Leipzigs Stadthäuser - Henry Fenzlein - E-Book

Leipzigs Stadthäuser E-Book

Henry Fenzlein

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Beschreibung

Die Neubautätigkeit in Leipzig war im vergangenen Jahrzehnt maßgeblich von einem Architekturtypus geprägt, der bis dato keine wirkliche Tradition innerhalb der Inneren Stadt hatte: Das Stadthaus – ein Einfamilienhaus im urbanen Kontext – wurde ab der Jahrtausendwende in Leipzig zu einem beliebten Lebensmodell. Mit der Erschließung von Einfamilienhaussiedlungen am Stadtrand hatte sich nach der Wiedervereinigung ein Konkurrenzstandort zu den maroden Altbauquartieren der gründerzeitlichen Kernstadt entwickelt. In der Folge erlebte die Stadt Leipzig in den Jahren 1993 bis 2003 einen jährlichen Bevölkerungsverlust von durchschnittlich 10.000 Einwohnern an das direkte Umland. Das Stadthaus wurde als leistungsfähiger Stadtbaustein erkannt, um der Suburbanisierung entgegenzuwirken. Der fortlaufenden Aufweichung von Stadt und Land wurde mit den eigenen Waffen begegnet – gewissermaßen die Umkehr des Urban Sprawl –, um dem Anspruch eines kompakten europäischen Stadtkörpers perspektivisch wieder gerecht zu werden. Henry Fenzlein porträtiert den Stadtbaustein Stadthaus und gibt Aufschluss über baugeschichtliche Herkunft, planerische Funktion und räumliche Dimension innerhalb der Leipziger Stadtentwicklung. Das Buch richtet sich damit sowohl an die wissenschaftliche Forschung und praktizierende Stadtplaner als auch an alle Bewohner des Lebensmodells Stadthaus und Interessierte an der jüngeren Leipziger Stadtentwicklung. Es gibt erstmalig einen umfassenden Einblick in eine bislang viel zu wenig beachtete städtebauliche Typologie und Stadtentwicklungsstrategie der 1990er- und frühen 2000er-Jahre und leistet eine wichtigen wissenschaftlichen Beitrag innerhalb der Debatte um die Wechselwirkung von Schrumpfung und Wachstum der europäischen Stadt.

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Seitenzahl: 111

Veröffentlichungsjahr: 2016

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ibidem-Verlag, Stuttgart

Inhaltsverzeichnis

Vorwort
1. Einführung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Methodik
2. Bürger-, Terrace-, Reihenhaus – die ungleichen Vorfahren des Stadthauses
2.1 Das spätmittelalterliche Bürgerhaus
2.2 Das angelsächsische Terrace House
2.3 Das vorstädtische Reihenhaus
3. Karlsruhe, Frankfurt, Berlin – Stadthausmodellprojekte seit Ende der 1970er Jahre
3.1 Karlsruhe Dörfle
3.2 Frankfurt Saalgasse
3.3 IBA 87 Berlin Lützowstraße
4. Urbaniten, Planwerk, Speckgürtel – Die Berliner Town Houses nach der Wiedervereinigung
4.1 Neue Urbaniten und die Renaissance der Innenstädte
4.2 Berlin Friedrichswerder - Town Houses als Idee des Planwerks zur kritischen Rekonstruktion des historischen Stadtgrundrisses
5. Fazit
5.1 Herkunft
5.2 Identität
5.3 Funktion
6. Problematik in der Leipziger Stadtentwicklung
6.1 Leerstand und baulicher Verfall der Kernstadt
6.2 Abwanderung und Bevölkerungsverlust in der Kernstadt
7. Stadtbaustein Stadthaus als Lösungsstrategie
7.1 Freiraumaufwertung der Altbauquartiere und die Hoffnung auf Folgeinvestitionen
7.2 Die Idee des Stadthauses als Gegenmodell zum Einfamilienhaus auf der grünen Wiese
8. Planungsakteure und Bewohner
8.1 Akteurswandel – vom öffentlichen Entwickler zum privaten Investor
8.2 Bewohnermentalität – „Lebensmodell Stadthaus“
9. Typologie und Ausprägung
9.1 Verteilung im Stadtgebiet
9.2 Städtebauliche Typologien – Vom Kleinhaus zum Großhaus
9.3 Architektonische Attribute – Der Blick ins Grüne und die Simulation von Masse
10. Fazit
10.1 Funktion in der Leipziger Stadtentwicklung
10.2 Soziale Dimension in der Leipziger Stadtentwicklung
10.3 Räumliche Dimension in der Leipziger Stadtentwicklung
11. Fallstudie Industriestraße
11.1 Schwerpunktbereich im Leipziger Stadtumbau - Sanierungsgebiet Plagwitz
11.2 Kommunale Investitionen im öffentlichen Raum - Das Beispiel Stadtteilpark Plagwitz
11.3 Stadtentwicklung ohne Entwickler - Pilotprojekt Industriestraße
11.4 Vom Lückenfüller zum Immobilientrend – Einstieg des privaten Bauträgers Siewert Hausbau
11.5 Kommunale Immobiliengesellschaft als Entwickler – Stadthäuser der LWB
11.6 Endlosreihe – weitere 10 Stadthäuser von privaten Investoren und Selbstnutzern
12. Fazit
12.1 Implementierung
12.2 Wandlung
13. Schlussfolgerung
Anhang
Interviewquellen
Interviewpartner
Literaturverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Anmerkung
Zum Autor
Danksagung

