Lernen durch Videomodellierung - Christos K. Nikopoulos - E-Book

Lernen durch Videomodellierung E-Book

Christos K. Nikopoulos

0,0

Beschreibung

Videomodellierung (VM) ist eine der evidenz-basierten Methoden für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Autismus. Diese Methode hat in den letzten Jahren an Popularität deutlich zugenommen. Um die Lernprozesse von Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) zu verbessern, hat eine Akzentverschiebung von sprachbasierter Unterweisung hin zu eher visuellen Lehrangeboten stattgefunden. Heute nutzt die Mehrheit der Bildungsprogramme visuelle Hilfen. Die zahlreichen Erfolge, die mithilfe von Videomodellierung erreicht werden, erstrecken sich auf alle Leistungsbereiche von Menschen mit ASS. Das Buch liefert einen praxisorientierten Einblick in strukturiertes, kleinschrittig angelegtes Lernen, das helfen kann, Menschen mit ASS komplexes Verhalten systematisch beizubringen.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 76

Veröffentlichungsjahr: 2021

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Der Autor

Dr. Christos K. Nikopoulos ist Direktor und Gründer von Autism Consultancy Services Ltd, London, UK, und Autor zahlreicher Fachpublikationen.

 

Die Übersetzerin

Andra Bernard ist Mediengestalterin, die mehrere Bücher illustriert hat, u. a. »Vera Bernard-Opitz, Lernziel: Positives Sozial- und Kommunikationsverhalten. Soziale Cartoons für Kinder im Grundschulalter«, Kohlhammer 2020.

Christos K. Nikopoulos

Lernen durch Videomodellierung

Praktische Hilfen für Eltern, Therapeuten und Lehrer von Kindern im Autismus-Spektrum

Übersetzt aus dem Englischen von Andra Bernard

Verlag W. Kohlhammer

Mayuraki,»we will do it all… everything… on our own« (SP)

Gewidmet meiner geliebten Frau

 

Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwendung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechts ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen und für die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Die Wiedergabe von Warenbezeichnungen, Handelsnamen und sonstigen Kennzeichen berechtigt nicht zu der Annahme, dass diese frei benutzt werden dürfen. Vielmehr kann es sich auch dann um eingetragene Warenzeichen oder sonstige geschützte Kennzeichen handeln, wenn sie nicht eigens als solche gekennzeichnet sind.

Dieses Werk enthält Hinweise/Links zu externen Websites Dritter, auf deren Inhalt der Verlag keinen Einfluss hat und die der Haftung der jeweiligen Seitenanbieter oder -betreiber unterliegen. Zum Zeitpunkt der Verlinkung wurden die externen Websites auf mögliche Rechtsverstöße überprüft und dabei keine Rechtsverletzung festgestellt. Ohne konkrete Hinweise auf eine solche Rechtsverletzung ist eine permanente inhaltliche Kontrolle der verlinkten Seiten nicht zumutbar. Sollten jedoch Rechtsverletzungen bekannt werden, werden die betroffenen externen Links soweit möglich unverzüglich entfernt.

1. Auflage 2021

Alle Rechte vorbehalten

© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Print:

ISBN 978-3-17-030151-1

E-Book-Formate:

pdf:        ISBN 978-3-17-030152-8

epub:     ISBN 978-3-17-030153-5

 

 

Vorwort zur Reihe »Autismus Konkret«

 

Das afrikanische Sprichwort »It takes a village to raise a child«/Deutsch: »Es braucht ein Dorf, um ein Kind zu erziehen« gilt sicherlich auch für Kinder und Jugendliche mit einer Autismus-Spektrum-Störung (ASS). Und vielleicht braucht es sogar mehr als ein Dorf: nämlich das Wissen von Spezialisten in verschiedenen Ländern, die sich Autismus Spektrum Störungen auf ihre Fahnen geschrieben haben. Ziel unserer Reihe »Autismus Konkret« ist es daher, das Wissen internationaler Experten zu relevanten Themen zu bündeln und Eltern, Therapeuten, Lehrer und anderen Fachkräften dieses Wissen in leicht verständlicher Form und so konkret wie möglich zur Verfügung zu stellen.

