Krach mit dem Chef - Marie Francoise - E-Book

Krach mit dem Chef E-Book

Marie Francoise

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Beschreibung

Dr. Daniel ist eine echte Erfolgsserie. Sie vereint medizinisch hochaktuelle Fälle und menschliche Schicksale, die uns zutiefst bewegen – und einen Arzt, den man sich in seiner Güte und Herzlichkeit zum Freund wünscht. »Ich bin wirklich echauffiert!« ereiferte sich Gräfin Henriette von Gehrau. Ihr Mann, Graf Bernhard, verdrehte genervt die Augen. Er haßte es, wenn sich seine Frau so geziert gab. Leider tat sie das meistens, was die Geduld des Grafen oftmals über Gebühr strapazierte. Er war ein ruhiger, äußerst sympathischer Mann, der auf seinen gräflichen Stand nicht viel gab und auch mit der hochwohlgeborenen Gesellschaft herzlich wenig anzufangen wußte – ganz im Gegenteil zu seiner Frau, die sich nur in ihren Kreisen wohl fühlte und mit Nichtadeligen ausnahmslos wie mit Dienstboten verkehrte. »Worüber regst du dich denn schon wieder auf?« wollte Graf Bernhard in einem Ton wissen, der nur zu deutlich machte, daß er den Kummer seiner Frau alles andere als ernst nahm. Seine Gattin bedachte ihn mit einem vernichtenden Blick. Wie konnte Bernhard ihre Sorgen nur so leichthin abtun! »Deine Tochter!« sagte sie nur, wobei sie das erste Wörtchen ganz besonders betonte: »Deine Tochter«, wiederholte sie schärfer, »besitzt tatsächlich die Unverfrorenheit, sich zu deiner Geburtstagsfeier mit ihrem Verlobten anzukündigen.« Graf Bernhard strahlte. »Rainer wird mitkommen? Das ist schön!« Gräfin Henriette starrte ihn an, als hätte er prophezeit, daß in zwei Minuten die Welt untergehen würde. »Bernhard!« Ihr entsetzter Aufschrei ließ den Grafen mit betont harmlosem Gesicht aufsehen. »Ja, was ist?« Gräfin Henriette preßte die Fingerspitzen gegen ihre Schläfen. »Womit habe ich das nur verdient?« Graf Bernhard seufzte. »Ach komm, Henriette, du siehst das viel zu eng. Bei der morgigen Gesellschaft anläßlich meines Geburtstages – den ich eigentlich gar nicht feiern will. Immerhin werde ich wieder ein Jahr älter und das ist für

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Veröffentlichungsjahr: 2017

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Dr. Daniel – 115 –Krach mit dem Chef

Marie Francoise

»Ich bin wirklich echauffiert!« ereiferte sich Gräfin Henriette von Gehrau.

Ihr Mann, Graf Bernhard, verdrehte genervt die Augen. Er haßte es, wenn sich seine Frau so geziert gab. Leider tat sie das meistens, was die Geduld des Grafen oftmals über Gebühr strapazierte.

Er war ein ruhiger, äußerst sympathischer Mann, der auf seinen gräflichen Stand nicht viel gab und auch mit der hochwohlgeborenen Gesellschaft herzlich wenig anzufangen wußte – ganz im Gegenteil zu seiner Frau, die sich nur in ihren Kreisen wohl fühlte und mit Nichtadeligen ausnahmslos wie mit Dienstboten verkehrte.

»Worüber regst du dich denn schon wieder auf?« wollte Graf Bernhard in einem Ton wissen, der nur zu deutlich machte, daß er den Kummer seiner Frau alles andere als ernst nahm.

Seine Gattin bedachte ihn mit einem vernichtenden Blick. Wie konnte Bernhard ihre Sorgen nur so leichthin abtun!

»Deine Tochter!« sagte sie nur, wobei sie das erste Wörtchen ganz besonders betonte: »Deine Tochter«, wiederholte sie schärfer, »besitzt tatsächlich die Unverfrorenheit, sich zu deiner Geburtstagsfeier mit ihrem Verlobten anzukündigen.«

Graf Bernhard strahlte. »Rainer wird mitkommen? Das ist schön!«

Gräfin Henriette starrte ihn an, als hätte er prophezeit, daß in zwei Minuten die Welt untergehen würde.

