Leben wie ein Mönch - Danièle Cybulskie - E-Book

Leben wie ein Mönch E-Book

Danièle Cybulskie

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Beschreibung

Wir wissen, dass sie beteten, sangen und lange Gewänder trugen – aber wie sah der Alltag der Mönche im Mittelalter wirklich aus? Obwohl das klösterliche Leben uns aus heutiger Sicht hart, asketisch und streng erscheinen mag, wird es doch von Grundsätzen geprägt, die sehr attraktiv sind: Die Suche nach innerem Gleichgewicht und Frieden sowie äußerer Ordnung und Einfachheit. Dieses Buch beleuchtet den Alltag des mittelalterlichen europäischen Mönchtums und zeigt, wie man die Grundsätze des klösterlichen Lebens auf das eigene Leben anwenden kann. Die Mediävistin Daniele Cybulskie beschreibt in jedem Kapitel sehr anschaulich einzelne Aspekte des Mönchtums und zeigt dann die nützlichen Anwendungen für die heutige Zeit auf, wie beispielsweise eine gesunde Ernährung, das Schaffen von Routinen, Gartenarbeit und die Hilfe für andere. Dabei wird klar, dass die Mönche einerseits ihre spirituelle Berufung sehr ernst nahmen, andererseits aber auch ganz bodenständig waren: Sie stellten Bier und Wein her, hielten Bienen und schrieben sogar Beschwerden über Kälte in die Manuskripte, die sie kopierten. Das Lesevergnügen wird verstärkt durch die wunderbaren Illustrationen von Anna Lobanova. Das Buch richtet sich an alle, die sich für das Mittelalter interessieren und sich davon zu einem erfüllteren Leben inspirieren lassen wollen.

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Seitenzahl: 181

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Leben wie ein Mönch

Danièle Cybulskie

Illustrationen von Anna Lobanova

Leben wie ein

MÖNCH

Wie Sie die Weisheit des Mittelalters für Ihren Alltag nutzen

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie.

Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.de abrufbar.

Für Fragen und Anregungen:

[email protected]

1. Auflage 2023

© 2023 by FinanzBuch Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH

Türkenstraße 89

80799 München

Tel.: 089 651285-0

Fax: 089 652096

Copyright der Originalausgabe © 2021 by Abbeville Press. All rights reserved under international copyright conventions. Die englische Originalausgabe erschien bei Abbeville Press, 655 Third Avenue, New York, NY 10017 unter dem Titel How to Live Like a Monk. Medieval Wisdom for Modern Life.

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Übersetzung: Maria Zettner

Redaktion: Silke Panten

Korrektorat: Anke Schenker

Umschlaggestaltung: Karina Braun, in Anlehnung an das Cover der Originalausgabe

Illustrationen Innenteil: © Anna Lobanova

Satz: Zerosoft, Timisoara

eBook: ePUBoo.com

ISBN Print 978-3-95972-633-7

ISBN E-Book (PDF) 978-3-98609-213-9

ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-98609-214-6

Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter

www.finanzbuchverlag.de

Beachten Sie auch unsere weiteren Verlage unter www.m-vg.de

Inhalt

Ad regulam

1

Pflanzen- und Seelenpflege

2

Minimalismus als Ideal

3

Der Blick nach innen

4

Der Blick nach draußen

5

Alles in Maßen, auch die Mäßigung

Ad meliora

Glossar

Literaturverzeichnis

Abbildungsnachweis

Anmerkungen

Dieses Buch widme ich meiner Urgroßmutter Freda Horton, die sich ebenso sehr durch kernige Weisheit und modisches Gespür auszeichnete wie durch Mut und Liebe.

Danièle Cybulskie

Ad regulam

… befolge mit Christi Hilfe diese einfache Regel für Anfänger. So wirst du schließlich … zu den … erhabeneren Höhen der Weisheit und Tugend gelangen.

