Kompetenzorientiert systemisch beraten lernen - Marc Weinhardt - E-Book

Kompetenzorientiert systemisch beraten lernen E-Book

Marc Weinhardt

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Beschreibung

Wie werde ich eine kompetente, systemisch handelnde Fachkraft? Es gibt unendlich viele und im Detail unterschiedliche Lern- und Bildungswege. Trotzdem ist das Beratungslernen an Voraussetzungen, Gelingensfaktoren und bestimmte Entwicklungsgesetze gebunden. Über die gezielte Herstellung und den Einsatz solcher Voraussetzungen und Gelingensfaktoren – in der Sozialwissenschaft als Professionalisierung bezeichnet – berichtet Marc Weinhardt. Die Lesenden werden angeregt, ihren eigenen Lern- und Bildungsprozess in den Blick zu nehmen und das eigene Lernen zum Fall zu machen. Wie das geht, illustrieren drei Fallbeispiele. Sie zeigen typische Situationen, in die beratende Fachkräfte in ihrer Funktion als Lerner und Lernerinnen systemischer Beratung geraten können, und was ihnen dann hilft, an Souveränität zu gewinnen. Denn oftmals sind Klientinnen und Klienten eine viel größere Intervention für die Beratenden als umgekehrt.

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Seitenzahl: 76

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Leben.Lieben.ArbeitenSYSTEMISCH BERATEN

Herausgegeben von

Jochen Schweitzer und

Arist von Schlippe

Marc Weinhardt

Kompetenzorientiert systemisch beraten lernen

Gebrauchsanweisung für die eigene Professionalisierung

Vandenhoeck & Ruprecht

Mit 3 Abbildungen und einer Tabelle

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über dnb.d-nb.de abrufbar.

ISBN 978-3-647-90083-4

Weitere Ausgaben und Online-Angebote sind erhältlich unter:

www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com

Umschlagabbildung: Gts/shutterstock.com

© 2018, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG,

Theaterstraße 13, D-37073 Göttingen

www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlages.

Satz: SchwabScantechnik, GöttingenEPUB-Produktion: Lumina Datametics, Griesheim

Inhalt

Zu dieser Buchreihe

Vorwort von Jochen Schweitzer

IDer Kontext

1Einleitung

•Fallvignette 1: Lauras Fragenschwall

2Wissen, was wirkt

Verschiedene Schulen systemischer Beratung

Systemische Professionalisierung als Prozess der Ko-Konstruktion

Systemisches Wirkfaktorenmodell

Beratung als Ko-Produktion: Vertrauen, Verständnis, Expertise

Wirkfaktor Beziehung/Zugehörigkeit

Wirkfaktor positive Erwartungen

Wirkfaktor methodisches Handeln

Wirkfaktor reflexive Kontextualisierung

Lauras Reflexionen

IIDie systemische Beratung

3Wissen, wie systemische Fachlichkeit entsteht: Subjektorientierte Professionalisierung

•Fallvignette 2: Julians lose Fäden in der Mitte der Weiterbildung

Ein Modell subjektorientierter Professionalisierung

Individuelle Voraussetzungen

Strukturelle Einflüsse

Entwicklungserfordernisse und Lernaufgaben

4Gezielt und mit Begeisterung Wissen bilden: Deliberate Practice

Bestandteile von Deliberate Practice

•Fallvignette 3: Hat Franka schon alles erreicht?

Motivation und Übergänge zwischen Kompetenzniveaus

Phasen der Kompetenzentwicklung

Mastery-Learning bzw. Cognitive Apprenticeship

Selbstgesteuertes Lernen

Video zur Fremdbeobachtung

5Fazit

IIIAm Ende

6Literatur

7Der Autor

Zu dieser Buchreihe

Die Reihe »Leben. Lieben. Arbeiten: systemisch beraten« befasst sich mit Herausforderungen menschlicher Existenz und deren Bewältigung. In ihr geht es um Themen, an denen Menschen wachsen oder zerbrechen, zueinanderfinden oder sich entzweien und bei denen Menschen sich gegenseitig unterstützen oder einander das Leben schwer machen können. Manche dieser Herausforderungen (Leben.) haben mit unserer biologischen Existenz, unserem gelebten Leben zu tun, mit Geburt und Tod, Krankheit und Gesundheit, Schicksal und Lebensführung. Andere (Lieben.) haben mit unseren intimen Beziehungen zu tun, mit deren Anfang und deren Ende, mit Liebe und Hass, mit Fürsorge und Vernachlässigung, mit Bindung und Freiheit. Wiederum andere Herausforderungen (Arbeiten.) behandeln planvolle Tätigkeiten, zumeist in Organisationen, wo es um Erwerbsarbeit und ehrenamtliche Arbeit geht, um Struktur und Chaos, um Aufstieg und Abstieg, um Freud und Leid menschlicher Zusammenarbeit in ihren vielen Facetten.

