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Am Beispiel des Krisenmanagement-Erlasses des Landes Nordrhein-Westfalen werden die Organisation, die personelle Besetzung und die Ausstattung von Krisenstäben dargestellt. Ebenfalls werden der gesamte Bereich der Stabsausbildung sowie psychologische Faktoren von Stabsarbeit behandelt. Dieses Buch bildet eine gute Grundlage für alle diejenigen, die administrative Stäbe aufbauen und organisieren müssen. Dabei ist ein Großteil der Ausführungen auch für Unternehmen und ähnliche Organisationen interessant, die ggf. von Krisen betroffen sein können. Die dritte Auflage wurde an veränderte Rechtslagen angepasst.
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Seitenzahl: 152
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Planung und Organisation von Krisenstäben
Matthias GahlenStädtischer BranddirektorStadt Dortmund,Leiter der Stabsstellefür die Geschäftsführung des Krisenstabes
Maike KranasterVerwaltungsbetriebswirtinBeraterin im Bereich Krisenstäbe & Social Media www.Maike-Kranaster.de
3., überarbeitete Auflage
Deutscher Gemeindeverlag
3. Auflage 2019
Alle Rechte vorbehalten
© Deutscher Gemeindeverlag GmbH, Stuttgart
Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Print:
ISBN 978-3-555-02101-0
E-Book-Formate:
pdf: ISBN 978-3-555-02102-7
epub: ISBN 978-3-555-02103-4
mobi: ISBN 978-3-555-02104-1
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Am Beispiel des KrisenmanagementErlasses des Landes NordrheinWestfalen werden die Organisation, die personelle Besetzung und die Ausstattung von Krisenstäben dargestellt. Ebenfalls werden der gesamte Bereich der Stabsausbildung sowie psychologische Faktoren von Stabsarbeit behandelt. Dieses Buch bildet eine gute Grundlage für alle diejenigen, die administrative Stäbe aufbauen und organisieren müssen. Dabei ist ein Großteil der Ausführungen auch für Unternehmen und ähnliche Organisationen interessant, die ggf. von Krisen betroffen sein können. Die dritte Auflage wurde an veränderte Rechtslagen angepasst.
Matthias Gahlen ist Leiter der Stabsstelle Geschäftsführung Krisenstab und Städtischer Branddirektor der Feuerwehr der Stadt Dortmund. Maike Kranaster ist Verwaltungsbetriebswirtin und Beraterin im Bereich Krisenstäbe und Social Media.
Zwischenzeitlich ist wieder eine Auflage unseres Buches vergriffen. Das war der Anlass, dieses noch einmal grundsätzlich zu überarbeiten. Seit der ersten Auflage sind nun schon zehn Jahre vergangen, vieles hat sich geändert und bedarf deshalb einer Anpassung. Die Technik hat sich weiterentwickelt und alle Textpassagen mit Bezug hierzu mussten aktualisiert werden. Auch wenn Social Media schon 2008 ein Thema war, hat sich ihre Bedeutung noch einmal massiv verstärkt; diese Entwicklung wurde von uns aufgegriffen und berücksichtigt. Es wird angeknüpft an unsere Erfahrungen aus dem Einsatz von Krisenstäben und sich daraus ergebende Informationen wurden eingearbeitet. Insgesamt orientieren wir uns weniger am Bundesland Nordrhein-Westfalen und haben die Ausführungen allgemeiner gehalten. Den aktuellen Erlass zum Krisenmanagement in Nordrhein-Westfalen haben wir zur Orientierung und als hilfreiche Veranschaulichung dennoch angehängt. Er beschreibt aus unserer Sicht sehr schön eine Variante der Stabsorganisation
Daneben haben wir aber auch redaktionelle Änderungen vorgenommen: Den Begriff Stabsmanager haben wir ersetzt durch den Leiter der KGS. Wir haben den Genderstar eingeführt und damit das Buch geschlechtsneutral und trotzdem lesbar gestaltet.
