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Der Norden von Estahron wurde stets von Frieden und Harmonie gezeichnet. Die drei Völker des nördlichen Teils des grossen Kontinents lebten bisher zusammen, ohne in irgendwelche Kriege oder Konflikte zu geraten. Es scheint so, als könnte nichts den Frieden zerstören. Was die Bürger des Landes jedoch nicht wissen, ist, dass in naher Zukunft der Häuptling von Perton, Kagorl Amtor, einen Fehler begehen wird, der den ganzen Norden ins Chaos zu stürzen droht. In diesen unsicheren Zeiten, was die Bewahrung des Friedens angeht, findet sich der junge Gorbul wieder, welcher der Häuptlingssohn des pertonischen Reichs ist. Er wird von seinem Volk geliebt und sein Charakter steht für Mut und Aufrichtigkeit. Wäre da nicht der Einfluss, den sein Vater auf ihn hat!
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Seitenzahl: 534
Veröffentlichungsjahr: 2022
Benjamin Stone
Schattenantlitz
Legenden von Estahron
FEIDH STUDIOS
© 2022 Benjamin Stone
Originalausgabe
Verlagslabel: Feidh Studios
ISBN Softcover: 978-3-347-58548-5
ISBN Hardcover: 978-3-347-58549-2
ISBN E-Book: 978-3-347-58550-8
Korrektorat/Lektorat: Michael Hausheer
Coverdesign: Olivia von Wattenwyl (Blackyard-Studio)
Druck und Distribution im Auftrag des Autors:
tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg, Germany
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Für die Inhalte ist der Autor verantwortlich. Jede Verwertung ist ohne seine Zustimmung unzulässig. Die Publikation und Verbreitung erfolgen im Auftrag des Autors, zu erreichen unter: tredition GmbH, Abteilung "Impressumservice", Halenreie 40-44, 22359 Hamburg, Deutschland.
Für meine Eltern, die michniemals aufgeben liessen!
Für Lou, die stets an meiner Seitebleibt!
Die Figuren der Geschichte
Gormas:
Gorbul Amtor – Sohn des Häuptlings Kagorl Amtor, zukünftiger Herrscher von Perton
Kagorl Amtor– Vater von Gorbul Amtor, Häuptling von Perton
Lerbork – Krieger von Perton, Armbrustschütze
Skoril – Krieger von Perton, Freund von Gorbul Amtor
Auge – Gefangener von König Baralthon
Hirschas:
Baralthon – König von Slorganien
Lortis – Späher des Ostrands von Slorganien
Roltamis – Wohltuender des Oststrandes von Slorganien
Taomin Tragarson – Leibwächter von König Baralthon
Winzlinge:
Amir Essarus – Minenarbeiter vom Dorf Kyrtas, Silias Sohn, Elias Bruder
Elia Essarus – Minenarbeiterin vom Dorf Kyrtas, Silias Tochter, Amirs Schwester
Silia Essarus – Mutter von Amir und Elia
Estor – Krieger der Rebellion von Topya, Verbündeter von Tlois
Jacob – Minenarbeiter vom Dorf Kyrtas, Geschichtenerzähler
Logir – Minenaufseher vom Dorf Kyrtas
Sophia – Bogenschützin der Rebellion von Topya, Verbündete von Tlois
Tlois Uvart – Bester Freund von Amir, Anführer der Rebellion von Topya
Sonstige Figuren:
Artemus – Mensch, Feuermagier der Rebellion von Topya, Verbündeter von Tlois
Der weiße Schatten – Beschützer der Winzlinge, maskierter Bogenschütze
Poton – Großer weißer Gorma, Gottheit der Gormas
Prolog 1:
Der Funke und die Flamme
Kagorl saß auf dem braunen Stuhl, welcher in der Mitte des Zelts stand, während er mit seinen großen haarigen Händen seine Unterlippe knetete und in Gedanken versank. Sein Sohn Gorbul bemerkte die nachdenklichen Blicke seines Vaters, der stets in die Leere des Raums schaute. Das prasselnde Feuer der Standfackeln, die sich in jeder Ecke des Fellzeltes befanden, gaben einen angenehmen gelbroten Lichtschimmer von sich. Dieser machte die eisige Kälte des Schneesturmes, welcher draußen über dem Land Perton tobte, zumindest etwas erträglicher. Die Wände des Zeltes waren rot gefärbt und wurden mit viel Geduld von den Frauen der Gormas angefertigt und schlussendlich zusammengenäht. Der Häuptling blickte zu seinem Sohn auf, blieb jedoch weiterhin in seinen Gedanken verstrickt. Gorbul dachte sich zunächst nichts dabei. Denn als Anführer des Gormastammes, der im hohen Norden von Perton hauste, musste er über vieles nachdenken und kluge Entscheidungen treffen. Auch wenn die Gormas ein Volk waren, welches man nicht gerade als zimperlich in der Welt bezeichnete. Große, massige und starke Barbaren, die ein dickes Fell trugen und den Schnee gewohnt waren. Man hätte sie vergleichen können mit einem Gorilla, nur dass sie weitaus intelligenter und stärker waren und auf zwei Beinen liefen. Der Häuptlingssohn stand in einer Ecke des Zeltes, trug einen kleinen Pelzstreifen über der rechten Schulter, der eine Jagdtrophäe war und begann mit seinem Vater zu reden.
„Vater, ist alles in Ordnung?“
Der Sohn fragte mit seiner tiefen Stimme und wartete gebannt auf eine Antwort.
„Du wirkst so… besorgt.“
Kagorls Blick fiel nun auf seinen Sohn und er stand von seinem Thron auf. Mit bedachten Schritten lief er zu einer Wand des Zeltes und schaute diese mit stolzer aufrechter Haltung an.
„Sehe ich denn etwa so aus, mein Sohn?“, setzte der Häuptling als Gegenfrage ein.
Mit den Armen vorne verschränkt spähte er seinem Vater nach, egal welche Richtung dieser auch einschlug.
„Nun, es ist nicht immer leicht zu deuten, ob du traurig, verzweifelt oder doch gar glücklich bist.“
Kagorl grinste leicht.
„Sorgen? Sorgen habe ich nicht. Sorgen haben wir nicht. Sorgen machen wir uns nur. Ich nehme das Schicksal, so wie es kommt.“
Keine aufklärende Antwort für Gorbul. Aber er war sich solche Floskeln von seinem Vater gewohnt.
„Heißt das, du hast zurzeit keine Bedenken?“
Der Häuptling drehte sich zu seinem Sohn um, blickte ihm tief in die Augen und erwiderte:
„Sollte ich Bedenken haben? Ich glaube nicht. Vor allem wüsste ich nicht über was.“
Obwohl er seinem Sohn mit diesen Worten versichern wollte, dass ihm nichts Kopfschmerzen bereitete, war sich Gorbul dennoch unsicher, ob sein Vater wirklich frei war von sämtlichen Sorgen oder Bedenken. Der Schnee zischte an dem Zelt vorbei und ließ die Wände leicht aufflattern. Kagorl setzte sich erneut auf den Stuhl, unterließ jedoch dieses Mal das Quetschen seiner Unterlippe. Er legte seine Arme und Hände auf die Lehnen und starrte auf den Ausgang des Zeltes. Sein Sohn vermutete es und es bewahrheitete sich, der Häuptling war keineswegs unbesorgt. Schon seit Wochen quälte ihn ein Gedanke. Beinahe hatte er ein schlechtes Gewissen über die Geschehnisse, die sich bald ereignen könnten. Seine Unsicherheit ließ er sich jedoch nicht anmerken. Sein Versuch es zu verbergen, gelang ihm beinahe. Aber sein Sohn wusste, welche Last er zuweilen tragen musste. Schließlich lag das Schicksal von ganz Perton in den Händen seines Vaters. Doch was Gorbul zu der Zeit nicht ahnte war, dass Kagorl ein Vorgehen im Sinn hatte, welches sein Sohn nicht befürworten würde. Eine Tat, die eine andere Macht provozieren und gar einen Zwist zwischen Völkern auslösen könnte.
„Du machst dir Sorgen um unser Volk. Nicht wahr?“
Gorbul kannte seinen Vater nur allzu gut. Dies glaubte er zumindest. Er glaubte auch, dass sein Vater ihn in alles einweihen würde. Doch auch in diesem Punkt täuschte er sich.
„Natürlich mache ich mir Sorgen um mein Volk!“, entgegnete der Häuptling.
„Ganz Perton und unser aller Vater Poton zählen auf mich. Unser Volk hat eine zu geringe Streitmacht und wir haben zu wenig Nahrung, um eine würdige Armee aufbauen zu können.“
Erneut schwenkte Kagorls Blick in die Leere des Raums. Plötzlich jedoch, nach einigen verstrichenen Sekunden, stand er prompt auf, bewegte sich mit schweren Schritten zum Ausgang des Zeltes und sagte:
„Komm mit, mein Sohn!“
Gorbul ging dieser Bitte nach und folgte seinem Vater. Mit der rechten Hand zog der Häuptling das Zelttuch zur Seite, duckte sich leicht und trat heraus in den hohen Schnee. Die Kälte störte ihn oder seinesgleichen keineswegs. Der Sturm wurde minder, trotzdem wirbelte er weiterhin Schneeflocken in der Luft umher. Es war bereits spät abends und die Dunkelheit war hereingebrochen. Vor seinem Zelt waren zwei stämmige Krieger postiert, welche die Unterkunft und seinen Besitzer beschützen sollten. Er führte seine Schritte weiter, in die Richtung des großen Abgrunds des Hügels, auf dem sein Zelt stand. Dies war eine ideale Position für ihn. Jeden Tag blickte er mehrere Minuten auf die Siedlungen seines Volkes hinab und zu den Spitzen der Berge hinauf. Zu dieser Uhrzeit war nicht mehr vieles zu erkennen. Lediglich einige Standfackeln, die an den Rändern der Hauptstraße positioniert waren, spendeten Licht. Der leichte dunkelbraune Schimmer des Himmels führte dazu, dass man die Berge jedoch noch exzellent erkennen konnte. Einige Minuten vergingen und Kagorl blickte hinaus auf Perton, bis ihn Gorbul aus den Gedanken herausriss, in denen er zurzeit feststeckte. Er klopfte ihm herzlich auf die breite rechte Schulter und fragte ihn erneut, ob alles in Ordnung sei. In der Tat hatte Gorbul ein großes Herz. Das Wohlergehen des eigenen Vaters war ihm sehr wichtig. Schließlich war dieser alles, was er noch hatte. Doch nun ergriff Kagorl erneut das Wort.
