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Kräuter sind wunderbar. Ob heimische Pflanzen oder solche aus weit entfernten Gegenden – sie sind gesund, aromatisch und nützlich, und sie finden auf dem kleinen Fensterbrett oder dem Balkon genauso einen Platz wie im großen Garten. In diesem praktischen Ratgeber erfahren Sie, wie Sie auf Ihrem Weg zum Kräutergarten vorgehen. Er enthält alles Wichtige rund ums Säen, Pflanzen, Pflegen und Ernten und stellt Ihnen rund 30 Küchen- und Heilkräuter von A–Z ausführlich vor. Viele einfache und schnelle Ideen zur Verwertung der eigenen Lieblingskräuter bereichern das Buch ebenso wie ein kleiner Sammelkalender für Wildkräuter, ausgewählte Heilpflanzen für die Hausapotheke und weitere nützliche Extras.
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Seitenzahl: 209
Veröffentlichungsjahr: 2023
Machen Sie beim Gärtnern mit Kräutern einfach das, was Ihnen gefällt. Es gibt jede Menge interessante Projekte zu entdecken. Probieren Sie aus, welche Kräuter im Garten oder auf dem Balkon gut gedeihen.
Kräuterwelt
Im Wandel der Zeit
Was Kräuter alles können
Zauberhafte Kräuter und Blüten
Für Körper und Geist
Wissenswertes über Kräuter
Säen, Pflanzen, Pflegen
Hoch leben die Kräuter!
Was Pflanzen brauchen
Vom Aussäen und Pflanzen
Der Topfgarten
Individueller Kräutergarten
Ernteglück
Kräuter sind nicht alle gleich
Kräuter konservieren
Auf den Inhalt kommt es an
Kräuter zum Wohlfühlen
Kräuter selbst vermehren
Ran an die Kräuter
Die Vielseitigkeit von Pflanzen
Bärlauch
Basilikum
Bohnenkraut
Borretsch
Brennnessel
Brunnenkresse
Currykraut
Dill
Estragon
Johanniskraut
Kamille
Kapuzinerkresse
Knoblauch
Koriander
Kresse
Lavendel
Liebstöckel
Löwenzahn
Majoran
Minze
Petersilie
Portulak
Ringelblume
Rosmarin
Salbei
Schnittlauch
Tagetes
Thymian
Zitronengras
Zitronen-Melisse
Zitronenverbene
Zwiebel
Service
Noch mehr Kräuter
Bezugsquellen für Kräuter
Zum Weiterlesen
Nichts leichter als Dill!
Beim Gärtnern macht eigentlich alles Freude. Von der sorgfältigen Auswahl dessen, was wachsen soll, über die handfeste Buddelei bis zur Krönung, der Ernte. Und noch schöner ist es natürlich, wenn man es richtig macht. Denn so sehr man aus Fehlern lernt, ein paar davon kann man sich wirklich sparen.
Auf den nächsten Seiten erfahren Sie, wie Sie ganz einfach und sicher auf Ihrem Weg zum Kräutergarten vorgehen. Und ein paar Fakten, Hintergründe, Anekdoten und Tipps, an denen Sie sicher auch Ihre Freude haben werden. Oder die vielleicht Inspiration für Neues sind!
Kräuter sind wunderbar. Ob heimische Pflanzen oder solche aus weit entfernten Gegenden dieser Welt – sie sind gesund, aromatisch und nützlich, und sie finden auf dem kleinsten Fensterbrett genauso einen Platz wie im größten Garten.
An Vielseitigkeit sind die Kräuter wohl kaum zu übertreffen: Sie können selbst einfache Speisen zu besonderen Geschmackserlebnissen machen und helfen uns, mit ihren wertvollen Inhaltsstoffen gesund zu bleiben. Viele Kräuter verströmen schon beim Vorbeigehen, oder aber wenn man nur leicht über die Blätter streicht, einen ganz typischen einzigartigen Duft, der – ja man kann es nicht anders sagen – glücklich macht. Kräuter sind keine Neuentdeckung unserer Tage. Schon vor Tausenden von Jahren nutzten die Menschen rund um den Globus verschiedenste Pflanzen zum Würzen, zum Heilen und auch als Zaubermittel. Kräuter haben also eine richtig lange Tradition. Neben den klassischen Kräutern, wie Petersilie und Schnittlauch, stehen neuerdings auch Wildpflanzen, wie Löwenzahn und Knoblauchsrauke wieder auf dem Speiseplan. Und es gibt jede Menge neue Arten und Sorten, die mit tollen Aromen aufwarten. Von Ananas-Salbei bis Zitronenverbene können Sie im Garten, auf dem Balkon oder der Fensterbank alles ausprobieren, was Ihnen Freude macht.