Nun hoffen wir für all diejenigen mit Interesse an der Krisenstabsarbeit eine hilfreiche 3. Auflage gefertigt zu haben und wünschen viel Spaß beim Lesen.
Dortmund, im Januar 2019Maike Kranaster und Matthias Gahlen
Zwischenzeitlich ist die erste Auflage des Buches Krisenmanagement vergriffen; das zeigt, wie wichtig das Thema Krisenmanagement nach wie vor ist. Die Krisenszenarien haben sich verändert, aber nicht reduziert. Mittlerweile liegt der Fokus der gefühlten Bedrohungen nicht mehr so stark auf Terrorangriffen wie zu Beginn des Jahrtausends. Die Herausforderungen der kommenden Zeit liegen vermutlich eher bei den Auswirkungen der Klimaveränderung, Infrastrukturausfällen oder auch Pandemien. So hat die sog. „Schweinegrippe“ einen Eindruck von den Anforderungen eines schwer beherrschbaren Pandemie-Szenarios hinterlassen. Auch wenn alle erleichtert waren, dass diese Pandemie eher milde verlaufen ist, kann jederzeit ein anderer Erreger drohen.
Die zweite Auflage wird ergänzt durch Erläuterungen zu klar strukturierten Stabsbesprechungen. Ebenfalls wurde die neue und geänderte Rechtslage in einzelnen Bereichen berücksichtigt. Z. B. trat das Gesetz zur Sicherstellung von Postdienstleistungen und Telekommunikationsdiensten in besonderen Fällen (PTSG) an die Stelle der Telekommunikations-Sicherstellungs-Verordnung (TKSiV). Zusätzlich wurden Erfahrungen aus Übungen und Einsätzen in den jeweiligen Kapiteln berücksichtigt.
Auch nachdem das Thema Krisenmanagement nun nicht mehr ganz neu ist, stellen wir fest, dass es immer weiter Bemühungen, Übung und Austausch erfordert, den eigenen Krisenstab arbeitsfähig und gut vorbereitet zu erhalten. Das ist in der heutigen Zeit der Aufgabenzuwächse und gleichzeitiger Reduktion der Ressourcen immer schwieriger, aber die Arbeit hat sich bewährt und wird uns allen bei echten Krisen sicherlich zu Gute kommen.
Wir wünschen unseren Lesern eine informative Lektüre und hoffen, dass Ihnen die Inhalte bei dem Aufbau und der Weiterentwicklung des eigenen Krisenmanagements helfen werden.
Dortmund, im September 2012Maike Kranaster und Matthias Gahlen
Der Schutz der Bevölkerung vor Krisen und Katastrophen war schon immer eine der wichtigsten Aufgaben der öffentlichen Daseinsvorsorge. In einem föderalistischen Verwaltungssystem wie in Deutschland, liegt diese Aufgabe vor Ort bei den Kreisen und kreisfreien Städten. Je nach Verwaltungsstruktur der Bundesländer sind als Oberbehörden Bezirksregierungen und Ministerien mit der Schadensbewältigung beauftragt. Der Schwerpunkt liegt hier in erster Linie bei dem Innenressort.
Der Bund hat bei zivilen Katastrophen in Deutschland zurzeit keine grundsätzlichen Kompetenzen, unterstützt aber die örtlichen Gefahrabwehrbehörden mittels Bundeswehr, Bundespolizei und Technischem Hilfswerk. Sind zwei oder mehr Bundesländer betroffen, kann die Bundesregierung den Ländern Weisungen erteilen, wenn dies für die Gefahrenabwehr notwendig ist.
Für die wohl größte Katastrophe, die die Zivilbevölkerung treffen kann, den Krieg, liegt die Verantwortung jedoch wieder in den Händen der Bundesregierung.