„Ein herrlicher Anblick, nicht wahr?“
Sein Sohn wusste zu Beginn nicht, was er auf diese Frage antworten sollte.
„Der Schnee, die tanzenden Flocken, unser Volk inmitten dessen. Denkst du, sie respektieren mich genug als Anführer, damit sie mir in eine sichere Zukunft folgen werden?“
Der Häuptling predigte diese Worte und streckte dazu seine Arme weit aus. Beinahe in die Lüfte.
„Vater, du hast schon so vieles für dieses Land getan. Unser Volk ist glücklich. Unser Volk kann leben. Unser Volk kann ein Leben führen. Für viele andere Länder und deren Bürger wäre dies ein Traum!“
Gorbul sprach auch diese Worte mit großem Stolz aus.
„Wenn du handelst, für das Wohl des Landes, werden sie dir folgen. Ohne Zweifel.“
Kagorl freute sich, dies zu hören. Trotzdem war er gezwungen Entscheidungen zu treffen, die einige Stammesangehörige und auch sein Sohn nicht gutheißen würden. Wie würde Gorbul reagieren, wenn er erfahren würde, welchen Plan sein Vater geschmiedet hatte. Ob er seiner Bitte nachkommen würde? Es bestand lediglich die Chance auf Glück.
„Ich handle immer im Interesse des Volkes. Sonst wäre ich des Häuptlingstitel nicht würdig. Ich hätte keinen Verdienst, ihn zu tragen.“
Kagorl sprach weise und sein Sohn hörte weiterhin gebannt zu.
„Nun denn, es ist an der Zeit unsere Armee zu stärken!“
Kagorl drehte sich erneut in Richtung Zelt um und sprach:
„Komm, mein Sohn! Wir haben vieles zu besprechen!“
Prolog 2:
Der Frieden und der Zweifel
Amir spürte die Strahlen der Sonne, die auf sein Gesicht fielen. Sie schien durch einen schmalen Spalt des kleinen Steinhauses. Als er endlich die Strahlen auf seiner Haut richtig wahrnehmen konnte, war seine Freude innerlich äußerst groß. Denn dies war ein Zeichen für ihn, dass der Sturm, der gerade noch vergangene Nacht getobt hatte, sich gelegt hatte. Die Ziegel des Daches fingen an wie verrückt zu wackeln und das Einschlafen fiel ihm dadurch schwer. Ansonsten hatte er in der Regel einen angenehmen Schlaf und dazu ein schnelles Einschlafvermögen. Mit seiner kleinen Größe von 1,50 Metern, rappelte er sich vom gemütlichen Stoffbett auf und rieb sich zunächst mit seinen Händen beide Augen. Er rieb sich jeden Morgen zu Beginn den Schlaf aus den Augen und begab sich danach gleich zu seiner kleinen Wasserschale, um seine Hände waschen zu können. Diese stand auf einem kleinen Holztisch, der mit einem dünnen aber dennoch Wärme spendenden Tuch bedeckt war. Danach schnappte er sich ein kleines Leinentuch, welches sich auf dem Tisch befand. Auf diesem hatte er sich einen kleinen Vorrat solcher angelegt. Mindestens drei Tücher mussten auf seinem Tisch schön gebügelt übereinanderliegen, damit Amir sich wohlfühlte. Das nun nasse Tuch breitete er auf dem Tisch aus, um es so gut wie möglich trocknen zu lassen. Nach dem morgendlichen Ritual hob er seine beiden Arme hoch in die Luft und streckte dabei seine Wirbelsäule so durch, dass ein Knacksen entstand. Für Außenstehende war dieses Geräusch sicherlich nicht angenehm zu hören. Doch für Amir war es sehr angenehm. Er hatte dabei immer das Gefühl, dass sich Sorgen und Lasten, welche er hier und da mal in sich hineinfraß, von ihm lösten, damit er sorgenfrei in den Tag starten konnte. Er zog seinen pelzigen grauen Morgenmantel an, öffnete die Holztür seines Zimmers und erblickte die kleine steinerne Treppe, die zum Erdgeschoss des kleinen Häuschens führte. Satte zwölf Stufen betrug diese und als er an der letzten ankam, konnte er direkt in die Küche sehen, wo seine Mutter Silia zurzeit beschäftigt war. Sie kochte jeden Morgen das Frühstück für ihren Sohn und ihre Tochter, deren Name Elia lautete. Obwohl Silia im Alltag immer noch stets zurechtkam, nagte ihr Alter trotzdem an ihrem Körper. Sie wurde gerade vor einigen Wochen 68 Jahre alt und wollte, da sie mittlerweile zu alt für die tägliche harte Arbeit war, ihren Kindern so gut wie möglich zur Seite stehen und sie zu jeder frühen Stunde mit einem ausgiebigen Mahl für den restlichen Tag stärken. Heute auf dem Speiseplan: Gekochte Fellschlangeneier, die nicht grösser waren als ein pertonischer Taler. Trotzdem waren sie nicht gerade klein.
„Ah, guten Morgen! Amir, mein Sohn!“, sprach seine Mutter mit begrüßenden Worten zu ihm, als sie Amir am unteren Treppenrand erspähte.
„Hast du gut geschlafen?“
Amir erwiderte auf diese Frage zunächst mit einem etwas grimmigen Blick.
„Naja, wenn man das andauernde nervige Rütteln der Dachziegel außer Acht lässt, hatte ich trotz alldem einen sehr angenehmen Schlaf.“
Er gähnte vor sich hin und hielt sich dabei die rechte Hand vor den Mund. Er begab sich zum kleinen Küchenfenster, welches sich oberhalb der Kochstelle befand.
„Ich bin nur froh, dass die Sonne wieder scheint und der Sturm aufgehört hat zu wüten.“
Seine Mutter stimmte ihm zu.
„In der Tat. Der Sturm war in der vergangenen Nacht nicht gerade sanft. Aber wir sind uns ja eigentlich Schlimmeres gewohnt, nicht wahr?“
Amir nickte und sprach dabei:
„Oh ja, dem ist wohl so.“
Erst jetzt bemerkte er die gekochten Eier, die in der kleinen Kochpfanne gebraten wurden. Ihm lief augenblicklich das Wasser im Mund zusammen.
„Mutter, Mutter! Meine Leibspeise! Du weißt einfach genau, was mein Gaumen liebt.“
„Natürlich!“, erwiderte seine Mutter auf diese Feststellung.
„Du bist mein Sohn. Ich als deine Mutter muss doch wissen, was dir am meisten schmeckt. Was wäre ich denn sonst für eine Mutter?“
Beide verfielen in ein heiteres Gelächter. Amir setzte sich an den kleinen Tisch, welcher sich gegenüber der Kochstelle befand und freute sich auf die kommende Mahlzeit, bis ihm jedoch plötzlich auffiel, dass seine Schwester bisher noch nicht zum Frühstück erschienen war.
„Mutter, wo bleibt denn Elia? Ist sie etwa immer noch im Tiefschlaf?“, fragte er wissbegierig.
Silia schüttelte nur den Kopf.
„Deine Schwester ist schon fort. Sie wollte sich früher zu der Mine aufmachen, damit sie noch eine Arbeit erledigen kann, die sie am gestrigen Tage nicht beenden konnte.“
Amir war sehr stolz auf seine Schwester. Sie war so ein tüchtiges Mädchen in seinen Augen. Zudem sehr ehrenhaft und aufrichtig. Obwohl er älter als sie war, sah er immer wieder zu ihr auf. Trotz des großen Altersunterschiedes von achtzehn Jahren. Amir war 32 Jahre alt und seine Schwester sollte dieses Jahr noch das vierzehnte Lebensjahr erreichen.
„Ich bin sehr stolz auf meine Schwester. Sie arbeitet so hart.“
Silia stimmte Amir zu.