Die Vielseitigkeit in der Nutzung und der herrliche Duft von Kräutern waren schon im Alten Ägypten, also vor mehreren Tausend Jahren, beliebt. Außerdem sprach man verschiedenen Pflanzen mystische Kräfte zu und verwendete sie für so manchen guten und weniger guten Zauber. Die Geschichte der Kräuter und Gewürze ist ein spannendes Thema und gibt allerlei Aufschluss über Pflanzen und Menschen der damaligen Zeit. In Europa ist die Geschichte der Kräuter eng mit der Geschichte der Klöster verbunden, in deren Gärten hauptsächlich Heilkräuter wuchsen und aus denen Salben, Tee und andere Heilmittel zubereitet wurden.
Viele Kräuter können getrocknet und auf diese Weise haltbar gemacht werden. Als Gewürze, für Tees oder Duftsäckchen können sie so verwendet werden. Bewahren Sie das Trockengut in Dosen, gut verschlossen, an einem kühlen Ort auf.
VON GROSSEN UND KLEINEN GÄRTEN
Von den Klostergärten ausgehend verbreiteten sich die Kräuter zunächst in den Bauerngärten. Die Bäuerinnen legten ihre Kräuterbeete häufig nach dem Vorbild der Klostergärten an, die kreuzförmig aufgeteilt waren, mit einem Rondell in der Mitte. Stand bei den Mönchen vor allem die Heilwirkung der Pflanzen im Vordergrund, so war unter der Bevölkerung doch auch der nährende und würzende Aspekt von nicht geringer Bedeutung. Egal ob großer Bauern- oder kleiner Schrebergarten, Kräuter durften nicht fehlen.
In unserer heutigen Zeit können wir beinahe alle Lebensmittel kaufen, Kräuter und Gewürze aus den entferntesten Regionen dieser Erde stehen im Supermarkt genauso zur Verfügung wie im Delikatessladen. Und trotzdem oder vielleicht gerade deswegen ist es etwas ganz Besonderes, Kräuter selbst zu ziehen. Die Blätter und Blüten aus eigener Anzucht sind frischer als gekaufte Ware, und das ist alleine schon geschmacklich ein großer Pluspunkt, aber es ist auch dieses Gefühl von Erde, von Leben und Achtsamkeit, das Kräuter-Gärtnerinnen und -Gärtner umtreibt und glücklich macht. Und das ist das Schöne am Kräutergarten: Er passt auf die kleinste Fensterbank, auf den Stadtbalkon und in den großen Landgarten. Er kann aus einer, zwei oder vielen Pflanzen bestehen, je nachdem wie viel Platz zur Verfügung steht. Heute muss ein Garten auch nicht mehr unbedingt aus einem Stückchen Land bestehen, es gibt Hochbeete, Kräuterspiralen und spezielle Töpfe, die den Anbau leicht und unkompliziert machen.
VOM ERNTEN UND GENIESSEN
Es beginnt schon mit der Aussaat, dem Pflanzen, dem Hegen und Pflegen, doch der Höhepunkt, das Schönste am Gärtnern ist das Ernten. Wenn die Blätter und Blüten der üppig gewachsenen Pflanzen geerntet werden, ist das solch eine befriedigende und erfüllende Erfahrung, wie es kaum eine andere Tätigkeit zu vermitteln vermag.
Von Rosmarin kann man gar nicht genug bekommen. Ein paar frische Blättchen, zwischen den Fingern leicht zerrieben, offenbaren den herrlichen Duft und machen gute Laune. Sie sollten eine Pflanze immer in der Nähe haben.