Benedikt von Nursia,Die Mönchsregel des heiligen Benedikt

Die Idee zu diesem Buch kam auf, lange bevor sich COVID-19 über die Welt ausbreitete und viele von uns zwang, sich vorübergehend gewissermaßen wie Mönche in ein weltabgeschiedenes Leben zurückzuziehen. Die soziale Isolierung im Zuge der Pandemie hatte aber auch ihr Gutes: Sie vermittelte uns eine Ahnung davon, warum das Klosterleben schon seit etwa zwei Jahrtausenden viele Menschen so fasziniert und inwiefern es besonders gut ins Mittelalter, die Zeitspanne von etwa 500 bis 1500, passte.

Auch wenn einige Eremiten wie der heilige Antonius (hier abgebildet mit dem heiligen Hieronymus) aus eigener Kraft ein religiöses Leben zu führen vermochten, bildeten sich Klostergemeinschaften, in denen sich Versuchungen leichter widerstehen ließ.

Quelle: Das Almugavar-Stundenbuch, Fol. 276v, um 1510–1520 (Detail); Walters Art Museum, Baltimore, W.420.

Die Ersten, die das praktizierten, was sich später zum klösterlichen Leben auswuchs, waren die Wüstenväter der Spätantike. Sie sonderten sich so weit wie möglich von der Gesellschaft ab, um ihre gesamte Zeit in religiöser Kontemplation zu verbringen. Diese Eremiten kämpften, wie ihre Biografen uns überliefern, nach Kräften gegen die Macht des Teufels an, um ein aus ihrer Sicht reines und tugendhaftes Leben führen zu können. Für viele galten sie damit als Inbegriff der Frömmigkeit, und mehrere von ihnen, unter ihnen der heilige Antonius, erlangten den Stand der Heiligkeit.

Wie die Isolation, die uns ab dem Jahr 2020 auferlegte wurde, viele von uns lehrte, kann es sehr schwer sein, einer Versuchung zu widerstehen, wenn man ihr ganz allein ausgeliefert ist. Von den vielen Versuchen mit Sauerteigbrot, die uns zur genüsslichen Völlerei verführten, bis zu den Serienmarathons bei Netflix, die uns zur Trägheit verleiteten, wurde uns wieder neu bewusst, dass sich gute Vorsätze nur mit äußerster Mühe aufrechterhalten lassen, wie groß unser Verlangen auch sein mag, das Rechte zu tun.

Die frühen Christen erkannten (wie vor ihnen und nach ihnen auch Angehörige anderer Religionen), dass gerade bei Anfechtungen der eigenen Person oftmals Einigkeit stark macht. Deshalb bildeten sie Gemeinschaften von Menschen, die auf dem Pfad der Tugend wandeln wollten, dafür aber die Unterstützung anderer benötigten. Im Prinzip entschieden sie sich dafür, Einsiedler in Gemeinschaft zu sein. Auf diese Weise entstanden die ersten christlichen Klöster.

Das Klosterleben hat im Lauf von fast zwei Jahrtausenden etliche Wandlungen durchlaufen, während die einzelnen Mönche, Gemeinschaften und Päpste mit den Herausforderungen zurechtzukommen versuchten, die es mit sich bringt, wenn Dutzende – oder gar Hunderte – von Menschen sich bemühen, miteinander als Einsiedler ein Leben ohne Sünde zu führen. Seine Blütezeit erlebte das europäische Mönchtum im Mittelalter, deshalb sind es die Brüder und Schwestern aus dieser Zeit, von denen wir uns anregen lassen wollen für ein Leben im klösterlichen Geist.

Falls Sie mit dem Gedanken spielen, sich einer Klostergemeinschaft anzuschließen, um mit ganzem Herzen dem Willen Gottes zu dienen, ist dieses Buch möglicherweise nicht ganz das Richtige für Sie. Man kann aber durchaus sagen, dass viele von uns sich nach Frieden, Einfachheit und Sinn in ihrem Leben sehnen, und auf genau diesen Prinzipien baut das Klosterleben auf. Wenn Sie also wie ein Mönch leben möchten und nicht als Mönch, finden Sie auf den folgenden Seiten Tipps, wie der Alltag in mittelalterlichen Klöstern Ihnen dabei helfen kann, ad regulam zu leben – nach Regeln, die wir selbst gestalten, in Übereinstimmung mit unseren Zielen und Werten.

