Leben in der Liebe des Vaters - Manfred Lanz - E-Book

Leben in der Liebe des Vaters E-Book

Manfred Lanz

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Beschreibung

"Wir haben die Vaterliebe Gottes noch nicht wirklich verstanden und aufgenommen. Sonst würden wir nicht so leben, wie wir leben. Und sonst würde uns dieses Buch nicht so überraschen." - Albert Frey Dieses Buch fordert heraus, Gott als Vater ganz persönlich kennenzulernen und sich von seiner Liebe erfüllen zu lassen. Viele Christen können zwar theoretisch über die Liebe Gottes sprechen, haben aber in ihrem Herzen noch nicht erkannt, was es wirklich heißt, ein geliebtes Kind zu sein. Vielmehr plagen sie sich ab, sind frustriert und haben letztlich ein schiefes Bild von Gott - wie der ältere Bruder im Gleichnis vom verlorenen Sohn. Pastor Manfred Lanz musste selbst durch eine schwere Lebenskrise gehen, um dies zu erkennen. Einfühlsam, sehr klar und eingängig legt er die Bibel aus und lässt den Leser an seinen persönlichen Erlebnissen und Erkenntnissen teilhaben. So nimmt er ihn mit auf eine Entdeckungsreise, die ihn direkt zum Vaterherzen Gottes führt. Dieses Buch erschien zuvor bei der Leuchter Edition.

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Manfred Lanz

Leben in der Liebe des Vaters

Eine Entdeckungsreise zum Vaterherzen Gottes

Meinem geliebten himmlischen Vater.

Du hast mir in Jesus Christus

das größte Geschenk meines Lebens gemacht:

dein geliebter Sohn zu sein.

Manfred Lanz

Leben

in der Liebe

des Vaters

Eine Entdeckungsreise zum Vaterherzen Gottes

Die

Edition

erscheint in Zusammenarbeit

zwischen SCM R.Brockhaus im SCM-Verlag GmbH & Co. KG, Witten

und dem Bundes-Verlag, Witten

Herausgeber: Ulrich Eggers

Dieses E-Book darf ausschließlich auf einem Endgerät (Computer, E-Reader) des jeweiligen Kunden verwendet werden, der das E-Book selbst, im von uns autorisierten E-Book Shop, gekauft hat. Jede Weitergabe an andere Personen entspricht nicht mehr der von uns erlaubten Nutzung, ist strafbar und schadet dem Autor und dem Verlagswesen.

Bibelzitate sind, sofern nicht anders angegeben,

der Schlachter-Übersetzung, Version 2000, Neue revidierte Fassung,

Genfer Bibelgesellschaft entnommen.

© 2009 SCM R.Brockhaus im SCM-Verlag GmbH & Co. KG, Witten

Vormals in der Leuchter Edition GmbH, Erzhausen, erschienen.

Umschlaggestaltung: FriebelArts, Peiting

Druck: Bercker, Graphischer Betrieb, Kevelaer

ISBN: 978-3-417-21956-2 (E-Book)

ISBN: 978-3-417-26320-6 (lieferbare Buchausgabe)

Bestell-Nr.: 226.320

Datenkonvertierung E-Book:

Fischer, Knoblauch & Co. Medienproduktionsgesellschaft mbH, 80801 München

Geleitworte

Manfred Lanz ist Lehrer und Pastor – im beruflichen und mehr noch im geistlichen Sinne. In den letzten Jahren hat er vielfältige Leitungsaufgaben im Reich Gottes wahrgenommen. Doch Position und Amt sind für ihn nicht mehr das Entscheidende. Er würde heute sagen, dass er vor allem ein Geliebter ist. Ich kenne ihn schon eine ganze Weile, die letzten Jahre intensiver. Leben in der Liebe des Vaters – ja, das spürt man ihm ab. Ich genieße seine innere Ruhe, sein Zuhörenkönnen, seine Kompetenz und seine lebensnahen Ratschläge, wenn ich ihn als geistlichen Berater und Begleiter aufsuche oder wenn wir zusammen „dienen“.

