Lederstrumpf (Kompletter Romanzyklus) - James Fenimore Cooper - E-Book

Lederstrumpf (Kompletter Romanzyklus) E-Book

James Fenimore Cooper

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Beschreibung

Der "Lederstrumpf"-Zyklus von James Fenimore Cooper entfaltet sich vor dem Hintergrund der amerikanischen Pionierzeit und thematisiert den Konflikt zwischen zivilisatorischen Werten und der unberührten Natur. Der Protagonist, Natty Bumppo, verkörpert den archetypischen amerikanischen Helden – einen von der Natur geprägten Mann, der zwischen indigenen Traditionen und der Aufklärung der Kolonialgesellschaft schwankt. Coopers stilistische Eleganz, gepaart mit seiner präzisen Beobachtungsgabe, verleiht den Erzählungen eine unverwechselbare Tiefe und Authentizität, die den Leser in die rauen, aber majestätischen Landschaften Nordamerikas entführt. Der Zyklus bietet nicht nur spannende Abenteuer, sondern auch eine kritische Reflexion über Identität, Freiheit und den Verlust der Natur im Angesicht von Zivilisation. James Fenimore Cooper, geboren 1789 in Burlington, New Jersey, gilt als einer der ersten amerikanischen Romanautoren und war ein Pionier des historischen Romans. Seine Erfahrungen als Seemann und sein Leben unter den amerikanischen Ureinwohnern prägten seine literarische Stimme und sein Verständnis für die komplexen Beziehungen zwischen Kulturen. Diese Dynamik bildet den Kern der "Lederstrumpf"-Erzählungen, die in einer Zeit verfasst wurden, in der die amerikanische Identität gerade erst formiert wurde. Dieses Buch ist eine unverzichtbare Lektüre für alle, die ein tieferes Verständnis für die amerikanische Literatur und Kultur des 19. Jahrhunderts suchen. Coopers geschickte Erzählweise und die philosophischen Fragestellungen, die er aufwirft, machen den "Lederstrumpf"-Zyklus zu einem zeitlosen Meisterwerk, das sowohl unterhält als auch zum Nachdenken anregt. In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen: - Eine umfassende Einführung skizziert die verbindenden Merkmale, Themen oder stilistischen Entwicklungen dieser ausgewählten Werke. - Die Autorenbiografie hebt persönliche Meilensteine und literarische Einflüsse hervor, die das gesamte Schaffen prägen. - Ein Abschnitt zum historischen Kontext verortet die Werke in ihrer Epoche – soziale Strömungen, kulturelle Trends und Schlüsselerlebnisse, die ihrer Entstehung zugrunde liegen. - Eine knappe Synopsis (Auswahl) gibt einen zugänglichen Überblick über die enthaltenen Texte und hilft dabei, Handlungsverläufe und Hauptideen zu erfassen, ohne wichtige Wendepunkte zu verraten. - Eine vereinheitlichende Analyse untersucht wiederkehrende Motive und charakteristische Stilmittel in der Sammlung, verbindet die Erzählungen miteinander und beleuchtet zugleich die individuellen Stärken der einzelnen Werke. - Reflexionsfragen regen zu einer tieferen Auseinandersetzung mit der übergreifenden Botschaft des Autors an und laden dazu ein, Bezüge zwischen den verschiedenen Texten herzustellen sowie sie in einen modernen Kontext zu setzen. - Abschließend fassen unsere handverlesenen unvergesslichen Zitate zentrale Aussagen und Wendepunkte zusammen und verdeutlichen so die Kernthemen der gesamten Sammlung.

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Veröffentlichungsjahr: 2023

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James Fenimore Cooper

Lederstrumpf (Kompletter Romanzyklus)

Bereicherte Ausgabe. Der Wildtöter, Der letzte Mohikaner, Der Pfadfinder, Die Ansiedler & Die Steppe
Einführung, Studien und Kommentare von Michael Krause
EAN 8596547758921
Bearbeitet und veröffentlicht von DigiCat, 2023

Inhaltsverzeichnis

Einführung
Autorenbiografie
Historischer Kontext
Synopsis (Auswahl)
Lederstrumpf (Kompletter Romanzyklus)
Analyse
Reflexion
Unvergessliche Zitate

Einführung

Inhaltsverzeichnis

Diese Ausgabe vereint unter dem Titel „Lederstrumpf (Kompletter Romanzyklus)“ die fünf Romane von James Fenimore Cooper, die zu den prägenden Werken der frühen US-amerikanischen Literatur zählen. Sie umfasst Der Wildtödter, Der letzte Mohikan, Der Pfadfinder, Die Ansiedler und Die Steppe und stellt damit die gesamte Folge um die Figur Lederstrumpf bereit. Zweck dieser Zusammenstellung ist es, den Zyklus in geschlossener Form zugänglich zu machen, sodass Entwicklungen von Motivik, Schauplätzen und Figurenführung in ihrer Gesamtheit nachvollziehbar werden. Leserinnen und Leser erhalten damit einen vollständigen Überblick über ein Werk, das das literarische Bild der „Grenze“ nachhaltig geformt hat.

Bei den hier versammelten Texten handelt es sich ausschließlich um Romane. Sie gehören dem weiteren Feld des Abenteuer- und historischen Romans an und sind zugleich Teil jener Literaturtradition, die die nordamerikanischen Grenzräume literarisch erfand und prägte. Essays, Erzählungen, Gedichte, Briefe oder Tagebücher sind nicht Bestandteil dieser Sammlung. Die Romane verbinden erzählerische Spannung mit der Darstellung konkreter Landschaften und gesellschaftlicher Umbrüche des frühen 19. Jahrhunderts. In dieser Form entsteht eine Gattungssynthese: realistisches Erzählinteresse, historische Rahmung und Abenteuermotiv greifen ineinander und verleihen dem Zyklus seine besondere literarische Physiognomie.

Was die fünf Romane zusammenhält, ist vor allem die wiederkehrende Figur des Jägers und Kundschafters, der in der deutschen Rezeption als Lederstrumpf bekannt ist. Er steht exemplarisch für das Dazwischen von Wildnis und Siedlung, von Naturordnung und Rechtsordnung, von individueller Gewissenspflicht und gesellschaftlicher Erwartung. Der Zyklus verfolgt dieses Spannungsfeld in wechselnden Situationen und Lebensaltern und überschreitet dabei einzelne Schauplätze, Jahreszeiten und politische Konstellationen. Aus der Wiederholung und Variation dieser Grundkonstellation erwächst eine poetische Einheit, deren Kohärenz weniger aus fortlaufender Handlung als aus Themen- und Motivzusammenhang entsteht.

Die Handlungssphären der Romane sind die Wälder, Flüsse, Seen und Prärien Nordamerikas zur Zeit kolonialer und nachkolonialer Umbrüche. In diesen Räumen stößt Pionierdrang auf indigene Präsenz, militärische Interessen auf den Alltag der Siedler, wirtschaftliche Expansion auf jahrhundertealte Lebensweisen. Die Romane wählen keine abstrakte Perspektive, sondern verankern die historischen Spannungen in konkreten Situationen von Bewegung, Begegnung und Entscheidung. Dadurch werden große Prozesse anschaulich, ohne ihre Tragweite zu verharmlosen. Die Landschaft fungiert dabei nicht nur als Hintergrund, sondern als formende Kraft, die Wahrnehmung, Moral und Handlungsspielräume der Figuren mitbestimmt.

Stilistisch verbinden die Romane weiträumige Naturbeschreibungen mit Szenen konzentrierter Handlung. Die Prosa wechselt zwischen ruhigen Passagen der Beobachtung und dramatischen Zuspitzungen, in denen Orientierung, Timing und Ortskenntnis über das Gelingen entscheiden. Dialoge strukturieren den sozialen Raum, während ausführliche Schilderungen von Wetter, Vegetation und Topografie Maßstab und Maß der erzählten Welt setzen. Wiederkehrende Bilder – Spuren, Pfade, Lichtungen, Strömungen – schaffen motivische Brücken zwischen den einzelnen Bänden und tragen zur formalen Geschlossenheit des Zyklus bei.

Neben der äußeren Bewegung durch Wälder und Ebenen entfalten die Romane eine innere Bewegung der Begriffe Recht, Pflicht, Ehre und Freiheit. Fragen nach Besitz, Nutzung und Bewahrung von Land, nach der Legitimität von Gewalt, nach Loyalität in Zeiten wechselnder Bündnisse werden an Situationen des Alltags gebunden: Jagd und Nahrungssuche, Wegwahl und Lagerordnung, Rettung, Schutz, Verzicht. Daraus entsteht eine ethische Dramaturgie, in der Gewissen und Erfahrung häufiger entscheiden als abstrakte Regeln. Der Zyklus verhandelt so die Bedingungen des Zusammenlebens an einem Ort, an dem Regeln entstehen, verhandelt und zuweilen gebrochen werden.

Lederstrumpf erscheint in diesen Romanen als Spurenleser, Jäger und Vermittler zwischen unterschiedlichen Lebenswelten. Seine Fähigkeiten entspringen genauer Beobachtung, Übung und Selbstdisziplin; sein Urteil orientiert sich an einer pragmatischen, oft mitleidsgeprägten Moral. Er ist kein makelloser Held, sondern eine Figur mit Begrenzungen und Widersprüchen, deren Autorität aus Erfahrung, Maßhalten und Verantwortungsgefühl erwächst. Die Romane zeigen ihn in verschiedenen Lebensphasen, wodurch Tugenden, Zweifel und Wandlungen sichtbar werden. Aus dieser Perspektive entsteht ein Charakterbild, das persönliches Ethos an konkrete, oft prekäre Situationen bindet.

Der Zyklus entfaltet ein weites Figurenensemble: Siedlerinnen und Siedler, Soldaten, Händler, Missionare, Trapper, Kundschafter sowie indigene Verbündete und Gegner. Diese Konstellationen eröffnen vielschichtige Gesprächsräume über Rechtstitel, Lebensweisen und Zukunftsvorstellungen. Zugleich spiegeln die Darstellungen Vorstellungen und Sprachgebräuche ihrer Entstehungszeit. Eine kritische Lektüre, die historische Kontexte und Repräsentationsmuster mitbedenkt, kann helfen, die literarische Leistung der Romane zu würdigen und zugleich die Grenzen ihrer Perspektiven zu erkennen. So werden Lesegenuss und historisches Bewusstsein produktiv miteinander verschränkt.

Die fünf Bände setzen unterschiedliche Akzente: Der Wildtödter skizziert den jungen Lederstrumpf in einer Welt aus Seen und Wäldern des Nordostens. Der letzte Mohikan führt in einen militärisch aufgeladenen Grenzraum und beleuchtet Loyalitäten unter Kriegsbedingungen. Der Pfadfinder verknüpft das Motiv des Kundschafters mit Wasserwegen und Außenposten. Die Ansiedler rückt das Zusammenleben in einer wachsenden Gemeinschaft in den Vordergrund. Die Steppe eröffnet weite Horizonte des Westens und stellt Fragen nach Alter, Weiterziehen und Vermächtnis. Zusammen ergeben sie ein Panorama der Grenzräume und Lebensalter.

