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Wer Leinenführigkeit vom Hund verlangt, kann auf zentrale Elemente der innerartlichen Kommunikation von Vierbeinern zurückgreifen. Dank klarer Körpersprache wird der Mensch für seinen Hund dann verlässlich lesbar und nachvollziehbar verständlich. Sami El Ayachi zeigt in detaillierten Übungen, wie der Mensch sich in dieser universellen Sprache über Artgrenzen hinweg auszudrücken lernt. So wird die Orientierung des Hundes am Menschen von Grund auf gefördert und die Raumzuweisung in der Bewegung artgerecht durchgesetzt. Der Hund erlebt die Sicherheit dieser stabilen Gemeinschaft in allen Lebenslagen, unabhängig von Außenreizen und Konflikten. Der Mensch wird verlässlich für seinen Partner auf vier Pfoten und die Beziehung gewinnt an Tiefe. Ein entspanntes Miteinander gelingt dank eindeutiger Kommunikation in der gemeinsamen Sprache.
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Seitenzahl: 140
Veröffentlichungsjahr: 2025
Leinenführigkeit
Der orientierte Hund
Sami El Ayachi
KOSMOS
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Umschlagsabbildung: © Anna Auerbach / Kosmos
© 2025, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG
Pfizerstraße 5–7, 70184 Stuttgart
kosmos.de/servicecenter
Alle Rechte vorbehalten
ISBN 978-3-440-51159-6
E-Book-Konvertierung: le-tex publishing services GmbH, Leipzig
Cover
Titel
Impressum
Inhaltsverzeichnis
Hauptteil
Auf dem Weg zur Leinenführigkeit
Wenn euch viel mehr verbindet, als die Leine
Jedes Detail zählt
In kleinen Schritten zum Ziel
Überlebensfaktor Gemeinschaft
Lebenswichtig: der Zusammenhalt
Um die vier Ecken gehen
Was tun, wenn’s nicht klappt?
Hilfestellung
Fit für den Alltag
Sicher in den Bewegungen
Service
Die Autoren
Übungen im Überblick
© Anna Auerbach/Kosmos
© Anna Auerbach/Kosmos
Gemeinsam durch den Alltag
Es ist eine immense Leistung von unseren Hunden, wenn sie bei all dem Trubel mit uns Menschen im Gespräch bleiben.
© Anna Auerbach/Kosmos
Ein wunderschönes Bild: Zwei- und Vierbeiner bewegen sich in perfekter Harmonie synchron von A nach B, unbeeindruckt von all dem, was um sie herum passiert – verbunden mit weit mehr als den anderthalb Metern Leine.
Die meisten Hunde-Menschen tragen solch ein Idealbild in ihrem Herzen. Viele sind allerdings überzeugt, damit klarkommen zu müssen, dass ihr Hund nach seiner eigenen Nase an der Leine herumtanzt. Zieht deine Lotta oder dein Leo von rechts nach links und agiert ohne Abstimmung mit dir? Hier wirst du lernen, wie das harmonische Zusammenspiel eurer Schritte gelingt, für das du Raum, Rhythmus, Stimmung und Richtung vorgibst.
Doch Führen ist anspruchsvoll. Folgen auch. Und wie immer im Leben, beginnt der Weg zum Ziel mit dem ersten Schritt, der meist einfacher ist als gedacht. Entscheidend ist, du musst ihn gehen – gemeinsam mit deinem Hund. Dabei kannst du neue Fähigkeiten entwickeln und deine Kompetenz sichtbar machen. Wer sich die Grundlagen für den harmonischen Tanz an der Leine erarbeitet, kommuniziert fair und glaubwürdig mit seinem Vierbeiner. Fairness besteht nicht zuletzt auch darin, für den anderen lesbar und einschätzbar zu sein, eben nicht willkürlich. So kann die Orientierung am Menschen freudig gelingen, wenn jeder weiß, woran er ist. Und es ist wunderschön, wenn man miteinander gut im Gespräch ist.