Inwieweit diese Aufgabenverteilung noch den heutigen Anforderungen an ein leistungsfähiges Krisenmanagement entspricht, wird zurzeit zwischen den Trägern des Zivil- und Katastrophenschutzes diskutiert. Die Ergebnisse der zurückliegenden Föderalismusdebatte, die die Zuständigkeiten des Bundes und der Länder zum Thema hatte, haben in diesem Bereich nicht zu wesentlichen Veränderungen geführt.
Zurzeit jedoch sind im Wesentlichen die Kreise und kreisfreien Städte als untere Katastrophenschutzbehörden für die nichtpolizeiliche Gefahrenabwehr zuständig. Die Terroranschläge von Madrid und London zeigen, dass inzwischen auch Europa zu den Angriffszielen des internationalen Terrorismus zählt. Dies führte bereits in allen Bereichen zu einer Intensivierung der zivilen Vorplanung zu Großschadenslagen.
Die von der Bundesregierung im Rahmen der FIFA-WM 2006 zugesagten Sicherheitsgarantien führten dazu, dass die betroffenen Länder, Kreise und kreisfreien Städte ihre Sicherheitskonzepte überdenken mussten.
Als Ergebnis wurden mittels Erlass der Landesinnenminister die Strukturen der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr bundesweit fast durchgängig verändert. Somit begann anlässlich des Weltjugendtages und der Fußballweltmeisterschaft eine umfassende Neuorganisation der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr.
Die Erfahrungen, die während des Weltjugendtages und der Fußballweltmeisterschaft gemacht wurden, bestätigen den eingeschlagenen Weg. Auch beim nicht vorplanbaren Orkantief „Kyrill“ im Januar 2007 konnten sich die Strukturen bewähren.
Dieser Weg muss nun konsequent fortgesetzt werden. Ein wichtiger Aspekt der Neuorganisation ist der Einsatz von Krisenstäben. Hier müssen alle Kräfte der Stadt- und Kreisverwaltungen, der Bezirksregierungen und des Innenministeriums gebündelt werden, um Großschadenslagen gemeinsam mit allen Beteiligten kompetent bewältigen zu können.
Dieses Buch beschreibt, wie sich Verwaltungen auf ein leistungsfähiges Krisenmanagement vorbereiten können.
Zunächst wird auf die historische Entwicklung von Stäben eingegangen. Aufbau und Organisation eines Krisenstabes nach heutigem Stand werden am Beispiel des aktuellen Krisenstabserlasses des Landes NRW dargestellt.
Ebenfalls werden Alternativen zur sachlichen, technischen und räumlichen Ausstattung für einen Stab vorgeschlagen.
Zusätzlich erläutert werden die psychologischen Aspekte von Stabsarbeit. Hier wird auf die Aspekte Stress, gemeinsame mentale Modelle, Kommunikation und Entscheidungsfindung bei der Stabsarbeit eingegangen.
Zum Schluss werden auch Ausbildungsformen für Krisenstäbe dargestellt. Hierzu zählen sowohl spezielle Krisenstabs-Fortbildungen als auch -Übungen.
Dieses Buch wurde auf der Grundlage des Krisenmanagement-Erlasses aus NRW verfasst. Die Erlasslage in NRW ist im Wesentlichen vergleichbar mit der der übrigen Bundesländer. Daher kann dieses Buch auch Behörden anderer Bundesländer als Grundlage dienen, einen leistungsfähigen Krisenstab aufzubauen.
Die grundsätzlichen Ausführungen zu zivilen Stäben und ihrer Arbeit können aber auch großen Industrieunternehmen oder Störfallbetrieben helfen, ein Krisenmanagement zu reorganisieren oder neu aufzubauen.
Grundsätzlich werden in diesem Buch die Erfahrungen der Autoren wiedergegeben, die sie persönlich bei dem Aufbau und der Weiterentwicklung eines Krisenstabes gesammelt haben. Insofern handelt es sich daher um anwendungsorientierte Ausführungen von Praktikern für Praktiker.
