Kraft der Berührung - Brunhilde Schierl - E-Book

Kraft der Berührung E-Book

Brunhilde Schierl

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Beschreibung

Aus den Höhen und Tiefen meines Lebens entwickelte sich ein heilsamer Weg für ein erfülltes Sein. Außergewöhnliche Begegnungen und Erfahrungen mit der heilenden Kraft der Berührung führten dazu meine verlorene Identität wieder zu finden. Meine Erfahrungen schildern die Alltagsrealität vieler Menschen. Sie zeigen die Größe unseres Menschseins, aber auch unsere seelische Not, unsere Verlassenheit und unser Elend. Doch über allem wird sichtbar, dass Liebe die stärkste Kraft ist. Wenn wir Menschen uns füreinander öffnen, durch uns selbst die göttliche Liebe sichtbar machen und uns gegenseitig berühren, dann können Wunder geschehen.

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Seitenzahl: 195

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Dieses Buch widme ich in Dankbarkeit

Gabriele Trevisiol

Sie hat mich zur Veröffentlichung meiner Texte ermutigt und mir dabei wertvolle Impulse gegeben.

Inhalt

Vorwort

Würde

Ein Lebenstraum endet

Entwurzelung

Mein Traum

Mensch und Technik

Bilanz einer Frau mit Vierzig

Zerreißprobe

Neubeginn

Bist du der, den ich suche?

Gib keinem Menschen Macht

Mit dem Herzen sehen

Mutter und Kind

Gebet

Betrachtung der Liebe

Der Geldmensch

Menschlichkeitsklausel

Mit dem Herzen sehen

Begegnung

Deine Hände

Schicksal

Die Stimme

Neues Leben

Gottesbild

Für Michael

Bruchstückhaft

Sehend geworden

Türkische Gastfreundschaft

Söhne und Töchter Gottes

Glück

Geschenk Gottes

Gottes Liebe

Obdachlos

Geschwister

Gebt dem Gesetz ein Herz

Die Liebe steht über dem Gesetz!

Kraft des Geistes

Berührung

Heilende Hände

Selbstfindung

Wenn es gelingt, sein Herz zu berühren ...

Waisenkind

Versöhnung

Drei Schalen

Manchmal begegnen mir Engel

Gesicht ohne Namen

Verlassenheit

Dem Leben nicht ausweichen

Geschenke des Himmels

Netz Gottes

Botschaft Jesu

Selbstfindung

Wozu bin ich da

Glückserfahrung

Aufbruch

Die Macht der Liebe

Lebenskraft

Wer bin ich?

Das Lieben lernen

Ursprung

Ein freier Mensch

Weiblichkeit

Die Normen

Freiheit und Würde

Glückskind

Gottessucherin

Höchstes Lebensziel

Wüstenzeiten und Durststrecken

Herausforderung

Ich darf zulassen

Die schwerste Sünde

Leben

Menschen des Lichts

Sozialer Tod

Der Segen des Bittens

Zwei Arten von Einsamkeit

Der richtige Platz

Unberührbar

Gottlos

Sinnlose Freiheit

Trümmerhaufen

Kündigung

Gesegnete Jahre

Eigenwert

Geliebte kleine Sternschnuppe

Gott wo bist du?

Für Doro

Schuld

Alles Schöne ist einfach

Zwischen-Bilanz

Mosesberg

Liebe ist für mich der höchste Wert des Lebens

Du

Froschprinzessin

Für Sabine und Uli

Dem Herzen schenken

Ich möchte dich so gerne ...

