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"Es hat geregnet, wenn die Briefe ankamen oder es hat die Sonne geschienen, manchmal lag hoch der Schnee und es war nicht leicht bis zu unserem Haus vorzudringen, die Jahreszeiten haben gewechselt, die Postboten haben gewechselt, die Jahre sind vergangen – geblieben ist ein Berg an Post, entstanden ist eine Freundschaft. Beides möchten weder ich noch Du missen und lassen es uns nicht wegnehmen (da soll mal einer kommen!) Nähe ist entstanden, die größer nicht sein könnte, säßen wir zweimal in der Woche im Café und würden klönen. Nähe wird manchmal erst zu Nähe durch Ferne! Wir haben zu einer Zeit, da Deutsch-Deutsche Verbrüderung enthusiastisch angesagt war, eine ganz unspektakuläre Beziehung begonnen und aufgebaut, ausgebaut und beiderseitig für gut befunden. "Bringe Glück, Frieden und Gesundheit – Jahr 2013. Uns und allen, die uns wichtig sind, allen, die wir lieben." Bringe Ordnung in das Chaos auf meinem Schreibtisch, hätte ich noch hinzufügen sollen. Aber da bin ich recht zuversichtlich. Irgendwann in (ferner?) Zukunft wird der Berg abgearbeitet sein. Man darf sich nur nicht nervös machen lassen – immer alles schön peu à peu und ja nicht hektisch werden. Ansonsten kriegt man nur Magenbeschwerden und rote Flecken im Gesicht. RUHE BEWAHREN. LANGSAM BIS ZEHN ZÄHLEN – lauten die obersten zwei Gebote. Kleben bei mir z. Zt. in Riesenlettern auf blauem Hintergrund an jeder Zimmertür. (Blau beruhigt so schön.) An diese Gebote halte ich mich – bevor ich regelmäßig durchdrehe. Ansonsten aber bin ich wie gesagt recht zuversichtlich, auch was dieses neue Jahr anbetrifft. Es wird schon werden ... Seien wir doch mal neugierig.
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Seitenzahl: 30
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Maria Rohmer
Liebe Amelie! ZWEI
Zwei wie wir...
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
1. Kapitel
2. Kapitel
3. Kapitel
4. Kapitel
5. Kapitel
Impressum neobooks
Spinnspaß
Sollen wir das, was wir manchmal als Spinnspaß geschrieben haben, machen? –
Ein Buch mit Auszügen aus unseren Briefen?
Immerhin,geschriebenist doch schon alles. Bliebe nur das bißchen Arbeit des Sichtens, Sortierens und Zusammenstellens ...
Ja, Amelie, und wie stellst Du Dir das so vor? An wem bitte solldas bißchen Arbeitkleben bleiben?
Laß‘ mich raten ...
Ichhab‘ schließlich Zeit. Der Ehemann wieder mal unanwesend, Nichte und Neffe bis zwanzig nach eins in der Schule, mein Arbeitsplatz, die Drogerie in Holt – nach 50jährigem Bestehen und seit zwei Jahren geschlossen, der kleine Haushalt, die winzige Wohnung, das Manuskript zu meinem dritten Buch fast komplett von der Roh- in die (vorläufige) Endfassung verbracht (die restlichen hundert Seiten erledige ich während zwei oder drei Nachtstunden) – Amelie, Du hast Recht. Der Moment ist – und alle Sterne stehen – so günstig wie nie: Unser Buch, das könnte ich fix dazwischenschieben.
Wenn der Ehemann erst mal heimkehrt – die sechs Wochen nähern sich dem Ende -, dann kommt man zu nichts. Aber wem erzähl‘ ich das?!
Und haben wir nicht in einem – wie ich zugeben muß – launigen Augenblick mit fester Stimme der Welt verkündet:WIR MACHEN ES!
Wir machen es, sobald wir alle senkrecht stehenden Deckel in Steilposition aus dem Weg geräumt haben!
Du, Amelie, seit Mittwoch Abend (Du weißt derMittwochistmeinTag) also seit dem Abend, genau seit 20.15 Uhr sieht es so aus, als hätte ich den ersten Deckel beiseite geschafft.
Jedenfalls hab‘ ich mir in genau dem Moment einen neuen, noch nadelspitzen Bleistift und ein Bündel weißes, noch unschuldiges Papier geschnappt, zwei Liter Kaffee aufgebrüht, die Schreibtischlampe angeknipst – und seither sitze ich hier, an meinem kampferprobten Schreibtisch.
Ich bin dabei meinen Teil des Versprechens einzulösen.
Da ich nun gerade mal Zeit hab‘ ... Und das Ganze ja eh kurz und bündig werden soll ... Und – im Spinnen sei ich ohnehin TOPP, hat Julian gesagt. TOPP, EINS PLUS sogar!
Auf daß ihr schreibet und euch nahekommt
Mit den folgenden drei Sätzen werde ich’s beweisen.
Daß ich’s auch kurz und bündig kann.
Kurz und bündig, informativ, sich auf das Wesentliche beschränkend, ohne Ausschweifungen irgendwelcher Art, ohne vom Thema auch nur einen Buchstaben abzuweichen – wohl aber mit Punkt und eventuellem Komma, lasse ich Sie wissen wie das denn nun war – damals im Jahre 1991. Um genau zu sein: Es war so ziemlich gegen Ende des Jahres, noch genauer – es war der 2. Weihnachtstag. Da nämlich hatte die Oberärztin der Tchirurgie (schreib’ ich meistens falsch, korrigieren Sie mich!), hatte eine gewissene Frau Dr. Amelie Hansen Zeit. Ja, auch das kam und kommt immer mal wieder vor. Nach dem Dienst am Heiligen Abend durfte sie die beiden Weihnachtsfeiertage, daheim im Schoße der Familie das tun, was viele andere auch tun – besinnlich festlich feiern.
Zum Ausgleich durfte sie dann zu Silvester und Neujahr wieder antreten. Da ist auf derTchirurgischenohnehin mehr los.Wie war das?Ohne abzuweichen? ... Ja, ja, schon gut.
Jedenfalls, die Frau Doktor hatte Zeit – z. B. zum Lesen. Was sie immer schon reichlich tat und auch bis heute nicht lassen kann.
(Deswegen akzeptiert sie auch keinen Brief von mir, der unter 210 g wiegt. Ein ganz schöner Streß für mich – das darf ich Ihnen sagen.)
An jenem denkwürdigen Weihnachtstag also, da nahm Frau Hansen (Amelie