Um die Lesbarkeit der Texte zu vereinfachen, wurde auf die Verwendung der weiblichen Form verzichtet.
Der Dank der Autoren gilt allen, die uns das Schreiben dieses Buches ermöglicht haben. Dazu zählen insbesondere
• Herr Guntram Pehlke, bis Sommer 2006 unser zuständiger Dezernent für den Krisenstab, dem die Entwicklung des Dortmunder Krisenstabes sehr am Herzen lag und der uns damit die Möglichkeit gab, „unseren“ Krisenstab bestmöglichst aufzubauen. Ohne seine Unterstützung hätten wir nie die Fachkenntnis erlangt, um das vorliegende Buch schreiben zu können.
• Frau Dr. Christiane Uthemann, die Nachfolgerin von Herrn Pehlke, die die Entwicklung des Krisenmanagements in Dortmund mit uns weiter vorantreibt.
• Herr Uwe Thieme, Polizeidirektor und bis 2007 Leiter des Ständigen Stabes der Polizei Dortmund, der uns für unsere Krisenstabsarbeit viele konstruktive Anregungen gegeben hat.
• Frau Dr. Hofinger für die professionelle Begleitung bei der fortschreitenden Organisation des Stabes sowie dafür, dass sie uns die psychologischen Aspekte von Stabsarbeit anhand unserer Fehler so schön vor Augen hält.
• Den Mitarbeiterinnen des Kohlhammer Verlages, die uns die ganze Zeit über hervorragend betreut haben.
Dortmund, im Juli 2008Matthias Gahlen
Maike Kranaster
Vorwort zur dritten Auflage
Vorwort zur zweiten Auflage
Vorwort zur ersten Auflage
Abkürzungsverzeichnis
1Entwicklung der Stäbe – vom Stab des Hauptverwaltungsbeamten zum Krisenstab
1.1Der Stab des Hauptverwaltungsbeamten (HVB)/Katastrophenschutzleitung (KatSL)
1.2Der Stab Außergewöhnliche Ereignisse (SAE) u. Ä.
1.3Der Krisenstab
2Organisation des Krisenstabes
2.1Die Mitglieder des Krisenstabes
2.1.1Stabsleitung
2.1.2Die Koordinierungsgruppe des Stabes (KGS)
2.1.3Bevölkerungsinformation und Medienarbeit (BuMA)
2.1.4Ständige Mitglieder des Stabes (SMS)
2.1.5Ereignisspezifische Mitglieder des Stabes (EMS)
2.1.6Ereignisspezifische Mitglieder für die psychologische Beratung
2.2Besetzung der Funktionen
2.3Schnittstellen zu anderen Organisationen
2.4Besondere Öffentlichkeitsarbeit im Krisenfall
2.4.1Bevölkerungsinformation und Medienarbeit (BuMA)
2.4.2Bürgertelefon
2.4.3Personenauskunftsstelle (PAS)
2.5Alarmierung
2.5.1Grundsätze der Alarmierung
2.5.2Technische Umsetzung der Alarmierung
2.5.3Nachalarmierung
2.5.4Schichtwechsel
2.6Informationsmanagement im Krisenstab
2.6.1Arbeitsabläufe im Stab
2.6.2Der Nachrichtenverlauf
2.6.3Nachrichtenvordruck
2.6.4Lagedarstellung
2.7Dokumentation im Krisenstab
2.7.1Einsatztagebuch
2.7.2Aufgabenüberwachungsliste
2.7.3Eingangs- und Ausgangsnachweise
2.7.4Anwesenheitslisten
2.7.5Lagekarte
2.8Stabsdienstordnung
2.9Notfallplanung
