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Unsere Zeit ist voller Chancen und Gelegenheiten für Unternehmen. Diese zu erkennen und entsprechend umzusetzen, ist nicht immer leicht. Es bedarf eines mitunter starken Umdenkens, neuer Ideen und vor allem einer großen Veränderungsbereitschaft. Wer aktiv ist, sich umfassend informiert, mutig bleibt und seinen Weg geht, kann die rasanten Veränderungen und Trends für sich nutzen und erfolgreich ganz vorne mitspielen. Dieses Buch zeigt, welche Faktoren heute zu berücksichtigen sind, um morgen noch erfolgreich zu wirtschaften. Es richtet sich vorwiegend an Unternehmer, Führungskräfte und Mitarbeitende aus dem KMU-Bereich. Ausgeprägte Praxiserfahrung sowie rund 200 Direktinterviews mit KMU bilden die Grundlage dieses Buches. Entsprechende Fachliteratur, wissenschaftliche Studien und umfassende Recherchen ergänzen die praxisbezogenen Ausführungen.
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Seitenzahl: 178
Veröffentlichungsjahr: 2020
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© 2020 Pascal von Gunten2. überarbeitete AuflageAutor: Pascal von Gunten
Verlag & Produktion: buchundnetz.comUmschlaggestaltung & Layout: Königskind Agentur
978-3-03805-288-3 (Print – Hardcover)978-3-03805-287-6 (Print – Softcover)978-3-03805-311-8 (PDF)978-3-03805-312-5 (ePub)978-3-03805-313-2 (mobi/Kindle)
Version: 1.20-20200402
Dieses Werk ist als gedrucktes Buch, sowie als E-Book in verschiedenen Formaten verfügbar.Weitere Informationen finden Sie unter der URL: http://buchundnetz.com/werke/kmu40
Unsere Zeit ist voller Chancen und Gelegenheiten für Unternehmen. Diese Chancen und Gelegenheiten zu erkennen und entsprechend umzusetzen ist nicht immer leicht. Es bedarf eines mitunter starken Umdenkens, neuer Ideen und vor allem einer großen Veränderungsbereitschaft. Wer aktiv ist, sich umfassend informiert, mutig bleibt und seinen Weg geht, kann die rasanten Veränderungen und Trends für sich nutzen und erfolgreich ganz vorne mitspielen.
Meine Arbeit und meine Recherchen zeigen, dass nur wenige – viel zu wenige – KMU das Potenzial unserer Zeit zu nutzen wissen. Gross scheint die Verlockung, in seit Jahren etablierten Strukturen zu verweilen. Aber veraltete Denkmuster und Einstellungen stehen dem digitalen Zeitalter unvereinbar gegenüber. Bestehende Erfahrungen und Werte mit den neuen Möglichkeiten und Chancen abzustimmen und zu verbinden gehört zu den grossen Herausforderungen heutiger Unternehmer.
Doch bevor wir in die Thematik einsteigen, möchte ich gern einige Grundsätze vorausschicken, die für Veränderungen in sämtlichen Unternehmen gelten und auch in der heutigen Zeit ihre Gültigkeit haben:
Für Veränderung ist es nie zu spät. Wer feststellt, dass er in seiner Branche und somit in seiner Tätigkeit nicht (mehr) exzellent ist, muss sich sofort verändern! Diese Erkenntnis kann schmerzhaft sein. Sie haben es in der Hand, und zwar jederzeit, nötige Veränderungen anzugehen. Gefährlich wird es für jene, welche sich dem Wandel verschliessen und davon ausgehen, dass das Ganze spurlos an ihnen vorüber gehen wird.
Hoch und Tiefs sind ganz normal. Sie treffen jeden, auch Spitzenunternehmen. Zwei, drei Schritte vorwärts und einen zurück ist der Normalfall. Das ganze Leben besteht aus einer Reihe einander folgender und manchmal auch gleichzeitiger Herausforderungen, die zu Krisen führen können. Die Frage ist, wie wir damit umgehen. Viele Dinge, die Sie versuchen werden, werden nicht funktionieren. Verluste, Fehler oder gar ein schlechter Geschäftsgang können die Folge sein. Ausdauer beweisen und wieder aufstehen, lautet die Devise. Optimismus ist gefragt. Viel lernen und viel versuchen, so erreicht man Fortschritte.
