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Heidi Bakers Lebensgeschichte, erzählt von einer engen und langjährigen Mitarbeiterin
Das E-Book Liebe, die wie Feuer brennt wird angeboten von Fontis Media und wurde mit folgenden Begriffen kategorisiert:
Mosambik, Mission, Heidi Baker, Biografie, Afrika, Erweckung
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Seitenzahl: 363
Veröffentlichungsjahr: 2016
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© Copyright 2016 by Cassandra Soars. All rights reserved.
© Copyright der deutschen Ausgabe 2016 by Asaph-Verlag
1. Auflage 2016
Originalverlag: Charisma Media/Charisma House Book Group, 600 Rinehart Road, Lake Mary, Florida 32746
Titel der amerikanischen Originalausgabe: Love Like Fire
Aus dem Englischen übersetzt von Dorothea Appel
Umschlaggestaltung: Lisa Rae McClure/Justin Evans
Satz/DTP: Fontis, Jens Wirth
E-Book-Herstellung: Zeilenwert GmbH 2016
Erhältlich in anderen Sprachen bei/available in other languages from:
Charisma Media, 600 Rinehart Road, Lake Mary, FL 327436 USA
E-Mail: [email protected]
Besuchen Sie die Homepage der Autorin: www.cassandrasoars.com
ISBN 978-3-95459-012-4
Bestellnummer 148012
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Fontis Media GmbH, Postfach 2889, D-58478 Lüdenscheid
[email protected] – www.fontis-shop.de
Mit großer Liebe empfehle ich Cassandra Soars. Ich bin dankbar dafür, wie sich Cassandra mit ihrem ganzen Leben in Pemba eingesetzt hat. Ihr Buch Liebe, die wie Feuer brennt erfasst die Freuden und Herausforderungen des Lebens auf dem Missionsfeld sehr gut. Es beschreibt eine der schwersten Zeiten meines Lebens, aber Gott ist treu und hat mit Rollands wunderbarer Heilung alles über alle meine Vorstellungen hinaus wiederhergestellt. Ich bete, dass jeder, der dieses Buch liest, ermutigt wird, Gott die Kontrolle über sein Leben zu überlassen und für seine Ehre alles zu geben, selbst in schwierigsten Umständen.
Dr. Heidi G. Baker
Mitgründerin und Direktorin Iris Global
Als ich Cassandra Soars’ Buch Liebe, die wie Feuer brennt – über Heidi Baker und ihr Leben – las, fühlte ich mich mitgerissen von Gottes Strom von Liebe und Feuer. Welch ein einzigartiges und vollkommen hingegebenes Leben, welch ein Dienst und welch ein Vorbild! Von ganzem Herzen empfehle dieses Buch für jeden.
Reinhard Bonnke
Gründer Christus für alle Nationen
Heidi Baker ist die imponierendste Christin, die ich kenne. Ihre Geschichte ist eine Geschichte von Liebe, Mitleid und übernatürlicher Kraft. Ihre Geschichte ist imponierend und damit gutes Material für ein imponierendes Buch. Ich bin froh, dass wir nicht nur über einen Teil von Heidis Leben ein Buch haben, sondern über ihr Leben. Wenn Sie gerne Liebesgeschichten lesen, werden Sie dieses Buch lieben. Wenn Sie gerne Geschichten über opferbereite Liebe lesen, werden Sie dieses Buch lieben. Wenn Sie gerne Geschichten über übernatürliche Wunder lesen, werden Sie dieses Buch lieben. Wenn Sie gerne Geschichten über übernatürliche Versorgung lesen, werden Sie dieses Buch lieben. Liebe, die wie Feuer brennt ist ein Buch, das jeder lesen sollte.
Dr. Randy Clark
Gründer und Präsident Global Awakening
Legenden gründen oft auf Wahrheit. Und obwohl die Geschichten in diesem Buch den Legenden ähneln, die wir über die Heiligen früherer Zeiten lesen, kann ich Ihnen versichern, dass in diesem Buch nichts geschönt ist. Diese Geschichten sind alle wahr. Ich kenne keinen Menschen, der Gott so hingegeben ist wie Heidi Baker. In prekären Situationen habe ich persönlich beobachtet, wie sie z. B. gewaltbereite Aufständische beruhigte, vor Medizinmännern mit Giftschlangen in Händen mutig das Evangelium predigte und sterbende Kinder in den Armen wiegte. In jeder Situation ist sie furchtlos. Die Bibel sagt, in der Liebe ist keine Angst. Heidi ist wirklich erfüllt von Liebe, vor allem zu Jesus und danach zu den Geringsten, den Letzten, den Verlorenen und den Gebrochenen. Liebe, die wie Feuer brennt wird Sie gewiss inspirieren, Ihrerseits tiefer zu lieben.
Stacey Campbell
Mitgründerin von Be a HERO
Nur wenige Menschen auf Erden haben die Kapazität und den Eifer zu lieben wie Heidi Baker. Sie liebt wie ein unlöschbares Feuer. Ihr hingegebenes Leben hat Mosambik verändert, das südliche Afrika, ja, wirklich die ganze Welt. Cassandra Soars hat Heidi Bakers unglaubliche Geschichte in großartiger Weise festgehalten.
John Arnott
Mitgründer Catch the FirePartners in Harvest
Heidi Baker ist eine von Gottes Frontkämpfern und Helden in den geistlichen Schlachten im heutigen Afrika. Ihr Einfluss auf die Geschichte Mosambiks wird über Generationen hinweg spürbar sein. Lesen Sie von den Schwierigkeiten, den Siegen und dem Vordringen des Reiches Gottes in diesem Bericht über den Dienst des Heiligen Geistes durch Heidi. Wir sind Freunde; wir arbeiten gemeinsam in Christus. Iris und YWAM sind in vielen Teilen der Welt Partner. Lesen Sie, genießen Sie und setzen Sie die Prinzipien um, nach denen Heidi dem Herrn dient, und auch Sie werden viel Informationen bekommen und inspiriert, begeistert und motiviert sein, Ihre Bestimmung hier auf Erden zu erfüllen.
Loren Cunningham
Gründer Jugend mit einer Mission
Cover
Titel
Impressum
Stimmen zum Buch
Einleitung
Teil I: Mama Aida
Kapitel 1Weihnachten in Mosambik
Kapitel 2Leben in Pemba
Kapitel 3Die Gabe der Heilung
Kapitel 4Entwicklung für Mosambik
Teil II: Frühe Jahre
Kapitel 5Erste Liebe
Kapitel 6Zweite Liebe
Kapitel 7Beginn des Missionarslebens
Kapitel 8Wendepunkt: Asien 2.0
Kapitel 9England
Teil III: Reise nach Mosambik
Kapitel 10Maputo
Kapitel 11Multiplikation
Kapitel 12Die Bocaria
Teil IV: Für den Einzelnen stehen bleiben
Kapitel 13Toronto
Kapitel 14Wieder sehen können
Kapitel 15Expansion
Kapitel 16Politische Krise
Kapitel 17Die Iris-Familie
Kapitel 18Auch Frauen wurden in Gottes Bild geschaffen
Teil V: Rückkehr
Kapitel 19Abschied
Kapitel 20Reif für ein Wunder
Kapitel 21Deutschland
Kapitel 22Willkommen zu Hause
Nachwort
Anmerkungen
Weitere Titel
Dies ist eine Geschichte über die Menschen, von denen ich das meiste zum Thema Lieben gelernt habe.
Als kleines Mädchen lag ich oft nachts lange wach und überlegte, wie ich die Welt verbessern könnte. Mein Kinderherz war beschwert, und es empfand besonders für die, die verletzt waren und Schmerzen litten. Irgendwo hatte ich von „armen Leuten“ auf der andere Seite der Welt gehört. Wir selber waren auf unserer Seite der Welt übrigens auch arm – ich bin nicht sicher, ob mir das bewusst war. Ich träumte davon, eines Tages reich zu sein und Flugzeuge zu besitzen, mit denen ich die Armen nach Amerika holen könnte, wo ich sie in großen Gebäuden unterbringen würde, die mir gehörten. Kindliche Träume.
Als ich noch nicht lange auf dem College war, hörte ich Heidi Baker bei einer Konferenz sprechen. Ihre Stimme und ihr Tonfall verrieten Leidenschaft für das Y-förmige Land Mosambik, in dem der Farbton Dunkelorange alles dominierte, und seine schutzlosen Kinder. Was Heidi erzählte, erinnerte mich an meine Kindheitsträume, in denen ich Leidenden zu einem besseren Leben verhelfen wollte.
Gleichzeitig drängte sich die Frage auf: Warum hatte sie alles aufgegeben, um in einem der ärmsten Länder der Welt zu leben?
Was den meisten Mosambikanern als erstrebenswert galt, war ein komfortables Leben in „Amer-i-ka“. Von Amerika sprachen sie, als sei es das Land ihrer Träume, das Land, das Alegria (Freude) verheiße. Heidi jedoch war offensichtlich glücklich in Mosambik.
Heidi erzählte von ihren Adoptivkindern und deren Leben auf der Straße, bevor sie sie fand – den Mädchen, die vergewaltigt, den Jungen, die belästigt worden waren und denen, die andere belästigt hatten oder die zum Stehlen gezwungen wurden, den Menschen, die auf der Müllkippe wohnten – und wie sich ihr Leben veränderte, nachdem sie sie adoptiert hatte. Ihre Geschichten waren herzzerreißend, schon das Zuhören tat weh. Die Konferenzteilnehmer brachten Heidi außerordentliche Bewunderung entgegen, sie warteten in Scharen, um mit ihr sprechen zu können. Alle wollten unbedingt ein Wort oder einen Segen oder eine Umarmung. Sie wurde wie eine Heilige behandelt, wie eins ihrer eigenen Vorbilder, Mutter Teresa.
Am Tag danach saß Heidi Baker im Flugzeug auf dem Weg zurück dorthin, wo ich nur Leid sah, sie jedoch Freude fand. Und ich steckte wieder in meinem College-Alltag, und ihr schönes Land und die Kinder rückten wieder in weite Ferne.
Nach meinem Abschluss landete ich an einer Stelle, wo unter durchaus ähnlichen Bedingungen gearbeitet wurde, wie sie Heidi Baker beschrieben hatte: Die Schule war von Armut geprägt, es fehlte an Mitteln, um Kinder zu unterrichten, die im Grunde Waisen waren (deren Mütter drogensüchtig und deren Väter verschwunden oder unbekannt waren).
Die kleine Schule in der Innenstadt von Pittsburgh, an der ich Highschool-Englisch unterrichtete, war, harmlos ausgedrückt, heruntergekommen, und der Mann, der sie mir zeigte, tat mir richtig leid. Mit entschuldigendem Blick und Tonfall führte er mich herum. Als wir in den Pausenraum im Keller kamen, wo zu Mittag gegessen wurde, musste ich fast würgen – es war ein ähnliches Gefühl wie bei meiner Arbeit in einer stationären Therapieeinrichtung für Kinder, die entweder keine Eltern hatten oder deren Eltern aus irgendeinem Grund nicht in der Lage waren, für sie zu sorgen. Dort kündigte ich, weil ich nicht länger mitansehen konnte, wie die Mitarbeiter die Kinder misshandelten – diese Kinder, die in ihrem kurzen Leben schon genug Misshandlungen erlitten hatten. In dieser schäbigen Schule nun fragte ich mich, ob ich hier vielleicht etwas bewirken könnte. Ich schüttelte das Gefühl ab, das die kalte Bauruine im Keller in mir ausgelöst hatte.
Im Unterricht verhielt ich mich gegenüber den Teenagern, die an ihren Tischen vor mir saßen, strenger, als ich wirklich war. Sie hatten so riesige Probleme: Eine meiner Schülerinnen schrieb darüber, dass sie sexuell missbraucht und als Ergebnis von Inzest geboren worden war. Ihr Vater war auch ihr Großvater, der ihre Mutter vergewaltigt hatte. Die Mutter eines anderen Schülers starb. Seine Tante nahm ihn auf, und er, der Waisenjunge, belästigte jetzt seine jüngeren Cousinen. Ich wollte ihnen so gerne helfen! Ich wollte so gerne erleben, dass sie es schafften, aber anscheinend fiel es ihnen schwer, sich vorzustellen, dass das Leben auch anders sein könnte.
Um erfolgreich zu sein, hätten diese Kids oft ihren Wohnort, Freunde und Familie verlassen und alles Vertraute aufgeben müssen – alle Sicherheit, die sie je gekannt hatten. Ich gab ihnen, was ich geben konnte, so viel Erziehung und Liebe und Fürsorge, wie sie bereit waren anzunehmen, aber im folgenden Jahr wurde die Highschool aufgrund ihrer finanziellen Probleme geschlossen. So zog ich aus der Innenstadt weg und machte einen höheren Abschluss im Fach Schreiben. Die akademische Welt war weit, weit entfernt vom Leben in der Innenstadt, wo sich an Straßenecken erwachsene Männer hin- und herwiegten und hinter mir herpfiffen, wenn ich vorüberging.
An der Akademie wurde viel über Identitätspolitik diskutiert und alle Welt schien an sozialer Gerechtigkeit interessiert, aber nur sehr wenige wussten tatsächlich, was sie praktisch tun konnten, um Leid zu lindern. Im Reden war man gut, aber es kam nicht viel heraus bei all der Theorie. Die Leute an der Akademie waren Foucaults Intellektuelle – zum Handeln anscheinend nicht in der Lage. Sie warfen jedoch die Frage auf: Was gibt einem das Recht, sich in das Leben anderer einzumischen? Dies war die Hauptkritik an Imperialismus und Kolonialismus. Manche bezeichneten jegliche Entwicklung und humanitäre Intervention als imperialistisch. Aber damit machten sie es sich zu leicht. Es entschuldigte, dass sie nichts taten, um den Leidenden zu helfen.
Ich führte das Aufbaustudium zu Ende und begann am College das Fach Schreiben zu unterrichten. Im Lehrplanentwurf wählte ich für die Aufsätze Themen rund um den sozialen Wandel. Wie könnten Collegeanfänger analytisches Denken besser lernen als in der Auseinandersetzung mit sozialer Gerechtigkeit und extremer Armut? Meine Schüler wurden sensibler und entwickelten ein Bewusstsein für globale Zusammenhänge, und ich informierte mich über den afrikanischen Kontinent und die Komplexität seiner Probleme. Was ich über den „Wettlauf um Afrika“ las, in dem die führenden Köpfe Europas im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert den Kontinent unter sich aufgeteilt hatten, löste in mir Trauer und Wut über die Ungerechtigkeit aus.
Ich wollte unbedingt mehr tun und erkannte, dass mir das unter anderem möglich sein würde, indem ich über Afrika schrieb. Ich erinnerte mich an Heidi Baker. Mosambik zählte zu den ärmsten Ländern der Welt. Es war ein Land, das sich von Überschwemmungen, Dürrezeiten und einem Bürgerkrieg erholen musste. Ja, hier wollte ich beginnen. Quasi unterwegs würde ich meine Story finden, in einem Prozess, der als Immersion Journalism bezeichnet wird. (Bei dieser Form des Journalismus begibt sich der Autor eine Zeitlang in das Milieu, das er beschreiben möchte, und schreibt dann über seine eigenen Erfahrungen und Emotionen; es geht ihm weniger darum, Fakten als vielmehr die Atmosphäre zu vermitteln, A. d. Ü.)
Ich informierte die Universität, ich werde nach Afrika fliegen, um für ein Buch zu recherchieren, und könne im Frühjahrssemester nicht unterrichten. Rechtzeitig zum Herbst wolle ich aber wieder zurück sein. Dann reiste ich ab – mit Ziel Pemba in Mosambik, ein entlegenes Landstädtchen an der Küste im Norden Mosambiks, wo Heidi und ihr Mann Rolland wohnten. Mein Plan war, nach einem Semester wieder zur Universität zurückzukehren und weiter an meiner Laufbahn als College-Professorin der Fakultät für die englische Sprache zu arbeiten. Ich ging von vier Monaten in Afrika aus – doch damit lag ich falsch. Letzten Endes verbrachte ich sieben Jahre weitgehend in Mosambik. Das Projekt selber geriet zu etwas viel Größerem.
Damals wusste ich nicht, dass ich in eines der ärmsten Länder der Welt ziehen würde, und ich wusste ebenso wenig, dass ich am Anfang einer anderen Art Ausbildung stand, einer, die zum Fundament für den Rest meines Lebens werden sollte. Ich hatte nicht mit all den Veränderungen gerechnet, die sich aus der Entscheidung, über Afrika zu schreiben, ergeben sollten. Ebenso wenig hatte ich erwartet, eine neue Lebensweise zu lernen. Heidi war das lebendige Beispiel für ein Leben im Geist, einen vom Übernatürlichen gefärbten Lebensstil, bei dem das Feuer des Geistes die gefallene menschliche Natur verzehrt, so wie ein Feuer die Brandopfer im Alten Testament verzehrte, einen Lebensstil, bei dem etwas anderes wichtig ist für Körper und Seele als der eigene materielle Komfort, etwas Höheres, weit Besseres als der amerikanische Traum. Anfangs fiel es mir schwer, Heidis Lebensweise zu begreifen. Im Lauf der Zeit jedoch, während ich beobachtete und Interviews führte und Seite an Seite mit Heidi arbeitete und lebte, wandelte ich mich unmerklich vom Zuschauer zum Mitspieler und Heidi wurde mir eine geistliche Mutter.
Ich kam nach Mosambik, um Afrika zu studieren, und ich wollte etwas schreiben, was die Menschen bewegte, sich der Armen anzunehmen. Mein Engagement für soziale Gerechtigkeit und soziales Handeln bestand in erster Linie im Schreiben.
Angesichts der extremen Armut wurde mir sofort klar, dass ich noch viel lernen musste, bevor ich je hoffen könnte, etwas Hilfreiches zu schreiben (oder zu tun). Die Probleme waren zu komplex. Nach fast einem Jahr in Mosambik beschloss ich, ein Aufbaustudium im Fach Internationale Entwicklung an der University of London School of Oriental and African Studies zu absolvieren, was mir das Zusammenspiel von Wirtschaft, Geschichte, Armut, Korruption und der Rolle der Regierung verstehen helfen würde. Es war ein einjähriger Master-Studiengang, und als ich den Kurs neun Monate später zu Ende gebracht hatte, kehrte ich nach Mosambik zurück, um für meine Doktorarbeit zu recherchieren. Damals begegnete ich Steve, meinem Mann.
Als Steve und ich heirateten, fast drei Jahre nach meiner ersten Mosambik-Reise, beschlossen wir, gemeinsam auf Dauer nach Mosambik zu ziehen und uns dem Team der hauptamtlichen Mitarbeiter von Iris Global anzuschließen, wo wir ein Berufsausbildungsprogramm für Teenager entwickelten und dann auch Verwaltungsaufgaben der Organisation übernahmen. Ein paar Jahre später fiel mir die Rolle von Heidis Assistentin zu, weil ich die benötigten Kompetenzen hatte, als sie dringend Hilfe brauchte. Das ist der Grund für mein umfassendes Insiderwissen bei dem, was gegen Ende des Buches berichtet wird. Da es in dieser Story um Heidi geht, gebe ich mir alle Mühe, mich selbst daraus zu halten und nur notwendige Hintergrundinformationen über mich als den Erzähler beizusteuern.
Heute, zehn Jahre nachdem ich nach Afrika zog, um für ein Buch zu recherchieren, das ich in der Hoffnung schreiben wollte, Bewusstsein für extreme Armut zu wecken, merke ich, dass ich dabei irgendwann vom objektiven Beobachter zum Familienmitglied geworden bin. Das Buch, das ich zu schreiben beabsichtigte, das, welches Sie jetzt in Händen halten, handelt nicht von den Problemen, die Afrika plagen. Es handelt von den Problemen, die die Menschheit plagen, und von dem Dienst einer Frau, die bereit ist, etwas dagegen zu tun.
Immer noch gibt es Leid in großem Ausmaß (und wahrscheinlich wird es das immer geben). Nach der Massenvernichtung des Holocaust und dem Zweiten Weltkrieg sagte die Welt: „Nie wieder!“ Aber wir sahen zu, als bei dem Genozid in Ruanda fast eine Million Leute umgebracht wurden, und auch in anderen Fällen sehen wir immer noch oft untätig zu.
Heidi war anders. Sie sprach davon, für den Einzelnen stehen zu bleiben. Nicht für Hunderttausende, sondern für einen: für das Leben eines Menschen – dessen, der gerade vor einem steht. Man stelle sich vor, jeder würde nur für einen stehen bleiben. Und dann für noch einen. Und dann vielleicht für noch einen.
Auf diesen Seiten werden Sie Geschichten von Glauben und Heilung finden, die so konkret erlebt wurden wie die Hitze der Tropensonne oder eine herzliche Umarmung. Diese Geschichten sind nicht dogmatisch oder tot, und, was das Beste ist, sie sind nicht Ausfluss irgendjemandes hoffnungsvoller Vorstellungskraft.
Während es hier letztlich um Heidis Geschichte geht, ist es auch eine Geschichte über den Einfluss, den sie auf andere hatte, mich selbst eingeschlossen. So wie Mütter ihre Töchter prägen, hat sie dazu beigetragen, dass ich zu jemandem wurde, der Menschen besser liebt. In meinen rund dreißig Lebensjahren ist mir noch niemand begegnet, der besser liebt als sie, und niemand, dessen Liebe Hunderttausende Menschen auf der ganzen Welt persönlich beeinflusst.
Es heißt, dass die größte Liebe die ist, die sich selbst aufopfert. Jesus selber sagte: „Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde“ (Johannes 15,13). Heidi hat gelernt, zu lieben, auch wenn es wehtut. Dies ist ihre Geschichte und die Geschichte einer Liebe, die sich wie Feuer ausbreitet.
Kapitel 1
Vor dem kleinen Flughafen in Pemba in Mosambik, einem Land an der Südostküste Afrikas, blinzelte ich in das hellste Sonnenlicht, das ich je gesehen hatte. Die hohe Luftfeuchtigkeit ließ mir bei fast vierzig Grad Hitze die Kleider auf der Haut kleben. Es war Dezember 2005, und obwohl nur wenige Wochen vor Weihnachten, gab es nichts, was auch nur im Mindesten an Weihnachten erinnerte. Die Melodien, Dekorationen und Weihnachtsbäume in den riesengroßen europäischen Flughäfen, verglichen mit denen dieser hier erst recht winzig wirkte, hatte ich hinter mir gelassen. Während ich darauf wartete, abgeholt zu werden, sah ich mich um und wurde mir meiner hellen Haut bewusst. Ich würde lernen müssen, wie es sich anfühlt, zu einer Minderheit zu gehören.
Nachdem ich fast eine Stunde in der brütenden Hitze gesessen hatte, kamen zwei Frauen in einem Laster mit geschlossenem Führerhaus, in dem zwei Metallbänke standen. Acht kleine Jungen drängten sich auf den Sitzen, was kaum genug Platz ließ für die beiden riesigen Gepäckstücke, in die ich alles eingepackt hatte, was ich meinte in Afrika eventuell zu brauchen.
Ich quetschte mich neben die Jungs und gab mir alle Mühe, mich von ihrem offenem Starren nicht irritieren zu lassen. Sie schwatzten auf Portugiesisch, eine Sprache, die ich noch nicht beherrschte. Die Jungen, zwischen acht und zehn Jahren alt, gehörten zu Iris Ministries (heute: Iris Global), einer von Heidi und Rolland Baker gegründeten Organisation mit Hauptsitz in Pemba, Mosambik, wo die Bakers für zweihundert bedürftige Kinder sorgten.
Die Kinder nannten Heidi alle „Mama Aida“, das ist „Mama Heidi“ auf Portugiesisch. Als ich damals in Mosambik ankam, kümmerte sich der internationale Dienst von Heidi und Rolland Baker um mindestens tausend Kinder in Mosambik und tausend weitere in anderen Teilen der Welt. Ein paar Jahre später sorgten sie für mehr als sechstausend Kinder, und diese Zahl explodierte wenige Jahre danach auf zehntausend. Heidi hatte die Vision, dass Iris noch zu ihren Lebzeiten für eine Million Kinder sorgen wird.
Ich lächelte die Jungen an und betrachtete die Landschaft, wobei mir Verschiedenes auffiel: das warme Licht, das von harten Oberflächen abstrahlte, die Offenheit auf den Gesichtern, die raue natürliche Schönheit der Gegend und die Armut. Meine Güte, welch eine Armut! Sie zeigte sich in löchriger Kleidung – Shirts, die so zerrissen waren, dass sie an den mageren Gestalten kaum hängen blieben. Für diese Art von Armut fehlte mir jede Bezugsgröße; meine Erfahrung beschränkte sich auf die relative Armut eines Lebens unterhalb des nationalen Einkommensdurchschnitts, aber die erdrückende Armut des Hungers kannte ich nicht.
Auf dem Weg zu Iris sah ich den Ozean in atemberaubenden Grün- und Blautönen. Keiner hatte mir gesagt, dass das Kinderzentrum so nah am Meer lag – nur durch die Straße getrennt. Die Küste war unberührt, und der schwarze und weiße Sand glitzerte im Licht der Sonne, die über dem türkisfarbenen Wasser unterging und einen scharfen Kontrast zu der Armut bildete. Ich war darauf eingestellt, großes Elend zu sehen, aber all die Schönheit und Liebe, die ich in Afrika vorfand, einer Region, für die Krieg, Hungersnot und Krankheit so typisch sind, traf mich unvorbereitet.
Im Kinderzentrum angekommen, scharten sich die Kids um mich, spielten mit meinen Haaren und zogen an meiner Hand, und als ich mich hingesetzt hatte, schlief mir eins von ihnen auf dem Schoß ein. Obwohl sie unangenehm nach Urin roch, war mir bewusst, was dieses kleine Mädchen brauchte; statt sie abzuweisen, ließ ich sie, die Ärmchen in einer vertrauensvollen, entspannten Haltung um mich geschlungen, auf meinem Schoß zur Ruhe kommen.
An meinem ersten Abend in Mosambik verlief ich mich. Ich konnte den Weg zu meiner Unterkunft nicht finden. Die Missionarin, die mir die Anlage zeigte, ließ mich in der Nähe des Eingangstores, wo sie wohnte, plötzlich allein. Ich war zwar eine berufstätige Frau Mitte zwanzig, aber als ich da im Dunkeln unter einem riesigen Affenbrotbaum stand, fühlte ich mich wie ein Kind, das sich nach seinem vertrauten Zuhause sehnt.
Ich ging in die Richtung, wo ich meine Unterkunft vermutete, eine Einraumhütte aus Beton mit Blechdach. Als ich am Ende des Weges nichts als einen lauten Generator vorfand, wusste ich, dass ich nicht zurückfinden würde, ohne um Hilfe zu bitten. Da stand ich nun neben dem brummenden Generator auf dem Lehmpfad und wartete darauf, dass irgendwer des Weges kommen würde. Ich versuchte mich zu erinnern, wie der Weg am Tag ausgesehen hatte, konnte mich aber nur an einen hohen Bambuszaun erinnern. Als eine ehrenamtliche Helferin, eine junge Amerikanerin etwa in meinem Alter, auf mich zukam, war ich erleichtert, dass ich sie auf Englisch fragen konnte, ob sie wüsste, wo ich untergebracht war. Sie zeigte nach links und sagte: „Diese Gasse gehst du bis zum Ende durch und dann rechts, dann liegt dein Haus vor dir.“ Sie war ein bisschen kurz angebunden – aber ich war doch dankbar für die Wegbeschreibung.
Schon von Weitem konnte ich meine Hütte sehen, den grellen Blauton des Anstrichs, der im Mondlicht eben noch sichtbar war. Dort angekommen, öffnete ich die schwere Holztür, die über den Betonfußboden schrammte, und trat ein. Ich knipste den Lichtschalter an, stand aber nach wie vor im Dunkeln und fragte mich, ob es denn je Strom gäbe. Eine gefühlte halbe Stunde lang wühlte ich in meinem Koffer herum. Ich hatte sehr viele verschiedene Dinge mitgenommen, und weil alles vakuumiert verpackt war, konnte ich nichts finden, was ich jetzt brauchte, nicht einmal eine Taschenlampe.
Das Gemeinschaftsbad, das ich mit vier oder fünf anderen teilte, befand sich gegenüber meiner Hütte, und als ich mich im Dunkeln dorthin aufmachte, betete ich, dass es bitte von Schlangen, Spinnen und Kakerlaken frei sein möge. Ich erkannte eine Toilette, ein Waschbecken und eine Dusche, fragte mich aber, wie sie funktionierten, denn fließendes Wasser gab es nicht. Wie gerne hätte ich duschen oder mir zumindest den Schmutz aus dem Gesicht waschen können, bevor ich ins Bett fiel!
Vor dem Sonnenuntergang um sechs Uhr hatte die Hitze an die fünfzig Grad betragen. Noch einmal durchwühlte ich mein Gepäck nach einer Taschenlampe, konnte aber nicht einmal etwas zum Anziehen für die Nacht finden. Ich legte mich unter das Moskitonetz – etwas zittrig und in sehr schmutzigen Kleidern. Dabei fiel mir das vierjährige Kind ein, das früher am Tag auf meinem Schoß eingeschlafen war; sie hatte nach Urin und Schweiß gerochen und mir kam in den Sinn, dass ich jetzt wahrscheinlich ähnlich roch. Ich hatte nur ein Stück Toilettenpapier aus dem Bad, um immer wieder den Schweiß abzuwischen, der mir beständig über Gesicht und Nacken lief.
Auf was hatte ich mich da eingelassen? Beim Einschlafen kam mir in den Sinn, wie friedvoll und mit welch absolutem Vertrauen sich das kleine Mädchen auf meinem Schoß ausgeruht hatte. Ich sehnte mich danach, dasselbe zu fühlen.
Am nächsten Morgen wachte ich um vier Uhr früh auf. Die Sonne schien durch die Fenster, welche mit Fliegengitter versehene Aussparungen in den Betonwänden waren. Ich hörte Menschen reden, Babys weinen und einen Hahn krähen – so nah, als säße er auf meinem Dach. Es war zwar erst vier Uhr früh, aber die Sonne schien schon hell. Ich wusste: Wenn ich mich jetzt nicht sofort aufmachte, um alles zu erkunden, würde ich desto schüchterner werden, je mehr ich darüber nachdächte, was ich alles lernen musste, um auch nur meinen elementarsten Bedürfnissen nachkommen zu können.
Ich öffnete die Tür, vor der eine mosambikanische Frau saß. In einer Mischung aus Schauspiel und Zeichensprache fragte ich sie, wie die Toilette zu spülen sei. Freundlich zeigte sie mir den großen Wasserbottich, in dem oben ein kleiner Eimer schwamm. Den schöpfte sie voll und goss das Wasser in die Toilettenschüssel. Die Frau, verheiratet mit einem respektierten mosambikanischen Pastor, der in der Armee gewesen und im Bürgerkrieg gekämpft hatte, war mütterlich und freundlich.
Ich erfuhr, dass sie Juliana hieß, und dann machte sie mir vor, wie man eine Eimerdusche nimmt: Mit demselben kleinen Eimer goss sie sich, über dem Abfluss stehend, Wasser auf den Kopf. Später hörte ich einmal, dass ein paar Besucher all das nicht gewusst und in den großen Wasserbehältern gebadet hatten. Sie hatten ihren ganzen Körper in den Gesamtvorrat an sauberem Wasser eingetaucht. Ich konnte verstehen, dass sie die fast hüfthohen Wasserbehälter für Wannen hielten.
Gerne hätte ich Juliana alle meine Fragen gestellt, aber die Sprachbarriere machte eine ausführlichere Kommunikation schwierig.
In der traditionellen mosambikanischen Gesellschaft ist Hausarbeit Frauensache. Juliana war zu Hause und machte alles, was hier zu tun war, während ihr Mann, Pastor Guillermo, ein geachtetes Glied der Gemeinschaft, seinen Pflichten als Gemeindeleiter nachging.
Die Gemeinschaft war schockiert, als Heidi ein paar Monate nach meiner Ankunft Pastor Guillermo bat, von seiner Position zurückzutreten. Inzwischen war es offensichtlich, warum Juliana ein blaues Auge hatte; sie konnte die Auswirkungen seiner Prügel nicht länger verstecken. Eine Frau zu schlagen war in der traditionellen mosambikanischen Kultur manchmal akzeptabel, nicht jedoch in der internationalen Iris-Kultur. Pastor Guillermo, der nicht länger „Pastor“ genannt werden sollte, war demoralisiert. Das sah man an seinem niedergeschlagenen Blick. Ein paar Monate später starb er. Sein kleiner Sohn blieb im Kinderzentrum wohnen und Juliana wurde eine Tia (Tante), wie die mosambikanischen Frauen genannt werden, die bei den Kindern wohnen und sich um ihre Alltagsbedürfnisse kümmern.
Nachdem mir Juliana geholfen hatte, fand ich an meinem ersten Morgen in Pemba den Weg über die Straße an den Strand, wo ich mich unter eine Palme setzte und den Fischern zusah, die ihre in leuchtenden Farben gestrichenen Boote für die Tagesarbeit vorbereiteten. Es war laut, hinter mir gingen Scharen barfüßiger Frauen über die Straße, die sich unterhielten und sich gegenseitig Grüße zuriefen. Sie waren in wunderschön bunte Tücher gekleidet. Ich versuchte mich auf die leuchtenden Farben des Meeres vor mir zu konzentrieren statt auf die ungewohnten Empfindungen von Angst und Unsicherheit.
Der Schock des Neuen und Fremden, das völlige Eintauchen in eine andere Kultur – all das wirkte sich so aus, dass ich mich wieder wie ein Kind fühlte. Anders als einem Kind allerdings war mir bewusst, dass ich absolut keine Ahnung hatte. Ich sagte mir selbst, dass ich diese Erfahrung machen müsse, um so über Armut und kulturelle Unterschiede schreiben zu können, dass es dem westlichen Leser etwas sagte. Der Gedanke tröstete mich an diesem fremden Ort. Wenn ich Heidis Geschichte schon gekannt hätte, hätte ich mich vermutlich gefragt, wie es ihr vor über dreißig Jahren gegangen war, als sie von Laguna Beach in die Slums der Dritten Welt zog. Aber ich hatte ihre Geschichte noch nicht gehört.
Eine Woche später lud mich Heidi zum Abendessen mit ihr, Rolland, ein paar neuen ehrenamtlichen Iris-Mitarbeitern und fünfzehn Kindern ein. Sie hatte von einer Mitarbeiterin gehört, dass ich im Zentrum wohnen und ehrenamtlich mitarbeiten würde, während ich für ein Buch recherchierte. Sie kam als Letzte auf die Terrasse des Restaurants am Meer, wo wir alle uns schon eingefunden hatten. Jeden begrüßte sie persönlich und nahm sich für die, die etwas unbehaglich abseits standen, extra Zeit, damit sie sich wohlfühlten.
Heidi bewegte sich unter den Leuten so graziös wie eine Tänzerin. Ihre Haltung war die einer Ballerina; wenn sie im Gespräch still stand, nahm sie, vermutlich unbewusst, die vierte Ballett-Position ein. Heidi kniete nieder, um mit jedem Kind zu sprechen, hörte ihre Geschichten an und nahm sie fest in den Arm, wonach sie lachend und unter fröhlichem Rufen mit ihren Freunden davonliefen. Erst als sie mit jedem Einzelnen Kontakt gehabt hatte, setzte sie sich vor ihren Teller, auf dem das Essen bereits kalt geworden war. Es schien ihr nichts auszumachen.
Die Kinder hatten inzwischen aufgegessen, und ein paar junge Mädchen, die zu der Tanzgruppe für traditionelle afrikanische Tänze gehörten, probten am Wasser. Sie kicherten und schwatzten beim Tanzen voller Begeisterung, und ihre Zöpfe schwangen durch die Luft.
„Seht euch diese Gesichter an“, strahlte Heidi, offensichtlich voller Freude. „Hier gibt es keine Bilder für traurige Fernsehwerbung; solche haben wir nicht, außer wenn ein Kind gerade zu uns kommt.“ Sie hatte ein ebenmäßiges Gesicht, sogar beim Lachen. Heidi war eine zierliche Frau von einsfünfundsechzig, sie hatte helle blaue Augen, kurzes, blondes Haar, das ordentlich zur Seite gekämmt war, und ein herzförmiges Gesicht. Sie machte einen kultivierten Eindruck, ohne es darauf anzulegen.
Das Klischee einer Missionarin, die unter unzureichenden Bedingungen in der Dritten Welt arbeitet, passte nicht auf Heidi. Ihr maßgeschneidertes schwarzes Kleid, ihre Sonnenbrille von Prada, ihre Designer-Handtasche (welche überquoll von verschiedensten Sachen) und die adrette Art, wie sie die Stoffserviette vor dem Essen auf den Schoß breitete, sprachen alle davon, dass sie sich an schönen Dingen erfreute. Während sie ohne Weiteres in einem der besten Restaurants in Los Angeles hätte zu Abend essen können, war sie in Mosambik und verbrachte Weihnachten in glühender Tropenhitze bei kaltem Hühnchen.
Heidis Mann, Rolland, wirkte introvertierter als sie. Er war schlank und hochgewachsen und trug eine Brille, die ihm ein intellektuelles Aussehen verlieh, das zu seinem trockenen, aber manchmal oberflächlichen Humor passte. Bei unserer ersten Begegnung kam er entspannt herübergeschlendert und machte eine ironische Bemerkung, als würden wir uns seit Jahren kennen. Wie es bei hochintelligenten Menschen manchmal der Fall ist, schien Rolland am liebsten mit Witz und trockenem Humor zu kommunizieren.
Im Gegensatz dazu wirkte Heidi absolut ernst und extrem leidenschaftlich in Bezug auf ihre Arbeit. Als sie mir von ihrer Ankunft in Mosambik erzählte, sprach sie in einem leichten und unschuldigen Tonfall. Sie machte einen kindlichen Eindruck. Wie ich, war auch sie damals allein und ohne einen Plan in Afrika angekommen. Sie hatte niemanden gekannt und tagelang an Straßenecken gehockt und die Straßenkinder kennengelernt. Dann begann sie ihre Sprachen zu lernen – sowohl Portugiesisch als auch Shangaan, ihren afrikanischen Dialekt.
Bei ihrem ersten Besuch des von der Regierung betriebenen Kinderzentrums in Maputo fielen Heidi Maschinengewehr-Einschüsse in den Wänden auf und Ratten, die in offenen Rohren herumturnten. Früher einmal mussten die Betongebäude im portugiesischen Stil ästhetisch ansprechend gewesen sein mit ihren Bögen und exakten, rechteckigen Formen, aber aufgrund des Krieges befanden sie sich jetzt in einem desolaten Zustand. Manche der Dächer waren eingestürzt. In einigen Räumen wurden Ziegen gehalten, und es war schwer zu unterscheiden, wo die Tiere und wo die Kinder leben sollten. Überall stank es nach Fäkalien. Heidi erwog ernsthaft, sich die Nase zuzustopfen.
Als sie sah, in welchem Zustand die kleinen Kinder waren, musste Heidi fast weinen. Einmal täglich bekamen die Kinder einen dünnen Brei aus Maismehl zu essen. Ihre Bäuche waren aufgebläht und sie hatten alle Würmer in den Füßen, weil sie keine Schuhe besaßen. Ihre Augen waren ausdruckslos und sie schliefen auf dem Betonboden. Fast niemand in Mosambik verfügte über Kissen oder Matratzen, geschweige denn Betttücher. Nie hatte Heidi schlimmere Zustände gesehen.
Das Bild, das sie mir vor Augen malte, bildete einen krassen Kontrast zu den hübschen, strahlenden Kindern, die uns an jenem Abend beim Essen gegenübersaßen. Während sie erzählte, wurde Heidi immer lebhafter und ich fand ihre Geschichte immer faszinierender. Die Bakers hatten mit absolut nichts angefangen – sie hatten kein Geld, keine Kontakte im Land, keine Mitarbeiter – und es war offensichtlich, dass sie Außergewöhnliches erreicht hatten. Ich konnte Rollands und Heidis Leidenschaft spüren, als sie mir erzählten, wie sie jetzt dreizehntausend Menschen täglich mit Essen versorgten (diese Zahl erhöhte sich bei den nächsten Flutkatastrophen auf einhunderttausend).
Überall in Mosambik und Malawi waren Tausende Gemeinden gegründet worden und hatten Tausende bedürftiger Kinder Nahrung, Kleidung und Liebe bekommen. Überall waren verschiedene Kliniken, Bibelschulen, kleine Betriebe und Bauprojekte entstanden. Iris arbeitete außerdem in fast dreißig anderen Ländern, unter anderem dem Sudan, Brasilien und Indien. Ich wusste, die Liste ließe sich fortführen und die Zahl der Kinder, die sie aufnahmen, wuchs täglich.
Als Motivation nannte Heidi Liebe. „Wir versuchen, eines zu tun: Wir wollen lernen, wie man liebt“, sagte sie. „Das ist unser Job. Es ist unser einziges Ziel. Wir sind keine cleveren Routiniers, sondern wir wollen lernen, wie man liebt. Darum geht es in unserem Werk. Es geht um fleischgewordene Liebe. Liebe hat ein Aussehen. Für eine Mutter, deren Kind an Malaria stirbt, hat Liebe das Aussehen von Malariamedikamenten.“
„Ich möchte nicht, dass man uns als humanitäre Organisation einstuft“, ergänzte Rolland, nachdem Heidi mir all die unterschiedlichen Arbeiten von Iris aufgeführt hatte.
„Als was möchtet ihr denn eingestuft werden?“, fragte ich.
„Eine Erweckung“, sagte er. „Unkontrollierbar, die wie ein Feuer über Afrika geht.“
„Das Evangelium ist allumfassend und schließt Heilung für jeden Bereich ein, geistlich ebenso wie körperlich, und daran sind wir auch interessiert“, fuhr Rolland fort. „Es gibt zwei Lager in der Welt – die, die es glauben, und die, die es nicht glauben, die herumrennen und versuchen, die Welt heil zu machen, und nicht sehr weit kommen und keine bleibenden Ergebnisse erzielen.“
Immer wieder, sagte Rolland geringschätzig, stellten Christen die Frage, warum man bei Iris humanitäre Arbeit tun und sich nicht ausschließlich auf die geistlichen Nöte der Menschen konzentrieren würde. Er setzte voraus, dass die Antwort doch auf der Hand liege: Liebe ist ganzheitlich.
Rolland blickte in die Ferne, während er sprach, innerlich völlig auf das jeweilige Gesprächsthema ausgerichtet. Es schien, als bemerke er den Lärm und die Ablenkungen um uns herum gar nicht. Kinder liefen an ihm vorüber und riefen: „Papa Rolland, Papa Rolland!“ Er sah sie kurz an, sagte ausdruckslos: „Hi“, und sprach weiter, ohne seinen Gedankengang zu unterbrechen.
Rolland fuhr fort: „Ich hatte mir nicht vorstellen können, solch eine Arbeit zu tun, aber es hat sich herausgestellt, dass sie bedeutsamer und wichtiger ist als alles andere, was ich tun könnte.“
Ihre Geschichte faszinierte mich immer mehr. Sie wussten, dass ich zum Recherchieren da war, und nahmen sie sich praktisch während der ganzen Mahlzeit Zeit für das Gespräch und um mir ihre Geschichte zu erzählen.
Ich erfuhr später, dass Rolland bei Iris das Verwaltungsgenie im Hintergrund war und eine ganz wesentliche Rolle spielte. Hinter den Kulissen kümmerte er sich um die unendlich vielen Details, die das Betreiben einer internationalen Organisation in einem Drittweltland mit sich bringt. Als ich ihn fragte, warum seine Arbeit wichtiger sei als alles andere, antwortete er, wie er es oft tut, gründlich und von jedem Blickwinkel aus.
„Das Beste daran ist, Liebe dorthin zu bringen, wo es keine Liebe gibt, und dass sie überfließt in die unmöglichsten Situationen. Dadurch wird etwas bewirkt, was nichts anderes bewirken könnte. Es gibt eine ganze Reihe sehr erfolgreicher, vermögender Leute, fünfzig, sechzig Jahre alt, die innerlich wie verirrte Kinder sind und fragen: ‚Was sollen wir mit unserem Leben machen, damit es Wert hat?‘ Sie folgen in Bill Gates’ Fußspuren und stürzen sich auf die Philanthropie, sie versuchen etwas mit ihrem Geld zu machen, weil sie verzweifelt wollen, dass ihr Leben auf Dauer zählt.“ Er hielt kurz inne, räusperte sich und fuhr dann noch eindringlicher fort:
„Was wir tun, hat nicht nur mit Kindern und dem Dienst und Iris in Afrika zu tun, sondern es geht um die Auswirkungen in der Welt. Dieser Gedanke hilft uns, über alles hinauszukommen, was nur Gemeinde ist, und über alles, was ausschließlich humanitär ist. Wir sind keine Kirche, keine Bibelschule; bei Iris geht es nicht um einen Teilbereich. Es geht nicht einmal um Afrika. Wir sind nur ein kleiner Haufen Leute. Wir können uns nicht um viele Menschen kümmern, aber wir können ein Beispiel geben. Was wir tun, ist wirklich nicht nur ein etwas chaotischer Einsatz für die Armen in Afrika. Wenn das der Fall wäre, könnten wir ins Fernsehen gehen und Bücher schreiben und um Unterstützung bitten. Das tun wir nicht, denn für uns geht es darum, Gott die Anerkennung zu geben.
Wir möchten, dass die Menschen sehen, was er tun kann. Statt um Geld zu bitten, beschenkt Heidi unsere Gastredner – Pastoren und Missionare aus der ganzen Welt. Wir tauschen die Rollen. Darum geht es sowieso: alles auf den Kopf zu stellen.“
Das Gespräch wandte sich dann den Weihnachtsvorbereitungen und Geschenken zu; Heidi fragte eine Assistentin, ob die Geschenkgutscheine für die Missionare gekauft worden seien. Heidi hatte persönlich von einer Freundin Geld geschenkt bekommen, und das verwendete sie, um Gutscheine für ein Wellnessbad zu kaufen.
Bevor wir uns für diesen Abend alle verabschiedeten, wurde ich herzlich zur Weihnachtsfeier der Mitarbeiter an Heiligabend eingeladen. Sie sollte in dem italienischen Restaurant am Strand stattfinden. Man erzählte mir auch von dem Fest der Gemeinschaft am Weihnachtstag, zu dem viertausend Kinder mit ihren Familien zu einem Hühnchen-Festmahl im Zentrum kommen würden. Es würde ihr Highlight des Jahres sein.
Am Morgen des ersten Weihnachtstages half ich den Missionaren, zweihundert Geschenktüten für die Kinder im Zentrum zu packen. Wir brauchten fast vier Stunden. Nachdem wir für jedes Kind Kleidung in der richtigen Größe ausgesucht hatten, fügten wir Spielzeug hinzu, das zu seinem Alter und Geschlecht passte, und krönten das Ganze mit einer reichlichen Handvoll Süßigkeiten. Wir durften die Tüten nicht auf den Fußboden stellen, damit nicht die Ameisen schneller etwas von den Bonbons hätten als die Kinder. Das war auch der Grund, weshalb die Helfer bis zum Weihnachtstag mit dem Packen gewartet hatten.
Wir fingen früh an, sodass die Tüten fertig waren, als Heidi um etwa zehn Uhr kam. Ich sah zu, wie Heidi jedem Kind sein Geschenk persönlich überreichte. Dabei saß sie mit ihnen auf der staubigen, mit Marmorplatten ausgekleideten Veranda ihres Schlafsaals. Jeder Schlafsaal war ein langes, schmales Gebäude mit einem Sonnendach an der Vorderseite, das von grob behauenen Holzpfosten gehalten war und Schatten bot vor der heißen afrikanischen Sonne. Dennoch tropfte der Schweiß von Heidis Nacken, das feuchte Haar hielt sie sich mithilfe eines schwarzen Mützenschirms aus dem Gesicht. Eine kleine Gruppe Missionare und Besucher folgte Heidi von Veranda zu Veranda und feierte mit den Kindern, die ihre Geschenke öffneten. Es dauerte sieben oder acht Stunden, bis sie alle ihre Geschenktüten erhalten hatten, aber Heidis Enthusiasmus schien beim letzten Kind nicht geringer zu sein als beim ersten. Einer der Missionare, der neben mir stand, bemerkte, dass Schenken und Beschenktwerden zu dem gehörte, wofür Heidi bekannt war. Sie liebte es einfach!
Ein kleiner Junge rannte wie verrückt herum und sprang wie ein Pingpong-Ball hin und her, von einem zum nächsten, holte alle Geschenke einzeln aus seiner Tüte, bis sie leer war. Dann stopfte er alles wieder hinein, um es vor der nächsten Person wieder auszupacken. Das Videospiel schien ihm am besten zu gefallen, und er bat jeden, ihm zu zeigen, wie es ging.
Dieser Junge erlebte zum ersten Mal Weihnachten im Zentrum, und anscheinend war es das erste Weihnachtsfest überhaupt, bei dem er beschenkt wurde. Als er erst einen Monat zuvor aus dem Busch gekommen war, dachten alle, er wäre stumm, weil er wochenlang nicht ein Wort sprach. Aber jetzt plapperte er flüssig in Makua (der regionalen Stammessprache) und Portugiesisch daher. Seine großen Augen und sein unschuldiges, offenes Gesicht waren unwiderstehlich.
Immer wieder lief er zu Heidi, umarmte sie von hinten, auch wenn sie schon ein anderes Kind auf dem Schoß hielt. „Du Schlingel … als du zu uns kamst, warst du so schüchtern, dass wir dachten, du könntest gar nicht sprechen. Und jetzt sieh mal, wie du daherplapperst“, sagte sie auf Englisch zu ihm und zog sanft an seinem Arm, den er um ihren Hals geschlungen hatte. Er grinste, lief fort und warf sich auf den Rücken eines Missionars.
Nach dem Geschenkeverteilen machten wir uns alle auf den Weg zur Küche, wo es ein Festessen mit Hühnchen, Reis und Limo gab. Lichterketten schlangen sich wild um die Holzpfosten des großen, rechteckigen Raums, der halbhohe Wände mit großen Öffnungen hatte, die als Fenster dienten. Ich half, Hunderte Cola- und Fantaflaschen zu öffnen, und hatte besonders an den ganz Kleinen meine Freude. Sie saßen auf dem Boden statt auf den Holzbänken und aßen ohne Besteck – das schafften sie besser. Mit den Händen stopften sie sich Reis, Krautsalat und Hühnchenfleisch in ihre kleinen Münder. Die älteren Kinder kauten so lange auf den Hühnerknochen herum, bis sie sie herunterschlucken konnten.
Da die Kinder alle gleichzeitig herumrannten, sprangen, kreischten und aßen, herrschte eine solche Lautstärke, dass ich kaum die Frau neben mir verstand, die mir erzählte, dass es am Abend zuvor ebenso feucht, ebenso laut und ebenso chaotisch gewesen war (völlig anders als der stille, kontemplative Heiligabendgottesdienst, den sie von ihrer australischen Heimat gewohnt war). Sie wies mich auf ein paar Teenager-Jungen hin, die kleine Kerzen vom Candlelight-Gottesdienst des Vorabends durch die Gegend trugen. Sie jagten sich gegenseitig und versuchten die Kerzen der anderen auszublasen. Die ehrenamtliche Helferin erzählte mir das mit einem Lächeln, und ich hatte das Gefühl, ich hätte etwas verpasst, weil ich nicht dabei gewesen war.
Beim Rückweg zu meiner Betonhütte, mit Blick auf die afrikanischen Sterne am tiefschwarzen Mitternachtshimmel, dachte ich über Iris und Rolland und Heidi Baker nach, über humanitäre Hilfe, Gesundheitsfürsorge, Bildung für die Armen und über verlassene Kinder, die eine Familie finden. Ich dachte über weniger Greifbares nach, was Rolland angedeutet hatte: über Hoffnung und Liebe, den Geist, in dem geholfen wurde, und wie sich das wie ein Feuer quer durch Mosambik zu verbreiten schien. Es war dieses Feuer, das sich ausbreiten musste, um den Armen ein besseres Leben zu ermöglichen, und ich fragte mich gespannt, wie sie die Flamme anfachten.
Kapitel 2
Die blonde, blauäugige Heidi, aufgewachsen in Südkalifornien, war nicht der typische Missionskandidat für ein Drittweltland. Wahrscheinlicher wäre gewesen, dass sie wie ihr Vater eine Eliteuniversität besucht und in irgendeinem von vielen möglichen Berufsfeldern eine erfolgreiche Karriere gemacht hätte. Aber Heidi und Rolland zogen vor über fünfunddreißig Jahren aus den Vereinigten Staaten fort, suchten die Armen und Elenden in der Dritten Welt und wandten sich den Menschen zu, die, vor den Augen der Welt verborgen, in extremer Armut leben. Überraschenderweise schienen die Bakers glücklicher zu sein als die meisten Leute in meiner Bekanntschaft, die im Westen erfolgreich Karriere gemacht hatten. Heidi und Rolland fanden ihre eigene Art von Erfolg in Mosambik – für sie sah Erfolg so aus, dass die Hungernden gesättigt, die Kranken geheilt und die Waisen in eine Familie aufgenommen wurden.
Wenn man vom Metalleingangstor des Iris-Geländes, das den Namen Village of Joy (Dorf der Freude) bekommen hat, nach draußen sieht, glitzert der türkisfarbene Indische Ozean in der Ferne. Im Sonnenschein tanzen funkelnde Lichtpunkte auf dem