Bevor es ins Detail geht und die vielen guten Vorzüge von Kräutern sich offenbaren, muss erst einmal geklärt werden: Was sind eigentlich Kräuter und was sind Gewürze? Landläufig hat sich der Begriff Kräuter für alle heilkräftigen, würzenden und auch duftenden Pflanzen etabliert. Und auch die Nutzung ist ausschlaggebend für den Begriff, das heißt bei Kräutern werden die frischen Blätter, Triebe und Blüten verwendet, bei Gewürzen dagegen die getrockneten Pflanzenteile. Mit Gewürzen werden Gerichte schmackhaft gemacht, sie werden meist nur gering dosiert, aus Kräutern kann man auch Suppen und Salate kreieren, sie können zum Kochen und Backen verwendet werden. Das erklärt dann auch, warum so manches Kraut auch ein Gewürz ist, oder besser gesagt ein Würzkraut, denn in geringen Mengen zum Essen dazugegeben dient das Kraut zum Würzen. Im Deutschen Lebensmittelbuch, herausgegeben vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), findet man die genaue Definition: „Gewürze sind Blüten, Früchte, Knospen, Samen, Rinden, Wurzeln, Wurzelstöcke, Zwiebeln oder Teile davon, meist in getrockneter Form. Kräuter sind frische oder getrocknete Blätter, Blüten, Sprosse oder Teile davon.“ Und damit ist der Weg zum Gemüse als Kraut nicht weit, denn mit Knoblauch, Chili und Zwiebeln wird ebenfalls gewürzt. Diese Begrifflichkeiten sind vielleicht etwas verwirrend, sind aber doch zugleich ein Hinweis auf die Vielfalt der Verwendungsmöglichkeiten und Inhaltsstoffe.
DIE INNEREN WERTE DER KRÄUTER
Es sind vor allem die ätherischen Öle, die Kräuter so interessant machen, denn diese sekundären Pflanzenstoffe mit ihrem starken Duft oder dem scharfen Geschmack verleihen dem Kraut sein typisches Aroma. Auch Alkaloide, Harze, Bitter-, Gerb- und Schleimstoffe, organische Säuren, Mineralstoffe und Vitamine sind in den Pflanzen in mehr oder weniger hoher Konzentration enthalten. Die Menge der einzelnen und das Zusammenspiel aller Inhaltsstoffe sind bei jedem Kraut individuell verschieden und prägen somit seinen Charakter.
Das ganze theoretische Wissen ist für die Praxis nicht unwichtig, denn beim Ernten geht es darum, die richtigen Pflanzenteile auszuwählen, damit Geschmack und Inhaltsstoffe auf höchstem Niveau sind. Bei Minzen und Melisse sind vor allem die Blätter inhaltsreich, bei Kamille und Ringelblume sind es die Blüten und beim Knoblauch sind die Zwiebeln besonders aromatisch und angefüllt mit gesunden Wirkstoffen. Im Grunde genommen sind fast alle Kräuter, die wir zum Kochen, Backen und Würzen verwenden, auch Heilkräuter, die uns auf die eine oder andere Weise guttun.
Kräuter im Garten, auf dem Balkon oder dem Fensterbrett selbst zu kultivieren, hat viele nützliche Aspekte. Es ist eine befriedigende Arbeit, das kann gar nicht oft genug betont werden, darüber hinaus garantiert der Eigenanbau aber auch absolute Frische, die selbst der Bioladen um die Ecke kaum liefern kann. Und alles, was die Pflanze bekommt, geht durch die eigenen Hände. Bei der eigenen kleinen Kräuterproduktion müssen keine unnötigen Dünger oder synthetischen Pflanzenschutzmittel verwendet werden, damit die Pflanzen reichen Ertrag bringen.
KRÄUTER UND IHRE VERWENDUNG
Klassischerweise werden Kräuter wie Petersilie und Schnittlauch zum Würzen, für Quark und den Salat oder als Garnierung eingesetzt. Blütensalate, Bärlauch-Quiches und jede Menge anderer Gerichte lassen sich mit Kräutern zaubern, man denke nur an die Mozzarella-Tomaten-Kreation mit Basilikum. Über das Essen hinaus gibt es aber noch jede Menge anderer Einsatzbereiche. Die guten Wirkstoffe der Kräuter lassen sich beispielsweise in Ölen und Essig konservierenauf Seite50, Pflegeprodukte aus Kräutern wie Lavendel, Ringelblume und Rosmarin können selbst hergestellt werden, genauso wie der eine oder andere Tee bei Erkältung oder Magen-Darm-Beschwerden auf Seite16.
Kräuter helfen aber nicht nur uns Menschen, sie können auch beim Gärtnern eingesetzt werden, denn eine Jauche aus Zwiebelschalen kann beispielsweise Pilzkrankheiten eindämmen, und in Kamillenblütentee eingelegte Samen keimen besser.
Damit Kräuter schnell und jederzeit zur Hand sind, sollte ein Kräuterbeet möglichst nah am Haus und einem Sitzplatz angelegt werden. So können Sie jederzeit frische Würzkräuter für die Küche holen, den Duft der Kräuter genießen und Schmetterlinge, Bienen & Co. beobachten, die sich an den Blüten laben.