Die Bände dieser Reihe beleuchten anschaulich und kompakt derartige ausgewählte Kontexte, in denen systemische Praxis hilfreich ist. Sie richten sich an Personen, die in ihrer Beratungstätigkeit mit jeweils spezifischen Herausforderungen konfrontiert sind, können aber auch für Betroffene hilfreich sein. Sie bieten Mittel zum Verständnis von Kontexten und geben Werkzeuge zu deren Bearbeitung an die Hand. Sie sind knapp, klar und gut verständlich geschrieben, allgemeine Überlegungen werden mit konkreten Fallbeispielen veranschaulicht und mögliche Wege »vom Problem zu Lösungen« werden skizziert. Auf unter 100 Buchseiten, mit etwas Glück an einem langen Abend oder einem kurzen Wochenende zu lesen, bieten sie zu dem jeweiligen lebensweltlichen Thema einen schnellen Überblick.

Die Buchreihe schließt an unsere Lehrbücher der systemischen Therapie und Beratung an. Unsere Bücher zum systemischen »Grundlagenwissen« (1996/2012) und zum »störungsspezifischen Wissen« (2006) fanden und finden weiterhin einen großen Leserkreis. Die aktuelle Reihe erkundet nun das »kontextspezifische Wissen« der systemischen Beratung. Es passt zu der unendlichen Vielfalt möglicher Kontexte, in denen sich »Leben. Lieben. Arbeiten« vollzieht, dass hier praxisbezogene kritische Analysen gesellschaftlicher Rahmenbedingungen ebenso willkommen sind wie Anregungen für individuelle und für kollektive Lösungswege. Um klinisch relevante Störungen, um systemische Theoriekonzepte und um spezifische beraterische Techniken geht es in diesen Bänden (nur) insoweit, als sie zum Verständnis und zur Bearbeitung der jeweiligen Herausforderungen bedeutsam sind.

Wir laden Sie als Leserin und Leser ein, uns bei diesen Exkursionen zu begleiten.

Jochen Schweitzer und Arist von Schlippe

Vorwort

Wie werde ich ein guter systemischer Berater oder Therapeut? Diese Frage habe ich mir in den Jahren ab 1979 selbst unzählige Male gestellt. Zum letzten Mal tat ich dies irgendwann im Jahr 1987, als ich mich dabei ertappte, dass ich in einer kniffligen Situation nicht mehr darüber nachdachte, was wohl Gunthard Weber oder Gianfranco Cecchin (meine damals wichtigsten Lehrmeister) zu dieser Situation sagen würden. Mein »Findungsprozess« als systemischer Therapeut mag demnach circa acht Jahre gedauert haben. Bis dahin hatte ich neben zwei Weiterbildungen und vielen Videos berühmter amerikanischer und italienischer Meister schon alles Mögliche erprobt. Ich war meiner damaligen Partnerin in eine Paartherapie gefolgt und hatte meine Herkunftsfamilie zu einem Familiengespräch überredet (Letzteres mit überraschend guten Ergebnissen). Ich hatte in Familiengesprächen mittels eines Merkzettels auf den Knien nachgeschaut, ob ich im Erstgespräch auch nichts Wichtiges vergessen hatte. Ich ging in Abschlusspausen vor Gesprächsende an mein Bücherregal und schaute in einem Heft der »Familiendynamik« nach, worauf bei anspruchsvollen paradoxen Interventionen zu achten ist. Ich hatte renommierten älteren Kollegen angeboten, ihnen in der Müdigkeitsphase spätnachmittäglicher Familiengespräche als hellwacher Co-Therapeut so lange die Gesprächsführung abzunehmen, bis ihre Lebensgeister wieder erwacht waren. Ich hatte meine Therapiesitzungen mit denen meiner Oberärztin synchronisiert und wir trafen uns je fünf Minuten vor den Abschlussinterventionen, um uns wechselseitig assoziative Stichworte für diese zu geben.