Dieses Buch ist die erstaunliche Geschichte seiner Veränderung durch eine schlimme Krise hindurch und hilft uns, die Grundlage unseres Glaubens echter und tiefer zu legen.

Warum scheint der Mond nicht? Warum ist die erste Liebe nicht anstrengend? Mit anschaulichen Bildern und inspirierender Auslegung der Schrift zeigt Manfred Lanz, wo wir noch aus eigener, statt aus Gottes Kraft leben und wie wir das ändern können. Wir haben die Vaterliebe Gottes noch nicht wirklich verstanden und aufgenommen. Sonst würden wir nicht so leben, wie wir leben. Und sonst würde uns dieses Buch nicht so überraschen.

Albert Frey

Musiker und Songwriter

„Von Gott gewollt und geliebt!“ ist die Botschaft des Buches.

Mit bewegtem Herzen habe ich die verschiedenen Kapitel durchgelesen und auf mich wirken lassen. Das Buch hat mich tief berührt und beeindruckt. Es drückt Leben und eine große Vielfalt aus. Es wird Antworten geben für alle, die mit offenem Herzen lesen.

Der Autor, Manfred Lanz, zeigt ein Stück Lebensgeschichte, die Mut macht, das Vaterherz Gottes zu entdecken.

Wir Menschen sind von Gott geliebte Persönlichkeiten. Diese Interpretation biblischer Texte, verbunden mit der Realität des Lebens, macht die spirituelle Sehnsucht des Menschen nach Liebe deutlich.

Der Grundgedanke „Geliebte können lieben!“ sollte Botschaft für jeden Leser und jede Leserin werden. Dem Buch wünsche ich segensreiche Auflagen, um Leben durch die Menschenfreundlichkeit Gottes zu entfachen.

Roman Siewert

Präses im Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden

Kapitel 1

Die Entdeckungsreise

Es gab viele Höhen und Tiefen. Auf meinem Lebensweg mit Gott hatte ich vielfältige beglückende Erfahrungen gemacht, aber auch schwere Enttäuschungen und Niederlagen kennengelernt.

Seit vielen Jahren war ich Pastor im vollzeitlichen geistlichen Dienst. Dort erlebte ich starke Segenszeiten und viel Bestätigung, aber auch harte Kämpfe und Konflikte. Inmitten aller Herausforderungen begegnete mir Gott immer wieder, und ich schöpfte neuen Mut für die nächsten Schritte.

Doch dieses Mal war es anders. Ich befand mich in der schwersten Krise meines Lebens. Hoffnungslosigkeit raubte mir jede Perspektive. Depressionen lähmten meinen Antrieb. Ich sah keinen Ausweg mehr. Der Zugang zu Gott schien blockiert. Alles in mir war dunkel. Ich verstand mich selbst nicht mehr. Ich ging auf die fünfzig zu. War es eine Midlife-Crisis, ein typisches Burn-out, oder was steckte dahinter?

Dabei hatte meine Reise mit Gott doch so hoffnungsvoll begonnen. Als ich mit 19 Jahren Jesus kennenlernte, war ich überglücklich. Ich fühlte mich wie der verlorene Sohn, der Gottes unverdiente Gnade und Vergebung empfangen durfte. Voller Begeisterung und Tatendrang lebte ich mit Jesus. Sehr schnell arbeitete ich in vielen Bereichen der Gemeinde mit. Schon bald spürte ich einen inneren Ruf in den vollzeitlichen Dienst im Reich Gottes.

Auch familiär waren die Weichen gut gestellt. Meine Frau kam aus einem christlichen Elternhaus. Gemeinsam träumten wir davon, Gott in der Mission zu dienen, und von einer Familie mit eigenen und angenommenen Kindern. Nachdem wir keine eigenen bekamen, waren wir uns schnell einig, dass wir Kindern, die sonst ohne Eltern aufwachsen würden, ein Zuhause geben wollten. So nahmen wir drei Kinder aus dem Ausland auf.

In allen Lebensbereichen hatte ich einen hohen inneren Anspruch an mich selber. Ich wollte ein guter, ein sehr guter Ehemann sein. Ich wollte ein guter, ein sehr guter Vater sein. Und natürlich wollte ich auch ein guter, ein sehr guter Pastor sein.