Die Romane können einzeln gelesen werden; in der hier gebotenen Gesamtschau jedoch treten die Rückbezüge und Vorausdeutungen markant hervor. Wer dem Zyklus in der Reihenfolge dieser Ausgabe folgt, erlebt eine Bewegung von wald- und seenreichen Landschaften zu den offenen Ebenen der Steppe, von der Jugend zur Reife. Diese Abfolge macht nicht nur Veränderungen der Figur sichtbar, sondern auch die Verschiebungen jener Grenzlinie, an der sich Kulturtechniken, Sprachen und Normen berühren. So erhält der Zyklus den Charakter einer stillen Biografie über Raum, Zeit und Erfahrung.

Literaturgeschichtlich wirkt der Lederstrumpf-Zyklus weit über seine Entstehungszeit hinaus. Er hat Bilder und Topoi geprägt, die das Selbstverständnis einer nationalen Literatur mitgeformt und weltweit die Abenteuer- und Grenzraumerzählung beeinflusst haben. Seine Wirkung ist in der Nachfolge des historischen und des Wildnisromans ebenso spürbar wie in späteren Western- und Abenteuermustern. Zugleich lädt er heutige Leserinnen und Leser zu einer Reflexion über die Entstehung solcher Bilder ein: Wie werden Räume erzählerisch codiert, Figuren typisiert, Konflikte normativ gerahmt? Die Romane geben darauf vielstimmige, bis heute anregende Antworten.

Die deutsche Namensform Lederstrumpf und die überlieferten Titel dieser Ausgabe verweisen auf eine lange Übersetzungs- und Rezeptionsgeschichte. Sie hat die Erkennbarkeit der Figur und die Lesbarkeit des Zyklus über Sprach- und Kulturgrenzen hinweg gesichert. Die Sammlung macht sich diese Tradition zunutze, indem sie die Romane in einem Band zusammenführt und dadurch ihr inneres Gespräch hörbar macht. Wer auf Motiv- und Formebene liest, entdeckt Klammern, Spiegelungen und Kontraste, die erst im Nebeneinander deutlich werden. Das gilt für Schauplätze ebenso wie für moralische Prüfungen, Rituale und Entscheidungsformen der Figurenwelt. Schließlich versteht sich diese Ausgabe als Einladung, den Zyklus in seiner ganzen Spannweite neu zu entdecken. Sie will die Einheit des Werkes sichtbar machen und zugleich die Vielfalt seiner Töne bewahren: Abenteuer und Kontemplation, Bewegung und Stillstand, Nähe und Distanz. Indem sie die fünf Romane vollständig und in einer sinnfälligen Ordnung präsentiert, ermöglicht sie einen informierten, konzentrierten Zugang. So wird die nachhaltige Bedeutung eines Werkes erfahrbar, das die literarische Imagination der nordamerikanischen Grenzräume dauerhaft geprägt hat.

Autorenbiografie

Inhaltsverzeichnis

James Fenimore Cooper (1789–1851) gilt als prägende Stimme der amerikanischen Romantik und als einer der ersten, der eine eigenständige nationale Prosa etablierte. Bekannt wurde er vor allem durch die Lederstrumpf-Erzählungen, in denen der Grenzraum Nordamerikas zur Bühne moralischer, politischer und landschaftlicher Auseinandersetzungen wird. Seine Romane verbinden Abenteuerhandlung, Naturbeobachtung und Reflexion über Recht, Souveränität und den Übergang von Wildnis zu Zivilisation. Bereits zu Lebzeiten international gelesen, prägte Cooper das weltweite Bild der frühen Vereinigten Staaten nachhaltig. Die in dieser Sammlung versammelten Titel zeigen die Spannweite seines Projekts und seine anhaltende Wirkung auf spätere Generationen.

Er wuchs im damaligen Grenzgebiet des Staates New York auf, dessen Wälder, Flüsse und Jahreszeiten seine Wahrnehmung dauerhaft prägten. Eine kurze Studienzeit sowie praktische Erfahrungen in Handelsschifffahrt und Marine der jungen Republik vermittelten ihm Disziplin, technische Kenntnisse und ein Gespür für Hierarchie und Risiko. Literarisch stand Cooper in der Tradition der europäischen Romantik und orientierte sich zugleich an historischen Erzählformen, wie sie zeitgenössisch populär waren. Lektüren, Reiseberichte und mündliche Überlieferungen aus Grenzregionen gaben ihm Stoff und Vokabular. Zugleich verknüpfte er aufklärerische Ideen von Bürgersinn und Recht mit landschaftlicher und ethnografischer Beobachtung.

In den 1820er Jahren wandte sich Cooper entschieden dem Schreiben zu und fand rasch ein breites Publikum. Mit Die Ansiedler führte er die Figur ein, die als Lederstrumpf/Natty Bumppo zentrale Gestalt eines lockeren Erzählzyklus werden sollte. Der Roman entfaltete ein vielstimmiges Panorama aus Siedleralltag, rechtlichen Konflikten und Naturbeschreibungen und verband anschauliche Details mit erzählerischer Spannkraft. Die Resonanz war weitreichend: Leserinnen und Leser erkannten darin eine neuartige, amerikanische Stoffwelt. Zugleich legte Cooper damit den Grund für wiederkehrende Motive, etwa die Frage nach legitimer Nutzung von Land und Ressourcen oder dem Vorrang des Gewissens.

Der letzte Mohikan, eine der bekanntesten Erzählungen des Zyklus, verlegt die Handlung in die Zeit kolonialer Kriege und beleuchtet Bündnisse, Loyalitäten und Grenzgewalt. Die dramatischen Ortswechsel, Verfolgungen und Rettungen verbinden sich mit eindrücklichen Bildern der Wald- und Flusslandschaften. Die Steppe öffnet die Perspektive nach Westen, wo Weite, Wind und Grasmeer die Figuren in neue Prüfungen stellen und der Ton elegischer wird. Beide Bücher prägten mit ihrer Mischung aus Abenteuer und historischer Imagination das Bild des nordamerikanischen Grenzraums in zahlreichen weltweiten Übersetzungen und inspirierten Generationen von Lesenden sowie spätere künstlerische Bearbeitungen.

Der Pfadfinder und Der Wildtödter vertiefen die Entwicklung der Hauptfigur, zeigen jedoch frühere Lebensstationen im Grenzraum. Schauplätze wie Seen- und Inselwelten bringen nautische Erfahrung und präzise Naturbeobachtung zur Geltung, während moralische Fragen – Pflicht, Treue, Maßhalten – die Handlung strukturieren. Cooper verfeinert hier seine Kunst, Landschaft, Wetter und Jahreszeiten als erzählerische Akteure einzusetzen. Zeitgenössische Urteile fielen unterschiedlich aus, doch spätere Lesarten hoben die Geschlossenheit des Zyklus und die psychologische Zeichnung hervor. Beide Romane bekräftigen das Spannungsfeld zwischen individueller Freiheit und den Ansprüchen gemeinschaftlicher Ordnung, das Coopers Erzählen kontinuierlich antreibt und Leserinnen wie Leser bis heute beschäftigt.

Cooper beteiligte sich immer wieder an öffentlichen Debatten seiner Zeit, etwa zu Eigentumsfragen, maritimen Belangen, nationalem Selbstverständnis und dem Verhältnis von Individuum und Staat. Er verteidigte die Autorität des Rechts und das Ansehen der Literatur gegen polemische Angriffe, was zu Auseinandersetzungen mit der Presse führte. In seinen Romanen spiegelt sich dieser Sinn für Verfahren, Regeln und Verantwortlichkeit in subtilen Konfliktarrangements. Zugleich bleibt sein Stil dem Abenteuer verpflichtet: Handlung, Szenenwechsel und das Erproben von Mut, Urteilskraft und Maß bilden die dramaturgische Achse. So verbindet Cooper poetische Vorstellungskraft mit institutioneller und gesellschaftlicher Beobachtung.

In seinen späteren Jahren blieb Cooper literarisch produktiv und verfeinerte die thematischen Linien seines Werkes. Er starb 1851 im Staat New York. Sein Vermächtnis ist vielfältig: Die Lederstrumpf-Erzählungen begründeten den Archetyp des amerikanischen Grenzhelden und trugen zur Ausbildung des Abenteuer- und späteren Western-Genres bei. Zugleich lädt sein Werk heute zu kritischer Lektüre ein, besonders hinsichtlich der Darstellung indigener Gemeinschaften und ökologischer Zusammenhänge. Die in dieser Sammlung vereinten Romane werden weiterhin in neuen Ausgaben gelesen, adaptiert und diskutiert – als Grundtexte einer Literatur, die Nation, Landschaft und Recht zusammendenkt und kulturelle Selbstbilder hinterfragt.

Historischer Kontext

Inhaltsverzeichnis

James Fenimore Cooper (1789–1851) verfasste den Lederstrumpf‑Zyklus zwischen 1823 und 1841. Die fünf Romane kreuzen zwei Zeitebenen: die Kolonialkriege des mittleren 18. Jahrhunderts im Nordosten Nordamerikas sowie die frühen Jahrzehnte der Vereinigten Staaten bis in die ersten Jahre des 19. Jahrhunderts. In der inneren Chronologie reicht der Bogen vom Vorfeld des Siebenjährigen Krieges über dessen nordamerikanische Phase bis zur Ausdehnung in die Prärien nach der Louisiana‑Erweiterung. Die Sammlung inszeniert so die Übergänge von indigenen Territorien und Grenzräumen zu Siedlungs- und Staatsordnungen, vor deren Hintergrund Motive wie Jagd, Wegsuche, Pionierarbeit und Steppe Sinn erhalten.

Cooper wuchs in Cooperstown im Staat New York auf, einer planmäßig gegründeten Siedlung seines Vaters, des Landkäufers und Richters William Cooper. Diese Region lag um 1800 noch im unmittelbaren Nachhall der Grenzerfahrung: Waldrodung, Parzellierung, Vermessung und die Einführung angloamerikanischer Rechts- und Eigentumsnormen prägten den Alltag. Das Erleben des raschen Wandels von Wald zu Acker und Dorf liefert den Erfahrungsboden für wiederkehrende Schauplätze und Konflikte. Besonders die sozialen Spannungen zwischen Großgrundbesitz, Pächtern, freien Farmern, Händlern und durchziehenden Trappern entsprechen dokumentierten Mustern in Upstate New York der 1790er Jahre.