Unerwähnt sollte auch nicht die Zauberkraft von Kräutern bleiben, die den Pflanzen früher – von manchen heute noch – zugeschrieben wurde. Eine schöne Legende rankt sich in diesem Zusammenhang um Karl den Großen, in dessen fränkischem Reich die Pest wütete. Im Traum erhielt er den Rat, einen Pfeil in die Luft zu schießen, beim Herunterfallen würde dieser dann eine Pflanze durchbohren, die als Mittel gegen die Pest eingesetzt werden könnte. Der Pfeil traf auf die Golddistel (Carlina vulgaris), die eigentlich gar keine Heilkraft besitzt, doch die Legende sagt, dass dank der Golddistel die Pest ein Ende nahm.
Frühling, Sommer und Herbst – die Erntezeit variiert je nach Kraut, es sollte aber immer ein trockener, eher bedeckter Tag sein, an dem zur Schere gegriffen wird. Am Vormittag, wenn der Tau von den Blättern getrocknet ist, ist die höchste Konzentration an Inhaltsstoffen vorhanden; das sollten Sie nutzen.
BIOLOGISCHER PFLANZENSCHUTZ
Dass die Natur beinahe alles bereithält, was wir zum Leben brauchen, wird bei dem Überangebot des Handels viel zu oft vergessen. Und dass Pflanzen in der Lage sind, sich gegenseitig zu schützen oder Inhaltsstoffe zu liefern, die Schaderreger vertreiben, könnte zu einem philosophischen Diskurs herhalten, und zwar darüber, wie wunderbar doch diese Welt geschaffen wurde. Kräuter sind dafür ein Paradebeispiel – in ihrer Vielseitigkeit und stofflichen Zusammensetzung sind sie nämlich unschlagbar.
Wer genug Platz im Garten hat, kann Wermut pflanzen. Ein Tee aus Blättern und Blüten hilft gut gegen Ameisen. Einfach den Tee unverdünnt über die lästigen Krabbeltiere gießen. Bei Brombeermilben, die die Ernte gefährden können, wirkt der auf die Pflanzen gesprühte Tee ebenfalls sehr gut. Bekannter als der Wermut ist die Brennnesselauf Seite70. Ein Kaltauszug aus den Blättern Rezept auf Seite27 vertreibt Blattläuse und ist außerdem ein guter Stickstoffdünger.
Es gibt noch viele Beispiele dafür, wie Kräuter im biologischen Pflanzenschutz eingesetzt werden können. Die eigenen Pflanzen im Garten, auf Balkon und Terrasse ganzheitlich und ökologisch zu pflegen und zu schützen, macht ein wenig Arbeit, doch es ist ein kleiner Beitrag zur Bewahrung der Umwelt.
Pflanzen mit Zauberei zu verbinden, das ist uns heute weitgehend fremd, obwohl das Interesse an Zauberpflanzen und deren Faszination wieder zunimmt. Räuchern war bis vor einigen Jahren noch ziemlich unbekannt, heute kann man in Kursen oder aus Büchern lernen, welche Pflanzen zu welchem Anlass geräuchert werden. In vorchristlichen Zeiten, als es noch keine Wissenschaft der Biologie und Biochemie gab, war das anders. Allein das Leben von Pflanzen, deren jahreszeitlicher Wandel war rätselhaft und mysteriös. Und so glaubten die Menschen noch im Mittelalter, dass Pflanzen geheime Kräfte innewohnten oder sie aber Verbindung mit geheimen Mächten hätten. Auch eine ganze Reihe von heute bekannten Kräutern galten als Zauberpflanzen, beispielsweise Bärlauch, Brennnessel, Johanniskräuter und Salbei.
MYSTISCHE KRÄFTE
Besondere Kräfte trauten die Menschen im Mittelalter und noch früher Pflanzen zu, die ein außergewöhnliches Erscheinungsbild hatten oder an ungewöhnlichen Orten wuchsen. Der Bärlauch galt den Germanen als heilige Pflanze, verkörperte sie doch den von ihnen sehr verehrten Bären. Die Brennnessel war dem Gewittergott Donar zugeordnet und galt als typisches Zauberkraut, um den Blitzschlag abzuwehren.
Ein besonders wichtiges Zauberkraut war das Johanniskrautauf Seite80. Kelten und Germanen verwendeten das Kraut bei Sonnwendfeiern. Sie wanden sich Gürtel aus den blühenden Stängeln, die später ins Feuer geworfen wurden. In den Kräuterbuschenauf Seite81, die zu Mariä Himmelfahrt gebunden werden, spielt Johanniskraut noch heute eine Rolle.
