Lebensmutig - Tamara Hinz - E-Book
Beschreibung

Was macht unser Leben wertvoll? Wie können wir leben, um die Möglichkeiten voll auszuschöpfen, die Gott uns verliehen hat? Worauf müssen wir achten, um uns auf dem Weg nicht selbst zu verlieren? Tamara Hinz ist sich sicher: Der Lebensmut ist entscheidend. Ist der vorhanden, kann uns nichts und niemand aufhalten. Die gute Botschaft ist: Lebensmutig zu sein, kann man lernen. Worauf es dabei ankommt? Das Leben anzunehmen wie es ist. Den Ängsten zuzuhören, statt sie zu verdrängen. Klar zu kommunizieren – sogar Neinsagen ist erlaubt! –, und dabei die eigenen Bedürfnisse ebenso wahrzunehmen wie die des anderen. Oder mutige Entscheidungen zu fällen und zu den eigenen Werten zu stehen, selbst wenn es wehtut.

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Seitenzahl:251

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TAMARA HINZ

Stark und gelassen durchs Leben gehen

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

ISBN 978-3-96140-080-5

© 2018 by Joh. Brendow & Sohn Verlag GmbH, Moers

Einbandgestaltung: Brendow Verlag, Moers

Titelfoto: fotolia cutelittlethings; fotolia sila5775

Satz: Brendow Web & Print, Moers

E-Book-Herstellung: Zeilenwert GmbH 2018

www.brendow-verlag.de

Wir müssen unsern Lebensmut hüten, es ist unser höchster Schatz. Gut essen, gut schlafen, das Rechte tun, gute Menschen in unser Herz schließen und die Zerstörungslust der andern hindern, das erhält den Mut in uns.

Bjørnstjerne Bjørnson

Inhalt

Cover

Titel

Impressum

Zitat

Lebensmutig

1. Das Leben ist kein Ponyhof – na und?

Lebensmutiger werden und Resilienz trainieren

Dem Leben realistisch begegnen

Nichts ist unlösbar

Duck dich nicht weg

Flexibel bleiben

Lernfähig sein

Gute Selbstfürsorge

2. Bis hierher und nicht weiter!

Lebensmutig Grenzen setzen

Grenzen nach innen setzen

Negativen Gefühlen Grenzen setzen

Schädlichen Bedürfnissen und Handlungen Grenzen setzen

Grenzen nach außen setzen

3. Vorbei und vergessen - wirklich?

Lebensmutig der eigenen Geschichte begegnen

Ungute Prägungen erkennen und verändern

Verletzungen heilen lassen

Schuld bekennen

Ressourcenorientiert leben

4. Angst essen Seele auf!

Lebensmutig der Angst entgegentreten

Angst gehört zum Leben

Die Sprache der Angst verstehen

Diffusen Ängsten begegnen

Ich pack das!

Angst durchschauen und Angst verwandeln

Angst und ihr Gewinn

5. Jetzt mal Klartext!

Lebensmutig kommunizieren

Hase und Bär unterwegs

Ich habe innere Klarheit

Ich bin o.k

Ich für mich und du für dich

Ich bleibe bei mir

… und bin dir dennoch zugewandt

Ich achte dich

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!

6. Hilfe, ich muss mich entscheiden!

Lebensmutig Entscheidungen treffen

Die Tyrannei der Wahl

Mit mir selbst im Kontakt bleiben

Kluge Ratgeber

Die Kosten überschlagen und den Rückzug ordnen

Mit Widerstand umgehen

Entscheidung konkret

7. Lebenswert(e)

Lebensmutig durch verlässliche Werte

Auf dem Markt der Möglichkeiten

Ein Geländer für ein gutes Leben

Eigene Werte entwickeln

Trendsetter in Sachen Werte

8. Stark und mutig meine Schritte gehen

Kurzanleitung für Wagemutige

Lebensmutige Bücher

Lebensmutig

„Was ist das denn für ein interessantes Wort?“, fragt meine Bekannte. Interessant pflegt sie immer dann zu sagen, wenn sie Aussagen oder Ansichten von mir äußerst eigenartig oder fragwürdig findet, mir das aber – höflich, wie sie ist – nicht so direkt sagen will. „Lebensmüde kenn ich ja“, so fährt sie erklärend fort, „und todesmutig auch, aber lebensmutig?“

Ich muss an meine Oma denken, die mit ihrem Lebensmut locker noch zwei, drei andere mitversorgte. Zum Beispiel meine Nachbarin, die nach dem Tod ihres Mannes die Freude am Leben total verloren hatte. „Keine Lust zu nix“, fasste meine Oma diesen jämmerlichen Zustand kurz zusammen und beschloss, so schnell wie möglich Abhilfe zu schaffen. Was meine Oma beschlossen hatte, wurde auch in die Tat umgesetzt. Und wen sie dabei unter ihre Fittiche nahm, der konnte nur wieder lebensmutig werden.

Ich denke an eine Bekannte, die mit Mitte vierzig noch ihren Schulabschluss nachholt und danach noch eine Ausbildung machen möchte, um sich einen langersehnten Berufswunsch zu erfüllen.

