Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Ich hatte also vor einer ganzen Weile die Frau Dr. Hansen lesend zurückgelassen. (War die doch ausreichend beschäftigt und ich konnte Ihnen in der Zwischenzeit so'n bißchen was erzählen. Oder hätten Sie derweil auch lieber gelesen?) Was sie da nun zum 2. Mal in Händen hielt, gefiel ihr recht gut – so gut sogar, daß sie sich spontan zu ein paar Zeilen an die ihr unbekannte Verfasserin entschloß. (Das mit den von dieser beschriebenen Gefühlen, das hatte sie nämlich zu ihrer Seemannsfrauenzeit ganz genau so gefühlt.) So machte sich also am 27. Dezember des Jahres 1991 die erste Karte von Jena auf nach 4050 Mönchengladbach. DAMIT WAR UNSER SCHICKSAL BESIEGELT! – Durch eine unschuldige kleine Karte, durch ein paar Sätze voller Gefühle ... Die Frau Hansen mit dem tchirurgischen Doktortitel (schreib ich meistens falsch) und die Frau Rohmer, der die drei entscheidenden Jahre bis zum Abitur fehlen (das sag' ich Ihnen lieber gleich, eh Sie das aus zweiter Hand erfahren) – also die beiden machten sich auf den Weg zur Amelie und zur Maria. Es begann spannend zu werden ... Brief folgte auf Brief – denn zurückgeschrieben habe ich immerzu – und so halte ich das bis zum heutigen Datum. Und da die Amelie diese goldene Regel des Postverkehrs ebenso beherzigt – ja, da häufelt sich halt so einiges aufeinander. Wenn ich nun schon höflich drängend dazu aufgefordert worden bin Geschichten von uns oder so zu schreiben, dann benötige ich zumindest Material aus dem sich ggf. und möglicherweise etwas machen ließe. Recherchieren muß auch die beste Autorin – warum also sollte ich nicht müssen! Die wirklich guten, die recherchieren bis kurz nach Ablauf von zwei Jahren und schreiben das eigentliche Buch zwischen Weihnachten und Neujahr. (Da passiert ja ohnehin nicht viel. Da wartet doch nur jeder auf Silvester.) Falls Du, meine bisher liebe Amelie, nun Dein Zeitlupentempo nicht ein wenig in Beschleunigung versetzt, sehe ich nicht allzu rosig für unser gemeinsames Projekt.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 39
Veröffentlichungsjahr: 2014
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Maria Rohmer
Liebe Amelie! EINS
Zwei wie wir...
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
1. Kapitel
2. Kapitel
3. Kapitel
4. Kapitel
5. Kapitel
Impressum neobooks
Auf daß ihr suchet und findet
«Da sitze ich also inmitten von Hunderten Maria-Briefen und Karten und soll
eine Auswahl der für mich besten zusammenstellen» - schreibst Du mir in
aller Seelenruhe, anstatt weiter zu wühlen in den Tiefen Deiner Schreibtischschublade.
Ich will mal für Dich hoffen, daß Du wenigstens alle beisammen und nicht
welche in jener Kiste und andere in jenem Kasten abgelegt hast.
Daß in Deinem letzten dienstlichen Führungszeugnis nebenOrdnungeinSehr guteingetragen wurde, steigert noch den Grad meiner Hoffnung. Wär’ doch auch wahrscheinlich nicht so günstig, wenn Du Deine Patienten, die Dir uneingeschränkt grenzenlos vertrauen, während der O.P. wieder falsch zusammenmontierst, nur weil Du einzelne Teilstücke gerade nicht auffinden kannst. So was ließe sich auf Dauer bestimmt nicht verheimlichen.
Wenn ich nun schon höflich drängend dazu aufgefordert worden binGeschichten von uns oder sozu schreiben, dann benötige ich zumindest Material aus dem sich ggf. und möglicherweise etwas machen ließe.Recherchierenmuß auch die beste Autorin – warum also sollte ichnichtmüssen! Die wirklich guten, die recherchieren bis kurz nach Ablauf von zwei Jahren und schreiben das eigentliche Buch zwischen Weihnachten und Neujahr. (Da passiert ja ohnehin nicht viel - da wartet doch nur jeder auf Silvester.)
