Läufer - Andreas Kühnapfel - E-Book

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Andreas Kühnapfel

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Beschreibung

Ein globaler elektromagnetischer Impuls (EMP) trifft die Erde und legt die moderne Zivilisation lahm. Stromnetze brechen zusammen, Kommunikationssysteme versagen, Fahrzeuge bleiben stehen. Doch das ist nur der Anfang. Inmitten des Chaos beginnt sich ein rätselhaftes Phänomen auszubreiten: Einige Menschen verwandeln sich in rasende, gewalttätige Wesen – die sogenannten Läufer. Ihre Stirn zeigt eine pulsierende Ader, ihr Verhalten ist unkontrollierbar. Niemand weiß, wer betroffen ist. Niemand weiß, warum. Oliver Grabowski, ein trauernder Rentner, beschließt, sich auf den Weg zu seiner Schwester zu machen – quer durch ein Deutschland, das sich in wenigen Tagen radikal verändert hat. Auf seiner Reise begegnet er zerstörten Orten, hilfsbereiten Menschen, Plünderern und Läufern. Er trifft auf Aylin, eine misstrauische, kämpferische Frau mit Vergangenheit, die ihm zeigt, dass Nähe auch in der Krise möglich ist. „Läufer - Die Odyssee“ ist eine postapokalyptischer Novelle, die nicht nur von äußeren Bedrohungen erzählt, sondern vor allem von inneren Konflikten, Erinnerungen und der Frage, was Menschlichkeit bedeutet, wenn alles zerbricht.

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Veröffentlichungsjahr: 2025

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Läufer

Die Odyssee

Impressum

Copyright © 2025 Andreas Kühnapfel

Lektorat: Janine Kollmannsperger

Alle Rechte vorbehalten.

Website: www.kuehnapfel.de

Covergrafik von: Andreas Kühnapfel, mit MS Designer KI generiert

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Für die Inhalte ist der Autor verantwortlich. Jede Verwertung ist ohne seine Zustimmung unzulässig. Die Publikation und Verbreitung erfolgen im Auftrag des Autors, zu erreichen unter:

Andreas Kühnapfel

c/o Block Services, Stuttgarter Str. 106, 70736 Fellbach, Germany.

ISBN: 9783819435287

Kontaktadresse nach EU-Produktsicherheitsverordnung:

info @ kuehnapfel.de

Läufer

Die Odyssee

Eine Novelle von Andreas Kühnapfel

Prolog

Als die Welt leiser wurde

Die Ordnung bröckelt

Blut auf dem Asphalt

Vom Dorf in die Welt

Zeit zu gehen

Das Leben gehört den Lebenden

Kilometer 1

Zwischen Hoffnung und Gefahr

Bis Klausen

Der Bauernhof

Marco

Nacht über Büchel

Das Auto

Zurück an der Mosel

Im Nebel

Stille Fahrzeuge

Der letzte Funke Menschlichkeit

Nicht einen Schuss

Epilog

Nachwort

Prolog

Am Nachthimmel tanzten Polarlichter in grünen und violetten Schleiern, so zahlreich, dass der Himmel selbst zu glühen schien. Als der Mann am Nachmittag im Radio hörte, dass ein extremer Sonnensturm sogar hier im Süden spektakuläre Erscheinungen möglich mache, hatte er kurzerhand beschlossen, das Schauspiel mit eigenen Augen zu sehen. Er wollte sich ins Auto setzen, einen abgelegenen Platz hoch oben auf einem der umliegenden Berge suchen und dieses seltene Ereignis fotografisch festhalten.

Seine Kamera klickte unermüdlich, der Speicherchip füllte sich Bild für Bild. Und doch war da ein leiser Stich in seinem Herzen. Schade, dass seine Frau nicht mitgekommen war. Früher hatten sie solche Nächte gemeinsam erlebt, besonders im August, wenn die Sternschnuppen über den Himmel zogen. Dann saßen sie eng aneinander gekuschelt auf einer Decke, tranken Wein, schauten in die Sterne, und liebten sich.

Aber das war früher einmal. Heute blieb sie am liebsten zu Hause, ging früh ins Bett, starrte noch eine Weile in den Fernseher, und schlief meist einfach ein. Sex war schon lange kein Thema mehr.

Er öffnete sich ein Bier, setzte sich auf die Einstiegskante der Heckklappe seines Kombis und zündete sich eine Zigarette an. Der Gedanke an seine Frau, an Intimität mit ihr und das immer noch warme Gefühl im Magen, wenn er an sie dachte, lenkte ihn für eine Weile ab.

Als er wieder aufsah, traute er seinen Augen kaum. Die Polarlichter hatten deutlich an Intensität gewonnen und tauchten die Nacht in ein fast taghelles Licht. So etwas hatte er noch nie erlebt. Wenn doch nur seine Frau jetzt hier wäre!