An Freunde, die es irgendwie möglich gemacht haben, sich ein Jahr Auszeit vom Beruf zu nehmen, um die freie Zeit zum Reisen zu nutzen. Dabei wollen sie andere Kulturen und andere Lebensmodelle kennenlernen und ihren Horizont erweitern.

An eine junge, alleinerziehende Mutter, die sich trotz ihres anstrengenden Alltags die Zeit nimmt, ihren Kindern vorzulesen, mit ihnen den Spielplatz zu besuchen und Spielfreunde ihrer Kinder einzuladen. Dabei wäre es so viel einfacher, dem Trend der Zeit zu folgen und die Kinder vor einem der technischen Erziehungshelferlein zu parken.

An eine Freundin, die von ihrem Chef aufgrund ihrer freundlichen Nachgiebigkeit immer ausgenutzt wurde, die aber ihre Ängste überwunden hat, heute klare Grenzen setzt und nun deutlich besser für sich sorgt.

An Bekannte, die mit Hilfskonvois in innereuropäische Flüchtlingslager reisen, um vor Ort bei der Versorgung der Schutzsuchenden zu helfen.

Und an eine befreundete Flüchtlingsfamilie, die zu uns nach Deutschland gekommen ist und ihr Leben nun noch einmal ganz neu erfinden muss. Trotz erschwerter Bedingungen tut sie das mit großer Gelassenheit, viel Freude und Fleiß.

Und ich denke an den Vater eines schwerbehinderten Kindes, der mich anstrahlt und sagt: „Was ist unsere Tochter doch für eine Bereicherung für unser Leben!“

Aber da gibt’s natürlich auch die anderen: eben besagte Nachbarin meiner Oma.

Oder den Bekannten, der nun schon im vierten Jahr arbeitslos ist und zum Verrecken nichts Neues, zu ihm Passendes, findet. „Lebensmutig?“, so fragt er mich. „Wie soll das denn gehen?“

Und da gibt es mich selbst und Zeiten in meinem Leben, in denen ich mir morgens nach dem Aufwachen lieber die Decke über den Kopf gezogen hätte, als mich mutig dem Leben zu stellen.

Von all diesen Menschen erzähle ich auch meiner Bekannten. Und davon, dass ich der Überzeugung bin, dass wir heute, in dieser chaotischen Welt, die immer mehr aus den Fugen gerät, mehr denn je Lebensmut brauchen. Weil wir ohne diesen tatsächlich irgendwann lebensmüde werden. Ich erzähle ihr auch von meiner Überzeugung, dass man sich diesen Lebensmut ein Stück weit aneignen kann. „Der Lebensmut, die heitere Lebensfreude und das Glücklichsein kann – Schritt für Schritt – erlernt werden, genau wie das Tanzen“, meinte der Schweizer Autor Alfred Selacher. Stimmt das? Kann man wieder lebensmutig werden, auch wenn man’s im Moment nicht ist? Kann man grundsätzlich lebensmutiger werden, auch wenn man von seinem Naturell her eher der „Das-Glas-ist-eh-schon-fast-leer“-Typ ist? Kann man das tatsächlich ein wenig einüben? Ich behaupte: ja!

Und deswegen finde ich die Formulierung lebensmutig sein auch so gut und weitaus besser, als davon zu sprechen, dass jemand Lebensmut hat. Letzteres klingt so nach: „Der eine hat’s, der andere nicht.“ Derjenige, der zufälligerweise Lebensmut mitbekommen hat, der hat im Leben gut lachen, und die anderen … eben nicht. Aber lebensmutig sein hat nichts mit „haben“ zu tun, sondern damit, dass wir uns durch mutige Schritte, kluge Entscheidungen und unsere aktive Mitarbeit etwas aneignen und in unser Sein integrieren.

Davon und wie dieses „Aneignen“ in den unterschiedlichsten Lebenssituationen aussehen kann, handelt dieses Buch. Die einzelnen Kapitel sind in sich abgeschlossen, sodass Sie diese, wie einzelne Bausteine, ganz nach Ihren persönlichen Bedürfnissen zusammensetzen können. So ist es kein Problem, sich ein Thema, das gerade für das eigene Leben relevant ist, herauszusuchen, damit zu arbeiten und zu einem späteren Zeitpunkt ein anderes Thema in Angriff zu nehmen. Die Themen ermutigen dazu, das eigene Leben und sich selbst aufmerksam zu beobachten und daraus Schlüsse für einen lebensmutigen Umgang mit dem eigenen Dasein zu ziehen.

Darüber hinaus wird dieses Buch an manchen Stellen auch von Gott handeln und von dem, was uns in der Bibel an Hilfen zu einem lebensmutigen Umgang mit unserem Dasein mitgegeben ist. Meiner Überzeugung nach stehen in der Bibel unglaublich kluge Dinge. Lebensweisheiten, die unserem Lebensmut gewaltig auf die Sprünge helfen. Außerdem glaube ich: Wenn wir nur im Klein-Klein unserer Alltäglichkeiten, im Hier und Jetzt, verhaftet sind und unser Leben nicht tiefer verwurzeln, dann kann uns angesichts des Zustands unserer persönlichen und globalen Welt die Lebensmüdigkeit tatsächlich schon mal gewaltig packen. Gott in unser Denken und Leben mit hineinzunehmen gibt uns dagegen die Möglichkeit, uns weit über unser kleines Leben hinaus zu verorten und dadurch auch unseren Alltag lebensmutig anzutreten.