Zentraler historischer Hintergrund ist die Rivalität zwischen Großbritannien und Frankreich um Nordamerika, die im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) kulminierte. Schon vorher, im sogenannten Franzosen- und Indianerkrieg (in britisch-nordamerikanischer Zählung 1754–1763), bildeten Allianzen mit indigenen Nationen ein entscheidendes militärisches und wirtschaftliches Moment. In den Wald- und Seenlandschaften zwischen dem Hudson-Tal, dem Champlainsee und den Großen Seen zirkulierten Truppen, Pelzhändler und Missionare. Befestigungen, Pfade und Wasserwege verbanden die Räume, in denen sich Kooperationen, Neutralitätspolitiken und Feindschaften in raschem Wechsel ausprägten.

Die Romane, die in den 1750er Jahren ansetzen, reagieren auf diese Kriegswirklichkeit, ohne sie als reine Schlachtengeschichte zu erzählen. Ereignisse wie die Belagerung und Einnahme von Fort William Henry im Jahr 1757 und die wechselnde Kontrolle über Forts am Lake George und am Lake Ontario formten Wahrnehmungen von Gefahr, Ehre, List und Loyalität, die in der populären Erinnerung früh kanonisch wurden. Cooper nutzt solche Schauplätze als historisches Relief, um die prekäre Ordnung grenznaher Gesellschaften ebenso zu veranschaulichen wie die Fragilität kolonialer Bündnisse im Dickicht von Diplomatie, Handel und Gewalt.

Die nordöstliche Wald- und Seenwelt war ethnisch und politisch vielfältig. Die Haudenosaunee‑Konföderation (Irokesenbund) verfolgte eine eigenständige Bündnispolitik; Algonkinsprachige Gruppen wie Lenape (Delaware) und Mahican (Mohikaner) standen in differenzierten Beziehungen zu Kolonialmächten und Nachbarn; die Wendat wurden von Franzosen „Huron“ genannt. Coopers Benennungen spiegeln Wissensstände und Terminologien seiner Zeit, die häufig verschiedene Völker und Dialektgruppen vermengten. Dass Figuren- und Stammesnamen teils historisch unscharf zugeordnet sind, verweist weniger auf Absicht als auf die damals verbreitete, von Reiseberichten und Missionsschriften geprägte, uneinheitliche Ethnographie.

Ökonomisch verdichtete der Pelzhandel Grenzräume seit dem 17. Jahrhundert. Französische coureurs de bois, britische Händler und indigene Vermittler etablierten Netze aus Tauschgütern, Schulden und Bündnissen. Jagdpraktiken, Waffen- und Warentechnologie bestimmten dabei Handlungsspielräume. Die Verbreitung der amerikanischen Langbüchse (oft als „Kentucky Rifle“ bezeichnet) bot auf Distanz Vorteile gegenüber glatten Musketen, während im Liniengefecht andere Faktoren überwogen. Dieses Nebeneinander von Geschick, Ortskenntnis und Technik bildet in Coopers Welt die Folie, vor der der kundige Grenzer als kultureller Vermittler zwischen Wildnis und Militärkolonne auftreten kann.

Die Ausdehnung der Vereinigten Staaten gründete sich rechtlich auf Maßnahmen wie die Proklamation von 1763, die westliche Siedlungen zunächst einschränkte, und auf die Landvermessungs- und Veräußerungsordnungen der jungen Republik (Land Ordinance 1785, Northwest Ordinance 1787). Mit dem Louisiana‑Kauf 1803 öffneten sich aus Sicht Washingtons riesige Räume für Erkundung und spätere Besiedlung. Expeditionen, etwa von Lewis und Clark (1804–1806), kartierten Flüsse und Pässe. Diese Politik rahmt die späteren Stationen des Zyklus und erklärt, weshalb die Erzählräume vom atlantischen Waldland bis zur Grassteppe reichen.

Als Cooper in den 1820er und 1830er Jahren schrieb, hatte die Region um den Mohawk‑ und Hudson‑Korridor einen tiefgreifenden Wandel erlebt. Der Eriekanal (Baubeginn 1817, Eröffnung 1825) verband die Großen Seen mit dem Atlantik und beschleunigte Siedlungsdruck, Holzeinschlag, Getreideexport und Marktintegration. Obwohl Teile des Zyklus ins späte 18. Jahrhundert datieren, spiegeln Coopers Beschreibungen die Erinnerung an einen rasant verschwindenden Grenzsaum in einem Jahrzehnt, in dem Dampfboote, Kanäle und Landvermessung die Landschaften sichtbar neu ordneten und frühere Ortskenntnisse entwerteten.

Frühe Regulierungen von Jagd, Fischfang und Waldnutzung entstanden regional bereits in der späten Kolonialzeit und der frühen Republik, oft als Reaktion auf Übernutzung. Die großflächige Vernichtung von Zugvögeln, die Abholzung ganzer Hänge und unkontrollierte Brandrodung sind historisch belegt. In diesem Spannungsfeld verhandeln die Romane das Verhältnis von Nutzen und Maß, von Gemeinwohl und Privateigentum. Sie greifen Debatten auf, wie sie in lokalen Gesetzgebungen, Gemeindeversammlungen und Zeitungen geführt wurden, lange bevor der Begriff „Naturschutz“ Mitte des 19. Jahrhunderts eine systematische Prägung erhielt.

Konfessionelle und kulturelle Kontaktzonen spielten eine Rolle im nordöstlichen Grenzland. Jesuitische Missionen wirkten seit dem 17. Jahrhundert in Neu‑Frankreich; britische und später amerikanische protestantische Gesellschaften waren im 18. Jahrhundert aktiv. Die Herrnhuter unterhielten etwa Missionsstationen bei Lenape‑Gemeinschaften. Solche Einrichtungen schufen Räume der Übersetzung, Bildung und Konfliktregelung, aber auch der Kontrolle. In der literarischen Erinnerung erscheinen sie als Knotenpunkte, an denen Sprachen, Recht, Spiritualität und Handel aufeinandertrafen und sich Vorstellungen von Bekehrung, Zivilität oder Widerstand verdichteten.

Intellektuell stehen die Bücher im Zeichen der Romantik, die Naturerfahrung, Gefühl und das Erhabene aufwertete. Landschaftsmalerei, Reiseliteratur und naturhistorische Beschreibungen prägten die Wahrnehmung der nordamerikanischen Wildnis. Cooper, der sich in den 1820er Jahren auch in Europa aufhielt, schrieb für ein transatlantisches Publikum, das Bilder vom „Waldland“ suchte. Die an zeitgenössischen Malstilen orientierte Szenik – Waldungen, Seen, Lichtungen, Stürme – verbindet sich mit Debatten um Volkssittlichkeit, Recht und Geschichte. Dadurch erhalten Grenzräume die Qualität eines moralischen und ästhetischen Prüfsteins der Gesellschaft.

Der Veröffentlichungs- und Übersetzungsmarkt der 1820er und 1830er Jahre begünstigte die internationale Verbreitung. In mehreren europäischen Sprachen erschienen zügig Ausgaben; im deutschsprachigen Raum setzte sich früh die Bezeichnung „Lederstrumpf“ für die zentrale Figur durch. Mangels internationaler Urheberrechtsabkommen profitierten ausländische Verleger teils von Nachdrucken ohne Tantiemen, was die Zirkulation beschleunigte, aber Autoren finanziell benachteiligte. Der wachsende Leihbibliotheks- und Zeitschriftenmarkt machte Romane zu Massenlektüre, die transatlantische Vorstellungswelten von Indianern, Trappern und Siedlern formte.

Die junge Republik suchte nach erzählerischen Formen nationaler Identität. Nach Unabhängigkeitskrieg und Krieg von 1812 gewannen Motive des Grenzers, des Kundschafters und des Pioniers an Symbolkraft. Coopers Zyklus bietet eine moralische Typenlehre, die zwischen Rechtsordnung, persönlicher Gewissenspflicht und Kenntnis der Natur vermittelt. Dabei kommentiert er die Ambivalenz der Zivilisierung: Institutionen bringen Schutz und Willkür, Märkte Wohlstand und Raubbau. Die Figurenkonstellationen erlauben es, republikanische Tugenden wie Selbstbeschränkung, Wahrhaftigkeit und Gemeinsinn in Landschaften zu prüfen, die politische Zugehörigkeit erst allmählich ausbilden.

Zur Zeit der späteren Bände prägte die US‑Bundespolitik gegenüber indigenen Nationen die öffentliche Debatte. Der Indian Removal Act von 1830 leitete breit angelegte Zwangsumsiedlungen ein, deren Folgen in den 1830er und 1840er Jahren sichtbar wurden. Obwohl die Handlungen der Romane oft früher ansetzen, lesen sich ihre Reflexionen über Verlust von Land, Verschiebung alter Wege und das Verlöschen von Wissensbeständen vor diesem Hintergrund. Zeitgenössische Leserinnen und Leser erkannten darin politische Aktualität, die weit über nostalgische Landschaftsbilder hinausging.

Technologischer Wandel strukturierte Grenzerfahrung. Vermessung mit Ketten und Theodoliten, topographische Karten, Straßen- und Brückenbau und später die Telegraphie vernetzten Räume. Schon vor der Eisenbahn verschoben Kanäle und verbesserte Wasserwege Siedlungsachsen. Derartige Infrastrukturen verhalfen kolonialen Pfaden zu militärisch-administrativer Durchsetzung und erhöhten zugleich die Reichweite von Märkten. Die Romane greifen dies auf, indem sie die Spannung zwischen lokaler, oral überlieferter Ortskenntnis und staatlich gestütztem Wissen sichtbar machen, das Landschaften in Parzellen, Routen und Eigentumstitel überführt.

Die Rezeption formte den Mythos der amerikanischen Grenze weit über die USA hinaus. Spätere Historiker, etwa Frederick Jackson Turner (1893), deuteten die Frontier als Motor nationaler Entwicklung; Lesarten von Cooper wurden in diese Erzählung eingespeist. Zugleich nährten die Bücher populäre Genres: vom Wildwestroman bis zur Abenteuer- und Kinderliteratur. Im deutschsprachigen Raum wirkten Motive und Figurenkonstellationen auf spätere Autoren, die ihre eigenen Grenzmythen entwarfen. Bühnenfassungen und seit dem frühen 20. Jahrhundert Filmadaptionen – bis hin zu bekannten Verfilmungen des späten 20. Jahrhunderts – befestigten Bildwelten und Stereotype.