Vorwort

Stadthäuser, neudeutsch auch Townhouses genannt, oder einfacher umrissen als innerstädtische Reihenhäuser galten in den späten 1990er und frühen 2000er Jahren in zahlreichen Städten Deutschlands als Königsweg, um steuerkräftige und sozial stabile Milieus in den Innenstädten zu halten – oder sogar sie dahin zu locken.  Vielerorts wurden innerstädtische Flächen für eine Typologie ausgewiesen, die ungeachtet ihrer durchaus städtischen Tradition in England aber auch Norddeutschland gemeinhin als eher „suburban“ galt. Ob in Dortmund, Leipzig oder Berlin galt es, Angebote für Familien oder städtische Milieus mit zu schaffen, die der Wunsch nach dem eigenen Haus aus der Innenstadt zu drängen schien. Mit dem Stadthaus sollte eine, städtebaulich verträgliche Lösung gefunden zu sein, diesem Wunsch zu entsprechen. So auch gerade in Leipzig: In der Anfang der 2000er stark schrumpfenden, gar „perforiert“ genannten Stadt Leipzig , wo Flächenpotentiale in erheblichem Ausmaß vorhanden waren, sollte das Stadthaus noch eine weitere Funktion erfüllen und als Katalysator einer räumlichen Entwicklung und Belebung von Quartieren fungieren. Folgerichtig wurden Bauwillige strukturell und finanziell durch die öffentliche Hand unterstützt und damit ein in Leipzig bislang unbekannter Bautypus etabliert und in seiner städtebaulichen Implementierung begleitet. Nun scheint in Leipzig, im Lichte der dort wie mittlerweile vielerorts zu  beobachtenden „Reurbanisierung“ der Zentren oder Innenstädte die Zeit des Stadthauses bereits vorbei: Zu groß war die Dynamik der Grundstückspreise, zu groß ist nun die Knappheit an Wohnraum, insbesondere preiswertem Wohnraum, als dass das Stadthaus weiterhin – jenseits eines hochpreisigen privatwirtschaftlichen Segments – marktfähig wäre. Konsequenterweise hat sich die Stadt Leipzig auch von einer Förderung dieses Bausteins mittlerweile wieder verabschiedet.

Stadthäuser aber gibt es nun in Leipzig. Nach der nunmehr knapp fünfzehnjährigen Geschichte des Stadthauses in Leipzig ist es daher an der Zeit, sich zu fragen, welche Bedeutung diesem neuen Baustein städtischer Morphologie und städtischer Wohnformen zukommt und zugedacht wird. Mit welchen Strategien wurde seine Etablierung gesteuert und gefördert, zu wessen Gunsten und mit welchen Effekten für die innerstädtischen Quartiere und Nachbarschaften? Was geschieht, wenn eine als

„suburban“ betrachtete Wohnform in innerstädtischen Quartieren etabliert und bewohnt wird?

Henry Fenzlein hat sich in seiner Masterarbeit im Studiengang Urbanistik, die er 2015 an der Professur Stadtplanung an der Bauhaus-Universität Weimar eingereicht hat, diesen Fragen gewidmet. Es ist ihm damit gelungen, eine Geschichte einer bislang kaum beachteten städtebaulichen Typologie und Stadtentwicklungsstrategie der 1990er und frühen 2000er in ihrer besonderen Bedeutung für Leipzig zu umreißen und hinsichtlich ihrer  stadträumlichen und städtischen Qualitäten und Defizite zu analysieren. Hieraus lassen sich auch Lehren für die Weiterentwicklung des Stadthauses als Baustein stadträumlicher Entwicklung ableiten.