Meiner Bekannten, die in Sachen Spiritualität äußerst skeptisch ist, nötigt das wieder ein höfliches „Das ist ja interessant“ ab. Was im Klartext heißt: Sie findet es eigentlich überflüssig, auch Bibelworte und Gott mit in dieses Thema einzubeziehen. „Macht ja nichts“, sage ich. „Kannst dich ja mal darauf einlassen. Und was dir nicht gefällt, legst du erst mal zur Seite. Manches braucht man später im Leben noch mal, und dann ist es gut, wenn man schon einmal etwas davon gehört hat und weiß, wo man suchen muss …“

„Na, da bin ich ja mal gespannt“, sagt meine Bekannte. Ich glaube, sie ist es nun wirklich. Und ich? Ich bin es auch!

Das Leben ist kein Ponyhof – na und?

Lebensmutiger werden und Resilienz trainieren

1969 lief in den Kinos der erste Pippi-Langstrumpf-Film. Die Hauptrolle wurde von Inger Nilsson gespielt, die für mich und viele andere bis heute die Pippi Langstrumpf schlechthin verkörpert. Damals war ich knapp sieben Jahre alt und besuchte mit meinen Eltern und Geschwistern zum ersten Mal ein Kino. Vorher hatte ich bereits alle Pippi-Langstrumpf-Bücher verschlungen – oder sie waren mir vorgelesen worden. Wie ich diese Pippi, ihren unerschütterlichen Frohsinn und unendlichen Ideenreichtum liebte! Und es bis heute tue!

Ein resigniertes „Geht nicht“ gibt es im Leben von Pippi nicht. Für alles findet sie eine Lösung. Sie ist liebenswürdig, hat aber auch ein unglaublich freches Mundwerk, das so manch einen Erwachsenen in den Wahnsinn treibt. Pippi hat den Kopf voll mit ungewöhnlichen Ideen, die sie gegen die Widerstände der Umwelt in die Tat umsetzt. Was andere über sie denken, ist für sie absolut zweitrangig. Sie tut eben … was ihr gefällt! Pippi kennt keine Langeweile und hat immer eine Idee, was sie aus ihrem Leben machen kann. „Was ihr machen wollt, weiß ich nicht“, sagte Pippi. „Ich werde jedenfalls nicht auf der faulen Haut liegen. Ich bin nämlich ein Sachensucher, und da hat man niemals eine freie Stunde.“

Pippi ist souverän und lässt sich nicht unterkriegen. Ihr fallen immer wieder neue Dinge ein. Sie glaubt an sich. Sie geht auf die Welt zu und kann etwas bewirken. Sie ist aktiv und voll dabei, schlagfertig und mutig. Nie ist sie hilflos oder verzweifelt, weil sie ihre Energie in die Entwicklung lebensförderlicher Bewältigungsstrategien statt in sinnlose Grübelei steckt.

Pippi hat übermenschliche Kräfte, kann Pferde hochheben und ist jedem Erwachsenen im Kampf überlegen. Sie hat einen Koffer voller Gold, ein großes Haus und einen Garten, der jede Menge Möglichkeiten für abenteuerliche Spiele bietet. Sie hat zwei Freunde, mehrere Tiere, ein Pferd und ein Äffchen, den Herrn Nilsson. Pippi hat neben diesen äußeren aber auch jede Menge innere Ressourcen: Ideenreichtum, Lebenslust, Humor, Durchhaltevermögen, Spaß und Kreativität. Und die helfen ihr, mit den Widrigkeiten des Lebens klarzukommen. Denn solche gibt es, bei genauerem Hinsehen, auch im Leben von Pippi mehr als genug. Pippi hat keine Eltern, denn die Mutter ist tot und der Vater auf See. Die Elternrolle musste sie schon früh für sich selbst übernehmen.

Darüber hinaus hat Pippi auch Feinde: eine Fürsorgerin, die sie immer wieder ins Heim stecken will, und Polizisten, die ihr ständig nachjagen. Aber selbst von denen lässt sie sich nicht kleinkriegen: „Oh“, sagt sie, „ich muss heute wieder einen Glückstag haben. Polizisten sind das Beste, was ich kenne – gleich nach Rhabarbergrütze!“

Pippi ist das, was man heute mit „resilient“ umschreiben würde. Resilienz meint die psychische Widerstandskraft, die jemand mit ins Leben bringt oder die sich bei ihm im Laufe seines Lebens entwickelt hat. Dieses gutentwickelte seelische Immunsystem hilft, an den Widrigkeiten und Härten des Lebens nicht zu zerbrechen, sondern (eventuell) sogar noch gestärkt daraus hervorzugehen. „Jemand ist hart im Nehmen“, so würden wir vielleicht umgangssprachlich sagen. Oder: „Der/die ist nicht kleinzukriegen. Ein richtiges Stehaufmännchen!“

Das Wort „Resilienz“ leitet sich von dem lateinischen Wort resilire ab, was so viel bedeutet wie: zurückspringen oder abprallen. Die Geschosse, die das Leben manchmal auf uns abfeuert, dringen bei resilienten Menschen nicht wirklich ein und bewirken auch keine nachhaltigen Verwundungen. Das heißt nun nicht, dass resiliente Menschen eine seelische Teflonschicht um sich haben, aber es gelingt ihnen besser, sich von Verletzungen zu erholen, dazugehörige schmerzhafte Gefühle unter die Füße zu bekommen und sich dem Leben wieder zuzuwenden.