Irgendwie hatte ich dieses Konzept seit Kindheit verinnerlicht: Durchschnitt genügt nicht, nur das Besondere zählt! So war mein Lebensstil weitgehend geprägt von Leistung, der Suche nach Erfolg und dem Erfüllen von Anforderungen und Erwartungen. Unbewusst übertrug ich dieses Bild auch auf meine Beziehung zu Gott und auf den geistlichen Dienst.

ERSCHÜTTERUNGEN IN MEHREREN BEREICHEN

Mein Selbstbild wurde mehr und mehr erschüttert. Familiär kamen wir in Turbulenzen. Jedes unserer drei Kinder brachte seine eigene Geschichte mit. Es waren Geschichten der Verlassenheit, der Ablehnung, der Suche nach Identität. Ich fühlte mich mit den daraus resultierenden Spannungsfeldern weitgehend überfordert, gerade im Hinblick auf meine überhöhten Ansprüche an das eigene Vatersein. Immer mehr schlich sich ein Versagergefühl in mein Herz.

Auch in der Ehe konnte ich letztlich nicht das geben, was ich als „Idealpartner“ geben wollte. Meine Frau und ich sind extrem unterschiedlich in Persönlichkeit, Bedürfnissen und Prägungen. In unserer damals fast 24-jährigen Ehe hatten wir sehr schöne Zeiten erlebt. Doch immer wieder kamen wir an Grenzen und schafften es nicht, aus den Reaktionsmustern unserer Vergangenheit und Verletztheit herauszutreten. Die Folge war immer wieder, dass ich mich zurückzog. Unsere Beziehung wurde distanziert.

Auch der Dienst im Reich Gottes gestaltete sich zunehmend schwierig. Nach jahrelangem Dienst als Gemeindepastor führte Gott mich in den übergemeindlichen Dienst. Diese Neuorientierung beinhaltete viele Herausforderungen. Offensichtlich enttäuschte ich mit diesem Schritt manche Menschen, gleichzeitig war mir aber klar, dass ich meinen eigenen Weg finden und gehen musste. Oft fühlte ich die ganze Last des Reiches Gottes auf meinen Schultern. Mein Hang zur Überverantwortung kam in dieser Zeit besonders zum Vorschein. Mit Kritik und Ablehnung umzugehen, fiel mir immer schwerer. Ich wurde meinen eigenen Ansprüchen nicht mehr gerecht.

LEBENSKRISE

Eine Folge dieser Entwicklungen waren eine starke Infragestellung meiner Person und ein angeschlagenes Selbstwertgefühl. Aus meinem Innersten drängten sich Fragen auf wie: „Wer bin ich wirklich?“ „Worin besteht meine Identität?“ „Was macht meinen Wert aus?“ Ich schien nicht mehr so zu „funktionieren“, wie ich und andere es von mir gewohnt waren. Eine tiefe Verunsicherung war die Folge.

Mit all diesen Fragen und Problemen suchte ich bei Gott Hilfe und Ruhe. Ich wollte diesen lähmenden Druck loswerden. Immer wieder hatte ich in der Vergangenheit durch Gottes Nähe Entspannung erlebt. Doch in dieser Phase hatte ich das Gefühl, als ob Gott noch mehr Druck auf mich legen würde. Das war das Allerschlimmste. Es kam mir vor, als ob er mir all mein Versagen vorhielt und mich zu noch mehr Höchstleistungen antrieb. Ich fühlte mich angeklagt, ausgebrannt, verzweifelt. Mein Lebensmut war gebrochen.

Für die nächsten drei Monate sagte ich, soweit irgend möglich, alle Termine ab. Jeder Gedanke an Dienst, jede Begegnung mit Menschen, jeder Telefonanruf stellte eine Bedrohung für mich dar. Ich fühlte mich auf allen Ebenen überfordert.

Mein Herz schrie zu Gott. Gleichzeitig hatte ich Angst vor ihm und ging auf Distanz. Ich sah keinen Ausweg mehr. Ich war mit meiner Weisheit am Ende.