Was ist ein Mönch?

Geht ein Mensch alleine über einen schlüpfrigen Pfad, rutscht er bald aus und fällt. Gehen jedoch viele gemeinsam, und einer hält die Hand des anderen, zieht der Nächste den, der ins Rutschen gerät, wieder hoch, noch bevor er so recht fallen kann; und wenn sie müde werden, wird ein jeder vom anderen gestützt.

The Ancren Riwle

Innerhalb ihrer geschlossenen Gemeinschaften lebten die Mönche und Nonnen nach einem festen Regelwerk, das alles vorschrieb, von den Gebets- und Essenszeiten bis hin zu Disziplinarmaßnahmen für aufmüpfige Mitbrüder. Für gewöhnlich befolgten sie drei Grundprinzipien: Armut, Keuschheit und Gehorsam. Die meisten mittelalterlichen Mönche richteten sich nach der Mönchsregel des Heiligen Benedikt aus dem 6. Jahrhundert, verfasst von Benedikt von Nursia, dem Abt des Klosters Montecassino in Italien. Während der Regierungszeit Kaiser Karls des Großen (um 747–814) war sie das A und O des klösterlichen Lebens. Die Gemeinschaft, die am strengsten nach dieser Regel lebte, waren die Benediktiner, andere Orden wie die Zisterzienser und die Cluniazenser folgten ihr mit leichten Abwandlungen.

Heutzutage sind die Klöster, die Wohn- und Arbeitsstätten der Ordensangehörigen, entweder ausschließlich von Männern oder ausschließlich von Frauen bewohnt. Im Mittelalter dagegen war es nicht unüblich, dass Mönchs- und Nonnengemeinschaften – selbstverständlich streng nach Geschlechtern getrennt – im selben Klosterbezirk untergebracht waren, häufig unter der Obhut einer Äbtissin, so etwa in der berühmten Abtei Fontevraud in Frankreich, der letzten Ruhestätte von Richard Löwenherz und seiner Mutter, Eleonore von Aquitanien.

Mönche und Nonnen lebten im Wesentlichen nach den gleichen Regeln, von einigen Ausnahmen abgesehen. So konnte eine Nonne, wie fromm und heiligmäßig sie auch sein mochte, beispielsweise nicht die Priesterweihe empfangen. Das bedeutete, dass jede Nonnengemeinschaft auf regelmäßige Besuche eines Priesters angewiesen war, damit er für sie die heilige Messe las, zu ihnen predigte und ihnen die Beichte abnahm.

Der Übersichtlichkeit halber ist in diesem Buch vorwiegend von »Mönchen« die Rede, es sollte aber nicht außer Acht gelassen werden, dass weibliche Ordensgemeinschaften in ganz ähnlicher Weise lebten.

Warum Mönch werden?

Es gibt viele Gründe für einen Ordenseintritt … sehr viele gehen ins Kloster durch den Dienst anderer: zum Beispiel durch ein ermunterndes Wort, durch die Kraft des Gebetes, durch das vorbildhafte Leben im Orden.

Caesarius von Heisterbach, Dialog über die Wunder

Durch viele Köpfe geistert noch die Vorstellung, dass nur zwei Wege ins Kloster führten: Entweder zeichnete man sich durch überdurchschnittliche Frömmigkeit aus oder man war in seiner Familie das jüngere Kind ohne Aussicht auf ein Erbe und musste daher in die Obhut der Kirche übergeben werden. In Wirklichkeit gab es aber viele Gründe, die für ein Leben hinter Klostermauern sprachen.