Gott ist Liebe

Vom Schenken

Wege zum Glück

Zu einem Bollwerk verbinden

Der Segen einer alten Frau

Aufgabe

Verlust der Würde

Boncuk ein Himmelsbote

Boncuk, der stolze Kater

Zwei Konten

Die Unschuld der Kinder

Ein kleiner Mensch

Kunstwerke

Botschaften aus unseren Träumen

Loslassen

Ich nehme dich mit auf meinen Weg

Verlust der Mutter

Zu sich stehen

Herbst

Ich lasse los

Mein Kind

Ich möchte einen Mitmenschen

Werden wie Kinder

Verloren

Selbstliebe

Berührung heilt

Du bist ein Glückskind

Gebrochenes Herz

Für Petra

Absurdes Theater

Die Schönheit einer reinen Seele

Die Sprache des Herzens

Berühre mich

Herzensmenschen

Ursachen der Gewalt

Eine Begegnung

Seelenverwandt

Vorwort

Mit diesen Momentaufnahmen aus drei Jahrzehnten meines Tagebuchs blicke ich zurück auf mein Leben voller Brüche, durchzogen von Angst und Scham, Schuldgefühlen und Selbstentwertung.

Aus den Höhen und Tiefen entwickelte sich ein heilsamer Weg für ein erfülltes Sein.

In diesem Leben wurde mir ein Blick ins Paradies geschenkt, aber ebenso musste ich in den Abgrund der Hölle sehen. Beides kann manchmal sehr nah beieinander liegen.

Meine Hölle möchte ich nicht noch einmal erleben, aber ich möchte sie auch nicht missen. Denn ohne sie hätte ich meine heutige Bewusstheit nicht erlangt, wäre nicht die geworden, die ich jetzt bin. Deshalb gibt es kein Bedauern, keinen Groll für alle Schmerzen, für all das Leid, das mich sehend und verstehend werden ließ.

Mein bisheriges Leben verlief herausfordernd und abenteuerlich. Gleichzeitig schien es unter dem Schutz einer höheren Macht zu stehen und ich möchte es gegen kein anderes eintauschen.

Die Texte schildern außergewöhnliche Begegnungen und Erfahrungen mit der heilsamen Kraft der Berührung, so dass ich meine verlorene Identität wieder finden konnte.

Es sind Betrachtungen die nicht verurteilen, sondern über das Verstehen heilsam sein möchten.

Meine Erfahrungen schildern die Alltagsrealität vieler Menschen. Sie zeigen die Größe unseres Menschseins, aber auch unsere seelische Not, unsere Verlassenheit und unser Elend. Doch über allem wird sichtbar, dass Liebe die stärkste Kraft ist.

Wenn wir Menschen uns füreinander öffnen, durch uns selbst die göttliche Liebe sichtbar machen und uns gegenseitig berühren, dann können Wunder geschehen.

November 2021

Würde

Unser Menschsein

beginnt mit der Würde.

Sie ist das oberste Prinzip.

Wer sie missachtet,

raubt uns den

höchsten menschlichen Wert.

Wer immer diese Würde

für einen angeblich

höheren Wert

außer Kraft setzt,

bewegt sich außerhalb der

grundlegenden Wahrheit

des Lebens.

Einzig die Würde

gibt uns

das Fundament für

ein wahrhaftes Leben

in Freiheit und Selbstbestimmung.

Nach der Botschaft Jesu

macht uns die

Wahrheit frei.

Sie ist zu finden

im eigenen Denken,

jenseits des

blinden Gehorsams.

EIN LEBENSTRAUM ENDET

Das Scheitern unserer Ehe hat mich tief erschüttert. Wir waren einst eine Familie. Dann kam die Trennung und das Chaos fegte wie ein Tsunami durch unser aller Leben und durch unsere Herzen. Dabei blieb niemand unverletzt.

Das Schmerzlichste war und ist für mich, dass ich meine Töchter nicht beschützen konnte. Es ist mir nicht gelungen, sie vor den fatalen Auswirkungen zu bewahren und unsere einst gute Mutter-Kind-Beziehung zu erhalten. Nun bleibt mir nur, alles in Gottes Hände zu legen.

Entwurzelung

Herr, du hast mich

als zartes, kleines Pflänzchen geschaffen

und ins lockere Erdreich gestellt.

Dann kam ein Sturm und rüttelte

so fest an mir,

dass ich hinweggefegt wurde

und schließlich entwurzelt liegen blieb.

Neben mir steht eine Distel,

die den Sturm unbeschadet überstanden hat.