1.Einführung

Der Anspruch dieses Buches definiert sich weniger über die Beantwortung spezifischer Forschungsfragen, sondern durch das übergeordnete Forschungsziel, die Leipziger Stadthäuser aus einer möglichst umfassenden Perspektive zu porträtieren. Daraus ergibt sich auch das Anliegen, die Inhalte dieses Buches nicht für einen limitierten Fachdiskurs zu konzipieren, sondern einer möglichst breiten Leserschaftverständlichzu machen.

Wohnen in der Stadt ist in Deutschland seit der Industrialisierung eng mit dem Leben in einer Mietwohnung verknüpft. Das Einfamilienhaus dagegen hat seither frei zu stehen, umgeben von einem Stück Land und frischer Luft. Entgegen der Reihenhaustypologien der Angelsachsensind die Begriffe Stadt und  Einfamilienhaus im deutschsprachigen Raum daher heute schwer zu vereinbaren. Der Begriff „Stadthaus“ erlebt dennoch in vielen deutschen Städten eine Renaissance und erzählt dabei von einer Wohnform, die moderne Städte nicht mehr kennen, aber derzeit wiederentdecken. Hinter dem Stadthaus verbirgt sich die, aus heutiger Perspektive, paradoxe Wohnform des privaten Rückzuges und dem gleichzeitigen Bedürfnis nach städtischer Umgebung.

Entgegen dieser „neuen“ Wohnform leiden nahezu alle deutschen Städte seit längerer Zeit unter der Abwanderung von Bewohnern, die sich ihren Wunsch vom Eigenheim vor den Toren der Stadt erfüllen und damit dem alten Denkmuster von frischer Luft und einem freistehendem Haus folgen. Die negativen Folgen der daraus resultierenden Aufweichung der Grenzen von Stadt und Land, wie beispielsweise die zunehmende Flächenversiegelung, Steigerung des Verkehrsaufkommen oder die Monotonie dieser Orte an sich, sind seit längerem Gegenstand der Forschung. Angestoßen durch Thomas Sieverts, der in diesem Zusammenhang den Begriff Zwischenstadt[1]prägte (vgl. Sieverts 2001), diskutiert man heute die nachträgliche Qualifizierung jener Orte.

Gegenläufig zu dieser Abwanderung in den ländlichen Raum, erfährt die Stadt seit Ende der 1970er Jahre eine „Neue Urbanität“, so der Titel einer vielbeachteten Studie von Hartmut Häußermann und Walter Siebel (vgl. Häußermann / Siebel 1987). Demnach hat die Emanzipation der Frau, der Aufstieg der Dienstleistung oder auch die Abkehr von Leistungsorientierung zur Formung einer neuen urbanen Stadtgesellschaft beigetragen, welche den Kräften der Abwanderung entgegen wirkt. Der sich ergebende Leerraum durch Abwanderung in den ländlichen Raum bietet dabei Möglichkeitsräume für neue Formen von Urbanität innerhalb der Stadt.

Inmitten dieser gesellschaftlichen Transformationsprozesse und deren andauernder Weiterentwicklung ist die eingangs beschriebene „neue“ städtische Wohntypologie des Town- oder Stadthauses entstanden, die derzeit in den Großstädten der Bundesrepublik gefragt ist. Auf innerstädtischen Brach- und Konversionsflächen sind seit der Jahrtausendwende vermehrt Einfamilienhäuser, zumeist in Reihenbauweise, entstanden, die versuchen,die Dissonanz der Begriffe „Stadt“ und „Einfamilienhaus“ zu überwinden.  Das Einfamilienhaus in der Stadt vermittelt dabei zwischen den Bedürfnissen bürgerlicher Stadtflucht und jenen der Urbaniten, die das Modell des privaten ländlichen Rückzuges verneinen.

Leipzig ist eine Stadt,die vom politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strukturwandel der Wiedervereinigung wie kaum eine Zweite in Deutschland betroffen ist. Der Niedergang der industriellen Fertigung, der Verfall der gründerzeitlichen Wohnquartiereund die enorme Abwanderung hatdie Stadt dabei vor große Probleme gestellt.