Der Anblick war schlicht atemberaubend. Er drückte den Auslöser der Kamera, kurz flackerte der Bildschirm, erlosch aber sofort wieder. Noch ein Versuch, doch nichts geschah. Vermutlich war der Akku leer. Schon lange hatte er vorgehabt, neue zu besorgen, aber es immer wieder aufgeschoben.

Hastig griff er in die Fototasche, zog einen Ersatzakku hervor, fummelte ihn in die Kamera und versuchte erneut, ein Foto zu machen. Wieder nichts. Leise fluchend probierte er einen weiteren, ebenfalls ohne Erfolg. Schulterzuckend packte er die Ausrüstung zusammen und stellte sie auf den Beifahrersitz. Schade. Zwar hatte er ein paar schöne Bilder gemacht, aber ob das letzte gelungen war, blieb fraglich.

Nun meldeten sich auch noch Kopfschmerzen. Natürlich. Wenn etwas schiefgeht, dann richtig. Trotzdem verspürte er noch keine Lust, heimzufahren. In der Kühlbox warteten noch Bier und ein paar deftige, geräucherte Würste. Seine Frau schlief sicher schon. Die Nacht war angenehm warm, kein Grund zur Eile.

Er trank sein Bier, ließ den Blick über die immer intensiver werdenden Polarlichter schweifen und dachte weiter an seine Frau. Noch immer, nach all den Jahren, huschte ein Lächeln über sein Gesicht, wenn er an sie dachte.

Doch die Kopfschmerzen wurden stärker, und er entschloss sich, den Heimweg anzutreten. Neugierig war er schon, wie die Bilder geworden waren. Der Zündschlüssel steckte, ließ sich drehen, aber nichts geschah. Keine Anzeige, kein Anlasser, kein Geräusch. War jetzt auch noch die Batterie hinüber?

Wütend schlug er mit der Hand aufs Lenkrad. Die Kopfschmerzen schienen sich dadurch zu verschlimmern. Klar, die Batterie war alt, hatte aber bisher immer funktioniert. Hier oben im Wald würde es schwierig werden, den Pannendienst zu rufen, schon, weil er gar nicht genau wusste, wo er war.

Also griff er zur letzten Hoffnung: dem Smartphone. Doch auch das reagierte nicht. Wie zuvor die Kamera und jetzt das Auto, nichts.

Was war hier los? Die Wut stieg in ihm auf.

Welche Optionen blieben ihm? Den Wagen stehen lassen und zu Fuß heimgehen? Bei dieser Entfernung keine wirkliche Lösung. Wieder dachte er an seine Frau. Wenn sie aufwachte und er nicht da war, würde sie sich sorgen. Aber war sie nicht selbst schuld? Sie hätte ja mitkommen können.

Unbewusst begann er, immer wieder auf das Lenkrad einzuschlagen. Der Gedanke, dass sie ihn scheinbar gar nicht mehr würdigte, ließ ihn nicht los. So wütend war er noch nie gewesen.

Diese Erkenntnis war sein letzter klarer Gedanke.

Als die Welt leiser wurde

Der Tag danach begann, wenig überraschend, mit Kopfschmerzen. So stark, dass Oliver es schon vor dem Aufwachen spürte, ja sogar eigentlich davon geweckt wurde. Zu den Schmerzen kam noch ein widerlicher Geschmack im Mund. Am Abend zuvor hatte er sich mit ein paar Freunden in der kleinen Kneipe an der Hauptstraße getroffen. Sie hatten gespielt, gelacht und getrunken. Viel getrunken. Zu viel.

Sein erster Blick fiel auf den Nachttisch. Hier stand ein Bild seiner Frau, Claudia, aufgenommen vor dieser verdammten Krankheit, die sie ihm weggenommen hatte. Ein unersetzlicher Verlust, und nach nunmehr fast zwei Jahren hatte er noch immer nicht so recht gelernt, damit umzugehen.

Mit knapp 63 Jahren war Oliver bereits Rentner, da er beschlossen hatte, dass es an der Zeit sei, sich ins Privatleben zurückzuziehen. Seine Frau, die er sehr geliebt hatte, war gestorben. Viel zu früh und viel zu jung. Kurz danach hatte er beschlossen, dass ihm die etwas geringere Rente reichen würde. Immerhin hatte er keine Schulden mehr und auch nicht vor, noch welche zu machen. Ganz allein, ohne Kinder, war sein Heimweh in die alte Heimat dann irgendwann stärker geworden. Wie bei einem Lachs, den es am Ende seiner Lebensspanne zurück in den Fluss zieht, aus dem er stammt.