Nur ich liege dahinwelkend

in der sengenden Sonne.

Ich weiß aus Erfahrung,

dass ich das nicht überleben kann.

Aber ich weiß auch,

dass ich in mir den Samen trage,

damit wieder ein zartes Pflänzchen

zu neuem Leben erwachen kann.

Doch dieses neue Pflänzchen

wird ebenfalls keinem Sturm gewachsen sein.

Deshalb schreie ich verzweifelt zum Himmel:

Warum hast du aus mir keine Distel gemacht,

damit ich der Zerstörung entgehen kann?

Aber der Himmel bleibt stumm

und meine Schreie hallen

als Echo zurück.

Und unbarmherzig brennt die Sonne herab.

So flehe ich mit letzter Kraft den Sturm an,

er möge mit dem nächsten Pflänzchen,

das wachsen wird, behutsamer umgehen.

Gleichzeitig weiß ich, der Sturm

wird meine Bitte nicht erfüllen.

Er muss Sturm sein und er muss zerstören.

Er kann nicht anders.

So frage ich Gott noch einmal:

Warum hast du mir nicht auch Wurzeln

wie der Distel gegeben?

Warum kann ich dem Sturm nicht standhalten?

Willst du mein Verderben?

Hast du mich dazu bestimmt,

diese Entwurzelung zu erfahren

und unter der Sonnenglut zu leiden?

Oder ist das gar nicht mein Verderben?

Vielleicht muss ich vergehen,

damit etwas Neues, Größeres wachsen kann?

Etwas, was meine Augen nicht sehen können,

was mein Verstand nicht begreifen kann?

Aber warum lässt du mich nach dir schreien

und gibst mir nicht einmal ein Zeichen,

dass du da bist?

Warum lässt du mich allein in meinem Elend?

Habe ich vielleicht zu laut geschrien?

Vielleicht haben meine Schreie

deine Antwort übertönt.

So will ich schweigen und warten

bis ich deine Stimme hören kann.

Es ist dein Geheimnis, was du mit mir vorhast.

Du hast die göttliche Macht,

um zu bestimmen,

ob und wann ich Anteil an diesem Geheimnis haben werde.

Gott, lass mich erkennen,

ob ich etwas falsch mache

oder ob dieses Geschehen für mich richtig ist.

Dann will ich es annehmen.

15. Januar 1990

Gott, ich habe erkannt,

du hast dich nicht von mir abgewendet.

Ich weiß, ich kann dir jetzt

nur durch Menschen begegnen.

Nur durch Menschen kann ich spüren,

dass du da bist.

Führe mich zu den Menschen,

die ich im Augenblick benötige,

um mich wieder in deiner Nähe zu wissen.

19. Januar 1990

Nachtrag:

Heute bin ich weder das zarte Pflänzchen, das der letzte Orkan vollkommen vernichtet hat,

noch bin ich eine Distel geworden. Etwas völlig Neues hat sich entwickelt ...

Mein Traum

Ich hatte einen Traum,

den Traum von einer gemeinsamen Zukunft,

den Traum von einer Gemeinsamkeit,

in der es Liebe und Freiheit gibt.

Der Traum war kurz und schön

und ich möchte ihn nicht missen.

Nur das Erwachen war schrecklich!

Die Erkenntnis, dass alles nur Traum war

und keine Wirklichkeit sein kann,

zerreißt mir fast das Herz.

Aus der inneren Leere spüre ich nun deutlich,

dass ich ohne Träume nicht leben kann.

Deshalb horche ich in mich hinein.

Schließlich entsteht ein neuer Traum.

Es ist eher eine Vision,

mit dem Bewusstsein,

dass sie etwas zum Vorschein bringt,

was längst tief in mir geschlummert hat.

Es ist der Traum, frei zu sein,

Luft zum Atmen zu haben,

meine Persönlichkeit,

die ich nicht grundlegend

verändern kann und will,

zu leben und zu ihrer Entfaltung zu bringen,

auch dann, wenn sie von der Norm abweicht.