DIE ENTDECKUNGSREISE BEGINNT

Dann kam ER. Inmitten tiefster Dunkelheit und Verzweiflung begann er, mir sein Herz zu offenbaren. Sein Vaterherz. Seine Liebe zu mir. Ein Lichtstrahl aus der himmlischen Welt erreichte mein Herz. Hoffnung keimte auf. Das war der Beginn einer neuen Entdeckungsreise, einer Reise zum Vaterherzen Gottes.

Gott zeigte mir seine Liebe! Es waren unterschiedlichste Wege, die er dabei benutzte:

  Eine Auszeit (Sabbat) zur körperlichen Erholung und Wiederherstellung mit vielen Spaziergängen in der Natur.

  Bücher über das Vaterherz Gottes, die mir eine neue Dimension seines Wesens eröffneten.

  Verschiedene Begegnungen mit Menschen, die schon länger auf dieser Entdeckungsreise sind und deren Lebensstil mich stark beeindruckt hat.

  Bibelstellen über Gottes Liebe, die mein Herz ganz neu berührten, die ich bisher „überlesen“ bzw. als rein theologische Wahrheit abgespeichert hatte.

  Ein väterlicher Freund, der mir durch seine Begleitung in dieser Zeit das Wesen unseres himmlischen Vaters in besonderer Weise widerspiegelte.

  Ein christlicher Therapeut, der mir in vielen Seelsorgegesprächen half, mein eigenes Herz zu entdecken, und gleichzeitig Wege für einen neuen Zugang zum Herzen Gottes öffnete.

  Zeiten der Stille, des Nachdenkens, des Hörens. Ich fing an, ein geistliches Tagebuch zu schreiben, um bewusst meine inneren Prozesse zu reflektieren und festzuhalten, was ich von Gott hörte.

In dieser Zeit wurde es für mich sehr wichtig, mein eigenes Herz zu spüren und meine tieferen Gefühle wahrzunehmen. Ich war es nicht gewohnt, mich mit mir selbst auseinanderzusetzen und auf mein Innerstes zu hören. Vieles hatte ich unter dem Vorzeichen der Leistungsorientierung und Pflichterfüllung verdrängt. Hier wurde mir die therapeutische Unterstützung enorm hilfreich – auch wenn ich mich lange schwertat, diese in Anspruch zu nehmen. Dadurch, dass verschüttete Bereiche meiner Gefühlswelt freigelegt wurden, erlebte ich gleichzeitig, dass sich mir ein innerer Raum für eine neue Begegnung mit Gott erschloss. Das Vaterherz Gottes wahrnehmen und spüren konnte ich offensichtlich nur über einen neuen Zugang zu meinem eigenen Herzen.

DU BIST MEIN GELIEBTER SOHN!

Mehr und mehr konnte ich begreifen: Ich bin wertvoll und geliebt! Nicht nur, wenn ich etwas Besonderes leiste, wenn ich erfolgreich bin als Pastor, wenn ich genug diene und mich abmühe, wenn ich gehorsam bin und keine Fehler mache, wenn andere mit mir zufrieden sind, wenn ich meinen eigenen Ansprüchen gerecht werde … – nein. Ich bin geliebt, weil Gott Liebe ist, weil er mich aus Liebe für eine Liebesbeziehung mit ihm geschaffen hat, weil er mich in Christus angenommen und zu seinem geliebten Sohn gemacht hat!

„Du bist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“ (Markus 1,11)

Diese Worte empfing Jesus von seinem himmlischen Vater bei der Taufe. Lange Zeit dachte ich, dieses Wort hätte ausschließlich Jesus gegolten. Er war schließlich der perfekte Sohn. Allmählich aber eroberte die beglückende Wahrheit mein Herz: Auch ich bin sein geliebter Sohn. Ich bin genauso geliebt wie Jesus! 1 Der Vater liebt Jesus nicht, weil er vollkommen ist, sondern weil er sein Sohn ist.2

Das konnte ich als Vater von drei adoptierten Kindern gut verstehen. Ich muss mir nicht bei jedem Fehlverhalten meiner Kinder überlegen, ob sie noch meine Kinder sind und ob ich sie noch liebe. Um wie viel mehr liebt der Vater im Himmel – nicht als Belohnung für Wohlverhalten und gute Werke (mit entsprechendem Liebesentzug bei Fehlverhalten), sondern weil wir Söhne und Töchter sind.