An einem Abend vor dem Fernseher kamen diese Gedanken dann erneut in ihm hoch. In den Nachrichten ging es um die Opferzahlen des Krieges in Osteuropa, um Inflation, um neue Steuerpläne zur Bekämpfung der Klimakrise. Wieder einmal sollte der Bürger zahlen. Da wurde ihm klar: Er wollte zurück. Zurück in die alte Heimat, in die Nähe seiner Schwester, der letzten Angehörigen, die ihm geblieben war. Am nächsten Morgen war dann wieder einer dieser Tage, an denen er am liebsten für alle Zeit im Bett liegen geblieben wäre. Oft fiel ihm die Eigenmotivation mehr als schwer. Gelegentlich gab er dem Wunsch, dann einfach liegen zu bleiben nach. Sein Therapeut hätte hier »Handlungsbedarf« gesehen, für Oliver war das einfach nur Trauer. Normale Trauer. Für einen Mann, der nicht nur seine Frau, sondern die große Liebe seines Lebens verloren hatte.

Nach dem er den Entschluss gefasst hatte, in die alte Heimat zu gehen, begann Oliver, zu entscheiden welche Dinge er noch benötigte. Alles andere wurde verkauft, veräußert oder verschenkt; anschließend mietete er eine nette kleine Apartmentwohnung im Sauerland, ganz in der Nähe seiner Schwester, und fing an, sich von seiner Wahlheimat zu verabschieden. Dadurch hatte sich das Haus bereits stark geleert und das gab ihm, so nach und nach, ein Gefühl von Freiheit. Er empfand dies als gute Seite. Trotz der, damit einhergehenden, schlechten Gefühle und seiner wachsenden Einsamkeit.

Irgendwie schleppte er sich in die Küche hinüber und stellte fest, dass der geliebte Kaffee wohl ausfallen würde. Anscheinend war der Strom ausgefallen. Kurz stieg Ärger in ihm hoch. Kaffee am Morgen, das war für ihn, besonders nach so einem Abend, existenziell wichtig.

›Du bist ein Idiot, Grabowski‹, ermahnte er sich selbst. ›Es gibt schlimmeres als einen Kater. Du musst langsam mal über Dein Suchtpotential nachdenken.‹

Sein hämmerndes Kopfweh ließ ihn auf eine Flasche Mineralwasser ausweichen. Das war ohnehin viel gesünder. Beruhigte ihn aber auch nicht so wirklich.

Jetzt, im Sommer, setzte er sich morgens immer auf die Terrasse. Besonders so früh, wenn alles noch ruhig war und nicht viele Autos fuhren, fand er hier einen echten Ruhepunkt. Oliver entzündete sich eine Zigarette. Noch ein Problem, wenn man ehrlich war. Aber eines nach dem anderen.

Zunächst einmal musste er den Umzug hinter sich bringen. Viel wollte er nicht mitnehmen. Kleidung. Einige Andenken. Besonders die Andenken an seine Frau und ihre Bilder. Ihre Bilder. Sie hatte so gern fotografiert.

Wie er da saß, war es ihm fast, als könne er ihre Stimme hören, ihre graublauen Augen vor sich sehen. Wie sie ihn mit mildem Tadel, manchmal auch Spott, ansah und ihm klarmachte, dass er eigentlich zu alt für solche Kneipenabende sei, während sie dabei ihre geliebten Rosensträucher goss.

Damals, als sie sich kennenlernten, war es ein verregneter Frühlingstag. Claudia hatte unter dem Vordach eines kleinen Buchladens Schutz gesucht, während Oliver gerade aus dem Café gegenüber kam. Er hatte sie angesprochen, unbeholfen, fast schüchtern, und sie hatte gelächelt. Dieses Lächeln hatte ihn sofort getroffen.

Sie war klug, witzig, manchmal ein wenig sarkastisch, aber immer warmherzig. Ihre Liebe zur Fotografie hatte ihn anfangs kaum interessiert, doch mit der Zeit hatte er gelernt, durch ihre Augen zu sehen. Wie sie Licht einfing, Details entdeckte, die er nie bemerkt hätte.

Sie reisten viel. Nie weit, nie luxuriös, aber immer gemeinsam. Kleine Pensionen, Wanderungen durch Wälder, Abende mit Wein und Gesprächen, die nie enden wollten.

Er erinnerte sich an einen Sommer in der Eifel. Sie hatten sich verlaufen, waren stundenlang durch die Hügel gestreift, bis sie schließlich erschöpft, aber lachend auf einer Wiese lagen.

Sie hatte ein Foto von ihm gemacht, dass er nie besonders mochte, aber sie liebte es.

»Weil du da so echt bist«, hatte sie gesagt.

Und jetzt, Jahre später, saß er allein auf der Terrasse, mit einer Zigarette in der Hand und diesem Bild in seinem Herzen.

Die Motorradreisen waren für Oliver und Claudia immer etwas Besonderes. Es war ihre Art, dem Alltag zu entfliehen, die Welt zu entdecken, nicht durch große Fernreisen, sondern durch das Gefühl von Freiheit auf zwei Rädern.