„Man spürt regelrecht ihre Dankbarkeit. Sie ist froh, dass unser Volk in diesem Land Anschluss fand und dass wir hier in Ruhe und Frieden leben können. Und auch wenn unser Volk völlig anders ist als das der Gormas, so schaffen wir es trotzdem ein gemeinsames friedliches Leben zu führen.“
Amir konnte sich an die Zeiten erinnern, als sein Volk, das in der Welt Winzlinge genannt wurde, noch nicht in Perton heimisch war. Als kleines Kind, im zarten Alter von vier Jahren, zogen er und seine Mutter aus ihrem Heimatland weg, welches sich im Weltherz vom Kontinent Estahron befand, da die Gormas einmarschierten. Doch die hoch- und breitgebauten Krieger, die dem Aussehen eines Gorillas stark ähnelten, unterdrückten das einheimische Winzlingvolk nicht oder machten sie gar zu Sklaven. Sie baten um den Besitz des Landes und boten dem einheimischen Volk an, in ihrem Land in Frieden leben zu können. Genügend Essen, keine Unterdrückung, eine feste Arbeitsstelle. Die Winzlinge, die den eigentlichen Titel „Das Sternenvolk“ trugen, nahmen dieses Angebot ohne lange Überlegungen an. Denn ihr Land war kaum geschützt. Auch wenn die Winzlinge ein grandioses Talent in der Schmiede- und Handwerkskunst besaßen, waren ihre Kampffertigkeiten sehr gering. Sie verfügten auch über keine wirkliche Streitmacht. Würde ihr Volk nach Perton einwandern, stünden sie unter dem Schutz eines starken Volkes. Das Land war den Gormas von hohem Nutzen, da sie ihre Macht ausdehnen und den Schutz ihres eigenen Landes verstärken konnten. Aus dem einstigen Sternenvolkland wurde Süd-Perton. Während Amir in Gedanken versank, stellte Silia den Teller mit den leckeren Spiegeleiern vor ihm auf den Tisch. Der Geruch der dampfenden Speise lockte ihn aus seinen Gedanken und ließ ihm erneut das Wasser im Mund zusammenlaufen. Schleunigst griff er zu Messer und Gabel und begann regelrecht das Essen in seinen Rachen zu schaufeln.
„Oh, Mutter! Ein Gedicht!“, schwärmte er vor sich hin.
Silia musste schmunzeln.
„Vielen Dank für das Kompliment, mein Sohn. Doch bei einem Spiegelei ist es sichtlich schwer, etwas falsch zu machen.“
„Das ist vielleicht deine Ansicht. Ein wahrer Künstler ist nie mit seinem Werk zufrieden.“
Genüsslich ließ er sich das Mahl schmecken und beließ es nicht einmal bei einem einzigen Krümel auf dem Teller. Jede Ecke wurde ausgeputzt. Mit einer gesättigten Geste schlug er sich mit der rechten Hand laut auf den Bauch und lobte seine Mutter erneut.
„Mutter, es war so lecker, wie jedes Gericht von dir.“
Als Amir diese Worte sprach, war jedoch Silia nun auch in Gedanken versunken. Sie starrte aus dem kleinen Küchenfenster, direkt in die Landschaft, welche gezeichnet war von hohen Bergen, kleinen Seen und viel Schnee.
„Mutter?“, fragte Amir vorsichtig, um sie aus ihren Träumereien locken zu können.
Jedoch hatte er beim ersten Versuch keinen Erfolg. Er probierte es erneut.
„Mutter, hast du gehört was ich gesagt habe?“
Silia gab ein leichtes Zucken von sich, als sie die Worte ihres Sohnes wieder wahrnahm.
„Tut mir leid, Amir! Ich schweife in letzter Zeit gerne mal ab.“
Amir machte sich jetzt leicht Sorgen um seine Mutter. Er hakte nach.
„Warum das denn, Mutter?“
Silia atmete zu Beginn tief durch und erzählte nun, was ihr auf dem Herzen lag.
„Ich habe Angst. Angst um deine Schwester.“
Die Sorge lag förmlich in der Klangfarbe ihrer Stimme. Amir konnte solche Dinge immer gut bei seiner Mutter deuten.
„Um Elia machst du dir Sorgen?“, fragte er entgeistert nach.
„Warum um alles in der Welt machst du dir denn Sorgen um Elia. Sie kommt doch gut zurecht und ist zudem sehr selbständig. Warum sollte ihr etwas geschehen oder zustoßen?“
Silia wusste, wie recht ihr Sohn mit dieser Aussage hatte. Ihre Tochter war sehr intelligent, eine Kämpferin und schuftete äußerst hart. Zu hart, ihrer Meinung nach. Ihre größte Sorge, was die eigenen Kinder anging war, dass eines von beiden vom Weg abkam. Dass Amir oder Elia sich früher oder später zu fest in der Welt zurechtfinden müssten. Doch zwischen all den Sorgen, welche eine verantwortungsvolle Mutter nun mal mit sich trug, wusste sie tief im Herzen, dass ihre beiden Kinder echte Kämpfer waren, die alles daransetzten, sich des Druckes und des Schmerzes der Welt nicht beugen zu müssen.
„Weißt du, Amir, als Mutter hast du Sorgen stets mit dir. Was ist, wenn unser Land nicht mehr beschützt werden kann? Was ist, wenn unser geliebtes Perton von einem anderen Volk überrannt wird, welches keine Skrupel besitzt und uns zu Sklaven macht?“
Für Amir waren diese Sorgen und Ängste, zumindest aus seiner Sicht, sehr weit hergeholt. Klar, in der Welt ergaben sich immer wieder Kriege, Aufstände oder gar Revolutionen. Doch von diesen wurden er und seine Familie stets verschont. Deswegen hatte er keinerlei Bedenken, was die Zukunft von Perton anging.
„Mutter, Mutter. Ich kann deine Sorgen auch irgendwie verstehen. Ich wüsste nicht, welche Denkweise ich an den Tag legen würde, sollte ich eines Tages eigene Kinder haben.“
Leicht empört schaute sie auf und vergaß für einen Moment lang ihre Sorgen.
„Du wirst wohl Kinder haben, Amir! Schließlich will ich noch irgendwann Großmutter werden. Und nicht erst, wenn ich bereits unter der Erde liege.“
Amir musste lachen, beinahe aus Verlegenheit.
„Versprochen, Mutter! Sobald ich die Richtige gefunden habe, bekommst du deine Enkelkinder.“
Silia atmete, eigentlich mehr als Scherz gedacht, zuerst auf. Danach hob sich Amir prompt von seinem Stuhl auf und brachte den Teller auf den Küchentresen zurück. Dabei gab er zum Abschied seiner Mutter einen Kuss auf die Wange und dankte ihr für das göttliche Frühstück. Er ging zur Tür und zog seine hohen Lederstiefel an. Er schnappte sich seinen kleinen Minenrucksack, der neben der kleinen Haustür stand und packte diesen mit viel Schwung auf seine Schultern. Es war ein etwas größerer aber dennoch handlicher Rucksack, der eine braune Färbung trug. Dieser barg auf der rechten Seite eine auf seine Größe angepasste Spitzhacke, die seitlich mit einem Band befestigt war. Er drehte den hölzernen Knauf der Tür und öffnete somit diese. Seine Augen mussten sich nun an die Helligkeit des Schnees gewöhnen, welcher sich stets übers ganze Jahr in Perton breitmachte. Hohe Schneeschichten auf dem Boden und eisige Wasserflächen über den kleinen Seen, die das Land barg. Seine Stiefelsohlen zerdrückten den Schnee, während er die kleine Treppe hinabstieg, die sich vor dem kleinen Häuschen befand. Diese war aus Stein gefertigt. Seine hohen Lederstiefel versanken geradezu in der gewaltigen Masse von Schnee. Keine einzige Flocke tänzelte zurzeit durch die Lüfte. Nur die Sonne schien prächtig auf das Weiß und ließ es in einem einzigartigen Licht erstrahlen. Als er die letzte Stufe der kleinen Treppe betreten hatte, fiel sein Blick auf die kleinen Häuser, die seinen Artgenossen gehörten. Die auch, genau wie er einst vor vielen Jahren, in dieses Land kamen und den Gormas in den Minen zur Hand gingen. Im Großen und Ganzen, eine sehr lebhafte und freundliche Stimmung in dem kleinen Dörfchen. Die Winzlinge gingen ihren Tagewerken nach und marschierten mit Körben und kleinen Kutschen über das kleine Wegsträsschen, die vollbeladen waren mit Steinen und kleineren Kristallen aus den örtlichen Minen. Er atmete einmal tief durch und genoss die frische kühle Luft des Landes. Als er dem Weg entlanglief, traf er allesamt Bekannte und Freunde, die ebenfalls zum Sternenvolk gehörten. Zwischendurch lauschte er dem Gerede von anderen Winzlingen, die dem Dorf Kyrtas angehörten. Doch die Dauer des Wegs war nicht gerade lang. Als er das Dorf hinter sich gelassen hatte, erschien eine Weggabelung. Der eine Weg führte weiter in die Weiten des Landes und zur Stadt des Häuptlings. Auf dem anderen Pfad gelangte man zur örtlichen Mine. Der Eingang war schon bald zu erkennen und für den Morgen war, wie gewöhnlich, schon einiges los. Viele seiner Artgenossen, darunter auch sein bester Freund Tlois, trugen sogenannte Gesteinsbeutel in die Minen, die die Winzlinge auf dem Rücken trugen und oberhalb eine ovale Öffnung besaßen. Somit konnten die Arbeiter, die gesammelten Kristalle und Steine, welche sie in den Minen vorfanden, praktisch einpacken und auf die Kutschen verladen. Zuvorderst an den Kutschen befanden sich kleine pferdeähnliche Wesen, die jedoch nur die Größe von Zwergponys besaßen. Ihre Fellfarben waren meistens weiß, braun oder ein Gemisch aus beidem. Doch obwohl die kleinen Tiere nicht so groß waren wie herkömmliche Pferde oder ihre bekanntesten Vertreter in Estahron, die Wasserschreiter, verfügten sie trotzdem über ein gewaltiges Ausmaß an Kraft. Es reichte schon eines, um eine vollbeladene Kutsche mit Reiter ziehen zu können. Es befanden sich mindestens immer fünf Kutschen vor der Mine, die auf die Ware und ihre Leiter warteten. Tlois bemerkte zunächst die Ankunft seines Freundes nicht, der immer näherkam, bis Amir ihm freundschaftlich auf die Schulter klopfte. Tlois erschrak zunächst für einen kurzen Moment, realisierte aber nach und nach, dass es sich dabei um seinen besten Freund handelte.