Diese Resilienz entsteht schon früh. Gut, wem dazugehörige Eigenschaften und Fähigkeiten mitgegeben wurden bzw. in wessen Persönlichkeit sie hineinvererbt und -verankert wurden. Dazu gehören eine zupackende Art, ein fröhliches Temperament, Aufmerksamkeit, Anpassungsfähigkeit, Selbstvertrauen, Neugier, Intelligenz, Bindungsfähigkeit, eine realistische Selbsteinschätzung sowie Einsatzbereitschaft und Fleiß.

Es gibt inzwischen zahlreiche Studien und Untersuchungen, die das sehr komplexe Wechselspiel zwischen vererbter bzw. in der Persönlichkeit verankerter Widerstandskraft, erlernter Widerstandskraft und den beteiligten Umwelteinflüssen untersucht haben. Ein sehr fundiertes Buch zu diesem Thema ist „Resilienz: Das Geheimnis psychischer Widerstandskraft“ von Christina Berndt (siehe Buchtipps im Anhang).

Die Ergebnisse all dieser Studien haben eines gemein (und das ist eine sehr gute Nachricht!): Resilienz ist erlernbar! Sicher, Menschen, denen Resilienz mit in die Wiege gelegt wurde, haben an dieser Stelle einen deutlichen Vorsprung. Aber niemand muss sagen: „Tja, da hab ich dann ja wohl Pech gehabt!“ Nein, wie auch immer unsere Ausgangsposition in Sachen Resilienz ist: Psychische Widerstandskraft lässt sich wie ein Muskel trainieren und erwerben.

Lebensmutige Menschen haben irgendwann einmal, bewusst oder unbewusst, den Entschluss gefasst, im Leben nach vorne zu gehen, statt zurückzuweichen, zu wachsen, statt zu stagnieren, und Verantwortung für das Gelingen ihres Lebens zu übernehmen, statt in einer sich selbst bemitleidenden Opferhaltung zu verharren. Auch für sie ist das Leben kein Ponyhof, und in schweren Zeiten, Krisen oder nach erlittenen Schicksalsschlägen erleben sie das gleiche Gefühlsauf und -ab wie andere Menschen. Sie haben aber Ressourcen entwickelt, auf die sie nun zurückgreifen können und die ihnen Stabilität geben. So gelingt es ihnen schneller, ihre Gefühle wieder in lebensförderliche und stabile Bahnen zu lenken. Sie erwarten, dass das Leben sich auch für sie wieder von seiner schönen Seite zeigen wird. Damit diese Erwartung Realität wird, arbeiten sie aktiv mit und sind auch bereit, neue Wege zu gehen, statt stur in alten Verhaltensmustern zu verharren. Lernbereit, flexibel und ausbalanciert dem Leben begegnen – das ist ihr Lebensmotto.

Was kann uns helfen, unsere Resilienz zu trainieren und damit lebensmutiger zu werden?

Dem Leben realistisch begegnen

„Ich gar nicht ein feine weiße Prinzessin bin“, sagte Pippi in gebrochener Taka-Tuka-Sprache. „Ich einfach bin bloß Pippi Langstrumpf, und ich pfeifen auf das Thronsitzen.“

„Ich bin, die ich bin, und lebe mein Leben. Das reicht, und damit bin ich zufrieden“ – so könnte man es auch formulieren. An meiner Pinnwand hängt eine Karte mit der Aufschrift: „Wir sind hier nicht bei Wünsch dir was, sondern bei So isses!“ So manche Enttäuschung im Leben ist hausgemacht und vorprogrammiert, weil wir völlig unrealistische Erwartungen an uns selbst und das Leben haben, die Latte viel zu hoch hängen und nicht bereit sind, die Realität zu akzeptieren, wie sie nun einmal ist. Auch nicht uns selbst. Aber umso größer die Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit, umso schlechter unser Lebensgefühl.

Resilienz zu trainieren bedeutet an dieser Stelle, unseren Realitätssinn zu trainieren. Dieser bezieht sich auf persönliche Eigenarten oder auf Lebensumstände, die wir, egal, wie wir’s drehen und wenden, nicht verändern können. Oder zumindest nicht jetzt oder in absehbarer Zeit ändern können. Wer hier gelernt hat, „Ja“ zu sagen und die Realität zu akzeptieren und anzunehmen, der setzt viel lebensmutige Energien frei.