»Bernhard!«

Ihr entsetzter Aufschrei ließ den Grafen mit betont harmlosem Gesicht aufsehen.

»Ja, was ist?«

Gräfin Henriette preßte die Fingerspitzen gegen ihre Schläfen. »Womit habe ich das nur verdient?«

Graf Bernhard seufzte. »Ach komm, Henriette, du siehst das viel zu eng. Bei der morgigen Gesellschaft anläßlich meines Geburtstages – den ich eigentlich gar nicht feiern will. Immerhin werde ich wieder ein Jahr älter und das ist für mich nicht unbedingt Anlaß zum Fröhlichsein.« Damit scherzte er nur, aber das begriff seine Frau nicht. Graf Bernhard hatte nicht die geringsten Probleme mit seinem Alter. Er genoß sein Leben – nicht aber Gesellschaften dieser Art, die ihm von seiner Frau immer buchstäblich aufs Auge gedrückt wurden.

»Für mich sind Geburtstagsfeiern auch kein Grund zum Fröhlichsein«, belehrte die Gräfin ihn mit wichtiger Miene. »Aber man muß eben wissen, was man der Gesellschaft schuldig ist.«

»Denen bin ich gar nichts schuldig«, grummelte Graf Bernhard. »Ganz im Gegenteil.« Er runzelte die Stirn. »Soweit ich mich erinnere, hat Baron Herdenfels die beiden Zuchthengste immer noch nicht bezahlt!«

»Bernhard!« echauffierte sich Gräfin Henriette erneut. »Das wirst du ihm hoffentlich nicht sagen!«

»Mal sehen«, meinte der Graf, weil er wußte, daß er seine Frau mit so harmlosen Scherzen ärgern konnte, und das bereitete ihm lausbübische Freude.

»Wir haben wirklich andere Probleme«, hielt Gräfin Henriette ihm vor. »Schlimm genug, daß Sarina als Sprechstundenhilfe bei einem Frauenarzt arbeitet, obwohl sie Komtesse ist – nun will sie auch noch diesen hergelaufenen Assistenzarzt mitbringen.«

»Rainer ist kein Assistenzarzt mehr«, korrigierte Graf Bernhard sie sofort. »Er macht seinen Facharzt in Chirurgie und ist…«

Die Gräfin verzog angewidert das Gesicht. »Um so schlimmer. Ich soll einen Mann als meinen zukünftigen Schwiegersohn vorstellen, der in den Innereien anderer Menschen herumwühlt.«

Sie schüttelte sich. »Wenn er wenigstens Schönheitschirurg wäre. Oder immerhin Professor.«

Graf Bernhard schmunzelte amüsiert. »Du würdest dich schwertun, einen dreißigjährigen Professor zu finden. Die sind meistens in der Altersklasse über fünfzig angesiedelt und so einen würde ich mir nicht gerade als Schwiegersohn wünschen. Alt bin ich nämlich selber schon.«

Wieder schoß Gräfin Henriette einen ungnädigen Blick auf ihren Mann ab.

»Ich weiß, daß du leider ein Faible für das Bürgerliche hast, und Sarina kommt unglücklicherweise ganz nach dir.«

»Was man von meinem Sohn nicht behaupten kann«, fügte Graf Bernhard bekümmert hinzu. »Manchmal frage ich mich, ob Harro wirklich von mir ist.«

»Du bist unmöglich!« hielt die Gräfin ihm vor. »Harro sieht dir ähnlich.«

»Mein Bruder sieht mir auch ähnlich«, entgegnete Graf Bernhard.