Warum erzähle ich das in einem Vorwort zu einem Buch über Kompetenzerwerb? Um aus meiner eigenen Anschauung zu illustrieren, dass therapeutisch-beraterischer Kompetenzerwerb nicht nur in Weiterbildungen und Lektüren, sondern zugleich auf vielen anderen, sehr informellen Wegen geschieht. Und dass der Weg bis zu einem stabilen persönlichen Kompetenzerleben Zeit braucht, meist über die Weiterbildung hinaus, und diese Zeit auch getrost haben darf. Und dass sich »Anfänger« möglichst rasch »ins kalte Wasser stürzen« sollten, aber idealerweise mit erfahreneren Schwimmbegleitern und genügend Rettungsringen.

Ich schätze das hier vorliegende Buch von Marc Weinhardt nicht allein deshalb, weil die ihm wichtigen Theoriebausteine – das »Systemische Wirkfaktorenmodell«, das »Modell subjektorientierter Professionalisierung« und die »Deliberate Practice« – meinen eigenen Lernerfahrungen so weitgehend passgenau entsprechen. Ich mag es auch nicht nur deshalb, weil wir darin mit »Laura, 23«, »Julian, 29« und »Franka, 33« an den Lernprozessen dreier sympathischer junger Menschen so anschaulich teilnehmen dürfen. Ich bin dem Autor auch dankbar, dass er aktuelle bildungswissenschaftliche Konzepte der Kompetenzentwicklung souverän nutzbar macht für eine zeitgemäße Didaktik systemischer Aus-, Weiter- und Fortbildung. »Nutzbar machen« meine ich dabei in einem doppelten Sinne. Zum einen als Begründung dafür, dass die meist sehr lebendige, erfahrungsorientierte, interaktive systemische Weiterbildungspraxis eine anspruchsvollere Professionalitätsentwicklung anbietet als viele instruktionsorientierte »Lernfabriken«. Zum anderen aber auch als kritisches Reflexionsangebot, ob und wie gut die Teilnehmerinnen und Teilnehmer systemischer Weiterbildungen tatsächlich »abgeholt« und in ihren lebensphasenspezifischen Lernbedürfnissen unterstützt werden.

Jochen Schweitzer

I

Der Kontext

1Einleitung

Liebe Leserinnen und Leser, dieses Buch enthält möglicherweise nicht das, was Sie aufgrund des Titels vermuten. Vielleicht sitzen Sie gerade in einer Buchhandlung, können vom Umtauschrecht beim Onlinekauf Gebrauch machen oder haben eine anderweitige Möglichkeit, das Buch wieder loszuwerden. Also, was wichtig ist, bevor Sie weiterlesen: Der vorliegende Text ist kein Lehrbuch im klassischen Sinne. Mit klassisch meine ich dabei ein Lehrbuch, in dem der Lernstoff – also das, was Sie sich aneignen wollen – systematisiert und dargestellt wird. Solche Lehrbücher liegen für systemische Beratung und Therapie in mehr als ausreichender Zahl und hoher Qualität vor (z. B. Levold u. Wirsching, 2014; von Schlippe u. Schweitzer, 2013; Schwing u. Fryszer, 2017).

Wenn der vorliegende Text also kein klassisches Lehrbuch ist, was ist er dann? Im Folgenden geht es darum, Ihnen die Wege darzustellen, wie Sie selbst eine kompetente, systemisch handelnde Fachkraft werden. Der etwas provokative Untertitel, Gebrauchsanweisung für die eigene Professionalisierung, klingt zunächst sehr vereinfachend – schließlich sind lernende Berater und Beraterinnen keine trivialen Systeme wie ein Fernsehgerät oder ein iPhone, sondern als lebende Systeme in ständiger Transformation: Wer lernt, bleibt natürlich weder in sich selbst gleich, verändert sich also über die Zeit, und ebenso unterscheiden sich Menschen in vielen Dingen sehr voneinander. Trotzdem ist der Begriff der Gebrauchsanweisung bei näherer Betrachtung treffend. Es gibt zwar unendlich viele, im Detail unterschiedliche Lern- und Bildungswege hin zur systemischen Fachkraft. Dennoch ist das Beratungslernen an Voraussetzungen, Gelingensfaktoren und bestimmte Entwicklungsgesetze gebunden. Wie sich solche Voraussetzungen und Gelingensfaktoren herstellen lassen, damit sich systemische Fachlichkeit entwickeln kann – davon handelt dieses Buch. Es geht also um einen Prozess, der in der Sozialwissenschaft als Professionalisierung bezeichnet wird und den man noch genauer als subjektorientierte Professionalisierung bezeichnen könnte, weil Fachkräfte selbst darin mehrfach mit den je ganzen eigenen Aspekten ihrer Person und Biografie vorkommen.