Dabei geht es nicht darum, unsere unerfüllbaren Wünsche und Bedürfnisse zu verleugnen oder zu verdrängen. Nein, es geht darum, diese zu formulieren, sie dann aber loszulassen und ganz bewusst anzunehmen, dass sie (zumindest im Moment) nicht in Erfüllung gehen.

Ja-Sagen konkret

„Ich hätte so gerne mehr Geld, damit ich häufiger reisen kann. Aber zurzeit ist dieses Geld nicht da, weil ich noch arbeitslos bin (oder weil ich meine Ausbildung erst noch zu Ende bringen muss, weil das Haus noch nicht abbezahlt ist usw.). Das ist jetzt so, und das akzeptiere ich als meine Lebenswirklichkeit!“

„Was würde ich drum geben, (wieder) in einer Partnerschaft zu leben, aber zurzeit tut sich in dieser Sache gar nichts. Das ist im Moment so, und das nehme ich an!“

„Wenn ich doch nur mehr Zeit hätte für mich! Aber im Moment sind unsere Kinder noch klein und brauchen mich fast rund um die Uhr. Daran lässt sich aber jetzt nichts ändern, und deswegen akzeptiere ich diese Situation.“

„Ich wäre so gerne noch so jung und dynamisch wie meine Freundin (und hätte dazu auch noch gerne ihre tolle Figur!), aber ich bin zehn Jahre älter. Das sehe und spüre ich in jeder Faser meines Körpers. Aber das kann ich nicht ändern, und deswegen höre ich auf, ständig damit zu hadern, und sage Ja!“

„Ich würde so gerne meine Karriere vorantreiben. Aber jetzt sind meine Eltern plötzlich krank geworden und brauchen mich. In diese unerwartete Wendung, die mein Leben genommen hat, willige ich ein und bejahe sie.“

„Wenn ich doch nur so musikalisch, so redegewandt, so hübsch, so talentiert, so leistungsstark, so temperamentvoll, so erfolgreich, so belastbar, so beliebt, so gesund wäre … ABER ICH BIN ES NICHT!

Und genau das fange ich jetzt besser mal an zu akzeptieren!“

Warum ist dieses Ja-Sagen für die Entwicklung unserer Resilienz so wichtig? Weil wir durch Annahme unserer Lebenswirklichkeit Kraft sparen, die wir ansonsten bei der Jagd nach unerreichbaren Dingen vergeuden. Weil wir erst dann, wenn wir uns von unseren (im Moment) unrealistischen Erwartungen verabschieden und Ja sagen zu dem, was ist, in der Lage sind, diesen Ist-Zustand lebensmutig zu gestalten. Denn vermutlich werden wir erst jetzt das Gute und Positive in unserem Leben entdecken und dankbar all die Kompetenzen wahrnehmen, die uns mitgegeben wurden. Dankbarkeit ist der Schlüssel zu Resilienz und Lebensmut. Nicht umsonst fordert ein Beter in der Bibel sich selbst auf: „Mit meiner Seele will ich den Herrn loben und das Gute nicht vergessen, das er für mich tut“ (Psalm 103, Vers 2)! Und dann folgt eine ganze Litanei von guten Dingen, die Gott ihm geschenkt hat. Trainieren wir in gleicher Weise unsere Dankbarkeit, dann konzentrieren wir uns auf das Gute in unserem Leben. Und über diese veränderte Wahrnehmung entdecken wir, dass unsere Realität viele Gestaltungsmöglichkeiten bietet und durchaus auch ihre schönen Seiten hat.

Dankbarkeit macht zufrieden! Wer dagegen immer unerreichbaren Idealen hinterherjagt oder sich mit anderen und ihren Lebensumständen vergleicht, ist ständig mit sich selbst und dem Leben unzufrieden. Diese permanente Unzufriedenheit schwächt unser seelisches (übrigens auch unsere körperliches!) Immunsystem enorm. Denn wir kämpfen und strampeln ständig gegen das Leben an, so, wie es uns zugemutet ist, und verbrauchen dabei eine Menge Kräfte. Sagen Sie doch lieber „Ja“, und setzen Sie Ihre Kräfte zur konstruktiven Gestaltung Ihres Lebens ein!

Das hier beschriebene Ja-Sagen hat allerdings nichts gemein mit der frustrierten Resignation eines hilflosen Opfers. Nein, es ist eine bewusste und aktive Entscheidung, ist ein Zeichen von Stärke und nicht von Schwäche. Ist … lebensmutig!

Wenn Sie das nächste Mal mit sich selbst oder unerreichbaren Zielen hadern, dann machen Sie’s doch einfach wie Pippi: „Ich einfach bin bloß Pippi Langstrumpf, und ich pfeifen auf das Thronsitzen.“

Nichts ist unlösbar

„Wir laufen zum Fluss und gehen dann auf dem Wasser. Das kann man, man kann alles, was man will!“

Na ja, ganz so einfach wie bei Pippi geht es natürlich nicht. Auch unserem Wollen sind Grenzen gesetzt. Und ich für meinen Teil kann nur sagen: Gott sei Dank ist das so! Was habe ich in meinem Leben nicht schon alles tun und haben wollen, war aber hinterher heilfroh, dass sich die Dinge anders entwickelt hatten. Mein Wollen ist ja nicht immer nur durchdacht, gut und lebensförderlich, sondern enthält auch egoistische, unreife und unbedachte Anteile!