„Amir, du alter Gauner!“, sprach sein Freund und schmunzelte dabei leicht.
„Ich dachte schon, du seist jemand anderes.“
„Habe ich dich etwa erschreckt?“, fragte Amir.
„Pah!“, widersprach ihm sein Freund.
„Mich doch nicht!“
Amir wusste eigentlich genau, wie sehr er seinen Freund erschreckt hatte. Jedoch empfand er dies als ziemlich amüsant, dass man sich aufgrund solch einer Kleinigkeit erschreckte.
„Bist du wohlauf und munter?“, fragte Amir seinen Freund.
Dieser runzelte zunächst die Stirn, um sein Leid äußerlich zu zeigen.
„Naja, es könnte besser sein! Mich plagen zurzeit einige Kopfschmerzen. Ich bin aber zuversichtlich, dass diese bald vorbei sein werden.“
„Ha, dein Optimismus hat mir schon immer gefallen!“, probierte Amir Tlois ein wenig aufzumuntern und zu motivieren.
„Na dann, ab an die Arbeit!“, sprach Tlois und begab sich in Richtung Mine.
Sie begaben sich nun in Richtung Eingang und wurden mit einem raschen Lichtwechsel konfrontiert. Im Inneren der Mine war es ziemlich dunkel. Nur die Standfackeln, die an den Rändern des Hauptweges positioniert waren, spendeten Wärme und gelbrotes Licht. Doch auch hier war die Luft sehr kühl. Immerhin spürte Amir keinerlei Windzug in den Gängen der Mine. Somit war es trotzdem um einiges wärmer als draußen. Nicht nur im Dorf, sondern auch in der Mine war einiges los. Allerhand Winzlinge, die in der Mine arbeiteten, kamen Amir und Tlois entgegen. Die meisten trugen ihre vollen Körbe, die sie auf dem Rücken aufgebunden hatten, um diese dann auf die Kutschen verladen zu können. Auch hier galt: Was klein ist, muss nicht unbedingt schwach sein. Denn was das Sternenvolk zu tragen vermochte, war in der Tat für Außenstehende sehr beeindruckend. Viele grüßten den nicht gerade unbekannten Amir, während er dem Pfad der Mine entlanglief. Dieser war ein wenig steil und führte hinab ins Innere der Mine. Die Höflichkeit war bei den Winzlingen gang und gäbe. Es gehörte zu ihrer Kultur und Lebensweise. Kaum ein Volk in ganz Estahron war so friedlich wie das der Sterne.
„Guten Tag, Amir!“
„Amir, wie geht’s?“
„Hallo, Amir! Einen besinnlichen Morgen wünsche ich dir!“
Diese freundlichen Begrüßungen erwiderte Amir selbstverständlich. Natürlich wurde auch Tlois stets herzlich gegrüßt. Man kannte sich eben. Allmählich verlor der Weg sein Gefälle und wurde immer flacher, bis er schlussendlich aufhörte geradeaus zu verlaufen. Erneut kam eine Art Kreuzung, bei der man die Möglichkeit hatte, seinen Weg nach rechts oder nach links einzuschlagen. Man konnte nicht weiter geradeaus laufen, da sich nun einem Holzbalken in den Weg stellten und sich in der Mitte ein Abgrund befand von einigen Metern Tiefe. Amir schaute täglich über die Holzbalken hinaus, um zu erblicken, was sich im Untergrund befand. Obwohl er jedes Mal das gleiche Bild zu Gesicht bekam, wurde es ihm dennoch nicht langweilig. Es eilten Minenarbeiter umher, schlugen mit ihren Spitzhacken tief in das Gestein, wo sich die Erze befanden und luden diese nach und nach in ihre Minenbeutel. Diese jedoch brauchten einen Moment, bis sie vollgestopft waren. Auch in diesem Bereich der Mine waren ringsherum Standfackeln angebracht, die den Raum erhellen sollten. Erze in der Dunkelheit erblicken zu können, fiel jedem schwer. Ohne langes Zögern marschierten Amir und Tlois nach rechts. Dabei verlief der Weg weiter im Kreis bis sie schlussendlich auf dem Boden des tiefsten Minenpunkts ankamen, auf den Amir gerade noch zuvor herabgeblickt hatte. Er legte den Minenbeutel und sein restliches Hab und Gut auf den Boden, suchte sich die geeignetste Erzstelle aus, schnappte sich seine Spitzhacke und begann zu schürfen. Er mochte das Geräusch, welches ihm schon seit seiner Jugend vertraut war. Der klirrende Klang des Gesteins ließ ihn in eine Art Trance abweichen und er arbeitete ohne mehr groß nachzudenken. Immer mehr Steine schaufelte er in seinen Beutel, bis er diesen nach einer gefühlten halben Stunde voll hatte, ihn auf seinen Rücken packte und in Richtung Ausgang lief. Somit konnte er die Ware auf die nächsten Kutschen verladen. Zum Glück befanden sich so gut wie immer separate Fahrer bei den Kutschen, damit diese zügig hin- und herfahren konnten. Sie eskortierten die Erze und Kristalle zu dem sogenannten „Weißen Riesen“. Er war der höchste Turm des Landes und auch die Behausung Potons, des legendären Anführers der Gormas. Obwohl nur die wenigsten ihn jemals zu Gesicht bekamen, waren die Erzählungen und Geschichten, die sich um ihn rankten für viele kaum glaubwürdig. Man erzählte von einem weißen riesigen Gorma, der eine sehr tiefe Stimme besaß und gar älter als das Land selbst war. Er sei der Schöpfer des Landes. Als Lichtengel, die zuvor Menschen waren, kam er auf das Land, befruchtete dieses und zeugte seine eigene Spezies. Die Gormas aus dem hohen Norden. Doch im Gegensatz zu anderen Göttern, die ihr Volk schon lange verließen und in den Himmel emporstiegen, um das Leben eines Gottes zu führen, hatte sich Poton dazu entschlossen bei seinem Volk zu bleiben und es aus eigener Kraft in ein glorreiches Zeitalter zu führen. So die Geschichte um ihn. Aber wie gesagt, nur wenige trafen Poton persönlich. Dies galt in Perton als große Ehre, wenn man nicht zu den Obersten des Landes gehörte. Um den „Weißen Riesen“ befand sich zudem eine riesige Stadt, die den Haupthandelspunkt des Landes darstelle. In diese lieferten die Winzlinge ihre Erze und Kristalle aus den Minen ab. Das Kriegervolk trieb damit später aber keinen Handel, sondern stellte Waffen und Rüstungen her, um ihre Streitmacht optimal ausrüsten und schützen zu können. Mit dem „Kemial-Erz“ ließen sich exzellente Ausrüstungen schmieden. Solch gute, dass diese sogar den klassischen Stahl um Meilen übertrumpften. Amir marschierte den Gang der Mine entlang zurück und wurde prompt durch ein schimpfendes Gebrüll aus dem Arbeitstrance herausgerissen. Es waren die tobenden Worte des Minenaufsehers Logir. Ansonsten eigentlich ein echt netter Kerl. Doch für viele war er auch zugleich der Schrecken der Mine. Wurden irgendwelche Arbeiten nicht einmal ansatzweise korrekt ausgeführt, hagelte es Beschimpfungen und Vorwürfe. Er hatte ein etwas breiteres Gesicht, trug lange, nachhinten gekämmte, weiße Haare und besaß dazu eine echte Quietschstimme. Doch trotz der hohen Stimmlage konnte er sehr angsteinflößend auf andere wirken. Zwischen dem Geschimpfe schnappte er die vertraute Stimme seiner Schwester auf, die sich mehr als nur einmal rechtfertigte. Kurz vor dem Minenausgang, wo sich der Abgrund und die dazugehörige Weggabelung befand, konnte er auf der linken Seite die beiden Volksgenossen erspähen, die miteinander zankten. Amir wusste genau, dass er Elia beistehen musste. Die Familie war das Allerheiligste für ihn. Ohne zu zögern warf er sich seinen Minenbeutel von den Schultern und eilte zu den Streithähnen.
„Elia, es ist bereits das zweite Mal, wo ich dich auf deine Fehler aufmerksam machen muss. Mindestens zwanzig volle Minenbeutel müssen pro Tag den Kutschern übergeben werden.“
Amir sah schon von weitem die Verzweiflung, die sich im Gesicht seiner Schwester abzeichnete. Es hätte nicht lange gedauert, bis sie in Tränen ausgebrochen wäre. Doch dies konnte Amir mit seinem Dasein gerade noch verhindern.
„Beim ersten Mal hast du die eine Lieferung komplett vergessen und in der Mine zurückgelassen und am gestrigen Tag warst du viel zu langsam. So kannst du dir deinen Platz in unserer Mine nicht weiterhin sichern!“
Logir sprach diese Worte mit einem bösen und abneigenden Gesichtsausdruck aus. Seine kleine, runde Brille, die er trug, rutschte ihm mehrmals von der Nase, da er hier und da die Stirn runzelte. Elia probierte sich mit den richtigen Worten zu verteidigen.