Ich möchte meine Individualität

nicht mehr verteidigen und rechtfertigen müssen,

sondern frei sein von unnötigen Zwängen.

Meine Solidarität

mit den Armen und Hungernden dieser Welt

will ich wenigstens

durch einen einfachen Lebensstil umsetzen.

Ich träume davon,

mein Leben auf Gott auszurichten,

nach ihm in der Stille und Einfachheit zu suchen.

Denn es gelingt mir nicht,

ihn in unserem hektischen

und überflussorientierten Leben zu finden.

Da ich nicht allein lebe,

und auch meinen Kindern noch gerecht werden will,

muss ich Kompromisse eingehen.

Trotzdem möchte ich für mich selbst

zu einer ursprünglichen,

natürlichen Lebensform finden,

in der ich meine Zeit als bewusste Gegenwart,

erfahren kann

und mit anderen Menschen teilen lerne.

Ich möchte nicht mehr der Vergangenheit nachhängen

oder die Gegenwart verpassen,

weil ich für die Zukunft plane.

Der Weg dorthin führt für mich weg vom Konsum,

weg vom Überfluss und weg von

unnötiger Technik,

soweit das im Zusammenleben

mit anderen möglich ist.

30. April 1990

Mensch und Technik

Wenn ich beobachte,

wie unsere Gesellschaft heute lebt,

dann meine ich,

unser Geist ist weitgehend verseucht

von einem Machbarkeitswahn,

dem der Mensch mit seinen

technischen Möglichkeiten erliegt.

Keine Umweltzerstörung ist zu schlimm,

als dass wir sie nicht

für Fortschritt und Wachstum

hinnehmen würden.

Wir wollen die Gesetzmäßigkeit der Natur überwinden,

indem wir auch den Tod aufhalten wollen.

Wissenschaft und Forschung,

alles kreist letztlich um dieses Ziel.

Wir wollen wenigstens

über den Zeitpunkt des Todes mitbestimmen.

Ich glaube: Hier wurzelt

die grundlegende Fehleinstellung des Menschen

zu allem Natürlichen und zur Natur.

Diese Haltung hat in allen Bereichen

verheerende und zersetzende Auswirkungen.

Die technisierte Medizin leistet nach meiner Wahrnehmung

zu dieser gravierenden Fehleinstellung großen Beitrag.

Je mehr die Medizin technisiert wird,

je größer ihre Erfolge sind,

dem Tod noch einmal Aufschub abzuringen,

desto mehr festigt sich die falsche Haltung

zu Leben und Tod,

zu allem Natürlichen überhaupt.

Im Grunde dient dies alles

nur einer Verdrängung unseres Todes.

Vielleicht brauchen wir deshalb so viel Überfluss,

so viel Ersatzbefriedigung,

so viel Aktion und Flucht,

um die Tatsache des Todes

bis zum letzten Augenblick verdrängen zu können.

Wir wollen einfach nicht wahrnehmen und hinnehmen,

dass wir sterblich und endlich sind.

Die Wissenschaft forscht weiter,

um den Menschen noch mehr

mit seelenloser Technik zu verbinden.

Angeblich zu unserem Wohl.

Mit dem Hinweis,

durch Wissenschaft, Forschung und Technik

würde so manche Krankheit überwunden und

auch unser Leben verlängert,

entsteht die Bereitschaft der Massen,

die übersteigerte Ausweitung

einer technisierten Welt mitzutragen.

Wer achtet schon auf den Verlust von Lebensqualität,

welche erst durch diese Entwicklung hervorgebracht wurde?

Wer sieht, welchen Preis wir für derartige Errungenschaften

schon jetzt und erst recht in Zukunft bezahlen müssen?

Wer sieht, wie viele Krankheiten

erst durch diese Entwicklung hervorgebracht wurden?

Unsere Umwelt ist so bedroht und wird durch

das Goldene Kalb des Wirtschaftswachstums

bald zerstört sein.