3Ausstattung des Krisenstabes
3.1Räumlichkeiten
3.2Sachausstattung
3.2.1Verpflegung
3.2.2Ausstattung mit Verbrauchsmaterialien
3.2.3Ausstattung der Mitglieder mit Mitgliedsausweisen
3.3Ausstattung mit technischen Geräten
3.3.1Nachrichtentechnische Ausstattung
3.3.2Ausstattung mit PCs/Notebooks und weiterer Hardware
3.3.3Kopierer
3.3.4Beamer, Leinwände, Monitore
3.4Ausstattung mit Software
3.4.1Basissoftware
3.4.2Stabssoftware
3.4.3Software für ein elektronisches Einsatztagebuch
3.4.4Geoinformationssystem
3.4.5Elektronische Verwaltung der Mitgliederdaten
3.4.6Elektronische Verwaltung weiterer Kontaktdaten
3.4.7Fachspezifische Software
4Psychologische Aspekte der Stabsarbeit
4.1Stress
4.1.1Allgemeine Hintergründe von Stress
4.1.2Stress im Krisenstab
4.1.3Stress: Prävention und Intervention
4.2Gemeinsame mentale Modelle
4.3Kommunikation in Stäben
4.3.1Übermittlungsprobleme
4.3.2Konnotation
4.3.3Hierarchien
4.3.4 Gruppendynamik
4.3.5Abkürzungen und Fachbegriffe
4.4Entscheidungen im Krisenfall
5Die allgemeine Ausbildung des Krisenstabes
5.1Allgemeine Grundlagen
5.2Aufbau und Funktion des Krisenstabes
5.3Aufbau und Abläufe bei der Feuerwehr
5.4Aufbau und Abläufe beim Rettungsdienst
5.5Aufbau und Abläufe bei der Polizei
5.6Psychologische Schulungen
5.7Bibliothek
6Spezielle Ausbildung von Krisenstabsmitgliedern
6.1Ausbildung der Stabsleitung und der Leitung der KGS
6.2Ausbildung der Mitglieder der Koordinierungsgruppe
6.2.1Allgemeine Ausbildung der gesamten Koordinierungsgruppe
6.2.2Sonderausbildung für Einsatztagebuch- und Lagekartenführer*innen sowie für die Mitglieder der Nachrichtenzentrale
6.3Ausbildung der Funktion BuMA
6.4Einführung externer Mitglieder in die Strukturen der Verwaltung
7Übungen für Krisenstäbe
7.1Allgemeine Hinweise zu Übungen
7.1.1Steuerungsgruppe
7.1.2Übungsbeobachtung und Auswertung
7.2Arten von Übungen für Krisenstäbe
7.2.1Planbesprechung
7.2.2Fallstudie
7.2.3Stabsrahmenübung
7.2.4Vollübung
8Schlussbetrachtung
9Literaturverzeichnis
Anhang 1:Krisenmanagement durch Krisenstäbe im Lande Nordrhein-Westfalen bei Großeinsatzlagen, Krisen und Katastrophen (Runderlass des Ministeriums für Inneres und Kommunales vom 26. September 2016)
Anhang 2:Eingangs- und Ausgangs-nachweisung des Krisenstabes der Stadt/des Kreises
Stichwortverzeichnis
Die meisten und schlimmsten zivilen Katastrophen wurden in der deutschen Vergangenheit durch Kriege hervorgerufen. Der Schutz der Zivilbevölkerung vor den Auseinandersetzungen war für die Kriegsführung nicht wichtig, zumal die Auseinandersetzungen im Wesentlichen zwischen den Streitkräften stattfanden. Vorbereitungen für andere zivile Katastrophen waren die Ausnahme.