Schon früh traten Übersetzer und Herausgeber als Mitgestalter auf: sie passten Namen, Dialekte und Sachbezüge an lokale Erwartungen an. Dies erklärt, weshalb bestimmte ethnonyme und Toponyme im europäischen Raum anders verankert wurden als in amerikanischen Originalen. Auch illustrierten Ausgaben prägten die Lesart, indem sie Kleidung, Bewaffnung und Landschaftsstile normierten. Solche Paratexte verschoben Akzente zwischen ethnographischem Interesse, romantischer Wildheit und bürgerlicher Moral. Der Lederstrumpf‑Zyklus wirkt daher nicht nur als Textkorpus, sondern als Ensemble aus Edition, Bild und Vortrag, das transatlantische Imaginationen langfristig strukturierte. ","Historische Genauigkeit und fiktionale Verdichtung greifen ineinander. So sind Festungen, Flüsse und geschichtliche Daten im Großen kenntlich, während Stammesbezeichnungen, Sprachen und Rituale oft vereinheitlicht werden. Zeittypische Vorstellungen vom „verschwindenden Indianer“ rahmen das Nachdenken über Wandel und Gewalt. Moderne Ethnologie und Geschichtsschreibung haben diese Vereinfachungen vielfach korrigiert, doch bleibt erkennbar, dass die Romane aus der Perspektive einer frührepublikanischen Gesellschaft argumentieren, die Naturrecht, Besitz und Staatlichkeit neu austariert und ihre Vergangenheit durch erzählerische Figuren ordnet.","Als Gesellschaftskommentar diskutiert die Sammlung Herrschaft und Recht im Grenzgebiet: Milizen, Sheriffgewalt, Richterautorität und informelle Sanktionsmechanismen koexistieren. Landtitel, Schulden und Vertragspraxis bestimmen Aufstieg und Ausschluss. Diese Muster sind archivalisch breit belegt und spiegeln Konflikte um Legitimität, die in den jungen Vereinigten Staaten virulent waren. Die Erzählungen nutzen dies, um den Preis des Fortschritts zu markieren: Sicherheit und Zugang zu Märkten stehen gegen Verlust von Autonomie und Landschaft. Dadurch werden Grenzräume zu Laboratorien, in denen die Republik ihre Normen und Brüche erprobt.","In ökologischer Hinsicht markieren die Bücher frühe literarische Zeugnisse einer Sensibilisierung für Ressourcen. Zeitgenössische Zeitungen berichteten über Waldbrände, Erosion und den Niedergang einst reicher Tierbestände; Forst- und Wildschutzdebatten entbrannten lokal. Die Romane nehmen diese Themen in Episoden auf, die Überflusswirtschaft und Verschwendung gegenüber maßvoller Nutzung kontrastieren. Damit entsteht eine historische Tiefenschicht, die heutige Leser als Vorläufer umweltethischer Reflexion in der amerikanischen Literatur wahrnehmen können, ohne die Texte aus ihrer Entstehungszeit zu lösen.","Die Steppe als Schauplatz verweist auf die frühe Wahrnehmung der Großen Ebenen durch Reisende, Kartographen und Militärs in den ersten Jahren nach 1803. Berichte betonten weite Grasländer, Büffelherden und lange Wasserknappheitsetappen; sie prägten einen Topos von „Leere“ und Durchquerung, der die vielfältige indigene Landnutzung unterschätzte. Indem die Sammlung diese Räume literarisch erschließt, begleitet sie die Verschiebung des nationalen Horizonts von atlantischen Wäldern zu kontinentaler Weite – eine Bewegung, die politische, wirtschaftliche und rechtliche Fragen über Souveränität, Grenzziehung und Integrationsfähigkeit aufwarf.","Im 20. Jahrhundert wurden die Romane immer wieder verfilmt, adaptiert und in Schulausgaben kanonisiert. Besonders „Der letzte Mohikan“ erreichte durch verschiedene Filmversionen internationale Bekanntheit. Die Popularisierung verstärkte bestimmte Motive – Kameradschaft, Wildniskompetenz, interkulturelle Bündnisse – und glättete andere, etwa komplizierte Besitz- und Rechtsthemen. Gleichzeitig gaben Historiker, Literaturwissenschaftler und Kulturkritiker neue Deutungen: vom Vergleich mit Grenzerberichten und militärischen Tagebüchern bis zur Einordnung in die Tradition der amerikanischen Natur- und Staatsromantik.","Neuere indigene und postkoloniale Lesarten betonen die Grenzen des Zyklus. Sie weisen auf stereotype Darstellungen, sprachliche Verzerrungen und die Romantisierung von Verlust hin, die historische Gewaltverhältnisse verdeckt. Zugleich bleibt die Sammlung als Quelle für zeitgenössische Denkweisen bedeutsam: Sie zeigt, wie frühe US‑Literatur Konflikte um Land, Recht, Technik und Glauben modellierte, um eine nationale Erzählung zu stützen und zu hinterfragen. Damit eröffnet der Lederstrumpf‑Zyklus bis heute einen dichten Resonanzraum zwischen Dokument und Mythos, der seine anhaltende Wirkung erklärt.

Synopsis (Auswahl)

Inhaltsverzeichnis

Der Wildtödter

Ein junger Natty Bumppo steht vor seiner ersten großen Bewährungsprobe am Grenzsaum von Seen und Wäldern. Der Roman verbindet Initiationsgeschichte und Ethik des Jagens mit angespannten Begegnungen zwischen indigenen Gruppen und Siedlern, wobei Zurückhaltung, Worttreue und Naturkenntnis den Ton bestimmen.

Der letzte Mohikan & Der Pfadfinder

Diese beiden Romane führen durch Wälder, Flüsse und die Großen Seen im Schatten kolonialer Kriege, wo Natty gemeinsam mit Verbündeten aus indigenen Nationen Schutzsuchende begleitet und Verrat, Belagerung und Verfolgungen meistert.

Abenteuerliche Episoden und taktische Manöver stehen neben nachdenklichen Szenen über Loyalität, kulturelle Grenzgänge und die Kosten militärischer Bündnisse; Der Pfadfinder erweitert dies um eine ruhigere, teils maritime Stimmung und eine zurückhaltende Liebesverwicklung.

Die Ansiedler

In einer jungen Ortschaft an der Waldgrenze prallen Pioniergeist, Gesetz und ökologische Rücksicht aufeinander. Als gealterter Spurenleser gerät Natty zwischen Gemeinschaftsnormen, Jagd- und Eigentumsfragen und verteidigt eine lebenslange Naturmoral gegen die Routinen der Zivilisation, in einem Ton, der zwischen humorvoller Gesellschaftsstudie und leiser Kritik pendelt.

Die Steppe

Auf der offenen Prärie begleitet Natty Wandernde durch weites, kaum kartiertes Land und begegnet neuen Bündnissen und Feindschaften. Die Erzählung wechselt den Schauplatz von den Wäldern zur Ebene und nimmt einen elegischen Grundton an, der über Vergänglichkeit, Verantwortung und die Folgen des Vorstoßes nach Westen nachsinnt.

Übergreifende Themen und Entwicklungen

Der Zyklus zeichnet den Bogen vom jugendlichen Lernweg über Kriegs- und Grenzabenteuer bis zum altersweisen Abschied und verschiebt den Schauplatz von Seen und Wäldern zu Siedlung und Steppe.

Wiederkehren Spannungen zwischen individueller Freiheit und gesellschaftlicher Ordnung, zwischen interkultureller Solidarität und Missverstehen sowie die Idee der Natur als Prüfstein moralischen Handelns; stilistisch mischt Cooper Landschaftspanoramen, detailreiche Topografie und rasche Aktionspassagen mit nachdenklichen Dialogen.

Lederstrumpf (Kompletter Romanzyklus)

Hauptinhaltsverzeichnis
Der Wildtödter
Der letzte Mohikan
Der Pfadfinder
Die Ansiedler
Die Steppe

Der Wildtödter

Inhaltsverzeichnis

Welche Schreckgestalten um ihn her!Entsetzen zieht und Flucht zieht ihm voran, Und welker Kummer folgt und Oede seiner Bahn!

Gray.

Inhalt

Vorrede.
Erstes Kapitel.
Zweites Kapitel.
Drittes Kapitel.
Viertes Kapitel.
Fünftes Kapitel.
Sechstes Kapitel.
Siebentes Kapitel.
Achtes Kapitel.
Neuntes Kapitel.
Zehntes Kapitel.
Eilftes Kapitel.
Zwölftes Kapitel.
Dreizehntes Kapitel.
Vierzehntes Kapitel.
Fünfzehntes Kapitel.
Sechszehntes Kapitel.
Siebenzehntes Kapitel.
Achtzehntes Kapitel.
Neunzehntes Kapitel.
Zwanzigstes Kapitel
Einundzwanzigstes Kapitel.
Zweiundzwanzigstes Kapitel.
Dreiundzwanzigstes Kapitel.
Vierundzwanzigstes Kapitel.
Fünfundzwanzigstes Kapitel.
Sechsundzwanzigstes Kapitel.
Siebenundzwanzigstes Kapitel.
Achtundzwanzigstes Kapitel.
Neunundzwanzigstes Kapitel.
Dreißigstes Kapitel.
Einunddreißigstes Kapitel.
Zweiunddreißigstes Kapitel.

Vorrede.

Inhaltsverzeichnis

Dieses Buch wurde nicht ohne manche Besorgnisse wegen seiner muthmaßlichen Aufnahme geschrieben. Einen und denselben Charakter durch fünf verschiedene Werke hindurchführen, konnte als allzukecke Zumuthung an die Gutmüthigkeit des Publikums erscheinen, und Manche möchten mit Grund dieß als ein Unterfangen ansehen, das an sich schon zur Mißbilligung herausfordere. Auf diesen sehr natürlichen Vorwurf kann der Verfasser nur erwiedern, daß, wenn er in diesem Falle einen schweren Fehler begangen, seine Leser selbst einigermaßen die Verantwortung dafür auf sich haben. Die günstige Aufnahme, welche den späteren Schicksalen und dem Tode Lederstrumpfs zu Theil wurde, hat der Seele des Verfassers wenigstens es zu einer Art von Nothwendigkeit gemacht, auch von seinen jüngeren Jahren Nachricht zu geben. Kurz, die Gemälde seines Lebens, wie sie nun einmal sind, waren schon so vollständig, daß sie wohl einiges Verlangen erwecken konnten, die Gesammtzeichnung zu sehen, nach welcher sie alle gemalt wurden. Die »Lederstrumpferzählungen« bilden jetzt eine Art von fünfaktigem Drama, vollständig, was den Inhalt und den Plan betrifft, wenn auch vermuthlich sehr mangelhaft in der Ausführung. So wie sie sind, hat sie die Lesewelt vor sich. Der Verfasser hofft, sie werde, entschiede sie auch dahin, daß der hier vorliegende Akt, der letzte in der Ausführung, obwohl der erste in der natürlichen Ordnung der Lektüre, nicht der beste der ganzen Reihefolge sey, doch das Urtheil fällen, daß er auch nicht eben der schlechteste sey. Mehr als einmal hat er sich versucht gefühlt, sein Manuskript zu verbrennen und sich zu einem andern Gegenstand zu wenden, obwohl er im Verlaufe seiner Arbeit eine Aufmunterung von so eigenthümlicher Art erhielt, daß es sich verlohnt, sie zu erwähnen. Ein anonymer Brief aus England, von der Hand einer Dame, wie ihn däucht, kam ihm zu, worin er dringend aufgefordert wurde, ungefähr eben das zu thun, was er schon mehr als halb ausgeführt hatte, – ein Wunsch, den er sehr gerne als ein Zeichen deutet, daß sein Versuch theilweise werde verziehen, wo nicht entschieden gebilligt werden.