Alles, was wir wahrnehmen, hat eine Ursache. Diese Ursachen gilt es, ausfindig und sich – im positiven Fall – zu Nutze zu machen, im negativen Fall jedoch mit Nachdruck zu beheben. Aktion erzeugt Reaktion, und je mehr Aktionen Sie anstossen, desto mehr Reaktionen dürfen Sie erwarten. Dabei muss man nicht alles selbst erfinden. Wer geprüfte Erfolgsrezepte verwendet und sich bei der Lösungsfindung Spitzenunternehmen zum Vorbild nimmt, wird schneller den gewünschten Erfolg erzielen.
Seien Sie mutig und zeigen Sie Beharrlichkeit. Was so einfach tönt, ist eine grosse Herausforderung. Dieser Ansatz erfordert, mit Veränderungen zu starten, ohne eine Garantie auf Erfolg zu haben. Zudem verändert man etablierte Strukturen nicht von heute auf morgen – Veränderung braucht Zeit! Das darf uns nicht davon abhalten zu tun, was erfolgversprechend ist. Allein mit dem Beginnen ist es nicht getan. Erfolg stellt sich ein mit dem beharrlichen Verfolgen konkreter Ziele und dem konsequenten Abschliessen der zu deren Erreichung notwendigen Aktivitäten. Ein kleiner Hinweis: Praktisch nichts funktioniert beim ersten Mal. Also geben Sie nicht auf, lernen Sie aus jedem Erfolg und vor allem Misserfolg und versuchen Sie es erneut! Eventuell stehen Sie kurz davor, (wieder) erfolgreich zu sein.
Suchen Sie sich die richtige Hilfe.Sie müssen nicht alles selbst können und erledigen. Fehlt Ihnen die Zeit und das notwendige fachliche Knowhow, so gibt es genügend Experten auf dem Markt, welche Sie zielgerichtet unterstützen können. Achten Sie dabei unbedingt auf deren Professionalität. Oder wie es Red Adair frei übersetzt auf den Punkt brachte: «Wenn Sie denken, es sei teuer, einen Experten beizuziehen, warten Sie, bis Sie mit einem Amateur zusammenarbeiten.»
Mein Dank geht an alle, welche in irgendeiner Weise zum Gelingen dieses Buches beigetragen haben.
An meine Mandanten, die ich bis heute betreuen durfte respektive darf. Sie sind eine starke Inspirationsquelle und sorgen für den grossen Praxisbezug dieses Buches.
An all die Unternehmen, welche mich stets freundlich und offen empfangen haben und grosszügig und ausführlich über ihre Situation und persönlichen Ansichten Auskunft gegeben haben.
Ebenso an die Leser meiner regelmässig erscheinenden Fach- und Praxisberichte. Sie waren, über ihre Rückmeldungen, ein weiterer, wichtiger Beweggrund, die Thematik in einem Buch abzufassen.
Und zum Schluss an all jene, die sonst zum Gelingen dieses Buches beigetragen haben – allen voran meine Frau, welche mich in allem, was ich tue, mit vollstem Vertrauen unterstützt.
Die aktuellen Herausforderungen unserer Zeit – rasanter technologischer Fortschritt, in- und ausländischer Konkurrenzdruck, Fachkräftemangel, verhandlungsstarke Abnehmer und eine neue Arbeitergeneration – zwingen uns geradezu zur Veränderung, ob wir sie nun «hassen» oder nicht. Dank stetiger grosser und kleiner Fortschritte gelingt es aber, den Veränderungsprozess wesentlich einfacher und mit grösserer Akzeptanz zu gestalten.