„Meister Logir. Ich tue doch schon, was ich kann. Aber ich muss mich zunächst an all dies gewöhnen. Den Ablauf, die Arbeit und…“
„Du hattest mehr als genug Zeit, meine Dame!“, unterbrach sie der Minenwärter mit hervorpreschender Stimme.
Nun mischte sich Amir in das Konfliktgespräch, welches er aufmerksam verfolgte.
„Logir, gibt es ein Problem?“, fragte ihr Bruder den grimmigen Minenwärter.
„Ein Problem wäre ja noch schön und gut. Deine Schwester hat bereits zweimal hintereinander ihre Arbeit nicht richtig und korrekt ausgeführt. Schlimmer noch: Sie hat die wertvolle Ware nicht korrekt behandelt und zudem komplett vernachlässigt.“
Amir verdrehte geradezu offensichtlich die Augen vor dem Minenwärter, da er genau wusste, wie gerne Logir aus einer Mücke einen Elefanten machte.
„Komm schon, Logir! Nur weil sie Fehler gemacht hat? Sie lernt noch!“
Dieses Argument ließ den Minenwärter trotzdem völlig kalt.
„Genau, mein Freund. Was ist, wenn aus zweimal dreimal wird? Oder viermal, oder fünfmal? Es wird Zeit, dass du besser auf deine Schwester aufpasst. Ansonsten muss ich den Sohn des Häuptlings mit ihrer Unfähigkeit behelligen und…“
„Es reicht!“, unterbrach Amir den Minenwärter und signalisierte ihm mit einer ausgestreckten Hand, dass er gehen soll.
Logir konnte die Strenge, welche sich in der gereizten Stimmlage Amirs verbarg, mehr als nur wahrnehmen. Er trat zwei Schritte von Elia zurück, machte jedoch wiederrum einige auf Amir zu und sprach:
„Sorge dafür, dass sie ihre Probleme in den Griff bekommt. Ansonsten kann ich für nichts mehr garantieren!“
Nun ließ er von Amir ab und ging seines Weges. Elia fühlte sich derzeit, durch die Schimpferei von Logir, wie ein kleines Häufchen Elend. Doch ihr Bruder eilte zu ihr, um sie zu stärken. Vor dem Tränenausbruch konnte er sie alleinig durch seine Anwesenheit noch gerade so bewahren.
„Elia, alles in Ordnung bei dir?“, fragte ihr Bruder besorgt.
Zunächst brachte sie keinen Ton heraus, bis sie sich jedoch bemühte.
„Ich bin einfach furchtbar! Ich kann nichts richtig machen! Alles was ich tue, ist einfach falsch!“
Sie wischte sich eine Strähne ihrer dunkelbraunen Haare aus dem Gesicht und konnte einige Tränen trotzdem nicht unterdrücken. Sie kullerten ihr sanft über die Wange und signalisierten ihre Verzweiflung und Traurigkeit. Amir versuchte sie mit aufheiternden Worten zu trösten.
„Du darfst dir seine Worte nicht zu Herzen nehmen. Es sind nur die eines Mannes, der selbst Angst hat! Er fürchtet sich davor, wenn alles nicht so läuft wie es sollte, dass gleich unser ganzes friedliches Leben, welches wir hier mit den Gormas führen, zusammenbricht.“
Elia schaute allmählich zu ihrem Bruder auf und sprach mit leiser Stimme:
„Besteht denn die Gefahr? Ist die Gefahr da, dass unser Leben auseinanderbrechen könnte und ebenfalls unser Zusammenleben mit den Gormas? Wenn ich mich nicht mehr anstrenge, dann werden die Gormas nicht zufrieden sein und mich, oder gar meine Freunde und Artgenossen, aus der Mine und vielleicht aus dem Land verbannen!“
Aus wenigen Tränen wurde beinahe ein ganzer Fluss, der sich auf ihren Wangen ausbreitete. Amir nahm sie brüderlich in die Arme, strich ihr mit der linken Hand sanft über die Haare und löste sich langsam von ihr. Dabei hielt er sie mit beiden Händen an den Schultern fest und sprach ihr neuen Mut zu.
„Keine Sorge, meine kleine Schwester. Fehler sind normal. Jedem kann das passieren. Du wirst dich an den Ablauf und an das ganze System gewöhnen, welches wir hier unten an den Tag legen. Und selbst wenn wirklich der jüngste Tag hereinbricht, wenn wirklich alles in sich zusammenfällt, wenn am Ende tatsächlich unser Volk sich inmitten eines Krieges befindet. Dann, meine liebe Schwester, werde ich da sein und dafür sorgen, dass weder dir noch deiner Mutter etwas zustößt. Ihr seid mein Ein und Alles und sollte euch irgendetwas passieren, wäre auch mein Leben zerstört. Ich bin für dich da, Elia. Ich bin für euch da! Und ich werde, ganz gleich in welcher Situation wir uns befinden, euch mit meinem Leben beschützen!“
Prolog 3:
Die Ruhe
Baralthon atmete auf und blickte in die Weite des blühenden Waldes. Solche Schönheit bekam er zwar jeden Tag in seinem Land zu sehen, jedoch erfreuten sie ihn immer wieder erneut. Der Wind zischte leise durch die Bäume und ließ die Äste und Blätter leicht hin- und herschwenken. Seine königliche Rüstung, aus Wurzeln gefertigt, die sich um seinen Körper schlangen, passten optisch beinahe perfekt zu dem natürlichen Ambiente. Er schob mit seiner rechten Hand eines seiner Ohren leicht hervor und lauschte den Klängen des Waldes. Die Vögel zwitscherten fröhlich vor sich hin, zwischen den Baumstämmen huschten kleine Gruppen von Rehen vorbei und in der Ferne erklang das Quaken eines Frosches, welcher offensichtlich damit ein Weibchen anlocken wollte. Das leuchtende Grün des Waldes und der Wiese, auf der der König zurzeit stand, hätte andere, die nicht aus Slorganien stammten, mit Sicherheit geblendet. Doch die Hirschas waren sich diese Farbgebung bereits von Geburt an gewohnt. Ihre Welt war Tag für Tag stets in voller Blüte und keinerlei Farblosigkeit war in diesem Land anzutreffen. Baralthons Blick verharrte regelrecht in Richtung Wald, bis sich eine vertraute Stimme näherte. Es war einer seiner Kundschafter, die die Aufgabe hatten, jeden Tag die Wälder Slorganiens zu durchforsten und so gut wie möglich nach dem Wohlbefinden der Tiere zu sehen. Denn Slorganien war auch bekannt unter dem Namen „Das Land der Tiere und des Friedens“. Sein Volk, die Hirschas, waren großgebaute, schmale Eingeborene, die ein stolzes Geweih auf dem Kopf trugen, welches dem eines Hirsches ähnelte. Sie waren ein durchwegs friedliches Volk, das einen äußerst starken Bezug zu den einheimischen Tieren pflegte. Kaum ein anderes Land, auf dem großen Kontinent Estahron, hatte ursprünglich Tiere in seiner natürlichen Wildbahn. Und war dies einmal der Fall, dann wurden sie mit hoher Wahrscheinlichkeit sozusagen eingeschleppt. An der Seite von Baralthon war stets einer seiner Leibwächter, die ebenfalls mit Wurzelrüstungen ausgestattet waren. Dazu besaßen sie einen Helm, der das Gesicht verdeckte und lediglich die Geweihe am Kopf durch eine Öffnung rausragen ließ.
„Meine Hoheit, meine Hoheit!“, hörte der König die Stimme des Kundschafters in seinem Inneren und dieser eilte so schnell wie möglich zum König. In der Gestalt einer Gazelle kam er angerannt, löste seine Tiergestalt auf und wandelte sich in seinen ursprünglichen Hirschakörper.
Als er vor Baralthon stand, kniete er ohne zu zögern nieder und blickte dabei auf den Boden. Die Rüstung eines Kundschafters war schlichter gehalten als die eines Leibwächters. Sie besaßen keinen Helm, sondern eine Kapuze als Kopfbedeckung, die sie nach Bedarf anlegen oder abstreifen konnten. Dazu bestand ihre Rüstung nicht nur aus reinen Wurzeln, sondern auch aus Stoffteilen, die mit dünnen Wurzelstücken vereint wurden. So besaßen sie eine leichte Rüstung, die aber trotzdem für alle Fälle Schutz bieten sollte. Ungefähr zwei ganze Sekunden blieb der Kundschafter in der knienden Position und zeigte somit seine Unterwürfigkeit. Dann schnellte er auf und teilte dem König sein Anliegen mit.
„Sprich, Kundschafter! Was ist von so äußerster Dringlichkeit.“, sprach Baralthon, ließ jedoch den Eilenden erst einmal zu Atem kommen.
„Meine Hoheit, ich habe ein verletztes Tier, dessen Verletzung ich jedoch nicht entziffern kann.“
Verzweifelt schaute der Kundschafter zu Boden.
„Sie ist mir völlig unbekannt.“
Nun blickte auch Baralthon entgeistert auf. Eine Krankheit, welche ein Kundschafter nicht diagnostizieren konnte, war in der Regel kein gutes Zeichen. Denn die Hirschas waren wahre Spezialisten in der Erforschung von Krankheiten und Verletzungen jeglicher Art.
„Bist du dir sicher, mein Freund?“
Baralthon stellte diese Frage natürlich nur aus rein rhetorischer Natur. Kein Kundschafter Slorganiens würde sich, in dieser Hinsicht, jemals irren.