Wenig braucht er über die Charaktere und die Scenerie dieser Erzählung zu sagen. Jene sind natürlich Werk der Dichtung; diese aber ist der Natur so treu, als nur immer die vertraute Bekanntschaft mit dem jetzigen Aussehen der geschilderten Gegend, und Vermuthungen über ihren früheren Charakter, so wahrscheinlich als die Einbildungskraft sie an die Hand gab, den Verfasser in Stand setzten, sie zu schildern. See, Berge, Thal und Wald sind insgesammt, wie er glaubt, genau genug dargestellt, während Fluß, Fels und Küste treue Abzeichnungen der Natur sind. Selbst die einzelnen vorspringenden Punkte existiren, etwas verändert durch die Civilisation, aber doch so entsprechend den Schilderungen, daß Jeder, der mit der Scenerie der fraglichen Gegend vertraut ist, sie leicht erkennt.

Was die historische Treue bei den Ereignissen dieser Erzählung im Ganzen und im Einzelnen betrifft, so ist der Verfasser gesonnen, hier auf seinem Recht zu bestehen, und darüber nicht mehr zu sagen, als was er für nothwendig erachtet. Bei dem großen Streit um Wahrheit, der zwischen Geschichte und Fiktion waltet, ist der Vortheil so oft auf der Seite der letzteren, daß er sehr geneigt ist, den Leser auf seine eigenen Forschungen zu verweisen, um über diesen Punkt in's Reine zu kommen. Sollte es sich bei genauer Untersuchung zeigen, daß ein anerkannter Historiker, daß öffentliche Urkunden oder auch Lokaltraditionen den Angaben dieses Buchs widersprechen, so ist der Verfasser bereit, zuzugestehen, daß der Umstand seiner Aufmerksamkeit gänzlich entging, und seine Unwissenheit zu bekennen. Andererseits, sollte sich's finden, daß die Annalen Amerika's nicht eine Sylbe enthalten, die dem, was hier der Welt vorgelegt wird, widerspräche, – wie er denn fest glaubt, daß die Forschung dieß ausweisen werde – so wird er für seine Erzählung genau so viel Glaubwürdigkeit in Anspruch nehmen, als sie verdient. Es gibt eine ansehnliche Classe von Romanlesern – ansehnlich ebenso wegen ihrer Zahl als in jedem andern Betracht, – die man oft mit dem Mann verglichen hat, der »singt, wenn er liest, und liest, wenn er singt«. Diese Leute sind über die Maßen phantasiereich in allem Thatsächlichen, und so buchstäblich pedantisch, wie die Uebersetzung eines Schulknaben, in Allem, was zur Poesie gehört. Zum Nutz und Frommen aller solcher Leute wird hiemit ausdrücklich erklärt, daß Judith Hutter eben Judith Hutter ist, und keine andere Judith; und überhaupt, daß, wenn irgendwo bei einem Taufnamen oder bei der Farbe des Haares eine Aehnlichkeit, ein Zusammentreffen sich findet, nichts weiter gemeint ist, als was für den Unbefangenen in der Gleichheit des Taufnamens oder der Haarfarbe liegt. Lange Erfahrung hat den Verfasser belehrt, daß dieser Theil seiner Leser der bei weitem am schwersten zu befriedigende ist, und er möchte ihnen, zum Besten beider Parteien, den ehrerbietigen Rath geben, den Versuch zu machen und Werke der Einbildungskraft so zu lesen, als wären es Erzählungen positiver Thatsachen. Ein solches Verfahren könnte sie vielleicht in Stand setzen, an die Möglichkeit der Dichtung zu glauben Der Wildtödter.

Erstes Kapitel.

Inhaltsverzeichnis

O welche Lust im Wald, pfadlos, verschlungen! O welch Entzücken am entleg'nen Strand! Dort ist Gesellschaft, die nicht aufgedrungen, Am Meer, in dessen Sturm Musik ich fand! Den Menschen lieb' ich, doch noch mehr verstand Ich die Natur; mit ihr, will ich nicht fragen Was ich wohl könnte seyn, einst war! Verwandt Durch sie dem All, fühl' ich, was auszusagen Ich nicht vermag, noch ganz mit Schweigen kann ertragen.

Childe Harold

Ereignissehaben für die menschliche Vorstellung die Wirkungen der Zeit. So kann sich, wer weit gereist ist und Viel gesehen hat, leicht einbilden, lange gelebt zu haben, und diejenige Geschichte, welche am reichsten ist an wichtigen Begebenheiten, nimmt am frühesten den Charakter und Schein eines weit zurückreichenden Alters an. Auf keine andere Weise vermögen wir uns das Gepräge von Ehrwürdigkeit zu erklären, das schon den Annalen Amerikas anhaftet. Wenn der Geist zurückschaut in die frühesten Tage der Geschichte der Colonieen, so scheint jene Periode fern und dunkel, da die tausend Wechselfälle, welche an die Kettenglieder der Erinnerung sich herandrängen, den Ursprung der Nation in eine Ferne rückwärts schieben, die scheinbar im Nebel unvordenklicher Zeit liegt, und doch würden vier Menschenalter von gewöhnlicher Lebensdauer hinreichen, um von Mund zu Mund, in der Gestalt der Tradition, Alles zu überliefern, was civilisirte Menschen im Bereich der Republik geleistet haben. Obgleich Neu-York allein eine Bevölkerung besitzt, größer in Wahrheit, als die der vier kleinsten Königreiche Europa's, oder auch als die der gesammten Schweizerischen Eidgenossenschaft, ist es doch erst Wenig mehr, als zwei Jahrhunderte her, seit die Holländer ihre Niederlassungen begannen und das Land aus dem wilden Zustand emporhoben. So wird, was durch die Häufung von wechselnden Ereignissen den ehrwürdigen Schein des Alters annimmt, zu vertrauterer Gewöhnlichkeit zurückgeführt, wenn wir es ernst und nüchtern nur in seinem Zeitverhältniß in's Auge fassen.

Dieser Blick auf die Perspective der Vergangenheit wird den Leser vorbereiten, daß er die Gemälde, die wir zu entwerfen im Begriffe stehen, mit weniger Ueberraschung betrachtet, als er vielleicht sonst empfunden hätte, und einige weitere Erläuterungen führen vielleicht seine Einbildungskraft zurück zur genauern und deutlichern Anschauung desjenigen Gesellschaftszustandes, den wir zu schildern wünschen. Es ist eine geschichtliche Thatsache, daß die Niederlassungen an den östlichen Ufern des Hudson, wie Claverack, Kinderhook und selbst Poughkeepsie vor hundert Jahren als nicht sicher vor Einfällen der Indianer galten, und noch steht an den Uferhöhen des genannten Flusses, nur einen Musketenschuß weit von den Cajen von Albany, ein Schloß eines jüngern Zweiges der Van Rensselaers mit Schießscharten zur Vertheidigung gegen eben jenen schlauen Feind, obgleich es aus einer kaum so fernen Zeit stammt. Andere ähnliche Erinnerungen und Urkunden von der großen Jugend des Landes findet man hin und wieder selbst in den Gegenden, die als der eigentliche Mittelpunkt amerikanischer Civilisation betrachtet werden, – zum klarsten Beweise, daß alle unsere Sicherheit vor Einfällen und feindlicher Gewaltthat die Frucht einer nicht viel längern Zeit ist, als welche nicht selten Ein Menschenleben umfaßt.

Die Begebenheiten dieser Erzählung fallen zwischen die Jahre 1740 und 1745, wo die mit Niederlassungen besetzten Striche der Colonie Neu-York sich auf die vier Atlantischen Bezirke, einen schmalen Landgürtel auf jeder Seite des Hudsons, von dessen Mündung bis zu den Fällen in der Nähe seines Ursprungs, und auf einige wenige vorgeschobne »Nachbarschaften« am Mohawk und Schoharie beschränkten. Breite Gürtel der Urwildniß reichten nicht nur bis an die Ufer des ersten Stromes, sondern kreuzten ihn sogar, indem sie nach Neu-England hin sich fortsetzten und mit ihren Wäldern Schutz und Versteck boten dem geräuschlosen Moccasin des eingebornen Kriegers, wenn er auf dem verborgnen und blutigen Kriegspfad daherschlich. Ein Blick aus der Vogelperspektive auf die ganze Gegend östlich vom Mississippi mußte damals eine unermeßliche Ausdehnung von Wäldern zeigen, abwechselnd mit einem vergleichungsweise schmalen Saum angebauten Landes der See entlang, punktirt gleichsam durch die schimmernden Spiegel der Seen, und durchschnitten von den bewegten Linien der Ströme. In einem so ungeheuern Bilde feierlich ernster Einsamkeit verliert sich der Landstrich, dessen Schilderung wir beabsichtigen, fast in Unbedeutenheit, doch fühlen wir uns ermuthigt, zur Ausführung zu schreiten, durch die Ueberzeugung, daß, leichte und unwesentliche Unterschiede abgerechnet, derjenige, dem eine genaue Anschauung eines Theils dieser wilden Gegend zu verschaffen gelingt, nothwendig auch einen ziemlich richtigen Begriff vom Ganzen dem Leser geben muß.

Welche Veränderungen und Verwandlungen auch durch die Menschenhand mögen bewirkt worden seyn, der ewige Kreis der Jahreszeiten ist nicht zerrissen worden. Sommer und Winter, Saat- und Ernte-Zeit kehren mit erhabener Genauigkeit immer wieder in der ihnen gesetzten Ordnung, und bieten dem Menschen eine der alleredelsten und genußreichsten Gelegenheiten, die hohe Macht seines weitreichenden Geistes zu bestätigen, indem er die Gesetze erfaßt, welche ihre strenge Gleichförmigkeit beherrschen, und ihre nie endenden Umkreisungen berechnet. Hunderte von Sommersonnen hatten die Wipfel der edeln Eichen und Fichten erwärmt, und ihre Glut selbst bis in die zähen Wurzeln hinabgesendet, als man Stimmen einander rufen hörte in den Tiefen eines Waldes, dessen laubreiche Höhe in dem glänzenden Licht eines wolkenlosen Juniustages schwamm, während die Stämme der Bäume in dem Schatten unten in düstrer Größe sich erhoben. Die Anrufungen waren von verschiedenem Ton, und rührten unverkennbar von zwei Männern her, die den Weg verloren hatten, und jetzt in verschiedenen Richtungen den rechten Pfad wieder suchten. Endlich zeugte ein jauchzender Schrei von glücklichem Erfolg und im Augenblick darauf brach ein Mann hervor aus dem verworrenen Labyrinth eines kleinen Sumpfes und trat in eine Lichtung, welche theils durch die Verheerungen des Windes, theils durch die des Feuers entstanden zu seyn schien. Dieser kleine, offene Platz, der eine freie Ansicht des Himmels gestattete, obgleich er ziemlich angefüllt war mit gefallnen Bäumen, lag neben einem der hohen Hügel oder niedern Berge, aus welchen beinahe die ganze Oberfläche der benachbarten Gegend bestand.