Die Zusage „Geliebter Sohn“ empfing Jesus zu Beginn seines öffentlichen Wirkens. Sie bildete das Fundament seines Lebens und Dienstes. Alles, was Jesus sagte und tat, war geboren aus der Liebesbeziehung mit seinem Vater im Himmel.3 Er lebte aus der Identität des geliebten Sohnes. Er war nicht getrieben von Erfolg und Leistung. Er war frei von Menschengefälligkeit. Er kämpfte nicht für sich selbst. Er musste sich nicht beweisen und in den Vordergrund stellen.

Eine leise Ahnung durchzog mein Herz: Es gab eine andere Dimension im geistlichen Leben und Dienst als die, die ich bisher kennengelernt hatte – Leben als geliebtes Kind, Leben in der Liebe des Vaters. In diese Dimension wollte ich vordringen.

Seither bin ich auf Entdeckungsreise. Dabei gibt es viel zu lernen: wieder kindlich werden, empfangen können, falsche Stärke ablegen, aus der Liebesbeziehung zu Gott leben und dienen. Und es gibt viel zu entdecken: Gottes Vaterherz, seine Liebe in Jesus, unsere Identität in ihm, Heilung, Befreiung, Wiederherstellung und ungeahnte Herrlichkeiten.

Diese Entdeckungsreise beschreibt, wie Gott sich mir als Vater geoffenbart hat. Natürlich ist mir bewusst, dass zur Person Gottes genauso der Sohn und der Heilige Geist gehören.

Vater, Sohn und Heiliger Geist sind absolut wesenseins, doch unterscheiden sie sich in Identität, Ausdrucksform, Aufgabe und Geschichte – und damit auch, wie wir sie erfahren und in Beziehung mit ihnen leben.

Viele Jahre hatte ich kaum Zugang zu Gott, dem Vater. Mein Christsein war stark auf Jesus, den Sohn Gottes, und auf den Heiligen Geist fokussiert. Durch die tief gehenden Herausforderungen und Veränderungsprozesse in meinem Leben ist mir Gott-Vater sehr nahe gekommen.

Kapitel 2

Zeige uns den Vater!

Drei Jahre waren die Jünger mit Jesus zusammen. Immer auf Tuchfühlung. Hautnah erlebten sie seine Zeichen und Wunder. Die Worte Jesu hörten sie mit ihren eigenen Ohren.

JESUS UND SEIN VATER

Dabei sprach Jesus 176-mal von seinem Vater, 112-mal allein im Johannesevangelium. Hier einige Beispiele:

„Mein Vater wirkt bis jetzt, und ich wirke auch.“ (Johannes 5,17)

„Der Sohn kann nichts von sich selbst aus tun, sondern nur, was er den Vater tun sieht; denn was dieser tut, das tut gleicherweise auch der Sohn.“ (Johannes 5,19)

„… und ich tue nichts von mir selbst, sondern wie mich mein Vater gelehrt hat, so rede ich.“ (Johannes 8,28b)

„Ich und der Vater sind eins.“ (Johannes 10,30)

„Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen.“ (Johannes 149)

Überall wird deutlich: Das irdische Leben Jesu war leibhaftiges Abbild seines Vaters im Himmel. Jede Heilung, jede Begegnung, jedes Wort von ihm verkörperte den hundertprozentigen Willen Gottes auf Erden. Ihn zu verherrlichen war sein Lebensziel.4

In fünf Kapiteln, Johannes 13 bis 17, werden die letzten Tage Jesu mit seinen Jüngern vor seinem Leiden und Sterben beschrieben: In konzentrierter Form sprach Jesus über so Grundlegendes wie Liebe, einander dienen, in ihm bleiben, das Werk des Heiligen Geistes, Einheit der Gläubigen und vieles mehr. Dabei war sein Bezugspunkt immer der Vater. Von ihm kam er, in ihm lebte und wirkte er, und zu ihm ging er.