DIE MAGIE VON SALBEI UND ROSMARIN
Einer Legende zufolge, bot der Salbei Mutter Maria mit dem Jesuskinde Schutz, als sie vor den Gefolgsleuten von König Herodes fliehen musste. Aus Dankbarkeit gab sie der Blume ein Versprechen: „Von nun an bis in alle Ewigkeit wirst du eine Lieblingsblume der Menschen sein. Ich gebe dir Kraft, die Menschen zu heilen von jeder Krankheit; errette sie vom Tode, wie du es auch an mir getan hast.“ Seither erfreut sich der Salbei größter Wertschöpfung. Doch schon in vorbiblischer Zeit war der Salbei ein Mittel zur Unsterblichkeit, wahrscheinlich, weil seine Blätter auch im Winter grün bleiben.
Einfach kräftig pusten, dann hat die Pusteblume beinahe seherische Kräfte. Gelingt es nämlich einem Kind, alle zarten Schirmchen wegzupusten, dann wird es ein glückliches Leben führen. Und das Gänseblümchen hilft dabei herauszufinden, ob man geliebt wird oder nicht. Dazu werden die Blütenblättchen einzeln vom Blütenboden abgezupft. „Er liebt mich, er liebt mich nicht …“
Bis heute hat sich der Brauch gehalten, Männern bei der Hochzeit Rosmarinzweige ins Knopfloch zu stecken. Sein Duft schärft das Gedächtnis und lässt die Männer nicht vergessen, dass sie verheiratet sind. Und wer wissen will, ob die Ehe gut und glücklich wird, der sollte versuchen, die Rosmarinzweige nach der Hochzeit zu bewurzeln und auszupflanzen. Wenn das Kraut gedeiht, dann wird auch die Ehe gut werden.
KRÄUTERBLÜTEN
Schon Anfang bis Mitte des letzten Jahrhunderts wurden Blüten in der Küche verwendet. Kandierte Veilchen oder Rosenblütenblätter sind noch heute eine Delikatesse, mit Ringelblumen färbte man Butter, Soßen und Suppen schön gelb. Und haben Sie in Ihrer Kindheit auch einmal Kleeblüten ausgesaugt und den süßen Geschmack genossen? Doch als es dann künstliche Farbstoffe gab, wurden die alten Techniken kaum noch genutzt. Heute erfährt die Blütenküche wieder eine Renaissance, vor allem Kräuterblüten werden gerne verwendet. Und das ist gut, denn auch Blüten sind gesund und enthalten viele Nährstoffe.
Bärlauchblüten werden von Mai bis Juni gesammelt und schmecken gut im Pesto, Borretschblüten stehen von Mai bis in den Oktober zur Verfügung. Zum Verzieren, für Salat, Quark, Bowle und Kräuteressig eignen sie sich besonders gut. Sehr lecker und leuchtend gelb bis orange sind die Blüten der Ringelblumeauf Seite110. Ein Tee daraus schmeckt gut, die Blüten können aber auch zum Dekorieren verwendet werden oder für eine Salbe. Lecker sind außerdem die Blüten von Dill, Pfefferminze, Schnittlauch, Veilchen und Gänseblümchen. Und die größeren Blüten der Kapuzinerkresse mit ihrem nussig-scharfen Geschmack lassen sich sogar füllen, z. B. mit einer Frischkäsecreme.
Das Rezept ist ausreichend für 4 Personen.
1 Kopfsalat
1 Stängel Pfefferminze mit Blüten
1 Stängel Dill mit Blüten
1 TL frisch gehackte Schnittlauchblüten
1 Salatgurke
2 EL Balsamicoessig
2 EL Sonnenblumenöl
Salz, Pfeffer, eine Prise Zucker
1 Handvoll Kräuterblüten, z. B. von
Kapuzinerkresse, Ringelblume, Borretsch, Gänseblümchen
1 EL Sonnenblumenkerne
1 | Kopfsalat putzen, in Blätter zerlegen und in kaltem Wasser säubern. Abtropfen lassen, trocken tupfen. In mundgerechte Stücke zupfen.
2 | Pfefferminze und Dill waschen, trocken tupfen und fein hacken. Die Salatgurke waschen, schälen und in feine Scheiben schneiden.
3 | Salat, Pfefferminze, Dill, Schnittlauchblüten und Gurkenscheiben locker vermengen.
4 | Aus Essig, Öl, Salz, Pfeffer und Zucker eine Marinade herstellen, mit dem Salat vermischen.