In meiner beruflichen Laufbahn habe ich verschiedenste Unternehmen kennenlernen dürfen. Erfolgreiche, global tätige Marktführer ebenso wie konkursite KMU. Allen gemeinsam war allerdings, dass jedes dieser Unternehmen Optimierungspotenzial aufwies. Manche Unternehmen hatten in personeller oder führungstechnischer Hinsicht Probleme, andere kämpften mit den Finanzen. Wieder andere litten bedrohlich unter dem Preisdruck, wiesen strukturelle oder prozesstechnische Probleme auf oder bekundeten massive Absatzschwierigkeiten.
In meiner Tätigkeit als Sparringspartner und Mentor für Inhaber und Verwaltungsräte darf ich tief in die Strukturen einzelner Unternehmen eintauchen. Meine zentrale Aufgabe ist es, Missstände und Optimierungspotenzial in Unternehmen offenzulegen und aktiv für Verbesserung zu sorgen.
In diesem Buch zeige ich auf, welche Faktoren gerade in der heutigen Zeit zu berücksichtigen sind, um auch morgen noch erfolgreich zu wirtschaften. Es richtet sich vorwiegend an Unternehmer, Führungskräfte und Mitarbeitende aus dem KMU-Bereich. Beispiele und Erfahrungsberichte sind aufgrund meines beruflichen Werdeganges vielfach auf die Industrie, den Bau oder den Grosshandel ausgerichtet. Nichtsdestotrotz dürfte der Inhalt, aufgrund seiner allgemeinen Gültigkeit, auch für sämtliche weiteren Branchen von Interesse sein.
Was sollen KMU konkret unternehmen, um die sich wandelnden Marktanforderungen als erfolgversprechende Chancen zu nutzen? Und wie gelingt es ihnen, neben den Herausforderungen des Marktes auch innerbetriebliche Problemstellungen zu optimieren?
Die zentrale Aussage des Buches legt dar, dass sowohl eine sachlogische als auch eine psychologische Anpassung stattfinden muss, um den (neuen) Herausforderungen gerecht zu werden. Der sachlogische Teil ist jener, der wirtschaftlich interessierten Personen relativ klar und eingängig sein dürfte. So sind wir dazu angehalten, heutige Geschäftsmodelle zu überdenken und Strategien zu entwickeln, welche zukunftstauglich sind. Doch das reicht bei Weitem nicht. Selbst die genialste Stossrichtung und die besten Aktivitäten bewirken wenig, wenn die menschliche oder eben psychologische Komponente ausser Acht gelassen wird. So ist es ebenso wichtig, Werte wie eine zeitgemässe Führung, hohe Selbstdisziplin, bewusste Fehlerkultur oder den Willen nach konstanter Mehrleistung zu etablieren.
Die Basis dieses Buches bilden, neben meiner persönlichen Praxiserfahrung, rund 200 Direktinterviews mit KMU. Für einige von ihnen war ich direkt tätig. Hier konnte ich die in diesem Buch aufgezeigten Lösungsansätze u. a. selbst anwenden und auf ihre Tauglichkeit prüfen. Zusätzlich fliessen entsprechende Fachliteratur, verschiedene öffentliche Studien renommierter Institute, Fachbeiträge, Audio- und Videoaufzeichnungen, Seminare und persönliche Weiterbildungen in die Ausführungen ein.
Nach einem Überblick über die wichtigsten Marktanforderungen und Trends beleuchte ich die wesentlichsten betriebsinternen Herausforderungen und Problemstellungen von KMU. Im Anschluss wird zunächst die psychologische Erfolgskomponente dargelegt. Ich bin der Überzeugung, dass nahezu jedes Unternehmen dort die grösseren Stellhebel besitzt. Danach folgen Ausführungen zu den wichtigsten sachlogischen Erfolgsfaktoren in Unternehmen.
Ich verstehe dieses Buch als Impulsgeber, als Anstoss für ein generelles Umdenken. Es soll dazu animieren, betriebsinterne Sachverhalte zu hinterfragen und allenfalls korrigierend in diese einzugreifen. Wenn ich Sie darüber hinaus dazu bewegen kann, die im Buch enthaltenen Grundsätze im eigenen Betrieb anzuwenden, sind sie bereits bei der zielgerichteten, erfolgversprechenden Reorganisation Ihres Unternehmens.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine spannende Lektüre und freue mich auf zahlreiche Rückmeldungen, zum Beispiel direkt auf meine E-Mail:[email protected].