Dennoch: Menschen, die um ihre Selbstwirksamkeit wissen, die vor Hindernissen und Problemen nicht direkt einknicken, sondern zunächst einmal fest davon überzeugt sind, dass sie diese Hürden überspringen können und dass es immer irgendeinen Weg gibt, sind deutlich resilienter als die Pessimisten und Schwarzseher.

Aber kann man Optimismus lernen? Ja, man kann! In diesem Lernprozess geht es nicht darum, sich eine rosarote Brille aufzusetzen und sich fortan immer alles schönzureden, Probleme einfach auszublenden oder den Kopf in den Sand zu stecken. Solch eine blauäugige Lebensführung kann böse enden, weil wir in unserer Unbedarftheit in jede nur erdenkliche Falle tappen, die das Leben zu bieten hat. Nein, es geht vielmehr darum, sich auch angesichts von Problemen und Schwierigkeiten eine positive und bejahende Haltung zum Leben zu bewahren. Wie kann das geschehen? Hier einige Impulse:

Keine Verallgemeinerungen

Ich hüte mich vor Verallgemeinerungen. Nur weil ich gerade an einer Stelle des Lebens Probleme habe, ist nicht gleich alles problematisch. Nur weil ich beispielsweise gerade keinen Job finde oder es in meiner Ehe nicht rundläuft, heißt das nicht, dass alles in meinem Leben immer und nur schiefgeht. Nur weil ich in einem Punkt versagt habe, bin ich nicht grundsätzlich ein Versager. Menschen mit einem Hang zum Pessimismus neigen genau zu dieser Verallgemeinerung. Das kenne ich von mir selbst nur zu gut! Und ich muss mir immer wieder bewusst machen, dass die Probleme, die ich momentan habe, in der Regel nur einen ganz kleinen Teil meines gesamten Lebens ausmachen. Neben dem gibt es viele andere Bereiche, in denen es richtig gut läuft. Mache ich mir das bewusst, gelange ich wieder zu einer ausgewogenen und deutlich optimistischeren Sicht auf mein Leben.

Handlungsfähig bleiben

Ich vermeide eine vorschnelle „Da-kann-man-nichts-machen“-Haltung, die einer Opferstarre gleicht, sondern bleibe handlungsfähig. Das hilft, auch in Situationen, die ich nicht ändern kann, nach Möglichkeiten zu suchen, das Leben dennoch zufriedenstellend zu gestalten. Auch wenn ich „Ja“ sage und annehme, was sich nicht verändern lässt, bleiben ja immer noch genügend Spielräume, Dinge zu ändern, die ich ändern kann. Z. B.:

Ich habe nicht genug Geld, um in den Urlaub zu fahren? O.k. Akzeptiert! Aber was gibt es für Möglichkeiten, vor Ort und ohne großen finanziellen Aufwand für meine Erholung zu sorgen?

Ich habe keinen Partner? O.k. Angenommen! Aber was kann ich auf andere Weise tun, um meinem Wunsch nach Austausch und Gemeinschaft Genüge zu tun? Welche Möglichkeiten gibt es, andere Singles kennenzulernen (unter denen dann vielleicht auch ein potenzieller Partner ist)?

Meine kleinen Kinder lassen mir nicht viel Zeit für mich selbst? Ja! Das ist so! Aber welche Möglichkeiten habe ich, mir trotzdem ein wenig Luft zu verschaffen? Etwa durch einen Babysitter oder bessere Absprachen mit meinem Partner?

In jedem Fall verharre ich nicht in einer Opferstarre, sondern werde aktiv und nehme mein Leben in die Hand! Dieses aktive „Ich-pack-mein-Leben-an“ holt uns aus dem sich selbst bedauernden Pessimismus heraus und gibt uns einen deutlichen Schubs Richtung Optimismus. Und je mehr wir entdecken, dass diese kleinen, aber höchst aktiven Schritte Erfolg haben, umso mehr wächst in uns eine optimistische Lebenshaltung.

Durchhaltevermögen entwickeln

Ich bleibe dran! Kann sein, dass die ersten Schritte Richtung positive Lebensgestaltung nichts bringen. Jetzt bloß nicht in eine „Siehste-hab-ich-doch-gleich-gesagt-dass-ich-keine-Chance-habe“-Haltung zurückfallen. Der Optimismus sagt: Das ist normal! Viele Dinge klappen nicht auf Anhieb, sondern erst beim zweiten oder dritten Anlauf. Ich versuche es deswegen noch einmal, und wenn es sein muss, auch noch ein weiteres Mal. Irgendwann wird es klappen! „Man kann alles, was man will“, sagt Pippi und meint damit, dass wir an den Dingen, die uns wirklich wichtig sind, mit Biss und Durchhaltevermögen dranbleiben müssen, um zum Ziel zu kommen. Ansonsten war unser „Wollen“ nur eine Farce.