Im Mittelalter war die Kirche die Institution, in der Jungen ihre Schulbildung erhielten, vor allem wenn sich ihre Familien keinen Hauslehrer leisten konnten. Wer mit einer klösterlichen Bildung aufwuchs, konnte als Erwachsener auf eine kirchliche oder auch eine weltliche Anstellung beispielsweise als Arzt oder Rechtsanwalt hoffen, die ihm ein gutes Einkommen garantierte. Sein Kind zur Erziehung in ein Kloster zu schicken war nicht unbedingt die Art von Ritualopfer, als die es in manchen Büchern oder Filmen dargestellt wird. Es ging weniger darum, dass Eltern sich davon besondere göttliche Gunst erhoffen konnten (auch wenn es den Aussichten im Jenseits sicherlich nicht abträglich sein würde), als darum, die Chancen des Kindes zu erhöhen, es in der Welt zu etwas zu bringen. Kinder, die auf Lebenszeit ins Kloster geschickt wurden, hießen Oblaten.

Obwohl Oblaten über eine ziemlich lange Zeit Bestandteil des klösterlichen Lebens waren, wurden Kinder hinter Klostermauern nicht von allen gutgeheißen. Sie waren Störfaktoren, laut und ausgelassen, wo sie ernsthaft sein sollten, und erforderten viel Aufmerksamkeit und Betreuung, was zulasten der Andachtsübungen der Mönche ging. Vielen war auch nicht wohl bei dem Gedanken, Kinder zu einem klösterlichen Leben zu verpflichten, bevor sie alt genug waren, selbst darüber zu entscheiden. Deshalb wurde am Ende offiziell festgelegt, dass Oblaten, wenn sie wollten, das Kloster wieder verlassen konnten, statt im späteren Jugendalter ihre Gelübde abzulegen. Manche Kinder landeten auch unter anderen Vorzeichen (entweder vorübergehend oder dauerhaft) im Kloster. So legten beispielsweise Menschen, die nicht die Mittel oder die Fähigkeiten hatten, ein Kind großzuziehen, dieses Kind anonym vor einer Klosterpforte ab, damit man dort für es sorgte. Dann gab es auch Fälle wie den der Tochter König Edwards I. von England, Mary, die mit sechs Jahren als Gefährtin ihrer Großmutter, Eleonore von der Provence, in ein Nonnenstift geschickt wurde.2

Auch der Status von Klöstern als Bildungsstätte war für Erwachsene ein guter Grund, in einen Orden einzutreten. So manche hochgestellte Dame im Witwenstand, wie etwa besagte Eleonore von der Provence, zog sich in ein Kloster oder Nonnenstift zurück, um gemeinsam mit gleichgesinnten Frauen ihre Tage der Lektüre und dem Studium zu widmen. Das Gleiche galt für Männer, die ihren Lebensabend an einem Rückzugsort verbringen wollten, der ihnen relative Behaglichkeit und die Gelegenheit bot, vor ihrem Tod noch mit sich und Gott ins Reine zu kommen. Manche Menschen legten Ordensgelübde ab, um für eine schwere Sünde zu büßen, während andere unfreiwillig die Reihen einer Klostergemeinschaft verstärkten, nachdem sie in einer Abtei Zuflucht vor der Strafverfolgung gesucht hatten. Zufluchtsuchende durften sich keinen Schritt vom geweihten Boden der Abtei entfernen, bevor sie nicht begnadigt worden waren oder versprochen hatten, sich geradewegs ins Exil zu begeben, und eine Verurteilung wegen eines Verbrechens wie Diebstahl, Vergewaltigung oder Mord konnte leicht die Todesstrafe nach sich ziehen. So sahen sich die Angehörigen städtischer Klostergemeinschaften nicht selten dem zweifelhaften Vergnügen gegenüber, mit Kriminellen unter einem Dach zu leben, die wiederum nur die Wahl hatten, entweder Ordensmitglied zu werden (als Laienbruder oder vollwertiger Mönch) oder sich auf Tod beziehungsweise Exil gefasst zu machen.3

Nonnen bot das Kloster auch Bildung, und viele verwitwete Adlige zogen sich unter anderem deswegen dorthin zurück.

Quelle: Gebetsbuch, Fol. 26v, frühes 16. Jh. (Detail); Walters Art Museum, Baltimore, W.432.