Gemäss aktueller Studien zur Schweizer KMU-Landschaft blicken Unternehmen durchaus positiv in die Zukunft. Diese Mitteilung erfreut und erstaunt mich gleichermassen. Erfreut bin ich deshalb, weil es mir aufzeigt, dass die Chancen des derzeitigen Wandels durchaus wahrgenommen werden. Basierend auf rund 200 Direktinterviews mit Unternehmen verschiedenster Branchen, zuvorderst in den Bereichen Bau, Industrie und Grosshandel, habe ich aber ein etwas anderes Bild zur derzeitigen Lage erhalten. Bis auf wenige Ausnahmen sind die Betriebe konfrontiert mit Unsicherheiten bezüglich des technologischen Fortschritts (Digitalisierung) und der Arbeitskultur der digitalen Generation. Zudem leiden sie unter Fachkräftemangel, Konkurrenzdruck und verhandlungsstarken Abnehmern.
Die Notwendigkeit, strategisch Veränderungen zu planen, einen Wandel herbeiführen zu müssen, scheint erkannt zu sein, wird jedoch aus zeitlichen oder fachlichen Gründen nicht angegangen. Es ist leichter gesagt als getan: man investiere künftig in Digitalisierung oder Produkteinnovation, man baue neue Geschäftsfelder auf oder stelle neue Mitarbeitende ein. Auch Themen wie Marktauftritt, Prozessautomatisierung oder Outsourcing, Expansion, Produktionsverlagerungen, etc. werden allenfalls angedacht, jedoch nur in wenigen Fällen konkretisiert oder weiterverfolgt.
Im Folgenden werde ich die derzeitigen Marktanforderungen insoweit beleuchten, als dass es für die kommenden Ableitungen und Ausführungen notwendig ist.
Jeder spricht vom technologischen Fortschritt respektive der Digitalisierung. Aber was ist das überhaupt? Ein einheitliches Verständnis für den Begriff «Digitalisierung» gibt es nicht. Zugleich stellt sich die Frage, ob es sich nun um eine Evolution, im Sinne eines permanenten stetigen Wandels handelt oder es einer Revolution gleicht, einem radikalen, fundamentalen Wandel unserer Zeit. Unbestritten sind gewisse Parallelen zu früheren Revolutionen. Wir sprechen hier von der Mechanisierung (ab 1800), Elektrifizierung (ab Ende des 19. Jahrhunderts), Automatisierung (ab den 1970er-Jahren) und nun eben der Digitalisierung. Da es sich bei der Digitalisierung um die 4. Welle ihrer Art handelt, wird auch gern der Begriff «Industrie 4.0» dafür verwendet. Industrie 4.0 ist geprägt durch neue Technologien und neue Möglichkeiten dank der Verfügbarkeit digitaler Daten.
Für mich ist es absolut nachvollziehbar, dass unsere Betriebe diesem Wandel mit viel Unsicherheit gegenüberstehen. Nimmt man Quellen aus der Zeit der vorhergehenden Revolutionen zur Hand und ersetzt Wörter wie Dampfmaschine, Pferd oder Glühbirne beispielsweise durch Smartphone oder Computer, wird man feststellen, dass sich die Menschen bei den früheren Revolutionen genau die gleichen Gedanken gemacht haben. Basierend auf den darin angesprochenen Ängsten, Befürchtungen, Hypothesen, Unsicherheiten könnten solche Publikationen heute mit frappanter Ähnlichkeit 1:1 wieder verwendet werden.
Der Einsatz digitaler Technologien erhöht zweifelsohne die Flexibilität der Unternehmen in Bezug auf zeitliche, räumliche und funktionale Grenzen. Das grösste Potenzial wird dort erschlossen, wo Routineaufgaben durch automatisierte Computerprozesse und künstliche Intelligenz ersetzt werden können.