Am deutlichsten kommt dies in den ersten Versen von Johannes 14 zum Ausdruck, als Jesus von den Wohnungen im Hause seines Vaters sprach, die er uns vorbereiten würde. Anschließend fügte er hinzu:

„Wohin ich aber gehe, wisst ihr, und ihr kennt den Weg“ (Johannes 14,4)

VON WELCHEM WEG SPRICHT JESUS?

Nach so langer Zeit mit so viel Unterweisung über den Vater sollte man annehmen, dass die Jünger genau verstanden hatten, was Jesus damit meinte. Umso mehr erstaunt uns die Frage von Thomas:

„Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst, und wie können wir den Weg kennen?“ (Johannes 14,5)

Wie tröstlich wurde mir dieses Wort aus dem Mund von einem der engsten Jünger Jesu. Auch ich war schon lange auf dem Weg mit Jesus und hatte offensichtlich entscheidende Aussagen über den himmlischen Vater nicht tief verstanden.

Die Antwort Jesu gehört zu den bekanntesten Bibelstellen überhaupt:

„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater als nur durch mich!“ (Johannes 14,6)

Mir fiel auf, dass ich bisher fast nur den ersten Teil dieses Verses wahrgenommen hatte. In Predigten und evangelistischen Botschaften hörte ich (und verkündigte ich selber) meist nur die eine Seite der Wahrheit. Offensichtlich war ich auf halbem Wege stehen geblieben. Ja, Jesus ist der Weg, die Wahrheit, das Leben – aber durch ihn sollen wir auch zum Vater kommen! Ziel ist das Heimkommen zum Vater. Durch seine Erlösung am Kreuz wollte Jesus uns nicht nur unsere Sünden vergeben, sondern den Weg frei machen, um uns zum Vater zu führen. Das Evangelium beinhaltet nicht nur die Beseitigung von Problemen wie Sünde, Verdammnis, Krankheit usw., sondern auch die Erfüllung unserer tiefsten Sehnsüchte: bei Gott zu Hause zu sein; Liebe, Annahme und Geborgenheit beim Vater zu erfahren.

DEN VATER ERKENNEN

„Wenn ihr mich erkannt hättet, so hättet ihr auch meinen Vater erkannt; und von nun an erkennt ihr ihn und habt ihn gesehen.“ (Johannes 14,7)

Das Wort „erkennen“ bezieht sich hier – wie so oft in der Bibel – nicht auf das intellektuelle Verstehen von theologischen Zusammenhängen. Es ist vielmehr die Umschreibung intimster Gemeinschaft und Begegnung, wie sie z. B. in 1. Mose 4,1 zum Ausdruck kommt: „Adam erkannte seine Frau Eva.“ Es geht also um eine Herzensbegegnung, um die innere Offenbarung, in der Person Jesu den Vater zu sehen. Philippus antwortet darauf:

„Herr, zeige uns den Vater, so genügt es uns!“ (Johannes 14,8)

Drei Dinge fallen bei diesem Wort auf.

Zunächst erkennen wir den immer noch vorhandenen Mangel der Jünger an tieferer Einsicht in das, was Jesus ihnen in Bezug auf seinen Vater erklärt hatte. Dann sehen wir den aufrichtigen Wunsch der Jünger, dass Jesus ihnen den Vater zeigen möge. Schließlich ist der Zusatz „so genügt es uns“ äußerst bemerkenswert. Offensichtlich trugen sie die Ahnung im Herzen: Wenn sie durch Jesus den Vater sehen könnten – dann würde es ihnen genügen, dann wäre alles okay!

Das war auch mein Wunsch. Ich wollte Gott erkennen, wie er wirklich ist. Ich wollte den Vater sehen und tiefer kennenlernen. Ich spürte, dass in dieser Offenbarung mein Herz zur Ruhe kommen könnte, dass dies auch mir genügen würde.

„Jesus spricht zu ihm: So lange Zeit bin ich bei euch, und du hast mich noch nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du da sagen: Zeige uns den Vater!“ (Johannes 14,9)

DIE DIMENSION DES VATERS IN JESUS