Es gab natürlich auch solche, die aus echter Frömmigkeit ins Kloster gingen. Das trifft, wie schon Caesarius von Heisterbach feststellte, auf die Mehrzahl der Mitglieder von Ordensgemeinschaften in Europa zu, auch wenn sich das nicht so skandalös liest. Der mittelalterlichen Theologie entsprechend war ein Dasein als Mönch beziehungsweise als Nonne ideal dazu geeignet, Gott zu dienen – indem man ihm sein ganzes Leben weihte und allen sinnlichen Freuden und weltlichen Ambitionen entsagte. Nach strengen Regeln zu leben war definitiv nicht leicht, weswegen es auch als ein so besonderer und lobenswerter Akt der Liebe und der Hingabe galt.

Wie wurde man Mönch?

Ist der Novize imstande und willens, vornehmlich aus Liebe zu Gott frohen Herzens Nachtgebete, ein eintöniges Leben in der Klausur, beständige Gottesdienste im Chor [Altarraum], ausgedehntes Schweigen, die Strenge des Ordens und des jeweiligen Hauses sowie die unterschiedlichen Wesensarten der Brüder zu ertragen … so soll ihm die Erlaubnis erteilt werden, am Ende des Jahres die Profess abzulegen.

Klosterregel von Barnwell

Da das Klosterleben einem Menschen viel abverlangte – unter anderem Demut, Geduld und harte Arbeit –, musste er eine Probezeit (Noviziat) absolvieren, bevor er seine Gelübde ablegte. Dieser Testlauf dauerte für gewöhnlich ein Jahr, in dem der Betreffende ein Leben führte wie die übrigen Brüder, aber jederzeit das Kloster auch wieder verlassen konnte.

Wenn ein Mann in ein Kloster eintrat, zog er seine Zivilkleidung und Schuhe aus (die beiseitegelegt wurden, falls er es sich noch anders überlegte) und legte ein Mönchsgewand an. Seine Pflichten waren nicht so beschwerlich wie die eines Mönchs auf Lebenszeit, und seine Kleidung war auch etwas bequemer. Novizen wurden so weit wie möglich von den Mönchen abgesondert, um die Ablenkung für die Brüder auf ein Minimum zu beschränken. Sie durften auch nicht an den Besprechungen der klösterlichen Angelegenheiten teilnehmen, die täglich im Kapitelsaal stattfanden.

Jedem Novizen war ein Meister zugeteilt, der ihn in seinen Gebeten (auf Latein), den Psalmen und in den Klosterregeln unterwies. Wir haben Glück: Die Brüder der Barnwell Priory, einer Niederlassung der Augustiner in England, haben eine detaillierte Aufzeichnung ihres Alltagslebens hinterlassen. Was sie uns über die Ausbildung eines Novizen berichten, gibt uns einen aufschlussreichen Einblick in das, was er wissen beziehungsweise können musste.4 In Barnwell vermittelte man erst einmal die Grundkenntnisse:

Zunächst wird der Meister den Novizen dann lehren, wie er seinen Habit herzurichten hat, beim Stehen und beim Sitzen; als Zweites, wie er sich auf eine Weise tief verneigen soll, dass seine Hände, überkreuz, bis zu seinen Knien reichen, und wie er bei jeder Verneigung mittels beider Hände mit dem Habit vor sich das Kreuzzeichen machen kann. Drittens möge der Meister ihn lehren, seine Augen in Acht zu halten.5

Wie dieser Auszug deutlich macht, ging es beim Klosterleben um mehr als nur darum, Gebete auswendig zu lernen. Es war eine ganz eigene Welt der Rituale und Regeln, in die ein neuer Bruder da eintauchen musste. Sich auf ein Leben in Weltabgeschiedenheit einzulassen hieß, für den Rest seines Lebens jeden Tag von morgens bis abends diese Abläufe zu vollziehen.

Bevor er seine Gelübde ablegte, konnte ein Novize eine Nacht, oder auch mehrere Nächte, in relativer Zurückgezogenheit und im Gebet verbringen und seine Entscheidung noch einmal überdenken, denn es kam äußerst selten vor, dass jemand von seinen Ordensgelübden entbunden wurde, wenn er sie erst einmal abgelegt hatte. Während dieser Zeit wurde der Kandidat bei den Gottesdiensten zumeist unter seiner Kapuze verborgen und nach ganz hinten im Altarraum verbannt.