Damit du fair bist: Erklären, üben, etablieren
Fair ist, nichts zu verlangen, was nicht erklärt und geübt wurde, und zwar so, dass der Hund das verstehen konnte und verinnerlicht hat. Körpersprachlich sauber arbeiten, Bewegungsabläufe etablieren, um lesbar und einschätzbar zu sein – nur so kann der Mensch Orientierung geben und eine Gemeinschaft mit seinem Hund aufbauen, die dank Vertrauen und Verlässlichkeit eine stabile Basis hat.
Wir erwarten von unseren Hunden, dass sie sich bereitwillig an uns Menschen orientieren. Aber was verlangen wir da eigentlich von unseren Freunden auf vier Pfoten? Und was tun wir, um diesem Anspruch gerecht zu werden?
Orientierung ist gleichermaßen mentale wie sinnliche Aufgabe. Hunde sind perfekt dafür ausgestattet, sich über Nase, Ohren und Augen – sowohl im Nahbereich als auch weiträumig – zurechtzufinden. Sie wissen stets sehr genau, wo sie sich befinden und was um sie herum wo passiert. Sie führen uns ein Stück weit zum Ursprung des Wortes: dem Orient, also dahin, wo die Sonne aufgeht. Für Hunde geht „die Sonne auf“, wenn in der Ferne ein paar Rehe kreuzen, auf der Wiese ein Hase davonhoppelt, ein Mensch mit Leckerli lockt oder am nächsten Busch die uringetränkte Nachricht des Lieblingsfeindes wartet. Sie sind seit Jahrhunderten Künstler der Orientierung, der feinen Wahrnehmung ihrer Umgebung.
Und dann kommen wir Menschen ins Spiel und wollen die alles überstrahlende Sonne im Hunde-Kosmos sein, der Fixstern für den Vierbeiner. Wir erwarten, dass der als Traber geborene Hund sich unserem gemächlicheren Schritt anpasst. Das Tier soll all die Informationen ausblenden, die als verführerischer Duft, Bewegungsreiz oder alarmierendes Geräusch bei ihm landen. Wenn wir die Orientierung des Hundes am Menschen fordern, müssen wir sie zunächst gezielt fördern. Bis ein fragender Blick in unser Gesicht verinnerlicht und das reflexartig eigenständige Reagieren auf Angebote von außen überwunden sind, braucht es kontinuierliche Arbeit an den Grundlagen der Beziehung. Erst wenn die Basis stabil ist, können Hund und Mensch die gewonnene Freiheit miteinander leben.
Die Orientierung des Hundes am Menschen verschafft Sicherheit für jede Lebenslage. Wer sie aufbaut, wird seiner Verantwortung als Hunde-Mensch gerecht.
© Anna Auerbach/Kosmos
© Anna Auerbach/Kosmos
Für Menschen mit Hunden gilt deshalb, genau die Fähigkeiten zu entwickeln, die den Vierbeiner davon überzeugen, dass Zugewandtheit und Orientierung das gemeinsame Leben einfacher und vor allem schöner machen. Wie schön, dass die meisten Hunde Kooperationsbereitschaft mitbringen. Dieses genetische Erbe hat ihnen in der Evolution das Leben als Rudeltier ermöglicht. Wir können also an das anknüpfen, was auch im Rudel gilt: Regeln, die das Leben sicherer machen, werden erklärt, etabliert und durchgesetzt. Diesen artgerechten Umgang miteinander erreichen wir, wenn wir Vereinbarungen körpersprachlich solide und nachvollziehbar aufbauen. Das überzeugt das Tier davon, sich am Menschen zu orientieren. Der Vierbeiner stellt sich mental und mit allen Sinnen auf seinen Menschen ein. Diese ebenso verbindende wie verbindliche Orientierung zeigt sich schließlich nicht nur in entspannter Leinenführigkeit, sondern in der Souveränität gegenüber äußeren Reizen, im Vertrauen auf die Führungskompetenz des Menschen.