Vertrauen in die Selbstwirksamkeit stärken

Ich stärke mein Selbstvertrauen und das Zutrauen in meine Selbstwirksamkeit. Das kann ich tun, indem ich allen verunsichernden und mich selbst kleinmachenden Gedanken Einhalt gebiete und ihnen nicht so viel Aufmerksamkeit schenke. Stattdessen fange ich an, mir etwas zuzutrauen: „Du schaffst das!“ Darüber hinaus distanziere ich mich von Menschen, die mich runterputzen, verunsichern und geringschätzen, und umgebe mich viel mit Menschen, die mich ermutigen, loben, mir etwas zutrauen, an mich glauben und mich fördern.

Wie enorm wichtig das ist, habe ich gerade erst erfahren. Vor ein paar Wochen nahm ich an einem Chorworkshop teil: Zwei Abende und einen ganzen Tag lang wurde geprobt, dann sollte das Konzert stattfinden. Als ich am ersten Abend die Fülle der einzuübenden Musikstücke sah, dachte ich nur: Never! Niemals kriegen wir das alles in dieser kurzen Zeit in unseren Schädel! Aber die Chorleiterin war dermaßen überzeugt von uns und unserer Lernfähigkeit, dass ich mich an ihre Überzeugung drangehängt und blind darauf verlassen habe, dass sie uns realistischer (und besser) einschätzt als wir selbst. Und sie hatte mit ihrer Wahrnehmung absolut recht. Da war viel, viel mehr! Entscheidend war allerdings auch, dass sie mit ihrer geballten Kompetenz dabei war und uns souverän und sicher führte. Auch und gerade in schwierigen Passagen brauchten wir sie nur anzuschauen und uns an ihre Sicherheit dranzuhängen.

Anhand dieses Beispiels habe ich hautnah erlebt, wie wichtig andere, positive Menschen für die Entwicklung unseres eigenen Optimismus und unseres Selbstvertrauens sind.

Genauso wichtig ist Gott für mich! Die Bibel ist voll mit Geschichten, die davon erzählen, dass er Menschen Ungeheuerliches zutraut. So ungeheuerlich, dass diese Menschen immer zunächst einmal die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und völlig überfordert gequiekt haben: „Das kann ich nicht! Such dir doch bitte, bitte jemand anders!“ Aber Gott sagt jedes Mal: „Du schaffst das, weil ich doch bei dir bin!“ Dem Josua, der die Führungsrolle von Mose erbte, sagt er z.B.: „Sei stark und mutig! Hab keine Angst und verzweifle nicht. Denn ich, der Herr, dein Gott, bin bei dir, wohin du auch gehst“ (Josua 1, Vers 9)! Ist das nicht genial? Gott traut uns ganz viel zu, verzieht sich dann aber nicht wieder, sondern bleibt mit seiner Stärke und Kompetenz bei uns. Wir brauchen ihn nur anzuschauen und können uns an ihn dranhängen!

Gelassenheit einüben

Ich erwarte, dass das Leben und mein Inneres Lösungen und Wege finden werden. Das braucht manchmal etwas Zeit und Geduld. „Gut Ding will Weile haben“ oder „Schlaf erst mal eine Nacht drüber – morgen sieht die Welt schon wieder ganz anders aus“ oder „Abwarten und Tee trinken“ sind Lebensweisheiten, die sich schon mehr als einmal bewährt haben. Das Wort „Optimismus“ vermittelt ja eine gewisse Leichtigkeit. Und darum geht es neben unserer konkreten Mitarbeit auch: mit Leichtigkeit und Gelassenheit dem nächsten Tag entgegenzublicken in der Erwartung, dass sich manche Knoten wie von selbst lösen werden.

Duck dich nicht weg!

„Lass dich nicht unterkriegen; sei frech und wild und wunderbar.“

Friedrich Nietzsche war es, der den berühmt-berüchtigten Satz „Was mich nicht umbringt, macht mich stark“ gesagt hat. Dieser Satz, der im Laufe der Geschichte in der Kindererziehung für so manch unangemessene Abhärtungsmaßnahme gesorgt hat, enthält aber dennoch eine Wahrheit, die sich auch in der Resilienzforschung bestätigt hat: Herausforderungen, die wir angenommen haben, bewältigte Probleme, überwundene Schwierigkeiten und überstandene Krankheiten schwächen uns nicht, sondern machen uns stärker, selbstbewusster und mutiger. Wer sich dagegen immer in Watte packt oder in diese hineingepackt wird, fühlt sich zwar im Moment wohler, weil er die Strapazen einer Herausforderung nicht bewältigen muss, wird aber auf Dauer geschwächt und deswegen zunehmend lebensuntauglich.