Dies änderte sich erstmals im Ersten Weltkrieg, als der militärische Warndienst entstand, der die Aufgabe hatte, das Hinterland vor Luftangriffen zu schützen. Diese Aufgabe wurde von rein militärischen Stäben wahrgenommen.1
Vor dem Zweiten Weltkrieg wurde der Sicherheits- und Hilfsdienst (SHD) gegründet. Er hatte die Aufgabe, die Bevölkerung vor den Auswirkungen des Krieges zu schützen. Seine einzelnen Teilorganisationen sind vergleichbar mit dem heutigen Katastrophenschutz. Die Einsätze erfolgten unter Leitung der Schutzpolizei.2
Im Nachkriegsdeutschland wurden 1953 mit der Errichtung der Bundesanstalt für den zivilen Luftschutz erste Maßnahmen für den Bevölkerungsschutz eingeleitet. In der weiteren Entwicklung wurde 1968 das Gesetz über die Erweiterung des Katastrophenschutzes verabschiedet. Dieses setzte folgende Aufgabenteilung zwischen Bund und Ländern fest:
• Die Länder sind zuständig für den Katastrophenschutz in Friedenszeiten,
• der Bund ist zuständig für den Katastrophenschutz im Verteidigungsfall.
Für beide Aufgabenstellungen wurde auf dasselbe Personal zurückgegriffen.
Die Führung erfolgte in regional sehr unterschiedlich organisierten Strukturen.
In den 1970er und 1980er Jahren kam es in Deutschland zu mehreren Naturkatastrophen (z. B. Waldbrandkatastrophe Niedersachsen 1975), die zeigten, dass der Katastrophenschutz schon in Friedenszeiten Großschadensereignisse nur noch mit Hilfe Externer (Bundeswehr, Bundesgrenzschutz, usw.) bewältigen konnte.
Die Reorganisation des Katastrophenschutzes führte zu einer Verbesserung der Leitungs- und Führungsstruktur. 1979 wurde das erste bundeseinheitliche Modell der Katastrophenschutzleitung (KatSL) für die Kreisstufe eingeführt, die sich Technischer Einsatzleitungen (TEL) bediente.3
Die Katastrophenschutzleitungen wurden vor dem Hintergrund verteidigungspolitischer Überlegungen auf der Ebene der kreisfreien Städte und der Kreise organisiert. Es wurde davon ausgegangen, dass im Verteidigungsfalle die Gebietskörperschaften weitgehend auf sich alleine gestellt sein würden.4
Ziel der Stabsorganisation war es, für die Katastrophenabwehr (Verteidigungsfall) einen hoch qualifizierten Leitungs- und Führungsapparat aus gut eingespielten Fachleuten in einer leistungsstarken Organisation mit reibungslos funktionierenden Kommunikationsmitteln bereitzuhalten. Diese Strukturen wurden üblicherweise auch für zivile Katastrophenfälle genutzt. Neben der gewachsenen Personal- und Organisationsstruktur der Verwaltung wurde ein weiteres Stabselement, bestehend aus verwaltungsfremden Personen, die als Fachberater aus den im Katastrophenschutz mitwirkenden Organisationen fungieren, in den Führungsapparat eingebaut. Die Leitung der Einsatzkräfte erfolgte nach dem militärischen Vorbild durch Einteilung in vier Sachgebiete:
S 1 Personal/Organisation
S 2 Lage/Öffentlichkeitsarbeit
S 3 Einsatz
S 4 Logistik
Abb. 1: Grafik „KatSL Schaubild“, Diagramm einer Katastrophenschutzleitung (Quelle: s. Ewald Andrews, „Bevölkerungsschutzpolitik. Studien und Beobachtungen zur Risikobeherrschung durch Krisenmanagement. Die Neuordnung des Katastrophenschutzes, S. 103. Carl Heymanns Verlag KG Köln)
Die folgenden Fotos zeigen ausgewählte Bereiche aus der verbunkerten Befehlsstelle der KatSL einer kreisfreien Stadt.
Abb. 2: ABC-Mess- und Auswertestelle (Quelle: Karsten Arbeiter)
Abb. 3: Luftlage (Quelle: Karsten Arbeiter)
Abb. 4: Stabsraum
Der Stab des HVB hatte unter anderem die Aufgabe der Gesamtlenkung von Einsätzen. Aufgabe der Technischen Einsatzleitung (TEL) war die Lenkung der operativen Maßnahmen zur Schadensbekämpfung vor Ort.5
Mit den Katastrophenschutzleitungen standen zum ersten Mal bundesweit zivile Stäbe zur Katastrophenvorsorge und -abwehr zur Verfügung. Trotz der sehr aufwendigen Organisationsform kann dies als Meilenstein in der Geschichte der Katastrophenvorsorge betrachtet werden.
