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Leipold Störort. Lebenserinnerungen Pauline Leipolds. Jugenderinnerungen - Kindheit im Elternhaus in Duisburg und frühe Ehejahre mit dem Künster Karl Leipold (Auszug). Kolorierte Linolschnitte von Hans-Peter Widderich, Glückstadt 2018.
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Seitenzahl: 29
Veröffentlichungsjahr: 2018
Pauline Leipold, geb. Ambrosius (1867 Duisburg – 1948 Mainz) hat Erinnerungen aufgeschrieben: 'Jugenderinnerungen – Kindheit im Elternhaus in Duisburg und frühe Ehejahre mit dem Maler Karl Leipold'. Dr. Walter Ambrosius hat sie 1975 aus der Urschrift übertragen und zusammengestellt. Die als Typoskript vorliegenden Erinnerungen wurden bislang nur im Auszügen veröffentlicht.
Die Erinnerungen gewähren Blicke in die ferne Zeit des späten 19. Jahrhunderts, auf Paulines Jugendzeit, auf die frühen Jahre mit Karl. Besonders interessant sind hier, an der holsteinischen Unterelbe und der Stör, aber auch für Interessenten des Malers von Störort, die Aufzeichnungen der frühen gemeinsamen Jahre auf Störort, die 1898 begannen. Sie öffnen ein Zeitfenster auf vergangene Zeiten. Beleuchtet wird ein Künstlerleben im weltfernen Haus auf der Warft in der amphibischen Landschaft des Wewelsflether Außendeiches an der Mündung der Stör in die Elbe. Die niedergeschriebenen Ereignisse und die genannten Personen werden ins Licht gerückt.
Die jahrzehntelange intensive Beschäftigung mit Leben und Werk Karl Leipolds, der seine Jahre an Stör und Elbe in einem Brief an seinen Künstlerkollegen Hermann Wehrmann – EIGENTLICH DIE HEIMATH MEINER KÜNSTLERISCHEN ENTWICKLUNG - nannte, führten zu der Überlegung Auszüge aus dem Störortteil der Erinnerungen einem interessierten Publikum in kleiner Form zugänglich zu machen. Damit werden Blicke auf eine vergangene Zeit und auf die Störmündung vor dem Bau des Störsperrwerkes vermittelt, das die Landschaft grundlegend veränderte. Die alte Schreibweise wurde teilweise übernommen.
Für die Gestaltung des Büchleins wurde manuelles Tun aktiviert, um Linolschnitte für die Illustrationen zu machen. Dafür kamen zu vorhandenen Schnitten neue. Beiseite geschoben wurde, ob meine 'Bildwerke' in die Nähe des Künstlers Karl Leipold gestellt werden können, weil sie Pauline Leipolds Aufzeichnungen begleiten.
H.-Peter Widderich
In Cuxhaven [...] war es fast unmöglich, Karls Wunsch nach einem Platz für ein Segelboot zu erfüllen. Es gab zu viel Schwierigkeiten wegen Ebbe und Flut, Wind und Wetter, Schlick und Spitzbuben. [...] Auch wurden Karl die vielen Sommergäste bald lästig. Karl ging also eines Tages wieder auf Wanderschaft, mit seinem Bruder Ernst, elbaufwärts, um sich nach einem Ort umzusehen, wo er ein Segelboot halten könnte. Die beiden Mannsleute pilgerten los, setzten bei Wischhafen über die Elbe und kamen nach Glückstadt, wanderten am Deich entlang und kamen zum Cremilschen Hof. Dort konnten sie nicht landen, kamen nach Wewelsfleth, wo sie übernachteten, und am anderen Tag nach Störort. An der Störmündung entdeckten sie die drei Häuser auf Wurten im Außendeich. (Abb. s. →) Eines davon war ein ehemaliges Zollhaus und nur im Sommer von einem älteren Ehepaar bewohnt. Karl mietete von dem alten Sievers ein paar unbenutzte, primitive Räume für den Sommer und holte mich dann mit dem nötigsten Gepäck von Cuxhaven ab.
In Glückstadt wollten wir Cojenmatratzen und sonst noch einiges Nötige einkaufen, aber da war nichts dergleichen zu haben. Wir trieben nur mit viel Mühe ein Fuhrwerk auf, das unser Gepäck bis zur Fähre über die Stör vor Störort bringen konnte und trabten los, eine Stunde Weges. Es war stürmisches Wetter und Hochwasser, wir konnten nicht überfahren, Fährdamm und Fährglocke waren überschwemmt. So saßen wir mit Pack und Plunder am Deich und warteten, bis die Flut sich verlaufen hatte.