„Absolut sicher, mein König. Seht selbst!“
Der Kundschafter griff mit der rechten Hand hinter seinen Rücken und Baralthon bemerkte erst jetzt, dass der scheinbare Retter einen Wickel, aus einem Seidentuch bestehend, auf sein Rückgrat gebunden hatte. Er löste den Knoten, hielt das Tuch in das Blickfeld des Königs und zog zwei der Stoffecken zur Seite. Zum Vorschein kam ein kleiner Rotfuchs, der nur einige Wochen alt sein konnte. Das kleine Köpfchen des Fuchses schaute heraus, jedoch waren seine Augen völlig verklebt und er bekam die Lieder kaum geöffnet. Baralthon bemerkte zwar, dass das junge Tier in der Tat krank war. Trotzdem blickte er den Kundschafter zunächst verwundert an.
„Mein Freund, du meinst doch nicht etwa die verklebten Augen und die gelben Umrisse der Lieder?“
Es hätte den König sichtlich verwundert, wäre der Kundschafter alleinig mit dieser Beschwerde des Tieres zu ihm gerannt. Denn dies ist eine bekannte und durchaus verbreitete Krankheit, die gerne mal auftrat. Gerade bei jungen Tieren. Eine Art Kinderfieber, jedoch leicht behandel- und gar heilbar. Der Kundschafter schüttelte zu Beginn nur den Kopf.
„Nein, meine Hoheit.“, sprach er mit leiser Stimme, näherte sich mit seiner einen Hand langsam dem jungen Fuchskind und zog die Stoffbedeckung weiter nach unten.
Das, was zum Vorschein kam, erschütterte Baralthon zutiefst. Quer über der ganzen Brust des Tieres zog sich ein dünner schwarzer Streifen, der die Form eines Schnitts besaß. Zudem waren stark rote Fäden unter der Haut des Fuchses zu sehen, die Adern stark ähnelten. Der König musste sich tatsächlich die Lage eingestehen. So etwas hatte er zuvor noch nie gesehen. Solch eine Situation war selten in seinem Land. Die meisten Krankheiten waren nämlich schon bekannt und neue entstanden oder tauchten erst gar nicht auf. Doch Baralthon war sich bewusst, dass jederzeit neue Krankheiten entstehen konnten.
„In der Tat, Kundschafter. So etwas habe ich noch nie zuvor gesehen.“
Dem König war bewusst, dass man hier schleunigst mit allen verfügbaren Mitteln handeln musste.
„Gut, dass du zu mir gekommen bist. Eile Kundschafter und bringe das Fuchskind zum Hofarzt. Wenn jemand über diese Krankheit Bescheid weiß, dann er.“
Ohne Zögern schnappte sich der Kundschafter das Tier, wickelte es erneut so zu, dass gerade noch das Köpfchen rausschauen konnte und band es wieder auf den Rücken. Danach kniete er ein weiteres Mal vor dem König nieder und sprach:
„Zu Befehl, mein König!“
Nur wenige Sekunden vergingen und der Kundschafter verschwand im nächsten Waldstück, erneut in der Form einer Gazelle und war bald außer Sichtweite. Derweilen verschränkte Baralthon die Arme hinter seinem Rücken und blickte erneut in den Wald. Er machte die ersten Schritte in die Richtung der hohen Bäume und bewunderte auch zuweilen die anmutende grüne Schönheit der Landschaft.
„Komm, Leibwächter! Begleite mich!“, sprach er mit feinen Worten zu seinem Beschützer und lockte ihn mit einer leichten Handbewegung in seine Richtung. Dieser nickte ohne weiteres und sprach: „Wie Ihr wünscht, meine Hoheit“, und folgte seinem König in den Wald hinein.
Der Übergang von Wiese zu Wald war in der Tat eine schnelle Sache. Wenige Schritte genügten, um inmitten der großen Menge an Bäumen zu stehen. Der Leibwächter wollte schon vorausgehen, um mit kurzen und schnellen Blicken die Gegend auszukundschaften, bis ihn jedoch die Hand des Königs auf seiner Brust bremste. Er schaute den König entgeistert an.
„Bitte, mein Freund! Nimm die Maske ab. Ich will deine Anwesenheit und Gesellschaft in vollen Zügen genießen.“
Baralthon war nun mal ein Hirscha, welcher eine enge Beziehung zu seinen Bediensteten wünschte. Auch hier folgte der Leibwächter unentwegt den Wünschen seines Königs.
„Wie Ihr wünscht, meine Hoheit!“
Er griff mit beiden Händen, an der rechten und linken Seite, seinen Helm und zog ihn sanft von seinem Kopf. Zum Vorschein kam ein Artgenosse, mit einer etwas dunkleren Fellzeichnung. Seine Augen waren klassisch braun gefärbt, wie es für die Hirschas eigentlich typisch war. Jedoch war der König das komplette Gegenteil. Sein Fell bestand aus einem hellen Braunton und seine Augen besaßen ein starkes, beinahe leuchtendes Grün. Die helle Fellfärbung war bei den Hirschas nichts Besonderes.
Von vielen Variationen, die existierten, war diese die, die am häufigsten anzutreffen war. Doch das leuchtende Grün war eher selten und nur wenige besaßen solch eine Augenfärbung.
„So, meine Hoheit?“, fragte die Leibwache den König, um seinen Wünschen gerecht zu werden.
Der König nickte. Auf der rechten Wangenseite des Leibwächters erkannte er die Tierzeichnung eines Löwen. Jeder Hirscha bekam dieses Symbol auf irgendeine Stelle im Gesicht und dieses Tier, welches auf der Hautfläche abgebildet wurde, konnte sich der Hirscha jederzeit verwandeln.
„Ein Löwe? Die passende Wahl für einen Beschützer“, reagierte Baralthon auf die Tierzeichnung und schmunzelte leicht bei dieser Aussage.
„Meine Hoheit, wie darf ich dies verstehen? Fühlt Ihr Euch nicht sicher?“
Der Leibwächter fragte sich innerlich, ob er nicht genug seiner Pflicht nachkam, den König so gut wie möglich zu beschützen. Doch das war es nicht, was der König meinte oder gar ansprechen wollte. Im Gegenteil, wie ihm Baralthon gleich versicherte.
„Nein, mein Sohn! Dies habe ich nicht gemeint. Mit dir an meiner Seite geschieht mir kein Leid, dessen bin ich mir sicher.“
Der Leibwächter war froh, solch eine Rückmeldung zu hören. Denn die Pflicht, den König zu beschützen, besaß er noch nicht lange. Jeder Leibwächter wurde nach vier Jahren Amtszeit abgelöst und ein neuer wurde dazu erkoren. Aber wie? Nicht etwa durch das Austragen eines Kampfes, wie es in vielen primitiven Völkern, nach Baralthons Meinung, der Fall war. Alle, welche sich als zukünftige Leibwächter Baralthons beweisen wollten, mussten eine Prüfung ablegen, in der es nicht etwa um die kämpferischen Fähigkeiten ging, sondern um die, wie sie sich mit den Tieren verstanden. Denn in den Augen der Hirschas waren nur die reinen Herzens, welche die Tiere akzeptierten und eine Bindung zu ihnen aufbauen konnten. Die Prüfung bestand darin, ein sanftes und ein wildes Tier zu zähmen. Vom friedlichen Reh bis zum tödlichen Panther. Auch dieser Leibwächter musste solch eine Prüfung ablegen und somit bekannte er sich dazu, auch in der Gestalt eines Löwen seinem König beizustehen. Das Zeichen des Löwen war kein häufiges Zeichen in der Welt der Hirschas. Trotzdem eines, welches sehr begehrt war, wenn es um die Auswahl der Krieger und Soldaten ging, welche das Land beschützen sollten. Es stand für Mut, Ehre, Stolz und Loyalität. Viele Dinge, die auch dem Leibwächter persönlich wichtig waren und Tugenden, die auch er zu pflegen wusste.
„Dir ist sicherlich bewusst, für welche Tugenden dein Geburtszeichen steht?“, fragte der König seinen Beschützer interessiert.
Dieser nickte sichtlich selbstbewusst.
„Selbstverständlich, mein König. Seit ich erfahren und auch verstanden habe, für welche Werte im Leben mein Geburtszeichen steht, bin ich immer bemüht darum, diese Tugenden bewusst auszuleben.“
Der König klopfte ihm mit einer Hand freundschaftlich und bewundernd auf die Schulter.
„Dies kann ich fühlen, mein Freund. Und nicht nur das. Sehen kann ich es auch. Ansonsten wärst du jetzt nicht an der Stelle meines Leibwächters. Du kannst stolz auf dich sein. Viele Hirschas wünschten sich mit dem Zeichen des Löwen geboren zu werden.“
Obwohl der Leibwächter dankbar war für das Lob, welches ihm der König aussprach, verstand er dennoch nicht ganz den Sinn hinter seiner Aussage.
„Mein König, wenn ich fragen darf, inwiefern sollte ich stolz sein auf mich. Ich meine, für das Glück, mit dem Zeichen des Löwen geboren worden zu sein, kann ich doch nichts. Dies war doch einfach nur… Zufall.“
Der König blickte nachdenklich in die Richtung des noch jungen Hirschas und widersprach der Aussage des Leibwächters.