Ende der 1990er Jahre veränderte sich die sicherheitspolitische Weltlage. Der Warschauer Pakt brach zusammen und nach Einschätzung der Bundesregierung war eine militärische Auseinandersetzung auf dem Territorium der Bundesrepublik nicht mehr zu erwarten. Folgerichtig löste sie deshalb 1995 ihre Einheiten und Einrichtungen der Führung und Kommunikation auf. In der Folge bedeutete dies das Ende der Vorhaltung und Ausbildung der Stäbe des HVB, der Fernmeldezentralen der Technischen Einsatzleitungen und der Fernmeldezüge.
Damit war die einheitliche Regelung des Katastrophenschutzes bei Bund und Ländern beendet.
Vor dem Hintergrund fehlender gesamtstaatlicher Regelungen wurden nun ab 1995 individuelle Lösungen in allen Verwaltungsebenen erarbeitet. Das Feuerschutz- und Hilfeleistungsgesetz Nordrhein-Westfalen forderte beispielsweise von seinen Katastrophenschutzbehörden die Aufstellung von Leitungs- und Koordinierungsgruppen (LuK).
Beim Aufstellen dieser Einheiten orientierte man sich im Wesentlichen an der Organisationsstruktur der alten Stäbe HVB. Schwierigkeiten bereitete häufig das Fehlen von Fernmeldeeinheiten. Gelegentlich wurden hierfür Feuerwehreinheiten eingeplant. Bei solchen Planungen soll es auch vorgekommen sein, dass Einheiten für mehrere Tätigkeiten gleichzeitig vorgesehen wurden. Probleme waren dann vorprogrammiert.
Im Rahmen der kommunalen Organisationshoheit wurde das Sachgebiet „Öffentlichkeitsarbeit“ aus dem S 2 herausgelöst und als S 5 „Presse- und Medienarbeit“ neu gebildet. Aus der Fernmeldezentrale des HVB und aus Teilaufgaben des S 3 entstand das Sachgebiet 6 „Informations- und Kommunikationswesen“.
Damit ergab sich folgende Gliederung:
S 1 Personal/Innerer Dienst
S 2 Lage
S 3 Einsatz
S 4 Versorgung
S 5 Presse- und Medienarbeit
S 6 Informations- und Kommunikationswesen
Häufig waren diese Veränderungen innerhalb der Organisationsstruktur mit neuen Namensgebungen verbunden. Da nun für die Kommunen der Kalte Krieg endgültig Vergangenheit war, wollte man sich mit neuen Namen der Stäbe, wie z. B. „Stab Außergewöhnliche Ereignisse“, von den alten Zeiten distanzieren.
Insgesamt waren in dieser Zwischenphase die Stäbe eher ungeliebte Anhängsel in den Verwaltungen, deren Notwendigkeit nicht mehr gesehen wurde.
Wie zu erwarten und zu befürchten war, wurde der Bedarf an Verwaltungsstäben bald eindrücklich bewiesen.
Die Hochwasser an Oder und Elbe zeigten deutlich, dass Großschadenslagen ohne ein stringentes Führungssystem nicht zu bewältigen sind.
Als die Terrorwelle den westeuropäischen Kontinent in Madrid und London erreichte, wurde offensichtlich, wie notwendig eine effektive Vorbereitung für ein zielgerichtetes Krisenmanagement ist.
Schon im Jahr 2002 gab die Ständige Konferenz der Innenminister und -senatoren der Länder (IMK) den Auftrag an den Arbeitskreis V „Feuerwehrangelegenheiten, Rettungswesen, Katastrophenschutz und