Um dieses Ziel zu erreichen, genügt der Blick auf den Hund nicht. Deshalb die Fragen:
Wie viel Anpassung an Hunde-Bedürfnisse leistet der Mensch? Wie viel Arbeit bist du bereit, zu investieren?Erst einmal geht es also darum, dir darüber klar zu werden, wie ausgeprägt deine Fähigkeit ist, Orientierung zu geben. Woran orientierst du dich, wie eindeutig bist du in deiner Haltung, wenn du mit deinem Hund losgehst? Für mich ist es eine Frage der Fairness, systematisch und konsistent wiederkehrend zu handeln. Dann bin ich für den Hund glaubwürdig, erarbeite mir sein Vertrauen, weil ich für ihn lesbar bin, er mich einschätzen kann und mir vertraut.
© Anna Auerbach/Kosmos
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1 – 4 Wenn in alltäglichen Situationen die Leine zur Nebensache wird, weil Ansprache und Führung des Menschen die freudige Orientierung des Hundes am Zweibeiner hervorrufen, kann man sich über diese Verbindung einfach nur freuen.
Ist der Zweibeiner körpersprachlich klar und systematisch, hat er verinnerlicht, dass Bewegung im Kopf beginnt und in den Füßen endet, sprechen Mensch und Hund eine Sprache. Jenseits von Techniken an der Leine, geht es deshalb um Grundlagenarbeit – mit dir, mit dem Hund. Sie bahnt den Weg in eine Gemeinschaft, die unabhängig von Außenreizen und Konflikten stabil ist.
© Anna Auerbach/Kosmos
1 Fehlt die klare Kommunikation, bleibt der Hund im Außen und verliert die Orientierung am Menschen. So kann er dem Richtungswechsel nicht folgen.
© Anna Auerbach/Kosmos
2 Der aufmerksame Blick des Hundes zum Menschen ist Voraussetzung dafür, harmonisch miteinander durchs Leben zu gehen.
Dein Körper spricht – immer
All diejenigen, die auf Locken oder Blocken in der Hundeerziehung setzen und Körpersprache als nettes Zusatzelement sehen, blenden eine Tatsache aus. Auch wenn du meinst, auf Körpersprache verzichten zu können, liest dein Hund, was dein Körper sagt. Denn jede Bewegung, natürlich auch die völlig unbewusst ausgeführte, gibt dem Hund Signale.
Ein Beispiel: Du hast deinen Hund an der Leine und gehst ohne Kommentar los. Weil du ja mehrfach erlebt hast, dass dein Hund nicht so bereitwillig folgt, wie du es dir wünschst, wendest du dabei Kopf, Schultern, Oberkörper leicht zum Tier. Damit blockt deine dem Vierbeiner zugewandte Schulter den Raum und folgerichtig kann dein Hund gar nicht exakt auf deiner Höhe mitgehen, sondern bleibt zurück. Ein klassisches Missverständnis. Wer das Vokabular der Körpersprache lernt, wird sich der Wirkung seiner Bewegungen bewusst. Ob der Hund dann tief durchschnauft und denkt: endlich?
Dieses Buch ist ein Mix aus Trainingsplan und Inspiration, die Beziehung zu deinem Hund tiefer zu denken. Was verbirgt sich wirklich hinter dem Wunsch nach einem leinenführigen Hund? Ist es nicht letztlich die Sehnsucht nach einer stabilen Gemeinschaft über Artgrenzen hinweg? Eine Gemeinschaft zu bilden, ist Geschenk und Entwicklungsarbeit gleichermaßen. Du kennst sicher das beglückende Gefühl, das dich warm ausfüllt, wenn dein Hund dir gut zuhört, freudig gespannt mit dir an lockerer Leine joggen geht und darauf wartet, ob du ihm gleich als gemeinsame Handlung einen Spurt oder einen Stopp anbieten wirst. Und genauso gut kennst du wahrscheinlich das Gefühl aufkommender Verzweiflung in dir, wenn du hilflos grübelst, wie du den reizüberfluteten Vierbeiner am gespannten Ende der Leine verlässlich in die Orientierung zu dir zurückholen kannst.