Claudia fuhr eine schlanke, silberne Yamaha, Oliver eine etwas ältere BMW R 75, Baujahr 1972, mit Seitenkoffern, die schon viele Kilometer gesehen hatten. Sie liebte es, die Route zu planen, mit handgezeichneten Karten, kleinen Notizen am Rand, Empfehlungen aus Reiseforen, die sie sich ausdruckte und sorgfältig abheftete.

Ihre Lieblingsreise führte sie durch Südfrankreich. Die Lavendelfelder der Provence, die kurvigen Straßen entlang der Verdon-Schlucht, kleine Dörfer mit Cafés, in denen sie sich Croissants teilten und über das Leben sprachen. Claudia fotografierte alles: die Motorräder vor alten Steinmauern, Oliver beim Tanken, das Licht, das durch die Bäume fiel.

Einmal, in der Nähe von Carcassonne, hatten sie sich verfahren und landeten auf einem Feldweg, der in einem Weinberg endete. Statt sich zu ärgern, lachten sie, setzten sich unter eine alte Eiche und öffneten eine Flasche Rotwein, die sie am Vortag gekauft hatten.

»Das sind die besten Momente«, hatte Claudia gesagt. »Die, die man nicht planen kann.«

Auch in Deutschland waren sie viel unterwegs, durch den Schwarzwald, entlang der Mosel, bis hoch zur Ostsee. Sie liebten die kleinen Pensionen, die Gespräche mit anderen Bikern, das Gefühl, am Abend müde und glücklich in ein fremdes Bett zu fallen.

Nach Claudias Tod hatte Oliver die Motorradtouren aufgegeben. Die Maschine stand noch in der Garage, verstaubt, aber unangetastet. Er konnte sich nicht überwinden, sie zu verkaufen, zu viele Erinnerungen hingen daran.

Manchmal, wenn er auf der Terrasse saß und die Sonne auf die alten Lederhandschuhe fiel, die noch immer auf dem Regal lagen, fragte er sich, ob er nicht doch noch einmal eine längere Tour fahren sollte. Nur ein letztes Mal. Für sie.

»Ja, ich frage ihn ja«, hörte er die Stimme seines Nachbarn. Im nächsten Moment erschien Alfreds freundliches Gesicht über der Hecke, die ihre Grundstücke lediglich pro Forma trennten. Lächeln oder nicht, Oliver erkannte deutlich die Spuren der letzten Nacht, denn auch Alfred war am Vorabend dabei gewesen und sie hatten den Heimweg gemeinsam gemeistert.

»Moin«, grinste Alfred. »Hast Du auch keinen Strom?«

»Nein, die Kaffeemaschine wollte nichts ausspucken. Aber mehr habe ich noch nicht probiert.«

»Ja, meine geliebte Frau bekommt auch keinen Kaffee, das macht sie etwas mürrisch.«

Nach mehr als 20 Jahren Freundschaft, wusste Oliver das Alfreds Frau ein wirklich liebenswerter und herzlicher Mensch war. Vorausgesetzt, sie bekam ihren Kaffee. Die beiden erinnerten ihn immer an Hippies aus den späten sechziger Jahren. Alfreds Kopf wurde oben zwar schon kahl, aber er trotzte dieser Alterserscheinung damit, dass er den Rest lang trug. Damit weniger auffiel, wie dünn der restliche Haarkranz war, band er den gern zu einem Pferdeschwanz. Doch in seinem faltigen Gesicht strahlten immer noch hellwache, blaue und meist lustig funkelnde Augen. Lena hingegen musste dem Alter nicht trotzen. Ihre Gesichtshaut war fast noch faltenfrei, lediglich um die tiefbraunen Augen herum gab es ein paar Lachfalten. Ihr braun-graues Haar wurde nicht mehr gefärbt, sie war jetzt 59 und sah nicht mehr ein, so einen Aufwand zu treiben. Die grauen Strähnen gefielen ihr.

»Kann ich verstehen, mir fehlt auch Koffein. Ich mache mal einen Vorschlag: Ich koche Kaffee auf dem Gasgrill, ihr bringt die Tassen?«

Schon kurz darauf saßen Lena und Alfred mit ihm auf der Terrasse und sie genossen gemeinsam den frischen Kaffee. Sie redeten über den bevorstehenden Abschied und mit einer kleinen Träne im Auge, wünschte Lena, dass Oliver finden möge, was er suche. Er ersparte sich, ihr zu erklären, dass er nichts suche, sondern nur heim wolle. Als die beiden sich verabschiedeten, machte Oliver sich auf den Weg in die Garage.

Seit Claudias Tod hatte er an der BMW nur noch erhaltende Maßnahmen getätigt. Motor laufen lassen, Ölwechsel. Vielleicht zwei oder drei kleinere Runden durch die nähere Umgebung. Er wusste, sie hätte ihm nie verziehen, wenn er das gute Stück vernachlässigt hätte, doch ohne sie hatte er die Freude am Fahren verloren, aber es auch nicht über das Herz gebracht, die Maschine wegzugeben.