Oft ist es nicht einfach, Betroffenen mit ASS zu helfen. Eltern und Fachkräfte wissen, dass Zeit besonders kostbar ist, wenn es darum geht, effektiv Veränderungen zu bewirken. Daher sollten Erklärungsmodelle und Hilfen bewährt und wissenschaftlich anerkannt sein. Wir haben daher Kollegen in Deutschland, Österreich, England und den USA gebeten, ihr Spezialwissen über bestimmte evidenzbasierte und praxiserprobte Therapiemethoden in kurzer, konkreter Form mit unseren Lesern zu teilen.

Hierbei wird ein Einblick in folgende Themen gegeben: Lernen durch ABA und AVT (Applied Behavior Analysis und Autismusspezifische Verhaltenstherapie), Anders denken lernen – Kognitive Verhaltenstherapie zum Abbau von Frustration und Ängsten und zum Aufbau von sozialen Fähigkeiten, Lernen von positiven Alternativen zu Verhaltensproblemen, Lernen im Alltag – Natürliches Lernen, Lernen im Sekundentakt – Präzisionslernen, Lernen durch Apps, Lernen durch visuelle Hilfen, Lernen durch Videomodellierung, Lernen von Spiel und Beziehungen zu Gleichaltrigen: Integrierte Spielgruppen, Lernen im inklusiven schulischen Setting, Medikamentöse Hilfe und die Suche nach den Ursachen von Autismus-Spektrum-Störungen.

Wir hoffen, dass die Bände unserer Reihe »Autismus Konkret« Eltern und Kollegen helfen, Ursachen besser zu verstehen und wissenschaftlich anerkannte Therapiemethoden kennenzulernen. Hierbei wünschen wir, dass jeder Praxisband der Serie einen Beitrag leistet, therapeutische Hilfen für Betroffene mit ASS konkreter zu machen und Kindern und Jugendlichen mit ASS eine echte Chance zu geben, sich so zu entwickeln, dass eine Teilhabe am Leben der Gemeinschaft auch tatsächlich möglich wird. Und dazu braucht es sicher »Mehr als ein Dorf«.

Dr. Vera Bernard-Opitz, Herausgeberin der Reihe, Irvine,

September 2021

 

 

Geleitwort zu diesem Band

 

Videomodellierung (VM) ist eine der evidenz-basierten Methoden für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Autismus, die in den letzten Jahren an Popularität deutlich zugenommen hat. Sie passt zu den Interessen der Betroffenen mit ASS, da Fernsehen, Filme und Apps oft zu ihren wichtigsten Freizeitinteressen gehören und Handys es sehr einfach machen, Filme zu erstellen. Es gibt kaum etwas, das nicht durch VM gelernt werden kann, seien es nicht-verbale oder sprachliche Äußerungen, schulische Fähigkeiten, angemessenes Spiel und Sozialverhalten oder Tätigkeiten zur Selbstversorgung. Auch Verhaltensprobleme können nach einem Verständnis seiner Funktionen gezielt durch VM abgebaut werden.

Christos Nikopoulos ist BCBA mit langjähriger Erfahrung mit Kindern und Jugendlichen mit ASS und anerkannter Spezialist für diese Methode. Er beschreibt die Vielzahl der Lern- und Verhaltensziele, die mit VM erreicht werden können.

Interessanterweise wird aus der Forschung deutlich, dass verschiedene Methoden, Modellfilme zu erstellen, effektiv sind.

Mit diesem Praxisbuch erhalten Eltern, Lehrer und Therapeuten einen Einblick in strukturiertes, kleinschrittig angelegtes Lernen, das helfen kann, Menschen mit ASS komplexes Verhalten systematisch beizubringen. Auch wenn im Idealfall eine Ausbildung als Verhaltenstherapeut oder BCBA für diese Methode sinnvoll ist, können viele der folgenden Anregungen auch mit etwas technischem Geschick und Eindenken in die Fähigkeiten und Interessen der Betreffenden sinnvoll eingesetzt werden.