»Eine gute Gemeinschaft lebt von der Freude, die Dinge gemeinsam zu tun.«
Längst sprechen viele von uns wie selbstverständlich von einer Mensch-Hund-Gemeinschaft. Sie begann gar nicht so romantisch vor Jahrtausenden am Lagerfeuer unserer menschlichen Urahnen mit den hündischen Urahnen, den Wölfen. Zum beiderseitigen Vorteil entwickelte sich ein Miteinander, die Geburtsstunde unseres heutigen Verständnisses von Hunden als Familienmitgliedern.
Dabei ist Gemeinschaft streng wissenschaftlich in der Soziologie, in der Ethnologie und sogar im Rechtswesen als überschaubare soziale Gruppe von Menschen wie in Familie oder Gemeinde, Clan oder Freundeskreis definiert, die durch ein starkes „Wir-Gefühl“ eng miteinander verbunden ist. Die menschliche Gemeinschaft gilt als ursprünglichste Form des Zusammenlebens und als Grundelement einer jeden Gesellschaft.
Sie bietet Schutz, Wärme, Zugehörigkeit. Sie braucht (meist) gemeinsame Ziele und sinnvolle Aufgabenteilung. Ihre Basis bilden die eindeutig kommunizierten und im Ernstfall durchgesetzten Regeln.
Da Hunde zutiefst soziale Wesen sind, können wir bei ihnen durchaus auch ein „Wir-Gefühl“ voraussetzen. Wer eine Hundemutter mit ihren Welpen erlebt und das Glück hat, dass auch noch Hundeoma, -tante oder -onkel im Haus leben, weiß, was ich meine. Die Bereitschaft und die Fähigkeit der Hunde, nicht nur mit Artgenossen in einer vertrauensvollen Beziehung zu leben, sondern auch mit uns Menschen, hat die Tür zur Gemeinschaft über Artgrenzen hinweg geöffnet. Dieses Geschenk macht das Leben von Menschen und Hunden so besonders.
© Anna Auerbach/Kosmos
1 „Komm nah zu mir“ …
© Anna Auerbach/Kosmos
2 … wird mit freundlichem Streicheln …
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3 … und einem freudig-innigen Blickkontakt beantwortet. Ein Augenblick, der wirkliche Nähe entstehen lässt.
Hunde-Menschen erleben die Wechselwirkungen im Zusammenspiel mit ihren Vierbeinern. Schon beim Aufstehen weiß mein Fell-Freund, wie ich heute Morgen drauf bin und spiegelt mir das mit seinem Verhalten. Umgekehrt kenne ich die Reizschwelle meines Tieres bei Wild-Begegnungen oder reagiere auf seine spielerischen Aufforderungen, wenn abendliche Ruhe einkehrt. Hunde und Menschen gehen vielfältig miteinander in Resonanz. Damit dabei „schräge Töne“ eine Ausnahme bleiben oder werden, geht es in diesem Buch zunächst einmal ganz intensiv um Gemeinschaftsbildung zwischen Vier- und Zweibeiner. Dieser Prozess beginnt immer in den eigenen vier Wänden!
Wer geht mit seinen Kindern ins Sterne-Restaurant, wenn sie zu Hause noch nie mit Messer und Gabel essen mussten? Wer kann vom angesichts des Lieblingsfeindes auf der anderen Straßenseite völlig eskalierenden Hund erwarten, ausgerechnet in einer solchen Extremsituation orientiert am Menschen zu sein, wenn die Kommunikation im häuslichen Bereich ungeklärt ist? Wer zu Hause beim Klingeln ungebremst aufgeregt bellend zur Tür spurtet, statt wie angewiesen auf seinem Platz zu bleiben, wird hundertprozentig die Raumvorgabe seines Menschen auch auf dem Waldweg nicht einhalten (können) und energisch an der Leine zerren. Um diesen Zusammenhang zu erkennen, braucht es den unverstellten Blick auf deine Kompetenzen, den Wunsch, sie zu verfeinern und schließlich die Ausdauer, dabei fair mit deinem Tier im gemeinsamen Prozess zu bleiben. Du brauchst also beides, um mit deinem Vierbeiner eine Gemeinschaft zu formen, die souverän und im freudigen Miteinander durchs Leben geht:
Das kontinuierliche Training für die Haltung deines Körpers, mit seiner wiederkehrend verlässlichen Ausdrucksweise, und die Arbeit an deiner inneren Haltung, dem Bewusstsein für die respektvolle, faire Gestaltung eurer Gemeinschaft, für die du Verantwortung trägst.