Lohnt sich der Aufschub des Todes überhaupt noch,

um in einer Welt zu existieren,

in der es immer weniger Lebensqualität gibt?

Wir haben die Nähe zur Natur

und zu allem Natürlichen verloren.

Wir sind nicht fähig,

die bereits vorhandene Technik zu beherrschen.

Längst beherrscht die Technik uns

und entmenschlicht

uns immer mehr.

Mir kommt der ganze Fortschritt vor,

als würde sich hier

ein Spiel- und Experimentiertrieb

und so manch anderer Trieb

ins Unermessliche steigern.

Gegenwärtig findet etwas statt,

was weder vernünftig noch sinnvoll

und lebensbejahend ist,

sondern rein triebhaft.

Wissenschaft, Forschung und Medizin

haben ihre Glaubwürdigkeit

für mich längst verloren.

Mit der Behauptung

es diene dem Wohle von uns Menschen,

werden kranke Machenschaften

vor uns verschleiert.

Wahre Ethik und Humanität

kann ich in dieser Entwicklung

nicht mehr erkennen.

Die Angst vor dem Tode

ist das absolute Mittel

zur Manipulierbarkeit der Menschen.

„Wer sein Leben retten will, wird es verlieren“,

waren die Worte Jesu.

Er wollte uns

die übersteigerte Angst vor dem Tod nehmen.

Er wollte uns zum Loslassen bewegen,

denn nur, wenn wir nicht

krampfhaft am Leben festhalten,

sondern die Tatsache der Sterblichkeit akzeptieren,

sind wir überhaupt richtig lebensfähig.

Erst dann sind wir befreite Menschen,

die nicht mehr manipulierbar sind.

25. September 1990

Bilanz einer Frau mit Vierzig

Wer oder was bin ich?

Eine Frau, die das Leben liebt,

eine Frau, die das Lachen liebt

und es dennoch fast verlernt hat.

Meine Träume und Sehnsüchte blieben unerfüllt,

meine Ehe betrachte ich als gescheitert.

Es ist nichts übrig, als das Gefühl,

eine gedemütigte Frau zu sein.

Mir ist nicht gelungen,

den Kindern ein Nest mit

Wärme und Geborgenheit zu erhalten.

Ich habe versagt, obwohl ich das Beste wollte.

Ich kann ihnen nicht mehr als Vorbild dienen.

Beruflich bin ich nur noch schwer einsetzbar.

Körperlich und psychisch

bin ich am Leistungstiefpunkt.

Meine Gesichtszüge sind unendlich müde.

Tiefe Falten haben sich schon eingegraben.

Die Haare werden mehr und mehr grau.

Ich erkenne nichts,

wofür es sich lohnt, so weiterzuleben.

Der Tod wäre nur die Erlösung

von allem Schmerz.

Meine Zukunftsperspektive ist

in dieser Situation gleich Null.

Ich habe nichts mehr zu verlieren.

Ich bin am Ende!

Es gäbe höchstens noch etwas zu gewinnen,

durch einen neuen Anfang,

indem ich ausbreche,

aus diesem unwürdigen Dasein,

in das die meisten mich

zurückdrängen möchten,

damit ich ausharre

bis zum bitteren Ende.

Es ist nicht so,

dass ich nach einem leichten Leben Ausschau halte.

Das Leben darf schwer sein!

Es darf Leid beinhalten!

Aber bei allen Tiefen muss das Leben

noch Sinn und Lebensqualität haben.

Ich befinde mich in einem Teufelskreis

von gegenseitiger Zerstörung.

Hier hat das Leben

keinen Sinn mehr.

Ich stehe an einem Abgrund.

Unter mir tobt eine reißende Flut.

Entweder mir gelingt der Sprung

an das rettende Ufer oder ich stürze in die Tiefe.

Ich weiß nicht, was mich am anderen Ufer erwartet.

Aber ich weiß, was mich hier erwartet -

mein Untergang auf Raten.

Wem nützt mein langsamer Untergang?

Den Kindern?

Ich bezweifle es.

Nun stehe ich vor der Entscheidung:

Soll ich springen?