5 | Mit den gesäuberten Blüten und Sonnenblumenkernen garnieren.
Experimentieren Sie mit Ihrer Blütenernte. Sie werden merken, wie bunt und abwechslungsreich Ihr Teller aussehen kann.
DER RICHTIGE ZEITPUNKT
Allzu lange halten sich Blüten nicht, deshalb sollten sie erst kurz vor dem Essen gepflückt werden. Da bietet es sich an, einen Blumenkasten mit essbaren Blütenpflanzen auf den Balkon zu stellen oder zusammen mit den Kindern ein Beet mit essbaren Blütenpflanzen anzulegen. Das macht nicht nur den Kleinen Spaß, sondern erfreut auch Bienen, Hummeln und Schmetterlinge.
Wer die Blüten nicht gleich zur Hand hat, der kann sich mit einem Trick behelfen: Legen Sie die gesammelten Blüten in ein Gefäß mit Wasser und Eiswürfeln. So bleiben sie einige Stunden frisch. Zum Haltbarmachen können Kräuterblüten auch getrocknet werden. Ringelblumen behalten ihre leuchtende Farbe und können so auch im Winter den Sommer auf den Teller zaubern. Einfach über Salate, Suppen oder Nachspeisen streuen.
Eine klare Grenze zwischen Heil- und Küchenkräutern zu ziehen, ist kaum möglich, denn jedes Kraut hat durch seine wertvollen Inhaltsstoffe fast immer auch eine gesundheitsfördernde beziehungsweise heilende Wirkung. Wenn es einen Salat mit Schnittlauch, Petersilie und anderen Kräutern zum Essen gibt, dann tun wir damit dem Organismus etwas Gutes. Vor allem, wenn die Zutaten aus eigenem Anbau stammen. Und das gilt auch für ganz klassische Würzkräuter wie Basilikum, Thymian und Bohnenkraut, die schon in kleinen Mengen positiv auf die Gesundheit wirken.
Kamille ist dagegen eine ganz klassische Heilpflanze; den Kamillentee bei Magen-Darm-Beschwerden hat wohl jeder schon einmal verabreicht bekommen. In der Küche wird die Kamille dagegen sehr selten verwendet, wahrscheinlich weil sie immer mit Kranksein in Verbindung gebracht wird. Anders ist das bei der Pfefferminzeauf Seite102. Der Tee ist gekühlt eine herrliche Erfrischung, frische Minzeblättchen schmecken zu vielen Desserts, aber auch im Salat oder zur Orientalischen Linsensuppeauf Seite89. Bei Magen-Darm-Problemen oder Husten kann sie aber auch heilend wirken und Beschwerden lindern.
KRÄUTER FÜR DIE HAUSAPOTHEKE
Im Garten, auf dem Balkon oder dem Fensterbrett sind Kräuter mit milden Heilwirkungen, die das Immunsystem stärken, das Wohlbefinden fördern, Krankheiten vorbeugen und lindern, genau richtig. Das Gute an Kräutern ist vor allem: Es gibt (fast) keine Nebenwirkungen. Über einen längeren Zeitraum sollten Heilkräuter aber nicht eingenommen werden. Bei Beschwerden ist der Gang zum Arzt allemal erstes Gebot. Wenn der Hals kratzt, es im Bauch zwickt oder das Einschlafen mal nicht so recht klappen will, dann kann ein Tee aus frischen oder getrockneten Kräutern aber sehr gut helfen.
Möchten Sie sich und Ihre Lieben mit natürlichen Mitteln fit und gesund erhalten und auch für Notfälle wie Verletzungen oder Erkältungskrankheiten etwas im Haus haben, dann können Sie sich eine Natur-Hausapotheke aus selbst gezogenen und geernteten Kräutern zusammenstellen. Es ist ratsam, etwas gegen Hautverletzungen, leichte Verbrennungen und Sonnenbrand, Prellungen und Verstauchungen, Erkältungskrankheiten, Fieber und Erschöpfungszustände vorrätig zu haben. Bei all diesen Problemen können Kräuter sanft die Heilung und Besserung des Gesundheitszustands unterstützen. Ob sie getrocknet oder frisch und in Form von Tee, Tinktur, Wein, Essig oder als Salbe verwendet werden, das können Sie auf Seite17 nachlesen. Bei den einzelnen Pflanzenporträts finden Sie die heilenden Vorzüge der Pflanze und in welcher Form die Blüten und Blätter eingesetzt werden.