»Hier ist ein Platz zum Athemschöpfen!« rief der befreite Waldmann, sobald er sich unter blauem Himmel befand, und schüttelte seinen gewaltigen Körper, wie ein Spürhund, der eben einer Schneewehe entronnen ist: »Hurrah! Wildtödter; hier ist wenigstens Tageslicht und dort der See!«

Diese Worte waren kaum gesprochen, als der zweite Waldmann bei dem Buschwerke des Sumpfes hervortauchte und auf dem freien Platze erschien. Nachdem er in der Eile seine Waffen und seine in Unordnung gekommene Kleidung wieder zurecht gemacht, kam er zu seinem Genossen heran, der schon Anstalten zu einem Aufenthalt machte.

»Kennt Ihr diese Stelle?« fragte der als ›Wildtödter‹ Angerufene; »oder habt ihr so gejauchzt bei dem Anblick der Sonne?«

»Beides, Junge, beides; ich kenne die Stelle und es thut mir nicht leid, einen so nützlichen Freund zu erblicken, als die Sonne ist. Jetzt haben wir doch wieder die Richtungen des Compasses im Kopf, und es ist jetzt unser eigner Fehler, wenn wir sie uns wieder durch irgend Etwas kunterbunt durcheinander werfen lassen, wie uns vorhin geschah. Mein Name ist nicht Hurry Harry, wenn dieß nicht der Platz ist, wo die Land-Jäger im letzten Sommer lagerten und eine Woche zubrachten. Seht, dort sind die abgestorbenen Büsche von ihrem Zelt, und hier ist die Quelle. So sehr ich die Sonne liebe, Junge, so brauche ich mir doch jetzt nicht von ihr sagen zu lassen, daß es Mittag ist; dieser mein Magen ist ein so guter Zeitmesser, als es nur immer in der Colonie gibt, und er weist schon auf halb ein Uhr. So öffnet denn den Quersack, damit wir uns wieder aufziehen, um weitere sechs Stunden zu gehen.«

Auf diesen Vorschlag machten sich Beide daran, die nöthigen Vorbereitungen zu ihrem gewöhnlichen frugalen, aber herzhaften Mahle zu machen. Wir wollen diese Unterbrechung des Gesprächs benützen, dem Leser einen Begriff von der äußern Erscheinung der Männer zu geben, welche beide bestimmt sind, eine nicht unbedeutende Rolle in unserer Erzählung zu spielen. Es wäre nicht leicht gewesen, ein edleres Bild kraftvoller Männlichkeit zu finden, als welches in der Person desjenigen sich darbot, der sich selbst Hurry Harry nannte. Sein wahrer Name war Henry March; aber die Grenzmänner haben von den Indianern die Sitte angenommen, sobriquets (Spitznamen) zu geben, und so wurde die Bezeichnung: »Hurry« weit öfter gebraucht, als sein eigentlicher Name und nicht selten wurde er Hurry Skurry genannt, ein Spitzname, den er wegen seines fahrigen, rücksichtslosen, kurzangebundenen Wesens bekommen hatte, und wegen einer physischen Rastlosigkeit, die ihn in so beständiger Bewegung erhielt, daß er auf der ganzen Linie der zwischen der Provinz und den Canada's zerstreuten Wohnungen bekannt war. Die Statur Hurry Harry's betrug über sechs Fuß einen Zoll, und da er ungemein wohl gebaut war, entsprach seine Stärke vollkommen den Begriffen, die sein riesenhafter Körper erweckte. Das Gesicht paßte gar nicht übel zu dem übrigen Manne, denn es war gutmüthig und hübsch. Sein Wesen war frei und offen, und obgleich sein Benehmen und seine Art nothwendig von der Rohheit des Grenzlerlebens Etwas annehmen mußten, verhütete doch die einer so edeln Natur angeborne Großartigkeit, daß er nie ganz gemein werden konnte.

Wildtödter, wie Hurry seinen Begleiter nannte, war seinem Aeußern wie seinem Charakter nach, ein ganz andrer Mensch. Was den Wuchs betrifft, so maß er wohl gegen sechs Fuß in seinen Moccasins, aber sein Körper war vergleichungsweise leicht und schlank, zeigte jedoch Muskeln, die, wo nicht ungewöhnliche Stärke, doch ungewöhnliche Gewandtheit verriethen. Sein Antlitz hätte wenig Empfehlendes gehabt, außer der Jugendlichkeit, wäre nicht darin ein Ausdruck gewesen, der selten seines gewinnenden Eindrucks bei Allen verfehlte, die Gelegenheit hatten, es genauer zu prüfen, und dem Gefühle des Vertrauens, das es einflößte, sich zu überlassen. Dieser Ausdruck war einfach der: argloser Wahrhaftigkeit, gepaart mit einem Ernst des Willens und einer Lauterkeit des Gefühls, die man sonst nicht leicht sah. Zu Zeiten erschien dieß Gepräge von aufrichtiger Redlichkeit in solcher Einfalt, daß es auf den Verdacht bringen konnte, es fehle ihm an der Fähigkeit, zwischen Trug und Wahrheit zu unterscheiden; aber Wenige kamen in nähere, innigere Berührung mit dem Manne, ohne dieß Mißtrauen gegen seine Einsichten und Beweggründe zu verlieren.

Beide Grenzmänner waren noch jung, denn Hurry Harry hatte erst das sechs- oder achtundzwanzigste Jahr erreicht, und Wildtödter zählte noch einige Jahre weniger. Ihr Anzug bedarf keiner genauen Beschreibung, nur so viel mag erwähnt werden, daß er zu einem nicht kleinen Theile aus zugerichteten Hirschhäuten bestand, und die gewöhnlichen Spuren an sich trug, welche verriethen, daß er Männern gehörte, die ihr Leben auf der Grenze zwischen der civilisirten Gesellschaft und den endlosen Wäldern zubrachten. Dennoch bemerkte man einige Aufmerksamkeit und ein Bestreben, sich proper und malerisch zu zeigen in Wildtödters Anzug, und ganz besonders im Punkt seiner Waffen und seines Jagdzeuges. Seine Büchse war im vollkommensten Stand, der Handgriff seines Waidmessers war zierlich geschnitzt, sein Pulverhorn mit passenden Sinnbildern, leicht eingeschnitten in den Stoff, woraus es bestand, verziert, und seine Jagdtasche mit Wampum geschmückt. Dagegen trug Hurry Harry, sey es nun aus natürlicher Gleichgültigkeit, oder im geheimen Bewußtseyn, wie wenig seine äußere Erscheinung einer künstlichen Nachhülfe bedurfte, Alles in nachläßiger, liederlicher Weise an sich, als fühle er eine edle Verachtung gegen die ärmlichen Nebendinge, wie Kleidung und Schmuck. Vielleicht wurde der eigenthümliche Eindruck, den sein hoher Wuchs und seine schöne Gestalt machten, durch diese unstudirte, hochmüthige Gleichgültigkeit in seiner äußeren Erscheinung, eher verstärkt als vermindert.

»Kommt, Wildtödter, haut ein, und beweist, daß Ihr einen Delawaren-Magen habt, wie Ihr nach Eurer Behauptung eine Delawaren-Erziehung gehabt!« rief Hurry, der mit gutem Beispiel voranging, und den Mund aufriß, um ein Stück kalten Wildprets aufzunehmen, das für einen europäischen Bauern eine ganze Mahlzeit gewesen wäre; »haut ein, Bursche, und zeigt Eure Mannhaftigkeit an diesem armen Teufel von Damthier mit Euern Zähnen, wie Ihr es schon gethan mit Eurer Büchse.« »Nein, nein, Hurry, daran ist nicht viel Mannhaftigkeit, ein armes Thier zu tödten, und dazu noch außer der rechten Zeit, wohl aber mag es eine seyn, eine Unze oder einen Panther zu fällen,« versetzte der Andere, sich anschickend, der Aufforderung zu folgen. »Die Delawaren haben mir meinen Namen gegeben nicht so wohl in Betracht eines kühnen Herzens, als vielmehr eines scharfen Auges und eines flinken Fußes. Es mag nichts Feiges daran seyn, ein Thier zu fällen, aber gewiß ist es keine große Tapferkeit.«

»Die Delawaren selbst sind keine Helden,« murmelte Hurry zwischen den Zähnen, da er den Mund zu voll hatte, um ihn ganz aufthun zu können, »sonst hätten sie sich nimmermehr von den lumpigen Vagabunden, den Mingo's, zu Weibern machen lassen.«

»Die Sache ist nicht recht bekannt – ist nie recht erklärt worden,« versetzte Wildtödter ernst, denn er war ein eben so eifriger Freund, wie sein Begleiter als Feind gefährlich war; »die Mingo's füllen die Wälder mit ihren Lügen, und mißdeuten Worte und Verträge. Ich lebe jetzt zehn Jahre unter den Delawaren, und kenne sie als so mannhaft wie jede andre Nation, wenn die rechte Zeit zum Schlagen kommt.«

»Hört, Meister Wildtödter, weil wir einmal bei dem Gegenstand sind, können wir wohl unser Herz gegen einander öffnen, wie es sich unter Männern ziemt; antwortet mir auf Eine Frage: Ihr habt so viel Glück gehabt mit dem Wild, daß Ihr davon einen Ehrentitel führt, wie es scheint, aber habt Ihr je eine menschliche oder vernünftige Creatur getroffen? – habt Ihr je abgedrückt auf einen Feind, der im Stande war, auch auf Euch abzudrücken?«

Diese Frage erzeugte in der Brust des Jünglings eine eigenthümliche Collision zwischen Kränkung und richtigem Gefühl, die sich leicht im Mienenspiel seines redlichen Gesichts lesen ließ. Der Kampf war jedoch kurz; die Aufrichtigkeit des Herzens gewann bald die Oberhand über falschen Stolz und die Prahlsucht des Grenzmanns.