Nun war die Gräfin aber wirklich schockiert. »Bernhard! Du denkst doch wohl nicht, daß ich mit Gero…« Fassungslos schüttelte sie den Kopf. »Das kann nicht dein Ernst sein.«

»Nein, Henriette, natürlich nicht«, seufzte der Graf, dann sah er seine Frau an. »Aber manchmal hast du schon bereut, daß du damals mich genommen hast und nicht ihn, oder?«

Gräfin Henriette errötete tief. Dieser Gedanke hatte sie tatsächlich gestreift… nun ja, eigentlich sogar mehr als nur gestreift. Graf Gero war sich seines gesellschaftlichen Standes nämlich weit mehr bewußt als Bernhard. Allerdings war er auch die Anständigkeit in Person. Niemals hätte er mit seiner Schwägerin eine Affäre begonnen, während Henriette an diesem Gedanken schon eher hätte Gefallen finden können. Das hätte sie natürlich niemals zugegeben.

Graf Bernhard stand auf. »Ich muß nach den Pferden sehen.«

Spontan erhob sich die Gräfin ebenfalls und griff nach dem Arm ihres Mannes. Er drehte sich halb um und erkannte in ihren Augen sekundenlang das Mädchen, in das er sich einst verliebt hatte.

»Bernhard, ich habe dich damals geheiratet, weil ich dich liebte und… wirklich bereut habe ich es nie«, gestand sie leise. »Es gab Augenblicke, ja, aber…« Sie seufzte. »Wenn du nur

ein bißchen standesbewußter wärst.«

Graf Bernhard berührte ihr Gesicht und lächelte. »Das ist mir nun mal nicht gegeben, aber das wußtest du von Anfang an. Irgendwo sind für mich einfach alle Menschen gleich – ob sie nun Grafen, Herzöge oder Hilfsarbeiter sind, und wenn mir jemand sympathisch ist, dann frage ich eben nicht nach dem gesellschaftlichen Stand.« Er schwieg kurz. »Soll ich ehrlich sein?« Die Frage war rein rhetorisch, denn er war grundsätzlich ehrlich. »Ich bin froh, daß Sarina so denkt wie ich. Rainer ist ein anständiger Junge … ein weit wertvollerer Mensch also so mancher Adlige, den du als Ehemann für Sarina ins Auge gefaßt hattest, und ich hoffe, daß Rainer bald mein Schwiegersohn wird.«

*

»Ich sehe aus wie ein Clown«, urteilte Dr. Rainer Köhler mit einem Blick in den Spiegel, dann wandte er sich beinahe angewidert ab und drehte sich zu seiner bezaubernden Verlobten um, die in dem königsblauen Cocktailkleid einfach umwerfend aussah.

»Unsinn, Rainer«, entgegnete Sarina von Gehrau entschieden. »Der Anzug steht dir ausgezeichnet.« Sie küßte ihn. »Du siehst aus wie ein Fürst – mindestens.«

Rainer schmunzelte. »Worauf du natürlich entscheidenden Wert legst.«

Sarina lachte und spielte sofort mit. »Wie gut du mich doch kennst!« Dann wurde sie ernster und seufzte. »Meine Güte, wenn diese Geburtstagsfeier bloß schon vorbei wäre. Ich freue mich zwar, Papa endlich wiederzusehen, aber all die hochgestochenen Gäste, die Mama sicher wieder eingeladen hat…« Sie schüttelte sich wie ein nasser Hund.

Rainer riskierte einen vorsichtigen Blick in den Spiegel, aber an seiner Meinung über sich und sein Aussehen änderte sich dadurch nichts. Er fühlte sich in Anzug und gestärktem Hemd unwohl, die Krawatte schnürte ihm förmlich die Luft ab und er fand, daß er weder in diese Kleidung, noch in das vornehme Gut Gehrau paßte. Jeder würde von weitem erkennen, daß er nicht dazugehörte.

»Ich höre sie schon wieder reden«, knurrte er, dann äffte er die Herzogin nach, die er beim letzten Empfang auf Gut Gehrau kennengelernt, deren Namen er aber schon wieder vergessen hatte: »Ach, liebe Gräfin, das ist also Sarinas Verlobter? Was? Nur ein Doktor? Sonst nichts?«

Sarina lachte herzhaft, dann schlang sie ihre Arme um seinen Nacken und küßte ihn. »Ich liebe diesen Doktor, weißt du das?«

»Ich liebe dich auch«, gestand Rainer leise. Sein Kuß wurde leidenschaftlicher, aber die störende Krawatte ließ ihm nicht genügend Luft dafür. Mit einem ärgerlichen Laut schob er zwei Finger zwischen Hemdkragen und Hals. »Dieses Ding bringt mich heute noch um!«

Entschlossen griff Sarina an den Kragen, öffnete den obersten Knopf und lockerte die Krawatte ein wenig.