Als Oliver versuchte, den Wagen zu starten, geschah, nichts. Rein gar nichts. Nicht einmal die Kontrollleuchten reagierten auf den Zündschlüssel. Fluchend stieg er aus und öffnete die Motorhaube, in der Hoffnung, die verräterischen Spuren eines Marders zu entdecken. Doch der Motorraum war sauber und ordentlich wie immer. Keine zerfetzten Dämmelemente, keine durchgebissenen Kabel. Also das war es nicht.

Der Batterieprüfer hätte vielleicht eine Antwort liefern können doch auch der verweigerte den Dienst. Oliver runzelte die Stirn. Was war hier los? Ein einfacher Stromausfall konnte kaum den Totalausfall von Smartphone, Auto und Prüfgerät erklären.

Er ging ins Haus und nahm den Telefonhörer ab. Kein Signal. Als er sich ans Fenster stellte, sah er, dass einige Nachbarn, darunter Lena und Alfred, auf der Straße standen und diskutierten. Also gesellte er sich zu ihnen.

Wilde Theorien machten die Runde, angefeuert durch eine schwarze Rauchsäule, die mittlerweile am Horizont aufstieg. Von Sonnenstürmen über strategische Atomschläge bis hin zu einem »stehengebliebenen Erdkern« war alles dabei.

Oliver erinnerte sich vage daran, darüber gelesen zu haben, konnte sich aber nicht mehr an die Details erinnern. Die Vorstellung, dass irgendeine Regierung, natürlich die US-Regierung, ein Experiment vermasselt hatte, erschien ihm zu weit hergeholt.

Ein elektromagnetischer Impuls, ein EMP, schien ihm die plausibelste Erklärung. Das würde zumindest erklären, warum sämtliche Geräte mit Chips plötzlich versagten.

Ein junger Mann, vielleicht Mitte zwanzig, erklärte Lena bereitwillig, was ein EMP war, mit einer Mischung aus Begeisterung und Sorge in der Stimme.

»Das bedeutet Elektromagnetischer Impuls. So was zerstört eigentlich fast alles, was Platinen oder Chips hat. Kann von einer Sonneneruption, einer Atombombe oder auch einer entsprechenden Waffe ausgelöst werden.«

Ein älterer Herr, den Oliver nur flüchtig kannte – Herr Mertens, pensionierter Physiklehrer mischte sich ein. Er trug wie immer seine Weste mit den vielen Taschen, aus denen ein Kompass und ein zerknittertes Notizbuch ragte.

»Das hier ist wie das Carrington-Ereignis von 1859, nur schlimmer«, sagte er, ohne Begrüßung. »Damals hat ein Sonnensturm die Telegrafen lahmgelegt. Heute haben wir Satelliten, GPS, Stromnetze, alles viel empfindlicher. Ich hab’s gemessen, mein Magnetometer ist durchgedreht.«

Alfred schnaubte. »Rudi, du und deine Weltuntergangsnummern. Letztes Jahr war’s noch Yellowstone.«

»Diesmal ist es echt«, beharrte Mertens. »Wenn das Magnetfeld kollabiert ist, dann war das nur der Anfang.«

Für den Augenblick war das wohl eine plausible Erklärung. Oliver schaute in den Himmel, weil ihm durch den Kopf ging, dass Flugzeuge davon ja auch gefährdet sein müssten.

Andererseits gehörten die meisten Flieger über dem Ort der US Air Force und er vermutete, dass die wohl geschützt waren. Aber vielleicht war die Rauchsäule ja ein Zeichen dafür, dass nicht alle Flieger geschützt waren.

Schon lange warnten alle möglichen Stellen davor, diese hochtechnologische Zivilisation, basierend auf Elektrizität, könne durch einen solchen elektromagnetischen Impuls gestört werden, oder sogar zusammenbrechen.

Ob durch die Sonne oder durch Menschenhand, das Ergebnis wäre dasselbe. Oliver war das gleichgültig. Er hatte Spekulationen jedweder Art schon immer gehasst. Sie führten selten zu etwas.

»Das schwierige an dieser Situation ist einfach, dass wir es nicht genau wissen«, schaltet er sich ein. »Wir können hier noch Stunden diskutieren, aber was bringt es?«

Der junge Mann, Oliver meinte sich zu erinnern, dass er Matthias hieß, nickte zustimmend.

»Stimmt. Aber was sollen wir tun? Alles ist wie tot. Kein Fernseher, kein Internet, gar nichts.«

»Wenn es wirklich so ein EMP war, könnte mein Motorrad noch funktionieren. Das hat noch nicht die ganzen Chips und so einen Kram«, warf Oliver ein. Er hatte es nur eben noch nicht ausprobiert.

