG-Analysen. Wegen der unterschiedlichen methodischen Ansätze arbeiten in der Forschung Neuropsychologen und kognitive Neurologen oft Hand in Hand.
G. Goldenberg
Definition
Agnosie
In der neuropsychologischen Tradition wird als Agnosie eine Störung des Erkennens bei erhaltener Wahrnehmung bezeichnet.
In Abhängigkeit von derSinnesmodalität der betroffenen Wahrnehmungen werden
visuelle,
akustische,
taktile,
olfaktorische etc. Agnosien unterschieden.
Der Großteil der Literatur und auch dieses Kapitels konzentriert sich auf visuelle Agnosien. Ihrer Einteilung liegt ein mehrstufiges Modell des Erkennens zugrunde, das vor gut 100 Jahren entwickelt wurde ( ▶ [366], ▶ [369]). Auf die elementare Sinneswahrnehmung folgen demnach zunächst eine apperzeptive und dann eine assoziative Stufe des Erkennens: In der apperzeptiven Phase werden die Elemente der visuellen Wahrnehmung (z. B. Formen, Helligkeiten und Farben) zu einer zusammenhängenden visuellen Vorstellung des Objektes integriert. In der assoziativen Phase wird die visuelle Vorstellung mit Vorstellungen aus anderen Sinnesmodalitäten (z. B. charakteristischen Geräuschen oder dem Geruch des Objekts) verknüpft und damit das Objekt erkannt. Je nachdem, welche dieser Stufen gestört ist, wurde eine apperzeptive von einer assoziativen Agnosie unterschieden.
Ein weiterer historischer Ursprung der Agnosieforschung war die Idee, dass es durch Unterbrechung der Verbindung zwischen visuellen Vorstellungen und Wortvorstellungen zu einer„optischen Aphasie“ kommen kann ▶ [181]. Die klinischen Beschreibungen dieses Syndroms sind weitgehend mit einer Form der assoziativen Agnosie identisch.
Eine andere Tradition unterteilt Agnosien nach der Klasse der Dinge, die von der Erkennstörung betroffen sind. Schrift, Farben und Gesichter nehmen Sonderstellungen ein, die die Störung ihres visuellen Erkennens von der allgemeinen Objektagnosie unterscheiden. Mangelhaftes und mühsames visuelles Erkennen von Buchstaben und Wörtern ist das Kernsymptom der reinenAlexie. Das Erkennen und Benennen von Farben ist sowohl bei derAchromatopsie als auch bei derFarbagnosie beeinträchtigt ▶ [363]. Gestörtes Erkennen von Gesichtern wird alsProsopagnosie bezeichnet ▶ [58].
Während bei den bisher angeführten Formen der visuellen Agnosie das Erkennen und Benennen einzelner Objekte fehlerhaft ist, betrifft die Schwierigkeit bei der Simultanagnosie den Überblick über Darstellungen, die mehrere Objekte zeigen ▶ [592].
Ein Phänomen, das primär ohne Bezug zu den Störungen des visuellen Erkennens beschrieben wurde, aber mit ihnen verwandt ist, sind Missidentifikationen. Die betroffenen Patienten erkennen Gegenstände oder Personen an sich richtig, aber verkennen ihre Herkunft und Zugehörigkeit. Fehlzuordnungen können die Umwelt oder den eigenen Körper betreffen. Sie werden in diesem Kapitel im Anschluss an die systematische Abhandlung der Agnosien kurz beschrieben.
Merke
Das klinische Leitsymptom der Agnosien sind Fehlbenennungen von visuell präsentierten Objekten bei sonst intakter oder jedenfalls weit besserer Wortfindung.
Die Abgrenzung der visuellen Agnosie von „elementaren“ Sehstörungen wie ausgedehnten Gesichtsfelddefekten oder Herabsetzung der Sehschärfe und Kontrastempfindlichkeit kann schwierig sein (Kap. ▶ 2). Wegweisend für die Vermutung, dass es sich um eine Agnosie handelt, sind Dissoziationen zwischen fehlendem Erkennen und erhaltenen visuellen Leistungen, die ebenso große Ansprüche an visuelle Exploration, Gesichtsfeldgröße, Sehschärfe und Kontrastempfindlichkeit stellen. Sowohl die Art der Aufgaben, in denen diese Dissoziationen zutage treten, als auch die Beziehung der Benennfehler zu den visuellen Eigenschaften des Objektes unterscheiden sich zwischen den verschiedenen Formen der Agnosie.
Die Benennversuche von Patienten mit apperzeptiver Agnosie lassen erkennen, dass sie zwar einzelne visuelle Merkmale wahrgenommen haben, ihnen aber die Integration der Merkmale zu einem kohärenten Bild des ganzen Gegenstandes bestenfalls in schrittweiser Rekonstruktion gelingt. Je nachdem, welche Merkmale wahrgenommen und verwertet werden, kann man 2 Ausprägungen der apperzeptiven Agnosie unterscheiden:
Merke
Bei der Formagnosie werden Oberflächeneigenschaften wie Helligkeit, Farbe oder Glanz und auch Bewegungen wahrgenommen, aber keine zusammenhängenden Konturen ▶ [44].
Bei der integrativen Agnosiewerden einzelne Konturen richtig aufgefasst, aber es misslingt die Integration lokaler und globaler Konturen zu einem zusammenhängenden Bild des ganzen Gegenstandes ▶ [287].
Die Patienten sind nicht imstande,