Was mir lieb und teuer war,

kann ich dabei nicht mitnehmen.

Alles was mir Sicherheit bot,

muss ich aufgeben und völlig allein springen.

Alles muss ich loslassen,

auch meine Angst.

In meinem Herzen

habe ich neben meinem Schmerz

nichts weiter als die Sehnsucht,

nach einem würdevollen Leben

und nach Freiheit.

Hat Gott mir diese Sehnsucht

ins Herz gelegt?

Soll diese Sehnsucht mir die Kraft

und den Mut geben

ins Ungewisse zu springen?

So will ich den Sprung

in ein neues Leben wagen

und das alte hinter mir lassen.

Habe ich dann überhaupt noch Freunde

und Menschen, die zu mir stehen?

Ich bin sehr unsicher.

Was wird aus dem Mann,

mit dem ich solange meine Zeit verbrachte

und der mir doch immer fremd blieb?

Unser Weg war lang,

zu lang für diese Fremdheit ...

Es wird Zeit zu gehen.

Ich will ihn nicht hassen,

ich will ihn im Innern

um Verzeihung bitten für alles,

was ich nicht zu geben fähig war.

Möge Gott ihn segnen

und ihm ohne mich

eine bessere Zukunft schenken.

Auch ich will all das verzeihen

was mir Schmerzen bereitet hat.

Doch damit ist unser gemeinsamer Weg zu Ende.

Mein Schicksal,

das Schicksal meiner Kinder,

alles lege ich in Gottes Hände.

Möge er uns führen,

zu neuen Ufern,

zu neuem Leben,

zu einem Leben in Würde.

10. Januar 1991

Zerreißprobe

Wenn am Ende aller Sehnsüchte,

Erwartungen und Hoffnungen

des ganzen bisherigen Lebens

eine zerbrochene Liebe,

ein einziger Scherbenhaufen übrig bleibt,

stehe ich an einem

Abgrund meines Seins.

Alle verzweifelten Bemühungen,

das Scheitern zu verhindern,

sind fehlgeschlagen.

Ohnmächtig erkenne ich

meine totale

Hilflosigkeit und Schwäche.

Mein eigenes Versagen wird mir

schuldhaft bewusst.

Aller Mut,

noch einmal Hoffnung

in dieses Leben zu setzen

verlässt mich.

Ich wünsche mir nur noch,

dass die Erde sich öffnen

und mich verschlingen möge,

damit alles Leid ein Ende habe.

Der Schmerz ist so groß,

dass er mit Worten

nicht zu beschreiben ist.

So wundert mich jeden Abend,

wie ich den vergangenen Tag

lebend überstehen konnte,

wie ich dieses Toben

der Feuersbrunst in

meinem Innern

ertragen konnte,

ohne die Sinne zu verlieren,

wie ich diese äußerste Zerreißprobe

wieder für einen langen Tag

ohne Herzstillstand

durchgestanden und überlebt habe.

Das Grausamste daran ist,

dass man diese Seelenqualen

allein durchstehen muss.

Niemand ist da,

der beisteht.

Völlig auf mich allein

bin ich zurückgeworfen.

Grenzenlose Verlassenheit

überwältigt mich.

Ich habe das Gefühl,

mich zu zersetzen und

in ein Nichts aufzulösen.

Neben dem Schmerz ist da eine Todesangst,

die gleichzeitig den Tod ersehnt,

um diese Qualen nicht länger

ertragen zu müssen,

um von ihnen befreit zu werden.

Es ist eine Verwüstung

all meiner Gefühle,

es ist der völlige Verlust

meiner Identität.

Es ist eine totale Zerstörung

meiner Persönlichkeit.

Es ist ganz offensichtlich,

nie mehr werde ich die sein,

die ich einst war.

Die Zerstörung ist so vollkommen,

mein Leben nur noch

Schutt und Asche,

ein einziger Trümmerhaufen,

so dass ich nicht die

geringste Chance erkenne,

jemals wieder ein lebendes Wesen zu werden.