Ein Sprichwort aus China sagt: «Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern, die anderen Windmühlen.» Natürlich bringt ein solcher Wandel sowohl Chancen als auch Ängste und Unsicherheiten mit sich. Zu den Chancen zählen die Möglichkeiten, neue Geschäftsmodelle zu etablieren, Prozesse zu automatisieren, neue Vertriebskanäle zu erschliessen, Neukunden in neuen Marktsegmenten zu gewinnen, die Kundenbindung zu erhöhen oder Kundendaten erfolgsorientiert zu nutzen. Sich dieser Entwicklung zu verschliessen und Angst davor zu haben, ist keine Option. Berechtigt darf aber die Frage gestellt werden, inwiefern wir noch selbstbestimmt leben können und welchen Stellenwert Werte wie Selbstverantwortung oder Entscheidungsfreiheit in der Zukunft haben werden. Vielleicht findet künftig aber auch ein Umdenken statt, dahingehend dass Sicherheit und Bequemlichkeit höher gewichtet werden, als der Ruf nach Selbstbestimmung. Was als sinnvoll erachtet wird und sich etabliert, bestimmt immer der Markt und somit der Konsument.
Der heutige technologische Fortschritt läuft exponentiell ab, was uns linear denkenden Menschen tendenziell Mühe in Bezug auf die Erfassung der Situation bereitet. Wir sprechen dabei auch von Disruption oder disruptiven Technologien. Sehr schön lässt sich das an den Entwicklungen in den letzten Jahren in den Bereichen Telefonie, Internet, Medizin, Robotik oder Raumfahrt nachvollziehen. So hat das Telefon 75 Jahre gebraucht, bis es von 50 Mio. Nutzern eingesetzt wurde, Twitter brauchte dafür 8 Monate.
Am Anfang steht immer noch eine «analoge» Idee, welche digital weiterentwickelt wird. Die Entwicklung findet meist in kleinen Schritten und sehr langsam statt. Dies führt dazu, dass viele gute Ideen zu diesem Zeitpunkt bereits als Nonsens abgetan werden, da sich deren Potenzial noch nicht zu erkennen gibt. Kodak war ein klassisches Beispiel dafür, was passiert, wenn man das Potenzial eines Produktes, in diesem Falle des digitalen Films und, wohlgemerkt von Kodak selbst ab 1976 entwickelt, zu früh als untauglich anschaut.
Überlebt eine Idee diese Anfangsphase, birgt sie das Potenzial, sich überraschend und auf vielen Wegen zu realisieren. Nebst den zahlreichen Vorteilen, welche solche Neuerungen im Sinne des Kunden mit sich bringen, beginnen sie zu diesem Zeitpunkt auch, altes zu zerstören oder zumindest ernsthaft zu konkurrenzieren. Gute Beispiele dafür sind die Ablösung der Telefonkabine durch die Mobiltelefonie oder der Einsatz von 3D-Druckern. Nachteilig wird es für all jene, die sich bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht mit der neuen Technologie auseinandergesetzt haben.
Im nächsten Schritt werden diese neuen Produkte oder Dienstleistungen plötzlich kostenlos angeboten oder alte Produkte überflüssig, zum Beispiel Filme für Digitalkameras. Möglicherweise wird auch das neue Produkt, da es entweder wieder vom Markt verschwindet oder aber von einem anderen Produkt substituiert wird (Digitalkamera in Smartphone).
Durch kostenlose oder stark reduzierte Angebote kann ein Produkt oder eine Dienstleistung schliesslich von jedem genutzt werden. Der Hersteller verliert die Hoheit über seine Marktleistung, der Nutzer gewinnt aufgrund der Auswahl an Alternativprodukten die Oberhand und das Geschäft wandelt sich von B2C zu C2B. Der Kunde wird wahrsten Sinne König.