Vera Bernard-Opitz, BCBA-D und Herausgeberin der Reihe »Autismus Konkret«, Irvine, September 2021

 

 

Inhalt

 

Vorwort zur Reihe »Autismus Konkret«

Geleitwort zu diesem Band

Einführung

1     Definition der Videomodellierung (VM)

2     Arten von Videomodellierung

2.1    Videomodellierung einer dritten Person

2.2    Point-of-view (POV)-Videomodellierung

2.3    Videomodellierung mit Anleitung

2.4    Video-Aufforderung

2.5    »Priming«-Videomodellierung

2.6    Video-Selbstmodellierung (VSM)

3     Videomodellierung in der Praxis: Wie man Videomodellierung im Unterricht anwendet

3.1    Akademische Fähigkeiten

3.2    Selbsthilfefähigkeiten

3.3    Kommunikation und Konversation

3.4    Spielfähigkeiten/Soziale Fähigkeiten

4     Videomodellierung in der Praxis: Wie Videomodellierung einige Verhaltensauffälligkeiten verringert

4.1    Herausforderndes Verhalten

5     Videomodellierung und Training für Therapeuten

5.1    Richtlinien für den Entwurf von Videomodellierungsentwürfen

5.2    Ausblenden der Verwendung von Videomodellierung

5.3    Empfohlene Ressourcen

Schlussfolgerung

Literatur

 

 

Einführung

 

Um Kindern mit ASS (Abk.: Autismus-Spektrum-Störungen) das Lernen zu erleichtern, hat man in den vergangenen Jahren vermehrt visuelle Hilfen statt sprachunterstützter Instruktion eingesetzt (Bondy & Frost, 2001). Es hat sich gezeigt, dass Kinder mit ASS gegenüber gleichartigen Kontrollgruppen verbesserte Fähigkeiten bei visuellen Diskriminationsaufgaben zeigten (Mottron, 2011; Shipley-Benamou et al., 2002). So ist es verständlich, dass die meisten aktuellen Lernprogramme für Kinder mit ASS visuelle Hilfen durch Bilder, Aktivitätspläne und Videos einsetzen (Rao & Gagie, 2006).

Aufgrund der Fortschritte in der Informations- und Kommunikationstechnologie wurden in den letzten Jahrzehnten zahlreiche innovative Anwendungen für Personen mit ASS und anderen neurologischen Entwicklungsstörungen entwickelt. Dieser Trend hat zur Entwicklung von effektiven technologiebasierten Interventionen geführt, die eine Vielzahl von visuellen Unterstützungen enthalten (Doughty et al., 2007). Videomodellierung (VM) wurde von vielen Autoren als effektive und hilfreiche Methode für Kinder mit ASS beschrieben. Durch VM werden zahlreiche Fähigkeiten für Kinder mit ASS angebahnt (Bellini & Akullian, 2007; Kagohara, 2010; Nikopoulos & Keenan, 2006; Tereshko et al., 2010; Wang, Cui, & Parrila, 2011). In den folgenden Kapiteln werden mehrere VM-Methoden beschrieben, die wichtigsten Forschungsergebnisse zusammengefasst sowie Empfehlungen für die Praxis vorgestellt. Das Buch konzentriert sich dabei auf VM-Anwendungen bei Kindern mit ASS, auch da die meisten Forschungsarbeiten sich auf diese klinische Population konzentriert haben. Da deutlich ist, dass viele Kinder mit ASS gerne Videos sehen (Wang & Koyama, 2014), stellt VM ein effektives Mittel zum Selbstlernen dar. Darüber hinaus gehören Videos zu eigenständigen Freizeitaktivitäten von Kindern. Wie angedeutet, ist VM allerdings nicht nur für Kinder mit ASS eine wirksame Lernstrategie.

 

 

 

 

1          Definition der Videomodellierung (VM)

 

Um die Bedeutung von VM zu verstehen, müssen wir uns mit dem Lernen am Modell befassen, denn hierauf beruht diese Methode. Beim Modellernen wird ein bestimmtes Verhalten des Kindes dargestellt und das Verhalten des Beobachters anschließend danach beurteilt, ob es vergleichbares Verhalten wie das Modell zeigt oder nicht (Martin & Pear, 2017). Modellernen findet statt, wenn der Beobachter das Verhalten des Modells nachahmt. Theoretisch gesehen kann die Modellvorgabe als Auslöser betrachtet werden, mit der Stimuluskontrolle über das Verhalten des Beobachters ausgeübt wird. Da das Verhalten des Beobachters schon nach einer einzigen Modellvorgabe verändert werden kann (Deguchi, 1984), kann dies ein wirkungsvolles Mittel sein, um sowohl neue Verhaltensweisen zu erlernen wie auch bereits erworbene zu verbessern. Eine einfache Definition von VM ist die