„Lass mir dir eines sagen, mein junger Freund. Nichts im Leben geschieht zufällig. Das Schicksal, das jeder mit sich tragen muss, ist nie dem Zufall überlassen.“
Nun griff er, zu der Überraschung des Leibwächters, nach seiner Hand, umklammerte diese fest mit seinen und sprach:
„Zudem meinte ich nicht, dass du stolz auf dich sein sollst, weil du mit dem Zeichen des Löwen geboren wurdest. Sondern, dass du es bis hierher geschafft hast. Denn ohne Mut und Wille ist es unmöglich mein Beschützer zu werden und weißt du was? Ich danke dir von ganzem Herzen, dass es dein großer Wunsch war, den König mit deinem Leben zu schützen. Dies zeugt wirklich von Loyalität, für die auch der Löwe steht!“
Der Leibwächter wusste zunächst auf diese Danksagung keine Antwort. Darum ließ er die Hand weiterhin in denen seines Königs und verbeugte sich dazu so gut wie möglich vor Baralthon.
„Vielen Dank, mein König! Vielen Dank! Ich werde Euch stets mit meinem Leben beschützen. Denn wenn Ihr eines Tages nicht mehr auf dem Thron von Slorganien sitzen würdet, wäre unser Land und unsere Heimat verloren.“
Baralthon freute sich ebenfalls, solch positive und dankende Worte von seinem Gegenüber zu hören. In dieser Zeit hob sich der Leibwächter wieder von seiner Kniestellung auf und betrachtete die Weiten des Waldes. Der König wollte gerade den nächsten Schritt ins Innere des Waldes gehen, bis ihm jedoch eine äußerst wichtige Frage einfiel, die er nicht zu stellen verpassen wollte.
„Wie ist dein Name, mein Freund?“
Gespannt wartete Baralthon auf eine Antwort.
„Mein Name, Herr?“, fragte der Leibwächter, obwohl er eigentlich wusste, wie die Antwort des Königs lauten würde.
„Natürlich, mein Freund!“
Der König schmunzelte bei diesen Worten leicht.
„Mein Name lautet Taomin. Taomin Tragarson.“
Ein sehr interessanter und außergewöhnlicher Name, wie der König fand.
„Freut mich, nun deinen Namen zu kennen, Taomin!“
Kapitel 1
Der Schnee peitschte Gorbul immer wieder ins Gesicht und schränkte ab und zu sein Sichtvermögen ein. Jedoch war er sich dies gewohnt. Schon als er klein war, fuhr er mit den stämmigen, großen Eisbären, die im hohen Tempo den Schlitten hinter sich herzogen, um ihren Herrn schnellstmöglich ans gewünschte Ziel zu bringen. Drei Bären zogen das monströse Gefährt mit aller Kraft und auf diese Weise konnte eine ordentliche Geschwindigkeit erreicht werden. Kein leichtes Unterfangen, wenn man bedachte, dass auch das Gewicht des stämmigen Gormas getragen werden musste, welcher sich auf dem Schlitten befand und diesen lenkte. Häuptling Kagorl fuhr vor seinem Sohn und leitete die Reise, welche sie vor etwa einer Stunde angetreten hatten. Der Häuptling wollte seinem Sohn zu Beginn nicht verraten, wohin sie sich genau aufmachten, bis dieser sich jedoch umentschied und es Gorbul trotzdem mitteilte. Schließlich hatte sein Sohn das Recht, in die Pläne des Häuptlings eingeweiht zu werden. Auf der rechten und linken Seite der gewaltigen Bärenschlitten waren mehrere Laternen angebracht, die während der Fahrt hin- und herschwangen. Doch das entflammte Feuer in diesen erlosch nicht. Es brannte weiter vor sich hin und spendete gerade genug Licht, um nicht in der unendlichen Dunkelheit der pertonischen Nacht zu versinken. Gorbul fragte sich, wie lange ihre Fahrt wohl noch dauern würde. Eine gefühlte Ewigkeit zogen ihn die Eisbären durch die schneebedeckte Landschaft Pertons und umso länger erschien ihm dies, da er weit und breit nur gähnende Leere erblickte. Die Häuptlingsstadt hatten sie schon seit einer ganzen Weile hinter sich gelassen. Obwohl die Finsternis zurzeit über das Land herrschte, konnte der Häuptlingssohn in der Ferne immer deutlicher die Umrisse eines großen Gebäudes erkennen. Doch was Gorbul besonders ins Auge stach, war einerseits das Gebäude, welches wohl einen Turm darstellen sollte, riesengroß war und ihm sehr vertraut vorkam. Obwohl er den sogenannten weißen Riesen zuvor noch nie betreten hatte, kam in ihm dennoch ein Gefühl von Vertrautheit und Heimat auf. Auch als er und sein Vater dem Turm immer näherkamen, blieben diese bestehen. Sie waren immer noch da und präsent. Allmählich fielen Gorbul weitere Lichter ins Auge, welche jedoch nicht von den Laternen der Schlitten, sondern aus der Richtung des Turms kamen. Sie trugen eine etwas bläuliche Farbe und lagen wie ein Schimmer über dem Monument. Gorbul war fasziniert, obwohl er dies nicht zum ersten Mal sah. Durch diesen wurde der Turm in einem gänzlich anderen Licht dargestellt. Gorbul fragte sich, woher dieser Schimmer wohl kam, bis er in den Himmel starrte. Klar zu sehen war das Sternenmeer, welches sich über den ganzen Himmel erstreckte. Solch eindrückliche und gar wunderschöne Nächte waren im nordischen Reich keine Seltenheit und oft konnte man dieses Naturspektakel beobachten, wenn nicht gerade irgendwelche Stürme das Sichtvermögen der Bürgerinnen und Bürger so stark einschränkte, dass man kaum noch die eigene Hand vor Augen sah. Das Polarlicht, welches über dem Turm waberte, war dafür verantwortlich, dass der Turm und seine Umgebung in einem einzigartigen Licht erstrahlt wurden. Er konnte seinen Blick kaum vom Himmel abwenden, da das Farbenspiel so außergewöhnlich war. Doch etwas regte sich in Gorbuls Blickwinkel und der junge Gorma schaute geradeaus. Es war die Hand seines Vaters, der immer noch vor ihm fuhr und Unmengen von Schnee aufwirbelte. Kagorl hob seine Hand in die Höhe. Dies bedeutete, dass der hintere Mann zum Bremsen ansetzen musste, damit kein Aufprall zustande kam. Denn wie bereits erwähnt konnten die Eisbären mit ihren kräftigen Beinen ein hohes Tempo erreichen, welches einen Zusammenstoß mit anderen Schlitten beinahe tödlich ausgehen lassen konnte. Gorbul griff nach den Zügeln, zog mit aller Kraft an diesen und die Bären wurden allmählich langsamer. Auch der Schlitten des Häuptlings kam zum Stillstand. Sein Sohn, nur einige Meter von ihm entfernt, ließ seine Zugtiere langsam auslaufen, bis diese die letzten Pfoten in den Schnee gesetzte hatten und der Schlitten komplett ruhte. Als auch Kagorl sich keinen Meter mehr bewegte, war es äußerst still. Zunehmend hörte man den Schnee, welcher über das Land wehte. Der Häuptling war der Erste, der vom Schlitten hinabstieg und mit seinen dicken Stiefeln in den eisigen Schnee trat. Als sich auch Gorbul aus dem Schlitten hob, begab sich der Häuptling mit bedachten Schritten zu seinen drei Bären und lobte sie für ihre Arbeit, indem er ihnen dankbar auf den Hals tätschelte. Auch Gorbul lobte nach dem Abstieg die Bären und richtete seinen Blick danach wieder auf den Turm. Dieser bestand aus schwarzem Gemäuer. Um die Zinnen herum schlängelten sich dicke Säulen, welche man gut erkennen konnte, da sie eine ausgeprägte, weiße Verzierung besaßen. Obwohl die Gormas eigentlich keine genialen Erbauer von Gebäuden oder Monumenten waren, so war der weiße Riese dennoch eine Ausnahme. Gorbul war von der Größe und Bauart des Turms begeistert. Während er diesen immer noch bewunderte, wurde er von den Worten seines Vaters aus dem Staunen herausgerissen.
„Komm, mein Sohn. Lassen wir den Meister nicht warten.“
Gorbul war bewusst, wen genau sein Vater mit „Meister“ meinte. Kagorl stapfte auf den weißen Riesen zu und sein Sohn folgte ihm. Während sie der Schatten des Turms immer mehr verschlang, kamen sie dem Tor näher, welches nicht jedem Dahergelaufenen Einlass gewährte. Die Pforte öffnete sich nur denen, die sich als würdiger Anführer oder Herrscher des Landes bewiesen hatten. Ausgenommen waren Begleitpersonen, welche vom selben Blut abstammten. Das hohe Tor, das sich über viele Meter erstreckte, war ebenfalls aus schwarzem und weißem Gestein angefertigt worden. In der Mitte des Eingangs befand sich eine blaue aufleuchtende Kugel, die sich wild umherdrehte. Das blaue Licht der Erscheinung erhellte zugleich den größten Teil des Tors. Auch hier konnte der junge Gorma seine Bewunderung nicht in Grenzen halten. Kagorl stellte sich vor das riesige Tor und blickte auf die leuchtende Kugel. Er zog seinen Häuptlingkriegsstab, welchen er sich auf den Rücken gebunden hatte und rammte diesen mit aller Kraft in den Boden. Obwohl sich dem Stab mehrere Schichten dicker Schnee in den Weg stellten, durchtrennte er diesen mühelos. Sein Stab, der aus festem Eisen geschmiedet wurde, steckte nun fest im Boden. Zeitgleich, als der Stab in den Boden gestoßen wurde, blieb die magische Kugel auf einmal stehen und regte sich nicht mehr. Das dumpfe, summende Geräusch, welches die Kugel von sich gab, als die noch fröhlich vor sich hin kreiste, verstummte somit auch. Es war beinahe totenstill. Lediglich das Pfeifen des Windes war noch zu hören. Viele Sekunden versanken in dieser Ruhe, bis sich die Kugel plötzlich wieder anfing wild zu drehen. Dies tat sie jedoch etwa zehnmal schneller als zuvor. Das dumpfe Summen wurde zu einem beinahe schon penetranten Zischen und hielt ebenfalls eine Weile an. Bei der etwa zwölften Sekunde blieb die Kugel erneut stehen und inmitten der magischen Erscheinung bildete sich ein Auge. Ein Auge, welches jedoch keine bestimmte Farbe trug. Diese Erscheinung konnte man aber dennoch deutlich erkennen. Dies machten schwarze Umrisse möglich, die sich um das Auge schlängelten. Es starrte die beiden Gormas mit einem unheimlichen Blick an und erneut kehrte für einige Sekunden Stille ein. Doch plötzlich begann das Auge zu sprechen.