Seit der Jahrtausendwende sind, bedingt durch die  angedeuteten  gesellschaftlichen und politischen Bedingungen, auffallend viele Stadthäuser in der inneren Stadt entstanden. In der Forschung wird der Begriff „Stadthaus“  deshalb häufig explizit mit der Stadt Leipzig in Verbindung gebracht. Dabei wird deutlich, dass Stadthäuser in Leipzig die Dimension eines strategischen Elementes der Stadtentwicklung eingenommen haben. Die Stadthäuser sind dabei nicht aus den Kräften des Immobilienmarktes entstanden, sondern als strategisches Instrument der Stadterneuerung aus der Leipziger Stadtplanung hervorgegangen. 2006 wurde das Dezernat für Stadtentwicklung und Bau der Stadt Leipzig als Planungsakteur für die aktive Förderung von Stadthausprojekten mit dem Deutschen Städtebaupreis ausgezeichnet.

Das Interesse an der Thematik der Leipziger Stadthäuser ergibt sich zusätzlich aus meinem persönlichen biografischen Hintergrund, 1995 aus  Leipzig in ein neu erbautes Eigenheim außerhalb der Stadt gezogenzu sein. Die Entscheidung meinerEltern wurde unter dem Umstand getroffen, dass der Neubau von Einfamilienhäusern innerhalb des inneren Stadtgebietes zu diesem Zeitpunkt sowohl nicht finanzierbar, als auch aus der Perspektive der Stadtentwickler nicht vorstellbar war. Dasses wenige Jahre später doch möglich wurde, in der inneren Stadt Einfamilienhäuser zu bauen und daraus in der Folge ein nicht übersehbarer Immobilientrend wurde, sorgte bei mir für Irritationen und  Interesse an dieser Wandlung.

1.1Problemstellung und Zielsetzung

Die Meinungen über den Leipziger Stadthaustrend gehen indes weit auseinander. Nicht wenige zeigen sich von der vorstädtischen Wohnform mitten in der Stadt  irritiert, gleichzeitig erfreut sich das Wohnen im Stadthaus einer enormen Nachfrage. Während einige Projekte mit Architekturpreisen ausgezeichnet werden, sind andere wiederum der Sachbeschädigung durch Protestbürger ausgesetzt. Einerseits wird der Mut zum Wagnis „Stadthaus“ innerhalb der Leipziger Stadtentwicklung hervorgehoben, andererseits die Aufweichung des gründerzeitlich geprägten Stadtkörpers von den Verfechtern der Europäischen Stadt[2]bemängelt. Es stehen sich die Absicht der Förderung von bezahlbarer Eigentumsbildung und die Angst vor Verdrängungsprozessen gegenüber. Eine Stadtentwicklung ohne Entwickler trifft aufeinen Immobilientrend der Bauträger.Die Doppeldeutigkeit - die auf den ersten Blick im Wesenszug des Typus Stadthaus steckt - deutet sich auf weiteren Betrachtungsebenen an und lässt das Stadthaus als paradoxen Stadtbaustein erscheinender ein genaueres Porträt benötigt.

Die Thematik der Leipziger Stadthäuser wurde in der Forschung bisher eher punktuell und gezielt aufgearbeitet, wie am Beispiel der Fallstudie Leipzig Connewitz, die in Tilman Harlanders Sammelband „Stadtwohnen“ (vgl. Holl 2007) erschien. Die Fallstudie wird darin neben einer Vielzahl weiterer europäischer Projekte, als positives Beispiel für das Spektrum zeitgenössischer, innerstädtischer Wohnformen angeführt.  EinweiteresBeispiel einer spezifisch fokussierten Auseinandersetzung mit der Thematik der Leipziger Stadthäuser liefern Annett Steinführer, Annegret Haase und Sigrun Kabisch in einem Aufsatz zur Bewertung der Leipziger Reurbanisierung zwischen Planung und Realität (vgl. Haase / Kabisch / Steinführer 2009). Diese empirische Studie beschäftigte sich vordergründig mit der Leipziger Schrumpfungsproblematik und möglichen Steuerungsmechanismen durch die Politik. Die Stadthäuser wurden dabei als eines von weiteren Instrumenten vorgestellt, standen aber nicht im wesentlichen Fokus. Eine Abschlussarbeit an der Universität Leipzig im Fachbereich Geografie bewertete wiederum Standorte auf eine mögliche Eignung für Stadthausprojekte und dürfte für Bauherren und Bauträger interessant sein. Die Autoren befassten sich mit der Forschungsthematik stets aus einem spezifischen Blickwinkel, ohne den Ansatz einer ganzheitlichen Betrachtung zu wählen. Den bisher einzigen Versuch einer umfassenden Auseinandersetzung lieferte die Stadt Leipzig 2011 im Rahmen ihrer Heftreihe „Beiträge zur Stadtentwicklung Nr.51 - Stadthäuser in Leipzig“ (vgl. Stadt Leipzig 2011). Dieser Beitrag ist allerdings wiederum zu einseitig aus der Perspektive der Stadtentwicklung formuliert und seine Ausführungen dabei oberflächlich.