Ein Wesen,

das wahrnehmen und teilnehmen kann,

das lachen und weinen kann.

Die Tränen sind längst versiegt.

Auch der größte Schmerz

bringt keine Tränen mehr hervor.

Die innere Glut hat alles aufgezehrt,

Ich bin nur noch irgendein Neutrum.

Welchen Sinn hat es,

so noch unter Lebenden zu verweilen?

Doch irgendwann,

nach schier endloser Zeit regt sich unter

Schutt und Asche

ein winziger Keim,

der sich zaghaft entwickelt

und zu neuem Leben drängt.

Ungläubiges Staunen erst!

Sollte es aus aller Zerstörung heraus

noch einmal neues Leben geben?

Eine Hoffnung erwacht!

Ist nicht allem Neubeginn

eine Zerstörung

des Alten vorangegangen?

Sollte dies auch für mich möglich sein?

Ein Gefühl von zurückhaltender

Freude und Dankbarkeit erfasst mich.

Dann durchdringt mich die Gewissheit:

Mein Lebensglück hängt nicht

von einem einzelnen Menschen ab!

Ich bin nicht allein -

Gott wird mich segnen und führen!

Dies wird zur Geburtsstunde

für meine reife, freie Persönlichkeit!

13. Juni 1993

NEUBEGINN
Bist du der, den ich suche?

Wenn du dich

für mich entscheidest,

brauchst du ein weites Herz.

Ein Herz,

das erhaben ist über alles kleinliche, enge Denken,

ein Herz, das keinen Rahmen um mich herum legt.

Ein Herz,

das mir Raum gibt, meine Persönlichkeit

in ihrer vollen Tiefe und Breite zu leben

und weiterzuentwickeln.

Nicht nur meine Person darf darin Platz haben,

sondern eine ganze Welt muss Aufnahme finden können.

Alles was ich liebe,

meine Kinder,

meine Freunde,

Menschen,

die mir Brüder und Schwestern sind

und meiner bedürfen,

Menschen mit denen

ich teilen will,

Menschen die Mühe machen

und unbequem sein können.

In deinem Herzen

muss Platz sein

für meine Größe

und für meine Begrenztheit,

für meine Schwächen und meine Fehler

und für die Erfahrungen,

die ich noch machen möchte.

Es muss Platz sein

für meine Sehnsüchte und Ängste,

für meine Träume und Misserfolge,

für meine Höhen und Tiefen,

für meine Fröhlichkeit und

meine Traurigkeit,

für meine unbekümmerte Jugendlichkeit,

wie für mein Altern,

für meine Unternehmenslust

wie für meine Müdigkeit,

für meinen Erlebnisdrang

und mein Bedürfnis nach Ruhe und Stille.

Wenn du mir Raum gibst,

für meine Welt,

können sich zwei Welten berühren,

miteinander verschmelzen

und über sich selbst

hinauswachsen.

Deine Welt und

meine Welt zusammen

sind etwas Größeres

als wir je allein

hervorbringen können.

Mein Anspruch ist hoch.

Prüfe Dein Herz gründlich,

ehe du dich

für mich entscheidest.

Wäre dieser Raum

für mich nicht vorhanden,

müsste ich verkümmern

und ersticken an Luftmangel

15. Juni 1993

Gib keinem Menschen Macht

Gib keinem Menschen Macht

über dein Selbstwertgefühl.

Bewahre dir das Bewusstsein

deiner Einzigartigkeit,

deiner Besonderheit,

deines Wertes,

selbst dann,

wenn die ganze Welt dich verkennt.

Kein Mensch darf so wichtig sein,

dass es ihm gelingt,

den Wert deiner Person

in Frage zu stellen.

Entscheide dich bei derartigen

Konfrontationen immer

gegen diesen Menschen

und voll für dich selbst.

10. Oktober 1993

Mit dem Herzen sehen

Einen anderen Menschen

kennenzulernen

ist häufig eine Zeitfrage.