Manche Kräuter können – im Übermaß genossen – zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen. Als Beispiel sei Waldmeister genannt. Wer viel Waldmeisterbowle trinkt, wird sicher mit Kopfschmerzen zu kämpfen haben. Schuld daran ist der enthaltene Wirkstoff Cumarin. Auch Borretsch und Sauerampfer verwendet man besser nicht in größeren Mengen. Am besten nutzen Sie die Vielfalt der Kräuter, denn das lohnt sich geschmacklich und ist gut für Ihr Wohlbefinden.
SCHÖNHEIT MIT KRÄUTERN
Kräuter werden in der Körperpflege schon seit Jahrhunderten genutzt, und es gibt jede Menge Körperpflegeprodukte, die mit Kräutern angereichert sind, allerdings häufig auch mit Konservierungs- und Duftstoffen, die nicht jede Haut verträgt. Da können Cremes, Salben und Badezusätze aus selbst gezogenen Kräutern eine Alternative sein. Es ist außerdem nicht von der Hand zu weisen, dass Wirkstoffe und Aromen aus der Natur nicht nur der Gesundheit, sondern auch unserer Schönheit guttun.
Ringelblume, Rosmarin, Kamille, Lavendel, Melisse und Salbei sind die klassischen „Pflege-Kräuter“. Die Ringelblume hat heilende und pflegende Eigenschaften, Rosmarin wirkt durchblutungsfördernd und reinigend, Kamille und Lavendel werden zur Reinigung, Beruhigung und Erfrischung der Haut eingesetzt. Mit seinem wunderbaren Duft wirkt Lavendel auf verschiedenste Weise heilsam auf die Menschen. Gesichtsdampfbäder mit Melisse straffen die Haut und fördern die Durchblutung und Salbei ist bei Akne nützlich, da das Kraut antiseptische Wirkstoffe enthält.
KRÄUTER-HAARPFLEGE
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, seinen Haaren etwas Gutes zu tun. Man muss dabei nicht gleich alle Shampoos und Festiger verbannen, obwohl in der Haarpflege verschiedene Produkte Mineralöle auf Erdölbasis, Parabene, Formaldehyd und andere Stoffe enthalten und ein Umschwenken auf Naturkosmetik durchaus überlegenswert ist. Hin und wieder ein „Wohlfühlprogramm“ für die Haare mit selbst produzierten Schönmachern aus dem eigenen Garten kann deshalb sicher nicht schaden. Ein noch warmer Tee aus Salbei- oder Rosmarinblättern eignet sich sehr gut als Spülung für dunkle Haare. Bei hellen Haaren empfiehlt sich eine Spülung mit Kamillentee. Gönnen Sie sich doch nach dem Einmassieren ins Haar eine halbe Stunde Pause an einem sonnigen Plätzchen! Blondes Haar wird so nämlich noch etwas aufgehellt. Rosmarin tut auch trockenem Haar gut. Für eine Haarpackung benötigen Sie 1 Rosmarinzweig, 2 EL Olivenöl und 1 Eigelb. Vermengen Sie Olivenöl und Ei und legen Sie den Rosmarinzweig für eine halbe Stunde hinein. Der Zweig wird dann herausgenommen und die Öl-Ei-Masse im nassen Haar verteilt. Nach einer zehnminütigen Einwirkzeit spülen Sie die Packung mit lauwarmem Wasser gründlich aus und waschen die Haare ganz normal. Der Erfolg ist sogleich sichtbar.
Auch Wildkräuter wie die Brennnessel leisten bei der Haarpflege gute Dienste. Die Wirkstoffe fördern das Haarwachstum, wer also unter Haarausfall leidet, kann mit einem Brennnessel-Haarwasser dagegen vorgehen. Zur Herstellung werden 250 g frische, gesäuberte zerhackte Brennnesselwurzeln benötigt, die in 1 Liter Wasser und ½ Liter Weißweinessig eine Stunde lang geköchelt werden. Abseihen, in dunkle Flaschen abfüllen und die Kopfhaut damit ein- bis zweimal in der Woche vor dem Haarewaschen massieren.
Alle Kräuter können Sie im Garten oder im Topf ziehen.