Geschwindigkeit und Ausmass der Veränderungen sind von Branche zu Branche verschieden. Chemie oder Rohstoffabbau werden, aufgrund der heute noch beschränkten Digitalisierungsmöglichkeiten, noch mehr Zeit zur Verfügung haben und auch weniger von den Auswirkungen betroffen sein als beispielsweise der Einzelhandel, die Informations- und Kommunikationstechnologien, Banken, Versicherungen, Tourismus oder die Medien. Diese Branchen müssen ganz im Gegensatz mit heftigen Auswirkungen und einer kurzen Reaktionszeit rechnen. Ebenfalls heftig, aber mit etwas mehr Vorlauf trifft es das Gesundheitswesen, den Transport, die Produktion oder die Landwirtschaft. Und dann sind da noch jene, welche zwar relativ wenig Zeit zur Verfügung haben, sich jedoch nicht absehbar auf fundamentale Veränderungen gefasst machen müssen, so zum Beispiel das Bauwesen. Die Digitalisierung und deren Auswirkungen und Geschwindigkeit betreffen aber nicht nur den Prozess der Leistungserstellung, sondern tangieren genauso die Vermarktungsstrategien und das gesamte Geschäfts- und Erlösmodell unserer Unternehmen. Doch dazu später in diesem Buch.
Laut einer Studie der Crédit Suisse (CS-Studie) darf man davon ausgehen, dass rund die Hälfte der heutigen Berufstätigen einem Beruf nachgeht, der mittleres Automatisierungspotenzial aufweist. Weitere 6 % der heutigen Arbeitskräfte sind davon sogar in hohem Masse betroffen. Über alles gesehen wird es aber kaum ein generelles Wegrationalisieren von Arbeitsplätzen geben. Vielmehr schafft die Digitalisierung einen neuen Fachkräftebedarf in den Bereichen von Computerprozessen, Maschinen oder Robotik. Natürlich gilt es, während einer Übergangsfrist Lösungen für all jene zu finden, welche durch den technologischen Wandel ihre Arbeit verlieren werden und sich nicht einfach zum Ingenieur oder Computerfachmann umschulen lassen können.
Die Hochpreisinsel Schweiz trifft dies gleich in mehrfacher Hinsicht. Nebst dem technologischen Fortschritt stellen der starke Schweizerfranken und die grosse in- und ausländische Konkurrenzsituation zusätzliche Erschwernisse dar.
Die Industrie darf davon ausgehen, dass wir auch in Zukunft einen gewissen Teil an konventioneller Fertigung auf meist hochautomatisiertem Niveau brauchen werden. Machbarkeit und Kosten werden aber letztendlich über das Gewinnen von Aufträgen entscheiden. Betriebe sind gut beraten, sich ernsthaft Gedanken zu neuen Technologien und deren Möglichkeiten zu machen. Parallel dazu sind aber auch Themen wie Produktionsverlagerungen, strategische Partnerschaften mit in- und ausländischen Anbietern sowie diverse Outsourcingmöglichkeiten zu prüfen. Es werden analog der letzten Revolutionen ganze Branchen wegsterben, während sich andere neu etablieren.
Das grosse Thema im produzierenden Gewerbe ist IoT oder ausformuliert: Internet of Things. Es handelt sich um die Verbindung von Geräten mittels Internet. Gerade Grossunternehmen mit entsprechenden finanziellen Ressourcen betreiben hier intensive Entwicklungsarbeit. Sie gehen sehr gezielt den Fragen nach, wie sich mit Hilfe von Daten und Fakten die Prozesse effizienter gestalten lassen, Kosten eingespart oder neue Marktsegmente angegangen werden können. KMU können aufgrund personeller und finanzieller Ressourcen hier kaum mithalten. Allerdings haben sie die Möglichkeit, sich permanent zu informieren, allfällige Neuerungen ernsthaft zu prüfen und bei Gutdünken als Vorreiter einzusetzen.