Doch wenn ein Mensch sich öffnet,

dann spielt Zeit keine Rolle mehr,

dann ist es möglich,

ihn in der Tiefe seines Wesens

im Augenblick der Begegnung

mit dem eigenen Herzen

zu erfassen.

25. Juni 1994

Mutter und Kind

Eine Frau sitzt am Tisch,

sie unterhält sich mit ihrem kleinen Sohn.

In ihren Augen strahlt das Glück dieser Beziehung,

das Wunder des Augenblicks,

wenn zwei Geschöpfe Gottes einander nah sind.

Der Kleine krabbelt mehrfach über die Bank,

kriecht an seiner Mutter vorbei,

schmiegt sich in absolutem Vertrauen kurz an sie

und hüpft dann wieder davon.

In seinen Augen ist die Gewissheit sichtbar,

hier bin ich ganz zuhause,

hier ist jemand, der mir gibt, was ich benötige.

Die Frau wendet sich ihrem etwa Vierjährigen

voller Ruhe und Geduld zu.

Schon der Klang ihrer Stimme drückt aus,

dieser Augenblick gehört dir ganz,

ich habe alle Zeit für dich, die du möchtest.

Erneut treffen sich ihre Blicke,

fällt einer in das Lachen des anderen ein.

Eine Atmosphäre der totalen Harmonie

und Übereinstimmung erfüllt den Raum.

Hier verschmelzen zwei Menschen zu einer Einheit.

In unsichtbaren Wellen schwingt die Bindung zueinander

so deutlich zwischen beiden hin und her,

dass man sie fast greifen kann.

Wieder sucht der Kleine den Körperkontakt zu seiner Mutter.

Er setzt sich dicht neben sie.

Ohne Worte, ohne Aufforderung, gibt sie, was er wünscht.

Mit einer unendlich zärtlichen Geste

umfängt ihr Arm diesen rührend schmächtigen, kleinen Körper.

Ihre Hand legt sich bergend und schützend um seine Schultern.

Eine Bewegung, die ausdrückt, bei mir bist du sicher,

ich bin für dich da, wann immer du mich brauchst.

Ein Ausdruck tiefster Liebe, die auf Gegenseitigkeit beruht.

In dieser Begegnung liegt

so viel Liebe, so viel Zärtlichkeit, so viel Geborgenheit,

dass es mich mitten ins Herz trifft.

Als stille Beobachterin erfasst mich das Glück dieses Augenblicks,

erfasst mich tiefe Zuversicht für unser aller Leben,

welches oft so hart und schwer erscheint.

Als stille Beobachterin nehme ich hier deutlich wahr,

wie Gott in diesem Moment anwesend ist.

Mir wird bewusst, dass das Himmelreich

nicht irgendwo im Jenseits ist,

sondern hier, mitten unter uns.

Ich bin dankbar, dass ich dieses Geschehen erleben darf,

dankbar für die Kraft und den Frieden,

welcher sich dadurch auf mich überträgt.

gewidmet einer wunderbaren Frau und Mutter,

sowie ihrem kleinen Sohn.

29. Juni 1994

Gebet

Gott, du bist mein bester Freund,

der mich durch dieses Leben begleitet,

der mich hält, wann immer ich Beistand brauche.

Du warst meine Befreiung

aus vielen Nöten und Zwängen.

Segne mich,

damit ich Segen

für andere sein kann.

Segne mich,

damit ich deine Liebe,

die mich glücklich macht,

sichtbar machen und

weitergeben kann.

Es ist nicht so wichtig

wie lange ich lebe,

aber mir ist wichtig,

in der Liebe gelebt zu haben.

Lass mich den Weg

des Friedens und der Versöhnung gehen,

lass auch durch mich

deine Existenz deutlich werden.

Gib mir einen klaren Blick,

damit ich durch

alle Äußerlichkeiten hindurch

in das Herz meiner Mitmenschen sehen kann,

um dich dort finden und lieben zu können.

Gib mir einen geschärften Blick,

damit ich mich

nicht täuschen lasse durch Rollenspiel und Masken.

Auch Ablehnung