Wenn ein Novize seine Gelübde ablegte, verpflichtete er sich gegenüber seinem Abt in allen Dingen zu Gehorsam – selbst wenn er anderer Meinung war – und gelobte für den Rest seines Lebens Armut und Keuschheit. Das musste er schriftlich bestätigen, nur mit seinem Namen oder, falls er Analphabet war, mit einem Zeichen. Daraufhin wurde ihm die Kapuze abgenommen, er bekam seine Tonsur (die abrasierte Stelle oben auf dem Kopf eines Mönchs) und wurde mit dem Friedenskuss und der heiligen Kommunion als vollwertiger Bruder im Kloster willkommen geheißen. Von da an musste sich der neue Mönch durch alle Anfechtungen und alle Zweifel hindurch mit ganzem Herzen und ganzer Seele Gott weihen. Seine Welt war auf die Größe einiger weniger von einer Steinmauer umschlossenen Gebäude zusammengeschrumpft.

Wie sah es im Kloster aus?

Wo möglich lege man das Kloster so an, dass sich alles Nötige – Wasser, Mühle, Garten und die verschiedenen Werkstätten – innerhalb der Klostermauern befinden, damit die Mönche nicht gezwungen seien, draußen herumzugehen, weil das ihren Seelen durchaus nicht zuträglich ist.

Benedikt von Nursia, Die Mönchsregel des heiligen Benedikt

Weil in unserer Vorstellung im Leben eines Mönchs das Gebet alles andere überwiegt, machen wir uns kaum bewusst, dass sein Wirkungskreis über die vier Wände der Kirche hinausgehen könnte. Denken wir allerdings einmal darüber nach, dass ein Kloster sich ja irgendwie unterhalten muss, dann wird die Liste der dafür notwendigen Gebäude doch ziemlich lang.

In vielen Fällen erstreckte sich ein Klosterbezirk über große Flächen Land, damit die Mönche auch genug Platz zum Leben, Arbeiten, Beten und für die Erzeugung der Nahrungsmittel hatten, von denen sie sich ernährten. Manche Klöster bezogen das, was sie zum Leben brauchten, von der Gemeinde oder von Pachthöfen, andere (wie die Zisterzienserniederlassungen) hielten es für besser, so autark wie möglich zu sein, was bedeutete, es musste viel Raum da sein für Gemüseanbau, Viehhaltung und Werkstätten.

Unabdingbar für jedes Kloster waren eine Kirche, ein Dormitorium sowie ein Refektorium (Speisesaal). Gelegentlich hatten Dormitorien und Refektorien die gleiche Grundfläche, etwa wenn in einem kleineren, zweistöckigen Gebäude das Dormitorium genau über dem Refektorium lag. Dem heiligen Benedikt schwebte vor, dass alle Brüder im selben lang gestreckten Raum schliefen. Doch im Verlauf des Mittelalters bekamen die Mönche zunehmend ihre eigenen Zellen. Allerdings waren sie angehalten, ihre Türen nicht zu verschließen, um möglichen sündhaften Handlungen im Verborgenen vorzubeugen.6

Viele Menschen heutzutage hegen die Annahme, die Hygienegewohnheiten im Mittelalter hätten sehr zu wünschen übrig gelassen, doch dem war definitiv nicht so, und im Übrigen müssen selbst Angehörige des geistlichen Stands von Zeit zu Zeit ihr Geschäft verrichten. Aus diesem Grund waren in Klöstern häufig Aborte an die Schlafsäle angeschlossen, und einige davon hatten sogar fließendes Wasser, mit dem die Körperausscheidungen weggespült wurden. Wie so ziemlich alles andere im klösterlichen Leben auch war die Benutzung des Aborts alles andere als ungestört. Statt einzelner Nischen standen den Brüdern nur Reihen mit Löchern darin zur Verfügung. Da aber der Körper als sündhaft und aufreizend galt, sollten sich die Mönche so bedeckt wie möglich halten und sogar beim Toilettengang die Kapuzen über ihre Köpfe ziehen.