Falls Du, meine bisherliebe Amelie, nun Dein Zeitlupentempo nicht ein wenig in Beschleunigung versetzt, sehe ich nicht allzu rosig für unser gemeinsames Projekt. Bis Weihnachten ist nicht mehr lange hin ...
Daß Peter genau so besessen von der Buchidee ist, wie der von mir bei Euch hinterlassene Eindruck an Eurem Telefon ist angenehm zu hören und versetzt mich in freudige Erwartung.Daß er Dich – wie Du schreibst – mehrmals täglich bedrängt, nehme ich als Zeichen seiner zunehmenden Spannung.
«Hast Du nun endlich die Briefe für Mariechen rausgesucht?» - man höre Mariechen! «Nun mach aber mal!»
Ich suche Schatz, ich suche...«Wo ist mein weißer Pullover?» «Hast Du die Jeans schon gewaschen?» «Geh’ doch in’s Bett wenn Du so erkältet bist.» « Wann gibt es Abendessen?» «Kommst Du Krimi gucken?» «Machst Du dem Hund die Zecke raus?» «Hast Du überhaupt heute eingekauft?» «Packst Du mir gleich die Reisetasche für nächste Woche?»
«Wie weit bist Du nun mit den Briefen???»Gleich Schatz, gleich. Ich suche, ich suche...
DAS, Amelie, das ist einer der Dialoge, die ich liebe! DAS wäre glatt etwas für unsere Geschichten. Sollten wir uns überlegen, ob wir’s mit reinnehmen. Auf jeden Fallmit reinnehmenmüssen wir die Geschichte unseres Kennenlernens – nicht daß eventuelle Leserinnen oder noch eventuellere Leser sich verwundert fragen, wieso da ständig und seit nunmehr zwanzig Jahren Briefliches zwischen Jena und – erst Mönchengladbach, dann Rath-Anhoven, jetzt Niederkrüchten hin und her versendet wird. Auch mit rein kommt der zweite Abschnitt der dritten Seite DeinesSuchmeldungs-Briefes. Und das jetzt gleich sofort. Das ist einstimmig unwiderruflich beschlossen! Da steht also zu lesen: «Ja, wieweit bin ich mit dem Briefe-Suchen? Wieweit komme ich überhaupt? Komme ich überhaupt weiter? Bis nachts zwei Uhr kannst selbst Du als beste Freundin nicht verlangen, wo ich doch gegen halb sechs schon wieder aufwachen muß! Ich soll Dir also vier oder fünf Deiner gelungensten Briefe schicken.»
("Gelungen" im Sinne von seltsam – wunderlich sind die alle– Anmerkung von M.)
«Du bist drollig!» (Das behauptet mein Gemahl auch des öfteren. Langsam fang’ich an, das zu glauben– Anmerkung von M.)
«Weißt Du überhaupt wieviele sich da im Laufe der Zeit angesammelt haben?»
(Klar, weiß ich das, hab’die schließlich eigenhändig auf den Postweg gebracht.Außerdem,der Amelie-Briefe-Berg ist nun auch nicht gerade mitleidsvoll zu belächeln! – wieder eine Anm.)
«Erinnerst Du Dich an all das, was Du mir geschrieben hast?» (Och, da laß’ich mich gerne mal überraschen. Sicher nicht uninteressant– A.v.M.)
«Was hab’ ich da bis jetzt nicht alles gefunden – dickeBriefe (faß’Dich doch mal kurz, sagt mein Gemahl auch des öfteren!), Zettel, (lose Zettel? Du mußt Dich irren! Guck’noch mal auf den Absender! – A.v.M.),
Briefe ohne Umschlag (Du willst doch wohl nicht behaupten, das seien die durch meine Schuld!?) -, Umschläge ohne Briefe (vielleicht begegnen die mir in meiner Schublade. Sollte dem so sein, werden sie Dir in nächster Zeit zugehen), diese und jene Karte, von der ich bis gestern nicht wußte, das ich die gleiche noch dreimal besitze,
(drei gleiche in 240 Monaten!- willst Du die etwa im nachhinein reklamieren?), förmlicheBriefe (die Form, die hab’ich stets bewahrt, in jedweder Lebenslage. Und am Anfang unserer brieflichen Kontaktaufnahme, da warst Du eben noch die Frau Hansen, ähnlichwie ich die Frau Rohmer war.