„Wer seid ihr? Wer bittet um Eintritt in den weißen Riesen?“
Eine tiefe und, wie sich Gorbul eingestehen musste, unheimliche Stimme ertönte. Auf diese Frage gab der Häuptling ohne zu zögern eine Antwort.
„Ich bin Kagorl Amtor. Häuptling von Perton und dessen Völker. Ich möchte mit Poton sprechen.“
Erneut verstrichen einige Sekunden in der Stille, bis das Auge eine weitere Frage stellte.
„Was sind Eure Beweggründe, dass ihr um eine Audienz bittet?“, wollte die Erscheinung wissen.
Auch an dieser Stelle gab Kagorl rasch eine Antwort.
„Ich erbitte um ein Gespräch, da ich seinen Rat brauche. Es geht um die Zukunft des Landes und das Bestehen unserer Völker“, sprach der Häuptling mit rauer Stimme.
Das Auge wartete einen Moment und hielt inne. Es dachte über die Fragen aufwerfenden Antworten des Häuptlings nach und entschied sich schlussendlich dazu, noch weitere zu stellen.
„Habt Ihr einen Beweis, dass Euer genannter Rang wahr ist?“
Kagorl trat einen Schritt zurück und wies mit einer leichten Geste seiner linken Hand auf den Kriegsstab, welcher vor dem Tor im Boden steckte.
„Hier! Mein Kriegsstab. Der Beweis, dass ich in der Tat der Häuptling von Perton bin.“
Jeder Häuptling von Perton, der seinen Dienst als Anführer antritt, bekam einen solchen Kriegsstab vom besten Schmied des Landes. Dieser konnte zwar abweichen von Aussehen und Aufbau, jedoch war eines immer gleich. In dem Schaft des Speers war eine Gravur in der estahronischen Schrift zu erkennen. Geschrieben stand:
Die Macht des einen, ist zugleich die Macht von vielen. Das Kriegervolk muss geführt und in die Richtung eines glorreichen Zeitalters gelenkt werden.
Nur dem Häuptling wurde solch ein Kriegsstab zuteil. Das Auge begutachtete den Stab, der sich vor ihm befand und stellte nach diesem Verfahren die letzte eine Frage.
„Wie lauten die Worte Potons?“
„Er ist unser Schöpfer, unser Führer und unser Vater. Poton sei gesegnet.“
Nach diesen Worten zuckte das Auge zusammen, verblasste in der blauen Kugel und diese drehte sich erneut. Nach kurzer Zeit spuckte sie Fäden aus, die sich in alle Richtungen quer über das ganze Tor verteilten. Diese zogen Kreise, bis sie sich allesamt in der Mitte wiederfanden und gemeinsam eine hellblaue Linie erzeugten. Diese zog sich senkrecht durch die Mitte der großen Tore. Die beiden Torhälften öffneten sich und ermöglichten den Eintritt in das Heiligtum. Zu erblicken war zunächst nur völlige Schwärze. Doch dem Häuptling war bewusst, was sie nun erwartete. Schon mehrmals hatte er den Turm betreten und mit Poton gesprochen. Für seinen Sohn war es jedoch das erste Mal. Die Tore gaben ein furchtbar lautes Knarzen von sich. Sie schlugen auf den Seiten der Tormauern auf und es ertönten Worte, die erneut von der Stimme des Auges gesprochen wurden.
„Tretet ein, Häuptling!“
Kagorl kam dankend dieser Einladung nach, winkte seinem Sohn zu und sie betraten gemeinsam das Gebäude, welches das Herzstück von Perton darstellte. Die Tore bewegten sich erneut und fingen an sich in einem gemächlichen Tempo zu schließen. Dies zog sich zwar eine Weile in die Länge, doch der Klang, als die Tore sich wieder schlossen, hallte ebenfalls eine gewisse Dauer im Inneren des Turms. Das Echo war so außergewöhnlich, dass Gorbul ein Schauer über den Rücken lief, der nicht so schnell wieder verschwand. Nun standen sie da. Inmitten der Dunkelheit. Doch dies sollte sich bald ändern. An dieser Stelle galt: Geduld haben. Des Meisters Stimme würde sich bald melden. Und, beinahe wie gerufen, ertönte auf einmal ein Grollen durch die Hallen des Heiligtums. Die Stimme des Meisters. Ein leichter Lufthauch fuhr durch die Räume und brachte Licht ins Dunkle. Es erhoben sich Unmengen von brennenden Fackeln aus der Finsternis, die sich gleichzeitig mit dem wehenden Hauch entfachten. In diesem Licht glitzerte das Eis, welches sich an den Wänden befand. Zudem hingen große und wuchtige Eiszapfen von der Decke, die jedoch an Ort und Stelle blieben und nicht etwa drohten herunterzufallen. Auch diese glitzerten im heimisch warmen Licht auf. Auch jetzt war es wieder so still, dass lediglich das Knacksen der brennenden Fackeln zu hören war. Kagorl atmete kurz auf und sprach zu seinem Sohn.
„Das war das Zeichen, Gorbul. Der Meister erwartet uns.“
Der Häuptlingssohn konnte nun leicht das Klopfen seines Herzes verspüren. Durch die Aufregung verlor er beinahe seine Fähigkeit, die Umgebung deuten zu können, welche nun im hellen Licht erstrahlt wurde. Die Hallen Potons hatten nur noch wenige dunkle Ecken, die nicht mit Licht ausgeleuchtet wurden. Erst als sein Vater ihn erneut aufforderte ihm zu folgen, entdeckte Gorbul den Anfang einer breitgebauten Wendeltreppe, die ums Eck mündete. Bei den ersten Stufen befanden sich erneut kleine Fackeln, welche in kleinen Halterungen eingesetzt und bereits entzündet wurden. Kagorl schnappte sich zwei und drückte eine davon seinem Sohn in die rechte Hand. Nun waren sie mit einer verlässlichen Lichtquelle ausgerüstet. Alles was sie benötigten, um ungehindert zum höchsten Punkt des Turms gelangen zu können. Häuptling Kagorl ergriff die Initiative. Er betrat mit seinen dicken Fellstiefeln die ersten Stufen und setzte seinen Weg fort. Gorbul, welcher nicht von der Seite des Häuptlings wich, war zu Beginn verwundert, als er die Treppenstufen unter seinen Füssen spürte. Der junge Gorma hatte eigentlich Glatteis erwartet und dass man die Vorsicht vor dem Ausrutschen unbedingt an den Tag legen musste. Doch dies war, zu seiner Überraschung, überhaupt nicht der Fall. Der Häuptlingssohn spürte keinen glatten Boden unter seinen dicken Ledersohlen. Keine Gefahr, dass ihm wortwörtlich der Boden unter den Füssen weggezogen werden könnte. Gorbul bestieg nun ebenfalls die Treppe und folgte seinem Vater erneut. Bereits nach ein paar wenigen Stufen schlug die Treppe plötzlich einen anderen Weg ein und bog nach rechts ab. Die restlichen Stufen bildeten den weiteren Treppenverlauf in dieser Form. Doch dieser war langwierig und gar für mancher auch mühsam. Zudem war kein Geländer oder eine sonstige Stützhilfe vorhanden, um den Besuchern den Treppenmarsch erleichtern zu können. Doch eine Inspizierung des Gemäuers, welche er aufgrund von persönlichem Interesse tätigen wollte, versäumte er nicht. Das flackernde Licht, als er Stufe für Stufe erklomm, schien praktisch auf das Gemäuer. Die Rillen waren beinahe dieselben, wie bei einer Mauer aus Ziegelsteinen oder ähnlichem. Hier und da waren kleine Schriftzeichen zu finden, die in das Gestein eingeritzt waren. Mehrere Male blieb er stehen und bewunderte diese, während er leicht mit seinen haarigen Händen über die Gravierungen fuhr. Nicht viele konnten die Schriften der ersten Gormas entziffern. Der Häuptlingssohn zählte leider auch zu denen, welche dies nicht mehr vermochten. Doch auch wenn Gorbul die Schriften noch stundenlang hätte bestaunen können, so wusste er, dass sie den Meister nicht warten lassen durften. Er sputete die restlichen Stufen hoch, bis er wieder zu seinem Vater aufgeschlossen hatte. Denn dieser besaß mittlerweile einen gewaltigen Vorsprung. Kagorl war kurz davor, die letzte Stufe hinter sich zu lassen. Doch der Häuptlingssohn kam gerade noch rechtzeitig, damit sie