»Die Wahrheit zu gestehen, niemals,« antwortete Wildtödter, »aus dem Grunde, weil sich nie eine geeignete Gelegenheit zeigte. Die Delawaren sind friedlich gewesen die ganze Zeit meines Aufenthaltes unter ihnen, und ich halte es für unrecht, einem Menschen das Leben zu nehmen anders als in offenem, ehrlichem Kriege.«

»Was! habt Ihr nie einen Kerl betroffen, der diebisch unter Euren Fallen und Häuten herumschlich, und habt an ihm mit eigner Hand das Gesetz exequirt, um den Behörden die Mühe zu ersparen in den Ansiedlungen, und dem Burschen selbst die Kosten des Prozesses?«

»Ich bin kein Fallenjäger, Hurry,« erwiederte der junge Mann stolz: »ich lebe von der Büchse, einer Waffe, in deren Handhabung ich keinem Manne von meinen Jahren nachstehen will zwischen dem Hudson und dem St. Lawrence. Ich biete nie eine Haut zum Verkauf, die nicht ein Loch am Kopf hat neben denen, welche die Natur dort gemacht hat zum Sehen und zum Athmen.«

»Ja, ja, das ist Alles recht gut mit den Thieren, aber es macht doch eine armselige Figur neben Skalpen und Hinterhalten. Einen Indianer aus einem Hinterhalt niederschießen, heißt nur nach seinen eignen Grundsätzen handeln, und jetzt, da wir einen rechtmäßigen Krieg haben, wie Ihr es nennt, wird, je eher Ihr diese Schmach von Eurem Gewissen wischt, um so gesünder Euer Schlaf seyn, wenn auch nur dadurch, daß Ihr wißt, es schleicht und heult Ein Feind weniger in den Wäldern. Ich werde nicht lange Eure Gesellschaft suchen und hegen, Freund Natty, wenn Ihr den Sinn nicht höher tragt, als Eure Büchse gegen vierfüßige Creaturen zu gebrauchen.«

»Unsre Reise ist beinahe zu Ende, wie Ihr sagt, Meister March, und wir können heute Nacht uns trennen, wenn es Euch gelegen scheint. Ich habe einen Freund, der auf mich wartet, und der es für keine Schande halten wird, mit einem Mitmenschen umzugehen, der noch keinen seiner Gattung erschlagen hat.«

»Ich möchte wohl wissen, was den schleichenden Delawaren in diese Gegend des Landes geführt hat, so früh in der Jahreszeit,« murmelte Hurry vor sich hin in einer Weise, die ebenso sehr Mißtrauen zeigte, als auch Gleichgültigkeit dagegen, ob er es verrathe. »Wo sagt Ihr, daß der junge Häuptling Euch zu treffen verabredet habe?«

»Auf einem kleinen, runden Felsen, unten am See, wo, wie »man mir sagt, die Stämme ihre Verträge zu machen und ihre Streitäxte zu begraben pflegen. Diesen Felsen habe ich oft von den Delawaren nennen hören, obgleich See und Fels mir gleich unbekannt sind. Der Landstrich wird von den Mingo's und von den Mohikans in Anspruch genommen, und ist in Friedenszeit eine Art von gemeinsamem Grund und Boden zum Fischen und Jagen; was es aber in Kriegszeiten werden mag, weiß der Himmel allein!«

»Gemeinsamer Grund und Boden!« rief Hurry, laut lachend. »Ich möchte wohl wissen, was Floating Tom Hutter dazu sagen würde. Er spricht den See als sein Eigenthum an, in Kraft fünfzehnjährigen Besitzes, und wird ihn schwerlich weder den Mingo's noch den Delawaren abtreten, ohne darum zu kämpfen.«

»Und was wird die Kolonie sagen zu einem solchen Streit? diese ganze Gegend muß einen Eigenthümer haben, da die Herrenleute ihre Begehrlichkeit selbst bis in die Wildniß ausdehnen, auch da wo sie nicht das Herz haben, in eigner Person sich darin umzusehen.«

»Das mag in andern Theilen der Kolonie angehen, Wildtödter, aber hier nicht. Kein menschliches Wesen, den Herrn ausgenommen, hat einen Fußbreit Boden in dieser Gegend des Landes als sein anzusprechen. Nie ward eine Feder eingetaucht, Etwas zu Papier zu bringen in Betreff des Hügels oder des Thales hier herum, wie ich den alten Tom oft und viel habe sagen hören, und so hat er den besten Anspruch darauf unter allen Menschen die athmen; und was Tom anspricht, das wird er wohl auch behaupten.«

»Nach dem, was ich von Euch gehört habe, Hurry, muß dieser Floating Tom ein außergewöhnlicher Sterblicher seyn; weder Mingo, noch Delaware, noch Bleichgesicht. Auch sein Besitz wäre, nach Eurem Sagen, schon alt, und weit älter als die Grenzansiedlungen. Was ist des Mannes Geschichte und Wesen?«

»Ha, was des alten Tom's menschliche Natur anlangt, so gleicht die wenig anderer Leute menschlicher Natur, sondern mehr der menschlichen Natur einer Bisamratze, angesehen daß er mehr die Art dieses Thieres, als die Art anderer Mitgeschöpfe hat. Einige glauben, er sey in seiner Jugend Freibeuter auf dem Salzwasser gewesen, und der Genosse eines gewissen Kidd, der wegen Seeräuberei gehängt wurde, lang ehe Ihr und ich geboren oder bekannt wurden, und er sey in diese Gegend gekommen in der Hoffnung, des Königs Kreuzer würden nie über die Berge herüber kommen, und er könne sich in den Wäldern im Frieden des Raubes erfreuen.«

»Dann war er im Irrthum, Hurry, sehr im Irrthum. Des Raubes kann sich ein Mensch nirgends im Frieden erfreuen.«

»Das ist, je nachdem er eine Gemüthsart hat. Ich habe Solche gekannt, die sich dessen gar nicht anders erfreuen konnten, als in wilder Lustbarkeit, und wieder Andre, die ihn am besten genossen in einem einsamen Winkel. Manche Menschen haben keinen Frieden und Ruhe, wenn sie keinen Raub finden, und Andre nicht, wenn es ihnen gelingt. Die menschliche Natur ist kurios in diesen Dingen. Der alte Tom scheint zu keiner von beiden Arten zu gehören, denn er genießt seinen Raub, wenn er das Seinige wirklich so erworben, sehr ruhig und behaglich mit seinen Töchtern, und wünscht nicht mehr.«

»Ja, er hat auch zwei Töchter; ich habe die Delawaren, die in der Gegend herum jagten, ihre Geschichten von diesen jungen Weibern erzählen hören. Ist keine Mutter da, Hurry?«

»Es war eine da, wie natürlich, aber sie ist jetzt gute zwei Jahre todt und versenkt.«

»Ha, wie!« sagte Wildtödter, seinen Begleiter mit einigem Erstaunen anschauend.

»Todt und versenkt, sag' ich, und ich denke, das ist gut und klar gesagt. Der alte Kerl versenkte sein Weib in den See, als er von ihr scheiden mußte, wie ich als Augenzeuge der Ceremonie versichern kann; aber ob Tom dieß gethan, um sich das Graben zu ersparen, was kein Spaß ist unter Wurzeln, oder in der Einbildung, daß Wasser die Sünde eher abwasche als Erde, ist mehr als ich sagen kann.« »War das arme Weib eine ungewöhnliche Sünderin, daß sich ihr Gatte so viel Mühe mit ihrem Leichnam gab?«

»Keine außerordentliche, obgleich sie wohl ihre Fehler hatte. Ich denke, daß Judith Hutter ein so christliches und eines guten Endes so würdiges Weib war, als nur irgend Eine, die so lang außer dem Bereich des Läutens von Kirchenglocken lebte; und ich meine, der alte Tom versenkte sie wohl fast eher, um sich Mühe zu ersparen, als daß er sich welche gemacht hätte. Es war freilich ein wenig Stahl in ihrem Temperament, und da der alte Hutter ein ziemlicher Flintenstein ist, so gab es wohl hin und wieder Funken zwischen ihnen, aber im Ganzen konnte man sagen, daß sie sich freundschaftlich vertrugen. Wenn sie Feuer fingen, so wurden den Zuhörern solche Blicke in ihr früheres Leben zu Theil, wie man sie etwa in den dunkleren Theilen der Wälder bekommt, wenn ein verirrter Sonnenstrahl, bis herab zu den Wurzeln der Bäume dringt. Aber ich werde Judith immer werth schätzen, da es immer Lob und Empfehlung genug für ein Weib ist, die Mutter eines solchen Geschöpfs, wie ihre Tochter, Judith Hutter, zu seyn.«

»Ja, Judith war der Name, den die Delawaren nannten, obgleich sie ihn auf ihre Weise aussprachen. Nach ihren Gesprächen sollte ich nicht meinen, daß das Mädchen sehr nach meinem Geschmack wäre.«

»Nach deinem Geschmack!« rief March, ebenso über der Gleichgültigkeit als über der Anmaßung seines Genossen Feuer fangend; »was Teufels habt Ihr da von Eurem Geschmack zu schwatzen, und dazu noch, wenn es ein Weib, wie Judith, betrifft? Ihr seyd nur erst ein Knabe – ein Schößling, der kaum Wurzeln geschlagen. Judith hat Männer unter ihren Anbetern gezählt, seit sie ihr fünfzehntes Jahr zurückgelegt hat, was jetzt beinahe fünf Jahre her ist, und wird nicht Lust haben, auch nur einen Blick auf ein halbgewachsenes Bürschchen zu werfen, wie Ihr seyd.« «Es ist Junius, und kein Wölkchen zwischen uns und der Sonne, Hurry, und somit braucht es all diese Hitze nicht,« versetzte der Andere, im mindesten nicht aus der Fassung gebracht; »und Jeder darf seinen Geschmack haben, und ein Eichhörnchen hat das Recht, sich sein Urtheil über einen Panther zu bilden.«

»Ja, aber es möchte nicht immer klug seyn, es den Panther wissen zu lassen,« brummte March. »Aber Ihr seyd jung und gedankenlos, und ich will Eure Unwissenheit übersehen. Kommt, Wildtödter,« fuhr er mit gutmüthigem Lachen fort, nachdem er eine Weile nachdenklich geschwiegen, »kommt, Wildtödter, wir sind geschworene Freunde, und wollen nicht hadern um ein leichtsinniges, gefallsüchtiges Weibsbild, weil es zufällig schön ist, – zumal da Ihr sie noch gar nie gesehen. Judith ist nur für einen Mann, der vollkommen abgezahnt hat, und es ist thöricht, einen Knaben zu fürchten. Was haben denn die Delawaren von der Hexe gesagt? denn ein Indianer hat am Ende doch auch seine Begriffe vom Weibsvolk, so gut als ein weißer Mann.«

»Sie sagten, sie sey schön anzusehen, und gefällig im Gespräch; aber zu sehr Bewunderern sich hingebend und leichtsinnig.«

»Das sind eingefleischte Teufel! Welcher Schulmeister und Gelehrte ist am Ende einem Indianer gewachsen, was den Blick in die Natur betrifft? Manche Leute meinen, sie seyen nur gut auf der Fährte des Wildes oder auf dem Kriegspfad, aber ich sage: es sind Philosophen, und sie verstehen sich auf einen Mann so gut wie auf einen Biber, und auf ein Weib so gut wie auf beide. Nun, das ist wirklich Judith's Charakter auf ein Tüpfelchen! Euch die Wahrheit zu gestehen, Wildtödter, ich hätte das Mädchen schon vor zwei Jahren geheirathet, wären nicht zwei ganz besondere Umstände, – und der eine ist eben ihr Leichtsinn.«

»Und was mag der andere seyn?« fragte der Jäger, der fort aß, wie Einer, der sich eben nicht sehr für den Gegenstand interessirte.