»Besser so?« fragte sie.

Er nickte. »Fragt sich nur, ob ich mich so unkorrekt gekleidet deiner standesbewußten Mutter zeigen kann.«

Grinsend winkte Sarina ab. »Sie wird überhaupt nichts bemerken.«

Darin täuschte sie sich allerdings. Bereits bei der Begrüßung neigte sich Henriette von Gehrau ihrer Tochter zu – offiziell, um sie zur Begrüßung auf die Wange zu küssen, in Wirklichkeit aber raunte sie ihr zu: »Kann sich dein Verlobter nicht ein einziges Mal korrekt kleiden? Mit offenem Hemd und lockerer Krawatte…« Damit löste sie sich von ihrer Tochter und bedachte erst sie, dann Rainer mit einem ungnädigen Blick.

»Ich bin durchgefallen«, flüsterte Rainer seiner Verlobten zu, als sie sich von der Gräfin entfernten. »Wieder einmal.«

Gelassen zuckte Sarina die Schultern. »Wen soll es kümmern, wenn du bei meiner Mutter durchfällst? Mich ganz bestimmt nicht.«

Liebevoll sah Rainer sie an. »Heißt das, du wirst diesen unmöglichen Menschen trotz allem heiraten?«

Zärtlich drückte Sarina seine Hand. »Selbstverständlich.«

Mit einem Ruck wandte sich Rainer ihr zu. »Wann?«

»Heute?« gab Sarina lächelnd zurück.

Rainer grinste. »So schnell wird sich das behördlicherseits nicht machen lassen, aber wenn wir am Montag das Aufgebot bestellen…«

»Na, ihr zwei Turteltauben«, wurde Rainer unterbrochen.

Das junge Paar drehte sich um, dann ging in Sarinas Gesicht die Sonne auf.

»Papa!« Spontan fiel sie ihm um den Hals. »Alles Gute zum Geburtstag.« Sie drückte ihm ein liebevoll verpacktes Geschenk in die Hand, dann strahlte sie ihn an. »Unser Hauptgeschenk hat sich gerade erst ergeben. Wir werden in vier Wochen heiraten.«

Graf Bernhard freute sich aufrichtig. »Wirklich?«

Sarina nickte. »Rainer und ich haben das soeben beschlossen. Allerdings…« Sie warf einen Blick in die Runde. »So etwas wird es bei unserer Hochzeit nicht geben. Wir werden nur mit den Menschen feiern, die uns am Herzen liegen.«

»Deine Mutter und deinen Bruder müßt ihr aber trotzdem einladen«, entgegnete Graf Bernhard schmunzelnd.

Sarina stieß ihn liebevoll an. »Du bist wirklich ein Schelm, Papa.«

Väterlich legte er einen Arm um Sarinas, den anderen um Rainers Schultern und steuerte mit ihnen die Bibliothek an. Hier versammelten sich grundsätzlich all jene, denen an der hohen Gesellschaft auch nicht so viel gelegen war.

»Henriette hat mir übrigens schon erzählt, wie unmöglich mein künftiger Schwiegersohn wieder gekleidet ist«, erzählte er nebenbei und mit einem amüsierten Schmunzeln. »Dieser Mann hat einfach kein Format und… na, ihr kennt die Leier ja.«

Rainer seufzte. »Ich fürchte, sie wird mich nie als Familienmitglied akzeptieren.«

Graf Bernhard wurde ernst. »Sarina liebt dich, das ist das einzige, was zählt.« Er lächelte wieder. »Im übrigen freue ich mich, wenn es in unserer Familie endlich einen Mann gibt, mit dem man sich richtig unterhalten kann.« Nach ein paar Minuten des Schweigens fuhr er fort: »Weißt du, Rainer, meine Frau war nicht immer so. Es gab eine Zeit, da war sie ein liebes, schüchternes Mädchen.«

»Kaum vorstellbar«, urteilte Sarina trocken.