KRAUTBESCHWERDENANWENDUNGKamille Magen-Darm-Beschwerden frische oder getrocknete Blüten; als Tee Johanniskraut Erschöpfungszustände frische oder getrocknete Triebbereiche samt Knospen und Blätter; als Tee oder Öl Lavendel Schlaflosigkeit frische oder getrocknete Blüten und Blätter; Lavendelöl Pfefferminze Kopfschmerzen frische oder getrocknete Blätter; als Tee, Öl zum Einreiben Ringelblume Wundheilung frische oder getrocknete Blütenköpfe; als Tee oder Salbe zur äußeren Anwendung Salbei Erkältungskrankheiten getrocknete Blätter; als Tee Zitronen-Melisse Blähungen, Bauchschmerzen, Herpes frische oder getrocknete Blätter; als Tee zur innerlichen und äußerlichen AnwendungIn der Antike wurde Johanniskraut gegen alles angewendet, was einem sonst über den Kopf wächst: Hexen, Teufel und Milchdiebe.
Unter dem Begriff „Kraut“ sind verschiedene Pflanzengruppen zusammengefasst, von Ein- und Zweijährigen über Mehrjährige bis hin zu den zwiebelartigen Kräutern. Für die Kultivierung im Garten oder auf dem Balkon ist es nützlich zu wissen, in welche Gruppe ein Kraut gehört. Das gilt für die Pflege der Pflanzen, aber auch, wenn man sich einen kleinen Kräutergarten anlegen will oder die Pflanzen selbst vermehren möchte. Zu Kräutern werden außerdem nicht nur krautig wachsende Pflanzen gezählt wie die Ringelblume, sondern auch Halbsträucher, zu denen beispielsweise Lavendel und Thymian zählen.
EINWANDERUNG ERWÜNSCHT!
Viele Kräuter, die seit Langem in unseren Gärten wachsen, scheint es schon immer in Deutschland gegeben zu haben. Ohne Dill, Petersilie oder Schnittlauch kann man sich die heimische Küche gar nicht vorstellen. Doch in den ersten Jahrhunderten nach Christi Geburt war die Gartenflora lange nicht so bunt und vielfältig wie heute. Während es in China, Indien, Persien, Ägypten und Griechenland schon damals eine hohe Gartenkultur gab, waren deutsche Gärten sehr ärmlich und mit wenigen Arten bestückt. Als die Römer Germanien dann besiegt und besetzt hatten, ihre Villen in Köln, Mainz, Trier und anderswo anlegten, brachten sie auch viele neue Pflanzen mit. Die Globalisierung nahm ihren Lauf und die Gärten wurden üppiger und bunter.
Karl dem Großen lag die Vielfalt der Gärten besonders am Herzen. Er empfahl deshalb in seinem großen Erlass „Capitulare de villis“ um 800 n. Chr., welche Pflanzen unbedingt angebaut werden sollten, um eine gesunde Ernährung und medizinische Grundversorgung zu gewährleisten. Auf seiner Liste befanden sich 89 Pflanzen, darunter Blumen, Gemüse, Obstgehölze und Kräuter. Bohnenkraut, Brunnenkresse, Liebstöckel und Petersilie zählten genauso dazu wie Dill, Fenchel und verschiedene Minzen.
Noch lange bevor Küchenkräuter geerntet werden können, treibt die Knoblauchsrauke aus und liefert zart nach Knoblauch duftende Blättchen. Im Halbschatten auf magerem Boden können Sie die Knoblauchsrauke ansiedeln.
Und noch einmal zur Anfangsfrage zurück, ob unsere allbekannten Küchenfreunde Dill, Petersilie und Co. heimisch sind: Ursprünglich stammt der Dill aus Vorderasien, die Petersilie aus dem Mittelmeerraum und beim Schnittlauch weiß man nicht so genau, wo das Ursprungsgebiet eigentlich liegt.
KULTIVIERT ODER WILD?
Die nach und nach „eingewanderten“ Pflanzen wurden heimisch und sie wurden vor allem auch züchterisch bearbeitet. Heute gibt es zu den Kräuterarten oft Sorten, die sich besonders für einen Anbau im Topf eignen oder üppiger wachsen oder mit unterschiedlichen Blattfarben aufwarten.
Knoblauchsraukeauf Seite87 und Löwenzahn zählen zu den heimischen Arten, die an Wegrändern, in Gebüschen und vielleicht auch im eigenen Garten wild wachsen. Wildkräuter sind wahre Schätze in Bezug auf ihre Inhaltsstoffe und in so manchen naturnahen Gärten stehen sie ganz ohne unser Zutun zum Ernten bereit.
NATURSCHUTZ
Weil Wildkräuter sehr beliebt sind, wurden Gartensorten gezüchtet, z. B. die Löwenzahnsorten ‘Vert de Montmagny’ und ‘Neuvelle’. Sie sind für Garten und Topf bestens geeignet und bringen eine gute Ernte.
Beim Bärlauchauf Seite60