»Der andre Umstand war die Ungewißheit, ob sie mich nähme. Das Mädel ist schön, und das weiß sie. Knabe, kein Baum, der auf diesen Hügeln wächst, ist gerader, oder schwankt mit leichterer Beugung im Winde, und nie habt Ihr das hüpfende Reh in natürlicherer Beweglichkeit gesehen. Wenn das Alles wäre, würde jede Zunge ihr Lob verkündigen; aber sie hat solche Mängel, daß ich es schwierig finde, sie zu übersehen, und manchmal schwöre ich, nie wieder den See zu besuchen.«

»Und was ist der Grund, daß Ihr immer wieder kommt? Nichts wurde je dadurch sicherer, daß man darüber schwur.«

»Ach, Wildtödter, Ihr seyd in diesen Angelegenheiten ein Neuling; Ihr klebt so an Eurer frühern Erziehung, als hättet Ihr nie die Ansiedlungen verlassen. Bei mir ist es ein andrer Fall, und nie empfinde ich das Bedürfnis, eine Idee festzuhalten, daß ich nicht auch Lust fühle, darüber zu schwören. Wenn Ihr in Betreff Judith's alles wüßtet, was ich weiß, würdet Ihr ein wenig Verfluchen wohl gerechtfertigt finden. Nun, die Offiziere streifen manchmal hinüber an den See, von den Forts am Mohawk, um zu fischen und zu jagen, und dann scheint die Kreatur ganz außer sich! Ihr könnt das sehen an der Art, wie sie ihre Schmucksachen trägt, und dem vornehmen Wesen, das sie bei den galanten Herrn annimmt.«

»Das ist unpassend bei eines armen Manns Tochter,« versetzte Wildtödter ernst; »die Offiziere sind alle vornehme Leute, und können ein Mädchen wie Judith nur mit bösen Absichten ansehen.«

»Das ist die Ungewißheit und der Dämpfer! Ich habe meine Besorgnisse wegen eines gewissen Kapitains, und Judith hat nur ihre eigne Thorheit anzuklagen, wenn ich Unrecht habe. Ueberhaupt wünschte ich, sie als sittsam und anständig ansehen zu dürfen, und doch sind die Wolken, die an diesen Bergen herumtreiben, nicht unsichrer und unzuverlässiger. Nicht ein Dutzend Weiße haben seit ihrer Kindheit sie mit Augen angesehen, und doch das Benehmen, das sie gegen zwei oder drei dieser Offiziere zeigt, löscht meine Flammen!« »Ich würde nicht mehr an ein solches Weib denken, sondern meinen Sinn ganz dem Walde zuwenden; der wird Euch nie täuschen, beherrscht und bemeistert von einer Hand, die nie bebt.«

»Wenn Ihr Judith kenntet, würdet Ihr sehen, wie viel leichter dieß zu sagen als zu thun ist. Könnte ich mein Gemüth beruhigen wegen der Offiziere, so würde ich das Mädchen mit Gewalt an den Mohawk entführen, sie zwingen mich zu heirathen, trotz ihrem flatterhaften Geiste, und den alten Tom der Sorge Hetty's, seiner andern Tochter, überlassen, die, wenn nicht so schön, noch von so schnellem Witz wie ihre Schwester, doch bei weitem die pflichtgetreuere ist.«

»Ist denn noch ein Vogel in demselben Nest?« fragte Wildtödter, sein Auge mit einer Art halberwachter Neugier emporhebend, – »die Delawaren sprachen mir nur von Einer!«

»Das ist ganz natürlich, wenn es sich von Judith Hutter und Hetty Hutter handelt. Hetty ist nur hübsch, während ihre Schwester, das sag' ich dir, Knabe, ein Geschöpf ist, wie man es nicht mehr findet zwischen hier und der See; Judith ist so voll Witz, Beredsamkeit und Schlauheit, wie ein alter indianischer Redner, während die arme Hetty im besten Fall nur einen guten Willen, aber einen schwachen Verstand hat;1 sie steht, möchte ich sagen, auf der Grenzscheide der Unwissenheit und manchmal taumelt sie auf die eine, manchmal auf die andre Seite hinüber.«

»Das sind Geschöpfe, die Gott in seine besondere Obhut, nimmt,« sagte Wildtödter feierlich; denn er sieht mit Sorgfalt auf Alle herab, die um ihr bescheiden Theil Vernunft zu kurz kommen. Die Rothhäute ehren und achten die so beschränkt Begabten, weil sie wissen, daß der schlimme Geist es mehr liebt, in einem schlauen Wesen zu wohnen, als in einem, das keinen tiefen Verstand hat, auf den er wirken kann.«

»Dann will ich dafür bürgen, daß er nicht lange hausen wird bei der armen Hetty, denn das Kind ist, wie gesagt, gar einfältigen Geistes. Der alte Tom hat ein Gefühl für das Mädchen, und so auch Judith, so prächtig und raschen Witzes sie auch selbst ist; sonst möchte ich nicht dafür stehen, daß sie ganz sicher wäre unter der Art von Männern, wie manchmal an das Ufer des See's kommen.«

»Ich dachte, das Wasser sey ein unbekannter und wenig besuchter Platz,« bemerkte der Wildtödter, dem es sichtlich unbehaglich ward beim Gedanken, der Welt zu nahe zu seyn.

»So ist es auch ganz, mein Junge; nicht die Augen von zwanzig weißen Männern haben ihn erblickt; aber doch können zwanzig Grenzmänner von ächtem Schrot und Korn, – Jäger und Fallensteller und Kundschafter und dergleichen – genug Unheil anrichten, wenn sie den Versuch machen. Es wäre mir etwas Entsetzliches, Wildtödter, wenn ich nach einer Abwesenheit von sechs Monaten Judith verheirathet fände!«

»Habt Ihr des Mädchens Wort und Zusage, die Euch zu besserer Hoffnung berechtigen?«

»Ganz und gar nicht. Ich weiß nicht, was es ist. Ich sehe gut genug aus, Junge! so viel kann ich in jeder Quelle sehen, worauf die Sonne scheint, – und doch konnte ich die kleine Hexe nie zu einer Zusage oder auch nur zu einem herzlichgemeinten Lächeln bringen, obgleich sie oft Stunden lang lacht. Wenn sie gewagt hat, in meiner Abwesenheit zu heirathen, wird sie wohl die Süßigkeit des Wittwenstandes zu kosten bekommen, noch ehe sie zwanzig Jahre alt ist!«

»Ihr würdet doch dem Mann, den sie gewählt, Nichts zu Leid thun, Hurry, blos darum, weil sie ihn mehr nach ihrem Geschmack gefunden, als Euch?«

»Warum nicht? Wenn ein Feind meinen Weg durchkreuzt, sollte ich ihn nicht hinausschlagen? Seht mich an – bin ich ein Mann, dem es gleich sieht, daß er von irgend einem kriechenden, schleichenden Hautkrämer sich den Rang ablaufen ließe in einer Sache, die mich so nahe angeht als die Zärtlichkeit der Judith Hutter? Zudem, wenn wir außer dem Bereich des Gesetzes leben, müssen wir uns selbst Richter und Vollstrecker seyn. Und wenn auch ein Mann in den Wäldern todt gefunden würde: Wer sollte auftreten und sagen, Wer ihn erschlagen, selbst den Fall gesetzt, daß die Colonie die Sache aufnähme und Lärm darüber schlüge?«

»Wenn der Mann der Judith Hutter Gatte seyn sollte, so könnte ich, nach dem was vorgegangen, wenigstens genug sagen, um die Colonie auf die Spur zu leiten.«

»Ihr! – ein halbgewachsener Wildbretschütz und junger Laffe! Ihr wagt es, daran zu denken, als Ankläger aufzutreten gegen Hurry Harry, und wenn es auch nur eine Waldtaube beträfe oder einen Iltiß?«

»Ich würde wagen die Wahrheit zu reden, Hurry, beträfe es Euch oder irgend einen Sterblichen.«

March starrte einen Augenblick seinen Begleiter in stummem Staunen an; dann faßte er ihn mit beiden Händen an der Kehle und schüttelte den vergleichungsweise Zartgebauten mit einer Heftigkeit, die einige Knochen zu verrenken drohte. Auch geschah dieß nicht im Scherz, denn Zorn flammte aus den Augen des Riesen, und gewisse Zeichen schienen weit mehr Ernst anzukündigen, als der vorliegende Fall dem Anschein nach erheischte oder rechtfertigte. Was immer March's eigentliche Absicht seyn mochte – und wahrscheinlich hatte er selbst keine bestimmte und klarbewußte – gewiß ist, daß er ungewöhnlich aufgebracht war; und wohl die Meisten, die sich von einem solchen Giganten, in solcher Gemüthsaufregung und in einer so tiefen, hülflosen Einsamkeit so gewürgt gesehen hätten, würden eingeschüchtert und versucht worden seyn, selbst in gerechter Sache nachzugeben. Nicht so Wildtödter. Sein Gesicht blieb unbewegt; seine Hand zitterte nicht, und er gab seine Antwort in einem Tone, der nicht einmal zu dem künstlichen Mittel einer erhöhten, lautern Stimme griff, um wenigstens die Entschlossenheit der Seele kund zu geben.

»Ihr könnt mich schütteln, Hurry, bis Ihr den Berg einfallen macht,« sagte er ruhig, »aber Nichts als die Wahrheit werdet Ihr aus mir heraus schütteln. Wahrscheinlich hat Judith Hutter keinen Gatten zum Erschlagen, und Ihr keinen Anlaß, einem aufzupassen, sonst würde ich ihm von Eurer Drohung sagen in der ersten Unterredung, die ich mit dem Mädchen habe.«

March ließ seine Hände los, und saß da, den Andern mit schweigendem Staunen betrachtend.

»Ich dachte, wir seyen Freunde,« sagte er endlich, »aber Ihr habt das letzte Geheimniß von mir gehört, das in Euer Ohr kommen soll.«

»Ich verlange auch keine mehr, wenn sie diesem gleichen sollten. Ich weiß, wir leben in den Wäldern, Hurry, und man nimmt an, daß wir außer dem Bereich menschlicher Gesetze seyen – und vielleicht sind wir es wirklich der That nach, wenn es auch dem Rechte nach anders sich verhält – aber es gibt ein Gesetz und einen Gesetzgeber, die über den ganzen Continent walten und herrschen. Wer jenes oder diesen in's Angesicht schlägt, darf mich nicht seinen Freund nennen.«