Zu den Berliner Town Houses finden sich dagegen umfassendere Arbeiten wie der gelungene Beitrag der Disko Heftreihe des Studiengangs Architektur und Stadtforschung der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg „Disko 19 - Townhouses“ von Nine Budde, Kito Nedo und Robert Burghardt (vgl. Budde / Burghardt / Nedo 2010). Darin werden die Berliner Town Houses aus verschiedenen Blickwinkeln, wie politischen Einzelinteressen, Bewohnermentalität, Stadtgesellschaft und Stadtplanung, diskutiert.

Seit 2011 hat sich der Stadthaustrend darüber hinaus verändert, andere Tendenzen deuten  sich innerhalb der Stadtentwicklung an, sodass die Stadthäuser eine schwierige Zukunft haben. Die starke Bevölkerungszunahme und die damit verbundene erhöhte Nachfrage nach Wohnraum haben in Leipzig in den letzten Jahren wieder das Investitionsklima für Geschosswohnungsbau geschaffen.

Die dargelegten Argumente: Der stadträumliche Wandel durch Stadthäuser, der biografische Hintergrund,  die paradoxen Bewertungsebenen  des Stadtbausteins, der bisherige Umgang mit dem Forschungsgegenstand, ein mögliches Ende des Stadthaustrends – verdeutlichen die Motivation dieser Arbeit, die Leipziger Stadthäuser umfassend zu porträtieren. Ziel dabei ist es, das Spektrum von Historie, Funktion, Planungskonstellation, Bewohnern und räumlicher Dimension und Entwicklung in Zusammenhang zu setzen, um so dem Anspruch an ein vielschichtiges Porträt gerecht zu werden. 

1.2Methodik

Dem Forschungsobjekt „Stadthaus“ geht die Annahme einer fehlenden Eindeutigkeit des Begriffs voraus. Der Begriff Stadthaus wird deshalb von Beginn an stellvertretend für das Forschungsziel verwendet, der Unschärfe der Thematik durch ein gezieltes Porträt entgegenzuwirken. Es wird davon ausgegangen,dasssich der Forschungsgegenstand im Fortlauf der Arbeit sukzessive konkretisiert. Um der Absicht einer differenzierten Betrachtung gerecht zu werden, gliedert sich die Arbeit in drei Teile, die sowohl eigenständig, als auch im Zusammenhang betrachtet werden können. Diese Teilbereiche können auch als Arbeitsphasen begriffen werden. Die jeweiligen Phasen beschäftigen sich auf einer jeweils unterschiedlichen Maßstabsebene mit dem Forschungsobjekt. In der Abfolge der drei Teile wird sich dem Forschungsobjekt stufenweise angenähert und der Rückschluss zum vorherigen Maßstab gesucht.

Im ersten Teil steht der Begriff Stadthaus noch eigenständig, ohne die Zuweisung eines konkreten Ortes oder zeitlichen Rahmens und wird allgemein auf seine Herkunft, Identität und Funktion untersucht. Damit soll aufgezeigt werden, das die Thematik der Stadthäuser nicht auf Leipzig begrenzt ist, sondern, sowohl in anderen Städten, als auch zu anderen Zeiten, eine Rolle spielt. Leipzig wird deshalb zunächst bewusst ausgeklammert.

Im zweiten Teil wird der Gegenstand Stadthaus mit dem Ort Leipzig verknüpft und auf seine Funktion und Dimension im konkreten städtischen Umfeld untersucht. Dabei wird davon ausgegangen, dass sich der Typus des Stadthauses je nach Ort unterschiedlich verhält und sich beispielsweise die Berliner Town Houses von den Leipziger Stadthäusern unterscheiden. In diesem Teil soll der fehlenden, umfassenden Auseinandersetzung mit der funktionalen, räumlichen, sozialen Dimension der Stadthäuser in Leipzig Rechnung getragen werden.