Über diese Grundlagen der Hygiene hinaus besaßen Klöster zudem Badehäuser. Die Mönchsregel des Heiligen Benedikt sieht in Bädern grundsätzlich keine Notwendigkeit, da Benedikt der Meinung war, sie würden einen Menschen verweichlichen. Nur die Kranken sollten häufiger baden, um schneller gesund zu werden. Allen anderen wurden feste Badezeiten eingeräumt. Der heilige Benedikt schrieb ebenfalls vor, dass junge und alte Männer nicht zusammen baden durften, vermutlich weil junge Männer sich als zu große Versuchung erweisen würden. Das Waschen war auch nicht nur auf das Bad beschränkt. Von den Mönchen wurde verlangt, dass sie sich nach dem Aufstehen, vor den Mahlzeiten und vor dem Betreten der Kirche Gesicht und Hände wuschen. Da kam im Lauf des Tages eine Menge an Händewaschen zusammen.

Zu den Aborten und Badehäusern kam noch ein Kapitelsaal. Dabei handelte es sich um einen Versammlungsraum, in dem die Klostergemeinschaft jeden Morgen die anstehenden Tagesgeschäfte besprach. Hier teilte der Abt auch Aufgaben zu, gab Werkzeuge oder Bücher aus, die Brüder konnten ihrem Unmut Luft machen und die Missetaten anderer offenbaren. Wahlen wurden ebenfalls in diesem Raum abgehalten und Besucher empfangen.

Mit der Zeit führten die meisten Klöster noch eigene Räume für den Abt ein, darunter ein Schlafzimmer und ein Wohnzimmer, in dem er Gäste bewirten oder private Gespräche mit Mitgliedern seiner Gemeinschaft führen konnte. Manchmal hatte der Abt auch eine eigene Küche. Das diente nicht nur dazu, den Abt aufgrund seiner gehobenen Stellung als Leiter des Klosters besserzustellen, es ermöglichte ihm auch, seine weltlichen Geschäfte abzuwickeln wie die Verwaltung der Besitztümer des Klosters oder die Pflege der Beziehungen zu anderen Grundbesitzern, ohne damit die anderen Mönche zu stören oder abzulenken.

Klöster besaßen auch Krankenstationen, in denen kranke und alte Menschen Hilfe fanden und sich aufwärmen konnten, denn um keine allzu große Bequemlichkeit oder gar Trägheit aufkommen zu lassen, waren Feuerstellen auf dem Gelände äußerst rar. Vereinzelt gab es eine separate »Wärmestube« mit einem Kamin, wo sich alle anderen zwischen ihren Gebeten oder häuslichen Pflichten für ein paar Minuten aufhalten konnten. Dazu kamen in den meisten Klöstern noch ein Skriptorium (die Schreibstube, in der Mönche Manuskripte kopierten), eine Bibliothek und eine Mühle sowie Küchen, Back- und Brauhäuser, Waschküchen und Lagerstätten.

Doch drehte sich in Klöstern nicht alles nur um die Mönche selbst. Eine ihrer wichtigsten Aufgaben war die Beherbergung und Bewirtung von Gästen: Reisenden, Pilgern, Familienangehörigen und Vertretern der größeren Ordensgemeinschaft, die in geschäftlichen Angelegenheiten zu Besuch sein mochten. Das bedeutete, es wurde noch zusätzlicher Platz benötigt, also Schlafzimmer, Speisesäle, Küchen und Aborte sowie Einrichtungen, die im normalen Alltagsleben des Klosters keine große Rolle spielten, für die Gäste aber schon: Ställe, Remisen und gelegentlich sogar Hundezwinger.

In einigen der besonders autarken Klöster gab es zudem noch Platz für die Unterbringung und Verpflegung von Laienbrüdern und -schwestern (hauptsächlich Hilfspersonal, das im Kloster wohnte und arbeitete, aber nicht die üblichen Gelübde ablegte) sowie Werkstätten, um den jeweiligen Fertigkeiten dieser Menschen Rechnung zu tragen, vom Schuster- bis zum Schmiedehandwerk.