In diesem Moment hörten sie, auf große Entfernung, einen Schuss. Alle verstummten.

»Die ersten drehen schon durch«, flüsterte Lena. »Sie drehen einfach durch.«

Alfreds Gesicht verfinsterte sich. Ihm schien Lenas Angst auf die Nerven zu fallen.

»Ach, Du immer mit Deinen Unkenrufen«, knurrte er. »Überall siehst Du Bedrohungen. Wahrscheinlich trainiert da jemand im Schützenhaus.« Doch sein Blick flackerte unruhig.

»Das sind keine Unkenrufe, Du Depp. Wenn da jemand trainiert, warum nur ein einzelner Schuss?« Wütend funkelte sie ihren Mann an. »Versuche jetzt nicht, das runterzuspielen.«

Alfred schwieg. Er und Oliver waren auch Sportschützen und wussten, dass Lena recht hatte und wann es besser war, dieser Frau nicht zu widersprechen.

»Wenn ihr zwei meint, auf Tour gehen zu müssen, seid gefälligst vorsichtig«, damit erhob sie sich und ging. Ein untrügliches Zeichen dafür das sie mehr als nur beunruhigt war.

»Also gut,« sagte Alfred. »Dein Motorrad. Ich glaube, Lena hat recht. Wir sollten vielleicht Pistolen mitnehmen.«

»Pistolen? Alfred, wenn man uns damit erwischt, bekommen wir Probleme. Das lassen wir besser. Wir fahren am besten gleich los. Bring lieber einen Rucksack mit, vielleicht können wir noch ein paar Vorräte organisieren.«

Matthias schaltete sich noch einmal ein.

»Gute Idee eigentlich. Ich habe zwar kein Motorrad, aber noch ein Fahrrad, das sollte auch helfen.«

Zwei weitere Nachbarn, beide ungefähr so alt wie Matthias, meldeten sich sofort. Auch sie hatten Fahrräder und würden den jungen Mann begleiten. Am Abend wollten sich dann alle noch einmal treffen und besprechen, was sie erlebt hatten. Für Oliver klang das nach einem guten Plan. Er hatte zwar keine Ahnung, was auf sie zukam, war sich aber sicher, dass es gut war, wenn die Nachbarschaft zusammenhielt.

Die Ordnung bröckelt

Eine halbe Stunde später stand Alfred pünktlich vor Olivers Garage. In seiner Cargohose, den schweren Wanderstiefeln und der abgewetzten Lederjacke wirkte er wie ein alternder Rocker aus einem 80er-Jahre-Film. Der visierlose, mattschwarze Helm in seiner Hand rundete das Bild ab. Oliver mit seinen kurzgeschorenen, grauen Haaren und der Cremefarbenen Motorradjacke wirkte dagegen fast seriös.

»Bereit, wenn Sie es sind. Mein Herr«, grinste Alfred.

»Dann los, Mad Max«, konterte Oliver und trat auf den Kickstarter. Beim zweiten Versuch sprang der Motor an. Alfred schwang sich hinter ihn, und sie fuhren los.

Am Ortsausgang beschlich Oliver das vertraute Hochgefühl des Motorradfahrens, doch diesmal mischte sich Nervosität darunter. Sie wussten nicht, was sie erwartete. Kein Plan, keine Informationen. Und wenn das Phänomen nicht nur lokal war, dann wusste vermutlich niemand mehr als sie.

Schon bald erreichten sie das nächste Ortsschild. Oliver nahm das Gas zurück. Hinter einer scharfen Kurve entdeckten sie an einer Bushaltestelle einen jungen Mann, der auf dem Bordstein hockte, den Kopf auf die verschränkten Arme gelegt.

»Der sieht fertig aus«, murmelte Alfred.

Oliver hielt mit einem Rest Misstrauen ein paar Meter entfernt an. Der Mann reagierte nicht. Sie stiegen ab, legten die Helme auf die Sitzbank und näherten sich vorsichtig. Doch was dann geschah, überrumpelte sie völlig.

Der junge Mann sprang auf, stürzte sich auf Oliver, schlug, trat und versuchte sogar, ihn zu beißen. Aus nächster Nähe sah Oliver das verzerrte Gesicht, die blutunterlaufenen Augen, den schaumigen Speichel. Über der linken Braue pulsierte etwas unter der Haut, wie eine Schlange oder ein Wurm.

Oliver taumelte zurück, spürte die Zähne des Angreifers fast an seinem Hals. Doch Alfred, der trotz seines Alters noch immer kräftig war, warf den Angreifer mit einem wuchtigen Stoß zwei Meter zurück.

Der Junge ließ nicht ab. Er griff erneut an, stolperte, fiel, und schlug mit dem Kopf hart auf die Bordsteinkante. Doch anstatt Liegen zu bleiben, sprang er sofort wieder auf.