Tendenziell neigen die meisten Menschen zunächst dazu, sich wegzuducken, sich drumherumzumogeln, den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen, die bequemere Version zu wählen, auszuweichen und zu hoffen, dass sich die Dinge von selbst erledigen. Das ist auch nicht immer verkehrt und kann im Einzelfall die einzig mögliche Bewältigungsstrategie sein. Wer das „Wegducken“ aber durchgängig zu seinem Lebensmotto erklärt, der schwächt seine Resilienz. Denn das ermutigende Erfolgserlebnis, der Stolz, es geschafft zu haben, das begeisterte „Wer-hätte-gedacht-dass-ich-zu-so-was-in-der-Lage-Bin?“ fehlt dann eben auch. Mit der „Wegduckermentalität“ bombardieren wir unser Inneres permanent mit Botschaften wie: „Ich kann das nicht!“, „Ich trau mir das nicht zu!“ oder „Ich bin dem Leben und seinen Anforderungen nicht gewachsen!“. In unserem Inneren schwingt dann immer die bange Frage mit: „Werde ich überhaupt mit dem Leben fertig, wenn ich mit seinen harten Seiten konfrontiert werde? Werde ich zurechtkommen, wenn ich auf mich allein gestellt bin und die unangenehmen Dinge nicht mehr auf andere abwälzen kann?“ Uns fehlen ja durchweg die positiven Erfahrungen, die zeigen, dass wir es schaffen!

Also ran an die nächste Herausforderung! Nicht unterkriegen lassen, sondern den Stier bei den Hörnern packen und das Thema bzw. das Problem angehen. Der Alltag bietet genügend große und kleine Gelegenheiten, zu üben und dadurch resilienter zu werden.

An kleinen und großen Herausforderungen wachsen

Sie hätten schon längst den nächsten Termin beim Zahnarzt oder für eine gänzlich unangenehme, aber leider auch notwendige Untersuchung vereinbaren müssen? Schluss mit Drumherummogeln, ran ans Telefon und einen Termin gemacht! Denken Sie an das erleichterte Gefühl, das sich nach überstandener Untersuchung einstellt: „Super, ich hab’s geschafft! Jetzt hab ich Gewissheit, dass alles in Ordnung ist, und ich kann die nächsten Schritte einleiten!“

Ihr Chef sucht nach jemandem, der für das anstehende Meeting eine kleine Präsentation vorbereitet? Bis jetzt haben Sie sich vor dieser Herausforderung immer erfolgreich gedrückt. Aber jetzt ist Schluss mit wegducken und kleinmachen in der Hoffnung, dass es Sie nicht trifft. Jetzt gehen Sie in die Offensive und sagen: „O.k., ich mach’s!“ Denken Sie an das stolze Gefühl, was sich nach vollbrachter Leistung einstellen wird. Und: Sie brauchen in Zukunft keine Angst mehr zu haben, wenn der spannt bleiben, weil Sie sich selbst bereits bewiesen haben, dass Sie der Herausforderung gewachsen sind.

Ihnen ist schon seit längerer Zeit klar, dass Sie dringend ein klärendes Gespräch mit einer Kollegin, einem Nachbarn, Ihrem Partner oder mit einem Ihrer Kinder führen müssten? Die Art und Weise, wie der- oder diejenige sich Ihnen gegenüber verhält, können Sie auf gar keinen Fall länger hinnehmen. Dieses klärende Gespräch schieben Sie aber immer auf die lange Bank. Dabei merken Sie, dass Sie sich selbst und Ihre Position zunehmend schwächen und von dem anderen mehr und mehr als Opfer gesehen werden. Das wird sich jetzt ändern! Sie werden sich nicht unterkriegen lassen, sondern bei nächster Gelegenheit das Gespräch suchen. Gut vorbereitet werden Sie Ihr Anliegen vorbringen, Position beziehen und unangemessenem Verhalten durch klarformulierte Grenzen den Riegel vorschieben. Denken Sie an das Gefühl von Stärke, das sich nach solch einer Neupositionierung bei Ihnen einstellen wird!

Sie müssen gerade noch geschwind ein paar Zutaten fürs Abendessen besorgen? Normalerweise nehmen Sie aus Bequemlichkeit immer das Auto. Aber eigentlich könnte man diese kurze Strecke bis zum Supermarkt auch mit dem Rad fahren. Und da es draußen weder in Strömen gießt, noch arktische Temperaturen herrschen, Sie keine Pollenallergie, Knieverletzung oder sonstige Gebrechen aufweisen können, da Ihr Fahrrad nicht geklaut wurde, die Bremsen funktionieren und Sie leider auch keinen Platten haben, werden Sie das jetzt auch tun! Denken Sie daran, dass Sie durch das Mehr an Frischluft, Bewegung und Stressverminderung eine Menge für Ihr körperliches und seelisches Immunsystem getan haben!

An diesen Beispielen sehen wir: Das Leben bietet genügend kleine und große Herausforderungen, an denen wir unsere Widerstandskraft stärken, uns abhärten und damit unsere Resilienz trainieren können!

Flexibel bleiben

„Warum ich rückwärtsgegangen bin? Leben wir etwa nicht in einem freien Land? Darf man nicht gehen, wie man will?“

Resiliente Menschen, so hat man in zahlreichen Untersuchungen festgestellt, verfügen über ein hohes Maß an psychischer Elastizität und Anpassungsfähigkeit. In ihren Reaktionsmustern sind sie nicht starr, sondern flexibel. Siegfried Santura, ein deutscher Ingenieur und Autor, formuliert es so: