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Sollen wir das, was wir manchmal als Spinnspaß geschrieben haben, machen? – Ein Buch mit Auszügen aus unseren Briefen? Immerhin, geschrieben ist doch schon alles. Bliebe nur das bißchen Arbeit des Sichtens, Sortierens und Zusammenstellens ... Ja, Amelie, und wie stellst Du Dir das so vor? An wem bitte soll das bißchen Arbeit kleben bleiben? Laß' mich raten ... Ich hab' schließlich Zeit. Der Ehemann wieder mal unanwesend, Nichte und Neffe bis zwanzig nach eins in der Schule, mein Arbeitsplatz . die Drogerie in Holt – nach 50jährigem Bestehen und seit zwei Jahren geschlossen, der kleine Haushalt, die winzige Wohnung, das Manuskript zu meinem dritten Buch fast komplett von der Roh- in die (vorläufige) Endfassung verbracht (die restlichen hundert Seiten erledige ich während zwei oder drei Nachtstunden) – Amelie, Du hast Recht. Der Moment ist – und alle Sterne stehen – so günstig wie nie: Unser Projekt, das könnte ich fix dazwischenschieben. Wenn der Ehemann erst mal heimkehrt – die vier Monate nähern sich dem Ende -, dann kommt man zu nichts. Aber wem erzähl' ich das?! Und haben wir nicht in einem – wie ich zugeben muß – launigen Augenblick mit fester Stimme der Welt verkündet: WIR MACHEN ES! Wir machen es, sobald wir alle senkrecht stehenden Deckel in Steilposition aus dem Weg geräumt haben! Du, Amelie, seit Mittwoch Abend (Du weißt der Mittwoch ist mein Tag), also seit dem Abend, genau seit 20.15 Uhr sieht es so aus, als hätte ich den ersten Deckel beiseite geschafft. Jedenfalls hab' ich mir in genau dem Moment einen neuen, noch nadelspitzen Bleistift und ein Bündel weißes, noch unschuldiges Papier geschnappt, zwei Liter Kaffee aufgebrüht, die Schreibtischlampe angeknipst – und seither sitze ich hier, an meinem kampferprobten Schreibtisch. Ich bin dabei meinen Teil des Versprechens einzulösen. Da ich nun gerade mal Zeit hab' ... Und das Ganze ja eh kurz und bündig werden soll ... Und – im Spinnen sei ich ohnehin TOPP, hat Julian gesagt.
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Seitenzahl: 27
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Maria Rohmer
Liebe Amelie! VIER
Zwei wie wir...
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
1. Kapitel
2. Kapitel
3. Kapitel
4. Kapitel
5. Kapitel
6. Kapitel
Impressum neobooks
Viren und anderweitig Medizinisches
Hiermit spreche ich Dir meinen höflichst allerwertesten Dank für den mir eben persönlich zugestellten Brief aus. Nein, nicht durch den reitenden Boten wie neulich, auch nicht durch IPS oder UPS, nicht per Flaschenpost – ich hab’ gehört, die derzeitigen Meeresbewegungen seien sowieso nicht günstig, und die Wasserfließrichtungs-Vorhersage rät auch ab, der Brief kam auch nicht per Postschiff (Gründe wie oben!), nicht in einem der vielen hellblauen Lieferwagen, die quer durch Deutschland unterwegs sind, wurde auch nicht aus einem Flieger über unserem Haus abgeworfen, ebenso wenig fiel er aus einem Ballon, ein Fahrradkurier hatte ihn auch nicht in der Trage-Tasche – wohl aber unser, aus dem herbeigesehnten, leider schon wieder abgelaufenen Urlaub an die Rath-Anhovener Briefkästen heimgekehrte Oberpostbote in seinen Händen.
Trotz seiner immer-noch-Mallorca-Tourist-Tarnung hab’ ich den gleich erkannt. Da nutzte ihm auch die dunkle Sonnenbrille auf seiner postman-nose nichts, die kurze khakigraubeige Hose und das schrillbunte Hawaihemd schon gleich gar nichts, auch die mittelschwarzmahagonibraunen Sandalen sowie die gestreiften Socken konnten mich nicht verwirren – kein anderer als unser Bezirkszusteller braust in so tollkühn gewagtem Tempo über unseren z. Zt. leeren Vorplatz. Bei keinem anderen bockt das gelbe Postauto beim Bremsvorgang so elegant wie bei ihm. Bei keinem anderen müssen die Wagentüren beim Zuschmettern befürchten sich von ihren Angeln zu trennen. Kein anderer drückt derart stürmisch-melodiös den Klingelknopf.
Ich wette, der war früher mal bei der Eilbrief-Verteilung! So was bricht wohl immer wieder aus einem heraus. Der Brief, den er mir also soeben eiligst in die linke Hand drückte – in der rechten balancierte ich Leiter, Eimer und Wischlappen – dieser Dein Brief, der hatte es aber auch in sich: Fünfeinhalb Büttenpapier-Seiten mit eiligst daraufgeworfenen halben und ganzen Sätzen plus eine dreiviertel Seite angefüllt mit dem Bericht über eine bereits stattgefunden habende Operation. Deinen Büttenpapier-Nachrichten hab’ ich angesehen, wie eilig Du es mit denen hattest. Denk’ daran, gesund ist das nicht! Dein Magen wird mir da zustimmen. Den selbigen ständig mit dem Inhalt der Riopan-Tütchen zu konfrontieren – na, ich hab’ da meine Zweifel. Ob die dem auf Dauer nicht aufstoßen?
Aber, das mußt Du aus Deiner chirurgischen Sichtweise fachgerechter aburteilen können als ich mit meinen laienhaften Erfahrungen.
Womit wir uns wieder auf den weitläufigen Pfaden der Medizin bewegen.
Du erzählst mir da in aller Eile – weil auf halbem Weg zur Apotheke – was von Viren und Dich erregenden Bazillen, was von Niesanfällen und Verstopfung Deiner wohlgeformten Nase, was von Geduld – und Stimmenraub, was von Erschütterungen an Eurem Haus, verursacht durch nächtliche von Dir produzierten Hustenanfälle ... Hier wird’s bedenklich. Ob da die Versicherung für grade steht? Ich in Deiner Lage würde mir die Police mal hervorsuchen! So kulant-gefällig wie ehemals zeigen die sich heutzutage nur sporadisch-selten.
Dann läßt du mich entschuldigenderweise noch wissen, daß Deine durch den Virenbefall ohnehin getrübten Sinne nun zu diesen ganzen Übeln auch noch der zeitweiligen Vernebelung unterworfen sind.
Amelie,wenn