Er stand gebückt, keuchend, den Rücken zu ihnen gewandt. Dann riss er den Kopf in den Nacken, presste die Hände an die Schläfen und stieß ein markerschütterndes, klagendes Gebrüll aus, eine Mischung aus Schmerz, Wut und Wahnsinn.

Und dann, als hätte jemand die Fäden einer Marionette durchtrennt, sackte er einfach in sich zusammen.

Vorsichtig traten die beiden Männer näher. An der Stirn des Toten war ein dunkles, fast schwarzes Hämatom zu sehen, genau dort, wo zuvor das Pulsieren war. Das Blut an seinem Kinn und Hemd war ebenso unnatürlich dunkel.

»Wie ein Läufer«, murmelte Alfred.

Oliver sah ihn fragend an. »Ein Läufer?«

»Ja, beim Schach. Die sehen so aus.« Alfred fuhr sich mit dem Finger quer über die Stirn.

Oliver verstand. Alfred hatte oft versucht, ihn fürs Schach zu begeistern, aber vergeblich. Doch der Vergleich war einprägsam.

Er zog zwei Zigaretten aus der Jacke. Sie rauchten, wie es Raucher eben tun, wenn sie nicht wissen, was sie sonst tun sollen. Viel wurde nicht gesprochen. Dann stiegen sie wieder auf und fuhren weiter.

Vorsichtiger und mit dem Gefühl, dass sie in etwas hineingeraten waren, das größer war als sie.

Hinter einer scharfen Linkskurve entdeckten sie zwei weitere Leichen. Offene, starrende Augen, schwere Kopfverletzungen. Und wieder: ein »markierter« Schädel. Zwei Autos standen quer auf der Straße.

Oliver stoppte. »Alfred, wir sollten umkehren. Zumindest für heute.«

»Nein. Wir wissen doch noch gar nichts. Lass uns zum Supermarkt in Horstmohr fahren. Über den Berg, die Waldwege sind gut befahrbar.«

»Ist aber verboten.«

»Ich glaube nicht, dass uns gerade jemand dafür belangen wird.« Alfred grinste, ein Grinsen, das Oliver kannte. Es bedeutete: Ich weiß, es ist verrückt. Aber wir tun es trotzdem.

Nach ein paar hundert Metern tauchte eine Gruppe Menschen auf der Straße auf. Einer von ihnen, ein großer Mann mit buschigem Vollbart, winkte ihnen zu.

»Willi«, sagte Alfred.

»Ach, der Alfred«, erwiderte der Mann mit einem Lächeln.

Sie tauschten Informationen aus. Alfred berichtete von dem Angriff. Willi hörte aufmerksam zu, nickte ernst.

»Ja, solche hatten wir hier auch. Zwei konnten wir stoppen. Dann das Gleiche: Brüllen, Blut, tot. Aber zwei unserer Leute haben’s nicht geschafft. Einer wurde gebissen. Wir haben ihn isoliert, falls es ansteckend ist.«

»Und die Toten? Warum lasst ihr sie einfach liegen?«

»Ist gerade erst passiert. Und es ist ein Tatort. Falls die Polizei kommt, sollten wir nichts verändern.«

Oliver nickte. Er verstand, und ärgerte sich, dass sie einfach weitergefahren waren.

»Ich schau auch mal, ob wir hier noch fahrbare Untersätze finden«, sagte Willi. »Passt auf euch auf. Ich komme die Tage mal bei euch vorbei. Vielleicht wissen wir dann mehr, oder können uns helfen.«

Er nickte zum Abschied. Oliver startete den Motor.

***

Schon wenig später erreichten die beiden Horstmohr. Sie hatten problemlos durch den Wald abgekürzt und hielten nun wenige Meter vor dem Supermarkt. Wie erwartet, wimmelte es von Menschen, Autos waren keine zu sehen. Fahrräder dominierten das Bild.

Langsam ließ Oliver das Motorrad auf den Parkplatz rollen. Um sie herum herrschte Chaos. Einige kamen mit übervollen Einkaufswagen aus dem Laden, andere verließen ihn mit leeren Händen, und Tränen in den Augen.

Eine junge Frau zog ein weinendes Kind hinter sich her. Auch sie weinte. Oliver begann zu ahnen, was hier los war.

»Kein Geld, Alfred. Die haben wahrscheinlich kein Bargeld. Und ohne Strom funktioniert keine Kartenzahlung.«

Alfred nickte.

»Ja, das wird’s sein. Ich hab noch Bargeld. Du?«

»Klar. Ich zahl ungern mit Karte. Da verliert man schnell den Überblick.«

Kurz darauf betraten sie den Supermarkt, und waren überwältigt. Die Schlangen an den Kassen reichten bis in die Gänge. Keine Registrierkasse funktionierte mehr. Nur zwei Kassen waren geöffnet, jeweils mit zwei Kassiererinnen, die mit Stift und Papier rechneten. Oliver ertappte sich bei dem Gedanken, dass er das wohl nicht so schnell hinbekäme.