Wenn beides gleichermaßen frei schwingt und auf deinen Hund überzeugend wirken kann, ist die Leine letztlich nicht mehr, aber auch nicht weniger, als die sichtbare Verbindung von Herz zu Herz.
© Anna Auerbach/Kosmos
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Der Anfang: Ruhiger Stand und Sitz
Bleibt dein Hund im Sitz, wenn dein Blick über ihn leicht hinausgeht und du im stabilen Stand Ruhe signalisierst?
Dank des kleinschrittigen Aufbaus, der didaktisch sinnvoll strukturierten Übungen im Grundlagenbereich, lernt der Hund zu verstehen, was sein Mensch von ihm erwartet.
Lass uns das Idealbild der Leinenführigkeit in seine einzelnen Elemente zerlegen. Wir beginnen mit der Ansprache zum Hund hin aus der Frontalen. Der Hund sitzt auf Anweisung hin aufmerksam vor seinem Menschen. Dieser schaut leicht über ihn hinweg und nimmt ihn dennoch peripher wahr. Auf die Nennung seines Namens, steigert der Vierbeiner die ohnehin vorhandene Aufmerksamkeit und erkennt die zeitgleiche Verlagerung des Menschen zum Hund hin, ohne darauf schon mit einer voreiligen Bewegung zu reagieren. Erst eine kleine Öffnung in Laufrichtung, plus leichter Gewichtsverlagerung auf das Standbein für den ersten Schritt, öffnet den gemeinsamen Weg in die Gerade. Der Mensch schaut mit deutlicher Aufrichtung genau dahin, wo es gemeinsam langgeht. Sein Kinn bleibt parallel zum Boden. Der Hund ist absolut orientiert, freudig zugewandt und folgt dem Menschen Schritt für Schritt. Weil der Mensch so klar formuliert hat: „Du bist gemeint und das werden wir tun“, ist das Anschlussverhalten des Hundes kooperativ und verbindlich.
Klingt doch gar nicht so schwer, oder? Wie weit bist du, seid ihr als Mensch-Hund-Tandem von einem solchen Ablauf entfernt? Für den Status-Check ist die Sitz-Übung genau richtig. Wie viel Konzentration kann dein Hund in einem ruhigen Setting schon aufbringen?
»Die bewusst eingesetzte Körpersprache ist die feinste Form der Verständigung zwischen Zwei- und Vierbeiner: Sie ist das Bindemittel für die soziale Beziehung über Artgrenzen hinweg.«
Mit diesem Übungsaufbau steigerst du das Konzentrationsvermögen deines Hundes. Ihr könnt das Training an ganz unterschiedlichen Plätzen und in vielfältigen Situationen variieren. Du sammelst dabei bestimmt einige neue Erkenntnisse über das Verhaltensrepertoire deines Vierbeiners.
© Anna Auerbauch/Kosmos
1 Die ohnehin vorhandene Aufmerksamkeit und hohe Konzentration des Hundes …
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2 … wird erhöht durch die leichte Gewichtsverlagerung des Menschen in seinen Raum.
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3 Die Bewegung wird eingeleitet durch die Ansprache auf dem rechten Fuß, …
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4 … die Öffnung der Schulter nach links …
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5 … und die Einladung zum Nahherankommen.
Kleine Hilfestellung: Nimmt dein Hund dich vor allem von der Hüfte an abwärts wahr, überträgt sich die Bewegung meistens nicht. Dann braucht er vielleicht eine kleine akustische Aufforderung, um höher zu dir zu schauen, denn jede unserer Bewegungen beginnt ganz oben.
Der positive Effekt: Die überwiegende Mehrheit aller Hunde ist von der Pendelei irritiert. Dadurch fangen die meisten verstärkt an, ihren Menschen von oben nach unten zu beobachten. Genau das ist gewollt. Unsere Bewegungen fangen oben an, Augen, Kopf und Schulter leiten sie ein.