»Aber wahr«, ergänzte Graf Bernhard. »Vermutlich habe ich sie damals einfach zu sehr verwöhnt.«

Inzwischen hatten sie die Bibliothek erreicht und traten ein.

»Hier herrscht ja schon reges Leben«, stellte Sarina amüsiert fest, als sie unter den Anwesenden Fürst Guido von Lichtenfels mit Ehefrau Sandra und Prinz Klaus von Hohenstein mit seiner Frau Juliane entdeckte.

»Ich ertrage solche Aufläufe immer nur über eine gewisse Zeitspanne«, meinte Fürst Guido mit einem Kopfnicken in Richtung Saal.

»Über keine sehr lange Zeitspanne«, korrigierte Fürstin Sandra ihn liebevoll.

»Stellt euch vor«, tönte Graf Bernhard nun, weil er das Geheimnis nicht länger für sich behalten konnte. »Sarina und Rainer werden in vier Wochen heiraten.«

Freude und Gratulationen waren echt, das spürte Sarina, und die, die jetzt hier waren, würden auch zu ihrer Hochzeit eingeladen werden.

»Hast du keine Angst vor der Schwiegermutter, die du bekommen wirst?« wollte Prinz Klaus von Rainer wissen.

Dieser zuckte die Schultern. »Irgendwann wird sie sich schon an mich gewöhnen.« Er schmunzelte. »Spätestens dann, wenn ich einmal Professor bin.«

Der Prinz lachte und klopfte Rainer gutmütig auf die Schulter. »Du bist richtig, Junge.« Dann zog er ein wenig an der Krawatte. »Na, los, Rainer, erlöse dich endlich von diesem Strick.«

Das ließ sich der junge Arzt nicht zweimal sagen. Sowohl Fürst Guido als auch Prinz Klaus hatten ihre Krawatten längst abgelegt und Rainer tat es ihnen nun gleich, dann gesellte er sich zu den Männern, die in dichtem Kreis um Graf Bernhard herumstanden. Das Geheimnis dieses Auflaufs war rasch ergründet. Der Graf hatte seinen besten Kognak aus dem Versteck geholt.

»Nun komm, Schwiegersohn«, meinte er und zog Rainer väterlich an sich. »Einen so edlen Tropfen hast du noch niemals getrunken, das verspreche ich

dir.«

Rainer hielt nicht viel von Kognak, und auch dieser hier schmeckte ihm nicht besonders, aber er wollte Graf Bernhard nicht kränken und leerte tapfer den überdimensionalen Schwenker, den der Graf ihm in die Hand gedrückt hatte. Bevor er aber noch einmal nachschenken konnte, wurde Rainer von Sarina glücklicherweise erlöst.

»Das war in letzter Sekunde«, urteilte Rainer und sah zu, daß er den Kognakschwenker so schnell aber auch so unauffällig wie möglich loswurde. »Vermutlich bin ich ein Banause, aber Kognak…« Er schüttelte sich.

»Kann ich verstehen«, stimmte Sarina lächelnd zu. »Ich finde Kognak auch schrecklich.« Sie wies auf die Gruppe um ihren Vater. »Aber wie du siehst, gibt es durchaus einige, die Papas edlen Tropfen zu schätzen wissen.«

Zärtlich nahm Rainer seine Verlobte in die Arme und küßte sie. Minutenlang vergaßen sie alles um sich her. Erst eine sanfte Berührung an der Schulter riß sie beide in die Wirklichkeit zurück.

»Tut mir leid, wenn ich euch störe, aber es gibt da noch etwas zu besprechen«, meinte Graf Bernhard mit ungewöhnlichem Ernst. Mit einer einladenden Handbewegung dirigierte er Sarina und Rainer nach draußen und in sein Arbeitszimmer. Dort bot er ihnen Platz an.