Die Menschen, die in den Schlangen warteten, fassten sich in Geduld, was blieb ihnen auch übrig. Sie schritten durch die Eingangsbarriere und kamen zuerst bei der Gemüseabteilung vorbei.

Die Stände waren nicht einfach nur leer. Sie waren regelrecht geplündert worden. Am Boden lagen noch vereinzelte, braune und zertretene Blätter. Kaum zu erkennen von was für einem Salat oder Gemüse sie stammen mochten.

Rechts von ihnen lag die Getränkeabteilung, aus der zwei Männer eben mit Einkaufswagen voller Bier kamen.

»Da werden eindeutige Prioritäten gesetzt«, grinste Alfred ihn an.

»Du weißt ja: drei Bier sind eine Mahlzeit«, lachte Oliver, und Alfred komplettierte den alten Witz.

»... und dann hast du noch nichts getrunken.«

Doch das Lachen und der Humor verging den beiden schnell. Sie passierten Regale, in denen noch vor kurzem der reine Überfluss ausgestellt worden war, jetzt jedoch pure Leere herrschte.

Rechter Hand standen in den unteren Regalen noch ein paar Packungen Kekse, doch im nächsten Moment erschien ein Junge, vielleicht zehn Jahre alt, schnappte sich gleich alle und rannte davon. Er rannte jedoch nicht in den Laden hinein, um die Kekse in irgendeinen Einkaufswagen zu bringen, sondern geradewegs auf die Eingangsbarriere zu, und rutschte, seinen Schwung ausnutzend, unter der Barriere hindurch.

Die beiden Männer sahen sich überrascht an.

»Der hat sein Bargeld Problem gelöst, halt auf anderen Wegen.« Oliver konnte eine gewisse Belustigung über so viel Chuzpe nicht verbergen.

»Ja, und ich vermute das war nicht sein erstes Mal.«

Im nächsten Gang wurden sie dann Zeuge wie sich eine junge Frau im verwaschenen Pinkfarbenen Jogginganzug, deren Kleinkind im Kindersitz hockte, den ganzen Einkaufswagen mit dem verbliebenen Toilettenpapier vollstopfte.

Oliver konnte sich nicht verkneifen sie innerlich »Pinky« zu taufen. Just in diesem Moment, erschien eine weitere Frau, mit ähnlich verwaschener Kleidung, bei der jedoch Grau überwog. Die Graue keifte erbost, dass sie so viel Dreistigkeit noch nicht gesehen habe. Da sie einen verheerenden, auch nicht ganz stubenreinen, Dialekt sprach, konnte Oliver sich die Frage, womit sie sich denn nun sauber halten solle, lediglich zusammenreimen. Das zumindest schloss Oliver aus den Worten »Arsch« und »abbutze« im selben Satz.

Pinky antwortete mit einem lakonischen Schulterzucken, klopfte noch einmal demonstrativ die letzte Tüte etwas fester und wollte gehen.

Doch sie hatte die Rechnung offensichtlich ohne die Graue mit Sauberkeitsbedürfnis gemacht, denn diese Dame fand offensichtlich, der Worte wären genug gewechselt und ging, ohne jede weitere Vorwarnung, wild mit den Händen fuchtelnd auf ihre Kontrahentin los. Die Getroffene schrie zunächst laut auf und wich zurück, entschloss sich dann jedoch die eroberten Waren auf keinen Fall kampflos aufzugeben. Sie sprang vor, krallte ihre Rechte mit herzhafter Wucht in die dunklen Haare der Angreiferin, riss deren Kopf mit voller Wucht nach unten. Mit vernehmbaren Knacken brach die Nase der Angreiferin auf dem angehobenen Bein.

Das empörte und schmerzhafte Kreischen der Grauen rief nun offensichtlich ihren männlichen Begleiter auf den Plan, der sich wüst und rücksichtslos zwischen den beiden Rentnern hindurchzwängte und auf Pinky zusteuerte.

Oliver bemerkte das Alfred neben ihm sich anspannte. Er wusste, dass der Freund sich gleich einschalten würde, um eventuell zu schlichten. Doch unter den gegebenen Umständen konnte Oliver da keinen Mehrwert erkennen und hielt den Freund am Jackenärmel fest.

»Das ist nicht unsere Sache, Alfred. Lass sie das allein regeln.«

Der grobschlächtige, in Arbeitskleidung steckende Begleiter der Grauen holte aus und verpasste Pinky eine schallende Ohrfeige und dann dauerte es nur noch wenige Sekunden, bis sich weitere, plötzlich auftauchende, Erwachsene einschalteten.

---ENDE DER LESEPROBE---