Im Fokus des Bauwesens steht klar die Effizienzsteigerung. Im administrativen Bereich sind vernetzte Systeme zwischen Baustelle, Verwaltung, dem GU und/oder dem Kunden klar zukunftsweisend. Während eine professionelle Homepage, Tablets auf der Baustelle und die digitale Leistungserfassung schon fast zum Standard gehören, ist der Einsatz von BIM (Building Information Modelling) im Leistungserstellungsprozess ein weiterer Schritt in Richtung Digitalisierung. Mittels dieser Methode lassen sich Bauten jeglicher Art mit Hilfe einer Software planen und realisieren. Sämtliche Bauwerksdaten werden darin erfasst, modelliert und optimiert. Das Planen am Bau wird somit längerfristig obsolet.
Ob sich mittels neuer Technologien auch neue Vertriebskanäle erschliessen lassen, bleibe vorerst dahingestellt. Genauso ist es fraglich, ob die bereits existierende 3D-Drucktechnologie oder artverwandte Technologien sich auch im Bauwesen etablieren können.
Themen wie elektronische Bestellabwicklung und Online-Shops bewegen den Handel. Auch wenn das Online-Shopping in der Schweiz umsatzmässig gesehen immer noch einen sehr kleinen Teil ausmacht, gewinnt die Technologie zusehends an Bedeutung. Forscher gehen im Online-Handel ganz klar von einem weiteren Umsatzanstieg aus, während der stationäre Handel rückläufig sein dürfte. Mit dem Aufsetzen eines pfiffigen Online-Shops, tollem Bildmaterial und ausführlichen Produktbeschreibungen differenziert man sich aber kaum mehr von den Mitbewerbern. So lösen Videos nun die herkömmlichen Produkteerklärungen mittels statischem Text und Bildmaterial ab.
Weitere Entwicklungen gehen im Detailhandel in Richtung Einkaufen ohne Registrierkassen nach dem Vorbild von Amazon Go. Die Produkte in der Tasche werden automatisch registriert und abgerechnet. Unsere Self-Checkout-Möglichkeiten der Grossverteiler dürften aufgrund dessen nur eine Übergangslösung darstellen. Amazon-Prime geht noch einen Schritt weiter und beliefert Sie in ausgewählten Städten gratis per Same-Day-Delivery. Ein nächster Schritt dürfte in Richtung Ablösung der E-Shops im Internet durch Geräte wie Amazon Echo oder Google Home stattfinden.
Als oberstes Credo in der Dienstleistungsbranche stehen die langfristige Kundenbeziehung und deren Management im Raum. Nebst dem persönlichen Kontakt soll durch den Einsatz neuer Medien und Kommunikationsmittel die Kundenbindung weiter gestärkt werden. Eine besondere Herausforderung stellen das Vertrauen des Kunden und die Datensicherheit dar.
Gerade im Dienstleistungsbereich wird auch ein Thema wie künstliche Intelligenz zusehends relevanter. Bei der künstlichen Intelligenz geht es im Wesentlichen darum, menschenähnliche Intelligenz abzubilden. Ziel ist dabei, die Systeme soweit zu bringen, dass sie Probleme eigenständig lösen können und dabei noch dazulernen. Beispiele für künstliche Intelligenz treffen wir auch im Alltag an. So zum Beispiel beim Verfassen von Textnachrichten mittels Diktierfunktion im Handy oder das Simultanübersetzen von Sätzen aus der eigenen Sprache in eine Fremdsprache.
Früher verliessen sich Menschen weitestgehend auf Ihre Intuition oder versuchten, mit rationalen Überlegungen die bestmöglichen Lösungen herzuleiten. Heute kann ein Computer innert kürzester Zeit Millionen von Lösungsmöglichkeiten kalkulieren. Gleichzeitig berücksichtigt die künstliche Intelligenz auch Optionen, welche der Mensch von vornherein als irrelevant eingestuft hat. Mit diesem vielleicht auch mal etwas voreiligen Entscheid schliesst nämlich der Faktor Mensch auch Möglichkeiten aus, die sich bei näherer Betrachtung als durchaus prüfenswert herausgestellt hätten. Künstliche Intelligenz wird vielleicht das Bauchgefühl nicht ersetzen, jedoch bei der Erarbeitung guter Beratungs- und Dienstleistungslösungen zu einem zentralen Vorteil werden.
